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Full text of "Die Makedonen, ihre Sprache und ihr Volkstum"

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Die Makedonen, 



ihre Sprache und ihr Volkstum. 



Von 



Dr. Otto Hoffmann, 

s.o. Professor an der Universität Breslau. 



Sprache und Geschichte eines Volkes 
zusammen geben den Begriff seiner 
Nationah'tät. 

August Schleicher. 




651 



'sn^. 



5.3 



6ottin9«n 

Tandenboech und Rupredtt 

\906. 



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UnlT.-Buchdruckerei von E. A. Huth, Qöttingen. 



Vorwort. 

Waren die Makedouen Griechen oder nicht? Diese Frage, 
die vor 30 Jahren durch die Arbeiten von Abel und Fick zu 
Gunsten des Griechentumes entschieden zu sein schien, ist seit 
etwa 10 Jahren von neuem aufgerollt und verschieden beantwortet 
worden. Als energischer Verfechter des griechischen Yolkstumes 
der Makedonen ist Hatzidakis in seiner Schrift „zur Abstam- 
mung der alten Makedonier'^ (Athen 1897) und in späteren Auf- 
sätzen (IR XI 313 ff. KZ. XXXVII 150ff.) in die Schranken 
getreten. Ihm steht als Hauptgegner Kbetschmer gegenüber, 
fcer seine schon in seiner Einleitung (1896) 288 vertretene Auf- 
■Eassung gegen Hatzidakis in der Berl. Philol. Wochenschr. 1897, 
K. 1105 verteidigt. Nach ihr waren die Makedonen „ein den 
■Griechen eng verwandtes Volk, welches, wenn es sich nach Süden 
■^ gewandt hätte, so gut hellenisch geworden wäre wie Dorier und 
Thessaler und Böoter"; es war „griechischer als etwa die Thrakei*^^, 
aber doch eben nicht-griechisch. 

In diesem neu entbrannten Streite stehen die Historiker fast 
alle auf der Seite von Hatzidakis, aus leicht begreiflichem 
Grunde: waren die Makedonen Griechen, so verstehen wir das 
lexanderreich und die hellenistische Kultur als durchdachte 
grossartige Schöpfungen des griechischen Geistes. Waren sie 
aber Barbaren, so bildet die vollendete Art, wie sie als ein freies, 
unabhängiges, mit den Waffen überlegenes Volk die fremde grie- 
chische Kultur mid den griechischen Geist in sich aufgenommen 
haben, gradezu ein psychologisches Rätsel, vgl. Beloch in Sybels 
Zeitschr. Bd. 79 (1897), S. 198. Das Lager der Grammatiker ist 
gespalten: die einen sind von den sprachlichen Argumenten 
Keetschmers überzeugt, andere halten mit ihrem Urteile ganz 
zurück, wenige nur sprechen sich unumwunden für das Griechentum 
der Makedonen aus. 

Das entscheidende Wort in der Makedonenfrage ist den 
Resten der makedonischen Sprache vorbehalten. Wenn sich auf 






- IV — 

diese jede der beiden Parteien beruft, so kann das nur darin 
seinen Grund haben, dass das Material weder genügend durch- 
gearbeitet noch richtig erklärt und gewertet ist. 

AVas die Glossen betrifft, so greifen alle neueren Urteile über 
den makedonischen AVortschatz — das gilt für Keetschmeb 
ebenso wie für Hatzidakis — auf die beiden Aufsätze Ficks 
aus den Jahren 1864 und 1874 zurück. Ihre grosse Bedeutung 
wird niemand verkennen oder unterschätzen. Aber einmal sind 
in ihnen alle diejenigen Fragen, die sich sachlich an die Glossen 
knüpfen, nicht berührt, und zweitens vertrat Fick, der heute selbst 
den Einfluss fremder Sprachen auf das Makedonische anerkennt 
(BB. XXiy 297), damals so streng die griechische Abkmift jedes 
einzelnen makedonischen AVortes, dass seine Etymologien zum 
Teil keinen Glauben fanden und dadurch die Aufnahme des 
Gesamtresultates beeinträchtigten. Endlich aber versteht es sich 
von selbst, dass Etymologien, die vor 40 Jahren aufgestellt wur- 
den, nach dem neusten Stande der Forschung dringend einer 
Nachprüfung bedürfen. 

Die makedonischen Personennamen sind bisher in der Make- 
donenfrage sehr mit Unrecht hinter den Glossen zurückgesetzt 
worden. Die nicht zu bestreitende Tatsache, dass verschiedene 
Makedonennamen der griechischen Heldensage entlehnt sein kön- 
nen, liess die Vorstellung aufkommen, als ob überhaupt für alle 
Namen der Makedonen mit der Annahme einer Entlehnung aus 
dem Griechischen gerechnet werden dürfe und müsse. Dazu kam 
noch ein Zweites. Die politische Bedeutung des AVortes Mayiedcov 
im 5. und 4. Jahrhundert erweckte Zweifel daran, ob man irgend 
einen beliebigen „Makedonen" überhaupt als Vertreter des Volkes 
der Ma/,eö6veg ansehen und aus seinem Namen Schlüsse auf die 
makedonische Sprache ziehen dürfe. Es ist also vor allem not- 
wendig, nur das unbedingt zuverlässige Namen-Material auszu- 
sondern. Eine beliebige Auswahl von makedonischen Namen, die 
irgend ein besonderes sprachliches oder geschichtliches Interesse 
besitzen, genügt nicht. Es müssen vielmehr für bestimmte Standes- 
und Berufsklassen, in denen, wie wir sicher wissen, nur Vollblut- 
Makedonen vertreten waren, alle uns bekannten Namen einer be- 
stimmten Periode zusammengestellt und erklärt werden. Dabei 
besitzt ein sprachlich so einfacher Name wie NUavÖQog genau 
den gleichen AVert wie ^Aöaloq oder Aäyog: denn nicht der ein- 
zelne Name, der zur Erklärung reizt, sondern die Gesamtheit der 



-_ V — 

Namen und der durch sie bedingte Gesamtcharakter des Namen- 
systemes ist das Ausschlaggebende. 

Die Ortsnamen spielen in der Makedonenfrage eine ganz 
untergeordnete Rolle, sie können höchstens ein schon sicheres 
Resultat weiter ausfüliren. Jeder Ortsname beweist niu" etwas 
für die Bevölkerung, die ihn gegeben hat. Da wir aber bei fast 
allen makedonischen Orten gar nicht wissen, ob sie wirklich von 
den MaAedöveg benannt sind, so gewinnen die Ortsnamen erst 
dann für die Geschichte ihre Bedeutung, w^enn das Volkstum der 
Makedonen aus anderer Quelle fest bestimmt ist. 

Besonderen Dank schulde ich meinen Breslauer Freunden 
Prof. CiCHORius, Norden und Skutsch für das Interesse, das 
sie dieser Arbeit von Anfang an entgegenbrachten. Sie haben 
mich teils in mündlichem Gedankenaustausch, teils bei der Durch- 
sicht der Korrekturbogen durch manchen wertvollen Ratschlag 
und manche Belehrung unterstützt. Auch August Fick hat sich 
in alter Freundschaft der Mühe unterzogen, einen Teil der Kor- 
rekturbogen zu lesen. Da sich mit ihm ein jeder, der an den 
makedonischen Wortschatz herantritt, auseinandersetzen muss, so 
konnte es nicht ausbleiben, dass auch mich die Erklärung der 
einzelnen Glosse, des einzelnen Namens häufig zur Polemik gegen 
ihn geführt hat Um so mehr aber freue ich mich, zu demselben 
Endziele wie er, wenn auch vielfach auf anderen Wegen, gelangt 
zu sein. 

Breslau, Ostern 1906. 

Otto Hoifmann. 



ü 



Inhalt. 



I. Quellen der makedonischen 

Sprache. 

1. Allgemeines 1 

2. Amerias der Makedone . 2 

3. Die Briefe Alexanders . 17 

4. Makedonische Glossen ohne 
Ethnikon 22 

5. Makedonische Elemente in 
der xoivrj und im Neu- 
griechischen 23 

II. Der altmakedonische Wortschatz 34 

1. Die Natur des Landes . 37 

2. Der Mensch und sein täg- 
liches Lehen 49 

3. Staat und Heer .... 76 

4. Keligion 92 i 

5. Schlussfolgerungen . . . 111 

III. Die makedonischen Personen- 

namen. 

1. Allgemeines 116 

2. Das Herrscherhaus der 
Argeaden 121 

3. Die Bürgen des Perdikkas- 
Vertrages 141 

4. Fürsten und Adel im oberen 
Makedonien 150 

5. Die Somatophylakes des 
Alexander und ihre Ange- 
hörigen 167 

6. Die Pagen Alexanders . 179 



Seit© 

7. Die makedonischen Trup- 
penführer u. Verwaltungs- 
beamten Alexanders . . 181 

8. Andere vornehme Make- 
donen des V. u. IV. Jahr- 
hunderts 202 

9. Vornehme makedonische 
Frauen im V. und IV. 
Jahrhundert 216 

10. Einzelne Makedonen ein- 
facher Abkunft im IV. 
Jahrhundert 222 

11. Makedonen späterer Jahr- 
hunderte 223 

12. Schlusswort 230 

IV. Der makedonische Dialekt 

1. Die Mediae an Stelle der 
Aspiratae 232 

2. Die übrigen Laute . . . 241 

3. Deklination 249 

4. Konjugation 253 

5. Stammbildung .... 253 

V. Die Gründung des makedonischen 

Reiches 256 

Anhänge. 

1. xalaQQvFd „Graben" . . 262 

2. Aridaios oder Arrabaios? 264 

3. Alexarchos 266 

Nachträge und Berichtigungen . 269 
Register 271 



u 



Erster Absclinitt. 
Von den Quellen der makedonischen Sprache. 

1. Allgemeines. 

Alles, was wir aus der grossen makedonischen Zeit, aus dem 
IV. und III. Jahrhundert v. Chr. von der makedonischen Sprache 
erfahren, besteht in einzelnen Worten, die durch Grammatiker 
gesammelt oder in den Geschichtswerken gelegentlich erwähnt 
waren. 

Diese Glossen hat Sturz (De dialecto Macedonica et Alexan- 
drina Leipzig 1808) zum ersten Male gesammelt. Nach seinem 
Urteil waren sie zum Teil »vocabula proprie Graeca et ad vete- 
rem Hellenum linguam referenda«, zum Teile aber entlehnt »ex 
ahorum populorum linguis, imprimis Persarum, Syrorum, Hebrae- 
orum, Aegyptiorum aliorumque«. Zum Glück hat er nur einzelne 
Proben für die Erklärung makedonischer Glossen aus orientalischen 
Sprachen gegeben (S. 26 ff.) und sich im übrigen begnügt, das 
Material ohne Kommentar und ohne etymologische Deutungen vor- 
zuführen. Er trug nicht nur das zusammen, was ausdrücklich als 
makedonisch überliefert ist, sondern auch alle unter dem Namen 
des aus Makedonien gebürtigen Lexikographen Amerias über- 
lieferten Glossen und bereicherte diesen Stoff noch durch eine 
ganz willkürhche Blumenlese aus dem Wortschatze des Menander. 

Da die Hauptmasse der Glossen bei Hesych steht, so bot 
die kritische Ausgabe dieses Lexikons durch MSchmidt unmittel- 
bar die Veranlassung dazu, dass im Jahre 1864 August Figk 
in der von Benfey herausgegebenen Zeitschrift Orient und Occi- 
dent II 718 — 729 aufs neue die makedonischen Glossen behan- 
delte und aus ihnen die Grundzüge des Dialektes zu entwickeln 
versuchte. Die Arbeit ist voll von schlagenden Etymologieen 
und geistreichen Einfällen, aber doch nur eine schnell hinge- 

Hoffraann, Makedonen. 1 



— 2 — 

worfene Skizze, die einer breiteren Ausführung bedurfte. Diese 
gab FiCK erst zehn Jahre später in Kuhn's Zeitschrift für vergl. 
Sprachf. XXII 193—235 („Zum makedonischen Dialekte"). Da 
er für die Glossen S. 193 — 215 wiederum die kleine Ausgabe des 
Hesych zu Grunde legte, so blieben viele aus anderen Quellen 
bekannte makedonische Worte fort. Dafür kamen aber die 
„makedonischen Personennamen" (S. 215 — 235) hinzu und wurden 
zum ersten Male sprachHch ausgebeutet. Unverändert durchzieht 
diesen Aufsatz die Anschauung, dass das Makedonische ein rein 
griechischer Dialekt war. 

Die von Fick übergangenen Glossen trug im nächsten Jahre 
GMeyer in Fleckeisens Jahrb. f. class. Philologie XXI (1875) 
185 — 192 nach: für die Sprache brachten sie aber so gut wie 
gar keine Ausbeute. 

Die Glossen des Hesych werden im allgemeinen ohne An- 
gabe einer Quelle mit dem einfachen Zusätze »Mayisööreg«, »vtzö 
MaK£Ö6vcovi< angeführt. Nur bei zweien ist dem Ethnikon noch 
der Gewährsmann hinzugesetzt: die eine von ihnen stammt aus 
den riwooai des Makedoniers Amerias, die andere aus den 
Briefen Alexanders des Grossen. 

2. Amerias der Makedone. 

Dieser Mann pflegt in der makedonischen Sprachenfrage 
eine bedeutende Rolle zu spielen. Denn es gilt allgemein als 
Tatsache, dass Alles, was wir vom Makedonischen wissen, auf 
ihn zurückgeht und dass auch die mit dem einfachen »Maze- 
dövsg« überlieferten Glossen sämtlich seinem Werke entstammen i). 
Ja, man ist noch weiter gegangen. Man hat sich die gram- 
matischen Arbeiten des Amerias (oder doch deren Benutzung 
durch seine Nachfolger) wesentlich aufs Makedonische beschränkt 
gedacht und deshalb alle mit i^fieglag überlieferten Glossen 
unbekannter Herkunft ohne Prüfung und ohne ein Wort der 
Begründung unter die makedonischen aufgenommen. Damit ist 
Stuez, allerdings »dubitanter« (S. 34), vorangegangen, und alle 
Späteren bis herab auf Kketschmer und Hatzidakis sind ihm 
ohne Bedenken gefolgt. Wie weit dieses Zutrauen gerechtfertigt 
ist, das kann nur ein Überblick über Alles, was wir unter dem 
Namen des Amerias besitzen, zeigen. 

1) PuTDiK de Alex. M. epist. comm. 13. Kretschmer Einl. 285. 



Amerias gehört zu denjenigen älteren alexandrinischen Gram- 
matikern, von deren Persönlichkeit wir wenig mehr als den Namen 
kennen. Er war von Geburt Makedone (^^/neglag 6 May,Edcov 
Athenaeus IV 176 c, e XV 681 f) und verfasste ein Werk mit 
dem Titel »ricoGaaL« (Athenaeus IV 176c, e, Schol. z. Apoll. 
Ehod. II 382 1280), femer ein 'Pi^ozofxiyiovj aus dem Athenaeus 
XV 681 f eine Bemerkung über die Pflanze Iv^vig anführt. 
Annähernd lässt sich seine Lebenszeit dadurch bestimmen, dass 
er zusammen mit Kleitarchos (Athenaeus VI 267 c), Timachidas 
von Ehodos (Athenaeus III 114e IX 369 a) und Neoptolemos 
von Parion (Apion bei Eust. 757, 19) genannt wird, und dass 
Aristarch, wie Herodian II, 79, 23 berichtet, gegen die von 
Zenodot und Amerias verfochtene Lesung öia ömöeog Ttedioio 
A 754 polemisierte, vgl. LCohn bei Pauly-Wissowa I 1827. 
Wir besitzen von seinen rXioGoai nur ein paar Splitter, die mit 
seinem Namen bei Hesych, Athenaeus und in den SchoHen zu 
ApoUonius Ehod. und Theokrit überliefert sind. 

Wenn ein Grammatiker des III. Jahrh. den Beinamen 6 
Mansöojv führt, so folgt daraus keineswegs, dass er in seinen 
»rhüGoai« ausschhessHch den makedonischen Dialekt behandelte 
oder gar von seinen Nachfolgern nur als Quelle des Makedonischen 
benutzt und ausgeschrieben wurde. Den „Makedonen" nannte 
man Amerias lediglich deshalb, weil er in Makedonien geboren 
war: weitergehende Schlüsse dürfen aus dem Beinamen allein 
nicht gezogen werden. Der Inhalt seines Werkes lässt sich nur 
mit Hülfe der Glossen selbst, die aus ihm angeführt werden, be- 
stimmen. Aus ihnen heben sich als eine geschlossene Gruppe 
ab die 

rhdoGat ''O^riQLY.ai. 

Wie alle seine alexandrinischen Kollegen versuchte sich auch 
Amerias darin, den homerischen Wortschatz -/.arä yXwoaav zu 
erklären. Bei den wenigen Proben, die uns davon erhalten sind, 
fehlt überall die Angabe, auf welchen Dialekt Amerias seine 
Deutung gründete. Dass er vorzugsweise oder gar ausschliesslich 
solche homerische Worte, die sich im Makedonischen fanden, be- 
rücksichtigte und aus diesem Dialekte erklärte, ist unbewiesen 
und unwahrscheinlich. So scheiden denn diese homerischen 
Glossen des Amerias von vornherein aus den Quellen des Make- 
donischen aus. Es sind: 

1* 



— 4 — 

eTtrißoXog (ß 319) öi aocpa^T^g' ovrco yial ^^ixeqiag ccTte- 
6w7,ev iv taig rXwoaaig Schol. zu Apoll. E-hod. II 1280. 

yLllaiov (w 208) . . . ev eregq) ds ygacpei (^l'hog Jlovv- 
üLog), OTi vMaiov ^uäfxsQiag t6 7TQ6GTq)Ov, ^tawg Ttagä Icoaiv, wg 
yuxl ''0(,irjQog »ttbqI de yXlolov d-h ftavTrj« Eustathius 1958, 1. 

lavy,avlr] {X 325 ß 642) . . . ^^fieglag öe xov laifxcv 
yial TÖv ßQoyxov Schol. z. Apoll. Ehod. II 192. 

XlogÖv tÖ oiiaXoVy Ttaqa z6 Xiav ^ioov. ^^fXEQiag de ItzI 
Tov viprjlov avTO Xa/j,ßdveL Etym. Magn. 567, 13. Dazu Schol. 
z. ApoUon. Rhod. II 384 ^^/xeglag de ev ylcoaoaLg Xiooöv tc 
vxpTjldv ajtoöidwGLv. Vgl. aus Hesych haatj' leia neben Xlgoov 
avavTeg, aTtorofioVj vipTjlov. Wenn die Zusammenstellung von 
haaog in der Bedeutung „hoch" mit alban. l'is „Eiche, Baum" 
(Hahn Alban. Stud. I 227) richtig wäre, so hätte Amerias bei 
der Erklärung des homerischen hooog an ein nichtgriechisches 
Wort gedacht, das er möglicherweise in seiner Heimat gehört 
haben könnte. Aber diese Etymologie ist falsch und verdiente 
nicht, von GMeyer FJ. 188 wieder erwähnt zu werden 2). Amerias 
hat seine Deutung nicht aus einem entlegenen Winkel geholt, 
sondern auf den gemeingriechischen Gebrauch des Wortes ge- 
gründet. Von Homer an sind die Adjektive lioorj, lig (jn 64 79) 
und hoodg in der Sprache der Dichtung Beiworte der Tterga 
und bezeichnen eine Felswand, die glatt und schroff abstürzt, 
besonders den steilen Küstenfelsen, der nackt aus dem Meere 
emporsteigt ^). Die zwei Deutungen des Altertums sind also 
beide richtig, und doch wird keine von ihnen dem Worte ganz 
gerecht: denn jede hebt von den zwei in haoog mit einander 
verbundenen Eigenschaften nur die eine hervor. Es ist deshalb 
auch bedenklich, mit den meisten der modernen Erklärer von 
einer Grundbedeutung „glatt, eben" auszugehen und entweder 
llvog und leiog^) (Lobeck Prol. 298 Ahbens Kl. Sehr. I 471 



2) Schon lautlich lässt sich hooög gar nicht mit alban. l'is ver- 
binden, da dieses als Lehnwort aus altbulg. lesü entstanden ist. 

3) eori de rig hoorj aiJisTa re Ecg aXa Jistgr] y 293, hoorj ö' avaösdQOfxs 
jtsTQij s 412 H 4 (danach gebildet dvheivs liaoi] Tistga Diodor XX 41, 2 von 
einer aus der Gebirgsschlucht sich erhebenden Felswand), Vgl. den 
Stadtnamen Acooög an der kretischen Küste. 

4) Dass für Homer Xiooog und leXog nicht verwandte, sondern direkt 
entgegengesetzte Begriffe waren, geht aus e 401 ff. deutlich hervor. Nach- 
dem Odysseus von der Verderben drohenden -»iLoorj nsxQrj«^, an der er fast 



— 5 — 

CuETius GE.5 367 Prellwitz GE. 178 184) oder german. slehta- 
„schlicht, eben" (Sütterlin IF. IY 96) zum Vergleiche heran- 
zuziehn. Will man überhaupt auf eine einfache Vorstellung 
zurückgehen, so liegt der Begriff des „Kahlen" am nächsten (vgl. 
Xiooovg' . . Tovg ^ovxfj cpaXaKQovg Hes.). Ihn legt auch Ditten- 
BERGER seiner Erklärung des kretischen Xiaaog „zahlungsunfähig" 
im Ephebeneide von Dreros Syll. II ^ no. 463 n 5 (vgl. Anm. 18 
zu no. 427) zu Grunde: ai de Xiaoog eirii,, ayyqa\pdvro)v eg JbX- 
cpivLOv^ oaaa za furj Ttga^coviL XQW^'^^- 

Xvyog (i 427 z 166) . . . '^fxeqiag di cpr^oi ' »Ivyog' Qccß- 
öog, ayvog«. Schol. zu Theokrit I 97 (Ahrens II 73, 23). 

OTTLdrjg {^ 754) . . . ZrivoSovog 08 owaivel Tjj d//a rov ä 
ygcccffj '/.ai cpTqoL OTtiöeog xov anoQOv yial vgoxiog. y.al ^{.iSQiag 
Ss leyeL ojCLÖeog xov rtoXXov y,al svgeog xal fAeydXov. y.ayco de 
GvyyiaTaTl&e/Liat xdlg dvögaoiv. Herodian ed. Lentz II 79, 23. 

Eine zweite der Bedeutung nach geschlossene Gruppe um- 
fasste diejenigen Glossen, die in dem 

^PlL0T0f.lL%6v 

vereinigt waren. In diesem Werke fanden sich allerhand Pflanzen 
und Wurzeln beschrieben, die namentlich von den Ärzten als 
Heilmittel verwendet wurden. Nur eine einzige Glosse ist es, für 
die das '^Pi^oTOfjLxov ausdrücklich als Quelle genannt wird, aber 
zum Glück lässt sie einigermassen die Art erkennen, in der 
Amerias seinen Stoff behandelte. 

Ivxvlg . . . Athenaeus XV 681 f ftegl de Ttjg XvxviSog le- 
ytov u4^eqiag Mayteöcov ev Tfo "^PitoTO^rui) cprjaiv dvacpvvau 
avTT^v ey, xcov ^^cpqoöixrig Iovtqcov^ ore "^HcpaloTii) ovyy.oifxtjd'eloa 
tj ^^4(pQoöiTri ikovoazo. sivai S' dgloTriv ev KvTtqo) y^al ytrif^ivoj^ 
exL de ^xQoyyvlr] xal "Egvyn xal Kvd^riQOig. Was Amerias hier 
von der Ivxvlg, deren Name gemeingriechisch war, erzählt, ist ein 
deutlicher Beweis dafür, dass es ihm weder um die Beschreibung 
seiner heimatlichen Flora noch um die lautliche Gestalt der 



zerschmettert wäre, glücklicli wieder frei gekommen ist, winkt ihm an 
der Flussmündung ein vor Sturm und Brandung geschützter »;fft>ßo? 
ägioTog, XeXog jcergdcov« s 442, den er schwimmend erreicht. 

Eine Grundform *Xlt-i6g lehnt Lagercrantz Z. Griech. Lautg. 31 ah, 
da aus ihr nur *XTa6g hätte werden können, und ersetzt sie durch *Xix-iö? 
mit Berufung auf die Hesych-Glossen hxdg • djtoto/^og, Xsixfjvsg • . . . xal 
r(öv xcüqIoüv ra yjiXd, Xi^ ' . . . xal Xi^og jcXaxvg ; vgl. auch den Inselnamen 
Äixddsg. Diese Etymologie steht schon bei Lobeck Proleg. 442. 



— 6 — 

Worte zu tun war. Vielmehr legte er besonderes Gewicht darauf, 
die Verbreitung der Pflanzen festzustellen und Hess es auch an 
mythologischen Exkursen nicht fehlen. Für die Laute und Formen 
des Makedonischen war aus diesem Werke garnichts zu holen. 

Ob ausser Xvxvig noch mehrere der Pflanzennamen, für die 
Amerias als Gewährsmann genannt wird, in seinem ^Pi'CpToy.iyiov 
standen, ist nicht zu entscheiden. Sie mögen deshalb zu der 
dritten Gruppe gestellt werden, zu den 

rkwaoav s&vrKal, 
die Alles umfassen, was aus sprachlichen Gründen gesammelt 
wurde, sei es dass es sich um ein seltenes Wort oder um eigen- 
artige Laute und Formen handelte. 

Kein Glossograph wird im Hesych so oft genannt, wie der 
Amerias. Und doch ist nur einer einzigen seiner Glossen 
ausdrückHch der Dialekt, aus dem er sie und ihre Bedeutung 
belegte, hinzugesetzt: dem Silenen-Namen oavadai. oavöoi. 
^^(XBQtag Tovg oeileivovg ovzw ■^aXela^ai (prjOLv vtxc MaÄedovwv. 
Die von Fick KZ. 214 vorgeschlagene Ableitung von aevco lehnt 
Keetschmee Einl. 1950". mit Recht ab. Die ^avddaL lassen 
sich nicht trennen von dem Namen des thrakisch-phrygischen 
Gottes 2avdl^iog (inschriftlich), 2aßdtiog, Sabadios, der als Vege- 
tationsgott dem Dionysos am nächsten stand und gleich diesem 
durch orgiastische Feste gefeiert wurde (Strabo X 471). 

Noch eine zweite, nicht bei Hesych stehende Glosse des 
Amerias nennt ihre Heimat: Tta^d de ^Ecpealoig 6i oivoxoovvreg 
Tß&eoi tfi tov HooBidiovog eoQxfj tavqoi^) e^jiaXovvTOf cog^^/xeglag 
g)7jOi Athenaeus X 425 c. 

Bei mehreren Glossen verrät zwar Amerias das Ethnikon 
nicht: wir kennen die Worte aber auch aus der Literatur oder 
durch andere Grammatikerzeugnisse und wissen, dass sie im 
attischen, lakonischen, böotischen, ambrakiotischen, italisch-dori- 
schen und tarentinischen Dialekte vorkamen. In den meisten 
Fällen weicht die durch Amerias bezeugte Bedeutung von der 
aus den anderen Quellen bekannten gar nicht oder nur unbe- 
deutend ab. Und wo sie abweicht, ist Amerias nicht immer 
der einzige Gewährsmann für sie, sondern mit ihm zusammen 
werden auch andere Glossographen genannt, wie Pamphilos und 



5) Über die nach dem Gott selbst und seiner Gestalt gegebenen 
Namen seiner Verehrer und Diener vgl. Usener Götternamen S. 358 ff. 



Timachidas, die dem Verdachte, Spezialisten im Makedonischen 
zu sein, nicht im entferntesten unterliegen. Es wäre also eine 
auf nichts gegründete Vermutung, wenn man annehmen wollte, 
dass Amerias die von ihm vertretene Erklärung auf seine Mutter- 
sprache gegründet habe. 

Eine besondere Sorte von Backwerk hiess in Athen d^aito- 
vLOv, vgl. Suidas s. v. 6ia/.6viov (xev ttjv tov TclaKOvvzog 7,qyi- 
Tclöa. MevskI^q de 8v xiT) rXcjooo'AOfÄM zavTa el'QTjxe ftegl avxov. 
^^d^rivdioi TO) ^^Ttollwvi TTjv Y.a'kovfxivriv Eigsoicovr^v orav Ttoicoai, 
fcXccTTOvreg XvQav ze /lal yiOTvkr^v -aal /.Xrjiua -/.al aX)^ arra xi;- 
äIotsqtj TvefiiiiaTa, tavTa %aXovGi diay.6vL0v. AiyBxai ö^ ItzI xivoq 
syKQaTovg. oi-iolwg di ymI ^^(.leQiag öiayidvLa zd Aaia xr(v EIqs- 
ouovriv Tqj ^^TXoXkiovi nXaooo^Eva Tte^iixaTa. zivig ds Xeyovot 
Ccofiöv Tcoiov, TLveg ös (xätav. Den einzigen literarischen Beleg 
für dLä^/,6viov bringt Athenaeus XIV 645a aus Pherekrates. 
Dass Amerias, ebenso wie Menekles, das Wort nur als attische 
Glosse besprochen haben kann, geht aus dem Zusätze »zr« -^axä 
zrjv EigsGicüvriv tco ^AtcoXXwvl 7vXaoo6fA.eva<(^ deutlich hervor. 
Beide Grammatiker haben ihren Bericht offenbar aus derselben 
Quelle geschöpft. 

f.ivyiriQog' djuvyöaXri . . . Athenaeus II 52c Aäxoivag ös 
2€levAog ev rhoaoaLg cpriol xalelv zd /xalaxd yidgva i.ivy,'i]QOvg, 
TrjVLOvg de zd yXvKea yidgva. ^Afxsgiag de (pfjov f.w%rigov zriv 
df.ivyödXr^v yiaXslod^aL. Nach dem Zeugnisse des Pamphilos ge- 
brauchten die Ijakonen das Wort i^ivytrjgoL auch in der von 
Amerias belegten Bedeutung, vgl. Athenaeus II 53 b Ildfxcpikog 
ev rkcoGoacg f.wvxrigoßay6v (überl. fxovKtjgoßazov: emendiert von 
Ahrens Dial. II 45 125) qnfjOi AaXelod^ai zov '/.agvoxazaAzrjv 
VTtd zcov Aauovcüv dvzl zov df.ivyöaloy,azdyizriv. (xovAV^govg ydg 
Ad'/.wveg '/.alovoi zd d/^vyöaXay vgl. Hesych (,iov'Arigoßa(y6)g ' 
yiagvo/,azdy.zrjg. Das Wort war also gemeingriechisch, die Be- 
deutung „Mandel" aber speziell lakonisch. 

Xalov eazi ■^^af-iTtvliq ßa/izrjgla^ fj ol Ttoi/^eveg xgcjvvai, 
^Ajueglag de ipiXriv aTzeötoyie gdßöov, Schol. zu Apoll. Rhod. 
IV 972. Die lakonische Bedeutung „Hirtenstab" belegt derselbe 
Scholiast aus zwei Dichtern, aus Alkman (xat z6 nag AX'/.- 
(ddvi de XeyofXBvov egvolxatov^ zii) xai(^ egvovza^ tJzoi Tcoi^al' 
vovia Keil: überliefert ist egvovzag rj jtoi^aiveöd^ai) und aus 
Kallimachos (KaXXifxaxog * ^yertgene zol ngotxovoa xdgrjg evgela 
'AalvTtzgri^ 7V0L(.ievrAdv Ttilr^fAa Aal ev x^Q^ /«toj^ t'xovGa«). ür- 



— 8 — 

sprünglich war xaio- aus ghaiso- jeder zum Werfen benutzte 
Langstab, vgl. %aTo)^ . . . ol öi XaycoßoXov Etym. Magn. 804, 46, 
altgall. gaisos (Servius zur Aeneis VIII 660), alts. ger, altn. geirr 
„Wurfspiess", FiCK Yergl. Wörterb. II* 104. 

^a-aeXTLÖeg' KoXoytiJVTai . . . Athenaeus IX 369a NUav- 
ÖQog d KoXoqxLvLog ev ralg rXwoöaig naqct BoLcovolg ydozQag 
ovo^dteod^ai xdg xgdixßag, rag Si yoyyvlldag CexelTidag • ^^ixeglag 
öe "/.al Tif.iaxiSag Tag ytoloKvvTag Layce^Tiöag xaXelod^aL. Die 
Lesart LaKektidag in C kehrt bei Hesych wieder: ^axelTiöeg ' 
KoloyivvraL tJ yoyyvXiöeg. Dem von A überKeferten KeyielTldag 
scheint Kaibel deshalb den Vorzug zu geben, weil er die Glosse 
Kely^ca * Idxava. (Dqvyeg Hes. für stammverwandt hält. Die beiden 
Worte sind aber ganz verschiedenen Ursprungs: das phrygische 
^slyiia, das weder in den Lauten noch in der Bedeutung mit 
tenel- oder CazeA- übereinstimmt, gehört zu altb. zelo, zlakh 
„Kraut", lit. zeliü „ich grüne", während der Stamm von LctyL-eXiig 
in dem lydischen tw/^-wd-ideg' AoXoAvvxai (r^^) yoyyvViÖEg nct^d 
Avöoig Lex. Seguer. Bekker Anecd. Gr. I 261, 17 (vgl. Hesych 
^ayivvd-iSeg ' xoXoKvvzaL) wiederkehrt. Da der Wortschatz des 
Lydischen nach Keetschbier Einl. 388 ff. aus autochthonen 
(nichtindogermanischen) und phrygischen (indogermanischen) Ele- 
menten gemischt war — die wenigen Glossen lassen das aller- 
dings nur dürftig erkennen — , so können Ccc7,-elTLg und tayt- 
vvd^ig klein asiatische Worte gewesen sein, die erst mit dem An- 
bau des Kürbisses und bestimmter Eübensorten in Griechenland 
einwanderten. 

TiaXaQQvyal ' i;dq)QOi. ^A^egiag Hes. Bei den Ambrakioten 
hiessen die Gräben Y.aXaqvai nach den Genfer IliasschoHen zu 
<P 259 ed. Nicole 1201 (UaQf^evlwv 6 Bvt^ovTiog' QeaaaXol tov 
ox^TOv afxaQYiv, ^A^ßqaMWTai öi yLaXagvavj^ bei den Lakonen 
TiaXagtveg- oxexoi. yldyccovag Hes. Treffend verbindet Fick 
diese Nomina mit /.elagvCco, dessen Grundbedeutung „rieseln" 
und nicht „rauschen" ß) war und das (P 261 gerade von dem 
Wasser gesagt wird, das durch einen Graben hindurchflutet; das 
Nähere im Anhange I. Da in den äohschen und dorischen 
Glossen des Hesych r sehr oft die Stelle des ursprüngUchen f 



6) Dem Odysseus, als er aus der Woge emportauchte, rieselte 
{xsloLQv^sv) das bittere Seewasser in Strömen vom Haupte herab s 323; 
aus der Wunde rieselte {xekägv^e) dunkles Blut A 813. 



— 9 — 

vertritt (GMeyer Gr. Gr. 3 § 236), so fasst Kretschmer Einl. 287 
KalaQQvya als yiaXaQQvßd auf. ^ In dieser Form, die dem ambra- 
kiotischen -/.alagvcc genau entspräche, würde sich / hinter v als 
ein sekundärer Gleitlaut entwickelt haben '^). Den kennen wir 
aus verschiedenen griechischen Dialekten durch die Inschriften ^) : 
von den Glossen aber sind es, soweit wir bis jetzt urteilen können, 
allein die makedonischen, die ihn graphisch zum Ausdruck bringen. 
Denn Kretschmer hat in der makedonischen Glosse äßQovreg 
(aßQOTsg) = 6q)Qv{e)g das T treffend auf F zurückgeführt, und als 
zwei weitere Belege für dieses zu r oder T entstellte sekundäre F 
schliessen sich die makedonischen Glossen aßXoyei (aus auoßXvfs) 
und yoTav (aus hvßav) an. Also ist die Vermutung, dass za- 
XaQQvßa ein makedonisches Wort war, nicht ganz ungegründet. 

TLTVQivog' /.lovavlog . . . Athenaeus TV 176c ow. dyvow 
öe OTi i^fieQiag o May.€Öcüv ev Talg FlajOGaig tltvqlvov cpr^OL 
y,aXeLod-ai tov fxovavXov. Vgl. Hesych TiTVQivog' fxovavXog i] 
avXog '/.aXdf-uvog. Den Namen TiTVQivog, der von dem dorischen 
TLTVQog = odxvQog abgeleitet ist, führte die Hirtenflöte in den 
dorischen Kolonieen Italiens nach Athenaeus IV 182 d o öe 
KaXdfULVog avXog TiTVQivog y.aXeliai Tvagd ToTg ev ^haXia Jia- 
QievoiVf (og lAQTe/iildajQog iotoqbI b ^^QLOToqidvEiog ev ß' Ttegl 
JwQiöog. 

ßaddg' 'MvaiSog. cog ^^f.iSQiag Hes. Verwandt mit den 
Glossen ßccTag • 6 /.aTacpegrig. Tagavilvoi, ßdxaXog • /.aTajcvycov 
Aol dvÖQoyvvog. 'Mvaidog. ey.XvTog Hes. und ebenso wenig, wie 
diese, etymologisch klar. 

Endlich schhesse ich hier noch vier ohne Ethnikon über- 
lieferte Worte an, die um des Amerias willen schwerlich als 
makedonisch angesehen werden dürfen, da er nicht als einziger 
Zeuge für sie genannt wird. 



7) Das von Fick BB. XXIV 298 gegen Kretschmer erhobene Be- 
denken, dass sich die Glossenschreiber der hellenistischen Zeit schwerlich 
noch bei der Umschrift lebendiger Worte des F als u bedient haben 
würden, vermag ich nicht zu teilen. Denn diejenigen Fälle, in denen 
der Buchstabe F bei Hesych in den entstellten Formen P, T, P erhalten 
ist (GMeyer Gr. Gr. ^ 314 ff.), scheinen nicht sämtlich aus literarischen 
Quellen zu stammen. 

8) Z. B. kor. Evfagxos, kret. rirovfsad'O), böot. Baxevfai, ion.-chalk. 
FaQvfovrjg, kypr. xevevFov u. s. w. 



— 10 - 

BV'/.ovog odiQv Tev'/,ovoq' 6 jtiTVQiTTqg ctQTog .. . Athenaeus 
III 114 e . . . Tov TCLTVQizriv QQTOv, ov evyiovov zevKOvov cvofxd- 
tovoLv ^^/,ieQiag xal Tifiaxtdag. Etymologisch nicht gedeutet. 

eldvTj de rj Xajuftdg "/.aXelxai, cog A/neglag qirjoiv. Nly.av- 
ÖQog d' Koloq)c6viog eXdvriv xr^v rwv y,alccfj.ojv öeofxrjv Athenaeus 
XV 701a. Vgl. eXevT}' lafxitdg öevi^ Hes. Eine Etymologie 
gibt Athenaeus XV 699 d bei einer Aufzählung von verschiedenen 
Namen der Fackel: ». . alXog de eldvriv, o Ss Tig fldvag^ rag 
XaiÄ/tdöag ovtco cpccoytcov '/.aXelaS^ai Ttagd xr^v eXrjv * ovxo) ö 
elTielv Nedvd-Tjv ev d xwv rtegl ^'AxxaXov lazogiiov (FHG. III 4) 
. . . Tifjaxlöag de 6 Poötog öeleigov xov cpavov /,aXelad^ai, oloVy 
cprioiv, o\ vvy,x€Qev6i^£V0L xwv vecov s'xovGiv . . . ovg ovxoi eidvag 
yialovOLv ^). 

ygdßLov q^avog . . . Athenaeus XV 699 e L^/iiegiag (a^ie- 
Qig A) ygdßiov xov q)av6v, ^elsvyiog de ovzwg e^iqyeixaL xavxriv 
xriv Xe^iv ' ygdßiov eoxiv x6 ngivivov ij dgvLVOv ^vlov, o Ttegie- 
d-laofievov %al naxeoxiaixevov e^d/rxeod^ai xal cpaiveiv xolg bdoi^ 
Ttogovoiv. Qeodwgidag yovv 6 2vga7,6oLog ev Kevxavgotg öid-v- 
gdfißc() cpiqaLv »Tciooa 6^ ccTto ygaßlcov eoxa'Cev«, olov anb [. . . . 
"ka^^Txdduiv. iiv[ri^iovevei de] ygaßlcov 7,a[l 2xgaxxig] ev OoivioaaLg. 
Nach Kaibel passt für die Grösse der Lücke allein der Name 
des ums Jahr 400 lebenden Komödiendichters Strattis. 

XeTraoxTj ' olvo%6iq . . . Athenaeus XI 485 d ^^fxeglag de 
cprioi xTjv oivoxorjv le/caaxr^v yiaXelo&ai. Wie die zahlreichen 
von Athenaeus XI 485 a— 486 a für lejtaoxiq aufgeführten Belege 
zeigen, war das Wort in der Bedeutung »Tioxrjgiov, yivli^, ev.- 
7t(0f,ia« gemein griechisch. Als »oivoxor]« wurde es nach Pollux 
X 75 von Aristophanes gebraucht: oxl de ^ lenaoxtj ovk evLTto)(Äa 
fxovov ioxlvf dXXd xal olvoxor^j aacpeg ^AgiOToq)dvr^g ev xio Fr^gv- 
xddrj TtOLsl' »Tiegiecpege de kv7.X(i) Xenaoir^v r^f-uv xaxv Ttgoocpe' 



9) Dieser alten Deutung pflegt man auch heute noch zu folgen und 
skdvr] mit sl'krj, sXtj „Sonnenwärme, Sonnenlicht", J^eXa • r^Xiog xai avyri 
Hesych (überl. ßeXa), germ. svelan ,, glühen" zu verbinden, vgl. u. a. Fick 
VW. I^ 580 II 4 324 GMeyer Gr. Gr. ^ 331. Dagegen spricht aber die 
Bedeutung, in der Nikander das Wort gebraucht hat und die ihr ver- 
wandte Erklärung des Hesych: Sst^ ist im Homer das als Fackel be- 
nutzte Bündel von Kienspänen {A 554 P 663). So werden wir mit 
Prellwitz GE. 89 die Frage aufwerfen dürfen, ob iXdvr] nicht besser zu 
ei'XXco ,, zusammenpressen", d-sXX^g d-oXX^g „zusammengeballt, geschlossen" 
zu stellen sei. 



— 11 — 

Qcov naig Ivix^i t€« (dasselbe Citat bei Athenaeus XI 485 a). 
In den "^Poöiaxal Xe^eog des Moschos war leTcaGTrj als »KSQafÄeovv 
ayyelov €oi/,ög raXg Xeyoidevaig TtTWfiaTiGiv, SATtexaXojzeQOv öi« 
erklärt, vgl. Athenaeus XI 485 e. 

Die bisher besprochenen Glossen haben klar gezeigt, dass 
Amerias weder ausschliesslich makedonische Worte 
gesammelt hat noch von den späteren Glossographen 
lediglich um des makedonischen Wortschatzes und 
Dialektes willen benutzt und ausgeschrieben worden ist. 

Diese Tatsache muss entscheidenden Einfluss ausüben auf 
die Beurteilung derjenigen Glossen des Amerias, die ohne 
Ethnikon überliefert und durch ihn allein verbürgt sind. Denn 
keine von ihnen darf den Makedonen zuerkannt werden, wenn 
sie nicht in ihrer Laut- oder Formenbildung EigentümHchkeiten 
zeigt, die uns aus anderen Quellen als makedonisch bekannt sind. 
Dieser Anforderung genügt aber von allen folgenden Glossen nur 
eine einzige, nämlich 

Gavxoqia' acüzr^gla. ^A^eQla(g) Hes. Zwei Gründe sprechen 
für den makedonischen Charakter dieses aus oacoTogla kontra- 
hierten Nomens. Erstens weist die speziell makedonische Bildung 
vLyiccTCüQy viytaTOQiog = gemeingr. vi^irjvrJQy viyiriTriQiog darauf hin^ 
dass die Makedonen von den beiden gleichbedeutenden Suffixen 
-TCüQ : -TOQog und -ttJq : -TYJQog (dojTOQEg neben öoTrjgeg) das 
erstere bevorzugten. Und zweitens erklärt sich, wie Fick KZ. 
214 hervorhebt, die Kontraktion von aaco- in oav- aus dem gerade 
fürs Makedonische bezeugten Übergange des co in ü (geschrieben 
ov)j vgl. die Glossen yivvovTceg und aKQOvvoi. 

Bei allen anderen Glossen fehlt ein ausreichender Grund^ 
den man für ihren makedonischen Ursprung geltend machen 
könnte. Ja, wir begegnen in mehreren von ihnen einem Laute,, 
der nach dem Zeugnisse der Grammatiker gerade im Makedoni- 
schen fehlte: dem d-. Dieser Konsonant kommt in keinem Ap- 
pellativum io)j das sicher als makedonisch überliefert ist, vor. 

Nur vier der Glossen tragen in ihrer Lautgestalt deutlich 
ein dialektisches Gepräge, ohne dass sie jedoch einem bestimmten 
Dialekte zugewiesen werden könnten: 

lod^'kri " (xly{e)La (xrjXcjTrj. t^i^eglag (überl. a^iqig) Hes» 



10) Über ßavkog und OovQidsg s. den zweiten Abschnitt, Götternamen. 



— 12 — 

In der gleichen Bedeutung werden überliefert i^alij Hippokr. 
vtegl ayf^cov c. 29 (ed. Kühlewein II 903), vgl. l^aXrj • aiycg 
doQoc Hes.; loaeXa- ÖLcpd^iqa Hes. und löGeliq' aiyetov öeq^ia 
Theogn. Cramer AO. II 1425; laaXri Schol. zu Aristoph. Nubes 
72 und Galen Lex. Hippokr. [ladXlrj); hd-elav ÖLqjd^eqav Hes. 
{böotisch ?, boeot. r^ aus a^ GMeyee Gr. Gr. 3 352); hxilri: 
Pollux VII 211 Tag öe dicpd^sqag ymIovoi hzeXag (i/tTekag F, 
iTteGTag die übr.); endlich loyilai' . . . al aiyuai iir}.wxai Hes. 
Das lautliche Verhältnis dieser Formen zu einander ist nicht klar. 

^riQOTtvQLTag' 6 avvonvQog aqxog . . . Athenaeus III 114c 
^f,ieQiag de %aXei ^r^QOTtvQirav rov airoTtvQov oqtov. Die gleiche 
Bedeutung hat xpyiqoTtvQirag ' avroTtvgog aqrog Hes., vgl. il'r^Qov ' 
^riQov Suidas, fieo{o)6iprjQ0v' rjfii^riQov Hes. 

/.a^aoTig' fxhgov tl. ^Aj.i€Qiag Hes. Zur Erklärung dienen 
drei Glossen, die zwischen m^LQOg und Kai^iiAaTa stehen: yMfAccQipai' 
xazakaßslv, Kcci^agipig • /neTQOv oiti7.6v, t6 r^f.tif^e6iiLivov, ^lolelg 
und yta/Ltdovriv • fiergov tl. Da die alphabetische Reihenfolge in 
allen drei Fällen den Anlaut y,a(xfx- fordert, so wird auch der 
Mass-Name des Amerias /,diAf,iaoTig gelautet haben oder wenig- 
stens, wenn das einfache ^u richtig überliefert ist, aus älterem 
v.ctfXfxaöTLg hervorgegangen sein. Wie nun das äolische '/.df.i(^)aQ' 
xpig auf * yiccT-j^iaQipig beruht und mit yMf.i(f.i)dQipaL (aus xara- 
jidgi^faf YMTaXaßeTv Hes.) zu AaTaf^oQ/tTw gehört, so führt auch 
-ndfAf^aoTig auf *y,dv-i^aOTLg zurück. Dieses -fxaoTig glaubt Fick 
KZ. 209 dem Stamme nach mit -i^agilug verbinden zu können, 
indem er den neben f-iagrc- liegenden kürzeren Stamm ^«tt- 
{^aTteeiv Hesiod Sc. 231 304, ^e^dnoiev 252) heranzieht und 
für xd/Li-ijaGTig als Grundform *y.afx-na7t'öTLg ansetzt. Jedoch 
ist ein zweiter Beleg für die Übertragung des an dentalen und 
sigmatischen Stämmen erwachsenen Ausganges -o-Tig auf einen 
labialen Stamm nicht bekannt, und femer hätte aus -f^anoTig 
nach gemein griechischen Lautgesetze -fuaTtTig werden müssen. 
Man wird deshalb die beiden Wörter besser trennen und für 
'fiaoTig einen Stamm mit dentalem Auslaute ansetzen. 

TB&oXcüg- dvd/vkecog. L4f4€QLag Kes. Entstanden aus Ted-äXwgj 
dem Maskulinum zu ze^dlvla I 208 L 293 X 192 415 v 245 
410 Hes. Theog. 902 u. s. Das Perfekt Ted^rila ist bekannt in 
der Bedeutung „strotzen von etwas, voll sein" z. B. rjineQig TEd^r^XEi 
aTag)vlfJGiv e 69, tgireög cpvlXoLOi Ted^rjlcug f.i 103. Der Über- 
gang von -al' in -oX- ist nur aus dem äoKschen Dialekte belegt. 



— 13 — 

vgl. aeol. xolaLOi Alkaios 18 9 = att. yalwoi, aeol. -^a-Gnolso} 
Sappho 50 81 = att. -^ara-oxalco (Hoffmann GD. II 355). 
Andererseits bildeten die Äoler das Partizip Pft. gewöhnlich 
auf -(ov: -ovzog und nicht auf -cog: -ozog (GD. II 565). 

In drei anderen Glossen ist der Wortstaram gemeingriechisch 
und nur das Suffix bemerkenswert: 

SQtvdg' oXovS-og . . . Athenaeus III 76e ''^jusglag S* SQivddag 
(eqiva'^ag überl.: verbessert von Schweighäuser) Tovg olov&ovg. 
Hesych erklärt kgirddeg durch oXvv&ol Tq GV7,al(oL) ccQQeveg. Das 
Wort ist lediglich im Suffixe von dem gewöhnlichen eglvog, egl- 
veog verschieden. Belegen lässt es sich nur aus Nikander Ther. 
853, doch wird das von ihm abgeleitete Verbum eqivdto) (sql- 
vaöfxog, eqLvaoTog) wiederholt von Theophrast im zweiten Buche 
der Hist. Plant, erwähnt. 

tQxlTai' Ol TLard zovg dygoug olKerai . . . Athenaeus VI 
267c '^i^egiag de IqAizag (friql 'KaleiGd-ai xovg Y.axd zovg dyqovg 
ohezag. Vgl. Hesych egyi^zai' ol ev dyqt^ olyihai. Von Hero- 
dian I, 76, 1 (Theogn. Cramer AO. II, 45, 7) und II, 436, 32; 
866, 41 (Steph. Byz. s. v. Boqvöd^iviqg) war egdzT^g ohne Quelle 
lediglich des Suffixes wegen unter den Nominibus auf -izrig an- 
geführt. eQKiTiqg ist von f'gyiog „Umzäunung, Gehege" abgeleitet 
und bezeichnet denjenigen, der in einem sQAog wohnt (vgl. axiy- 
vizr]g „Zeltbewohner" von o/,i]v^j darlzrjg „Stadtbewohner^' voa 
aozv). 

lidlLd-og. olvog. ^Aixeqiag Hes. Nach griechischem Laut- 
gesetze aus ydli-d^o-g, vgl. ydli-g „ungemischter Wein", xaXl^ 
xgazog. Mit dem gleichen Sekundärsuffixe -^-, -^o- sind f^igfil-d--, 
l^tQUL-^o- „Faden", oqvi-d^- (neben ogvi- = ahd. arw), elful-d^-,. 
yiOQv-^', 0Qf.id-d^0' u. a. m. gebildet. 

Alles übrige sind seltene Worte, die nur lexikalischen 
Wert haben. Soweit sie sich aus dem Griechischen erklären 
lassen, zeigt ihre Lautgestalt nichts Dialektisches oder Fremde 
artiges, und diejenigen, die unerklärt bleiben, brauchen darum 
noch nicht barbarisch zu sein. 

ßad^dlt]' yiQT^vri. ^^(.leqiag Hes. Wahrscheinlich der Eigen- 
name einer Quelle, vgl. Ba^dlri • ovo^a -avqiov Suidas. Die Ab- 
leitung von ßad-vg liegt am nächsten. 

ßalßvzog' Ttele/Mvog. Oikrjzäg. ^jLieqlag (de) ßavy.dXag Hes. 
Die ersten drei Worte sind in der verderbten Gestalt ßaßvKiog • 



— 14 - 

TteXe'Accv cog QilTjTag überliefert. Ihre Emendation ist leicht. 
Denn die Glosse steht zwischen ßat-dyig und ßalöeiov, ausserdem 
überliefert Choeroboscus ttsqI yeviy,^g ed. Gaisfoed I 80 19 (vgl. 
HiLGARD Gramm. Gr. lY, Proleg. p. LXXVIff.) ßaJßv^, ßaißv- 
■aog' ßalßvy.eg de XsyovTat ol 7teXsy,äv€g. Dass Amerias (aus 
af,ieQiaGag hat man ^^(ueQiag de hergestellt) eine Form ßavyiala 
für ßalßv^ bezeugt haben soll, klingt nicht sehr wahrscheinlich. 
Vielleicht darf man ßavyiolag zu ßavßvyidlag oder ßavßv- 
-aävag ergänzen: denn Hesychs Glosse ßavßv/Mveg- Treleyiaveg 
scheint mir ohne ausreichenden Grund von MSchmidt in ßavßv- 
TLsg geändert zu werden. 

jti^aqi' slacpog. 'A(.ieQLag Hes. Die Zusammenstellung mit 
zd. hüza, germ. hukka- „Bock" (Hatzidakis Maked. 33) scheitert 
an dem grundverschiedenen Yokahsmus der Stammsilben. 

Tziyyav veoooiov. ^Ajueglag yXavxöv Hes. In der ersten 
Bedeutung gehört das Wort zu OTtiyyov • onlvov und OTti^a (aus 
*07rlyyia); in der zweiten Bedeutung entspricht ihm Laut für 
Laut ssk. piToga-s „rötlich, rotbraun", gleichen Stammes mit lat. 
jpingo und altbulg. peg^ „bunt". Yon jtiyyo- „rotbraun" abge- 
leitet ist der Eidechsen-Name niyyakog' oavgog 6 yialoviievog 
laX^lg Hes., den Prellwitz GE. 250 dem aus piwga- erweiterten 
Akjektiv ssk. piwga-lä-s, einem Namen verschiedener brauner 
Tiere (Ichneymon, Schlangenart), gleichsetzt. Ein indoger- 
manisches pingo- musste in allen Sprachen gleichlauten. 

^ajtavXai „Bläser auf der Eohrfiöte": Athenaeus lY 176e 
wOTieq ovv zovg rio xaldfici) avXovvvag xalafiavXag liyovot vvv, 
ovTw Kai qajtavXag (überl. ^aTtTtavlag) ^ wg qjrjoiv lA^egiag b 
MaKSÖtuv 8v Tolg rXwaoaigj rovg ttj y^aXd/nr] aiXovvxag, vgl. 
Hesych s. v. qaTCa' ttjv yiaXdfÄT^v (überl. gaTvarriv y^aXdfÄtjv) 
y.al Tovg h amf^ avXovvzag qaTtavXovg (überl. gaTzdXovg). 
Zweifellos ist guTt- „Halm" aus *ßQa7t- gleichen Stammes 
mit QaTTig „Zweig, Rute, Stab", bei Homer in xqvoo-QQaTtigy 
dem Beiworte des Hermes. Der Bedeutung „Halm" kommt am 
nächsten das von derselben Wurzel verp-: vrep- (geTrio „schwanken, 
sich neigen") abgeleitete litauische wdrpa „Ähre", warpaü, -yti 
„durchlöchern, aushöhlen". 

Ofx wyri • Qavlg. t6 tvxov, ^^f^eglag ßo(v)yXwGGOv Hes. Die 
als Arzneimittel gebrauchte „Ochsenzunge" war wohl sicher im 
^ PitoTo^rMv des Amerias erwähnt. 

ox^Qov yivfAa eToifAOv. ^uifxeqiag Hes. Wenn eTOL/^ov richtig 



15 



überliefert ist, so werden durch »y.vi.ia« und »ekoifÄOv« zwei ganz 
verschiedene Bedeutungen für oxeqov bezeugt. Als „Woge" kann 
es mit oxsQog ' ccKzrjy aiyiaXog Hes. und dem Inselnamen ^/£^«a 
zusammenhängen (vgl. alyiaXog „Strand" : alysg „Wogen") ii). 



Was bleibt also von allen den Glossen des Amerias, die 
man bis jetzt skrupellos für das Makedonische verwendet hat, als 
wirklich sichere Quelle dieser Sprache übrig? Es ist bitter 
wenig! Von oavädai und oavroQta abgesehen kann 
keines der Worte die Garantie für seinen makedoni- 
schen Ursprung übernehmen. Es ist ja möglich, dass 
noch das eine oder andere makedonisch war; es ist denkbar, dass 
Amerias ein besonderes Interesse daran hatte, solche Worte, die 
andere Glossographen aus griechischen Dialekten sammelten, auch 
im Makedonischen nachzuweisen. Aber das sind leere Ver- 
mutungen für denjenigen, der die Glossen als Sprachquelle be- 
nutzen will. 

Ob die mit dem Ethnikon MaKsöoveg bei Hesych stehenden 
Glossen alle auf Amerias zurückgehen, ist eine Frage von unter- 
geordneter Bedeutung: denn der Wert einer überlieferten make- 
donischen Wortform würde um nichts grösser werden, wenn wir 
gerade den Amerias als ihren Gewährsmann erweisen könnten. 
Es brauchte ein alexandrinischer Grammatiker nicht gerade in 
Makedonien geboren zu sein, um sich eine zuverlässige Sammlung 
makedonischer Worte anlegen zu können. 

Wie es scheint, ist es allerdings ein bestimmter Lexikograph 
gewesen, der die makedonischen Glossen des Hesych, soweit sie 
ein rein sprachliches Interesse besitzen, zusammengetragen hat. 
Darauf weisen uns gewisse Besonderheiten der Orthographie, die 
ein individuelles Gepräge tragen. Der kurze w-Laut, den das 
makedonische v bewahrt hatte, ist dreimal durch o wiedergegeben : 



11) Nichts anzufangen ist mit den korrupten Hesych-Glossen Xst/nog 
avaÖQrjOosi ' ro ocb f^a lusglag cprjai (^A(A,eQiag q}r)oi?) und v(palvsL' ifiJigfjaai. 
vqpätai. 'Afxegiag , zwischen v<p€ifi6vog und vcpsiro iiberUefert. So viel 
scheint sicher, dass v<palvsi und i/^jiQfjaai nicht selbst Glossen, sondern 
Erklärungen von Glossen waren. Durch v(paiv£i könnte ein vqpq, (vgl. 
v(p6<ooi rj 105) oder auch mediales vqpärai, durch sfiJtQrjaai, wie schon 
MScHMiDT vermutete, der Infinitiv txpavai oder xxpavaai glossiert gewesen 
sein. 



— le- 
in aßlot], yoda und yorav, vielleicht auch in dem aßQOTsg des 
Cyrill. Diese phonetische Umschrift des v begegnet uns sonst 
nur in den kyprischen Glossen des Hesych (Hofpmann GD. I 165 
GMeyer gg. 3 153), während der ^t-Wert des v in den lakoni- 
schen regelmässig durch ov ausgedrückt wird, z. B. oiögalvei ' 
Tcegr/Md^algsL ^^). Ferner fällt es auf, dass in den Glossen aßqov- 
xeq {aßQOTeg), aßXoyei, yozav der hinter dem ursprünglichen ü des 
Stammes entwickelte sekundäre f-Laut besonders geschrieben 
worden ist (r und T entstellt aus f). Das ist ganz ungewöhnlich, 
wie ich schon oben S. 9 bemerkte ^ 3). 

Da nun Amerias in der Glosse -/.alaqQvya — mag sie make- 
donisch sein oder nicht — diese sorgfältige phonetische Schreibung 
für denselben Laut sicher angewendet hat (r entstellt aus F) 
und da femer eine makedonische Glosse des Hesych ausdrück- 
lich auf ihn zurückgeführt wird, so mag in seinen rhoooai in 
der Tat ein besonderes Kapitel dem Makedonischen gewidmet 
gewesen sein und die wichtigste Quelle der Hesych-Glossen ge- 
bildet haben. 

Daraus folgt aber noch nicht, dass wir dem Amerias allein 
Alles verdanken, was wir vom Makedonischen wissen. Für mehrere 
der makedonischen Worte, die uns nicht im Hesych überliefert 
sind, werden ausdrücklich andere Gewährsmänner genannt. Und 
wenn Amerias die makedonische Lautform, so weit das möglich 
war, durch phonetische Umschrift darzustellen versuchte, so können 
nicht einmal alle makedonischen Glossen des Hesych von ihm 
aufgezeichnet sein: denn viele von ihnen zeigen das gewöhnliche 
gemeingriechische Schriftbild. Auch die Bedeutung mancher 
Glosse macht es wahrscheinlicher, dass sie von einem Historiker 
der Zeit Alexanders als von einem gelehrten Grammatiker ver- 
merkt worden ist: ein makedonisches Kommando wie ava xf^Ql^öiv 
„die Lanzenspitze hoch!" werden die Griechen, die zum Stabe 
Alexanders gehörten, täghch gehört haben! Und endlich sind ja 
makedonische Worte von den Grammatikern nicht nur aus der 



12) Zweimal begegnet auch in einer makedonischen Glosse des 
Hesych ov für ü: aßgovreg wird wohl (gleich dem dßgorsg des Cyrill) 
dem gemeingriechischen o<pQvsg mit ü entsprechen, und das herrenlose 
ßovßorog (= Qvcpoxog) kann wegen des ß aus q} nur makedonisch gewesen 
sein. 

13) Auch die Entstellung des F zu T ist in Glossen selten, vgl. 
GMeyer GG.« 315. 



— 17 — 

lebendigen Rede, sondern auch aus einer literarischen Quelle 
geschöpft worden: aus den Briefen Alexanders des Grossen. 

3. Die Briefe Alexanders. 

Alexander der Grosse führte während seiner Feldzüge eine 
ausgedehnte öfFentiiche und private Korrespondenz, die zum Teil 
unmittelbar von den ihn begleitenden Geschichtsschreibern für 
ihre Darstellung seines Lebens benutzt i*), zum Teil aber erst 
nach seinem Tode aus Archiven ^^) und Privatbesitz gesammelt 
und herausgegeben wurde. Beiden Quellen entstammen diejenigen 
Briefe Alexanders, die die Historiker der römischen Kaiserzeit 
Arrian, Curtius ßufus, Justin, Diodor, Plutarch u. a. erwähnen 
oder wörtlich in ihre Darstellung einlegen — soweit sie echt sind. 
Sensationslust und Spekulation Hessen sich schon früh die dank- 
bare Aufgabe nicht entgehen, Briefe auf den Namen des grossen 
Königs zu fälschen. Proben davon finden sich auch unter den 
überiieferten Stücken: doch ist es nicht leicht, sie sicher auszu- 
scheiden, da objektive Beweise für die Echtheit oder Unechtheit 
selten sind. Die Urteile gehen deshalb bis auf den heutigen Tag 
im einzelnen auseinander ^^). 

In allen diesen Briefen, mögen sie echt oder unecht sein, 
ist vom Makedonischen keine Spur zu finden. Sie sind in rein 
attischer Form ohne jede Dialektfärbung überliefert. Das gleiche 

Igilt von den wenigen Verordnungen Alexanders, die in Stein 
gehauen auf uns gekommen sind. 
Die geschichtlichen Ereignisse der drei Jahre, die der Schlacht 
am Granikos folgten, hatten für die kleinasiatischen Griechen- 
städte durchgreifende und zum Teil wiederholte Umwälzungen in 
der Verfassung und dem Parteiregimente mit sich gebracht. Um 
Mer wieder geordnete Verhältnisse herbeizuführen und zugleich 
ine eigne Machtstellung zu sichern, sah sich Alexander wieder- 



14) Ztjmetikos de Alexandri Olyrapiadisque epistularura fontibus et 
[reliquiis (Berlin 1894) S. 6 ff. 

15) Pridik, de Alexandri Magni epistularum commercio (Dorpat 
L893) S. 11 ff. 

16) Von den Neueren vertreten Hansen (über die Echtheit der Briefe 
FAlexanders des Grossen) Philologus XXXIX 258 fT., Pridik und Zumetikos 
[einen im wesentlichen konservativen Standpunkt, während Adler de 

Alexandri M. epistularum commercio Leipzig 1891 nur die von Arrian 
iüberlieferten Briefe als echt anerkennen will. 

Hoffmann, Malcedonen. 2 



— 18 — 

holt veranlasst, durch Verfügungen {öiayQacpai^ dLayqctfÄ^axa) ent- 
scheidend einzugreifen. Von diesen ÖLayQaq)ai, die die Stadtge- 
meinden in Stein meisseln Hessen, sind uns drei ganz oder doch 
leidlich vollständig erhalten, zwei aus Chios und eine aus Priene. 
Zweimal hat man den von Alexander gesandten Text wörtlich 
abgeschriehen : denn der König spricht in der eisten Person 
{XOJQC'V yLvcüoyto) e/xijv eivai, acpliq^iy v/xag aus Priene Hicks Coli, 
of AGInscr. Brit. Mus. III no. 400; s/nog ze cpiXog, sfj-ov, v/Liag, 
ifilv aus Chios Lenschatj Leipz. Stud. XII 187). Auf dem 
dritten Steine sind die Worte in die indirekte Rede umgesetzt 
{eTTavacpsQead^ai Jtqog ^Ali^avögov, TtaQexetv de Xiovg u. a. m. 
ZoLOTAS ^A^Tjva V 1, S. 7 ff.). Alle drei öiaygacpal zeigen in 
den Lauten und Formen, wie im Wortschatz den reinen attischen 
Dialekt: nur in der Orthographie glaubten die Steinmetzen von 
Chios Lokalpatriotismus treiben zu müssen (aorog, cpeoyeiv u. s. w.). 

Die Kanzlei des Königs, der aQxiyQa^fxaxBvg (Peidik 5 ff.), 
fasste also alle Schriftstücke attisch ab : wir haben nicht den min- 
desten Grund zu der Annahme, dass es im Altertum Alexander- 
briefe im makedonischen Dialekte gegeben habe. Das schliesst aber 
nicht aus, dass in denjenigen Briefen, die Alexander mit der 
Heimat und mit seinen Heerführern und Freunden wechselte, 
hier und da ein einzelnes makedonisches Wort vorkam, das sich 
auf speziell makedonische Verhältnisse bezog und deshalb in den 
amtlichen Schreiben an die Griechenstädte keine Verwendung fand. 
Den sicheren Beweis hierfür liefert die Tatsache, dass aus den 
Briefen Alexanders makedonische Glossen von den alexandrinischen 
Grammatikern ausgezogen worden sind. Allerdings führt Hesych 
nur drei auf diese Quelle zurück, und von ihnen kann sogar nur 
eine als sicher makedonisch gelten. Sehr reichhch war die Aus- 
beute also keinesfalls, wenn nicht etwa auch solche Glossen, die 
von Hesych mit dem Ethnikon Ma-^edoveg angeführt werden, aus 
den Alexanderbriefen stammen. 

Jene drei nach Hesychs Zeugnis den eTtiGToXal ^AIb^olvöqov 
entnommenen Worte sind: 

^uäqoTtavoL' ol iv ^^le^dvögov eTtiOToXatg. Das Wort kann 
ein Appellativum, aber auch ein Name gewesen sein. 

yriTLY.d' TtaQa^Ale^dvÖQCp'ETiLGToXalg TtoTrigia ovtio Kalov- 
fABva. Ein Pendant zu dem Briefe Alexanders, in dem das Wort 
yrjTiyid stand, hat uns Athenaeus XE 784a erhalten: nsQOiwq 
ÖS (pidlTj ßananri' ^^Xe^dvögov ös rov ßaaikewg sv xalg ^Etcl- 



— 19 — 

ijTolalQ Toig TEQog rovg Iv tfj ^oia oatQCLTtag (psgeral ZLg Itcl- 
üTolrj ev fj xavra yiyqcLTtTai' y^ßaTiWAai ccQyvQol xavdxQvaoL 
igelg. %6vdva agyvga Qog'' tovtcov STtlxQvoa Xy\ TiaLylrrjg 
agyvQOvg aig. i^votqol ctQyvQol KaTccxQvooL Xß'. layvvoS-iqxri 
agyvQa /ula. olvocpoQOv ßaQßaqt'/.bv agyvQOvv TtoLmXov f'v. alXa 
jtozrjQLa TzavvodcLTca, /niKgä x^', qvtcc ytal ßaTiay,aL ^VMOVQyelg 
iTtixQvooi Aal &vi^iaT'iqQia ymI xqvßXia«. Für identisch mit diesem 
Athenäusbriefe halten Westermann De epistularum scriptoribus 
Graec. comm. II 9 und Zumetikos a. a. 0. 99 den von PoUux 
VI 87 erwähnten Brief des Alexander an seine Mutter (ytalzot 
€v ^Xe^dvÖQOv TTQog ttjv (xriTeqa, iTtiGvolfj fxe^vrnxaL ev aXXoig 
OK6V80L y.al Tov livaxQov evQcov). Von Trinkgefässen ist endlich 
auch die Rede in einem Briefe des Parmenion an Alexander 
{Athenaeus XI 781 f): otl UaQfxevlcüv ovyy,ecpaXaLOvnevog ev zalg 
jtQog ^^le'^avÖQOv ^E/viorolalg zd Tlegaiytcc Xdcpvqa »7toTr]Qia)v« 
iprjol »xQvocüv OTad^jAog TccXavra BaßvlcovLa oy\ iivcd vß . TtoTrj- 
^Icov lLd-o/,oXl7]Tcov öxad^(j.6g rdlawa Baßvlajvia vg\ f.ivai W«. 
Mit seinem Zweifel an der Echtheit dieser drei oder zwei Briefe 
«teht Adler 21 wohl allein. Mag aber der Athenäusbrief wirk- 
lich von Alexander selbst oder von einem seiner Satrapen verfasst 
lind durch Verwechslung ihm unterschoben sein (vWilamowitz 
und Kaibel zu der Athenäusstelle) , mag er ein Referat über 
Beutestücke, die Alexander irgendwo in seine Hände gebracht 
hatte (Hansen 289) oder einen Katalog von Weihgeschenken 
{Pridik 83) darstellen: jedenfalls sind die Trinkgefässe, die in 
ihm erwähnt werden, erbeutet und führen nicht makedonische, 
sondern fremde Namen. Schon Lagarde Ges. Abh. 211 212 
216 hat ßaTiccTiTj, yiovdv und TLGiyiTTjg unter die persischen Glossen 
aufgenommen. Seinen Spinaen folgt Hansen 290, wenn er auch 
yri'Civ.cL zu einem persischen Worte stempelt. Bedenklich will mir 
dabei nur das i^ in einem altpersischen Worte erscheinen. Müssen 
denn alle Beutestücke, die Alexander von seinen Heerfahrten 
heimbrachte, gerade persische Namen getragen haben? 

Nur die dritte der Glossen ist echtmakedonisch und sprach- 
lich wertvoll: 

(j/CoXdog* ctQX'ri Tig Ttagd MaKeöooc Texayiievri eTtl tcov 
dmaonqQiwv' tj Xe^ig y^elTai ev zalg ertiOToXcug It^Xe^dvÖQOv 
In ganz anderer Bedeutung wird das Wort von Photius imd 
Pollux angeführt. Bei Photius heisst es s. v. OKotöog' ta(.dag 
xig Kai diOLy,r]Trig. Ma/,€Öovi%dv de zovvofia. öiOTzeq MevavÖQog 



— 20 — 

ev Kt^aQLGTJj »2y,olöov« Jiovvoov Xkyu. Dieser Erklärung steht 
die bei Pollux X 16 gegebene nahe: Kgailvog 6" ev navoTtraig 
Tov oyLBvoq)vXaY.a l'oLxe oytevcogov ytalelv. tovtov öe -/.al ay.otö6v 
TLveg (ovo^a^ov tov s/ti twv oaevcov ev Talg ßagßaQiyialg cctzo- 
OKevalg' sTegoL de ovTcog OiovTat neKlrjod^ai tov stvI twv gltlwv. 
Endlich findet sich in der unter dem Namen des Arkadius über- 
lieferten Epitome Herodians ^egl /.ad^oXiKijg Tzqoöojdiag beim 
Akzente der Nomina auf -öog eine von gelehrter Hand gemachte 
Interpolation, in der als Ausnahme von der Endbetonung der 
zweisilbigen Nomina auf -öog angeführt wird: »aeorifÄelcüTaL to 
Tiolöog TzaQcc MaKsdooLv b oly,ov6fxog« (Herodian ed. Lentz I 
142, 6), vgl. Galland Dissert. Argent. VII 190 ff. Hier haben 
wir es natürHch nicht mit einer besonderen Nebenform, sondern 
einfach mit einer Verderbnis aus G-aolöog zu tun, wie das schon 
JuNGEEMANN (Amstcrd. Ausg. d. Pollux S. 1158 not. 75) ge- 
sehen hat. 

FiCK KZ. 215 ging von der im Hesych gegebenen Bedeutung 
aus und stellte OKolöog mit lat. caedere, de-cidere, got. skaidan 
„scheiden" zusammen: von Bezzenberger BB. VII 65 und 
Kretschmeb Einl. 286 wurden auch a^/Cw, lat. scindo zum Ver- 
gleich herangezogen. Diese Etymologie begegnet aber neuer- 
dings starkem Misstrauen (Pedersen KZ. XXXVI 305): auch 
Kretschmer KZ. XXXVIII 137 „möchte" sie „heute nicht mehr 
für sicher ausgeben". Wir können unbedenklich noch einen 
Schritt weiter gehen: sie ist unhaltbar. Dass OKolöog im Make- 
donischen die beiden grundverschiedenen Ämter eines „Verwalters, 
Proviantmeisters, Bagageführers" und eines „Richters" bezeichnet 
haben soll, ist von vornherein unwahrscheinlich. Wenn aber beide 
gegen einander abgewogen werden, so senkt sich die Schale un- 
zweifelhaft zu Gunsten der ersteren. Nach Hesych müsste, wenn 
wir seine Erklärung {dgxri Tig Texay^evri eTcl tvjv öiy,aoTrjQLa)v) 
wörtlich 1'^) übersetzen, der OKolöog ein Beamter gewesen sein, 
„der über die Gerichtshöfe oder Gerichtsplätze gesetzt war'^ Ist 
aber solch eine Persönlichkeit in dem makedonischen Staate über- 
haupt denkbar? Die makedonischen Rechtsbräuche trugen unter 
Alexander und seinen Nachfolgern noch einen altertümlichen 

17) Kretschmer KZ. XXXVIII 137 spricht von „einer gerichtlichen 
Behörde, deren Tätigkeit im Entscheiden von Eechtsfällen besteht". Das 
ist aber eine sehr freie Umschreibung der eindeutigen Wendung räxTsiv 
riva sjii rivogl 



- 21 — 

Charakter (Gilbeet Jahrb. f. Philol. Supplem. XXIII 445 ff.): 
alle Kapitalverbrechen wurden im Frieden von der Yolksgemeinde, 
im Kriege vom Heere abgeurteilt, der König selbst konnte dabei 
als Ankläger auftreten, vgl. Curtius VI, 8, 25 de capitalibus 
rebus vetusto Macedonum modo inquirebat exercitus: in pace erat 
vulgi; Arrian Anab. III, 26, 2 Tlrole^aLoq de ö Adyov Myu 
elaax^ijvaL Ig Ma7,ed6vag Oilcorav y,al -/.aTTiyoqrioai fxsv avTOv 
laxvQcog ^Ali^avögov xtA. Noch zur Zeit Philipps III hatte sich 
darin nichts geändert, vgl. Polybius V, 27, 5 ovreweg S" oi Ttelta- 
GTal TO ysyovog . . . TtQeoßevzag s^aTteGTeiXav TtQog tov ßaöiXea 
TtaQayiaXovvTEg, el (der rCQog ccXXo tl TteTcoiriTai t^v ajtaywyriv 
TOV AeovTioVy fj-ij xw^tg avrcov Ttoiiijaaa&aL Tr]v vtvbq twv eyi^a- 
lovfAevcov ytQiaiVj el öi i^iTJ, otl vo^uovol {.leyaXelcog TtaQohycoQel- 
od^ai '/.al -naTayivcoGY.sGd^aL jtdvieg (eixov ydq del rrjv TOiavtriv 
lotjyoQiav MayisöSvsg TVQcg uovg ßaailslg); und V 29, 6 xaxeT 
Tlxolef.iaiov, og tJv etl loiTtog xijg tcov tibqI tov Aeovxlov exaiQeiag, 
yiQLvag Iv rolg MayisönOLv aTriKzeivEv i«). Beruf sm ässige Richter 
gab es nicht, di/,aoi7JQia werden nirgends erwähnt. In privaten 
Streitigkeiten wird im allgemeinen, wie bei den Achäem des 
Epos (vgl. z. ß. ^ 485 ff.), der König das Amt des Schieds- 
richters geübt haben. Handelte es sich aber um die Aufteilung 
eines Besitztums unter mehrere gleichberechtigte Erben oder Teil- 

18) Nach Abel Maked. vor König Philipp 136 bildete „wahrschein- 
lich" im Krieg und Frieden die Versammlung der Hetären die höchste 
richtende Behörde; bei den Urteilen stimmte das niedere Volk nicht mit. 
Ja, bei Staatsverbrechen — die nicht, wie die Sachen von geringerer 
Bedeutung, in den Versammlungen der einzelnen Landbezirke, sondern 
in einer Generalversammlung abgeurteilt wurden — soll nur ein aus den 
Strategen und angesehensten Hetären gebildeter Ausschuss beschliessende 
Stimme besessen haben. Davon wissen unsere Quellen nichts. Allerdings 
lässt Philipp III den Megaleas und Krinon nur von den cpiloi aburteilen, 
vgl. Polybius V 16, 5 avrog de ovvayaycov tovg (piXovs änsdcoxs xQiotv zoTg 
nsQi xov MsyaXsav und darauf oi tisqI tov MeyaXsav xatsxQid'rjaav öfxod'Vfia- 
66v vTio tcov q)iX(üv. Aber das macht auch böses Blut und gibt den An- 
hängern des Leontios und Megaleas willkommene Gelegenheit zur Auf- 
wiegelung des Heeres, vgl. Polybius V 25, 1 oi Ttegi tov Asovuov xai Msya- 
Xiav xai UroXs/uaTov . . kvißaXov Xöyovg sig rs tovg nsXraoxag xal tovg ix tov 
XsyojLisvov Tiaga toTg MaxsSootv ayrjfiatog , ott xivdvvevovai jusv vtisq Jidvzcov, 
ylvEtai 8' avzoTg ovdev tcov Sixaicov xtX. Als dann gar Philipp den Leontios 
verhaften lässt, da protestieren die Peltasten und verlangen vom Könige, 
dass nicht ohne ihre Mitwirkung ein Urteil zu Stande komme, vgl. die 
oben angeführte Stelle des Polybius V 27, 5. 



— 22 — 

haber, so trat eine besondere Kommission zusammen, die den 
Namen öaiTal führte. 

Während wir uns also einen makedonischen Beamten in der 
Stellung eines „Gerichtspräsidenten" gar nicht vorzustellen ver- 
mögen, ist es selbstverständhch, dass der „Führer des Train und 
der Proviantkolonne" in einem der Briefe, die Alexander während 
seiner Feldzüge schrieb, erwähnt sein konnte. Der Schluss dar- 
aus ergibt sich von selbst: in der Erklärung des Hesych muss 
öiyiaaTriQitov verderbt sein. Das hat schon Peidik S. 113 er- 
kannt, der im Anschluss an Pollux oyievwv dafür einsetzen will. 
"Wohl mit Eecht. Höchstens könnte man, um der ÜberHeferung 
näher zu bleiben, an ein dem OKevrj „Gepäck, Tross" gleichbe- 
deutendes Kompositum von OKevTJ denken, z. B. an das im Arrian 
mehrfach vorkommende xaTaanevT] (z. B. II, 11, 9; III, 19, 3). 

Die Etymologie von o%öiöog bringt der zweite Abschnitt in 
Kapitel 3. 

4. Makedonische Glossen ohne Ethnikon. 

Durch die makedonischen Glossen und Namen sind mehrere 
Lauteigentümlichkeiten des Makedonischen sicher verbürgt. Die 
bekannteste von ihnen, der Wandel der Aspiratae in die Mediae 
(BegevUa für (Deqevlytay Jccqqcov für QaQOcov), ist allen altgrie- 
chischen Dialekten fremd. Da nun die mit »MaKeöoveg« über- 
lieferten Worte im Hesych zum grossen Teil deutlich griechischen 
Ursprungs sind, so darf eine herrenlose griechische Glosse, in der 
die Media d oder ß dem gemeingriechischen & oder q) entspricht, 
mit der grössten WahrscheinHchkeit der makedonischen Sprache zu- 
gewiesen werden. Nur in einem Falle ist Vorsicht geboten. Für 
die griechischen Grammatiker war der Verlust der Mediae Aspi- 
ratae diebemerkenswerteste Eigentümlichkeit des Makedonischen ^ 9)^ 
Und wie sie in ihren Dialektdarstellungen für irgend eine Eegel 
nicht immer literarische Belege, sondern auch frei gewählte — 
und oft recht unpassende — Beispiele aufführten, so konnten sie 
auch einen Lautwandel gerade des Makedonischen, das keine 
Literatur besass, an gewöhnHchen Worten der Umgangssprache 
veranschaulichen. Wenn also z. B. im Hesych deog durch q)6ßog 

19) Vgl. z. B. Etym. Magn. 179, 16 ro ß reo (p avyysvsg eoxi, dijlov 
ix xov Maxsöövag [xev xov ^iXiTinov BiXiJiJtov xaXeTv , xai xov (paXaxQov 
ßaXaxQov , xal xovg 0Qvyag Bgvyag, xai xovg dvsfxovg 8cä x6 q^voäv 
q>vorixag ßvxxag. "Oii^tjQog' ßvxxäcov dveficov. 



— 23 ~ 

7] ■d-eog erklärt wird, so kann diese Glosse lediglich ein gram- 
matisches Musterbeispiel für die Regel »ol Maxedöveg avrl rov 
d- TcT) d xQiüVTai« sein ^^). 

Ausser dem Wandel der Aspiratae in Mediae kann das Make- 
donische noch den Anlaut ad- aus ursprünglichem 0.13-- allein 
für sich in Anspruch nehmen : adrj aus alS-riQ, adgala aus ald^qaia. 

Alle übrigen durch die Glossen bezeugten makedonischen 
Lautbildungen kehren auf dem Boden Griechenlands wieder. 
Die Entwicklung eines Gleitvokales zwischen Verschlusslauten 
und Liquiden {^^vvovTtsvg für zvw7r€t;g, äßagv für dßQv) findet 
sich vereinzelt in verschiedenen Dialekten (GMeyer GG. ^ 157 
BßuaMANN GG. 3 89): allerdings ist sie durch Glossen 
nur für die Makedonen bezeugt. In den kyprischen Glossen 
wird wie in den makedonischen o für v und Iv für Iv (maked. 
Ivöm = ivöla) geschrieben, vgl. Hoffmann GD. I 116 166. Dem 
Übergange von co in ov und der Verkürzung von aito zu ccTt 
begegnen wir auch in den Inschriften Thessaliens, vgl. GD. II 
368 521. Keine dieser Lautveränderungen vermag also für sich 
allein den makedonischen Ursprung einer Glosse zu erweisen: 
tritt aber die eine oder andere noch zu dem Aspiratenwandel 
hinzu, so ist damit eine herrenlose Glosse so gut wie sicher als 
makedonisch gekennzeichnet. 

5. Makedonische Elemente in der Koine und im Neu- 
griechischen. 

Bei dem engen persönlichen Verkehr, der zwischen Make- 
donen und Hellenen vom IV. Jahrb. an bestand, könnte man er- 
warten, dass sich in dem Wortschatze der %olvj] ein starker make- 
donischer Niederschlag finde. 

Einige der Worte, die zuerst in der Li teratursprache der 
hellenistischen Zeit auftauchen, wurden wirldich schon von den 
Alten aus dem Makedonischen abgeleitet. Das Nomen -aogaotov 
„Mädchen", häufig in den delphischen Inschriften des IL und I. 
Jahrb. v. Chr. (Wendel Index 200), wird zuerst von dem Komiker 
Philippides als »^evr/,6v« erwähnt ^i), und dazu stimmt die Be- 

20) Ein vereinzeltes Beispiel dafür, dass auch sonst noch die Media 
statt der Aspirata nur die makedonische Aussprache, aber nicht den 
makedonischen Ursprung eines Wortes ausdrücken kann, bildet die Glosse 
Aakkco, die im Anhang II besprochen ist. 

21) Photius 8. V. naidioxoLQiov xogaaiov ök ov Xiysrai, dXXä xal xe- 
fccofzcpdijxe 0diji7iiörjg wg ^svixov (Com. Fragm. no. 36 ed Kock III 311). 



— 24 — 

nierkung des Scholiasten Ven. B zu F 404 el de tq^tcolto t6 

fj TOV UQCÜTOTVTtOV eIq ä Tta^CL JoyQLEVOi, ÖlOi TOV ä' TCQV^- 

vaoiov, %OQvq)aoiOv. ovzwg 8%eL xal t6 'koqccglov, o juaXXov sotl 
Ma'/.edovL'/,6v. Bei demselben Philippides ^2) begegnen wir zum 
ersten Male dem in der hellenistischen Prosa '^^) üblichen Worte 
QVfXKl „Gasse", das von qv^r] „Schwung, Andrangt' dem Ursprünge 
nach ganz verschieden ist und von Phrynichus 487 ff. ed. Buther- 
PORD als unattisch verworfen wurde : qvfxri • za^ xomo o\ fiev L^^i^- 
valoi eitl Tilg OQfxrjg izld^eoav, oi ös vvv ctfxad^eig eTtl tov GTevco- 
710V. do/,Ei de ixoL Aal tovto MayteSovtyiov eivai. Phrynichus ist 
es auch, der Tvageiußolrj in der von Polybius an belegten Be- 
deutung „Lager" aus dem Makedonischen ableitet: öeivwg Mayie- 
dovr^ov^ -^/.aiTOi evijv tco öTQaxojtedcii XQ'fjf^^f^i^i ^XuoTiji Y.al öo- 
yiifÄC) ovTi. 

Waren das nun wirklich makedonische Worte? Thumb 
Hellen. Spr. 224 bezweifelt es und das eine ist jedenfalls sicher, 
dass TtaQefAßoXri und qvixri nicht als makedonische Glossen ge- 
sammelt worden sind. Ein Atticist ist es, der diese von ihm 
verpönten vulgärgriechischen Worte als „makedonisch" brandmarkt : 
wer ihnen also zuerst den Makel einer unehrlichen Geburt an- 
hängte, der verfolgte offenbar den Zweck, die in dem Wortschatze 
der hellenistischen Umgangssprache neu auftretenden Elemente 
als dialektisch oder entlehnt zu erweisen. Grammatiker, die sich 
dieser Aufgabe widmeten, gingen nicht erst aus der pergamenischen 
Schule hervor. Schon Aristophanes von Byzanz schrieb »tibqI 
Tcov VTzoTtTeuojLievctjv (xri elgrjo&at Toilg TTaXaiotg«. oder wie Eu- 
stathius 279, 38 mit abgekürztem Titel zitiert, »tzeqI xaivozigcjüv 
Xe^ewv« (vgl. Leop. Cohn Jahrb. f. Philol. Supplem. XII 288). Die 
geringen Fragmente dieser Schrift, die durch Eustathius 1761, 
23 ff. und das kleine handschriftliche Excerpt bei Miller Me- 
langes p. 427 erhalten sind, lassen die Art, in der Aristophanes 
seinen Stoff anfasste, deutlich erkennen. Ihm lag daran, solche 
Worte, die zu seiner Zeit als unattisch oder „neu" verworfen 
wurden, in der älteren Sprache nachzuweisen. Es muss also da- 
mals schon in Alexandreia eine atticistische Richtung unter den 



22) Pollux IX 38 rdxa d' äv evQoig xal QVfii]v slQtjfievrjv . . . ^i- 
XiTimöov de SV ^iXsvQCJtidr] »Jiöorrjv vq>o8c6osig Tiaiödgiov Qv/j.rjv ; ZQCtrjv ' \ 6 
yoLQ OTSvcojios ovrog iv lA'&rfvrjoiv fjv«, xal Äaxtddaig »ogd'cög ys xrjv qv/^i]v 
6öoi7isjtoQr}xafisv<.<. (Com. Fragm. 22 u. 13 ed. Kock III 307 u. 305). 

23) Z. B. Polybius VI, 29, 1; Lukas XIV, 21; Apostelgesch. IX 11. 



n 



— 25 - 

Grammatikern gegeben haben (vgl. Reitzenstein Gesch. d. griech. 
Etymol. 378). Und wenn auch Aristophanes im allgemeinen gegen 
sie polemisierte, so erkannte er darum doch offen an, dass in der 
Tat manche Form der xo/vif, obwohl sie in der Literatur schon 
von den >>7talatoi« gebraucht wurde, nicht klassisch, ja häufig 
nicht einmal griechisch war, vgl. aTLitifiig, ^ elg tcc ouuava 
XQ^OLfxog, uilyv/tTLwv ^ev eotl q)C0V7J' /.elTav de OfACog ymI Tcaqä 
'iwvL TO) crcOLijTrj ev Tcf »ymI tt^v (xslaLvav OTifXfXLV 0(Xf.iaToyQdq)Ov« 
(Eustathius 1761, 31 ff.), und ovvajtieL de TovTOig ^evr/,6v %al xo 
aqdalcüoai riyovv ^olvvat 7tQoq)eQWv y,al t6 y^rriv f.iev ccQÖav 
an e^iov GTtoyyiaov« (Pherekrates Fragm. 53 Kock I 159) yial 
xo ^^AlyvTtxiog d-ol/ncixiov '^qdalo)öe i^ov« (Philemon Fragm. 59 
Kock II 493). 

Wenn die Atticisten in Alexandreia die Vermutung äusserten, 
dass die in der -aolvi] übhchen Worte gvfxT] und Ttagef^ßolrj aus 
dem Makedonischen stammten, so schöpften sie diese ihre Weis- 
heit sicher nicht aus einer makedonischen Glossensammlung. Sie 
hielten beide Worte einfach deshalb für makedonissh, weil sie 
allgemein bekannte technische Ausdrücke der makedonischen 
Heeressprache waren. Daraus folgt aber für ihre wirkliche Hei- 
mat nicht das Geringste. Denn von Alexander an war die 
offizielle Sprache im makedonischen Heere die griechische; die 
Truppenkörper, die Waffen, die Verwaltung führten im allge- 
meinen vulgärgriechische Namen; nur wenige der alten make- 
onischen Benennungen vermochten sich dauernd zu behaupten: 
Tcaqe^ßolri ist ein altes gutgriechisches Wort und qvfxt] kann 
€s wenigstens gewesen sein 2*). 



Einen wirklich sicheren Nachweis makedonischer Elemente 
im Sprachschatz der AOLVTq würden nur diejenigen Worte erbringen, 
in deren Lauten charakteristische Eigentümlichkeiten des Make- 
donischen, also z. B. der Ersatz der Aspiratae (p und ^ durch 
die Mediae ß und ö (vgl. oben S. 22), hervorträten. In der ge- 



24) Hinge gvfxr} (sei. ayvid oder 6ö6g) mit dem gemeingermanischen 
rüma- ,, breit, geräumig", Subst. „freier Platz" zusammen (got. rurns vigs 
»evQvxcoQog rj 686g«, altn. rüm »freier Platz«), so würde allerdings das 
Fehlen eines prothetischen Vokales vor einfachem r- den griechischen 
Ursprung des Nomen zweifelhaft erscheinen lassen. Aus dem Neumake- 
donischen führt Papageorgios Byz. Zeitschr. III 285 Qov/^vida in der Be- 
deutung von Qv/uT], döie^odov fxsQog an. 



— 26 — 

seh ri ebenen yioivri der Literatur, der Inschriften und der Pa« 
pyri habe ich vergebHch Umschau nach solchen makedonischen 
Worten gehalten, und ich glaube nicht, dass ein anderer glück- 
licher beim Suchen sein wird. Das nimmt kein Wunder. Die 
Kultur des gebildeten Mannes in Antiocheia und Alexandreia 
bheb von makedonischem Wesen unberührt. Haben doch selbst 
ägyptische Worte nur in ganz geringer Zahl Eingang in die 
Sprache der Papyri gefunden (Thumb a. a. 0. 111 ff.)- 

Dagegen scheint die gemeingriechische Volkssprache 
der hellenistischen Zeit sich wirklich aus dem makedonischen 
Sprachschatze ergänzt und bereichert zu haben. Denn im Neu- 
griechischen, das unmittelbar aus ihr hervorgewachsen ist, finden 
sich Worte, deren Lautform auf das Makedonische hinweist. Ich 
kann hier nur mit zwei Beispielen aufwarten, auf die ich zufäUig 
gestossen bin. Denn es reichen weder meine Kenntnisse des 
Neugriechischen noch die mir zu Gebote stehenden Hülfsmittel 
aus, um den neugriechischen Wortschatz systematisch auf make- 
donische Elemente hin zu durchsuchen. Das wird überhaupt erst 
dann möglich sein, wenn es ein vollständiges neugriechisches 
Wörterbuch der Yolksdialekte gibt und das liegt leider noch in 
weiter Ferne. 

Das neugriechische oa-aolalßa bezeichnet ein „dickes,, 
grobes Tuch", besonders das „Segeltuch" und wird dann auch,, 
gleich unserem „Segel", als Name des Schiffes selbst gebraucht ^s). 
Seltsamer Weise hat sich Thumb Hellen. Spr. 85 durch Hatzi- 
DAKis Einl. 114 dazu bestimmen lassen, das ß des Wortes auf 
ursprüngliches ß zurückzuführen und als einzigen Rest eines 
dorischen / zwischen Vokalen im Neugriechischen hinzustellen. 
Man versteht das um so weniger, als Hatzidakis selbst mit 
oa%o-Xaißa die Glossen laiffia' quatj, laicpeaLV ag/uevoigj Xalq)og' 
tb iGTiov, rjyovv xb aQ(.ievov Hes. verbindet. Diese sind doch nicht 
„etymologisch unsicher" (Thumb), sondern als gemeingriechische 
Worte so gut wie möghch bekannt: lalcpog steht ja schon bei 
Homer und Alkaios mit (p, so dass auch nur der leiseste Ver- 
dacht, das g) sei für ß geschrieben, ausgeschlossen ist. Die Be- 



25) Als „grober Stoff, grobes Gewand" wird aaxoXsßa im XII. Jahrh. 
von Theodorus Ptochoprodromus II 82 gebraucht: avrog (poQsX alyio[xsxa^a 
xai ov rrjv aaxoXsßa. Zu dieser Stelle bemerkt Koraes "Axaxxa I 238 t 
slg rjfjLäg oijfiSQov tj 8iä xov a oaxoXsßa otj/naivst slöog jiXoiov. 



I 



— 27 - 

deutung des Wortstammes ist im Altgriechischen genau die gleiche 
wie im Neugriechischen. Athene hüllt den Odysseus, um ihn 
unkenntlich zu machen, in ein Xaicpog (v 399), ein unansehnliches 
grobes Bettlergewand (o xe GzvyerjGLv iöcuv av&QcoTtog eyovTa). 
Auch die von Kallimachos erwähnte lalcprj'^^) wird ein Mantel 
aus grobem Tuch gewesen sein. Gewöhnlich aber wurde das 
„Segeltuch" "kalcpoq genannt: in dieser Bedeutung ist das Wort 
zuerst bei Alkaios 18 1 und wiederholt bei den Tragikern (Aeschyl. 
Eum. 556 Suppl. 715 Soph. Trach. 561 Eurip. Hec. 114 Or. 
341 Hei. 407) belegt. 

aaytolaißa war also die regelrechte makedonische Form für 
das gemeingriechische üay-oXalcpiq, das Kumanüdes ^vvaycoyri vscov 
le^ecov II (1900) 892 aus der byzantinischen Zeit in der nau- 
tischen Bedeutung »ftavl (Segel) i^ii yiovTccQL« belegt und das da- 
mals auch volksetymologisch in GayoXaig)r) umgestaltet wurde, vgL 
Eustathius 1890, 9 zu t; 206 yivQiiog de Xaicpea ol tcov TtXolcov 
(paolv od^ovai. od-ev oi '/.atvoTBQOL owd-tvieg ez xov Gccyog y,al 
Tov lalcpog Gayolalcpea XiyovGiv. Dass lalßa ein schon den 
alten Grammatikern bekanntes dialektisches Wort war, beweist 
Hesychs Glosse XaLßa' aGnig, TQißog, tzcIttj: in ihr hat Sal- 
MASius treffend iqißog in vglßcov „abgetragenes Kleid, abgeschabter 
Mantel" geändert. In dieser Bedeutung entspricht laißä als^ 
makedonisches Wort genau dem kalq)Yi des Kallimachos. Ob 
auch lalßa „der Schild" desselben Stammes ist, mag dahingestellt 
bleiben, für möglich halte ich es^?). 

Ein zweites neugriechisches Wort wird nicht nur durch seine 
Lautform als makedonisch erwiesen: es steht direkt als make- 



26) Etym. Magn. 274, 1 s. v. disgog' 6 vyQog. KalUfxaxog y>8isQr]v ST 
djieosioaTO kaiq?r]v<^, vgl. Suidas 8. v. Xairprj' ■d'rjXvxcög rj ;fAa>'tff* »öisQtjv 
djisoeioazo Xai(pr}v<i-. 

27) Zwar pflegt man Xaißa »Schild« mit XaXxa' jieXxr}, Xaiag' domdag 
Kg^tsg Hes. zusammeDzustellen und in dem ß sowohl als in dem t eine 
Entstellung von f zu sehen : Xaifog „link" = lat. laevus. Indessen kann 
Xaißa ebensogut zu Xai<pa' da:/rt? Hes. gehören: dass hier <p ein »unbeholfener 
orthographischer Ausdruck für den Laut des t?" sei (GMeyer GG.* 315), 
ist mir deshalb unwahrscheinlich, weil sich weder aus dem Hesych noch 
sonst aus der grammatischen Literatur ein zweites Beispiel dafür bei- 
bringen lässt. Wenn in dem homerischen Hymnus XIX 23 das Fell des 
Luchses Xai(pog heisst, kann da nicht ebensogut der Schild nach dem 
rauhen Felle, das ihn überspannte, Xaicpä genannt sein (vgl. odxog, ßoerf 
u. 8. w.)? 



— 28 — 

donische Glosse im Hesych. Schon Hatzidakis ^Ad-r^vä XI 2, 
147 IF. XI 315 hat darauf hingewiesen, dass -adQaßog- vtzc 
ds MaKeöovcov t] ttvXtj Hes. noch „heutzutage im Neugrie- 
chischen üblich ist und das Loch, wodurch das Wasser ein- oder 
ausgeht (oTtri^ g)aQayyog, ölodog), bedeutet", vgl. "Actqaßog' cloaca, 
<)Xev6g DucANGE I 589. Die Erklärung des Hesych ist also 
nicht verderbt, wie Fick meinte, sondern einigt sich vortrefflich 
mit der neugriechischen Bedeutung: xagaßog war jeder kleinere 
oder grössere Durchlass in der Wand eines Hauses 2^). Nach be- 
kannten makedonischen Lautgesetzen kann maked. yidgaßog einem 
gemein griechischen vMQcpog entsprechen. Nun kennt schon Homer 
B 532 im Thermopylenpasse, der schlechthin UvXai hiess, das 
kleine lokrische Städtchen ^/.aQcprj (später ^vidgcfeia z. B. Strabo 
IX 426). Sein Name wird sich schwerlich trennen lassen von a/,aQ- 
q)iov und dem Verbum OÄaQq)aodai' OKeddvvvod^ai Hes., vgl. 
Fick BB. XXIII 232. Bereits Lobeck Prol. 294 gab diesem 
Stamme GYMgq)- die Grundbedeutung „zersplittern, spalten, ein- 
schneiden" und die Neueren sind ihm darin gefolgt (Cuetius 
GE.5 694 PßELLWiTZ GE. 288): Laut für Laut entspricht das 
gleichbedeutende slawische sk97'b- in altb. strübina (aus skrh-) 
„Lücke", neuslov. skrha „Scharte, Zahnlücke", lett. schkirba „Bitze, 
Spalte" (Belege aus anderen slav. Dialekten bei Miklosich Etym. 
Wörterb. 300). Für einen Ort, der in einem schmalen Passe 
zwischen Berg und Meer lag, war o/,dqcpri „Einschnitt, Lücke" 
ein treffender Name. Zu diesem oyidgcpri verhält sich maked. 
ndgaßog (aus xdQq)og) im Anlaute genau so wie MÖva^iai zu 
<JKidva(xai, /Lacfwqri zu OKacpcoQi^ u. s. w. Was den Bedeutungs- 
wandel von „Spalt" in „Tür^' betrifft, so erinnere ich nur an die 
homerischen qwyeg fxeydQOio x 1^3, unter denen schmale Durch- 
lasse durchs Mauerwerk zu verstehen sind (vgl. Hesych qioyag' ol 
jxav rrjv OQGO^VQav, ol de t^v eKTOfidöa, ol de Tcig d^vgiöag). 

Gaxolalßa und yiagaßag sind Belege dafür, dass ein make- 
donisches Wort zum Gemein gute der Volkssprache und da- 
mit des Neugriechischen werden konnte. Dieser Fall ist aber 
gewiss selten gewesen. Im allgemeinen wird nur in Makedonien 
selbst die Umgangssprache eine stark makedonische Färbung 
getragen haben, und deshalb muss von den neugriechischen Yolks- 



28) Mit x^^Q^^Q^^ das Hatzidakis heranzieht, stimmt xdqaßog weder 
in der Bedeutung noch in den Lauten überein. 



I 



— 29 - 

dialekten besonders der makedonische nach altem Sprachgute 
durchsucht werden. Denn wenn auch Hatzidakis im allgemeinen 
damit E,echt haben mag, dass die meisten dialektischen Formen 
des Neugriechischen über das ganze Gebiet der yioivTJ verbreitet 
waren, so dürfen wir uns diese, namentlich als Volkssprache, 
keineswegs „dialektlos" vorstellen Treffend hat GMeter Neu-^ 
griech. Studien I 22 hervorgehoben, dass die altgriechischen 
Dialekte, ein jeder in seinen Grenzen, die über sie gelegte "koivt] 
verschieden beeinflusst haben und dass die so entstandenen yioivi^' 
Dialekte in den modernen Mundarten fortleben. Namentlich 
musste in denjenigen Gebieten, wo das Griechische isoliert wurde^ 
der dialektische Untergrund stärker hervortreten und der ytOLviq 
einen altertümlichen und lokalen Charakter verleihen: als 
Beispiele dafür nennt Thumb Hellen. Spr. 89 ff. die Sprache 
der Zakonen und der kappadokischen Griechen. Ihnen schliessen 
sich die griechisch redenden Bewohner Makedoniens an : dass in 
ihren Dialekten noch heute Reste der altmakedonischen Sprache 
fortleben, lassen die Sammlungen von Pantazides ^^) und Mpoun- 
TONAS^^^) deutlich erkennen. 

Gleich den meisten griechischen Stämmen haben die alten 
Makedonen das ursprüngUche lange ä unverändert gesprochen, 
wie die Glossen und Namen beweisen. Auch ins Neumakedonische 
haben sich einige Wortstämme mit ä hinübergerettet. Nach 
Pantazides 210 entspricht lavog „locker, weich" (Gegensatz xAw- 
GfAevog z. B. to vr^/ua tovto eivai Xavo^ eyceivo elvai TtXeov xAw- 
ofievo) dem attisch-ionischen Xrjvog „Wolle" Aeschyl. Eumen. 44. 
Von den vier Belegen für ä, die Mpountonas 84 zusammenstellt, 
waren die beiden ersten nicht auf Makedonien beschränkt: dix^^^ 
„Gabel" (= dix^liov, vgl. altgr. x^^> neugr. /aA/ „Klaue"),. 
f.iaQyi6iov[xi aus f^taQvy.eiovf.iaL (= (.iriQvyiiüf^ai)^ fxdy,ovg „Mohn" 

29) JoH. Pantazides Ae^eig Maxeöovixai im Philistor III 118—135 
210—227 (Athen 1862), gesammelt in Seres, byz. üeggai, dem in Ost- 
makedonien nahe beim Eintritt des Strymon in den See KsQxivizig ge- 
legenen alten 2!tQQa Steph. Byz. Die von Papageorgios aus Seres ge- 
sammelten Worte (Byzant. Zeitschr. III 284—285) ergeben für den Dialekt 
nur wenig. 

30) EuTH. Mpountonas MeXixr] tcsqI rov yXcoaaixov idi(o/*arog BeXßev- 
xov xal rcöv tisqixcoqcov avxov in den 'Ag^sia tfjg vscoregag *EXXr}vtxfjg yXcoaarjg 
exbidofxsva vjto rov ovXXöyov Kogarj I 2 (Athen 1892). Velvendos liegt in Süd- 
makedonien, im Tale des Haliakmon, zwischen Bermios und Olymp, nahe 
der Grenze der Perrhaebia. 



— 30 — 

i=: ^rjxwr) mid ^idli „Messer" (= ^vrilrj). Diesen fünf auch 
Ton Hatzidakis Einl. 98 if. angeführten Worten füge ich aus der 
Sammlung des Mpountonas hinzu: TcaiGi/iiov egaif^iov „Gehen 
und Kommen" (= TtrjyaLveQxoiiog, zu Tzr^yalvco „gehe"), xla- 
fiovga „Zweig" (wohl zu '/,l^f.ia, vgl. xlai^if^lg- avaöevÖQccg Hes.), 
ajdG/.iovg = riövoofxog (wohl aus äöi-oofuog = aöv-oof.iog). Ein 
neumakedonisches aliog „Sonne" (aus a^hog) ist zu erschliessen 
aus bgovoiala' TcgooiqUa^ bqovLiaXvo ' avad^sgiualvco tov cxqtov 
Ttaqa ZTjv tvvqclv (vgl. TZQOGTJliog, fcgoGr^liaKcü „der Sonne aus- 
setzen") und aus dem Pflanzennamen tccIltovi^iotl aus tov ältov 
TO ixdtij gleichbedeutend mit riXioTQOTVLOv „Sonnenblume, Sonnen- 
rose" (neugr. hcltl „Knospe"). 

Den Übergang von ^- in xp- kennen wir aus dem Altgrie- 
chischen nur durch ipr^gog = ^rjQog, und zwar ist es gerade 
Amerias, der diese Form ohne Angabe des Dialektes bezeugt, 
s. oben S. 12. Daraus darf ja freilich, wie ich oben ausführte, 
noch nicht als Heimat des Wortes Makedonien erschlossen wer- 
den 3 1). Doch ist es immerhin bemerkenswert, dass heute in 
Serrai nach Mpountonas x^f- für ^- gesprochen wird in ipizQL 
(neben ^ltql) = ^vgtqIov und in xpLcpl = ^icpiov, idayaiQdy,t. 
Beides sind alte Worte. 

Das neumakedonische yXercov = ßleTto) (Mpountonas) 
wurde in alter Zeit von den Dorem des Peloponneses gesprochen. 
Tgl. 7t0TL-y[X]t7C0L Alkman 2375 nachBLASS Rhein. Mus. 1885, 14. 
Auf der zum dorischen Chersones gehörenden Insel Syme heisst 
der „Wächter, Aufseher" noch heute ylsTtwg = gemeinneugr. 
ßlenlog. Auch das dorische yXecpaqov Pindar Olymp. III 12 
Pyth. I 8 IV 121 IX 24 Nem. VIII 2 Isthm. VII 45, I^ieqo- 
yleqjaQog lavoylecpagog Alkman 2321. 69 (vgl. Blass a. a. 0. 12) 
belegt Pantazides 127 als Nebenform von ßMcpaqov aus dem 
Dialekte von Serrai in der Bedeutung »iuhcoTtov«. 

Wertvoller noch als solche versprengten Reste altmake- 
donischer Lautbildung erscheint das gar nicht spärliche alte 
Sprachgut in dem makedonischen Wortschatze. Schon Panta- 
zides 124 hat seine Verwunderung darüber ausgesprochen, dass 
das homerische vriyccTsog „neu gemacht" (von Kleidungsstücken: 
Xi^'^cüv B 43, xQTJöe/xvov B 185, cpäqog Hym. in Apoll. 122) in 

31) Als neu -makedonisch bezeugen Mpountonas ^rjQog „trockenes 
Brot (ohne Zukost)" und Pantazides ^rjQotpcofiiCsr rgcoysi »^rjgo yjcofzU, 
..^t}QO(paysT. 



— 31 — 

dem neuraakedomschen dvi^yazog^^) „noch nicht getragen, neu" 
(von Kleidern: syrco tva q^ovotavi (.leza^wTo, %aXo, avTJyaTO«) er- 
halten geblieben ist. Er hätte noch auf andere alte Stücke 
seiner Sammlung verweisen können: 

avaßa „aufwärts", xdzaßa „abwärts" (neugriech. eig tov 
avr^q)OQOv, eig tov ytazriq^OQOv) , zwei Adverbien, die offenbar aus 
den erstarrten Partizipien avaßa g und naxaßdg hervorgegangen 
sind in Wendungen wie iq xig ol ev^afj^evij TtoXvdqrjxog d-ebg 
r^ld^ev ovqavod^ev xaraßag t 281; 

yavid „Ohrgehänge, Ohrring", wahrscheinlich zu yavdia 
„glänzen, schimmern" (von yiOQvS-eg T 359, von -d^coQrjyisg N 265, 
von yioofX7]Tal Ttgaoial iq 128), ydvog „Schmuck" Aesch. Agam. 579; 

ydoTQa (^), eine hohle eiserne Kasserolle, über dem Feuer 
zum Backen verschiedener Speisen benutzt [oycsvog ^ayeigr/^ov, 
olov GLÖrjQovVy GTQoyyvlov, €T€q6koiIov, t6 OTtoiov Inl TOV 6(xg)a- 
lov TTJg -avQT^g e7cig)aveiag exec Xaßriv. QeQ^aLvouevov d* mavcog 
8fcl TOV JCVQog xQTioiixevei eig otttt^ölv ÖLacpoqwv edeGfxctTcov. 
^'O/xoLOv TL TtaQa Tolg agxccloig s-aaleiTO »Ttviysvg«), auch aus 
Velvendos vom Mpountonas belegt, ist identisch mit der homer- 
ischen ydaTQT], dem ehernen Becken des Dreifusses, in dem über 
dem Feuer das Badewasser heiss gemacht wird: ol (al) de loe- 
TQoyßOv TQLTtoö^ iGTaGav ev ttvqI yirikico , ev 6" aq vÖcoq execcv, 
VTtö de ^vla dalov sXovTsg {elovGai), ydGTQi^v (lev TgiTzodog 
TtvQ d/AcpeTte, d^eQ^exo d^ vdwQ. amaq 87t ei d^ ^€GG€v vöcoq evl 
TjvoTCL xalTLi^ /ltI. 2 346 ff. ^ 435 ff.; 

(xllva „Kuchen", verkürzt aus ixelivä, att. fxeUvri „Hirse"; 

vea(xa „Brachland, neues Land" auch in Velvendos übhch 
(»v€og dyqog^ dvocy/ua« Mpountonas), abgeleitet von vedco „neues 
Land, Brachland umpflügen" vgl. i^v vedv ßovlr^Gd^ ev wqa Tovg 
dygovg, vGOf^ev tvqwtoiglv vfuv Aristoph. Wölk. 1117, veaxri und 
homer. veiog „Brachland"; 

gaydva „ein Quälgeist, der durch sein fortwährendes Bitten 
und Drängen lästig fällt", w^ohl nicht zu qriyvvixi „ich breche", 
wie Pantazides vermutet, sondern zu qdGGo)^ homer. qtiggco „ich 
stosse" {QTqGGovTeg vom Aufstampfen der Tanzenden .^571, eTtcg- 



32) Das d- ist vorgeschlagen wie in neumaked. äx(ovr] = x^^V» 
ddgdxvov = ÖQOLTZofzac, a8l[A.nxovg = öifAixog , dväfza = väf^ia , dgC^QC = 
QiCaQiov, äoixalvov/Lii == oixxaivofxai u. a. m. 



- 32 — 

Qrjoao) Q. 454 456 „den Riegel vorstossen"), qdya' . . ßia, cq^I] 
Hesych ; ^3) 

GTalaxlSa (iy) „Angst, Unruhe'' {iv ^eggalg ovtco tiJv oze- 
voxcoQLav, TTjv OTtoiav o dad^evr^q alad^dveTaiy oxav di olavdrJTioTS 
altiav, log IttI to tvoXv Ofxwg €0ü)T€Qr/,7jVj dsv evQlay,7] Trjv r^av- 
Xiccv Tov) 34) ist gleichen Stammes mit dem altgriechischen oza- 
"Kayixog „Schmerz, Kummer (odvvrif^^ das uns in dieser Bedeutung 
nur durch Sappho 17 (Etym. Magn. 576, 22 Hoefmaxn GD. II 
139) bekannt ist; 

xdvo) in der ursprünglichen Bedeutung „ich klaffe" z. B. ?J 
&vQa xdvst, eyiel eTtavco, r^ TtXiqyri xdvu^ ein von dem Aoriste 
Mxctvov aus gebildetes Präsens. 

In der reichhaltigen Sammlung von Mpountonas sind alte 
Stücke seltener und schwerer zu erkennen: sie gibt im wesent- 
lichen gewöhnliche neugriechische Worte in derjenigen Lautge- 
stalt, die diese im Dialekte von Velvendos angenommen haben. 
So begnüge ich mich damit, ein paar bemerkenswerte Worte 
herauszuheben : 

'AOVTta »jtoxr^QLOv«, doLf.i6'AOV7ta »aQyvgovv tvoti^qlov« ist 
das Stammwort zu homer. yivrceXlov „Becher"; 

yiovTQa „Hirnschädel" (Kgaviov) ist identisch mit dem zuerst 
bei Aristophanes belegten v^vTragog „Höhlung, Wölbung, Kapsel, 
Zelle"; 

Die Gamasche {nsQiyivrifxlg) heisst in Velvendos xovlalßi. 
Da sie von den Landleuten entweder aus Fell {TteQi öi nvriinrjOi 
ßoelag 'Ä.vYi(.udag ga/tzag ösdeTo co 228) oder aus dichtem Stoff 
verfertigt wird, so liegt es nahe, in xovXalßi den Wortstamm 
"kaißio- zu suchen, den wir schon in dem makedonisch-neugrie- 
chischen oaKO-laißa „grober Tuchstoff" kennen gelernt haben. 
Ja, vielleicht ist xov-Xalßi geradezu aus GaKO-Xaißlov verkürzt: 
die Verstümmelung des Anlautes mehrsilbiger Worte gehört zu 
den Eigentümlichkeiten des Dialektes von Velvendos, namentlich 
sind Composita von ihr betroffen (vgl. z. B. ögov-y/Mlid aus Sev- 
ögoyaleidy wie das Wort sonst heisst, d-rif.dQLvog „täglich" aus 
avd^Tlfxeqivog^ Xrjßo&iytia aus dllr]Xoßo7]d^€La, x^i^Q^ ^"S yioxhagiov 
u. a. m.), und ov {ü) ist der gewöhnliche Vertreter von tonlosem o 



33) gaydaZog „heftig, hitzig, leidenschaftlich" kann zu Qi^yvvfxi ge- 
zogen werden, aber auch zu Qaaoco. 

34) Die Zusammenstellung mit aaXäaoco (Pantaztdes) ist verfehlt. 



— 33 — 

in der Kompositionsfuge, vgl. z. B. hrgov-Ttoöia = alsTQO-TtoSia 
„Pflugschar^', y,aQaßov-y,tlTg = Kagaßo-yivQcog u. s. w. 

Alle diese prächtigen alten Stücke des neumakedonischen 
"Wortschatzes lassen die Hoffnung berechtigt erscheinen, dass eine 
gründHche Durchforschung der neumakedonischen griechischen 
Mundarten uns die Sprache der alten Könige noch näher bringen 
wird. Möge sie bei der grossen Bedeutung, die sie für eines der 
wichtigsten Probleme des Altertums besitzt, nicht so lange hinaus 
geschoben werden, bis es zu spät für sie geworden ist: schon vor 
40 Jahren erinnerte Pantazides daran, dass das alte Sprachgut 
des Neumakedonischen meistens nur noch im Munde der Frauen 
fortlebe. 



I 



Hoff mann, MaVedonen. 



34 — 



Zweiter Abschnitt. 
Der altmakedonische Wortschatz. 

Wenn die Geschichtsschreiber der Zeit Alexanders und die 
alexandrinischen Grammatiker ein Wort „makedonisch" nannten: 
welchen Begriff verbanden sie dann mit dem Volksnamen May,e- 
doveg? Diese Frage muss vorweg beantwortet werden, um den 
Wert der makedonischen Glossen für eine sprachHche Unter- 
suchung festzulegen. Nach Abel Makedonien 118 war zur Zeit 
der griechischen Lexikographie „der Umfang Makedoniens nicht 
mehr durch die Nationalität bestimmt, sondern thrakische und 
illyrische Länderteile waren dazu geschlagen und die griechische 
Sprache der Makedonier seit deren Verbreitung über die halbe 
Erde mit Fremdwörtern angefüllt worden. Eine ausgebreitete 
Sprachkenntnis und noch mehr eine scharfe Kritik gehörte dazu, 
um das eigentümlich Makedonische von den fremden Elementen 
zu sondern, und die wird niemand bei jenen geistlosen Kompi- 
latoren erwarten." Gewiss nicht! Aber eine solche sprachge- 
schichtliche Kritik vermissen wir auch gar nicht. Ja, wir wünschen 
sie nicht einmal, wenn wir nur erkennen, woher der einzelne 
Grammatiker und Historiker seine Kenntnisse der makedonischen 
Sprache schöpfte. Und da werden wir von allen Seiten auf das 
Mutterland Makedonien geführt. Es ist nicht unwahrschein- 
lich, dass die in phonetischer Umschrift aufgezeichneten make- 
donischen Glossen des flesych — und das ist die grösste Masse 
— aus dem Werke des Makedoniers Amerias stammen (s. oben 
S. 16). Jedenfalls spricht ihre Auswahl dafür, dass sie von einem 
Makedonen oder doch in Makedonien gesammelt sind: denn es 
sind viele Worte darunter, die an dem Boden des makedonischen 
Landes hafteten und in der Fremde einem Beobachter sich schwer- 
lich aufgedrängt hätten. In dem Geschichts werke des älteren 



« 



— 35 — 

oder jüngeren Marsyas waren wiederholt makedonische Worte 
erwähnt, im Hesych und bei Athenaeus sind Proben davon er- 
halten: der ältere Marsyas stammte aus Pella, der jüngere aus 
Philippi. Natürlich werden auch während der Kriegszüge Alexan- 
ders von den Gelehrten seiner Umgebung hin und wieder make- 
donische Worte bemerkt worden sein. Da jedoch der Hof selbst 
attisch sprach, so kann es sich immer nur um technische Aus- 
drücke der Verwaltung oder des Krieges gehandelt haben. Solche 
kamen auch in den Briefen Alexanders vor. Keine einzige 
Glosse aber lässt einen Einfluss derjenigen asiatischen Sprachen, 
mit denen die Makedonen durch die Alexanderzüge bekannt 
wurden, erkennen. 

Also haben wir unter den Mayieöoveg der Glossen stets die 
Bewohner des eigenthchen Makedoniens, des makedonischen 
Königsstaates zu verstehen. Haben die Grammatiker oder Hi- 
storiker aus diesem Gebiete Worte thrakischen oder illyrischen 
Ursprungs als „makedonisch" aufgezeichnet, so handelten sie un- 
bewusst „kritischer", als wenn sie willkürlich nur „die eigentlich 
makedonische" Sprache benicksichtigt hätten. 

Dass in der Tat der überlieferte altmakedonische Wortschatz 
sich aus griechischen und barbarischen Elementen zusammensetzt, 
das mussten schon die Antipoden in der Makedonenfrage, Ot- 
triedMüller und Abel, zugeben, mochten sie auch in der 
Erklärung dieser Tatsache entgegengesetzte Wege gehen. Neuer- 
dings hat auch Fick, der früher mit kühnen Etymologieen make- 
donische Worte für das Griechische zu retten suchte, phrygische, 
thrakische und illyrische Bestände im Makedonischen anerkannt 
<BB. XXIV 297). Waren die Makedonen Griechen, so müssen 
die griechischen Worte den Grundstock ihrer Sprache bilden; 
waren sie dagegen ein thrakischer oder illyrischer Stamm, so ist 
alles Griechische entlehntes Gut, übernommen aus der Kultur 
der Städte, die hellenische Siedler an der Küste Thrakiens ge- 
gründet hatten. Ob die griechischen oder die barbarischen Worte 
das Fundament des makedonischen Sprachschatzes bilden, ver- 
mögen wir ganz allein an der Art seiner Zusammensetzung und 
Mischung zu erkennen. Diese wird uns aber erst dann klar 
werden, wenn wir die vei*schiedenen Elemente, so gut das möghch 
ist, ihrem Ursprünge nach bestimmt und von einander geschieden 
haben. 

Die Aufgabe ist nicht leicht. Denn diejenigen barbarischen 

3* 



— 36 — 

Sprachen , die von den Völkern der nördlichen Balkanhalbinsel 
gesprochen wurden, sind uns gar nicht oder nur sehr mangelhaft 
bekannt. Sicher ist ja freilich, dass die beiden grössten Völker 
südlich der Donau, die lUyrier und Thraker, eine indogermanische 
Sprache redeten. Ja, wir kennen sogar ihre verwandtschaftliche 
Stellung innerhalb dieser Sprachgruppe genauer. Das Illyrische 
und Thrakische waren beides sa^em- Sprachen, sie standen also 
auf europäischem Boden dem Slavischen und Baltischen am 
nächsten, während das Griechische als centum-Sißra.che mit dem 
Italischen, Keltischen und Germanischen zusammengehörte. Auch 
einige besonders hervortretende Lauteigentümlichkeiten des Illy- 
rischen und Thrakischen sind uns durch zuverlässige Belege ver- 
bürgt, wie z. B. die Ersetzung det* Mediae Aspiratae bh dh durch 
die reinen Mediae h d. Aber selbst wenn wir die schattenhaften 
Bilder des Altillyrischen und Thrakischen durch das Albanesische 
und das Phrygische ergänzen, so sind wir doch zu dem unum- 
wundenen Geständnisse genötigt, dass wir für keine einzige der 
überlieferten makedonischen Glossen, deren Griechentum zweifel- 
haft erscheint, illyrische oder thrakische Abstammung zu erweisen 
vermögen. 

Von den beiden Elementen der makedonischen Mischsprache 
ist uns also nur das eine, das griechische, sicher bekannt, und es 
kann das erreichbare Ziel einer Analyse des makedonischen 
Wortschatzes lediglich darin bestehen, das griechische Sprachgut 
zu sondern von allem, was sich gar nicht oder nur gezwungen 
aus dem Griechischen erklären lässt. 

Wenn ein makedonisches Wort vollständig oder mit dialek- 
tischer Färbung einem griechischen entspricht und wenn dieses 
griechische Wort in seinen Lauten und seiner Form weder aus 
einer anderen indogermanischen Sprache belegt noch so farblos 
ist, dass es ebensogut thrakisch oder illyrisch sein könnte i), so 
haben wir so gut wie sicher ein griechisches Element des Make- 
donischen vor uns. Das Gleiche ist der Fall, wenn nur der 
Stamm eines makedonischen Wortes oder die Elemente seiner 
Zusammensetzung spezifisch griechisch sind. 



1) Wie z. B. öo/iog: altbulg. domu, viqpos: altbulg, «efco, <psQ(o: phryg. 
ab'beret, dor. fiätsga: phryg. mä'eran u. a. m. 






— 37 — 

Abkürzungen: 
FiCK 00. = Orient und Occident II. 

FiCK KZ. = Kuhns Zeitschrift für vergl. Sprachforschung XXII. 
GMeyer FJ. = Fleckeisens Jahrbücher f. klass. Philologie XXI. 



1. Die Natur des Landes. 

Himmel und Wetter. 
Das gemeingriechische ai^ijg ging nach makedonischen Laut- 
gesetzen in adrj' ovgavög. MayieSoveg Hes. über; aus dem ad- 
jektivischen dSgaid' aid^gla. Ma/.ed6vEg Hes. ist ein make- 
donisches *a6Qa, dem Laut für Laut das homerische at^gri ent- 
spricht, zu ei*schliessen ^). 

In der herrenlosen Glosse vißa' xiova. Aal /.grivriv Hes. sind 
zwei verschiedene Worte zusammengefallen. Eines von ihnen 
war sicher makedonisch: der Akkusativ vißa „Schnee" entspricht 
genau der im Griechischen nur noch einmal bei Hesiod Erga 535 
vorkommenden alten Form vicp-a = lat. niv-em aus *snighu-m. 
Da die auslautende Nasalis sonans -m nur im Griechischen durch 
-a vertreten ist, so muss vißa eine griechische Dialektform, also 
wegen ß = cp makedonisch sein. Der Stamm sneighu-: snighu- 
hatte aber noch eine zweite Bedeutung, die, wie es ^scheint, schon 
in vorgriechischer Zeit abgezweigt war (FiCK Vergl. Würtenb. I * 
574 II* 316), nämhch „feucht sein, tropfen, ergiessen", vgl. ir. 
snigim „tropfe, regne", ssk. snih, snihyati „feucht werden", und 
diese tritt in dem zweiten vißä- „Quelle" hervor. Dass der Stamm 
in dieser Form angesetzt werden muss, folgt aus vißa- xiova. 
yLaXelzai öe ovxoyg /.al yigiqvri kv Ggcmr] (Suidas Photius) und aus 
dem Ortsnamen Nißag im Gebiete von Thessalonice (Aelian hist. 
anim. XV 20). Wenn im Thrakisch - Phrygischen die Labio- 
velare ku gu ghu wirklich durch die reinen Gutturale x y ver- 
treten und die mit ß = gu belegten Worte phryg. ßovo/,, ßsog^ 
thrak. -ßlemrjg^ ßov- alle dem Griechischen entlehnt waren 
(Keetschmer Einl. 233 ff.), so ist vlßd „Quelle" als Appellativum 
und Eigenname nicht ein thrakisches, sondern ein makedonisch- 
griechisches Wort gewesen. 

2) Die von Prellwitz Bezzenb. Beitr. XXIII 74 geäusserte Ver- 
mutung, dass in ddfj und dögaid als Stamm nicht aid'-, sondern die 
„Nebenform" d^- (Ablaut ä(i)dh: ädh) zu suchen sei, überzeugt mich nicht. 



— 38 — 

Barbarisch war ßedv = ße-dv (zu ßrj' „wehen") als Name 
der Luft, die von makedonischen Priestern in ihren Gebeten an- 
gerufen wurde, s. unten „Götternamen". 

Der ßergwald und seine Gewässer. 
Bei a^og' vXt] Ttaga Ma^Aedooiv Hes. wird man trotz FiCK 
KZ. 199 schwerHch an den kretischen Stadtnamen "A'^og^ ^'Oa^og 
denken dürfen. Dieser lautete, wie das Ethnikon Fa^ioL auf Münzen 
und in Inschriften (BCH. VI 460) beweist, in ursprünglicher Form 
Fd^og und wird von Stephanus Byz. s. v. ^'Oa^og als „Abhang" er- 
klärt: Tivsg ÖS öia %b 'AaTayrjvai tovtottov ymI ^/.qri^viodrj v/ECCQxeiv 
jicclovai yag zovg Toiovzovg Toitovg a^ovg, YMS^dTteg vmI T^ixeig 
dyfxovg. Will man überhaupt Eigennamen zum Vergleich her- 
anziehen, so haben der makedonische Flussname ^A^wg fohne ß 
bei Homer) und der makedonische Stadtname Aijt-a^og Hdt. 
VII 123 den nächsten Anspruch darauf; aber wir gewinnen mit 
ihnen nichts und verlegen uns nur den Weg zu einer Deutung 
des Wortes aus dem Griechischen. Schwierig wird diese freilich 
bleiben, da ein Stamm a^- in der Bedeutung „Wald" oder „Baum" 
nicht belegt ist, und eine kühne Vermutung darf deshalb wohl 
auf Nachsicht rechnen. Wem fällt, wenn er die Worte d^og- 
vXri neben einander hest, nicht a^vlog vlrj A 155 „holzreicher 
Wald" ein? Sollte d^og aus d^vXog gekürzt sein? Auf laut- 
mechanischem Wege schwerhch! Denn bei dem Vokalverlust in 
den makedonischen Glossen dßaQxva und d-Kgala (s. unten S. 54 
und 62) ist der zweite Radikal des Wortstammes nicht angegriffen 
worden. Aber nach den Gesetzen der Stammbildung könnte d-^og 
eine Kurzform zu dem Compositum d-^vlog sein, wie ngo^og 
zu TtQO'fxaxog, maked. agyi-rtog zu '^ dQyl-Tteigog, vgl. S. 46 3). 
Eine treffende makedonische Parallele dafür, dass ein Adjektivum 
zum Substantivum wurde, bietet die gleich folgende Glosse doTtiXog, 

Wenn die Makedonen für das homerische ßlqeS^qov „Erd- 
schlund, Felsenkluft" 14 (.i 94 wirklich Cage&QOv gesprochen 
haben, wie uns Eustathius überUefert (1715, 38 ro de ßiqei^qov 
-KOivcog fxev ßdgad^qov, %avd May,eö6vag öe cpaoL ymI uged^gov 
keyerai, und 695, 34 otl ös xb ßege&gov LegeS^gov Mayteöoveg 
cpaalj %al dllaxov drjXovTatjj so besitzt diese Form wegen des 



3) Ebenso fasst Prellwitz GE. 20 äfifiog „Sand" als Kurzform zu 
ä^a^og. Andere Beispiele bei Hesych. 



— 39 — 

anlautenden ^e- aus gue- besonderen Wert. Leider ist die Zu- 
verlässigkeit des Gewährsmannes nicht über jeden Zweifel erhaben. 
Denn nicht nur von Strabo VIII 389 *), sondern auch von 
Eustathius selbst an einer anderen Stelle (909, 27) wird die 
Form LeQsd-QOv den Arkadern zugewiesen. Man wird also gut 
tun, vorläufig nicht allzu fest auf ein makedonisches ^eged-gov zu 
bauen. 

Die kleinen Giessbäche, die in schnellem Laufe von den 
Höhen des Bermios in die Ebene von Pella dem Axios zueilten, 
hiessen aG7ciXoi, vgl. aoTzilog' x^if^^f^QQOS v^o Maytedovcov Hes. 
Wie das Wort zu deuten ist, lehrt uns das pseudo-theokriteische 
Epigramm XVII (Ahrens) vs. 5 ff: oäyiög ö^ elleQog Ttegideögo- 
fiev, alvaov öe \ qelS-Qov aico oti Llaöcov ^cavTOoe TYileS^dei \ 
ddq)vaig '/,zl. Das zweite Glied der Zusammensetzung ist also 
öTcllog „Felsen, Klippe"^), eine Nebenform von aTcildg, vgl. 
OTtiXov UaQvaooiav Iwv ^OfÄCfdXrj Hesych, Tivdg yr^g GTTilovg 
Ps.-Aristot. Tcegl Koof.i. 3, Lykophron 188 374 u. a. m. Die Prä- 
position aTTo lautete im Makedonischen auch vor Konsonanten 
ccTT- (vgl. maked. d-ßloFe aus dß-ßXve, aTto-ßlue), und aus 
aTt-OTCiXog „vom Bergesfelsen herabkommend" ^) musste nach ge- 
meingriechischem Lautgesetze d-OTCilog werden: wenn zwischen 
zwei der gleichen Klasse angehörenden Mutae ein ö stand, so 
fiel die erste Muta aus, z. B. ttazw aus '^ ßeFU-a/,co, dioAog aus 
"^dU-G^Aog, ßldö(prif.iog aus * ßld7CO(prif.iog (Brugmann GG.^ § 81 
no. 9 mit Anm. 5, S. 100 ff.). 

Die Flora. 

Nur von einem einzigen Kulturgewächse Makedoniens 
kennen wir den Namen, und dieser ist griechisch. In die ältesten 
Zeiten griechischer Kultur geht der Weinbau zurück. Während 
sich die Benennungen der „Weintraube", övacpvlri und ßocgvgj ausser- 
halb des Griechischen nicht nachweisen lassen, reicht der in der 
Literatur zuerst bei Sophokles Fragm. 366 Nauck^ belegte Name 
der „Weinbeere" w^enigstens auf die Apenninenhalbinsel hinüber : 



4) „ßsQe^Qcov, ä xaXovaiv ot 'AQxddeg ^eqe&Qa^^ vgl. Hesych l^igs^qa' 
ßa.Qa'&Qa, xoTkoi rojioi. 

5) An dieses Wort dachte bereits GMeyer FJ. 190; doch liess er 
das anlautende d- unerklärt. 

6) Vgl. aTc-oiHog „einer, der von Hause kommt, gekommen ist." 



— 40 — 

^«y-, Nom. ^a§ entspricht Laut für Laut dem lateinischen frag- 
um „Erdbeere"; die Grundform des Stammes war sräg-. Diese 
haben die Makedonen durch das Suffix -(xa erweitert in dem 
Nomen Qci(j.ara' ßoTQvSia (überl. ßoaiQvxia), oraffvlig. Mayte- 
doveg Hes. Die Assimilation von -y^- zu -^^u- (-^-) zeigt auch 
die Glosse 7tov(x^a, ij zr^g xeiqbg Ttvyfxri Hes., die von Ahrens 
GD. II 102 wegen des ov = v den Lakonen zugewiesen wurde, 
aber ebensogut auch makedonisch sein kann, da das v der Make- 
donen den gleichen Lautwert besass. Ferner führt Solmsen 
RhMus. LVI 497 ff. auch das kretische xpdcfi^ixa aus Lebena 
Mus. Ital. III 731 auf xpacptyfxa zurück. Wo wir im Griechischen 
das Suffix 'i^a sekundär gebraucht finden, scheint es sich immer 
um Analo^giebildungen nach primären Stämmen zu handeln. So 
sind für die speziell lakonischen Tier- und Pflanzennamen auf 
-r^-f^a (egiq^LijfxaTa' tQi(poi. yld'Amveg, '/lagvrjfxaTa' /MQva. udaKwveg, 
TtQoßazTJfxaTa' TiQoßaxa, xoi^Q^'fH^ci' ^o xoiQidLOV, TtaidaQCTJi^aTa' 
TiaiöocQia Hesych) offenbar Verbalnomina wie ßoa'nr^fiaTa „Vieh", 
yevrifAaTa „Feldfrüchte" (Herw^eden Lex. Dial. 171), rcwlri^iaTa 
Inscript. Graec. Sic. et Ital. no. 430 II 23, oi'/.i^fAaia u. s. w. 
die Vorlage gewesen ; das argivische fdga-jua „Sitz" Samml. Griech. 
Dial.-Inschr. no. 3339 115 (von e'ÖQa) wird an ßrj-ita, lögv-fj^a u. 
ähnl. angeschlossen sein. Deshalb möchte man auch für das 
alleinstehende Qoc/ua ein bedeutungs verwandtes primäres Nomen 
auf -jwa suchen, dem es nachgebildet sein könnte und da bietet 
sich am gefälHgsten der gemeingriechische Name der „Weinranke" 
dar: vl^-fia Aristoph. Ekkles. 1031 Plato Respubl. I 353 A u. a. 
Dass maked. gdfiaza nur ein griechisches Wort gewesen sein 
kann, beweist der Anlaut. Im Thrakisch-Phr^-gischen ist sr-, 
wie im Germanischen und Baltisch-Slavischen, zu str- geworden: 
das zeigt der thrakische Flussname ^tqv/awv aus *2Qv-fxa)v vom 
Stamme sreu-: sru- „fliessen", griech. qI[Fj-(x), qv-, vgl. Kretschmer 
Einl. 235. 

Ganz verschieden von dßgo-g „zart, fein" ist der ohne Spiritus 
asper anlautende echtgriechische Adjektivstamm, der das Anfangs- 
glied der Pflanzennamen dßQO-xovov 7), oßgo-xag/tov dßqoTOvov, 
aßgo-fiov oQiyavov Hes. bildet. Ihn finde ich auch in dßaqv' ogl- 



7) dßgö-rovov wohl aus *aßQ6-xQovov, vgl. ssk. trna-m „Gras, Kraut", 
TQÖva' . . . Qäfj,(i.ara ävd'iva Hes. Zu tfnam verhält sieh xqovov genau so 
■jvie ßgoTÖg zu mrtds. 






— 41 — 

yavov {ev) Maytedovla Hes. (überl. ManeSovloia): denn aßagv 
steht nach makedonischer Lautneigung regelrecht für aßgi). Da 
sowohl die Eberraute (abrotanum) als auch der Majoran (ori- 
ganum) als gewürziges Kraut zu Speisen und Arzneien verwendet 
wird, so scheint aßgo- mit dem germanischen ampra- „sauer, 
bitter, scharf' (ndl. amjyer „scharf, bitter^', ampern „sauer schmecken", 
schwed. ainper „sauer, bittei-"; ags. gmprej ahd. ampfaro, mhd. 
ampfer „Ampfei-^') stammverwandt zu sein % 

In der Ebene, die sich zu den Füssen des westmakedonischen 
schneebedeckten Bermion- Gebirges ausdehnte, lagen die berühmten 
Gärten des Midas, in deren Nähe sich die drei sagenhaften 
Gründer des makedonischen Reiches, Gauanes, Aeropos und Per- 
dikkas, zuerst angesiedelt haben sollen: Hdt. VIII 138 oi öe 
CLTtr/LOi-isvoi eg alhjv yrjv rrjg lUayteöovirig olzr^aai^ TceXag twv 
%7]7ta)v Tiüv Xeyo^ivvjv elvat Mldew xov roQÖuo), iv tölol (pvexai 
ayTOf-iaia Qoöa, tv tAaöTOv exov e^TJ'AOVTa qivlXa, oöfAjj de v/teg- 
ipeqovia tcov allcov. Die hier erwähnten wildwachsenden, ein- 
heimischen Rosen werden den Namen aßayva' goda. Mazeöovsg 
Hes. , für den das Griechische keine Deutung gibt ^) , getragen 
haben. 

Von den Bäumen Makedoniens heisst nur ein einziger ähn- 
lich wie in Griechenland: öagvXlog' r^ dgvg Itvo Ma7.ed6va)v 
Hes. kann nach makedonischer Aussprache aus ögv-XXog ent- 
standen und Deminutivum zu dgv-g sein (Fick KZ. 205). Frei- 
lich geht dieser Wortstamm mit vei-schiedenen Ablautsstufen durch 



8) Auch Fick KZ. 193 erwähnt diese Zusammenstelluug als möglich. 
Er zieht ihr freilich eine andere Erklärung des makedonischen Wortes 
vor: »d-ßagv heisst „nicht schwer", nämlich zu verdauen; das ent- 
sprechende sskr. a-guru „nicht schwer" (ebenfalls: zu verdauen) ist ein 
sehr gewöhnlicher Name für allerlei Kraut und Gemüse«. Diese Be- 
deutung passt nicht für den Majoran; ausserdem niüsste dann äßQo-(4,ov, 
das Fick selbst früher (00. 723) mit aßaQv verbunden hatte, ganz von 
diesem getrennt werden. 

Das -p- des germanischen ampra- kann, wie Johansson IF. III 240 
ausführt, nicht als Gleitlaut zwischen m und r entstanden sein, es ist 
€in ursprüngliches gemeingermanisches -p- aus -b-. 

9) Fick KZ. 193 will aßay-va als "a^ay-va „duftend" mit ad^oy 
„hauchen, wehen" aus *dfdö-i(o verbinden: das ist aber — ganz abge- 
sehen von der Verschiedenheit der Bedeutung und des auslautenden 
Konsonanten — deshalb unmöglich, weil f zwischen Vokalen im Make- 
donischen ausfiel, vgl. Aäyog aus Ad^-ayog, dgxöv aus d-fsgyov u. a. m. 



— 42 — 

alle indogermanischen Sprachen hindurch, und wer maked. dagv- 
dem keltischen daru- „Eiche", ir. daur, altbrit. Jagoveovov un- 
mittelbar gleichsetzt (Stokes-Bezzenber&er Urkelt. Sprachsch. 
148), wird schwer zu widerlegen sein. Die übrigen makedonischen 
Baumnamen lassen sich auf griechischem Boden nicht nachweisen. 

Nach Theophrast Hist. Plant. III, 8 unterschieden »o^ 
Tcegl Ma7.eöoviav« vier Eichensorten: hv(.i6dQvg, TTlarocfilXogy 
q)r]y6g, aOTigig. Von der letzten heisst es: zauTr^v oi f,iev a/MQ- 
7t ov oXiog o\ de cpavlov xov ymqtcov, oJoie [.ir^öev eodUtv Lcdov 
fcXriv vog Aal xavzriv oiav kvegav {.li^ txt]' '/ml tcc jidIXo. }.af.i~ 
ßdveo^ai TCEQiy.ecpalaiq. f.ioxS^i]Qa de /mI tcc Hla- icels/.rid^lvTa 
fiev oXwg axQEia- 'AazaQYiyvvTat yaq /ml diayiiTtrei' drceXtyiriTa 
de ßahvuoy öl o y,al ovzio xgcowai. (.lOxd^iqQa de y,al eig /mvgiv 
7mI eig avi>Qay.eiav' ayoelog yag oXcog o avd-ga^ öia t6 tttjÖccv 
Aal OTtLvd^i]QiCetv Ttlrjv zoXg /aAzeiJa^' Tovvoig de /^r^(7^^(cJre^oc,* 
Twy alXcüV did yccQ to ccTtooßevvvöd^ai ovav rcavoiqTai q)vow- 
/Asvog ollyog avaXiöAecat' t6 de vrjg aXufXoiov xq^iOliliov elg xovg 
a^ovag f.i6vov Aal ra TOiavTa. Da die ao/tgig entweder völlig 
ayiaQTCog war oder nur unbrauchbare Früchte trug, so hat 
MScHMiDT, dem Fick 00. 724 folgt, die Glosse aoAga- dgvg 
äyiagftog Hes. zum Vergleich herangezogen. Das germanische 
aska- „Esche" (altn. ask-r, ahd. asc) möchte ich fern halten. 

Der Eichenname Yla^- tj jcglvog tog 'Pco/ualoi Aal MaAE- 
doveg Hes. steht zwischen lled^f-iög und 'ilewg'. er ist also aus 
XXeE. = lat. Hex verschrieben. 

Die „Silberpappel" führt« im Griechischen ihren Namen nach 
der „weiss schimmernden" Farbe ihrer Blätter: sie hiess XtvAiq^ 
aXcpivia i«) (von aX(po- „weiss", d?.(p6g „weisser Fleck", lat. alhus\ 
Xvydri {Xva- schwache Form zu XevA-), g)avXia (von cpav- „glänzen'* 
in cpav-oig, TiL-cpav-OAO) etc.). Wenn also ihr makedonischer 
Name aXita- tj XevAri noo devdgov Hes. (überl. itov devdgcjv: 
verbessert v. Guyetüs) griechisch wäre, so würden wir seinen 
Stamm in der Bedeutung „schimmern" im Griechischen zu finden 
erwarten. Das ist bis jetzt nicht der Fall. 

Epheu und Moos gehören als üppig wuchernde Parasiten 



10) Hesych dkcpivia' rj Xevxy]. IIsQoaißoi. — ?.vydr] • rö ösvdgov rj kevKrj. 
cpavXia' . . oi de rag Isvxag. 



— 43 — 

der Waldbäume eng zu einander: von cpdozov „langhaariges 
Baummoos" Theophrast Hist. plant. III, 8 kann ßdoy.iXlog' 
yJooa, ohne Ethnikon bei Hesych, nicht getrennt werden. 

Die Fauna. 

Die drei gefährlichen Beherrscher des Bergwaldes, die Homer 
in dem Verse »aQKTOt % dygozegol xe oveg xagoTtol re Xiovteq« 
l 611 zusammenfasst, wurden von den Makedonen -^^vvovTteigy 
aXiiq und x^Qf^^^ genannt. 

Der Bär war für sie das „wilde Tier", das „Ungeheuer" zar* 
£^oxi]v ; denn sein makedonischer Name yLvvov7cevg'^^)' ag^Tog, 
Mav.eöoveg Hes. deckt sich im Stamme genau mit dem altgrie- 
chischen Worte y.vfo/t- „wildes Tier", das zwar als Appellativum 
erst von den gelehrten Dichtern aus den Dialekten ausgegraben 
ist (Nikander Ther. 499 520 751, yvco/tofxogcpog von den in Säue 
verwandelten Gelahrten des Odysseus Lykophron 675), aber durch 
den Namen KvioTZog^ den ein alter König von Erythrai führt 1 2)^ 
für die älteste Zeit bezeugt wird, vgl. den Namen Kvcoitiag 
^^llaQLcoTYig Polybius V 63 12 65? (Fick-Bechtel Gr. Personenn. 
316). Ein Gleitvokal zwischen z und v scheint sich nicht nur 
im Makedonischen entwickelt zu haben: aus y,vco7t- ist -mvcotz- 
geworden in dem nach hgrc-eiov gebildeten Nomen 'alvcoti-etov 
Kallim. in Jov. 25 Nikander Ther. 27 195. Hat hier vielleicht 
Volksetymologie mitgespielt? 

Den im Tzetzes-Scholion zu Lykophron 455 makedonisch ge- 
nannten Löwennamen y^dgcov (0 Miov v.axd May,ed6vag) haben 
schon die Alten ganz richtig erklärt: x^Q^^^' licov dno Ttjg 
XccQOTtoTTiTog Hcs. Vou allcu wilden Tieren führte vornehmlich 
der Löwe das Epitheton x(^Q-o^^<^Q ß 611, Hes. Theog. 321); aus 
ihm ist x^gcüv nach Art der einstämmigen Personennamen (^Qi- 
OTwv aus '^QioC'LTijzog) gekürzt worden ^^). 

Für dXiri' vMTCQog. May.eööreg Hes. ist bis jetzt eine passende 
Anknüpfung nicht gefunden. Das auslautende -^ kann, wie in 
der Glosse dö^ = ald^tjo, dem gemeingriechischen -rjQ entsprechen.- 



11) Überliefert ist xvvovjisg. Dass dieses in hvvovjisvs und nicht 
etwa das erklärende äg^zo; in aQxxoi zu ändern ist, zeigt die Glosse 
xvoojievg' aQxzog' svtoi xvovjievg. 

12) Steph. Byz. s. v. 'Egv^gai, Strabo XIV 633, Athenaeus VI 259. 

13) Nach PoUux V 47 hiessen bei Aeschylus (Nauck*^ Fragm. 245) 
die Hunde des Aktaeon Koga^, "Agjtvia, Xagcov und Avxötzas. 



- 44 — 

Der einzige zahme Yierfüssler, dessen makedonischen Namen 
^ir kennen, ist das Schwein. Die im Hesych überlieferte Ak- 
kusati vform yoTccv vv. Blay.edoveg scheint auf den ersten Blick 
von vv oder ovv so völlig verschieden zu sein, dass wir es be- 
greifen, wenn Ficki*) ihre Erklärung durch einen kühnen etymo- 
logischen Zug zu gewinnen sucht. Aber der Schein trügt: yovav 
ist nichts als die makedonische Form des griechischen vv und 
deshalb in sprachlicher Beziehung besonders w^ertvoll und inter- 
-essant. 

Dass anlautendes y- im Hesych nicht nur aus F =■ ß, sondern 
auch aus h, dem Zeichen des Spiritus asper, entstellt sein kann, 
liat SoLMSEN Unters, z. Griech. Laut- und Verslehre 215 an drei 
Glossen sicher nachgewiesen: yLOTiai' lOTOvgyol (vgl. lozia' r; 
vcpalvovoa yvvTj), yalverai * avvei aus *han-ie-tai (ssk. sanomi), 
yevvov ogxalov (zu l'vog „alt", ssk. sänas, lat. senex). Da ferner 
der Lautwert des gemeingriechischen t; in den makedonischen 
Glossen yoöa^ aßXotj durch o dargestellt ist und da in maked. 
aßQovzeg das aus F entstellte T den hinter v (w) entwickelten 
makedonischen Gleitlaut ß {u) vertritt, so entspricht nach der 
speziell für die makedonischen Glossen bezeugten 
Orthographie yoz- (= hOF, gesprochen huu-) Laut für Laut dem 
griechischen Stamme v- „Schwein" in r-oc:, v-cov. In der Endung 
weicht freilich das Makedonische von dem Gemein griechischen 
ab: aber ein dem makedonischen höß-äv entsprechendes v-äv 
könnte auch in einem griechischen Dialekte gebildet sein. Denn 
•der in der späteren yinivri so beliebte Akkusativausgang -av für 
-« ist schon für die ältere Zeit durch kypr. IjazrJQav, avögiaviavy 
thess. xiovav Hoffmann Griech. Dial. I 247 II 543, el. dyal- 
fiavocpcoQav Jahresh. österr. arch. Inst. I 199 bezeugt, und mit 
der Übertragung der Endung -a von den konsonantischen Stämmen 
auf die t-Stämme haben die Alexandriner {Jx^va Ps.-Theokr. 
XXI 45, ßoiQva Euphorion Herodian II, 711, 6) nur einen Brauch 
der Umgangssprache literaturfähig gemacht. Da im Akkusative 
^es Plural schon von alters her die Formen auf -vg und -tag 



14) „MScHMiDT vermutet yovxav. Nehmen wir dieses an und kom- 
binieren wir damit yoTrog • qvjco?, ndxo?, so werden wir auf die Wurzel 
sskr, gu „cacare", sskr. gütha „Schmutz, Exkremente" geführt, vgl. ksl. 
^ovtnn „Mist". yoXxog wäre dann = yoßxo oder in yovxog zu emendieren, 
-yovxäv oder yovx-äv Sekundärbildung, das Schwein hiesse das »schmutzige«" 
KZ. 204. 



I 



— 45 — 

neben einander liegen (z. B. ovg z 338 433 J 107, 6q)Qvg TI 740^ 
Ixd-Zg s 53 X 124 in 331 t 113 neben avag ? 41 81 ^ 181 593 
G 105 t^ 251, vag ^ 60 7t 341 (> 604, ocpgvag t 389, tx^^'«S^ 
7 384), so kann die nach vag gebildete Singularform i'a schon 
früh dem gewöhnlichen und ursprünglichen vv an die Seite ge- 
treten sein. 

Stephanus Byz. s. v. BoQf.itayiog berichtet uns, dass in dieser 
Stadt die bei Homer zga/retrieg heissenden Hunde von den 
Makedonen koTBQt/.ai genannt worden seien ^ 5). Wie rgaTte- 
l^eg trat also auch karegr/Mt als Beiwort zu y,vveg hinzu, un» 
eine bestimmte Sorte oder Kace zu bezeichnen. Der Form nach 
scheint ein Adjektivum auf -iKog vorzuliegen. Weiter kommen 
wir ohne gewagte Vermutungen nicht. 

Das Geschlecht der Adler war in Makedonien durch den 
agyiTtovg und den 7caga6g vertreten. 

Schön und treffend ist dgyl/covg • aeiog. Ma-^edoveg Hes. 
von FiCK 00. 725 erklärt worden ^^). Von der Endung abgesehen 
entspricht das Wort Laut für Laut dem vedischen rjipyds, einem 
Beiworte des Falken {gy'näs), und dem altiranischen erezifya 
„Falke", das Fick mit Kecht in Hesych's ag^icpog • dcTog Tiaga 
nigöaig (verderbt aus agtitpog) wiederfindet, vgl. auch arm^ 
arciv „Adler". Das erste Glied (sskr. rji- = zd. erezi- = altp. 
arzi- = griech. dgyi-) ist im Griechischen in »agyi-7codag yivvag^ 
£2 211 und als selbständiges Wort in Avveg dgyoi ^ bO 2 283^ 
'Avveg Ttoöag dgyoi 2 578 erhalten. Es ist von dem gleich- 
lautenden dgyogy dgy^g, dgyi('/.egavvogy -odovg) „glänzend" dem 
Stamme nach ganz verschieden und gehört zu ogeyo) „recken^ 
ausstrecken", vgl. co/Jeg i/cnoi Ttoaolv ogtogixciTai U 834 ^^)^ 



15) BoQfiioxog ' ;f<»gtov MaxeSovias, iv (p xvvoajiaQaxxog yiyovev Evgi- 
mdrjg. ovg xvvag xfj JiaxQcpa (pwvfj eoxEQixag {iaxsgioxag R) xaXovaiv ot 
Maxedovsg, 6 ök Ttoirjxrjg xgajisl^fjag . 

16) Anders Fick KZ. 200. Er sucht hier in ägyi-novg (aus ^aQyi-^ 
Ttov^, * oLQyi-Tivy-g „Weisssteiss") dieselbe Adlerart, die bei Archil. Fragm. 
189 Bergk^ Aristot. Hist. Anim. VI 6 u. ö. nvy-agyog, bei Aeschylus 
Agam. 115 i^ojiiv dgyäg heisst. Für den Gräcisten klingt diese Etymologie- 
verlockend: doch setzt sie erheblich mehr als die andere voraus. 

17) Wackernagel Verra. Beitr. 8 ff. leitet noch sowohl dgyi-odovg 
als dgyi-jiovg von dgyög „rötlich, glänzendfarbig" = ved. rjräs ab und 
trennt dgyt-^iovg ganz von ved. rji-pt/ds, das er mit ved. lyn- „gerade'' 
verbindet. Doch haben Geldner Ved. Stud. II 165 und ThBaunack 



— 46 — 

Das zweite Glied, auf das Fick a. a. 0. nicht näher eingeht, 
lautet im Arischen -pyä'S, im Makedonischen -rrovg. Dass der 
Adler nicht „Streckfuss" genannt sein kann, versteht sich von 
selbst: das makedonische Wort lautete also in seiner ursprüng- 
lichen Form aQyi-7co-g und wurde erst unter dem Einflüsse von 
agyl-TTorg, dem Beiwort des Hundes, von den Makedonen selbst 
oder von der Überlieferung volksetymologisch an 7101g „Fuss" an- 
geschlossen, wie das ja auch dem Nomen nculvTtog passiert ist, 
vgl. HoFPMANN GD. III 421. agyi-Tio-g verhält sich zu rji-pi/a-s: 
erezifyö genau so wie "/.mrgog zu homer. ^/.anQLog (mit ovg yL 293 
P 282, allein stehend = 'Aa.7iqog A 414 M 42): das Suffix -ab- 
bildete sekundäre Adjektive, die dann wieder substantivische Be- 
deutung gewinnen konnten ^% 

Der für die Sprachenfrage wichtige Laut der Glosse ist das 



XZ. XXXV 545 überzeugend den Nachweis geführt, dass ved. rjräs, ein 
Beiwort, das nur Bossen gegeben wird, zum Stamme r/- „strecken, sich 
strecken" {rjyati, rnjdit) gehört und dass ved. rjräs (dcuäs) gleichbedeutend 
mit ved. rjyantas iicvüs ist. Dass im Homer dg-yog und aQyi-jiovg nicht 
auf die Farbe der Hunde gehen können, hat man längst aus dem Zu- 
sammenhange erkannt: der Hund wie das Koss verdanken den Namen 
aQyög = rjräs (oder *rjäs) der Schnelligkeit ihres gestreckten Laufes. 

18) Wenn man ssk. rjipyüs mit „sich streckend, ausgreifend, eilend" 
übersetzt, so wird man nur dem rji- und nicht dem -pyas, mak. -710g 
gerecht. Diese Silbe kann weder ein Suffix noch ein voller Wortstamm 
sein. Also bleibt nur das dritte: dgyi-jio-, rji-pya- ist aus einem volleren 
zweistämmigen Kompositum so gekürzt, dass nur der Anlaut des zweiten 
Gliedes, das p-, erhalten blieb. Diese Bildungsart ist ja besonders aus 
den sogenannten „zweistämmigen Kosenamen" bekannt (z. B. TloXv-^a == 
IloXv-^sva.), sie war aber auch im Appellativura nicht selten. Man hat 
sie hier wohl gelegentlich beobachtet {„Tigö-fiog aus jiQÖ-juaxog" Fick- 
Bechtel GP'^ 19), aber noch nicht im Zusammenhange untersucht: infolge- 
dessen führen unsere Stammbildungslehren eine grosse Zahl von Sekundär- 
suffixen auf, die in Wahrheit nichts anderes als gekürzte zweite Glieder 
A'on Zusammensetzungen sind. Für ägyi-^to-g ist die ursprüngliche volle 
Form nicht schwer zu bestimmen. Wie die flinken Hunde ägyl-nodsg 
,,Beine reckend, mit gestreckten Beinen" heissen, so hat dem Adler sein 
majestätisches Schweben „mit ausgestreckten, weit gespannten Fittigen" 
den Namen gegeben : -j)os ist gekürzt aus -petros zu idg. petron, peteron 
,, Flügel, Fittich", ssk. pdtram, griech. jitsqov, vJioTiexQidiog Alkman Bergk 
III* 23 49, germ. fepera-. Für die Verkürzung zusammengesetzter Appel- 
lativa zu einstämmigen Formen sind im Anschluss an Ficks Aufsatz 
in CuRTius' Studien IX 167 ff", hier und da Belege gesammelt worden, 
-^vrgl. Brugmann Ber. Sachs. Gesellsch. d. Wissensch. 1899, S. 194 Anm. 1. 



— 47 — 

-/-. Da ihm im Sanskrit -j-, im Zend -z- entspricht, so gehört 
€s zur „ersten" Gutturalreihe, die auch im Illyrischen und Thra- 
kischen, wie im Arischen, durch Sibilanten vertreten ist. Also 
würde aqCiTcog die illyrisch-tkrakische Form des Wortes sein 
(Kretschmer Einleit. 230): das -y- weist agyiTtog dem Griechi- 
schen zu 1^). 

Für Ttagaog' dezog vtco MayiEÖovcüv Hes. wird es schwer 
halten, die richtige Etymologie zu finden. Denn es fehlt weder 
im Griechischen noch in anderen Sprachen an Wortstämmen, von 
denen dieser Name oder Beiname des Adlers abgeleitet sein 
könnte. 

Da Hesych den schon e 66 vorkommenden Vogelnamen 
OKCüTTsg durch '/.oXotol ^^) erklärt (crzw/rag- tidog OQvecov, oi ös 
KoXoiovg) und da eine Nebenform vMTteg von Alexander aus 
Myndos und von Speusippus bezeugt wird^i), so liegt es nahe, 
mit Herwerden Lex. Dial. 181 in ytoTcag' /.oloiovg. 3Iayi6Ö6- 
vsg Hes. eine dialektische Form für oy.fx)7tag zu suchen. Aller- 
dings müsste die Glosse, w^enn sie streng im Dialekte aufgezeich- 
net wäre, yov7tag lauten. 

Zwischen ögii^mod^ai und ÖQrjlol steht die Glosse Sgr^eg' 
üXQOvd^oL MaY.ed6veg Hes. Sie ist aus dgrjyeg verderbt: denn der 
Singular heisst bei Cyrill Vind. 212 p. 49 dgiq^' OTgovSSg und 



19) Das im Etym. Magn. 28, 19 stehende aiyinoxp • äsxog vjio Maxe- 
dovcov ist zweifellos aus agymog oder dgyiJiovg verderbt und von Fick 
mit Kecht übergangen. GMeyer wollte es als „Ziegenfresser" {-noTi-g 
zu Tten-) deuten. 

20) Ob die homerischen axiansg wirklich zum Eulengeschlechte ge- 
hörten, muss nach der Situation und Gesellschaft, in der sie genannt 
werden, zum mindesten zweifelhaft erscheinen. Hermes naht sich der 
Höhle der Kalypso: vXt} 8e ansog d/ii<pi 7ieq)vxsi rrjlsd^öcoaa, \ xXijß'Qr] t 
aiyeiQog xs xai svcodtjg xvjtdgiaoog, \ evd'a 8s x ogvid'sg xavvoijixsgoi svvd- 
Covxo, j aacönsg x iQrjxsg xs xavvyXoioaoi xs xogcövai \ slvdXiai, x^aiv xs "da- 
Xdooca sgya fA-sfxrjXsv. Zu dem ,, Falken" und der „Meerkrähe" würde als 
dritter im Bunde ein bei Tage jagender Raubvogel der Seeküste besser 
passen als die lichtscheue im Dunkel sich bergende Eule. 

21) Athenaeus IX 391 c 6 ös Mvvdiog 'AXJ^avÖQÖg (prjai xovg nag 
"Ofii^Qq) x^Q^S rov ö xconag sivai xal 'ÄQiaxoxiXr) ovxcog avxovg d)vo/j,axsvai 
(vgl. Aelian Nat. anim. XV 28) und xal ünsvamjtog ö^ iv öbvxsqc») 'Ofi.occov 
XCOQig xov ö xöyjiag avxovg 6vofj,dCst. Bei Aristoteles ist ox&nsg Hist. 
anim. IX 28 überliefert. 



— 48 — 

Hesych selbst führt die Nebenform diQiqysg- oTQovd^ol 22) an. Diese 
verbürgt uns zugleich, dass wir es mit einem griechischen Wort- 
stamme zu tun haben. Denn in den Worten des Athenaeus 
IX 392a »'HleloL di y,alovOL rovg OTQOvd-ovs öeiqr^Tag, (og 
NinavÖQog (prioiv 6 Kolocpojviog iv tqIto) yXcoGOtov« ist mit einer 
minimalen Änderung (f für T) der zu Hesychs diqiqyeg gehörende 
Akkusativ ÖLQtjyag (mit falscher Orthographie öeiQr]yag) herzu- 
stellen. diQYiyeg war also die ehsche, ögrjyeg die makedonische 
Form. Damit müssen wir uns vorläufig begnügen. Eine über- 
zeugende Etymologie wird schwer zu geben sein. 

Von den Bewohnern des Wassers lernen wir nur zwei Schal- 
tiere mit ihren makedonischen Namen kennen. 

Eine besondere Delikatesse der makedonischen Tafel werden 
die yLOf.iiJ.aQ(XL r^ xoiJ,dQai' xagldeg. Ma'/.ed6veg Hes. gebildet 
haben. Es sind dieselben Krustentiere, die bei Epicharm und 
Sophron nach Athenaeus VII 306c y,dfu^aQOi ^^) hiessen. Da eine 
Entlehnung hier wie dort ganz unwahrscheinlich ist, müssen die 
sicihschen Griechen das Wort aus der Heimat mitgenommen 
haben. Auf den ersten Blick scheint -^dfxnaQog in Laut und 
Bedeutung so frappant mit altn. humara- „Hummer" (aus "^kdmaro-) 
übereinzustimmen, dass wir uns nicht wundern dürfen, wenn beide 
Worte von den Etymologen allgemein mit einander verbunden 
werden (Fick Vergl. Wörterb. I* 383 Prell witz Griech. Etym. 
136 Kluge Deutsche Etymol. ^ 181 Schrader Reallexikon 479). 
Und doch hält diese Etymologie einer nüchternen Kritik nicht 
stand. Es wäre schon wunderbar, wenn sich eine alte gemein- 
europäische Benennung des Krebses nur im äussersten Norden 
und an der Küste des mittelländischen Meeres behauptet hätte. 
Noch stärker aber ist die lautliche Scheide, die sich zwischen 
%aiJ.iiaQO- und humara- schiebt: in jenem Worte steht doppelter 
Nasal, in diesem einfacher. Dass -ju^- alt und ursprünglich 



22) Aus ihr ist ölytjQsg • argovd'oi Hesych, dr/yijgsg ' argov^oi Hesych 
(auch Cyrill nach MSchmidt Hesych IV 349) entstellt. 

23) Überliefert ist xd fifiogoi' ^Em^^agfiog iv''Hßag ydfjicp y>txi ös not 
TOVToiai ßcoxsg, af^agidsg, äq)vai, xdfiijuogoi«^, xal 2cb(pgcov ö^ iv yvvaixsioig 
jLii/j,oig avtcüv fie/uvTjTai. iarl 8k yagidcov yivog xal vno 'Pcofiaicov ovrcog xa- 
lovvxai. Der Anklang von xdfifxagog an xdjufiogog „unglücklich'' wird an 
dem Fehler des Athenaeus schuld sein. Die korrekte Form steht bei 
Hesych: xafifJ,dgcog' rag sgvi^gäg xagidag (so ist nach der alphabetischen 
Reihenfolge für das überlieferte xafxdgovg zu lesen). 



— 49 — 

war, folgt aus der Übereinstimmung zwischen dem Sicilischen und 
Makedonischen. Die Form yidfAagogy die um der Etymologie 
willen 24) bevorzugt zu werden pflegt, ist gar nicht überliefert. 
Wollen wir also eine Deutung wagen, so müssen wir von za^t- 
uaqog ausgehen 25). Dieses zeigt im Makedonischen den gleichen 
Übergang von a in o vor Nasalen, der uns aus dem äolischen 
Dialekte bekannt ist: 6v- aus ava^ ovia aus dvia, Toi.dag aus 
Tai-uag; dazu auch df-ioXyM' lcq)ii), do^iOQTig' yvvrj Hes. und die 
auf S. 52, Anmerkung 32 aufgezählten Wortstämme. 

Da sich viele Muschelsorten ihrer Form nach wohl mit einem 
„ledernen Schlauche" vergleichen lassen, so braucht das von Hege- 
sander bei Athenaeus III 87 b 26) durch »zQaxela vLoyxri« erklärte 
makedonische yicoQvyiog von dem gleichlautenden gemeingrie- 
chischen Worte nicht verschieden gewesen zu sein. Auffällig ist 
es nur, dass gerade rauhe, stachliche Muscheln so genannt 
wurden. Sollte also der Gleichklang vielleicht nur zufällig oder 
die Überlieferung des Athenaeus nicht genau sein? 

2. Der Mensch und sein tägliches Leben. 

Der Körper. 
Der Vergleich von yoda' evrega. Mayieöoveg Hes. mit ved. 
gudä-m „Darm", güdä-hhias D. PI. „Gedärme", ndd. küt^ mhd. kutel 
„Eingeweide" ist so verlockend, dass Fick seine früher (KZ. 204) 
gegen diese Etymologie geäusserten Bedenken zurückgezogen 
hat (Vergl. Wörterb. I* 37). Wie in den Glossen aßlorj, yordv, 
aßgovieg dient o zur Wiedergabe eines noch als ü gesprochenen v. 
Aus dem Griechischen ist yvdov zwar bis jetzt nicht belegt, doch 
kann es seinen Lauten nach ein altgriechisches Wort gewesen sein. 



24) Ausser humara- stellt man xafiaQa „Wölbung" und seine Sippe 
dazu. 

25) In allen sicher erklärten griechischen Worten, die mit xa^f^- 
anlauten (ausser xdfxfia), ist die Präposition «ar-, verkürzt aus xard, an 
(i- assimiliert: xd/ufzogog, Ha/n/nvco, xafif^ovitj, xafif^iveo, xafi^dQy)ai. Da 
nun kein ausreichender Grund vorliegt, den griechischen Ursprung von 
xd^fxaqog anzuzweifeln, so wird das Wort ebenfalls aus xdr-/iiaQog = xatd- 
(lagog entstanden sein. Für den Stamm -[lagog in Verbindung mit xaxd 
fehlt es im Griechischen nicht an passenden Deutungen : doch ist gerade 
bei einem Tiernaraen Vorsicht geboten. 

26) ' Hy^oavÖQog 5' ev vjio/nvi^f/.aoi rag ZQaxsiag (ptjol xöyxag vjio fih 
Maxedövcov xcoQvxovg xahTa§ai. Vgl. Hesych xcoQvxog' . . . oi öe x6yxi]V. 

Hoffraann, Makedonen. 4 



- 50 — 

Dass die Makedonen den Kopf y.eßala nannten, bezeugen 
nicht nur die alten Grammatiker ^ 7) ^ sondern auch die make- 
donischen Namen Kaßalog Diod. XIX 44 und KeßaXlvog Diod. 
XVII 79, die im Griechischen Keq)a'kog und Kecpallvog (Phar- 
salos Samml. Griech. Dial.-Inschr. no. 329 B) lauteten. Obwohl 
die Makedonen zwischen Muta + Liquida einen Gleitvokal zu 
sprechen liebten (vgl. Evöalaylveg, ytccQaßog, ycvvovTtsvg, deödla, 
aßagv u. a. m.), muss ihnen im „Allegro-Tempo" auch das syn- 
kopierte yießXa geläufig gewesen sein. Zwar wird diese Form, 
die zuerst in dem schon von Hermippos ^s) und Aristophanes 
Aves 303 erwähnten Yogelnamen y,eßl7J7tvQig „Feuerkopf, Rot- 
kopf" auftritt, nicht ausdrückhch makedonisch genannt; sie kann 
aber wegen des ß aus q) kaum einem anderen Dialekte angehört 
haben. Ihr Platz war, wie es scheint, besonders im ersten Gliede 
von Zusammensetzungen: -aeßlr^-yovog gibt Euphorien der dem 
Haupte des Zeus entsprungenen Athene, Nikander Alex. 433 
dem Mohn als Beiwort. Das vom SchoHasten zu diesem Verse ^ 9) 
angeführte liißlri des Kallimachos ist vielleicht erst aus yießlrj- 
yovog herausgenommen. Hesychs y^eßlog- KwoT^ecpalog, yttJTtog 
kann ein verkürztes Kompositum sein. Die Reihe schliesst xfi- 
ßltjvrj' 7j oglyavog Hes. 

Nun steht bei Hesych noch eine dritte Form: yaßaldv 
syiaecpalov. rj %EcpaXriv, eine herrenlose Glosse, die wegen des ß 
auch den Makedonen zugewiesen ist. Da wir uns das Make- 
donische zur Zeit Alexanders sicher nicht als eine dialektlose 
Sprache vorstellen dürfen, so ist es ganz gut denkbar, dass ya- 



27) Etym. Magn. 195, 36 s. v. BsQoia' noXig MaxsSovcov, rjv (paaiv 
äno 0€Qi]T6g xivog xtLO-&sXoav , ^sgoia, xat xaxa Mansdövag Bsgoia, xQOJifj tov 
<p sig ß, d>g ^SQSvcxt] BsQsvixtj, ^ yvvtj rov naxQog Ilxohfialov ' xov (p xga- 
Tiivxog s!g ß. xal xijv xsq^aXtjv xsßaXtjv Xsyovai, vgl. Hesych xeßaliq' xs- 
cpaXiq, xvXi^. 

28) In einem Tetrameter, den das Scholion zu Aristophanes Aves 
303 erhalten hat: xsßX'^JcvQig' fjirjnoxB ovx sv iaxcv, dXXä ovo, (pijoiv 6 
Svfifxaxog. xal sv xoXg Kakhfidxov ydg avaysygajixai xsßXt] , sixa fxvQfxt)^. 
'EgfiijtJiov xsxga/xsxQoig »xal OsfAiaxoxXiovg xov tvqcovoo (dafür Härtung: xo- 
TtQcovog (w?) xig a>v xeßXrjnvQig^i xig ovofidCsxai (vgl. Bergk Poetae Lyr. II* 
506 no. 6). 

29) xsßlrjyövov ' xfjg sv xy xecpaXfj xov yovov ixovaijg, o iaxc x6 ajtsQfta ' 
avyysvhg yaQ x6 ß xcp (p' xal KaXXifA.axog ' »d[A,(pi xs xsßXrjv \ slgyi^isvog dyXi- 
'd'cov ovXov exei öxetpavov^ . . . xai. EvqpoQiwv nsQi xfjg 'Ä'&ijväg' »xsßXrjyovov 
'AxQvxcbvrjgfu. Vgl. Etym. Magn. 498, 41. 



—l 



— 51 — 

ßalcc und yteßald neben einander gesprochen wurden. Aber 
andererseits kann yaßaXcc ebenso gut illyrisch, thrakisch oder 
phrygisch gewesen sein: denn in diesen Sprachen musste aus der 
für y.effaX^ nach got gibla „Giebel", ahd. gebal „Schädel" anzu- 
setzenden Grundform ghehhalä unter Verlust der Aspiration ge- 
bald werden. Wir dürfen also mit einem makedonischen yaßald 
keinesfalls so sicher rechnen, wie das Kketschmer Einl. 287 

tut 30). 

Laut für Laut entspricht aßgovreq' oq^Qvg. Mayteöoveg Hes. 
oder aßgoTsg- ocpQveg, wie bei Cyrill (MSchmidt Hesych IV 352) 
mit anderer Orthographie steht, dem griechischen ocpqveg. Die 
von den Makedonen bewahrte ursprüngliche Klangfarbe des v 
wurde von den Grammatikern, wie wir schon oben S. 15 if. sahen, 
teils mit ov, teils mit o umschrieben. Das T ist aus F verderbt 
(vgl. oben S. 9 und 16) und gibt den hinter v = u entwickelten 
Gleitlaut u wieder, vgl. ssk. Gen. bhruvds^^). Die einzige Ver- 
schiedenheit zwischen dem Griechischen und Makedonischen be- 
steht also in der Klangfarbe des vorgeschlagenen Vokales, den 
dieser alte und in allen indogermanischen Sprachgruppen er- 
haltene Wortstamm auch im Slavischen zeigt, vgl. altbulg. obruvt 
neben brüvt, neuslov. serb. obrva, kleinruss. obervo. Genügt sie, 
um dßgv' aus dem Griechischen hinauszuweisen? Schwerlich! 
Zwar haben die Griechen den Vokal a vor einer Silbe, in der 
die dunklen Vokale o und v = u standen, mehrfach schon in 
ältester Zeit in o gewandelt (z. B. ojuogyvvfAi neben df^egyco, d^og- 
vvad^ai Hdt. III 109 aus Mgvvad^ai u. a. m., vgl. JSchmidt 
KZ. XXXII 376 ff.), und deshalb könnte das makedonische dßgv- 
aus dq^gv- wirklich die ältere vorgriechische Form von oq^gv- sein. 
Aber notwendig ist dieser Schluss nicht. Wer will die Annahme, 
dass dßgv- eine dialektische ümfärbung des gemeingriechischen 
ocpgv- gewesen sei, widerlegen? ^^J) 

30) FiCK BB. XXIY 298 will yaßaXd ganz von xsqpa^ trennen: ß 
joll für f f:^eschrieben und *yafaXd nach dem Dissimilationsgesetze der 
iiquidae aus *YaXfa-Xd entstanden sein, vgl. \it. galvä, sl&y. glava „Ko^f". 
>iese lautlich unanfechtbare Etymologie verfolgt zu offenkundig den Zweck, 
ins von dem unbequemen yaßald — xscpaXd zu befreien. 

31) Hinfällig sind die dem t zu Liebe aufgestellten Vergleiche von 
XßQovX' mit zd. hruat- (Fick KZ. 194) und ir. ahrait Plur., bret. ahrant 
Ig. „Augenbraue" (Stokes-Bezzenberger Urkelt. Sprachschatz 11). 

32) In der Glosse Hesych's äßsis' execg will MSchmidt PhiloL 

4* 



— 52 — 

Die zwei am meisten ins Ohr fallenden Laute des Make- 
donischen, die Media an Stelle der Aspirata und der eingeschobene 
Gleitvokal, sind vereinigt in der herrenlosen Glosse Äccvador 
oiayöveg, yva&oi Hes. (überl. ^avdöoioc dycoveg). Ungewöhnlich 
ist allerdings die anlautende Tenuis statt der Media. Doch kehrt 
sie wieder in einer zweiten herrenlosen Glosse, die wegen eines 
ß — cp ebenfalls als makedonisch angesprochen worden ist: xo//- 
ßovg' odovxag yo/Acpiovg ^^) Hes. Diese ist auch wegen ihrer 
Bedeutung bemerkenswert, da yofxcpogy wie noch aus yoi^q^iog zu 
erkennen ist, ursprünglich in der Tat der „Backenzahn" war: es 
entspricht ihm Laut für Laut ssk. jdmbhas = altb. zqbü = lett. 
fübs „Zahn". 

Während diese beiden Glossen wegen ihres anlautenden 
Gutturals, dem bei Thrakern und Phrygem ein weiches s (C) ent- 
sprochen haben würde, ziemlich sicher griechisch und, wenn grie- 
chisch, dann makedonisch waren, wird dödr^log' yioXnog eher 
thrakisch oder phrygisch gewesen sein. Das Wort ist zusammen- 
gesetzt aus der Präposition dd = stcI und dem Substantiv d^rjXä 
„Mutterbrust, Zitze". In der Bildung lässt es sich mit homer. 
«J STiiyovvig^ x6 htLydöZQiov u. ähnl. vergleichen. 

Körperliche Eigenschaften. 
Das in der Bedeutung „zart, jung" nur in der episch-dichte- 
rischen Sprache fortlebende Adjektivum df^aXog (afualrjat OKvkd- 
y.eooi V 14, aqv d^ahjv X 310) wurde von den Makedonen noch 
im täglichen Verkehre gebraucht: Etym. Magn. 76, 39 df^aXlq' 
rj dnaXii. tj di Xe^tg May,eö6vcoVj vgl. Hesych d^aXri • djiaXri^ via. 

In Verbindung mit den Glossen ßeggov daav und ßeigov 
öaov führt ßtqQo^- daov. Mayiedoveg Hes. auf einen Stamm 
ßeQQ- : ßtgQ-, in welchem sich £ zu ^ genau so verhält wie in den 
Doppelformen /ß/Atot : xtAtot (aus "^xeolioi : ^xioUwv), aeol. 



XIII 218 die makedonische Form für att. öcpeig finden: doch ist diese 
Erklärung bei der doppelten Bedeutung von sxsi? ganz unsicher. Ein 
„Schwanken" zwischen vorgeschlagenem a und o je nach dem Dialekte 
findet FiCK BB. XXIV 298 in dfiog^ar djtoyjfjaac neben ofxoQ^ai' djtofid^ai 
Hes., dfu^ai' ovgfjaat und dfzix^a^osoaa neben ofiixsco, of^ix^t]; vgl. ferner 
dfxoXy^' Cdq>cp neben d/noXyog, ofioQßeXv dxoXovd'siv neben dfiogßog. Ist 
aber nicht in allen diesen Fällen a das Ursprüngliche? 

33) Dazu noch die Nebenformen xofijiof oöövzeg y6fi<pioi und xofifioi'^ 
odovteg yo/xcpioi Hes. 



- 53 — 

y,eQväiiiL : homer. y,tQV7]!Lii u. a. m. In der Liste derjenigen Männer, 
denen die Stadt Pharsalos als »aviX7Tohz6vof,ievoig nal ovfXTCoXe- 
(XEiGavTeooi<-< ums Jahr 200 das Bürgerrecht verlieh, kommt zwei- 
mal der Name Biqqovv vor (Samml. Griech. Dialektinschr. I 
no. 326 l9. 10 II 13). Der Vater und Sohn des einen Biqqovv 
heisst MvXXlvag, der Vater des anderen XoqqIovv: das können 
sowohl griechische als makedonische Namen sein. Jedenfalls ist 
BiQQwv als Spitzname von ßiQQog abgeleitet und bedeutet „dicht 
behaart". Da ein makedonisches -qq-, wie die Glosse JaQQcov 
beweist, aus -qg- entstanden sein kann, so darf man mit Peell- 
wiTz Griech. Etymol. 55 ßsQQog : ßiQQog zu ßvQar] „Fell" (aus 
*ß6QGä?) stellen, das von Herodot an in der Literatur vorkommt. 
Was das Suffix von ßiQQo^ betrifft, so lassen sich am nächsten 
lat. feröx und atröx von den o-Stämmen fero-, atro- vergleichen. 
Auch q6i.io^ „Holzwurm" Hes. von ^of.io- zeigt dieselbe Bildung 
und das allerdings nicht-griechische ßeßQO^' aya&og^ XQ^<^^og, 
'/,aX6g Hes. neben ßtßQog Hipponax 64. 

Männer von blasser gelblicher Gesichtsfarbe hiessen bei den 
Makedon en ytl/.SQQoi oder xsqqoL Überliefert ist allerdings 
yiißeQQOC coxQoL 31aKeö6veg Hes. Aber die Stellung der Glosse 
zwischen '/iUsQog und ytimvrjg und ihre nahe Beziehung zu einem 
bekannten griechischen Wortstamme schliessen jeden Zweifel 
daran aus, dass 'MßeQQOi aus y.r/,eQQOL verschrieben ist. Bei be- 
stimmten Krankheiten verordnete Hippokrates ^oivov y>iqq6v«^ vgl. 
TleQi SiaLTrig o^eojv ed. Littr]^ II 334 MQQql de ol'vii) y.al (.islavc 
avGTTiQq) Iv TavrjjGL ttjgl vovgolglv ig idöe av xQiqGaLO. Er meinte 
damit einen blassgelben Wein, wie Galen an verschiedenen Stellen 
erklärend auseinandersetzt 3*). Sonst kommt das Wort nur bei 
den Alexandrinern {;uqq6v vei/iraQ Nikander Alex. 44, ytiQQag olvr^ 
Ther. 519, l%^vg xLQQoetdelg Apollodorus Athen, bei Athenaeus 
VII 281 f) und in der späten Prosa vor. Wie verhält sich nun 
die makedonische Form zu diesem griechischen KiQQog? Ist vor 
den Stamm yuqqo- : maked. /,€qqo- die Eeduplikation m- getreten? 



34) Meth. Med. XII (ed. Kühn X 834) st äXkcog i&üstg SvofidCsiv ro 
HtQQov xQ(o^a, dvvaio äv Xeyetv jzvqqov rj ü) xqov , De san. tuenda III (ed. 
Kühn VI 335) xata öh xt}v XQ^^^ > ^^ ^ 'iTtJioyQdzrjg sicod's xiqqov xaXsTv 
övvairo d' äv xal ^avd^ov övofxdCsiv avxdv aya^og de xai 6 (oxQog, iv tof 
fisaq) Hüd'sozcog ^av&ov xs xai Xevxov. Vgl. auch die Erklärung des Galen 
zu der angeführten Hippokrates-Stelle (ed. Kühn XV 640), 



— 54 — 

Gewiss Hessen sich unter den reduplizierten griechischen Nominal- 
stämmen, die Leo Meyer Vergl. Grramm. I^ 1095—1111 auf- 
zählt, Parallelen zu ^Ueggog finden, wenn dies ein altes gemein- 
griechisches Wort wäre. Dass aber ein gemein griechisches Adjektiv 
'MQQog „blass", das mit keiner Yerbalwurzel in irgend welchem 
Zusammenhange stand, von einem einzelnen Dialekte noch 
durch K^duphkation verstärkt sein soll, setzt eine für das Grie- 
chische ganz ungewöhnliche Bildung voraus. Ist nicht vielleicht 
Hesychs y,iKeQQOL einfach so entstanden, dass über ein von erster 
Hand geschriebenes yiiggoL als Verbesserung ze gesetzt war? Das 
fasste dann der nächste Abschreiber als Nachtrag auf und zog 
es in das Wort hinein. Dieser häufigste Fehler gedankenloser 
Abschreiber ist auch im Hesych nicht selten ^s). Es wäre dann 
also yisQQog die makedonische Lautform des gewöhnlichen /uQQog 
gewesen. 

Die Tracht. 

Wie die -/«^r^ '/.o^owvceg ^AjctLol der Ihas trugen auch die 
Makedonen langes, wallendes Haar: nach der Cyrillglosse aßag- 
yivco' ytwfiüi (MSchmidt Hesych IV 352 V 6) ist Hesychs aßag- 
Viva' ^ofia TS Mayieöoveg in aßag/^v^' xo^tfc? zu emendieren. Die 
auf den ersten Blick bestechende Zusammenstellung von äßag-Kvaco 
mit awest. varesa, pehl. vars, armen, vars „Haar^^ (Lagaede Ges. 
Abhandl. 275) ist verfehlt. Denn erstens fiel -ii- zwischen Vo- 
kalen im Makedonischen aus, und zweitens entspricht dem erani- 
schen Worte Laut für Laut das altbulgarische vlasü „Haar^* (aus 
volsO' : idg. volko-) : das r in eran. varsa- ist also nicht ursprüng- 
lich, sondern aus l entstanden und müsste deshalb in allen 
europäischen Sprachen, auch im Thrakischen und Phrygischen 
(Keetschmee Einl. 235), durch l vertreten sein. Fick Hess die 
Glosse als hoffnungslos verderbt laufen. Er verzichtete zu schnell. 
Das makedonische aßaqyiva verleugnet seinen griechischen Ur- 
sprung nicht, mag es auch nicht ganz richtig überliefert oder 



35) Ein dem xixsqqoi ähnliches und des Dialektes wegen inter- 
essantes Beispiel ist die zwischen TiQoavdaxoi und TiQoaQxa stehende Glosse 
nQoaniöcov cpQsvtöv, öiavoiwv. Von erster Hand war jigomScov ge- 
schrieben; das änderte die zweite Hand, indem sie a über o setzte, weil 
sie die wahrscheinlich äolische Form jcgomdcov (vgl. aeol. jiögvoyj, nxoQfxog, 
ozQozöe u. s. w., Hoffmann GD. II 356 ff.) für verschrieben hielt, und der 
nächste Abschreiber machte daraus Tcgoamdcov. 



— 55 — 

durch makedonische Lautgesetze stark beeinflusst sein. Der 
Träger eines reichen, üppigen Haares hiess bei den Griechen 
äßQO'AOfxäq. Hesych hat das Wort in der alten Nominativform 
auf -a erhalten: aßgoyioi-iä' o Tijv KOf-ir^v (pctiÖQav h^ojv (wohl 
aßgo/iof-iaj vgl. yivavoxcclTa), und Euripides nennt in zwei Chor- 
liedern den Palmbaum wegen seiner blätterreichen Baumkrone 
q)oLvLy.a aßQOÄOfxav Ion 920 Iphig. Taur. 1099 ^^). Ein von 
aßQoyio/.ic(- abgeleitetes Verbum aßgoKOf^a „er trägt üppiges, langes 
Haar" lautete im Makedonischen, das zwischen Muta und Liquida 
einen Gleitvokal (meist a) zu entwickeln pflegte, aßaqoY.Ofxq, 
und aus dieser Form ist aßaq/iva hervorgegangen. Das lange 
Kompositum wird beim schnellen Sprechen als aßag^v^ f.ia ge- 
klungen haben, wie auch in anderen makedonischen Wortstämmen 
kurze Vokale bisweilen unterdrückt worden sind (vgl. S. 50 63 64). 
Ob in dem v für (x ein Fehler der Überlieferung steckt oder ob 
— was sich w^ohl verstehen liesse — eine Assimilation des Na- 
sales an den vorhergehenden Explosivlaut stattgefunden hat, ist 
nicht zu entscheiden. 

Auf dem Haupte trug der Makedone einen breitkrempigen 
Filzhut 37)j die yiavola. Bei dem Könige war sie zum Zeichen 
seiner Würde mit einem weissen Bande umschlungen '^^), dessen 
Enden hinten herabhingen, wie ein Münzbild aus der Zeit Alexan- 
ders I zeigt (Greek Coins in Brit. Mus. Maced. p. 156). Ausser- 



36) Als Appellativum ist das Wort sonst nur noch bei späten 
Dichtern zu belegen und zwar als Maskulinum dßQoxöiurjg (z. B. Aiovvoog 
Nonnus XVI 172, "Adcovig Orph. Hymn. 56, 2), als Femininum aßgoxö/zos 
(z. B. Kv&EQsir) Nonnus XLVIII 356 Pseudo-Manetho Apotelesm. II 446). 
Der zuerst von Herodot VII 224 erwähnte persische Name 'Aßgoxofxrjg 
hat durch Volksetymologie ein rein griechisches Aussehen gewonnen: der 
zweite Teil ist das altpersische käma- „Wunsch, Wille", vgl. 'ÄQxa-xdiAag 
Xenoph. Kyrop. VIII, 6, 7; Säd-käm u.a.m., und 'Aßgo- zeigt seine persi- 
sche Form in 'Aßga-ddrag Xenophon Kyrop. V, 1, 3; VI, 1, 45 u. ö. 

37) ^ xavoia 8s mAog Maxeöovixog jiagä MsvdvÖQO) Pollux X 162, vgl. 
Eustath. 255, 1. 

38) Nach Ephippos, dem Zeitgenossen Alexanders, trug der König 
^xad-' exdoxfjv rj/nsQav ;fAa^v6a rs 7ioQ<pvQäv xal ;ftTc5va fzsaöXsvxov xat rrjv 
xavolav k'xovoav ro 8id8rjfxa x6 ßaadixöv (Athenaeus XII 537 e), vgl. Eustath. 
1399, 3 xavoiag ' tjng xaxd xov Uavaaviav mXog ^v jrAatvff , 6V oi Maxe- 
dovixoi q?rjoc ßaoi?>.eTg ecpoQovv kevxov avx(p öidörj/na TXSQieikovvxsg, Plutarch 
Anton. 54 . . UxoXefxaTov öi- {'Avxcoviov) xQtjmoc xal x^cil^^di xal xavoia diadtj- 
(laxoKfOQiX) XExoofxrjfiEvov. Avxr} yaQ rjv axsvr] rcov an AXs^dvÖQOv ßaoiXscov. 



— 56 - 

halb Makedoniens wird die y,avoia bei den Molottern ^ 3) und 
Aetolern^o) erwähnt: von den Illyriern wurde sie nicht getragen. 
Den Hut, der auf Münzen den Kopf des illyrischen Königs 
Genthius schmückt (Froelich Notitia elementaris num. p. 143 
Taf. VIII no. 8, Eckhel Numi vet. anecd. 95 Taf. VI 23, 
Imhoof-Blumer Monnaies grecques 136), hält Otfe. Müller 
Maked. 48 irrtümlich für eine yiavoia: es ist vielmehr der thessa- 
lische Tthaoog^ dessen Form wir aus den thessalischen Münzen 
von 400 V. Chr. an genau kennen (Coins Brit. Mus. Thessaly 
to Aetoha 17 38 Taf. II no. 14 15 VIII no. 1—3). Während 
die "AavGia, wie unsere Filzhüte, einen besonderen Kopfdeckel 
und einen nach oben gekrümmten breiten Rand besass, fiel bei 
dem ganz flachen Tthaaog die Krempe wie ein Mützenschirm 
dachartig ab. Auf zwei illyrischen Münzen der JaoQöoi ist der 
Kopf mit einer ganz einfachen Filzmütze ohne Rand bedeckt 
(Eckhel Numi vet. anecd. 95 pl. VI no. 22, Sallet Zeitschr. 
f. Numism. XIII 68). Von den Thrakern berichtet Dio Chrysost. 
Or. 72, 3 zwar, dass sie nlXot trugen *i), und nach Dio Cassius 
68, 9 sendet Dekebalos, der König der Daker unter Trajan, 
»Ttgeaßeig tcuv y,o/nr^TWv coG/teg Ttgozegov, aXW tcov 7tiXo(fOQCOv 
Tovg aQiOTovg«. Aber eine /.avoia war dieser Filzhut nicht; er 
hatte eine andere Form und einen anderen Namen. Denn die rti- 
Xoq)6QOi des Dio sind die tarabostesei oder tarahosti des Jordanes 
Getica V 40 (ed. Mommsen 64), vornehme der Priester- und Adels- 
kaste angehörende Männer, die eine tara- aus Filz trugen (»pille- 
ati« nach Jordanes), vgl. Tomaschek Thraker II 20 ff. 

Zur Tracht der „Nordvölker" (OMtJLLER Maked. 48) hat also 
die YMvola nicht gehört; ihr Verbreitungsgebiet war ein schmaler 
Landstrich, der sich mit Hülfe der Münzbilder ziemhch genau um- 
grenzen lässt. Auf den Münzen der makedonischen Könige Alexan- 
der I und Archelaos (Coins Brit. Mus. Macedonia p. 156 — 163) 



39) Herakleides Pont. Fragm. 17 (FHG. II 217) MoXorrol xrjg 'Agri- 
fiidog avX'^oavreg x6 Isqov >ial xov ^odvov xQ'^^fovv a.(psX6/u.svoi oxecpavov itavaiav 
sxid'soav avx avxov. T&v ös KecpaXXr)va>v äXXov mid^evxcov xovxov ajtißaXev 
6 ■&s6g xal x^H'^'' xstjusvog evQsd-t}. Für das überlieferte völlig sinnlose 
•&valav hat Koeler treffend xavaiav hergestellt. 

40) Polybius IV, 4, 5. 

41) a.v§QCü7iovg xovg fisv xivag nilovg enl xaXg xscpalatg e'xovxag, d>g 
vvv xcbv 0Qax(bv xiveg xcöv Fexcöv Xsyoinsvcov, ngörsgov de Aaxsdaifxovioi xal 
Maxsdövsg. 



— 57 — 

schreitet ein vornehmer Krieger mit zwei Speeren in der Hand neben 
einem Rosse einher; jüngere Prägungen zeigen ihn mit gleicher 
Bewaffnung auf dem Rosse sitzend; bekleidet ist er mit einer 
xlccf^vg, den Kopf bedeckt die yiaiala. Das gleiche Münzbild 
steht in roherer Ausführung auf den alten ^^) Münzen der Bi- 
salten (Coins Brit. Mus. Maked. 140—141 Antike Münzen Kgl. 
Mus. Berlin II 67) : nur erscheint der neben dem Pferde schreitende 
Krieger, von dem nur Kopf, Brust, Oberarme und Unterschenkel 
zu sehen sind, nackt ; wir müssen uns ihn mit einem ganz kurzen 
schurzartigen Chiton, wie ihn der Mann mit dem springenden 
Ross auf den Münzen der Orrescier trägt (Coins Brit. Mus. 
Maced. 146), bekleidet denken. Die Bisalten waren ein thrakischer 
Stamm, der noch zur Zeit des Xerxes seine eigenen Könige hatte 
(Hdt. VIII 116). Nach dem Abzug der Perser eroberte Alexan- 
der I das Land und machte sich zum Herrn der bisaltischen 
Silbergruben, die ihm täglich ein Talent eintrugen (Hdt. V 17). 
Das bisaltische Münzbild kehrt in einer, wie es scheint, altertüm- 
licheren Variante bei den Orresciern und Edonen wieder (Coins 
Brit. Mus. Maced. 144—147). Den Namen des ersteren Stammes 
kennen wir nur aus seinen Münzen, die verschiedene Bilder auf- 
weisen. Das eine von ihnen zeigt zwei neben einander schreitende 
Stiere, zwischen denen ein Mann geht, bedeckt mit der xavola, 
zwei Speere in der Handys), Dasselbe Bild prägte der Edonen- 
könig Getas auf seine Münzen: nur ist es dadurch einfacher, 
dass die zwei Speere fehlen. Da die freien Bisalten und Edonen 
in ihrer Prägung nicht von den Makedonen abhängig waren, 
sondern eher diese von jenen (Head Coins Brit. Mus. Maced. 
p. XXII XLVII), so gehörte die xavoia auch bei den thrakischen 
Stämmen des östhchen Makedoniens zur Nationaltracht, und damit 
ist ihr Verbreitungsgebiet genau bestimmt: das Küstenland vom 
Axios bis zum Strymon mitsamt dem Pangaion- Gebirge. 

Wenn überhaupt etwas imstande wäre, uns einen Aufschluss 
über den völkischen Urspiimg dieser Hutform zu geben, so könnte 
es einzig und allein ihr Name sein. Aber der versagt leider. 

42) Das Alter folgt aus den Legenden <I^EL, CICArTIKQA^, 
WOMITAA..^ 

43) Um dieses Münzbild läuft die Legende Olil?e^KIOV\ und 
OPPH^KIONA. Auf zwei anderen Prägungen (Centaur, Mädchen in den 
Armen tragend; Mann mit kurzem Chiton und Kausia, ein springendes 
Koss führend) ist QRHSKIOA^ im thasischen Alphabete geschrieben. 



— 58 — 

Dass die -/.avoia deshalb so genannt sein soll, weil man sie zum 
Schutze gegen die „Sonnenhitze" (yiavoog, /.avoojv) trug ^^), klingt 
ganz nett — als Volksetymologie; die richtige Deutung dürfte es 
schwerlich sein. Trotz der Schwierigkeiten, die sich vorläußg 
noch einer lautlichen Vermittelung entgegenstellen, wird das Wort 
durch seine Bedeutung in einen Kreis alter Benennungen des 
„Hutes" gezogen, die sehr an einander anklingen, aber nicht un- 
mittelbar zu vereinigen sind: ags. höd = ahd. huot (Stamm vor- 
germ. ködh kädh)\ ags. hcet, altn. h^ttr aus urgerm. hattu-\ lat 
cassis aus cat-tis\ altp. %auöa „Mütze" in awest. ayö-%aoöa „Erz- 
Mütze, Helm". Ein Versuch, -/.avoia zu einem dieser Worte in 
nähere Beziehung zu setzen, lohnt sich nicht, zumal da wir mit 
volksetymologischen Umbildungen rechnen müssen. Und ebenso 
bleibt die Frage offen, ob der Wortstamm griechisch war: auf 
-ola (aus -tiä?) ist wenig zu geben, da das a einen fremden 
Sibilanten vertreten könnte. Wir müssen also auf eine Deutung 
verzichten, und dieser Verzicht wird uns deshalb nicht schwer, 
weil aus einem Stücke der Tracht am allerwenigsten Schlüsse 
auf das Volkstum gezogen werden dürfen. 

Haus und Badestube. 
In das makedonische Haus trat man durch den -/.ccQaßog' 
. . . V7td öi Ma^iedövcov tj tzcXt} Hesych. Dieses noch im Neu- 
griechischen erhaltene Wort wurde bereits oben S. 27 ff. besprochen. 

Die Wände und die Decke des Hauses waren geschwärzt 
von dem Busse, der sich aus dem Bauche des Herdfeuers nieder- 
schlug (ald^aXoev f.iilad^QOv B 415, fxiyaqov / 239): ädalog^ 
aoßoXog ohne Ethnikon bei Hesych. Dass dies die makedonische 
Form des gemeingriechischen aidaloq war, verbürgen unbedingt 
sicher die als makedonisch überlieferten Glossen ädrj = al&iJQy 
äögaid = aid^Qia, s. oben S. 37. 

An der inneren Seite des f-'gyiog oder teixiov (tv 165 343), 
das den Hof des homerischen Hauses umschloss, zog sich, neben 
dem Tore und gegenüber der Front des Hauses, die ai^oioa 
eveQ/iiog avlijg (cp 389 % 449) entlang, ein gedeckter Säulengang, 
der zur Aufbewahrung von Geräten (g) 390), zum Unterstellen 
von Vieh (v 176) u. ähnl. diente. Die ursprüngliche Bedeutung 

44) Eustathius 255, 1 xavala fjv xdlvfi[.ia x€(paXijg . . . oxEJiovad rs 
djto xavacovog; ebenso Pbellwitz GE. 141, Schrader Keallexikon 455. 



— 59 — 

des Wortes verblasste mit der Zeit, wie wir aus dem Scholion Townl. 
zu £2 323 sehen: ald-ovaag nvEg xa ttjq avlijg zer/Ja, ^r/,elol 
öe z^r}v avXeiov d-ugav, Kvtzqlol de Ttaozaöa a^iq)i&vQOv. Zu den 
»Tiveg« gehörten auch die Makedonen, vgl. aldcoGoa' rrjg avlrjg 
Tcc Tsixlct Hes., eine ^herrenlose Glosse, die von Fick 00. 726 
wegen des 6 für d- richtig als makedonisch aufgeführt ist. 

Vom Wohnhause getrennt war eine besondere Badestube: 
agyella' olK7]fia Maviedovizovy 07C£q d^eQyaivovTeg XovovxaL 
Suid. Das Dampf- oder Schwitzbad — nur um ein solches kann 
es sich in der geheizten aQyella handeln — haben die Griechen, 
wie es scheint, erst durch fremde Völker kennen gelernt. Wenn 
der vornehme Grieche des Homer überhaupt warm badet, so 
steigt er in die Wanne (aoafxtvd-og) und nimmt ein Wasserbad *5). 
Herodot IV 75 ist der erste, der bei einer Beschreibung der 
skythischen fcvgla auch zum Vergleich die griechische erwähnt*^); 
er hebt aber dabei als merkwürdige Tatsache hervor, dass die 
Skythen, im Gegensatz zu den Griechen, ihren Körper nicht mit 
Wasser wüschen und dass das Schwitzbad bei ihnen die Stelle 
des griechischen Iovtqov vertrete. Die älteste Anspielung auf 
die Form des Dampfbadehauses finden wir in einem Verse des 
Kratinos: »öexsod^e cpidXag Tdoöe ßaXaveioixcpdXovg« , zu dem 
Asklepiades aus Myrleia (Athenaeus XI 501 e) bemerkte: {(pidXaL 
vTtb) Kgazlrov ßaXavei6(j,q)aXoi XeyovzaCj otl o\ oiicpaXol avTcov xal 
T(jjv ßaXavelwv ol d-oXoL o(xoiOi eIölv. Der gewöhnliche Name der 
Badestube war TVvQLavr^QLov, zuerst bei Eupolis (Pollux IX 43) 
und Aristoteles Problem. II 29. In römischer Zeit galten die 
»unctiones Graecae sudatoriae« (Plautus Stichus I, 3, 73*^)) als 
besondere Sitte der Lakonen*^): ein Beweis dafür, dass sie sich 



45) Wannen (jivsXoi), in denen man liegend ein Schwitzbad nahm, 
waren nach Athenaeus XII 519 e eine Erfindung der Sybariten. 

46) ro de {xfjg xavvdßiog ajisQfÄa) d'v/niärai emßakköfjiEvov xal dtfA.ida 
jiaQS/erai roaavTtjv, ojats 'ElXrjviHt] ovds/nia äv fiiv tivqii] äjioxQaxrjOEis. 

47) Das von Goetz-Schoell verteidigte iunctiones in A ist sinnlos. 
Auch Leo entscheidet sich für unctiones. 

48) Vgl. Strabo III 154 eviovg de xcöv jiQoaoixovvxcov x(p Aovgict) jioxa^co 
{Avoixavcöv) Aaxcovixcög didysiv (paaiv dXeiJixrjQioig xQOif^evovg Slg xai TiVQiaig ex 
Xid'Oiv dianvQcov, tpvxQoXovxQovvxag xai [xovoxQO(povvxag xad'agioig xal Xix(ag, 
Dio Cassius LIII 27 (AyQinTiag) . . . x6 nvQiaxrjQiov x6 Aaxcovixov xaxe- 
oxsvaoe' Aaxcovixov ydg x6 yv/xvdoiov, sjisiö^jisq oc Aaxeöai/novioi yvf4,vova^ai 
xs iv x(p xoxe XQ^^^V ^«* ^*'^« daxsTv [xdlioxa idöxovv, snsxdXsos. 



— 60 — 

gerade bei diesem Stamme, der vor allen anderen Abhärtung 
und Pflege des Körpers liebte, besonders fest eingebürgert hatten. 

Eine altgriechische Sitte ist also das Dampfbad der Make- 
donen nicht gewesen. Seine Heimat scheint bei den Völkern 
des slavischen Ostens zu sein, wie das bereits Herodot a. a. 0. 
:andeutet: von ihnen hat es sich schon in ältester Zeit zu den 
Oermanen, die anfänglich auch nur das Wasserbad kannten, und 
zu den Finnen verbreitet* 9). Auch der Name der makedonischen 
Badestuben weist nach dem Osten. Am See Aornos in Kam- 
panien lag ein uraltes unterirdisches Heihgtum und Orakel, das 
-einstmals, wie uns Ephoros bei Strabo V 244 erzählt, von den 
Kimmeriern gegründet sein sollte: EcpoQog de To7g KijLif.ieQLOig 
^QoaorKeuov rbv x67tov cprjolv avvovg ev y,avayeioig oi'Äiaig oIkeTv^ 
<xg y,alovGiv ccQylXXag, '/,al öid xtvcov OQvy^ctTwv Ttaq aXXrjXovg 
Te cpoiiäv ymI Tovg ^ivovg elg t6 f-iawelov dtyßo&ai tvoXv Itto 
■yrig lÖQVfAevov . . . vgtsqov de öiaepd-aQTJvai rovg av&QcoTvovg 
V7t6 ßaoiXecog rivbg ov'/. ccTcoßavvog avrq) tov XQ^f^f^iov. Was 
hier mit einer Anspielung auf die KifX(.ieQioL der Nekyia l 14 
von den Sitten der mythischen Kimmerier berichtet wird, ist so 
:anschauhch und stimmt so gut zu allem, was wir über die Kultur 
der Völker im Norden des Schwarzen Meeres wissen, dass es 
zweifellos auf eine alte treffliche Schilderung der geschicht- 
lichen Kimmerier zurückgeht. Vereint mit thrakischen Stämmen 
brachen diese im VII. Jahrhundert in Kleinasien ein, eroberten 
•die Griechenstädte und nisteten sich in ihnen ein : nach Aristoteles 
bei Steph. Byz. s. v. ^'Aviavdqog haben sie hundert Jahre in 
Antandros am Ida gehaust, lange genug, um die Griechen der 
kleinasiatischen Küste mit ihren barbarischen Sitten bekannt zu 
machen. Alyattes vernichtete sie. Aber in ihrer alten Heimat, 
in der Umgebung der Krim, lebte ihr Volkstum noch lange fort. 

Die Identität des kimmerischen aqyiXXa mit dem makedoni- 



\ 



49) Anschauliche Schilderungen sowohl der slavischen, als auch der 
skandinavischen und finnischen Dampfbäder und Badestuben findet man 
bei Eetzius Finnland, übers, von Appel S. 90 ff., Martin Badenfahrt 
von Thomas Murner XI— XVI (Beiträge zur Landes- und Volkeskunde von 
Elsass-Lothringen Heft 2, 1887), Gudmtjndsson Privatboligen pä Island i 
sagatiden, p. 240-244, Meringer Mitteil. d. anthropol. Gesellsch. Wien 
XXIII (1893) 169. Die Ansicht von Martin und Meringer, dass das 
Dampfbad eine „germanische" oder gar eine „deutsche" Erfindung sei, 
iann wohl schwerlich aufrecht erhalten werden. 



— 61 — 

sehen agyella springt in die Augen und schliesst jeden Zweifel 
daran aus, dass agyella ein barbarisches AVort des Makedonischen 
war. Und weshalb soll seine Wiege nicht wirkHch bei den 
Kimmeriern gestanden haben? An einer Berührung zwischen 
ihnen und den Makedonen fehlte es nicht: im VIII. Jahrh. über- 
schritten kimmerische Scharen, von den Skythen gedrängt, die 
Donau und setzten sich in den thrakischen Ländern bis herab 
an die Küste des ägäischen Meeres fest. So konnten die Make- 
donen unmittelbar oder durch die Thraker mit kimmerischen 
Sitten und Worten bekannt werden. Allerdings war dadurch^ 
dass die Kimmerier zu einigen thrakischen Stämmen in enge Be- 
ziehung traten und vereint mit ihnen den Einfall nach Kleinasien 
unternahmen^^), für die klein asiatischen Griechen der Begriff 
„Kimmerier" nicht mehr ein rein ethnographischer: so nennt 
Strabo I 61 XIV 647 die Treren, die von Thukydides II 96^ 
richtig zu den Thrakern gezählt werden, ein KLixf.ieqiy.bv l'&vog. 
Es könnte sich also für die Griechen Kleinasiens der Name 
„Kimmerier^' sehr wohl mit Sitten verknüpft haben, die eigentlich 
thrakisch waren. Und das Hausen in unterirdischen Wohnungen 
ist in der Tat für den thrakisch-phrygischen Stamm bezeugt: für 
die Phryger durch Vitruv II, 1, 5, für die Armenier durch 
Xenophon Anab. IV, 5, 25. 

Ein Vergleich der kimmerischen und makedonischen Be- 
deutung lässt deutlich erkennen, was man ursprünglich unter einer 
agyilla verstand: einen dichtgeschlossenen, von Natur warmen und 
durch besondere Heizvorrichtungen zu erwärmenden Raum, welcher 
mit Vorliebe zu den Dampf- und Schwitzbädern benutzt zu werden 
pflegte, kurz gesagt eine altdeutsche stuba. Bei den Kim- 
meriern war das noch ein primitives unterirdisches Gemach, bei 
den Makedonen aber schon — wie später bei Slaven, Germanen 
und Finnen — ein besonderes Holzhäuschen mit einem Herde 
aus Feldsteinen, die man glühend machte und dann zur Erzeu- 
gung der heissen Dämpfe mit Wasser übergoss. Vergebens dürfte 
es sein, nach einer Etymologie für ccQyiXla zu suchen: mit griech. 
agy- „weiss schimmern" (Fick 00. 725) kann es ebenso wenig 
zusammenhängen wie mit agyilog „weisser Ton" (GMeter FJ» 
186 PßELLWiTz Griech. Etym. 30). Verlockend ist der Anklang 



50) Vgl. Abel Makedonien 800". Gelzer Rhein. Mus. XXX 256 ff. 
GMeyer Gesch. d. Altert. I 544 ff. 



— 62 — 

:an den Namen der thrakischen Stadt ^'^gyilog, die nahe der 
<Strymon-Mündung lag: aber der Deutung kommen wir damit 
nicht näher. Vielleicht liegt ein Fingerzeig in der Gründungs- 
sage dieser Stadt bei Herakleides Pont. Fragm.42 (FHG. II 224): 
agyilov tov f,ivv 7.aXovGL OgaKcg' ov ocpS^evrog ttoXiv /mtoc /^rj(7- 
fiov sKTioav ymI ^'^Qyilov ojvof-iaoav, und bei Stephanus Byz. 
s.v.: vjvo^idodiq öe iircsLÖ^ vno Qgayadv o f-ivg aQyiXog "/.aXeiTai, 
^JxaTCTovTtov öe elg Tovg d^e/neXlovg "AaTaßaXeo&ai TtgcuTog iLivg 
ej(f^ri. Unmöglich können „Glosse und Deutung einfach erfunden" 
sein, wie Tomaschek Thraker II 4, ohne Gründe anzugeben, be- 
hauptet. Die Deutung ist natürlich erfunden, aber nur deshalb, 
weil es im Thrakischen wirklich ein Wort agyilog in der Be- 
deutung „Maus" gab. Wenn nun in demselben Landstriche eine 
in ihren Löchern und Gängen lebende Feldmaus oder Wühlmaus 
den gleichen Namen führt wie eine unterirdische Wohnung, 
kann da nicht ein und derselbe Wortstamm mit der Bedeutung 
des „Eingrabens" vorliegen? Im Althochdeutschen heisst der 
Maulwurf skero und das mittelhochdeutsche scher-müs, nhd. Scher- 
maus bezeichnet sowohl den Maulwurf als auch eine wühlende 
Mäuseart (Grimm DWörterb. VIII 2590) : die Grundbedeutung war 
,,Scharrer, Gräber^', vgl. ahd. skerran „kratzen, graben". Ähnlich 
nennen die Griechen den Maulwurf (7x«Xor/' von öyictlho „grabe", 
und derselbe Stamm Tqioy- „einbohren", von dem TQcoy-lrj „Höhle, 
Höhlen Wohnung" {TQwylo-övzrjg) abgeleitet ist, bildet das Wurzel- 
nomen tqco^ „der Bohrwurm". 

Geschlecht und Familie. 
Die kosende Anrede des Vaters, im Homer arra, war bei 
'den Makedonen ccTtTca, vgl. Etym. Magn. 167, 32 lata' Itci- 
^d^sy^xa Tif.iriTr/,6v vecotsqov ftgög rcalaiozegov. elgrirat Ttaga to 
ccTTTta -^aza Mayisdovag, tqotijj tov tv elg t. Aspiriert ist der 
Labial in dem gleichbedeutenden ccTccpvg Theokrit XV 14, ferner 
in ccTtcpa, aTtcplov, aTKfidiov. Irgend welchen Wert für die Be- 
stimmung des Charakters einer Sprache besitzen solche Lall- 
aiamen, die in der Kindersprache aller Länder üblich sind, nicht, 
vgl. Kketschmer Einl. 334 ff. 

Wenn d^gala im Etymol. Magn. 52, 18 durch »Tcalg d^^Xeia 
vno May.sö6vcoy« ^i) erklärt wird, so geht daraus deutlich hervor. 



51) Vgl. Hesycli axgsa • naig '&^X€ia. Maxedoveg. 



i 



— 63 — 

dass in dem Worte das Geschlecht des Kindes zum Ausdruck 
kam. Es kann also nicht, wie Fick KZ. 197 vermutete, ayigaia 
gleichbedeutend mit ayiQ-7]ßog sein und ein Mädchen, das in der 
d/.fny, in der ersten Jugend steht, bezeichnen. Wie das homeri- 
sche TtaQd^evLmj „Mädchen" von TtaqBevog abgeleitet ist, so das 
makedonische (hgaia von ax^or. Dieses Substantiv aber stimmt 
in seiner Bedeutung und in seinen Eadikalen so gut zu dem ge- 
meingriechischen y^oga (7,6Qßa) „Mädchen", dass wir das volle 
Recht haben, in beiden denselben Stamm zu suchen, auch wenn 
wir vorläufig auf eine sichere Erklärung des anlautenden a- ver- 
zichten müssen. Bei -x^a neben yMQ(ß)a wird man zunächst an 
doppelte Ablautsformen wie veo-yvog: veo-yovog, eni-ßXai Hesych: 
ETCi-ßoh]^ lxeo6-öf.iri\ olyo-öo(.ii/] denken. Doch brauchen wir gar 
nicht so weit zurückzugehen : wie die Makedonen %eßala im Kom- 
positum zu 'Asßlä-f wie sie aßaQO-y.of.ia zu aßag-Kf^a oder aßag- 
Kva verkürzten, so kann auch in dem zusammengesetzten a-y^oga, 
d-KOQaia das o beim „AUegro-Tempo" unterdrückt worden sein 52). 

Bei dem Namen KvQvog, den der Liebhng des Theognis 
führte, verweist Photius s. v. auf ein gleichlautendes make- 
donisches Appellativum : KvQvog' egw^ievog Qeoyviöog, Ma^e- 
öoveg öe zovg aKOTiovg y,vQvovg yalovoiv. Da auch GKOTiog, 
das wie vod^og den unehlichen, heimlich geborenen Sohn bezeich- 
nete {vodog %ccl GKOTLog Plut. Mor. 751 F), als Eigenname ge- 
braucht wurde, so könnte der Eigenname Kvqvog mit dem Ap- 
pellativum identisch sein. Aber das makedonische Wort ist uns 
noch in einer zweiten und, wie es scheint, besseren Form über- 
liefert. Unter der Glosse oyMTiog stellt Hesych verschiedene Be- 
nennungen unehlicher Kinder zusammen: oyoTLog' vo&og^ o 
ka&Qa yevvrjS^elg twv yovecov tijg yoQrig. zoig yag f.ir) Ix cpavegäg, 
Xad^Qalag de ui^ecog yeyovoTag GKOTiovg e%aXovv, eviol 7taQ&6v(l)ovgj 
alkoi yoQivalovg, yad^dneq Magavag ev vfj a. Es gab zwei 
Makedonen Namens Marsyas, der ältere aus Pella, der jüngere 
aus Philippi gebürtig; beide schrieben eine makedonische Ge- 
schichte mit dem Titel MayeöovLyd '''^)\ die wenigen Fragmente, 



52) Über das im Scholion des Ven. B zu F 404 makedonisch ge- 
nannte xoQOLOiov s. oben S. 23 ff. 

53) Von dem alten Marsyas führt Suidas s. v. noch ein Werk 
^"Axxixa EV ßißUoig iß'vi an. Wahrscheinlich lautete der Titel richtig 

"Axaxra (Geier). Ein Fragment aus dieser Schrift ist nicht erhalten. 



— 64 - 

die aus diesen Werken erhalten sind, hat Eitschl Opusc. I 
449 ff. gesammelt und, so gut das die Zeitangaben gestatten, 
unter die beiden Männer verteilt. Von dem älteren oder jüngeren 
Marsyas wurden in der Erzählung auch einzelne makedonische 
Worte angeführt: Beispiele dafür sind der Tanz Tsleoiag (Athe- 
naeus XIV 629 d) und der Pokal yudla (Athenaeus XI 467 c). 
So hat denn schon Ritschl a. a. O. 465 treffend bemerkt, dass 
auch das Wort /.OQivaioL — denn nur auf dieses kann sich 
der Zusatz >^MaQOvag Iv rrj d« in der Hesych-Glosse beziehen 
— von Marsyas als makedonisches Äquivalent des gemein- 
griechischen OKOTiog und des lakonischen Ttaqd^eviog gebraucht 
worden sei. Es sind also die zwei Worte 'm'qvol und ytOQiraloL 
in genau der gleichen Bedeutung für das Makedonische be- 
zeugt. Sollten sie ganz verschieden von einander sein? Das zu 
glauben fällt schwer. Wenn sie aber nur Varianten desselben 
Stammes sind, welches von ihnen lässt dann am ehesten eine 
Deutung zu? Zweifellos das zweite! koqivü ist eine tadellose 
Ableitung von yioga: man vergleiche llacpivri „Hirschkalb", a/ra- 
Cc d^ivri ,junger Hirsch^*, SQyccvivrig „Arbeiter" u. a. m. Also be- 
deutet yiOQivalog genau dasselbe wie TtaQ&eviogy nämHch „Jungfern- 
sohn". Diese Bildung ist so durchsichtig, dass sie auf alle Fälle 
als die ursprüngliche gelten rauss: ob Kvgvog in der Quelle des 
Photius verderbt war oder ob es vielleicht wirkhch eine aus /mql- 
vaiog verkürzte Nebenform A,vQvaiog {kurnaios), -/.vQvog {kurnos) 
gegeben hat, das zu entscheiden ist unmöglich. 

Der Tag und seine Arbeit. 

Dass das Wort für „Tag^' im Makedonischen weiblichen Ge- 
schlechtes war, folgt aus dem Namen der Mittagsstunde: ivdia' 
/xeGTjf.ißQia' Mayiedoveg Hes. Dieser entspricht genau dem grie- 
chischen evdia (.leorjf^ßgia Hes. und ist der Form nach das Fe- 
mininum des Adjektivs kvÖLog „mittäglich": zu ergänzen ist für 
das Griechische wie für das Makedonische äfiega „der Tag" ^% 
vgl. evöiov ^fiag Apoll. Rhod. IV 1312 (Plutarch Mor. 726 E). 

Müsse ist Zeit „ohne Arbeit": agnov gxo^v. Mayie- 
Soveg Hes. Die Gleichsetzung von dg-Kov mit gemeingr. agyov 



54) Ein anderes Nomen kommt kaum in Frage, da, vom baltischen 
Sprachgebiet abgesehen, in den indogermanischen Sprachen die Namen 
des Tages Maskulina oder Neutra zu sein pflegen. 



— 65 — 

aus a-sQyov ist so ansprechend, dass wir nicht ohne einen 
zwingenden Grund sie bei Seite schieben werden. Wir wissen 
denn doch zu wenig von der makedonischen Aussprache und von 
der Umschrift der makedonischen Laute in den verschiedenen 
Quellen, um an dem makedonischen -q/l- = griech. -gy- Anstoss 
nehmen zu dürfen. 

Wie der Grieche begleitete auch der Makedone Worte und 
Werke, deren Erfolg und gutes Gelingen ihm am Herzen lag, mit 
einem Segenswunsche: lueXa- ayad-fj xv^ij, MazcdoVeg Hes. (überl. 
ayad^fj Tv^ri). Da die gemeingriechische Formel ctyad'fj tvxh ^"^ 
kyprischen Dialekte gewöhnlich l{y) %vyai lautet (vgl. OHoffmann 
GD. I 309) und da ferner das Makedonische mit dem Arkadisch- 
Kyprischen die Form Iv = Iv teilt (vgl. maked. Ivöea aus kvdla), 
so wird man geneigt sein, l^la auf Iv teXai zurückzuführen und 
in ff Aa ein dem xvxa bedeutungsverwandtes Abstraktum zu suchen. 
Wenn die Makedonen wirklich Liqed-Qov für ßsQsd^QOv gesagt 
haben (s. oben S. 38), so kann wenigstens der Stamm des make- 
donischen l^ela griechisch gewesen sein. Das C- vor e bezeichnet 
dann den aus labiovelarem gu- entstandenen und ursprüngHch 
gemeingriechischen Reibelaut, der bei den Arkadern erhalten 
blieb, von den übrigen Stämmen aber in ö oder ß verwandelt 
wurde. Und ein 'CeX- aus giiel- lässt sich mit mehreren grie- 
chischen Stämmen verknüpfen, deren Bedeutung leicht zu tsla 
„Glück" hinüberführt 5 ö). Natürlich ist damit der griechische Ur- 
sprung des Wortes nicht erwiesen. 



55) Man hat schon an das allerdings nur in der xaivr] iozogia 
des Schwindlers Ptolemaios Chennos (bei Photius Bibl. p. 157 bi7 ed. 
Bekker) überlieferte kretische dsXrov = dya^ov erinnert (Prellwitz 
Griech. Etyraol. 47) ; doch ist es zweifelhaft, ob dieses Adjektiv mit 
ßsXxicov zusammenhängt und ursprünglich mit gij,- anlautete (Osthofp 
IF. VI 7). Dagegen steht es fest, dass sowohl der Stamm des dorischen 
di^lofzat ,, wünsche, will" (deX-) als auch des arkadischen ösXXco „werfe" 
mit gu- angelautet hat: denn neben dijlo/nai liegt att. ßovXofiai, ßovXtj, 
dor. ßoiXd, und öeXXoi hat nicht nur ßaXXoi neben sich, sondern ist bei 
Hesych direkt in der Form ^eXX<o überliefert, vgl. C^XXsiv ßdXXeiv, xaCiXrj 
(so!)* xaxsßaXe, s^eXsv eßaXsv. Wenn wir uns an den als Wunschpartikel 
gebrauchten Imperativ ßdXe Alkman 26 Poetae Lyr. Berqk III * 47, 
ferner an sjirj-ßoXog erinnern, so ist es verlockend, ein von ^sXXsiv, ^sX- 
„werfen" abgeleitetes Nomen i^eXa „Wurf, das Treffen" anzunehmen, das 
sich zu diesem Verbum in der Bedeutung ähnlich so verhalten würde 
wie xvxt^ zu xvxsTv. 

Hoffmann, Makedonen. 5 



— 66 — 

Das Alter. 
Da in den Ma/.edovr/,d eines der beiden nationalmakedoni- 
schen Historiker, die den Namen MaQGvag führten, makedonische 
Worte gebraucht wurden (vgl. oben S. 64 und die Note 72 auf 
S.71), so darf die zwischen veoTccKa' ifiaTiOfiog und veiig- vdglg 
in der verstümmelten Form evrjg überlieferte Hesychglosse veTiqg' 
6 avvoet'ijg. Magavag ziemlich sicher den Makedonen zugewiesen 
werden. Das anlautende v hatte für Marsyas nicht den attischen 
Lautwert (w), sondern den makedonischen (w): es ist aus o ent- 
standen, vgl. %7T7iovg oTQixag oexeag B 765 nach JSchmidt KZ. 
XXXyi 397 if. SoLMSEN Untersuch, z. griech. Laut- u. Vers- 
lehre 96 ff. 

Arbeits- und Jagdgeräte. 

Zur Ernte gebrauchte der makedonische Bauer die ayy,allg' 
dxd^og. xal ögeTtavov. Ma/iedoveg Hes., nach ihrer gekrümmten 
Form {dyyivXogj dyadlri) so benannt. Das zweite a kann entweder 
ein selbständiger Vokal, wie in dyadlri, oder der makedonische 
Gleitlaut sein, vgl. dy^lov o^aoIlov. Hes. s^). 

Vom Wagen und seinen einzelnen Teilen wird nur die 
Deichsel erwähnt: dödar ^vfnol vtvo Ma^eöovwv Hes. Da dieses 
Wort in einer anderen Sprache bis jetzt nicht nachzuweisen ist, 
so kann allein die Etymologie seinen Ursprung aufhellen. Mit 
Kecht hat Fick den Gedanken abgewiesen, dass ddda- aus ä-dida- 
entstanden und von dldri-f^i abgeleitet sei. Und doch scheint in 
ihm ein richtiger Kern zu liegen. Es ist bekannt, dass die indo- 
germanischen Verbalstämme auf lange Vokale wie dö- „geben", 
dhe- „legen" in starker oder schwacher Stammesform (dö : da, 
dhe : dhä) ohne ein besonderes Suffix als Verbalnomina (Nomina 
agentis und actionis) gebraucht wurden, wenn sie das zweite Glied 
einer Zusammensetzung bildeten: z. B. ssk. ratna-dha- „Schätze 
spendend", apa-dhä- „das Versteck", prati-dhä- „der Schluck", 
api-dhi- „die Bedeckung"; lit. pre-da-i „die Draufgabe beim 
Kauf", uz-dö- und uz-da- „die Ausgabe"; lat. prae-dä „Beute" 
(vgl. Bezzenbergers Beitr. XXVI 133); Ttgoa-d^T^- TtQoo&eoLg 

56) Das etymologisclie Verhältnis von äyxXo-, äytcaXig zu dem sici- 
lischen Nomen i^äyxXov = dgenavov Thuk. VI 4 Kallimachos Fragm. 22 u. 
172 ScHN. Stephan. Byz. s. v. ZdyxXr) (vgl. auch ^ayxXiov exaXeixo z6 axoXidv 
Strabo VI 268) ist nicht klar: unter di-dyxXov, das man als Grundform 
angesetzt hat, lässt sich schwer etwas vorstellen. 



— 67 — 

Hesych, ercL-ßka-l' Tcsgovat (zu ßlr^- ,4egen'') Hes., o^ioaIti : 
6(.Loy.lai u. a. m. Nun finden sich gerade für einen Teil des 
Wagens, für das Ead, im Rig-Veda zwei Namen, die genau in 
dieser Weise aus einer Präposition und der Wurzel dhi- „legen" 
(Schwachform zu dhä- = ^i^-) zusammengesetzt sind: pra-dhi- 
„Radkranz", eigentl. „das Vorgelegte (vor die Speichen)", upa-dhi- 
„der Radteil zwischen Nabe und Radkranz", eigentl. „das Ange- 
legte". So könnte auch das makedonische aö-da- die Deichsel 
als das „an den Wagen Gelegte" bezeichnen und aus der Prä- 
position aö- = lat. ad und dem Stamme maked. dri- = griech. ^iy- 
zusammengesetzt sein. Der Bildung und Bedeutung nach Hessen 
sich dann vergleichen 7ZQ6o-^a-{.i(x „penis", ercL-d^r^-fxa „Lanzen- 
spitze" Diod. y 30. 

Von FiCK wird aqcpvg' i/xdg. May,eö6veg Hes. mit ccQTte-öwv 
„Seil, Strick, Schnur" verbunden. Wenn nur nicht das cp gegen 
den makedonischen Ursprung des Wortes Misstrauen erregte! 

Nur in wenigen, aber altertümlichen Bildungen begegnet uns 
im Griechischen das Suffix -d-lo und -&lä : homer. M^ie-d^la 
B 493 P 47, d^vö-Ha Z 134, yeve-^lrj ö 232 v 130 B 857 
E 270 T 111, i^ccG-nri t 320 j' 82 43 iV 25 ^ 582, nach- 
homerisch eöe-^'kovy q)vye-^lov. Da im Makedonischen aus -&Xä 
nach bekannten Lautgesetzen -daXä werden musste, so ist öe-ddXä, 
erhalten in de-ödXag' deö^idg Hes., die regelrechte makedonische 
Form für ein vom Stamme öiq- : de- „binden" abgeleitetes grie- 
chisches ^öa-d-lä „Band, Fessel". Eine andere Heimat der Glosse 
ist so gut wie ausgeschlossen: denn de- als schwache Stufe zu 
Sri' (ssk. da- „binden") bildete nur das Griechische ^7), im Grie- 
chischen aber gab es nur die Primärsuffixe -^Ao- und (seltener) 
-zlo-y aber nicht -Öko- oder gar -öalo-. 

Ein zweites makedonisches Wort für „Band" scheint ßdoyaoL^ 
öea^ial cpqvydvttyv Hes. gewesen zu sein (vgl. auch ßaaytevTal* 
qjaoMÖeg, dyytdXai Hes.): gleichen Stammes ist das gemeingrie- 
chische (pdouolov „Bündel, Ränzel". 

Mit ydq%av' gaßdov. Maycedoveg Hes. ist wenig anzufangen. 
Verwandt scheint ydqqa- qdßöog Hes., und dieses Wort mag 



57) In den übrigen indogermanischen Sprachen Europas war -«, 
nicht -e, die Kurzstufe zu -e, vgl. se-men : sätus, '&rj- „saugen" : altb. do- 
Jq u. 8. w. 

5* 



— 68 — 

wieder mit yeqqov „Rutengeflecht" oder mit lett. faWs „Ast, Zweig" 
(Bezzenbergeb BB. XXVII 165) zusammenhängen ^sj. 

In der älteren Literatur wird olyvvog (auch Giyvvvog, OLyvvt], 
oiyvvvri) „kurzer Speer für die Eberjagd" nur ein einziges Mal 
erwähnt: von Herodot V 9 oiyvvvag d^ cov 'Aaliovoi . . . Kvtcqlol 
ra doqaTa. Auch Aristoteles de arte poet. 21 führt das Wort 
als kyprische Glosse an: tÖ yag oiyvvov KvTTQioig f.i€v -^vqlov, 
rji^uv ÖE yXcoTTa, ebenso der SchoHast zu Apollonius Rhod. II 
98 Giyt'vvovg '/.alovaiv ol Kvtvqlol zd ccTiovria (vgl. Etymol. Magn. 
712, 22). Dagegen wird bei Suidas als Heimat des Wortes 
Makedonien genannt: oiyvvri '/,al öiyvvvovg' to. dogaza Tcaga 
Mai^edoOLv. Verdient sein Gewährsmann den gleichen Glauben 
wie Herodot — und wir haben keinen Grund, ihm den zu ver- 
sagen — , so war olyvvog echtgriechisch oder ein uraltes Lehnwort, 
das die kyprischen Griechen schon im zweiten Jahrtausend aus 
ihrem Mutterlande mit in die Fremde nahmen. Man wird fragen : 
ist es denn glaublich und wahrscheinlich, dass altes gemeingrie- 
chisches Sprachgut nur auf zwei so weit von einander getrennten 
Sprachinseln erhalten blieb? Allerdings! Denn gerade Kypros 
und Makedonien lagen einander in sprachlicher Beziehung viel 
näher, als man vermuten sollte. In keinem griechischem Dialekte 
findet sich, noch im V. und IV. Jahrhundert, eine solche über- 
raschende Fülle rein-homerischer Worte wie gerade in dem kypri- 
schen, vgl. OHoFEMANN GD. I 276iF. Den Grundstock der epischen 
Sprache aber bildet der nordachäische, in Thessalien und der 
Aeolis Kleinasiens gesprochene Dialekt. Und dieser berührte sich, 
wie wir noch sehen werden, nicht nur räumlich eng mit dem 
makedonischen. 

In dem eigentlichen Griechenland hatte oiyvvri schon frühzeitig 
einem fremden Eindringling den Platz räumen müssen: dem 
gleichbedeutenden illyrischen oißvvt] 59). In der Literatursprache 
taucht dieses Wort freiHch erst um die Mitte des IV. Jahr- 
himderts auf: zum ersten Male begegnen wir ihm in der mittleren 
Komödie bei Alexis iv ^evA.adia' »cpege zrjv oißvvtjv yial TiXa- 



58) Fern zu halten ist jedenfalls x^Q^^- 

59) Dass oißvvrj ein illyrisches Wort war, wissen wir durch. EnniuR 
vgl. Festus Pauli exe. p. 336 M: Sibunam (überl. sybinam) appellant 
lUyri telum venabuli simile. Ennius j>Illyrii restant sicis sibunisque 
fodantes (überl. sybinisque fodentes: sibunis Merula). 



— 69 — 

%vXoyyia<i. (Pollux X 144), dann bei den Historikern aus der Zeit 
Alexanders des Grossen ^% bei Kallixenos aus Hhodos in der 
Beschreibung einer von Ptolemaeus IV Philadelphos veranstalteten 
jto(.i7tri 61), bei Polybius VI, 23, 9 (aißvviov), in der Antho- 
logia Palat. bei Antipater Sidonius VI, 93, 2 und Meleager VII, 
421, 1 und endlich bei Diodor XVIII 27 XX 33 e^). Zweifellos 
ist es aber der griechischen Volkssprache lange vor der make- 
donischen Zeit durch die illyrischen Stämme, die die westliche 
Hälfte Nordgriechenlands bis zum korinthischen Meerbusen über- 
fluteten, zugeführt worden. Und aus der Volkssprache wurde es 
unter Alexander d. Gr. in die yioivT^ übernommen: denn das alte 
im Griechischen längst erstorbene ^^) otyvvr^, das damals noch im 
Makedonischen lebte, war für das IV. Jahrh. eine „makedonische" 
Form gegenüber dem „griechischen" aißvvtjy das zwar entlehnt 
war, aber nicht mehr als Lehnwort empfunden wurde. 

Mahlzeit, Speise und Trank. 
Wie üppig es bei den Gastereien der vornehmen Make- 
donen zuging, zeigt uns die breite und anschauliche Schilderung, 
die Hippolochos aus Makedonien«*) »ev rfj ttqoq ^vyxia i/ci- 
GToXfji< von einem makedonischen Hochzeitsmahle entworfen hat 
(Athenaeus IV 128 c — 130 d). Leider wird hier von den leckeren 

60) Ephippos schildert unter den verschiedenen Kostümen des Königs 
einen Anzug ä la Artemis: :»sxcov rrjv nsQaixrjv OToXtjv, vjtocpaivcov ävco&ev 
rcöv cöfxoiv rö ze xo^ov xai xtjv aißvvrjvv. (Athenaeus XII 537 e); nach Hippo- 
lochos dem Makedonen wurden beim Gastmahl des Karanos aufgetragen 
y>avayQoi xaxa Jiivdxcov xexQayd)V(Ov ;fßt;öOjUfrßft)v aißvvaig dgyvQaTg diane- 
TtsQovrifxivoK^ (Athenaeus IV 130b). 

61) Athenaeus V 201 b ^c??' ovg sjiofiTtevaav xvvrjyol ß eyovxsg aißvvag 
ijiiXQvaovg. 

62) An der zweiten Stelle heisst es: (Agxdyad^og) Tiagd xivog x&v 
vjiaaniaxcbv aQjidaag aißvvrjv Sii^Xaae 8id xcöv tiXsvq&v. 

63) Als lebendiges Wort ist aiyvvog, aiyvvrj aus der griechischen 
Literatur überhaupt nicht nachzuweisen. Erst die gelehrten alexandrini- 
schen Kunstdichter haben es als dialektische Earität ausgegraben und 
angewendet: zuerst kommt es vor bei Apollonius Rhod. II 99 xogvvag 
dCrjxsag rjös myvvvovg i^g dvaoxd/xsvoi (mit v angeführt im Etymol. Magn. 
712, 18), dann bei Lykophron Alex. 556 oiyvfj,vq) (so!) jiXsvg" dvagg^^ag 
ßoög und endlich bei den späten Dichtern der Kaiserzeit (Pseudo-Oppiaa 
Kyneg. I 152, Makedonius Anthol. Pal. VI, 176, 1, ai'yvva Agathias Anthol. 
Pal. VII 578, 5). 

64) '[jtJioXoxog 6 Maxsdcov xoTg xQ^voig fihv yiyovs xaxd Avyxea xai 
Aovgiv xovg Safiiovg, Oeocpgdaxov de xov 'Egsacov fxai^ijxdg Athenaeus IV 128a. 



- 70 — 

Gerichten und den Tafelgeräten nicht ein einziges mit seinem 
makedonischen Namen angeführt. 

Da die Makedonen das Backwerk und die Näschereien, die 
sie als Nachtisch ^ß) genossen, »sTtiöeiTtvlSsg« nannten (Athe- 
naeus XIV 658 e yial lacog Ttavta ra xotavTa eftLÖsiTvviöag eXeyov 
Ma-^edoveg ^% liojd^covog yccQ t^dvGf.iaTa Tavta)^'^}, so hiess die 
Mahlzeit selbst delTvvov, 

Um während des Symposions, wenn der Wein nicht mehr 
schmeckte, Gaumen und Magen wieder anzuregen und zu reizen, 
reichte man vom III. Jahrhundert an in Athen den Gasten eine 
(.laTTvTjj einen „Appetitbissen". Über den Namen, die Zu- 
sammensetzung und Bereitung dieses Gerichtes, das zuei'st von 
den Dichtem der neueren Komödie*^) erwähnt wird, handelt 
ausführiich Athenaeus XIV 662 f — 664 f. Dass die (.laTTvr] erst 
von den Makedonen in Athen eingeführt wurde, ist zweifel- 
los «^j. ^0 man sie aber zuerst bereitete, darüber lauten die 
Berichte verschieden. Nach Dorotheos aus Ascalon, der ein Buch 
verfasste »Ttegl lAvTicpdvovg '/,al tibqI rijg Tcaqa. rolg veioTtQOtg 
-/.Wf^i-Kolg f.iaTTvrig« waren die Thessaler die Erfinder: rjv QezTa- 
"kiZv q)7]0iv uvai evqrifxa, eTtixwqidacti de Y,av raig 'Ad^if^vaig kotcc 
Ttjv MayiEÖovcüv iTtiyiQccTeiav (Athenaeus XIV 662 f). Dagegen 
nennt Hesych das "Wort makedonisch: ixaxtvrig' ^ f.ih cpiovri 
May,sSovrAtjy oqvig, 'aal tcc sy, tov tiofiov avTOv Ictyava Ttegitpe- 
Qoi^eva, und mit ihm stimmt PoUux VI 70 überein: (.laTvXXrj' '^^) 

65) Den Nachtisch erwähnt auch Hippolochos a. a. 0. 130c: xai 
rskevraVai ejistarjld'ov imdogmac rgcutsCai, rgayrifiaxd x sv TiXsxxotg shqpavxivoig 
STisdod'r} Tcäai xai jtXaxovvxsg sxaoxa yivrj. 

66) Für die Makedonen treten bei Athenaeus XIV 664 f „die meisten 
der Hellenen" ein : x6 ös xoiovxov dsTjtvov ol fiev 'Axxixol jiQoorjyogevov hii- 
SoQTiiafia , Ol de AcoQisTg sjiaixXov, x&v 6' äkXcov 'EXXijvcov oi TtksToxoi etii- 
SsiJtvida. 

67) Nach dieser Athenaeus-Stelle ist Hesjche ijiidsijivig ' Maxsdovixog 
xtod'cov fjövofta B&iofiog in Maxsöovixov (oder -ov) xcod'covog rjövofia zu 
verbessern. 

68) Das überlieferte /xaxioXoixog des Aristophanes Wolken 451 wollte 
Bentley in fiaxxvoloixog ändern: diese viel besprochene Vermutung trifft 
aber den Sinn der Stelle nicht. 

69) Der Komödiendichter Mdxcav schrieb in der »^yvom« (FCG. III 
324 Kock) : r]8iov ovbiv saxi fioi xrjg fiaxxvi]g, \ xovx eXxe jiqwxoi MaxsdovEg 
toTg 'AxxixoTg \ xaxidei^av tjfuv eixs ndvxEg ol d^Eoi. Athenaeus XIV 664 b. 

70) Ist diese Form richtig überliefert, so muss sie als Deminutivum 
zu fiaxxvrj gefasst werden. 



— 71 — 

Ma^A.BÖovrAOv evQriJiia, dixpovg sysQTrÄOv ßQiof.ia^ to tXQWvTO f-iSGOvv- 
jog Tov TcoTov. Auch der Name des Gerichtes ist schon von 
den Alten verschieden gedeutet worden. Die von Hesych ge- 
gebene Erklärung stand ausführlicher in den »OipaQTVTixal 
riwoGai« des Artemidorus (Athenaeus XIV 663 d): lozi rig 
oQVid-og {.laxTviqg. iocpdxd^o) i^isv dia tov orof-iaTog sig ztjv '/,e(pa- 
lijv. SGTO) öe f'wXog naMfreQ 6 jteqdt^ (es folgt die Zubereitung 
der ^laTTVTj). Andere aber leiteten das Wort von f.iaaäad^ai oder 
{.laxTELv ab (Athenaeus 663 b). Selbst wenn der makedonische 
Ursprung der fiaTTviq gesichert wäre, so würde doch mit ihrem 
Namen nur dann etwas anzufangen sein, wenn ihn Artemidorus 
falsch erklärt hätte. Möglich ist das, sogar wahrscheinlich, aber 
nicht zu beweisen. 

Wie die Megarer tranken auch die Makedonen beim Sym- 
posion aus einem Pokale, der wegen seiner Form yva'kag ge- 
nannt wurde, vgl. Athenaeus XI 467 c (DiXtixäg iv ^Axa-ATOig 
MsyaQsag ovtoj (prial yia^Mv rd TtOTi^Qia, yvdlag. TlaQ^^iviog d 
6 TOV Jlovvolov iv a neql tcov TvaQcc Tolg iOTOQr/,olg le^ecov 
CrjTOVfÄSvojv q)riar yvdXag TtOTriQiOv siöog, cog Magavag yQdq)eL o 
IsQevg TOV ^HgayiXeovg'^^) ovTwg' »OTav eloirj 6 ßaoiXevg eig ttjv 
Tcoliv, VTTavTccv olvov ftXrjQTi yvdXav k'xovTcc Tiva, tov öe Aa- 
ßovza OTtevÖELv«. Auf diese Quelle gehen zurück die Glossen 
yvciXag- elöog TcOTtjglov Tiaqd MaY,ed6ot Etym. Magn. 243, 13 
und yvXXdg (so!)* elöog Ttovriqlov Ttaqd Ma-aeöoai Hesych. Der 
Stamm ist yvalog „gewölbt", dessen Neutrum von Homer ab 
(d^tüQTf/iog yvaXov) in der Dichtersprache als Substantiv „Höhlung, 
Wölbung" gebraucht wird. Ob das Geschlecht des Wortes wirkHch 
männlich war? Den oben angeführten Belegen hat Athenaeus 
den Nominativ yvdXa {yvaXa A, yvdla E) als Kapitel-Überschrift 
vorangesetzt, und aus dem Zusammenhange ist weder bei Philetas 
noch bei Marsyas das Geschlecht zu erkennen. Als Femininum 
würde yvdkü auf yj /,vh^ zu beziehen sein '2). 



71) Treffend vermutet vWilamowitz, dass die Worte 6 isQsvg tov 
'HQaxUovg nur durch ein Miss Verständnis zu einem Titel des Marsyas 
geworden sind: sie waren nachträglich am Eande hinzugesetzt, um die- 
jenige Persönlichkeit, die dem Könige mit dem Pokale entgegenkam, ge- 
nauer anzugeben. 

72) Auf den Marsyas beruft sich Athenaeus auch bei der Besprechung 
von zwei anderen Trinkgefässen: KXsixaQxog de (prjoiv AioXsTg tov oxv<pov 



— 72 — 

Für adioy,ov' 'Avxeojva. Ma^edoveg Hes. lässt sich schon des- 
halb keine Etymologie geben, weil wii* nicht wissen, ob die Make- 
donen unter diesem Worte jeden beliebigen Mischtrank oder nur 
eine bestimmte Sorte verstanden. Vielleicht war es jener von 
Hippolochos beschriebene feurige Glühwein, der gegen Ende des 
Mahles gereicht wurde (Athenaeus IV 129 d eTtel de Aal tovtcov 
a7trjXXdyr]fÄEv, i7,Xaf.ißaveL tvccIlv rjuäg d^SQf-wg Tig y.ccl ZwgoveQog 
TtoTog, öivwv ovTiov rjfiüv Gaolcov y,al Mevdaiwv y.al Aeaßiwvj 
XQvalöcov Ttdvv LieydXwv eycdazo) TtqooEvex^BLaOjv) '^^'). 

Zur Hausmannskost des gemeinen Mannes gehörte vor 
allem das Brot. Athamanen und Makedonen hucken eine be- 
stimmte Sorte, die sie d^dj^ng, dQdf.u§ nannten: Athenaeus III 
114 b ögaurAeg Si aal dga^ig Tiaq ^Ad^aixäoiv clqtol riveg 
ovTCjg ytalovvrai .... ^eXevzog fniv ögccf-iiv vito 3Iay.eö6va)v 
ovTwg y,aXovf.ievov, ödqazov 6" vico OsGoaXiov. Wenn ein und 
dasselbe ungesäuerte ^*) Brot bei den Thessalem dagavog, bei den 
Makedonen Sgauig hiess, so wird man doch nicht ohne Not die 
beiden Wortstämme von einander losreissen '^^). Auf eine etymo- 
logische Deutung leisten wir am besten Verzicht. 

Noch für eine zweite Brotart scheinen Makedonen und Atha- 
manen dasselbe Wort gebraucht zu haben: denn in der schwer 
verderbten Hesych-Glosse ßa^dga- ttvyMtJ MaAsdoveg, Tcvglog. 



xiaovßiov xaXsTv MaQOvag de xvneXXov xal t6 ^vXivov jtoxriQiov XI 477 a 
(bei Besprechung des Wortes xioav ßiov), und Magovag 8s q^rjoi ro ev 
TCO laxio) oorovv xaXsTa^ai äksiaov xai xvXixa XI 479 c (bei Besprechung 
des Wortes xoTvXtj). An beiden Stellen scheint die Überlieferung nicht 
in Ordnung zu sein; Kaibel nimmt vor äXecoov eine Lücke an. Die 
Quelle des Athenaeus können ebensowohl die Maxsdovcxa, als die sonst 
verschollenen "Araxta des älteren Marsyas gebildet haben, vgl. oben S. 63. 

73) Nach Fick KZ. 196 „pikanter Würztrank": adcaxog Deminutiv 
zu äöog = att. rjöog „Gewürz" {i^övvco „würze", r]8vofxa „Würze"). Sehr 
nahe liegt diese Deutung nicht. 

74) Athenaeus III 110 d Ncxavdgog 5' 6 KoXoqxoviog iv xacg rXcoaaaig 
rov aQvf.iov ägtov xaX.sT ddgazov, vgl. Hesych dagdrq>' dCvfiq) und dagov 
xal agxov xivsg xov äi^vfxov. 

75) Gegen Fick KZ. 206, der dgafii- auf ^ga[j,-fii- zurückführen und 
mit xgsqxo : xga(p^vai „nähren" zusammenbringen will, spricht auch die 
Tatsache, dass von den vielen Brotnamen, die wir kennen (Schrader 
Keallexikon 111 ff.), kein einziger den ,, Nährwert'^ des Brotes ausdrückt: 
sie gehen vielmehr auf seine Bestandteile, die Art seiner Bereitung, seine 
Form u. ähnl. 



— 73 — 

^^&dfxavTsg ist für TvvQlog doch wohl zweifellos TtvQvog „aus 
Waizen bereitet" oder tzvqvov „Waizenbrot" zu lesen. Die Glosse 
selbst steht zwischen ßaralveL und ßazag: ihre korrekte Form 
wird also ßaxaQa gewesen sein, zumal da das d- gegen den 
makedonischen Dialekt verstösst^^). 

Die von den makedonischen Bauern getrunkene la/.eddiLia' 
vöwQ dXfÄVQOv aXol TtSTtoirjfxevov, o Ttivovoiv o\ zcov May.ed6vojv 
€tyQor/,OL Hes. vergleicht MSchmidt mit der attischen G/.OQod- 
€cXf.i7], einer Salzbrühe mit Knoblauch (Aristoph. Eitter 199 1095, 
Eccles. 292 u. sonst), und schlägt vor, -dfia in -a^f/a zu ändern. 
Diese hübsche Vermutung ergänzt Fick KZ. 211 dadurch, dass 
er im ersten Gliede der Zusammensetzung das attische UKtd^og 
„Mehl, Brei von Hülsenfrüchten" sucht und lay,€d-d(l)jiia mit 
„Graupenlake" übersetzt. Mag damit auch nur die Eichtung an- 
gedeutet sein, in der man die Bedeutung von AaxeJ- zu suchen 
hat: jedenfalls zeigt dieser Versuch, dass wir auf eine Deutung 
•des Wortes aus dem Griechischen nicht zu verzichten brauchen. 

Deutlicher verrät der Name eines zweiten Trankes seine grie- 
chische Abstammung. In der herrenlosen Glosse qovßoxog' 
^6q)r]ua Hes. entspricht der Stamm ^017?- nach speziell make- 
donischem Lautgesetze dem im Ablaute zu Qocp- stehenden gemein- 
griechischen Qvq)''^'^) in tQvq)ov' oir/, f ^(»o^i^aa Photius s. v., qvcfko 
(Hoffmann GD. III 289). Ungewöhnlich ist das Suffix: im 
Griechischen sind sonst nur Verbalabstrakta auf -BTog zu belegen 
{vLffBTog^ verog, zo/rfirog, TtaysTog u. s. w.) ^s). Sollte -orog aus 
-erog durch Assimilation des e an die Vokale der Nachbarsilbe 
entstanden sein (wie z. B. oßolog aus oßeXog, TQiojßoXov neben 
tl^awßeliov vgl. JSchmidt KZ. XXXII 321 ff.)? 

Am Schlüsse dieses Abschnittes mag ein Landesprodukt, das 
mehr zur Körperpflege als zur Nahrung diente, erwähnt werden. 
Das Öl setzte im Kruge einen trüben Bodensatz ab: ßaßg^v 
vTtoazaoig iXalov xara May,ed6vag Hes. Da ßccTt-TO) (ßaq)-) auch 
in der intransitiven Bedeutung „untersinken" gebraucht wurde 



76) ä^dgr) „Brei aus Spelt- oder Waizengraupen" ist jedenfalls fern 
zu halten, da sich dies Wort schwerlich von lat. ador „Spelt" trennen 
lässt. 

77) Über das für v = w geschriebene ov vgl. oben S. 16, Anm. 12. 

78) Mit ßiorog und ägozog lässt sich ^ovßotog selbstverständlich nicht 
vergleichen. 



— 74 — 

z. B. rj vavg l'ßaipsv Euripides Or. 706^^), so lässt sich ßoLßqr^v 
einwandsfrei auf diesen Verbalstamm zurückführen. Ebenso nahe 
liegt freilich der Vergleich mit ßaßvag- ßoQßooog, Ttt^Xög Hes.^ 
und in diesem Worte kann ß nicht aus q) entstanden sein: denn 
seine Heimat war nach dem Etymol. Magn. 186, 1 Tarent^o). 

Landvermessung. 
Die Grenzscheide zwischen dem Ackerlande zweier makedo- 
nischen Gemeinden war durch a'/,QOvvol' oqol vtco Mayieöovwv 
Hes. festgelegt: als „Spitzen" {ccäqovvo- aus aÄQ-wvo-, abgeleitet 
von dvLQog) ragten diese über die ebene Fläche des Feldes her- 
vor. Dasselbe Suffix in der kürzeren Form -cor- mit dem gleichen 
auf Makedonien und Thessalien beschränkten Wandel von co in 
ov zeigt die unmittelbar vorhergehende Glosse ayiQOvv <)Qovg 
yiOQvq)7^, rj ogog (wohl ogog). Auch sie darf deshalb mit grosser 
Wahrscheinlichkeit als makedonisch angesehen werden ^i). 

Zahl. 
Ein unbekannter, aber offenbar zur alexandrinischen Schule 
gehörender 82) gelehrter Dichter hatte den auf Apollo gehenden 
yqicpog verfasst (Athenaeus X 455 d): 

^Ev (Daveqa yevoixav^ naxqav öe ^ov aXfxvQOv vÖwq 
a/LKflg l'x^i' (.ir^Tiqq d^ egt ^AQid^(.ioio Ttaig. 
Athenaeus fügt die Erklärung hinzu: (Darequ ^iv ovv XiyEi 
%ü Jiq'kajy rjrig iub S-aXaaarjg 7iEQd%exaL, f^nqTrjQ ö^ r^ uiriTtOy 
ri^Lg Kolov egtI d^vycLTriQ. Ma^Aedoveg de tov agid^/nov tloIov 
TtQOGayoQBvovGi. Einen Wortstamm, der den Lauten und der 
Bedeutung nach sich ohne Zwang zu diesem yiolog stellen Hesse, 
besitzt das Griechische nicht, wohl aber der baltisch -slawische 



79) Ebenso altn. kvefja, kefja „eintauchen" und „untersinken", vgl. 
ags. cvabbe „Sumpf. 

80) In den von Gaisford benutzten Handschriften lautet die Glosse 

ßaßvxag M, ßaßvag P, ßaß'Cag D. In V fehlt sie, ebenso wie im Etymo- 
logicum Genuinum (Miller Melanges 60). 

81) Wenn auch oQog und ogog leicht verwechselt werden konnten, so 
wäre es doch übereilt, die von Hesych für das makedonische äxgovvoi 
gegebene Erklärung auf ein missverstandenes dxQovvog- ogog (Berg) zu- 
rückzuführen. 

82) Eustathius 1558, 3 ff, der das Distichon in gewöhnlicher Sprach- 
form anführt, bemerkt: {jiegi 'Ajiölkoyvog) aiviyfj,a q)sgsxai ioixog roTg Seo- 
xgiTOv oxXfjgoig. 



— 75 — 

Sprachstamm: altbulg. cUq cisti „zählen, rechnen^', lit. skaityti 
„zählen", altbulg. öislo „Zahl", lit. skaitlius „Zahl" ^3). 

Arzt. 
Um das nach einem Stiche oder Hiebe hervorquellende Blut 
zu stillen, legte der makedonische Wundarzt rund um das Glied 
eine feste Binde, die den Namen dcoga^ führte, vgl. dwqa^' 
GTtlTjv. vTto Ma'/.eö6v(x)v Hes. ^% Schon Sturz 38 vermutete, das» 
dieses "Wort dem gemeingriechischen d^coqa^ entspreche, aber erst 
FiCK 00. 721 hat die Bedeutung beider Worte vermittelt. Das 
erklärende öTtXiqv ist bei den Ärzten der Name für einen festen 
Verband bei Wunden, Brüchen etc., vgl. Hippokrates III 496 
LiTTR]^ (iteql ayixciv) STtdvio öe Tovg olvrjQOvg GTtXrivag iq UQia 
QVTtaga EmdeovOLv, und gleich darauf 'Aal OTtXiqveoiv olvr^golatv 
rj elgloiac Qv/cagöiGL d^eqaTzevovöiv; VII 34 Littb:^ {tibqI vov- 
öfjjv II) TjV de 6z Tcov Qivcüv QSTjf xa^ anoöaito) Tag cpXißag rag 
iv xdiGL ßqaxioöi '/.al ev tölol 7,Q0Td(p0Lac, OTiXijva VTtOTi&elg. 
Über die Form der OTiXijveg verbreitet sich ausführlich Galen in 
seinen vTtoixvrifxaxa zu Hippokrates (XVIII, Teil II, S. 821 bis 
824 Kt^HN): es heisst da z. B. lo de Ttlrjd^og rcov 07vXr]vcov to- 
aovTOv, cpT^alv, eivai xqrj, cog ev mrAXctj 7t€Qilriq)&rjvai to em- 
öovfj^evov Tialov. Solche rund um ein Glied gelegten Verbände 
sind nicht allein von den Makedonen „Panzer" genannt worden. 
Galen beschreibt unter den htideöna (XVIII, Teil I, 81 6 ff.. 
Kühn) eine um Brust und Rücken laufende Binde, die wegen 
ihrer Ähnlichkeit mit einem d^coga^ diesen Namen führte, und bei 
Hesych wird ^coga^ durch egeä arefxfiaza „wollene Binden" er- 
klärt. Da dem Sanitätskorps des makedonischen Heeres auch 
Griechen angehörten (Arrian Anab. II, 4, 8), so wäre es nicht 
unmöglich, dass öcoga^ nur die makedonische Aussprache des von 
griechischen Chirurgen gebrauchten Wortes d^coga^ war. 

Tod und Grab. 
Der Tod hiess bei den Makedonen öavog, vgl. Plutarcb 
Mor. 22 C ddvov ydg Ma/,€Ö6v€g tov d^dvaxov yiaXovoi. Ein 

83) Das -t' braucht nicht stammhaft gewesen zu sein: es kann,, 
wenn die eigentliche Wurzel {s)kei- : {s)koi- : {8)kt- war, in dem ^-Präsens- 
ki-t-ö „ich zähle" oder in einem der Nomina ki-tös „gezählt", koi-tos koi- 
tlos „Zahl" seinen Ursprung haben, vgl. ßXaoxsXv, djuagzeTv, dvvreiv neben- 
dvveiv u. ähnl., ferner die litauischen Praesentia auf -stu. 

84) Die Glosse des Cyrill dcbog- onXrjv scheint verderbt zu sein. 



— 76 — 

von diesem Nomen abgeleitetes makedonisches Verbum daviw 
oder davoo) mit der Bedeutung „töten" bezeugt Hesych: öavcov 
y,aÄ,07toL(jjv, Titslvcüv. Ma-'/ceSoveg^^). Ausserordentlich verlockend 
ist die Vermutung Ficks, dass in maked. ddvog der neutrale o- 
Stamm *d-dvog erhalten sei, den das Griechische sonst nur noch 
in den Adjektiven homer. öio-d^aviqg, d^i-&av^g u. a. aufweisen 
kann. Nach der Überheferung des Plutarch war ja allerdings 
ddvo-g oder ddvo-v ein Verbalabstraktum auf -o- (wie ßlog, y,Tv- 
Tzog u. a.). Doch ist es leicht möglich, dass Plutarch oder sein 
Gewährsmann den makedonischen neutralen Nominativ ddvog unter 
dem Einflüsse von ^dvaro-g irrtümlich auf einen o-Stamm öavo- 
bözog 86). 

Die Erde „birgt" ihre Toten: oq)Qtt Tvvd^rjaL ^cavQog, 07tov 
%v&e yata '/,al ovziva ttot^ov eTtlaTxev y 16, ov ovöi '/MT&avovra 
yaia yievd^ei Aeschyl. Prom. 566, wv r^öe /.Bvd^et oio^az ^löaia 
y.6vig Eur. Hek. 325. Die Souoi des Hades liegen vtco 'Keid^eoL 
yaiTjg X 482 co 204, vgl. elg o '/.ev avzög lycjv "Aide '/.evd^co/nai 
^244. Zu diesem Stamme y,Ev&' : y.vd-- stellt sich mit makedoni- 
scher Lautvertretung das Nomen -^vSaq- xacpog Hes. Dieses mit 
dem Suffixe -a^ gebildete Neutrum (Leo Meyer Vergl. Gramm. 
II 1 128 ff.) lässt sich in seiner Bedeutung vergleichen mit homer. 
ul^-aq und eil-aq „Schutzwehr", eidaq „Speise", aXeuf-OLq „Salbe"', 
!^7Jx-(XQ „Hilfsmittel" Aeschyl. Agamn. 186, /x-ag „Loch, Nadel- 
öhr'* u. s. w. 

3. Der Staat und das Heer. 

Stand und Amt. 
In der makedonischen Staats- und Heeresverfassung heben 
•sich deutlich zwei Stände von einander ab: der Bauer und der 



85) Überliefert ist daivdiv hinter ddvog, davor}, ddvza, Sdvvvzo und vor 
8d^a: die richtige Lesung ergibt sich nicht nur aus der alphabetischen 
Eeihenfolge der Glossen, sondern aus Hesych selbst s. v. ocpsdavcov . . . 
akXoi avv^szov slvac in xov ofps xal öavcov, o sori xxeivcov. Auch liegt der 
Ursprung der Korruptel klar zu Tage: das i war als ein nachträglicher 
Zusatz für die vorhergehende Glosse ödvvvro • svwyovvxo — homer. öaivvvro 
bestimmt und geriet aus Versehen in das folgende dav&v hinein. 

86) Wenn das Etymologicum Magn. 247, 49 berichtet: »Savaoi yag 
4)1 vsxQoif rovtsoxi ^tjqoL öavd ydg xä ^rjgd. 'HgaxXeidrjg iv xo) devxsgq) Usgai- 
xcov<s-, so spricht der Gewährsmann nicht dafür, dass wir es mit einem 
jnakedonischen Worte zu tun haben. 



— 77 — 

Adlige, der Ritter, dessen Verhältnis zum Könige durch seinen 
Namen »kralgog« gekennzeichnet wurde. Treffend hat Abel- 
Makedonien 127 ff. ausgeführt, dass kraJQog im Altgriechischen 
nicht etwa mit cpllog identisch war. Im Homer werden die 
Kriegsgenossen, die Gefolgschaften der Könige, die Gefährten de& 
Odysseus und die 2500 Myrmidonen des Achill, Itoiqol genannt. 
Es war die Jugend der freien und vornehmen Geschlechter, die 
dem König auf seinen Fahrten Kriegsfolge zu leisten hatte. Der 
altmakedonische evalgog zog nur als Reisiger zum Kampfe aus. 
Als aber die makedonische Phalanx nach griechischem Vorbilde 
geschaffen wurde, da empfing der freie Bauer, der als Schwer- 
bewaffneter in sie eintrat, den vom staatsklugen Könige neu ge^ 
prägten ehrenden Namen fcet-e'valQog. 

Während das altgriechische Nomen zäyog von den Tragikern 
noch in der ursprünglichen allgemeinen Bedeutung „Anführer^ 
Gebieter" gebraucht wurde (z. B. layog (.ia'/,dQcov Aeschyl. Prom. 
96, rayol JJeqocjv Pers. 24, ovv 6* ^'AdqaöTog ^v zayog Eurip. 
Iphig. Aul. 269), verstand man in Thessalien darunter ein be^ 
stimmtes Amt. Im V. Jahrhundert führte der Bundeshauptmann 
den Titel >->Taydg tw?' OeTTalcov«^"^)] in der grossen Inschrift aus^ 
Larisa (SGDI. no. 345, kurz nach 214 v. Chr.) heisst die offi- 
zielle Stadtvertretung »oe Tayol xat ä Ttohg« (Z. 3. 24) und das^ 
übliche Präskript der thessalischen Stadturkunden ist: »zayevov- 
Tovv ''AQiOTL7C7roi MvaoLaloi^ Tif.iovvog Evöiyteloi xrA.« (die Zahl 
schwankt zwischen 5, 6, 7). Auch in Makedonien bekleidete der 
tayog ein bestimmtes Amt, wie aus Hesychs Glosse 'uayövaya' 
MavieSovr/iT] Tig agx^ hervorgeht. Dürfen wir — da eine Kor- 
ruptel zweifellos vorUegt — mit einer geringfügigen Änderung 
Tay cor ayd lesen {dya zu aycoj -äyog wie dgxa zu a^/w, dQx6g\ 
so haben die Tayol auch bei den Makedonen ein Kollegium ge- 
bildet und sind vielleicht, wie in Thessalien, die „Ratsmannen'^ 
der Städte gewesen. Doch können sie ebensogut einen militäri- 
schen Rang bekleidet haben. 

Ein angesehenes Amt am Hofe Alexanders war der idia-^ 



87) Xenophon Hellen. VI, 1, 8 cvjreTcoff äv iycD tayog ßexzaXwv 
ouravtcov xazaaraijjv wg ys fii^v, Srav Tayevvjrai GsxxaXla, slg i^axtaxdiovg 
fiEv Ol iJiJisvovTsg yiyvovrai, ojiXXxai de jiXsiovg tj fivgiot xad'ioxavxai-, VI, 1,. 
18 xaxv ö' 6 Idacov öfiokoyovfievcog xayog xcöv 0exxa?<.üjv xa^sioxr'jxsi, vgl. 
auch VI, 4, 28 u. 33, PoUux I 128. 



— 78 — 

TQog. In der Literatur wird es nur einmal erwähnt und zwar 
in einem Fragmente des Alexander-Historiographen Chares (Athe- 
naeus IV 171b): Xagrig 7^^^ ^^ ^li 7 '^*^^'' iotoqlcov IlToleinalov 
cpriOL Tov ^WTTJQa iöeaTQOv arcoSsixS-^vai ^^Xe^avÖQOv. Worin 
die Pflichten des edeazQog bestanden, erfahren wir durch einen 
anonymen Glossographen bester Zeit, dessen Erklärung Athenaeus 
in den unmittelbar vorhergehenden Sätzen wörtlich anfuhrt: 
^iXeavQOL de ytalovvzai, wg q^ijoi TlaticpLXog, ol enl Ttjv ßaaiXiy,7]v 
yiaXov weg TQUTietav Tiaqa to eXeov, ^AQvenidojQog ö^ aiTOvg dei- 
TcvoxlrjTogag ovof^dCei. eyidlovv de, (pr^oi^^), 'Aal xovg ftqoyevOTag 
eöeccTQOvg, oti Ttqoiqod^iov twv ßaailetov Ttqog da(pdXeiav. vvv de 
-o edeaxQog htiotaTrig yeyove zrjg oXTjg dia/,oviag. Deutlich heben 
sich in diesen Worten die etymologische Spekulation und die 
schlichte Schilderung des Tatbestandes von einander ab: wer da 
behauptete, dass eöeatgog einstmals „Voresser, Vorkoster^' bedeutet 
habe, der Hess sich dazu ledigHch durch den Anklang an eöwj 
eöe-Of^a bestimmen; in Wirklichkeit war der eSeavQog zur Zeit 
Alexanders der »eTiLozccTrig T^g oXrig Siaxovlag«, der Vorsteher 
des flofdienstes, besonders bei der königlichen Tafel, ein Hof- 
marschall oder Truchsess, der die Oberaufsicht über die Diener- 
schaft führte. Wollen wir heute an eine Erklärung des Wortes 



88) Dass als Subjekt zu q?r]oi aus dem Vorhergehenden 'ÄQzs/nidcoQOi 
^u ergänzen sei (Schwabe in seiner Ausgabe des Aelius Dionysius S. 151), 
ist ganz unwahrscheinlich. Denn Artemidorus , mit dem Beinamen 6 
'AQiazo(pdvsiog , schrieb seine orpagtvtixal yXataaai im I. Jahrh. v. Chr. 
(Wentzel bei Pauly-Wissowa II 1331) : er könnte also niemals vvv ds 
gesagt haben. Die Quelle des Athenaeus stammt aus viel älterer Zeit. 
Benutzt wurde sie von Aelius Dionysius, den wiederum Eustathius 1403, 
40 ausgeschrieben hat : s?< rov avxov ds Qrjfxarog (sei. eösiv) xai 6 jiagä 
AiXicp Aiovvoicp idsaxQog' jtsqi ov Xsyei sxeTvog, ort ro [xev övo/xa 'EXXrjvixov, 
^ 8s XQ^^^ nsQOLXTj. rjv 8s, (pr]oi, JiQoysvoxTjg , jiqoso^icov rov ßaaiXscog slg 
^acpdXsiav. voxeqov 8h (entsprechend dem vvv 8s des Athenaeus) ivofica^t] 
sSsazQov xaXsXv tov ijicordrrjv r^g oXrjg 8iaxovcag xai JiaQaoxsvrjg . Auch die 
Erklärung des Etymologicum Magnum 315, 37fiE'. geht in ihrem ersten 
Teile deutlich auf Aelius Dionysius zurück, in ihrem zweiten vielleicht 
auf das rhetorische Lexikon des Pausanias (Heyden Leipz. Stud. VIII 
208): s8saxQog' ro fxsv ovof^a 'EXXrjvixov, rj 8s XQV^^^ JJsQOixrj. ^v 8s jiqo- 
ysvarrig ro jiqcotov xal Ttgotja^cs rov ßaocXsoyg slg doqpdXsiav , vorsgov 8k 
ivof^la-d't] s8sarQov xaXsTv rov sjiiardrtjv rfjg oXtjg 8taxoviag xal Tiagaaxsvrjg. 
ovrcog slg ro jiQÖHrov Xs^ixov. sv 8s reo 8svrsQcp svqov ovra>g- s8sargog 6 sszi 
rcöv i8o)8tf4.o)v (überl. 8i8vjucov) xal rfjg roiavrrjg Tiagaoxsvfjg . ^roQixrj. 
Vgl. auch Hesych s8sarQog' JiQoysvortjg ßaocXscog. E7ii(i,sXr}rr]g 8sijivov. 



— 79 — 

herantreten, so versteht es sich von selbst, dass wir von diesem 
realen Inhalte des Amtes und nicht von der antiken Etymologie 
auszugehen haben. Dass diese verfehlt ist, liegt auf der Hand: 
ein primäres Suffix -azQog hat es unseres Wissens weder im Grie- 
chischen noch sonst wo gegeben, und wenn wir es wirklich den 
Makedonen zugestehen wollten, so wäre ids-aTQog immer nur der 
„Esser^', aber niemals der „Voresser^^ Als männhches Nomen 
agentis kann sich idia-TQog am ehesten dem alten homerischen 
irj-TQog (aus iä-TQog) vergleichen. Wie dieses von la- „heilen" 
abgeleitet ist, so setzt s-Sea-TQog notwendig einen zweisilbigen 
Verbalstamm dea- voraus. Ihm entspricht Laut für Laut ein 
griechischer Stamm, dessen Bedeutung uns leicht zu dem Namen 
des makedonischen Hofamtes hinüberführt: nämlich d^ea- in ^ed- 
ot^im „betrachten, schauen". Auch ohne mit einer Präposition 
zusammengesetzt zu sein, wird dieses Verbum von der „Musterung" 
durch einen Vorgesetzten gebraucht: ^eaad^evog to OTQcixevfxa 
Xenophon Cyrop. V, 5, 1. In der Regel freihch sind die Verba 
des „Schauens", wenn sie den engeren Begriff des „Führens einer 
Aufsicht" bezeichnen, mit der Präposition tTti verbunden: vgl. 
icp-OQccco, eq)-OQog, homer. 87tl-ovQog, e7tl-oy.oftog. Sollte sie in 
dem anlautenden «-, das zum Verbalstamme selbst nicht gehören 
kann, zu suchen sein? Dann müsste zunächst stvI vor konso- 
nantischem Anlaute zu stv verkürzt und dann das jt dem folgen- 
den Dentale assimiliert sein. Dieser Wandel von sttI ist nur für 
einen einzigen griechischen Dialekt, den thessalischen, sicher be- 
zeugt: €T xd aus Inl xdi, st toi aus eftl toI vgl. Hoffmann 
Griech. Dial. II 388. Da nun das Thessahsche zugleich der ein- 
zige Dialekt ist, der auch die Präposition afto vor dentalen Kon- 
sonanten zu ccTt > ccT verkürzt, und da es darin gerade allein 
mit dem Makedonischen zusammengeht (s. unten S. 103), so ist 
auch die Apokope von stvI und die Assimilation des tv an ein 
T- oder ö- als makedonische Lauteigentümlichkeit zu erwarten. 
Ob in kö-dia-TQog = gemeingr. eTtL-d^ea-TQog „Aufseher" das -öS- 
lautgesetzlich zu -ö- vereinfacht werden konnte (vgl. die Bemerkung 
zu maked. dßXor^ aus dß-ß%6iq = djtoßlve auf S. 100) oder ob 
das einfache -d- lediglich auf der griechischen Auffassung des 
Wortes, sei es der akustischen oder der etymologischen, beruhte, 
werden wir nicht entscheiden können — und wollen. 

Der öaiTag {dairag' fAegiOTog, wg oi Mayiedoveg g)aalv 



— 80 — 

Cyrillglosse, von MSchmidt angeführt zu öalrag' /nsQiatag 
Hesych) kann ein „Schiedsrichter^^ oder „der Vorschneider^^ der 
könighchen Tafel gewesen sein: denn das erklärende f^iegiarrig 
wird im Vulgärgriechischen in beiden Bedeutungen gebraucht 8^). 
Wenn in Athen von zwei Männern, die ein gemeinsames 
Besitztum hatten, der eine die Aufteilung desselben wünschte und 
der andere sie verweigerte, so konnte jener beim Archon einen 
Prozess »elg öatr^iwv aiqeötv« anhängig machen, vgl. Aristoteles 
'Ad^iqv. IIoUt. ed. Kaibel-vWilamowitz^ 63, 9if. yQacpal (5[f xat 
S\iyML XayyävovxoLL Ttqog avrov (tov ccqxovto), ag avaKQivag elg t6 
öixaGTtjQiov €lod[y£i] . . ., elg öaTTjTiov aigeoiv, kav rtg ju^ ^^^J] 
'AOLva [xa ovza v€f.t£od]ai^^). Dass solch ein öairjTijg in griechi- 
schen Staaten auch dairäg hiess, darf man wohl aus dem Heroen- 
namen Jahag schliessen. Ihn führte der Vater des delphischen 
Priesters Machaireus, der den Neoptolemos erschlug (Asklepiades 
im Schohon zu Pind. Nem. VII 62). In der Troas wurde nach 
dem Zeugnisse des Demetrius aus Skepsis ein Heros JaL- 
tiqg^^), den auch Mimnermos erwähnte, verehrt. Freilich stellt 
Athenaeus ihn mit verschiedenen giiechischen Heroen, die nach 
Verrichtungen und Vorgängen bei der Mahlzeit benannt waren, 
zusammen; er leitete also seinen Namen von ödig, dal-Tti, dai- 
Ti;g „Schmaus" ab. Gegen diese an sich möghche und von Usener 
Götternamen 256 gebilligte Erklärung spricht ein zweiter Heroen- 
und Göttername, in welchem -öakrjg nur die für das Makedo- 
nische bezeugte Bedeutung haben kann: ^laodahrjg' '"YneQeidrjg 

89) „Schiedsrichter" bei Harpokratio (vgl. Anmerk. 90) und 
Lukas Ev. XII 14, öiddoxals, sijie r(p ddslq?(p fiov (xsQioao^ai fier' sfiov rrjv 
xXrjQOVOfziav. 6 öh sTjiev avx(p' äv&QWjie, rig fie xaxiaxrjoEv xgirrjv r} ^eqioxtjv 
k(p vfA,äg. Ebenso werden des Aeschylos Worte jiaxQ(pcov xQrjfxdxfov daxrjQioi 
Sept. 694 vom Scholiasten des Laurentianus M durch »fAsgiaxai« erklärt. 
„Vo r schnei der" : daixgog' /nsgiaxi^g, fxdysigog, 6 ötaigcöv eig iXdxtoxa xoTg 
iaxicofzsvoig Cyrill (MSchmidt Hesych IV 317), SaixQoi- fisgioxai Hes. 

90) Breiter bei Harpoeratio s. v. daxsTo'&ai, x6 fj,eQi^sa-&ai' ol de Sa- 
xrjxal oiovsl fiegiaxai. T6 de slg öaxtjxcöv atgsoiv eiöög xt dixrjg eaxiv. 
'Onöxs yäg xoivcovotsv xivsg dXXi^Xoig, xal ol fisv ßovXoivxo öiavsjuea^ai xd 
xoivd, Ol dk (x-q, idtxdCovxo oi ßovkofzsvoi xoXg fitj ßovXofievoig , Jigogxakovfievoc 
elg daxrjxclyv aigeoiv. Avoiag ev x(p Jtgog 'AXe^i8r}fA.ov, el yvi^oiog, xai Agiaxo- 
xikrjg ev xfj 'A^ijvaicpv oioXixeia. 

91) Athenaeus IV 174 a 6 8' avxdg (seil. Ai^firixgiog 6 Sxrixpiog) loxogeT 
xdv Tft} xexdgxcp xai elxooxip xfjg avxrjg jigay/j-axeiag (seil. Tgoy'ixov 8iax6a/nov) 
Aaixtjv rjgcoa xtfiwfievov Jiagd roTg Tgoiolv, ov fxvfjf^oveveiv Mi[A,vegfiov (Fragm. 
18 ed. Bergk Poet. Lyr. II* 32). 



— 81 — 

8v TCü vneq (DQivrig. ^eviyiog zig öal^iojv, tu za ör^f.uü6r] yvvaia 
Aal Lirj rtdvv OTiovdcäa ETslev Harpocratio s. v. Götter der Unter- 
welt scheinen besonders dieseii Namen geführt zu haben: vgl. 
Hesych s. v. ^iGoöaiTrjg' V7t ivicov 6 niovTcoVy vno ö^ aklcov 6 
nlovTiovog v\6g, Plutarch de el ap. Delph. 9 pag. 389A Jiovvaov 
y.al Zaygea xal NvatsXlov Aal loodaiTiijv avTOv ovof.idtovoiv. 

In der Bedeutung von dai-TQog „Zerleger des Fleisches" ist 
daixag aus der lakonischen Zusammensetzung AQEco-daixäg bekannt 
(Pollux VI 34 VII 25 Plutarch Lysand. 23 Ages. 8 Quaest. Conv. 
II, 10, 2 pag. 644 ß). Das Simplex glaubte ein alter Erklärer 
in einem bei Porphyrius de abst. IV 19 erhaltenen Chorliede 
aus den KqiJTeg des Euripides (EVagm. 472 Nauck^) zu finden: 
dyvov Ö8 ßiov Tslvoi^iev ^a) |^ ou Jibg ^löalov /.ivorrig yevoiiirjv 
Aal ^2) vvATLTCoXov Zayqhog ßovzag ^^) zag % io\xo^>dyovg öalxag 
xeMoag /hi^tqI t ^Ogela ^5) Saöag dvaoyßiv -Aal Kovqtitcov ßccAxog 
sAl^S^riv bauod^eig. Auf diese Stelle bezieht sich die Hesych- 
Glosse a)(.iocpdyovg dalvag' rovg xd cü(.id -Aqea ^leqitovTag 'Aal 
lo&lovvag. Dem Unglücklichen, der diese Deutung verbrochen 
hat, schwebte offenbar das lakonische -Agsco-daiTag vor Augen. 
Das entschuldigt ihn aber nicht: was er schreibt, ist so unsinnig, 
dass es fast scheint, als sei ihm der ganze Zusammenhang gar 
nicht gegenwärtig gewesen. Die Bedeutung der Worte ist ja 
völlig klar und von Reitzenstein Epigramm und SkoHon 208 ff. 
eingehend dargelegt worden, öalxag kann nur der Akkusativ zu 
dalxeg sein: die coLiocpdyoi dalieg sind „Mahlzeiten, die im Ver- 
zehren rohen Fleisches bestehn", ihre Feier bildete einen Teil 
der Weihen der ßovAoloi oder, wie sie Euripides hier nennt, der 
ßovxai. Um so befremdlicher ist es, dass sich Bergk Poet. Lyr. 
II* 32 durch die Hesych-Glosse dazu hat bestimmen lassen, das 
überlieferte richtige xag x in xovg zu ändern und dass Nauck^ 
ihm darin gefolgt ist^^). 



92) Nauck vermutet rsivcov. 

93) xat [xij vvxtinoXov überl. 

94) So DiELs Deutsche Lit.-Zeit. 1889, Sp. 1081 für das überlieferte 
ßgoviäg oder ßQoxag cod. Lips. 

95) ÖQiodädag überl. : 'ÖQeia Scaliger, 'Ogsico Nauck. 

96) Wenn Keitzenstein, obwohl er von den *difio(pdyoi daXxsg<s. spricht, 
aus Nauck* den Artikel rovg herübernimmt, so ist das offenbar ein Ver- 
sehen, das er mit Dieterich de hymn. Orph. 11 teilt. 

Hoffmann, Makedonen. 6 



82 



Recht und Busse. 

Wenn der eben besprochene dalzag als Vorschneider, gleich 
dem eöeaTQog, ein Hofamt während der Tafel bekleidete, so ist 
unter den ausdrücklich als makedonisch bezeugten Worten kein 
Rechtsbegriff vertreten. Doch können zwei herrenlose Glossen 
des Hesych, in denen dialektische Formen gemeingriechischer 
Rechtsausdrücke enthalten sind, wegen ihrer Lautform nur make- 
donisch gewesen sein. 

Die als Sühnung eines Verbrechens festgesetzte Geldbusse 
hiess bei allen griechischen Stämmen von ältester Zeit an ^coa 
oder d^ojiccy vgl. ^coriv iTtid^TJaoinEv ß 192, aQyalerjv d^cotjv aXeeLvev 
^A%auov iV669, d^öav e7tißalei[v] CIA. I 57 b 4 (vgl. Meisterhans 
Gramm. Att. Inschr.3 66 no. 9 und 10), lokr. ÖLnlei ol d^oji 
eoxö Samml. Griech. Dial.-Inschr. 14799, delph. d^weovrcov, d^wlaoig 
ebenda 2561 Di9. 23, ^wltj Archil. Fragm. 109. Im Makedonischen 
musste das Nomen dcod oder dwid lauten, und beide Formen 
sind bei Hesych überliefert: die zweite in doiar ovo. rj dUai, 
die erste in dwäi (überl. öwal)' öiytaiwgj boicog. Die Erklärung 
dieses Dativs lässt sich auf die gemeingriechische Bedeutung von 
■&a)d unmittelbar zurückführen: aus der Phrase ^coocl xqW^''^^ 
dTcoTLvaiv „zum Zweck der Busse ^'^) Gelder zahlen" wurde ^coäi 
allgemein auf Handlungen, zu denen man durch Recht und Billig- 
keit verpflichtet war, übertragen. 

In den an ordnungsmässiger Stelle überlieferten Glossen 
öerifj.og' vofxog ^ öeof^og und öeofievog- vofxog. dea/aog sucht 
M Schmidt Philol. XX 354 mit Recht die verderbt überlieferte 
makedonische Form des gemein griechischen ■d-eo/.wg „Satzung'^ 
Diese wird aber schwerlich öeainog gelautet haben: denn dann 
könnte an zweiter Stelle dieses Wort nicht gut als Erklärung 
gebraucht sein. Wahrscheinlich war das makedonische Nomen, 
gleich dem dorischen xe-^fxog : 3-e-d^^6g^% mit einem anderen 
Suffixe als att. d^a-Ofiog (und de-a/x6g) gebildet. 



97) Mit 'd'coaZ lässt sich als Dativ des Zwecks am nächsten das 
attische Jtgoixi ,,zur Mitgift" in der Wendung olxia aTcoxexifirjfxevrj tiqoixi 
CIA. II 1132 vergleichen (Meistekhans ^ 210 Delbrück Vergl. Synt. I 
303). Der homerische Dativ öixr] „mit Fug und Eecht" W 542, an den 
man bei "^coäi zunächst denkt, ist nicht Dativ, sondern Instrumentalis. 

98) Delph. rs'&f^ög Samml. Griech. Dial.-Inschr. 2561 Ci9, boeot. rs- 



83 



Das Heerwesen. 

Als die makedonischen Könige ihr Heer nach griechischem 
Vorbilde neu organisierten, verstand es sich von selbst, dass für 
die Heeresabteilungen und Chargen im allgemeinen Namen aus 
der griechischen Umgangssprache des IV. Jahrhunderts ^^) gewählt 
wurden. Auch Worte wie ßrn^iaziOTT^g, aQyvQccGTtidsgj TceChaiQOi, 
Sif-iccyai ^00)^ die zuerst im makedonischen Heere gebraucht worden 
sind, hätten ebenso gut von einem griechischen Strategen geprägt 
sein können. 

Nur wenige Ausdrücke zeigen so deutlich eine dialektische 
JFärbung, dass sie echt-makedonisch gewesen sein müssen. 

Da es nicht zu entscheiden ist, ob die tayol der Makedonen 
(s. S. 77) im Heere oder in der Stadtverwaltung eine leitende 
Stelle einnahmen, so ist der oycolSog, der Führer der Bagage 



§fiio) 488165. 169. 172. 175, Ts^fiorpovXaHcov 488 178, Xuthiasinschr. -^s-^f^ov 
4598a 8 bii, argiv. -^e^/növ Isyll 3342 12, lokr. ■&s^/iiiov 147846, elisch ^s- 

'&Tju6v 11543. 

99) In -^ ixsQoÖQOfiäg, bezeugt durch eine Inschrift aus Olympia 
(DiTTENBERGER Sjll. I^ no. 156: Baadscog 'Ah[^dvÖQov} •^fisQodgöfiag xal 
ßrjlxaxKJxrjg rrjg 'Aaiag ^dcoviörjg Zcotrov Kqrjg XsQOOvdaiog dvißrjxs Au 'OXvfx- 
jtloi), ist nur das ä der Endung makedonisch: denn im Suffixe stimmt 
4a8 Wort mit ^jusQodgofirjg Hdt. VI 105 (vulgär rjfisQoÖQOfiog) überein.* 

100) öifzdxcit . . • Pollux I 132 ^v ös ri xal stsqov eldog Ititiscov, öi- 
ILidxat, 'AXs^dvÖQOv ro svQtjfxa, xovcporsQav ne^ov OTtXizov xal ßagyrigav iTtJiecog 
s'xovrsg oxsv^v, s^rjoxrjfisvoi Tigog ä/nqpco, xal xrjv ix yrjg xal rtjv d(p Xnnov 
lidxYiv xxX. Vgl. Hesych difxdxai' ol IsyofAsvot äfiiJtTioi, oirivsg örs fisv ns^fj, 
öxs ÖS ecp iJtTtcov fidxovxai. Dass eine bestimmte Truppe im makedonischen 
Heere diesen Namen führte, bezeugt auch Curtius V, 13, 8: itaque de- 
lectis equitum sex milibus trecentos quos dimachas appellabant adjungit; 
dorso hi graviora arma portabant, ceterum equis vehebantur; cum res 
locusque posceret, pedestris acies erat. Wenn Diodor V, 33, 5 von den 
Keltiberern sagt »Si/ndxai ö' ovxsg {di^dxaiQoi überl.: von A in di/zdxai, 
von B in dvafiaxoi geändert), sTtstSav djio xcöv ijijicov dycpviadfzsvoi vix^acooi, 
xaxajirjöcövxeg xal xtjv xcöv JisCcöv xd^iv (xsxaXafxßdvovxsg d^avfxaoxdg Tioiovvxai 
udxag<^ (vgl. Polybius Fragra. 95 Hultsch nach Suidas s. v. i'öiov und 
KsXxißfjQsg), 80 bedient er sich damit eines militär-technischen Ausdruckes, 
der ihm aus den Alexander-Historikern bekannt war. Was die Form be- 
trifft, so sind Zusammensetzungen mit -fidxäg, ion. -fidxrjg „kämpfend" 
(für das gewöhnliche -fzdxog) in der griechischen Poesie und Prosa nicht 
selten, vgl. Blaydes zu Aristophanes Acharn. 570: z. B. dxa/uavxofzdxac 
viol Pind. Pyth. IV 171, Maga^oyvofidxai Aristoph. Acharn. 181, ojtXo- 
iidxr}? Plato Euthydem 299 C, fxovo/itdxvs 'Axxixoi Moeris 203 Bekker. 

6* 



— 84 — 

und des Proviants, der einzige Offizier mit echt-makedonischem 
Namen. Über die Bedeutung des Wortes ist schon oben S. 19 fF. 
gehandelt worden. Hier beschäftigt uns nur seine Erklärung. 
Nach Pollux ist ozotöog gleichbedeutend mit oxevocpvXa^ und 
o'AevioQogj zwei Worten, die „Hüter, Wächter des Gepäcks" be- 
deuten. Also wird auch OTioXöog, wie Cighoeius treffend be- 
merkt, nicht ein Simplex, sondern eine Zusammensetzung sein, 
deren erstes Glied dem a^evo- und deren zweites Glied dem 
-qivXa^, -(OQog in der Bedeutung entspricht. Damit ergibt sich 
aber die Auflösung in gao-Flöo- ,,aufs Gepäck sehend" von selbst. 
-ßidog „sehend" ist ein ganz regelmässiges Verbalnomen vom 
Stamme JFiö-^^'^) wie -f.ia.xog von (xax-^ -(pccyog von cpay-. Dass 
JFLÖeiv, Fideod^ai die Bedeutung „mustern. Überschau halten (z. B. 
vom Hirten)" haben kann, ist gerade aus der älteren Sprache 
bekannt: ich erinnere nur an (J 411 fpwAccg ixev tol TtgcoTOv 
aQi&fj^T^aeL 7.al erceiOLv (ÜQCOTevg)' avtag enr^v Ttaoag 7tef.i7tda- 
asTat tjöe l'örirai^ ke^evai ev f-door^oi, vofievg (Lg Ttweoi fiT^lcov. 
Die lautliche Erklärung des ersten Gliedes der Zusammensetzung 
ist leichter, als sie beim ersten Blicke erscheint. Denn auf dem 
Boden griechischer Lautgesetze führt uns ein betretener Weg 
ohne jeden Anstoss von oxevo- zu axo- hin. Standen die lU'- 
sprünglichen Lautgruppen -ovo-, -evo-, -ava- vor einem Vokal^ 
so Wieb im Griechischen nach dem Ausfall des ö der Diphthong 
erhalten, wenn er betont war, büsste dagegen in tonloser Silbe 
das V ein, vgl. Solmsen IF. VI Anzeiger 154: av^ovco aus aköu- 
siöj aber ci'/.OTq, a/,iq/,oa aus akousd, akdkousa\ avog „dürr" = lit, 
saüsas, aber tovog „des Ohres" aus *oarog und dies aus *ova- 
aiog vgl. got. aus-in-s (Gen.), lit. aus-\s (Nom.) u. s, w. Da nun 
o'ABvog nur aus skeus-os entstanden sein kann, so musste in einer 
alten Zusammensetzung, in der ozevo- als erstes GHed unbetont 
war, sich lautgesetzlich schon in ältester griechischer Zeit die 
Form oY.eo- ^^^) entwickeln. Das so entstehende oyieo-ßiöog aber 



101) -fi8, -fiöo „wissend" in vrj-i'S-, 7ioXv-i8og, ved. hoträ-vid- „der 
sich auf die Anrufung verstellt" u. s. w., bleibt besser fern. 

102) Belegt ist diese Form im Griechischen erst von dem III. Jahrb. 
V. Chr. an: oaeod'i^xa aus Korkyra Samml. Griech. Dial.-Inschr. 3195 bi^ 
(III. Jahrh.) und oaeocpvXaxa Flinders Petrie Papyri ed. Mahaffy II 
no. XIII 105 (258—253 v. Chr.); dazu die Verba axsd^co, oxeoco, z. B. 
i.-iioxed^eiv auf der eben erwähnten Inschrift aus Korkyra be, xaraoxsco- 
oi]Tai Delphi Samml. Griech. Dial.-Inschr. 19288 (150—140 v. Chr.), ^aa- 



— 85 — 

verfiel dem von WSchulze Ztschr. f. d. Gymnasialwesen XLYII 
164 formulierten Lautgesetze der „Hyphaeresis" : wie veooaög zu 
voooog, Qeo/l^g in Megara zu QozXijg, loQzri „Fest" zu o^r?], so 
wurde OY.eO'Fid6g regelrecht zu ov^,o-ßid6g verkürzt. Jetzt schwand 
J^ (vgl. maked. Aayog aus AaF-ayo^i) und ov^ldog war fertig. 

Eine bevorzugte Stellung unter den Truppenteilen nahm 
das ayr}f.ia ein. So hiess die Garde des Königs, eine ausge- 
wählte EHtetruppe. Sie bestand aus ^toiqol und wurde gebildet 
durch je eine Abteilung der Hypaspisten (to ayrif-ia tcov vrtao- 
jtLOTiov Arrian Anab. III, 11, 9) und der Hetären-Eeiter {xiov 
Ifcniwv TÖ ayri^a Arrian Anab. IV, 24, 1). Eigenthch bezeich- 
nete das Wort denjenigen Truppenteil, der mit dem Könige 
an der Spitze des Heeres marschierte (to '^yovf.ierov), und in 
dieser ursprünglichen Bedeutung wird es uns durch Xenophon 
Aayiedai^i. Hol. XI 9 XIII 6 los) als lakonisch bezeugt. Für 
die von Haase ausgesprochene und von Fick wiederholte Ver- 
mutung, dass die Makedonen ayr^fia als einen technischen Aus- 
druck des Heerwesens von den Spartanern entlehnt hätten, fehlt 
es an einer ausreichenden Begründung. Dass der König in 
alten Zeiten, umgeben von einer auserlesenen Mannschaft, auf dem 
Marsche an der Spitze des Heeres zog, ist eine nicht auf die 
Griechen, geschweige denn auf die Spartaner beschränkte Sitte. 
Und da ayeo^ai „an der Spitze gehen, voraufgehen" ein gemein- 
griechisches Verbum ist, so wird auch ayrjfAa „die Führung" ein 
ursprünglich von allen Griechen gebrauchter und nur zufäUig von 



GxedoaavTog Eresos Hoffmann GD. II 90 no. 1245 (AI). In der Volks- 
sprache wird unbetontes axeo- das Kegelmässige gewesen sein; in 
der Schriftsprache war es durch das betonte oxsvog verdrängt. 

103) XI 9 i^v öe Tiors evsxd rivog doxf} avfi<psQ£iV rov ^ysfiova ds^iov 
XEQag e'xecv, orgetfavzsg x6 äyrjfia im xsQag k^eUrtovai xrjv cpdlayya, eot av 
6 fiev tjysf^cov ds^tog fj , r} 8e ovqo. evcovvfiog yevrjxai. XIII 6 ijieiddv ys fxijv 
riyfJTai 6 ßaaiXsvg, tjv (aev (irjdslg svavxlog q>aivi]Tai, ovdsig avtov JtQoad^sv 
TtOQEvsrai TtXtjv HxiQTxai xai ol jtQOSQSvvcofAEVoi iTmeXg' tjv ös itoxs jnaxt]^ 
oicovxai Eosa^ai, Xaßcov x6 äyrjixa xfjg jiQOixrjg [logag 6 ßaaiXsvg äysi avaxgsyjag 
im SoQV, Eax av yivrjxai iv f^saq) dvoTv (xoQaiv xal SvoTv nolEfxaQxoiv. Haase 
p. 275 will unter äyr]fj.a nur den vor der fioQa stehenden Stab (Polemarchen, 
Lochagen, Pentekosteren etc.) verstehen : doch ist diese Ansicht nicht 
wahrscheinlich, weil sonst bei dem von Xenophon beschriebenen Ein- 
rücken des äyrj/xa zwischen zwei /aöquc die erste fioQa ohne Offiziere 
gewesen sein würde. 



den konservativen Makedoneu und Lakonen erhaltener Name der 
Spitze einer marschierenden Kolonne gewesen sein. 

Ein besonderer Ehrentitel im makedonischen Heere war 
vLyiccTWQ. Am bekanntesten ist er als Beiname des Seleukos. 
Auch ganze Truppenteile, die sich durch Tapferkeit besonders 
hervortaten, führten ihn als Auszeichnung. So wird von Livius 
XXXXIII 19 bei der Erstürmung der Stadt Oaeneum durch 
Perseus eine »cohors regia, quos nicatoras appellant« erwähnt. 
Da er hier, wie Nissen Unters, über die Quellen d. Livius 259 
bemerkt, den Polybius wörtHch übersetzt, so muss dieser das 
Wort schon als festen Beinamen bestimmter Elitetruppen ge- 
kannt haben. Dem Polybius entlehnt Dio Cassius LV 23 den 
Ausdruck und überträgt ihn auf römische Verhältnisse, indem er 
in seiner Aufzählung der Legionen den Beinamen victrix der 
VL und XX. Legion mit vr/,iJTOQeg umschreibt: to {.lev ev Bgev- 
Tavl(^ zf] xaTw to twj^ viArjTOQCov und y,al ol eIaootoI ol xat 
OvaXeQLBLOi 'Aal VLyLv^coqeg dvofxaaixivoi y,al iv BgezTavia t?] 
avo) oweg. Von vrmxwQ war das makedonische Adjektiv viAa- 
TOQLog abgeleitet: zum Andenken an seinen Sieg bei Gaugamela 
nannte Alexander ein benachbartes Gebirge y^viTiarogiov ogog« 
(Strabo XVI 737). 

Seiner Bildung nach könnte das Wort gemeingriechisch ge- 
wesen sein: es ist aber nur als makedonisch bezeugt, während in 
Griechenland selbst dafür die Parallelform viAäTi^Qf att. vLÄ,riTriQ 
(in vLKrjTtjQcog) üblich war^o*). Die Makedonen scheinen die 
Nomina agentis auf -tcoq bevorzugt zu haben: denn sie sagten 
auch aavzcoQ „Retter'' = awziqQ, vgl. die Glosse oavxoQia oben 
S. 11. 

Die Ilen der Hetären-Reiterei werden von Arrian teils nach 
ihren Befehlshabern (Anab. III, 11, 8), teils nach dem Orte ihrer 
Aushebung genannt: ^ e^ ^^Tcolhovlag I 12, 7, ij ^uivd^e^ovola 
II 9, 3. Besondere Namen führen nur zwei: r) XXri r^ ßaaihyirj 
m 11, 8 und ^ Aevyaia y,aXov^evri II 9, 3. Wie der Zusatz 



104) Gegen den makedonischen Ursprung der Glosse vixaxrjQsg' ol 
dxfiatöraroi sv tdig td^saiv Hes. spricht das Suffix. Inschriftlich ist vocar^g 
aus Kreta belegt. In den Schlussparagraphen zu dem Eide, den die 
Epheben [dyüaoc ä^coaxoi) von Dreros leisten mussten, wird eine Persön- 
lichkeit, deren Name nachher getilgt ist, als vixaxrjQ rag dyeXag (Ditten- 
BERGER Sylloge 112 QQ^ 463153) aufgeführt. 



— 87 — 

»1^ 7.alovi.uv7j« beweist, ist Xsvyala ein makedonisches Appella- 
ti vura, das sich auf die Zusammensetzung der Ile bezogen haben 
wird. Wenn auch die griechischen Stämme Xevy- „trauern" und 
Ivy- „winden" wegen ihrer Bedeutung nicht verwandt sein können, 
so ist doch in den Lauten von Isvyaiog nichts Ungriechisches 
enthalten. 

Das wichtigste Stück der Bewaffnung und Ausrüstung 
des makedonischen Kriegers bildete die Lanze. Sie war je nach 
dem Truppenteil verschieden lang und schwer und führte ver- 
schiedene Namen. 

Zum makedonischen Erbteile gehörte die bis zu 16 Ellen 
lange Lanze der von den schwerbewaffneten Fusssoldaten ge- 
bildeten Phalanx, die Gccgioa^^^). Sie wird zuerst von Theo- 
phrast Hist. Plant. III, 12, 2 in einem Vergleiche ^^e) erwähnt 
und kommt dann von Polybius an oft in den Schilderungen der 
makedonischen Kriegszüge vor. Wenn auch die Waffe selbst 
den Griechen fehlte, so ist damit noch nicht gesagt, dass ihr 
makedonischer Name barbarisch war. Freilich führt keine der 
Bedeutungen, in denen der griechische Stamm oag- zu belegen 
ist, ungezwungen zu dem Begriffe „Lanze" i^^). Eher schon Hesse 
sich das Suffix aus dem Griechischen erklären. Ging odgloa 
aus accQiooa und dies aus öaqi-eöoa hervor, so kann das Wort 
als Adjektivum (wie {.leXLri, alyavari) ursprünglich ein Beiw^ort der 
(dxixT^ oder loy^iq gewesen sein und bedeutet haben: „die mit 
einer öaqlg oder mit oaqUg versehene", vgl. homer. ytcoTtTJevT- 
(^i(pog)y 6f.i(pal6eoGa (aamg), ovaToevv- (TgiTtovg) u. a. m. 

Im Scholion A zu Pindar Olymp. IX 86 wird aus dorischen 
Chorlyrikern ein Substantivum xdq^rj mit der Bedeutung „Lanzen- 
spitze" belegt: ol de neql ^'ißvAOv yial 2criol%0Q0v x^^Qf-^^^ ^^^ 



105) Mit einfachem a in den besten Handschriften. 

106) t6 vtpog xov äggsvog {xfjg xQavsiag) dd)ös?<a [.idhaxa nrix^oiv, YiXixrj 
rwv aagiacöv »y fi,syiarrj. Polybius XVIII 29 und 30 gibt als Länge 16 
Ellen an und beschreibt anschaulich, wie noch das fünfte Glied der 
Phalanx mit der Spitze der zum Angriff gesenkten adgiaa vor die Front 
reichte. 

107) Das von Fick KZ. 214 herangezogene aaiQO) „fege" liegt allzu 
weit ab, wie schon GMeyer FJ. 190 bemerkt hat. Die Erklärung 
Hesychs adQia{a)a' 86qv /A,axQÖv, sldog dxovriov ^EXkrjvixov, ajid^ij ßaQßagiHri, 
Maxedövsg bringt uns auch nicht weiter: denn auf das T>ßaQßaQixrj<t. ist 
selbstverständlich nicht viel zu geben. 



— 88 - 

^TtidoqaTLÖa g)aoiv. Auch bei Pindar ist es in yaXAox(xqf.iaq und 
OiöcxQ0%dQf,iag enthalten, vgl. WSchulze Quaest. Ep. 141, Anm. 
2'^^^). Dieses von x^Qf-iä „Kampfesfreude" (OHoffmann BB. 
XXV 108) ganz verschiedene Wort war auch makedonisch: denn 
es bildet das zweite Glied der Zusammensetzung ayxccQi-iov 
avwcpeqri ty^v alyjxriv, 'ÄayxaQiLiov' to ttjv Xoyyrjv avco eyeLV. 
MayLedoveg Hes. (xa/Z- ^.us xat «//., also literarische Quelle!), 
die aus dem Kommando ava xa^^tiäv „hoch die Lanzenspitze!" 
hervorgegangen ist. Das Aufrichten der Lanze w^ar bei den 
Makedonen ein einfacher „Griff" beim Exerzieren *o 9). In der 
Schlacht aber hatte das Emporheben der senkrecht gehaltenen 
occQLoa die Bedeutung eines Signals, wie aus dem Berichte des 
Polybius XVIII 26, 9 über die Schlacht bei Kynoskephalä hervor- 
geht: TiTog ÖS tdlg (pevyovaiv hcof-ievog "/.al -AaxaXaßcjv iv zeug 
VTTSQßoXalg ccqtl Tolg ay^goig eTCißallovoag zag evcovv/Liovg zd^eig 
Twv lyiay.eöovcov, zag /.liv [. . . Lücke von etwa 20 Buchstaben 
in F, vgl. Livius XXXIII 10 . . repente . . . incertus paulisper 
novitate rei constituit signa] STtaozri, zcov 7CoX€f.iiwv ogO-dg dva- 
oxovziov zag oagioag, 07C£q ed^og eoil Ttoielv zdig MaxedoGLv, 
bzav ri Ttagaöidwoiv avvovg tj /^lezaßdllwvtai nQog zovg vjtevav- 
ziovg. 

Im Gegensatz zur odgioa stand der von den leichtbewaffneten 
Fusssoldaten geschleuderte kurze Wurfspeer: das dxovztov. Wie 
bei den Griechen der Name der Waffe gern für den Truppenteil, 
der sie führte, gebraucht wurde (ij doTtlg „die Hopliten", ^ «fx^uij, 

V '^'-^yt^ ^- s. w.), so auch im makedonischen Heere. In der 
Hesychischen Glosse d-^ovziov öoqdziov, f.aY,Qd loyyr}. gayiv 
Ö€ May.eöoveg y,al ozQazEV(j.azog (.itqog ^^ygiavcov ^loXelg kann 
sich das Ethnikon ^loleig nicht auf die zweite Bedeutung »azga- 
zevfAarog i^agog l^ygiavwv« beziehen: diese ist vielmehr zweifellos 
makedonisch gewesen, da die Waffe der '^ygiaveg, die zu den 
leichten Truppen des makedonischen Heeres gehörten, gerade das 

108) Exovzi rdv (ßcl. Tiohv) xaXxoxoLQfxai ^evoi Tgcosg 'AvravoQidai Pyth. 

V 82; rov (sei. TeXafxcöva) x^^^^X^Qf^^^ ^^ noXsfxov dys . . . ev vavolv 
'AXxfiijvag TSJiog Isthm. V 27 ; [xsyaXoxcoXiEg «5 SvQaxoaai, . . . dvdQCov mncov 
xe aidagoxaQ/uäv dai/Liöviai xQotpoi Pyth. II 2. 

109) Arrian I 6, 2 xai xa /Ltsv jigcoxa ia^fiijvsv QiXs^avÖQog) oQ^d 
dvaxsTvac xd dÖQaxa xovg ojtXixag, e'jteixa dico ^vv&^/u.axog djioxsXvai ig jiQoßo- 
Xrjv, xai vvv fxsv ig x6 ös^iov iyxXivai xcöv dogdxcov xtjv ovytcXeiaiv, av^ig de 
im xd dgioxegd. 



— 89 — 

aKoiTiov war; sie werden von Arrian Anab. I, 14, 1 direkt »ol 
^^ygiaveg ol dy,ovviOTal« genannt, vgl. III, 13, 5 ra fAev yciq 
evd^vg cog nQOöecpiqeTO VMTri'/.ovTioav oY re ^ygiaveg ymI o\ ^vv 
BaXa'AQio ay,ovtiGval ol TTQoreTayi^ievoL rijg %7tTCov rcov ^zaiQCOv ^^^). 
In der Bedeutung „Eückgrat" ist ccxovtiov von Fick als dia- 
lektische Form für ay.dvd^iov erkannt worden; denn ayiavd^a (vgl. 
lat. Spina) gebraucht schon Herodot IV 72 gleichbedeutend mit 
Qu/jg. Schwierig ist nur die Frage: welcher Dialekt hat An- 
spruch auf dieses zweite dy,6vTiov? War es auch makedonisch? 
Dann müsste ^lolelg aus einer anderen Glosse hierher verschlagen 
sein. Oder war es äohsch? Dann hätten, wie MSchmidt ver- 
mutet, die Ethnika Ma-aedoveg und ^lolelg ihre Plätze vertauscht. 
Der Übergang von -j^^- in -rr- ist weder äolisch noch make- 
donisch; dagegen Hessen sich für -ov- aus -av- aus beiden Dia- 
lekten Parallelen oder verwandte Erscheinungen aufzeigen. Am 
besten ist es also, zu verzichten. 

Die makedonischen Ritter endlich kämpften vom Ross herab 
mit Stosslanzen, deren Schaft aus Kornelkii-schholz bestand ^^i). 
Die Historiker nennen sie öogara und wir haben nicht den 
mindesten Grund zu der Annahme, dass ihr echtmakedonischer 
Name ein anderer war. 

Wenn Pollux I 139 unter den fHTqxccvif'jfAaTa des Kriegs v^axa- 
TtdXTai MaKedoviKol aufzählt, so hebt er damit nur hervor^, 
welch bedeutende Rolle diese Wurfmaschinen in den Feldzügen 
der makedonischen Könige spielten. Alexander führte sie stets 
mit sich, und es ist sehr wahrscheinlich, dass ihr Wert in Griechen- 
land selbst erst durch die Makedon en allgemein bekannt wurde. 
In Athen werden sie inschriftlich zum ersten Male in den Jahren 
358 — 353 (CIA. II 61 37, yMTa7claTCüv verschrieben aus xara- 
Ttalzcüv) und vom Jahre 330 ab häufig erwähnt. Da die Über- 

110) HDroysen Unters, über Alex. d. Gr. Heerw. u. Kriegf. S. 20 
sieht in den Agrianen Bogenschützen und beruft sich dafür auf Polybius 
V, 79, 6 jtQog de tovrois 'AyQiävsg xal Jlsgaai, ro^orai xal a<psvdovrjxai, diaxi- 
Xioi. Natürlich muss er infolgedessen an der ersten Arrian-Stelle (I, 14, 1) 
für das überlieferte »sxcov rovg exalgovg rovg ijtjiiag xai xovg xo^oxag xai 
xovg 'AyQiävag xovg dxovxiaxdg « mit KrÜGER »toi;? 'AyQiävag xal xovg dxovxi- 
oxägv. lesen. Die zweite Arrian-Stelle erwähnt er ebenso wenig wie die 
Glosse des Hesych. 

111) Arrian I, 15, 5 xal ix xovxov enlsovsxxovv ijdtj oi am' 'A?.s^dvdQq) 
tfj xs aklfl Q(Of^TJ ^«* sfj,7ieiQia xal oxi ^voxoTg xgavstvoig TiQog TiaXxd i/xdxovxo. 



- 90 — 

lieferung, dass die Katapalten zur Zeit des Dionysios I in Syrakus 
erfunden seien ^^^), durchaus glaubwürdig erscheint, so haben die 
Makedonen die Waife selbst und ihren Namen den Syrakusanern 
entlehnt. 

Der ins Feld ziehende Makedone packte seine Kleider in 
einen Mantelsack, den er während des Marsches über seine eigne 
Schulter oder den Rücken seines Rosses hängte, vgl. aoQTrig' 
§i(piOT7Jgf VTcb Ma'/,£d6vcov ayyog öeQ/ndieiov ii.iaTia)v Hes. ^^^) und 
aoQzrjv MyovoLv ol ttoXXoI vvv dßeQzrjvj Ma/iedovLy.6v de '/,al to 
OTievog 'Aal x6 ovo/xa Suidas. Wie ccoqti^q^ abgeleitet von aeiQM 
„aufhängen", als Nomen agentis das „Wehrgehänge" bezeichnet,, 
so sind aoQ „Schwert" und aogra „Felleisen" i^'^) solche Dinge, die 
man aufhängt und trägt. In der Ablautsstufe entspricht d-og-Toly 
dazu doQTrjd^elg „aufgehängt" Archias Mytil. Anthol. Palat. 
VII 6962, als Partizip Pft. zu ci-eQ- griechischen Bildungen wie 
(pOQ-Tog zu cp€Qco, 'Aol-xog zu '/Lei-txaij ßqov-Ti] zu ßgei^w. Da die 
literarischen Belege, die Pollux VII 79 X 137—139 für doQTr^{g) 
in der Bedeutung „Kleid erspint, Koffer^' gibt, sämtUch aus der 
neueren Komödie (Menander, Diphilos, Poseidippos aus Kasandreia) 
genommen sind, so ist es sehr wahrscheinlich, dass die Griechen 
das Wort in dieser speziellen Bedeutung erst von den Make- 
donen entlehnt haben. 

Waffentänze. 
Als die paphlagonischen Gesandten — so erzählt uns Xeno- 
phon Anab. VI, 1, 2if. — dem Griechenheer die friedHchen Vor- 
schläge ihres Königs überbrachten, wurden ihnen verschiedene 
Waffen tanze vorgeführt. Unter anderen erhoben sich nach den 
Thrakern die Aenianen und Magneten und tanzten die sogenannte 
7,aQ7tala: 6 ös rqoTtog xrjg OQxr^aecog r^v o /.liv Tvagad-if-ievog 
tci OTcXa OJieiqBL /.al Cevyr^laTsl Ttvyiva fxezaoTQefpofxevog wg 






112) Diodor XIV 42 xal yäg zo xarajcsXxixov BVQed-rj xaxa rovzov rov 
xaiQov (399 V. Chr.) iv ZvQaxovoaig, Aelian Var. Hist. VI 12 6 de xaxa- 
jieXtrjg evQrjfia ^v avzov Aiovvoiov. 

113) Die Eraendation des überlieferten vtio Maxsdövcov ayyog öeg- 
fidzsiov ifidziov ergibt sich aas Pollux VII 79 xal cpaoxwXovg 8s sXeyov ol 
naXaiol zä zcov ifxazicov dyysTa xal 'dvXdxovg. 

114) Ein Femininum dogza ist mir wahrscheinlicher als ein mit 
doQzi^Q gleichbedeutendes Maskulinum d-og-zä-g, das als Nomen agentis- 
„den zum Aufhängen der Kleider dienenden Sack" bezeichnen würde. 



— 91 — 

(poßov(.ievog, XrjOTrjg de TtQOOeqxBTai' 6 ö^ BTiSLÖav Tvqotdr^vaiy 
anavTcc aQTidoag za b/cla y,al (xa^erai tcqo tov Cevyovg. y.al 
ouTOi tavT ercoiovv iv qvd^fxot rcqog tov avlov /.al reXog o 
Xr^aTrjg öi^aag tov avdqa '/.al to tevyog andysL. IvioTe ds xal a 
'CevyrilccTrig tov XißOTiqv elza Ttagd Tovg ßovg tev^ag otiloo) tco 
yieiqe öeöejuevov elavvei. Dieses griechische Waffenspiel war auch 
makedonisch, wie die Glosse /.ctQTcea' ogxrjOig MayisdoviKri Hes. 
beweist ^^^). Aus der Beschreibung des Xenophon soll nach 
GMeyer FJ. 188 „ziemlich deutlich" hervorgehen, dass der Name 
nicht mit yiagrc-ahfiog (Benfey WLexicon II 310), sondern mit 
yiaQ/tog zusammenhängt und den „Kampf um die Feldfrucht" 
bedeutet. Überfällt denn aber ein Korn-Räuber den Bauern im 
Frühjahr, wenn dieser erst pflügt und sät!? Nein, auf das 
Ochsengespann hat es der IrjOTtjg abgesehen: eine ßorilaaia 
(A 672) wurde in jenem Waffentanz dargestellt. Der Viehraub, 
besonders der Rinderraub, wird uns im homerischen Epos als eine 
unter den griechischen Stämmen weit verbreitete Sitte geschildert 
(Gilbert Jahrb. f. Philol. Supplem. XXIII 448). Er galt nicht 
für entehrend, sondern wurde als willkommene Gelegenheit zu 
einem kriegerischen Streifzuge angesehen. Genau wie beim 
Waffentanze, verteidigte der Überfallene bis zum Äussersten seine 
Tiere: vgl. ^674 o d^ dixvvcov r^ac ßoeooiv \ eßlriv iv tvqcütoloiv 
sfÄTig ccTTO x^^Q^S dnovTij q 470 ov ^idv ovt dxog sotI (xeTct 
cpQSotv OVIS TV Ttiv^og^ I OTCTCOT avTjQ Tteql OiOL iAaxei6f.ievog 
'/LzeaTeaaL \ ßlTJeTai f, tcbqI ßovölv r) dqyevvfjg o'Ceöolv. Gelang 
der Überfall, so wurden ausser den Heerden auch die Männer 
gefesselt und fortgetrieben : so machten es die Messenier in Ithaka 
mit den vo[.irjeg der f^^Xa (cp 19). 

Da '/aQTtaia oder -/aqTcea zweifellos ein griechisches Wort 
war, kommt hier auf seine Etymologie nicht viel an. Wenn es^ 
den Inhalt des Tanzes bezeichnete, wird es weder mit 'Aaqnog 
noch mit /aQTtdXii.iog zusammenhängen. 

Die Erinnerung an einen Königsmord rief der Name eines 
zweiten makedonischen Tanzes wach, vgl. Athenaeus XIV 629 d 
Teleaidg' Mazedovr/irj ö^ eailv avvri OQX^oigy -t-j xQ^f^di^evoL ol 



115) Herwerden Lex. Dial. 422 wird dadurch, dass er die xagnala 
der Aenianen und Magneten übersehen hat, zu einer verfehlten Deutung 
des makedonischen Wortes verleitet: »xagnsa ... sie dicta l'ortasse, quod 
eni xaQTiov alius alium tenerent saltantes«. 



— 92 — 

7€€qI nzolcf^alov ^^le^avÖQOv tov (DiXitcicov döeXcpov aveiXov^ 
wg loToqei Magovag ev rglzq) MaAedovrMov. Dass dieser Tanz 
nach einem gewissen Telesias, der ihn zuerst aufführte, benannt 
sein soll, ist natürlich eine Fabel ^^^). Den Stamm des Wortes 
bildet vielmehr das in Eigennamen häufige, als Appellativum 
seltene Verbalabstraktum zeksoi-g „Vollendung, Ende". Es scheint 
also ein WafFentanz gewesen zu sein, der das Ende irgend eines 
Ereignisses oder das Gelingen eines Unternehmens feierte. So 
werden mit den oben erwähnten, von Xenophon Anab. VI, 1 
beschriebenen Waffentänzen die onovdai abgeschlossen: enel de 
OTTOvöal T iyevovTO /.al ertaicoviGav, avioTrjGav itgcoTOv (uev 
QQa/.eg yial ftgög av'kbv wQxr^oavTO ovv TÖlg orcXoig y.tX. i^'). 

4. Die Religion. 

Götternamen. 
Mehrere Hauptgottheiten der Griechen — Zeus^i«), Apol- 
lon^i^), Herakles 120)^ Artemis ^^i) — hatten auch in Makedonien 



116) Athenaeus XIV 630 a xai xsXsaiäg 8* eoxlv ogxrjoig xaXovfxsvrj ' 
GXQaxKOTiHrj d^ iaxiv avxrj oltio xivog dvdgog TsXsoiov Xaßovaa xovvofia, fisd'^ 
SnXcov x6 üiQwxov avxrjv sxeivov oQxrioafÄSvov , &g q>r)oiv 'IjiTiayogag sv xc5 
7iQcox(p neqi x^g KaQXJ]öovicpv TtoXixeiag. Darnach Hesych xeXeoia (sie!)* jJ 
fisxä ^i(povg og^fjoig, djio xov svgovxog TeXsalov. 

117) Übrigens könnte der Stamm auch das Adjektiv xsXsoio- gewesen 
sein, vgl. xsXsoiog ■^juega' jy ioxdxr] Hes., xeXsaiaCdfieva' ^vofisva xal xsXov- 
jLieva Etym. Magn. 751, 9. 

118) Arrian I, 11, 1 xavxa ös öiaTtga^d/iievog ijiavrjXd'sv sig Maxsdoviav 
xal xcp xs All xcß 'OXv^imq) xtjv '^voiav xrjv dn 'AgxsXdov ext xa&söxcöoav 
sd'vas xal xov dycöva ev AiyaTg dii^rjxe xd 'OXvfxnia. Nach Justin XXIV 2 
war der Zeus-Kult »veterrima Macedonum religio«. Unter den drei 
nationalen Schwurgöttern, die von makedonischer Seite bei dem Bünd- 
nisse zwischen Philipp III. und Hannibal im Jahre 215 zu Zeugen auf- 
gerufen werden, steht nach geraeingriechischem Brauche (vgl. Usener 
Dreiheit 17 ff.) an erster Stelle der Zsvg, ihm sind "Hga und 'AjiöXXcov 
\zugesellt, vgl. Polybius VII 9, 1. 

119) Hesych s. v. 'Ixvairjv x^Q^'*' ^h'^ Maxsdovlav, sv&a x6 (xavxsTov 6 
'ÄJtöXXoyv xaxsaxs. 

120) Hesych s. v. 'EdsooaTog' 6 'HgaxXrjg iv'Edsaof]. Die Münzen der 
makedonischen Könige zeigen von Perdikkas II an den Kopf des Herakles 
mit der Löwenhaut, vgl. Greek Coins Brit. Mus. Maked. S. 163 fr. Antike 
Münzen Mus. Berlin II 186 ff. 

121) Steph. Byz. s. v. FdCcogog' noXig Maxsdoviag' x6 sdvixov FaCw- 
giog. 'q ydg "Aqxsfiig avxod'i FaCcoQia xi/iiäxai. 



- 93 — 

ihre Tempel. Diese Tatsache beweist aber noch nichts für einen 
griechischen Kern der makedonischen ReHgion: denn die griechi- 
schen Kulte könnten erst durch die philhellenischen Makedonen- 
könige von Alexander I. an eingeführt und mit den einheimischen 
verschmolzen sein. Das Meiste, was uns von makedonischen 
Namen oder Beinamen der grossen griechischen Gottheiten über- 
liefert Avird, ist von zweifelhaftem Werte ^^^). 

"^EzaLQetog war ein Beiname des Zeus, ihm opferten die 
makedonischen Könige an dem Feste 'ETaigldeia, das auch 
von den Magneten gefeiert wurde ^^^). Dieses Fest muss uralt 
und echt-makedonisch gewesen sein : denn die halqoL^ die adUgen 
Gefolgsmänner des Königs (s. oben S. 77), haben ihm den Namen 
gegeben; der Zeus '^Ezaigelog, dem das Opfer galt, war der 
Schirmer der txaiqoi und der haigela. Bei den Magneten aber 
hatte sich das Fest noch aus der alten Königszeit, wie sie das 
Epos schildert, erhalten. 

^[AqwTog' ^Hgayilijg Ttaga Ma'AEÖoGLv Hes. steht zwischen 
den Glossen agriröv und agd-eog. Der Name ist also der Kor- 
ruptel dringend verdächtig und schliesst einen Deutungsversuch 
von vornherein aus. 

Die Aphrodite Zeigi^vr], ebenfalls von Hesych bezeugt 
{ZeiQT^vrj' ^q^QodiTH] sv Mayisöoviq), lässt sich von dem thraki- 
schen Orte ZeiQtjvla^^^) nicht trennen. Doch braucht dieser 
jiicht nach dem Namen der Göttin, den Tomaschek Thraker 
II 45 aus dem Thrakisch-Phrygischen deuten will C^Zegiriv- vom 
Stamme zher- in xaiQto, ssk. haryämi, vgl. osk. Volupia Heren- 
tat-), benannt zu sein; dass das Umgekehrte ebensogut möglich 



122) Die beiden von GMeyer aus dem Hesych als makedonisch 
nachgetragenen Namen üiegiöeg' al Movaai iv Mansdovia und IHnlsiai' 
ai Movaai iv t(p Maxedovixt^ ^OIv^itio), äno >eQ^vf]g IIiTtXsiag sind von FiCK 
mit gutem Grunde übergangen worden. 

123) Athenaeus XIII 572 d oI8a Ss xal soqxtiv xiv 'Eraigidsia äyoßi- 
vrjv SV Mayvrjoia ov dia zag iraigag, dXXä St* eregav ahiav, -^g fivrjfxovsvsi 
'Hy^oavÖQog iv 'Yjio/ivrjf^iaac ygoLq^cov dtös' »ttjv X(öv 'Eraigiösicov soQztjv ovv- 
Tslovai Mdyvrjteg. larogovoc ös tiqcötov 'Idaova rov Acoovog ovvayayovra rovg 
'ÄQyovavrag 'EraiQsiq) All d^vaai xal tyjv koQrrjv 'EzaiQiöeia TtQoaayogevaai. 
■&V0VOI 8k 9cai Ol Manedovcov ßaaiXsTg xd 'Ezaigiöeia«. 

124) Stepb. Byz. ZsiQrjvia' nohg ßQUHrjg, OeojiOf^iTiog ^diJimxcov y. 
x6 E'&vixov ZeiQtjvidzrjg wg KvÖMVtdzrjg. 



— 94 — 

ist, beweisen die eben en\^ähnten makedonischen Namen ^Eöeo- 
üoiog für Herakles und FaLcogla für Artemis. 

Als der alte makedonische König Argaios, so erzählt uns 
Polyaen IV 1, einst mit den illyrischen TavlavTioi Krieg führte, 
Hessen sich diese durch einen vom Gebirge kommenden Zug 
makedonischer Bacchantinnen täuschen und flohen: ^Aqyaioq 
afxaxEi y.gaT'ijoag legöv lögvexat AiovvGCtj ^evöavoQL y,al rag 
Ttagd^ivovQf ag ndXai KXioöwvag ey^XrjCov o\ MaY.eö6veg, avTÖg 
%XrjÜeiv era^e dia zriv f^lfirjoiv tcov avögiuv Mii^allovag. Diese 
Anekdote, die Polyaen aus dem Kallimachos genommen hat ^ 25), 
ist natürlich erfunden, um die Namen MifxaXloveg und ^evöavwg 
zu erklären. Der zweite sieht ja auf den ersten BHck griechisch 
aus. Was soll er aber bedeuten? Von einem Dionysos, der 
„Männer täuscht" (vgl. ^AXe^dvcog, Uetd^dvcog) oder ein „falscher 
Mann" ist (vgl. ^levddyyelog^ il'evdof^avvig), wissen wir sonst nichts 
und können ihn uns auch schwerlich als eine Kultgottheit vor- 
stellen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass ein einheimischer Name 
des makedonischen Dionysos, den die Griechen nicht verstanden, 
volksetymologisch in ipEvödvtoQ umgestaltet wurde. Auf einen 
solchen wenigstens von fem an jpevö- anklingenden makedonischen 
Gottesnamen sei mit allem Vorbehalte hingewiesen. Der orgiasti- 
sche Kult des thrakisch-phrygischen Savadios, den die Griechen 
ihrem Jiovvoog gleichsetzten, ist für Makedonien durch die 
xsavddai == aiXrivoi bezeugt. Neben Savadios, 2aßdttog liegt die 
Nebenform Sevadios, 2eßd^iog, die Keetschmer Einl. 196 
schwerlich mit Recht aus einer Anlehnung an oeßdCeod^ai erklärt. 
Denn den -e-Laut zeigt auch der Name der im Zusammenhange 
mit den 2dTVQ0i, ^mqtoI und ^iXtjvol erwähnten 2svtöai • 
aTto Tov GEveiv, loTiv ogi-iäv Cornutus Hellen. Theol. 30 
p. 59, 9L, vgl. Jsvddai' ol odxvQOi (überl. aarol) vtv ^IXXvqliov 
Hes. 126). 

Günstiger steht es mit dem Griechentume des Ares Oav- 
log 127): die Dorier feierten ein angeblich von Kteatos einge- 



125) Vgl. Etym. Magn. 587, 53 fiijuaXXovsg- exXrjd^rjoav xvqIcoq al 
yvvdtxEg — jcoXsf^ixal ydg — Tiagä ro fxifxsTa^ai xovg ävögag. rjroi öcä Ma- 
xsdovtxrjv laxogiav, rjxig xsnai iv roTg KaXXifx&xov {sv Airioig Hemsterhuis) 
Fragment 401 ed. Schneider. 

126) Vgl. auch AsvxaUSar ol adtvgoc Hes. 

127) OavfÄog rj GavXog' "Agrjg MaxsSoviog (überl. -icog) Hesych. 



— 95 — 

setztes Fest Namens Qavha ^^^), und in Athen lebte das alte 
Geschlecht der QavXwviöai ^^^). Aber leider stossen wir hier auf 
ein anderes Bedenken: das anlautende ^- widerspricht dem 
wichtigsten Lautgesetze des Makedonischen. Wir müssen also 
mit der Möglichkeit rechnen, dass das Ethnikon Ma/,eö6nog auf 
einer Verwechslung beruht (vgl. S. 97 die Bemerkung zu Qov- 
Qiöeg). 

Die grossen Götter des Kultus und Mythus lassen uns also 
im Stich: um so erfreulicher ist es, dass einige weniger hervor- 
tretende makedonische Dämonen, die dem Verdachte, entlehnt zu 
sein, kaum unterliegen, altgriechische Elemente in den religiösen 
Vorstellungen der Makedonen erkennen lassen. 

Um den Asklepios war in Griechenland ein Kreis von Heil- 
göttern geschaart, die, wie das schon in ihren Namen ausgedrückt 
lag, Genesung und gute Tage dem Kranken brachten: der'I^zfi- 
mg in Epidauros, der l^le^dvcog und EvafXEQiwv in Titane am 
Asopos, der TeleöcpoQog in Pergamon, der EvQioozog am Bospo- 
rus (vgl. UsENER Götternamen 159 170 Pkeller GMyth. I* 
527). Zu ihnen gehört auch der makedonische z/a^^wj' • Ma/,e- 
doviy,dg öalf-icovy o) vneq tcov vogovvtwv evxovvai Hes. Sein Name 
ist richtig von Cuetius GE ^ 222 (1858) erklärt worden : Jaggcov 
steht für Gagocov und gehört zu d^dgöog, d^agoko. Dem Kranken 
rief man ermutigend „MgosL'^ zu und betete für ihn zu der 
Gottheit, die Trost und Mut bringen konnte. 

Tief unten im Erebos sitzend hört die Erinys die Flüche 
und Verwünschungen, die auf den Frevler die Kache der Unter- 
irdischen heraufbeschwören, vgl. / 565 ff. rrj oye TtagxaTeleyizo 
Xclov ^vf^ialysa Tteoowv i^ agecov /xrizgag Kexco^o/nevog, ^ ^a 
^Eoioi TtolX ax^ovd rigaxo '^aöiyv'x\TOiO cpovoio * . . . Trjg ö^ 
tiEgocpoixLg *Egivvg IxA^fv 1^ ^EgeßeGcpiv aiaeihxov rjzog e'xovaa. 
So wird die Erinys selbst zum bannenden Fluche, der sein 
Opfer festhält: »^^gat 6^ sv oiv.oig yijg vTtal 7,ey.Xi^i^ed-a« sagen 
die Erinyen von sich bei Aeschylos Eum. 413, und die Elektra 



Die Glosse ist zwischen '&avfzaTiCojnai und '&avvov überliefert. Sollte 
Qavfiog aus Oavllog verderbt sein ? 

128) BavXia' koQxrj dx^sTaa vjio Krsäxov nag' o xal d-avlll^siv 
ksysiv rovg AcogisTg Hesych. 

129) OavXcovidai' ysvog Id^aysvwv 'A^^vrjat Hesych. 




— 96 — 

des Sophokles ruft (vs. 111): co x^ovi "^Eg^rj ymI tiotvl ^Aqa 
oef-ivai xe d-ewv Ttaldeg ^Egcvieg. Diesem Vorstellungskreise ent- 
sprang auch der makedonische Name der Göttinnen: ^^Qavti- 
otv 8QLVV0L. Ma/,ed6veg Hes. Den Stamm agavi- fasst FiCK 
als das Partizip eines von agd abgeleiteten aktiven agaw „ich 
fluche". Aber die Erinyen fluchen nicht selbst, sondern sie 
hören und vollziehen die Flüche anderer. Also wird dgavT- nicht 
ein Partizipium, sondern aus agä-ew- = aqü-Feri- (homer. *«^j^- 
evT-) „mit Flüchen gesättigt" kontrahiert sein. Das gemein- 
griechische Denominativ-Suffix -id- {agavt-LÖ-) bildet mit Vor- 
liebe Worte, die weibliche Personen, weibliche Wesen bezeichnen, 
und tritt auch an solche Stämme, von denen sonst das Femini- 
num mit -lä abgeleitet zu werden pflegt. So hat schon Homer 
yvvri aXsTQig „Müllerin" v 105 (von ^ccIett^q) neben vv^ öf^T^Teiga 
B 259, vgl. ferner IyigtqIq vavg neben liqoieLQa vacg, oiqiiavTQig 
yrj Siegelerde Hdt. II 38 zu orn^iavzriQ, ^sganovilöa g)eQvrjv 
Aesch. Suppl. 946 „die in einer Dienerin bestehende Mitgift" 
u. s. w. 

Diesen beiden als makedonisch überlieferten Namen füge ich 
noch einen dritten hinzu, der zwar ohne Ethnikon bei Hesych 
steht, aber nur makedonisch gewesen sein kann: Evöakaylveg- 
al XaQLTeg. Den griechischen Charakter des Wortes verbürgt 
das Adverbium ev — es ist in dieser Form nur aus dem Griechi- 
schen zu belegen i^o^ — ^ den makedonischen die Lautfonn des 
Stammes. Von den Chariten, die schon in der ältesten griechi- 
schen Dichtung (vgl. Useneb Göttern. 132) als die hebreizenden 
Begleiterinnen und Dienerinnen der Aphrodite {d- 364 o 194) 
oder der ehestiftenden Hera (H 267) geschildert werden, sagt 
Hesiod Theog. 910 rcov Kai dno ßlecfdgcov egog ußero öeQXO' 
f.ievd(x)v IvGLfieXi^g. Diesen berückenden Liebeszauber drückt das 
Verbum d^elyeiv aus: alle ^el/.zTJQia haften am Gürtel der 
Aphrodite B 215; egq) ö^ oga d^vf^ov ed^elxd^ev o 212 heisst es 
von den Freiern, als sie die von Aphrodite mit neuen Reizen 
geschmückte Penelope erblicken; das Geleit der Kypris bilden 
nach Aeschyl. Suppl. 1005 der Tlod-og und die d^alyivojQ neid^at; 
als OeX^ivia (Hesych s. v.) verehrte man in Athen die Hera, die 
die Liebenden vereinigte und von den XagiTeg GvCvyiai Eurip. 



130) Im Illyrischen hiess ves- „gut" = ssk. rasw-, vgl. den illyri- 
sclien Namen Ves-cleves- = ssk. vasu-cravas-, vgl. Tomaschek BB. IX 95. 



— 97 — 

Hippol. 1147 umgeben war. So konnte auch ein Name der 
Chariten treffend von d^elyeiv abgeleitet werden. Nun entspricht 
nach zwei schon wiederholt erwähnten speziell makedonischen 
Lautgesetzen (Wandel der Aspirata in die Media und Entwick- 
lung eines Gleitvokales) makedonisches öalay- einem griechischen 
•^aly-'^ dieses ist aber die zu d^eXy- zu erwartende normale Kurz- 
stufe des Stammes (vgl. f-ieXöco : a-fAaXdvvw, gtsI-^oj : e-OTaX-fiai), 
die in den zusammengesetzten Adjektiven mit Endbetonung durch 
den Akzent gefordert wurde, vgl. si-d^aQGijg zu d-sQOOQy ev-ögaKrig 
„scharfsichtig" Soph. Phil. 847 zu degyiofiacj Ev-zqacpriq „gut 
nährend" zu iQeq)w. Das Suffix -tv- ist aus einigen altertüm- 
lichen Bildungen bekannt (Leo Meyee Vergl. Gramm. II i 144). 
Mit Vorliebe scheint es Wesen oder Dinge weiblichen Geschlechtes 
zu bezeichnen, die nicht einzeln, sondern nur in der Mehrzahl i^i) 
vorzukommen pflegen: aKzlveg s 459 ^ 16 r 441 K 547, lodlveg 
A 271, dekq)lv£g ^ 96 (im Singular Q 22). Ihnen reihen sich 
die Ei-d^alylveg, „die hold bezaubernden", passend an. 

Diesen griechischen Sondergöttern der Makedonen ^32) tritt 
der mächtige Vegetationsgott des thrakisch-phrygischen Volkes 
gegenüber, der Savadios oder, wie er ursprünglich geheissen 



131) Wahrscheinlich waren die Nomina auf -Tv ursprünglich end- 
betonte Aveibliche Stämme auf -r- (wie Pogyco ßkoovQ-cojiT-g A 36), deren 
im Plural eintretende Erweiterung durch -v- von der alten Genetiv- 
Endung -mm ausging: ved. Nom. Sg. nadt-s : Gen. Plur. nadt-näm, ebenso 
äxxT-g : äxti-vcov^ ü)8f-g Aeschyl. Choeph. 203 : (bSi-vcov. 

132) Eine vierte Gottheit mit griechischem Namen würden die 
GovQiösg' vv/Li(pac, fzovoai. Maxedovsg Hes. sein, wenn nicht das anlau- 
tende ■&- Zweifel daran erweckte, ob der Name wirklich echt- und alt- 
makedonisch war. Mit -d'ovQog, ■d'ovgiog, ■&ovQig bringen ihn Fick KZ. 207 
Preller Gr. Myth. I* 720 zusammen: „stürmende, wilde, aufgeregte" 
sollen die Nymphen genannt sein. Doch scheint mir eine andere Deutung, 
die vielleicht auch das Ethnikon Maxedoveg erklärt, näher zu liegen. 
Nach Hesych führten Bacchantinnen irgendwo den Namen Gecogideg {ai 
nsQi xov Aiovvoov ßd^xai), und so heissen bei Nonnus Dionys. IX 261 
auch Dienerinnen Apolls im delphischen Tempelbezirk, die von der 
rasenden Ino gescheucht werden (naQ&evixag <5* söccohs OscogtSag). Ist 
QovQiÖEg eine dialektische Form für OecogiSeg (das schwerlich zu 'deooQog 
— dor. '&€äQ6g gehört) und entspricht ov dem co, so kann die Glosse nur 
thessalisch oder makedonisch sein. Entweder hat dann der Glossograph 
ein thessalisches Wort für makedonisch gehalten oder es ist ein gemein- 
griechisches Wort erst in späterer Zeit in den makedonischen Dionysos- 
kult eingeführt. 

Hoff mann, llakedonon. 7 



— 98 — 

zu haben scheint, der Savos (vgl. Usenee Göttemamen 44 
Kretschmer Einl. 196 Anm. 1): seinem orgiastischen Zuge 
folgten in Makedonien die lavadai^ die Amerias den Silenen 
gleichsetzt (s. oben S. 6), die Klcoöwveg und Mi-fj.aXX6vsg^^^). 
Dass die makedonischen Bacchantinnen ursprünghch nur den 
ersten Namen trugen und erst später in MiiJ,alX6veg umgetauft 
wurden (Polyaen IV, 1; Suidas s. v. Klioöwveg), ist ebenso frei 
erftmden wie die ganze Anekdote des Polyaen. Griechisch war 
der eine Name ebenso wenig wie der andere. Die gründhch 
verfehlte antike Etymologie von K?^dj6a)veg ^^^) ist aus der letzten 
Ausgabe von Peellee Gr. Myth. I* 697 leider noch nicht aus- 
gemerzt worden: der Stamm von ytliotco lautet, wie xAcJ^w und 
zAw/^og beweisen, nlcDy- und nicht xltüd-. 

Ans Ende stelle ich einen vorläufig dunklen Kultnamen der 
Makedon en, von dem Neanthes von Kyzikos zu berichten wusste: 
Clemens Alex. Strom. V, 8, 46 (ed. Dindoef Bd. III 37) »o 
Kv^r/LTivog NeavS-rig yQdq)wv Tovg Mayteöovwv legeig ev talg zair- 
evxatg ßedv v.aTOLY.aküv ^Xeo) avxoig %b ycal rdlg ti'ÄVOLg, oneq 
kgfirivevovOLv dega«. Diese makedonische Anrufung des ßeöv 
muss in Griechenland bekannt gewesen sein: denn der Komiker 
Philyllios spielte auf sie an, wie aus dreien seiner Verse, die Clemens 
Alex, unmittelbar vorher anführt, hervorgeht i35j. Nach Fick 
00. 721 soll ß die Stelle des spirantischen v vertreten und der 
Stamm des Wortes die Wurzel ve- : ve- „wehen, blasen" sein, von 
der in allen indogermanischen Sprachgruppen die Namen des 
„Windes", der „Luft" abgeleitet sind, vgl. ssk. vd-tas, awest. vä-tö 
„Wind", ssk. vä-yüs „Wind, Luft", d-{ß)i^-Tifig „Wind", lit. we-jas 
„Wind", altpreuss. wi-ns „Luft", ir. fe-th „Luft", lat. ve-ntus, germ. 
vi-nda- u. s. w. Anlautendes ß-: v- wurde aber von den Make- 



133) Plutarcli Alex. 2 näoai [a,sv ai rfjds yvvaixeg svo^oi xoXg 'ÖQcpixoTg 
ovoai Hai rocg tisqI tov Aiovvoov ogyiaa/xocg sx xov Tidvv naXaiov, KX<x>8(ovsg 
TS xai MifiaXkovsg enoivv(xiav exovoai, noXXa rdig 'Hdcoviai xai raig neq! rov 
Aifxov ©Qfjaaaig ofioia ÖQcöaiv. Vgl, Etym. Magn. 521, 48; 588, 42, Hesych. 

134) Etym. Magn. 521, 48 i'acog cmo xov xaxoxovg yivofxsvovg xXcoCeiv, 
o ioxi x6 8iä xwv axofidxcov Jioiov ^x^'^ djioxsXsTv xal d'OQvßeTv. 

135) o xwfxixog ^ikvkXiog ßeöv xov dsga ßcödojQov övxa öid xovxcov 
yivcoaxst ' 

sXxsiv x6 ßeöv omxijqiov uiQOOEvxofxai, 

071SQ /Äsyioxov ioxiv vyisiag f^egog, 

x6 xov dsQ eXxsiv xa^aQOv, ov xs'&oXüy/Ltivov. 



— 99 — 

donen im IV. Jahrhundert nicht mehr gesprochen. Damit fällt 
diese Etymologie. Sollte vielleicht die von Clemens nahe gelegte 
Deutung (ßsöv = ßioöwgog) wenigstens im Kerne das Richtige 
treffen? ßto- lautete im Makedonischen ßeo- (vgl. maked. Ivdia 
= evdia)] daraus könnte ße- gekürzt sein. 

Eine Kulthandlung. 

Von dem Stamme ßlv- sind zwei griechische Präsentia ab- 
geleitet, ßlvü) und ßXv^cOj von denen jenes gewöhnlich die in- 
transitive Bedeutung „hervorquellen, überwallen, überfliessen", 
dieses die kausative Bedeutung „hervorsprudeln lassen, überströmen 
lassen, vergiessen" hat, ohne dass jedoch dieser Unterschied streng 
gewahrt wird. Auf einsamer Höhe steht der älteste Beleg. 
„Einst sassest du" sagt Phoenix / 488 zu Achill „auf meinen 
Knieen und liessest dich nur von mir mit Speise und Trank ver- 
sorgen": TVQiv y* ote örj o* btv 1\iolöiv Eyco yovveOGi xad^loGag \ 
oxpov T aöai(.iL TtQOTai-iwv "Aal oivov €7tiaxcov. \ Tto^Xam uoi, 
yMTedevoag hnl GTr^^d^eoGi xLxcova \ oYvov ajtoß'kvtwv Iv vrjTVieT] 
alsyeiv^. Der Knabe, dem Phoenix den gefüllten schräg ge- 
haltenen Becher an die Lippen setzt, vermag nicht so schnell zu 
trinken, wie ihm der Wein zufliesst, und infolge dessen strömt 
dieser an beiden Seiten des Mundes über den Becherrand her- 
über ^^e). Genau die gleiche Bedeutung des „Wein- Verschüttens" 
hat ßlvto) in einem Epigramm der Anthol. Palat. VII 27: Ana- 
kreon wird »Iv fxaY.aqeGOL<.< beim Trinkgelage geschildert als iidv 
^ed-v ßXvtcDV, aixcplßqoxog ^L\iaxa Bayix(ii, ayLQTqxov &Xißtov vi'HTaQ 
ajto OToliöwv. Wie Theokrit XVII 80 den aus seinen Ufern 
tretenden Nil ava-ßkv^wv nennt, so wünscht sich der Dichter in 
dem Epigramm Anthol. Palat. XI 58 einen von Wein über- 
fliessenden Becher: dlV Lva jj-ol rqoxoeoöa y,vh^ ßXvooELe Xvalqt 
XelXeog aevdq) vdfAaTL Xovofxevov, Diesem gemeingriechischen 
vom Weine gesagten drco-ßXv- „überfliessen", trans. „verschütten, 
übergiessen" entspricht nach bekannten Gesetzen Laut für Laut 
das makedonische a-ßXo-^^'^) in aßXorj' OTtevSe. MaKeö(6v€g) Hes. 



136) Wer djcoßXvCcov mit „ausspeiend" oder „hervorsprudelnd" über- 
setzt — auch die Alten taten das schon — , hat sich die Situation nicht 
klar gemacht. 

137) FiCK KZ. 193 stellte dßlör] zu xaßXisi' xarajiivsi Hes. Diese 
Etymologie scheitert an der Verschiedenheit der Bedeutungen und ist 

7* 



— 100 — 

Einen zweiten Beleg dafür, dass die Präposition 0.7x6 im Make- 
donischen, ebenso wie im Thessalischen, in proklitischer Stellung 
zu CLTC- verkürzt wurde, bildet das oben S. 39 besprochene Nomen 
a-OTVilog „Giessbach" aus an-onL'kog = aTco-OTztXog, Wenn für 
aß'ßl- bei Hesych d-ßk- überliefert wird, so ist diese Verein- 
fachung des ßß genau so zu beurteilen wie in lakon. ndßaaL- 
y,aTdßrj&L Hes., yiaßatviov Alkm. 20 gegenüber -/.dßßaXle Alkaios 
342, TidßßaXev E 343 / 206 "F 683. Der Stamm ßlo- unter- 
scheidet sich nur graphisch von ßlv-: denn das bringt wieder- 
holt in makedonischen Glossen den w-Laut des v zum Ausdruck, 
vgl. oben S. 15 ff. So bleibt denn nur noch das tj zu erklären 
übrig. Sollte es richtig überliefert sein, so muss für das Make- 
donische ein Intensivum oder Kausativum dTto-ßlv-iw {d-ßlo-ri 
aus aTtO'ßXv-EE) angesetzt werden, und dagegen lässt sich nichts 
einwenden. FreiHch darf auf das f] als makedonisches Kontrak- 
tionsprodukt aus € + € kein zu grosses Gewicht gelegt werden. 
Unmittelbar vor dßlori (und hinter dßXoTtag) steht die Glosse 
dkoyel' OTteiaov. May,eö6v€g. Nach der alphabetischen Reihen- 
folge muss sie in dßXoyel geändert werden: es ist also offenbar 
nur eine Variante zu dßlotj, Ihr y ist ebenso zu beurteilen wie 
das / in der Amerias-Glosse yialaQQvydv und das t der makedo- 
nischen Glossen yorav und aßgovreg: r und T sind entstellt aus 
F, und dieses gab den Gleitvokal u wieder, der sich im Make- 
donischen hinter v (Lautwert u, geschrieben 0) entwickelte, vgl. 
oben S. 16. Also dürfte auch in dem tj von aßkorj ein T oder 
r zu suchen sein. Und damit wird es überhaupt fraglich, ob das 
makedonische Verbum denominativ war: dßXorj und dßloysL 
können wenigstens aus dßkoße = aTco-ßXve hervorgegangen sein. 

Die Monatsnamen. 

Da sich in den makedonischen Staaten Vorderasiens und 
in Ägypten der makedonische Kalender einbürgerte, so sind wir 
durch die Urkunden der hellenistischen Zeit, durch Inschriften 
und Papyri vom Anfange des III. Jahrh. an über die Namen 
und die Reihenfolge der makedonischen Monate aufs genaueste 
unterrichtet. Das Kalenderjahr der Makedonen begann ursprüng- 



von FiCK selbst aufgegeben: denn er leitet jetzt (VW. I* 404) xaßUei 
mit ßkrjQ „Köder", ßXcofiög „Bissen" u. s. w. von der Wurzel guel- 
„schlingen" ab. 



— 101 — 

lieh mit der Tag- und Nachtgleiche des Herbstes und zählte 
folgende zwölf Monate: 

1. /Jlog. 5. JvOTQog. 9. Iläva^og. 

2. ''^TtelXalog. 6. SavSiKog. 10. ylioiog. 

3. ^lövaiog. 7. l^gtefAioiog. 11. roQTtiaiog. 

4. nsQiTLog. 8. JaiGiog, 12. ^YTceQßsQezalog. 

Vier dieser Monatsnamen begegnen uns auch in griechischen 
Staaten. 

Der'^ftellalog^^% dessen Namen Baunack (zu der Laby- 
aden-Inschrift SGDI. 2561 A24) von dem Feste ""ATttllcti 
„Geschlechtstage, Phratrieversammlung" (Lab.-Inschr. Asi. 36 ß? 
Ds) ableitet, war in Mittelgriechenland und auf dem Peloponnese 
verbreitet: es belegen ihn Inschriften aus Delphi (zuerst die 
Labyaden-Inschrift SGDI. 2561 D 44, um 400 v. Chr.), aus der 
Phthiotis (Lamia SGDI. 1451 C 12), aus der ozolischen Lokris 
(Chaleion SGDI. 19272, Oiantheia 19085, Tolophonia SGDI. 
19543, um 150 v. Chr.), vom Bunde der Oetaeer (SGDI. 
1529 a27 bi3 — 25, um 160 v. Chr.), aus Herakleia am Siris (SGDI. 
4629 I2. 95), aus der Argohs (Inscr. Gr. IV 925 1. 7. 10 u. s. w. 14822 
I5O8A1), aus Chalkedon (SGDI. 3052a8), aus Olus auf Kreta 
(SGDI. 514959), aus Tauromenium (SGDI. 5224 IV 12 5227 I19). 

Wie verbreitet das Fest der Artemisien war, zeigt am besten 
die Tatsache, dass von den meisten griechischen Stämmen ein 
Monat nach ihm benannt worden ist. In den ionischen Städten 
hiess er ^ -iqiBixionxiv^ in den dorischen ^AQTafxinog, so in Epi- 
dauros (Inscr. Gr. IV no. 148537 u. öfter 1492 le. is 149027), auf 
Kalymna (SGDI. no. 359325.73), auf Kos (SGDI. no. 363330 

37I82, DiTTENBEEGER Syll.^ nO. 61923), auf Rhodos (DlTTEN- 

BEECxER Syll.^ no. 549 1 610* und oft als Henkelaufschrift SGDI. 
no. 42451.5.28.39 u. s. w.), auf Astypalaia (BCH. VIII 26 B 7), 
in einem süddorischen, trotz Foucaet vielleicht kretischen AsyUe- 
Dekrete für Teos (Le Bas no. 79 1 Exphc. V Asie min. p. 38), 
auf Thera (SGDI. no. 4772 1, IV. Jahrb.). Auch in den dorischen 
Staaten Mittelgriechenlands musste der Name — wenn er ge- 
braucht wurde — i^QTafxiTiog lauten: denn ein delphisches Fest 
'AgtaiAiTia wird in der Labyaden-Inschrift SGDI. no. 2561 De er- 
wähnt. Aus einem Kompromisse mit dem vulgärgriechischen Namen 

138) Belege aus dem III. Jahrb.: Dittenberger Syll. Or. I no. 56s 
(238 V. Chr.); Papyri: P. Petr. II no. 2, 2 und 2, 3 (260 v. Chr.). 



— 102 — 

^L4QTef.ug ist die jüngere dorische Form ^^gTejuitiog hervor- 
gegangen. Die spärlichen Belege für sie reichen nicht über das 
III. Jahrh. hinauf: Inscr. Gr. IV no. 8409 aus dem argi vischen 
Kalaurea wird in den Ausgang des IIL Jahrh. v. Chr., Inscr. 
Gr. IX 1 no 69462. 98 aus Korkyra von Dittenbeeger in das 
II. Jahrh. v. Chr., SGDI. no. 44392 aus Sparta in das II. oder 
I. Jahrh. v. Chr. gesetzt. Die makedonische Form 'Aq'vefxioLog'^^^) 
aber kommt in reinen Dialektdenkmälern des Dorischen über- 
haupt nicht vor. In der Datierung des Vertrages zwischen Sparta 
und Athen bei Thuk. V 19 darf ^Aqts^loios selbstverständHch 
nicht als Dialektform angesprochen werden, und die theräische 
Inschrift SGDI. no. 4765 ist trotz ihres Alters (IV. Jahrh.) 
nicht rein im Dialekte gehalten, wie die Formen (pegovaiv 3 Plur. 
statt q)£Q0VTL, d^vaovTL statt d-volovTi beweisen i^^). 

Der z/Xog^*^), benannt nach einem Zeus-Feste Jlct, das die 
Bewohner von Teos ums Jahr 475 v. Chr. feierten (SGDI. 
no. 5632 b34) und dessen Name an die athenischen Jidaia 
(Thuk. 1 126) und üay-öia erinnert, kommt mehr als zwanzigmal 
unter den zwölf ätolischen Monaten, die wir aus den delphischen Frei- 
lassungsurkunden kennen, vor (vgl. Wendel Delph. Index S. 328) : 
der älteste Beleg fällt in das Jahr 200 v. Chr. (SGDI. 2116i). 
Ferner führten ihn die Perrhaeber, wie das Datum einer Inschrift 
aus Korkyra (SGDI. 3205, um 178 v. Chr.) beweist: i^r^vog [(ug 
Qejaaalol ayovzL Qefiiarlov [ai^eQJai TQLaYMÖij . . . (.irjvög yiad^cog 
IleQQaißol [ay6\vTL Jlov a^eQm TQiaY,adL. Dass weder die 
Ätoler noch die Perrhaeber den Jlog aus dem makedonischen 
Kalender herübergenommen haben können, hat Bischoff Leipz. 
Stud. VII 364 treffend ausgeführt. Auch in einer kleinasiatischen 

139) Belege aus dem III. Jahrh.: Dittenberger Syll. Gr. I no. 572 
(278 oder 240 v. Chr.), no. 224 ii (261—246 v. Chr.); Papyrus Petr. I 
no. 13, 2 17 (237 v. Chr.). 

140) In der jungen Inschrift SGDI. no. 5221 Ii aus Tauromenium 
kann 'AQrsfi[iaiov] oder 'AQtsin[ctiov] ergänzt werden. Wie die Makedonen 
haben zweifellos auch die äolischen Thessaler 'Agtsfiiaiog gesagt. Ob 
aber die Form lA.Qzsfi.ilaiov] in einer Inschrift aus Hypata am Spercheios 
(SGDI. no. 14352) echtthessalisch war, bleibt im Zweifel: denn die Ur- 
kunde ist jung (A), und der Dialekt der Aenianen war im II. Jahrh. 
nicht mehr der thessalische. 

141) Belege aus dem III. Jahrh.: Dittenberger Syll. Or. I no. 565. 25 
<238 V. Chr.), 22532 (254 v. Chr.); Papyri: Eev. L. col. 345 379 (259 
V. Chr.) und App. II no. 24. 



— 103 — 

Inschrift unbestimmter Herkunft (CIG. no. 6850) scheint der 
Jeiog vom makedonischen Kalender unabhängig zu sein, da er 
mit den Monaten ^lovlalog^ ^^TtoDuovLog, ' Hq)aiaTiog und IToai- 
Ö€Log verbunden ist. 

Die echtmakedonische Namensform Ildväfiog ist schon 
in der y.oiv7^ der Diadochenzeit zu 11 dvtjfiog ^^^) attisiert worden, 
vgl. auch Kallimachos Epigr. XLV 1 elTta JJavr^fxov el^ddi, 
Kai Ataiov ttj tivl; Wie der ]AQZ€iJ,ioiog war auch der IIdva(xog 
ein weit verbreiteter Monatsname. Es führen ihn in Nord- 
griechenland der thessalische 1*3) (Larisa SGDI. 'no. 345io), der 
phthiotische (Lamia SGDI. no. 1449i4), der akarnanische (iTa[va- 
lxov\ Inschr. v. Magnesia no. Sie), der ätolische (oft in delph. 
Freilassungsurkunden Wendel Index 328), der ozolisch-lokrische 
(Amphissa SGDI. no. 22993 Inscr. Gr. IX 1 no. 3182) und der 
böotische Kalender (Inscr. Gr. VII no. 1720 1 1721 1 u. s. w., 
aus Oropos ebenda no. 257 290 393). Auf dem Peloponnese war 
er in den dorischen Staaten heimisch, wie das für Megaris durch 
eine Inschrift aus Pagae (Inscr. Gr. VII no. 188i), für die Ar- 
golis durch Inschriften aus Epidauros (Inscr. Gr. IV no. 1485 
oft), aus Mykenai (Inscr. Gr. IV no. 497, 196 v. Chr.), aus 
Kalymna (SGDI. no. 35934.52. 57. es. 9o), aus Kos (SGDI. 3629i9 
3720 1 37318), aus Rhodos (oft auf Henkelinschriften SGDI. 
42453. 11. 35 u. s. w.), für Lakedaimon durch die Tafeln von 
Herakleia am Siris (SGDI. 4629 I102) bewiesen wird. Ja, selbst 
in ionischen Städten steht er einsam als einziger Name auf -og 
unter den Bildungen auf -wr, so auf Delos Dittenberger Syll.* 
no. 8658 (375 v. Chr.), auf Amorgos Dittenberger Syll.^ 64538. 59 
(I. Jahrh. v. Chr.), auf Samos Kirchhofe Monatsb. Berl. Akad. 
1859 S. 742 l8 (AI), in Kyzikos CIG. no. 3663A4 (röm. Zeit). 

Zu diesen vier in Griechenland wiederkehrenden Namen 
kommen noch zwei hinzu, deren makedonische Form, wie 

142) Belege für IldvrjiJiog aus dem III. und II. Jahrh. : Dittenberger 
Syll.2 no. 28810 (183 v. Chr.), 318 1. 49 (118 v. Chr.), 137 11 (127—117 v. Chr.); 
Papyri: P. Grenf. I no. 9 14 (wahrscheinlich aus dem Jahre 239 v. Chr.), 
P. Amherst no. 445.22 (138 v. Chr.), P. Tebtunis no. 650 (140 v. Chr.). 
Es wäre selbstverständlich ganz verkehrt, aus dem »; den Schluss zu 
ziehen, dass die Makedonen den Monatsnamen den loniern entlehnten. 

143) Das doppelte fifi der larisäischen Form Tlavva/Liog kann durch 
"Verschiebung der Silbengrenze aus einfachem /n entstanden sein, vgl. 
S0LM8EN Unters, zur griech. Laut- u. Verslehre 165. 



— 104 — 

schon CFHermann Griech. Monatskunde 64 93 richtig be- 
merkt hat, aus einer volleren griechischen Bildung gekürzt 
worden ist: der Jalaiog und Acoiog. 

Der Jaloiog ^*^) entspricht dem griechischen Geoöaiaiog, 
den wir besonders häufig auf den süddorischen Inseln finden: 
auf Kalymna (Qevdaioiog SGDI. 3593 16. 70. 105 3599? 36033), 
auf Kos (Qevda[iGiov] SGDI. 3634 au), auf Rhodos [Qevdalaiog 
SGDI. 4232 und oft als Henkelaufschrift 4245 33. 188. 246 u. s. w.), 
in Latos auf Kreta (QioöaiGiog SGDI. 50752 5149?). Das Fest 
Qeodaloiay dem er den Namen verdankt, ist für Rhodos {Bov- 
y^oTtia Qeoöaiaia SGDI. 4172), für Andros durch Plinius Nat. 
Hist. II 231 1*5), für die kretischen Städte Latos (SGDI. 
507543), Hierapytna (SGDI. no. 50448 50739) und Lyttos (BCH. 
XIII 61 no. 62 in xot^tj, Schrift ecco) bezeugt. Es galt dem 
Dionysos, vgl. Suidas s. v. ^ulöTvÖQOixia' Tiaga AlßvöLv oiovel 
TT^g TToXecog yevi&Xia. xal Geodaiaia iOQTiq, Iv t] exi^Mv Jio- 
vvGov -aal Tag Nv/^Kpag, Hesych Geodalotog' Jiovvaog (dazu 
die angeführte Stelle des Plinius). Aber auch im Norden war 
der Monat nicht unbekannt: in einer Inschrift aus M}i:ilene 
(Inscript. Gr. XII, fasc. II no. 81 9) wird .... öatolw kvdra 
sehr wahrscheinlich zu ['1^^/fit Qs6]daiolw zu ergänzen sein, da 
eine Renaissance-Inschrift derselben Stadt (aus der Zeit der 
Antonine, Inscript. Gr. XII fasc. II no. 68 a) die Wendung [y,al 
elg] Tav Qeodaiaiav dieöwxev Tolg fXEv ßoX\XaoLg\ v.tX gebraucht. 
Die kürzere makedonische Form ist für Griechenland nicht sicher 
zu belegen. Zwar spricht Plutarch Arat. 53 von einem Opfer- 
feste, das die Sikyonier im Monat Jaioiog feierten. Doch kann 
hier der QeoöaiGLog gemeint und mit dem makedonischen JaiGiog 
verwechselt sein, ein Versehen, das auch der Steinmetze eines 
in Seleukeia gegen 150 v. Chr. eingehauenen rhodischen Staats- 
dekretes begangen hat (SGDI. 37516). An der Etymologie von 
JaiGLog haben sich bereits die Alten versucht, vgl. Etym. Magn. 



144) Belege aus dem III. und II. Jahrb.: Dittenberger Syll. Gr. 
I no. I6835 (115 V. Chr.); Papyri: Eev. L. col. 362 (259 v. Chr.), P. Petr. 

I 67 no. 24, 1 (249 v. Chr.), II 115 no. 35 III 1. 4 (244—240 v. Chr.), 

II 154 no. 474 (192 v. Chr.), P. Grenf. I no. 9 15 (wahrscheinlich aus dem 
Jahre 239 v. Chr.). 

145) »Andro in insula, templo Liberi patris, fontem nonis lanuariis 
semper vini sapore fluere Mucianus ter consul credit. Dies Oeodaioia 
vocatur.« 



m 



105 — 



52, 29 dcLioiov eöcodiinov. JaiGLoq ^rjv Ttaga May^edooiv^ ^^it^^- 
vevszaL Gizoyovog. Diese Übersetzung des makedonischen Monats- 
namens ist sicher falsch; aber für einen Zusammenhang von 
Qeo-Salaia und JaiGiog mit öalg, öaiz-ög (Q 69 das Opfermahl) 
sprechen das Fest Qeo^ena und die bei verschiedenen Gottes- 
festen veranstalteten ^olvai (es sei nur auf die Labyaden-In- 
schrift SGDI. no. 2561 D 2 verwiesen), vgl. Schömann Griech. 
Altert.* II 478ff. 

^(jj'iog^^^) und '^ OfioXcü'iog sind eins. Der ''OßoXcoLog hat 
seine Heimat im nördlichen Griechenland. Das dem Zeus '^O^o- 
Xcoiog geltende Fest ^Of-wlcoia (böot. Inscr. Gr. VII no. 482 
319624 31973?) scheint vornehmlich von den äolischen Stämmen 
gefeiert worden zu sein. Aus Thessalien ist die Dialektform '^Of^o- 
koviog bis jetzt erst einmal belegt (OixoXovtov Gen. Larisa BGH. 
XIII 381 no. 3 13), dagegen die ^/.oivr^-Form ^Ofiohoiog oder ^Ojito- 
Xcüog in zahlreichen Inschriften bis in die späte römische Kaiser- 
zeit hinein (Heuzey mont Olympe 427 no. 11 be, Heuzey-Daumet 
Mission archeol. de Maced. I 437 no. 2195. 6, Duchesne-Bayet 
Memoire sur une mission au mont Athos no. 162 19 16326, 
UssiNG Inscr. ined. no. 826 12c3, BGH. XIII 388 no. 64 395Bi, 
Halos-Phthiotis SGDI. no. 1461 I53. 56 II53 BGH. XIV 240 
no. 1 3). Für den Schwester-Dialekt des Thessalischen, das Äolische, 
hefert eine Inschrift aus Eresos den einzigen Beleg (OjnoXolo) 
Gen., Inscr. Gr. XII no. 527 14). In Böotien aber war der Kult 
des Zeug '^Of^olwiog ebenso verbreitet wie bei den Thessalem: 
der Monatsname 'OinoXioiog kommt oft in den böotischen In- 
schriften vor (Inscr. Gr. VII no. 2463 270i 3082 510i 5172 
17302 3172169 33OI1 3307i 33122 3314i u. s. w.). Auch einige 
dorisch redende Stämme Mittelgriechenlands führten ihn: so die 
Aetoler (Delph. Freilassungsurk. SGDI. no. 18542 1995i 2010i 
2011 1 2049i 2069 1, 'O^oloiog 1818 1) und die Lokrer von Nau- 
paktos (Inscr. Gr. IX 1, no. 3752 376 1). Bei ihnen gehörte 
der Monat zu denjenigen Elementen einer bodenständigen äolischen 



146) Belege aus dem III. und IL Jahrh.: Äcolov Dittenberger 
Syll. Gr. I no. 37 1 (264 v. Chr., Vasenaufschrift); Papyri: Rev. L. col. 38 1 
(259 V. Chr.); P. Petr. I no. 28, le.io (225 v. Chr.), II no. 21 d 4, P. Am- 
herst no. 435 (173 v. Chr.), dazu Acosiov P. Par. no. 4. Die jüngere 
Form ist A6ov Dittenberger Syll. Or. I no. 38384 (69—31 v. Chr.), 
CIG. 4199 (25 V. Chr.) und oft in der Kaiserzeit. 




— 106 — 

Kultur, die sie bei ihrem Vordringen aus dem Nordwesten von 
den äolischen Stämmen Mittelgriechenlands übernahmen. 

Hieran schliessen sich diejenigen drei Namen, die zwar aus 
griechischen Staaten vorläufig nicht bekannt sind, aber eine an- 
sprechende und einwandsfreie Deutung aus dem Griechischen 
erfahren haben. 

Das von den Eleern gefeierte Dionysos-Fest Bvla (Pausa- 
nias VI, 26, 1) und die Monatsnamen JioG-d^vog und Ovlogy 
jener auf Khodos und Thera**'), dieser über ganz Nord- und 
Mittelgriechenland i*8) verbreitet, legen es nahe, Jvo-tqoq^^^) 
als die makedonische Lautform eines gemeingriechischen Qua- 
TQog aufzufassen (Fick KZ. 206). Diese Deutung gewinnt noch 
dadurch an Wahrscheinlichkeit, dass eine griechische Benennung 
dionysischer Feste in Bezug auf die Bildung des Stammes und 
die Entwicklung der Bedeutung das genaue Gegenstück zu einem 
für Qvo-TQog vorauszusetzenden Festnamen Gvo-rga bildet. Von 
Plutarch wird eine bacchantische Dionysos-Feier d^vod-Xov ge- 
nannt: Moral. 501 E oiz l^7.Qaiq) Jit ^völcov y.aQ7tcüv änagiäg 
g)€QOVTeg ovde jLOvvoii) ßeßa^xevixevov S^vod-lov ugalg w^l y^al 
yLOLvoig oQyidtovTBg y.a)f.ioig. Auch die Alexandriner kannten das 
Wort, gaben ihm aber eine falsche Deutung. Sie brachten es 
mit d-vco „opfern" zusammen und verstanden jedes Opferfest 
darunter — &tad^la ßowv „Stieropfer" sagt Lykophron 720 929 — , 



147) Aioa&vos auf Thera SGDI. no. 4706 109. 270, auf Khodos 
SGDI. 3836dl und oft als Aufschrift rhodischer Henkel 424548. ui. us. 186 

U. 8. W. 

148) Der OvTog (in jüngerer Form ßvog) begegnet uns in allen 
Städten Thessaliens: in Larisa (BGH. XIII 386 no. 54 Duchesne-Bayet 
Mission au m. Athos no. 162i8 163 is), in Metropolis (BGH. VII 52 
no. 84. 5), in Kierion (Le Bas no. 1189 12), in Halos (SGDI. no. 1461 II57), 
in Lamia (SGDI. no. 14474), in einem thessalischen Dekrete aus Mytilene 
(Inscr. Gr. XII 2 no. 439). In Mittelgriechenland führt ihn der böotische 
Kalender in der dialektischen Form Ooviog (Inscr. Gr. VII no. 517 1 
3352 1) oder Oioviog (no. 3172 166 3317 1 3349 1 33792). Ferner finden wir 
ihn in Naupaktos (Inscr. Gr. IX 1 no. 357) und endlich hei den Eleern 
(SGDI. no. 11723), die das Fest 6vTa und den Monatsnamen zweifellos 
aus Mittelgriechenland mit hinübergenommen haben. Die GvTa scheinen 
also ebenso wie die 'OfioltoXa speziell von den äolischen Stämmen gefeiert 
worden zu sein. 

149) Belege aus dem III. und II. Jahrh. : Dittenberger Syll. Gr. I 
no. 555. 26 (240 v. Chr.), no. 3252 (153 v. Chr.). 



— 107 — 

während der Stamm in Wirklichkeit d^vo- „rasen, verzückt 
sein" war, vgl. S^vo-Tccöeg' vvfj.cpaL ZLvsg al evd^eot %al Bd/ixat 
Hesych. Die ursprüngliche Bedeutung von d^va&la ist Z 134 
erhalten; es heissen so die bei der Dionysos-Feier geschwungenen 
heihgen Geräte, besonders also die Fackeln und Thyrsosstäbe: 
(^vyiooQyog) tcote i-iaLvo/xevoio JnovvaoiO Tid-T^vag oeve ymt 
riydd^eov Nvoiqcov' aC 6^ a/ua Ttäöai d^vod^Xa yiafA.al zar- 
iyßvav. Das Suffix -^Ao- in d-vo-d-lo- drückt mithin, wie ge- 
wöhnhch, das Mittel und Werkzeug aus. Darin gleicht ihm aber 
vollständig das Suffix -tqo-; ein für Jvo-TQog angesetztes *QvG' 
TQa muß also genau dieselbe Grundbedeutung wie Ova-^la 
besessen haben. 

In den üegiTLog ^^^) fiel das makedonische Fest neqitia, 
das durch die Hesych-Glosse nsgiTia^^^) yial neQirjreg' neQirJTeg 
f.iev ol cpvXa/.egj UeglTLa ös Ma/,edovi%ri eoQTi] bezeugt wird. 
Dieser Ursprung des Monatsnamens und die Tatsache, dass der 
neqiTLog im makedonischen Kalender nicht der Schaltmonat 
war, machen die von Fick vertretene Gleichung maked. Ttsgitiog 
= griech. Ttegioodg „was über ist" unhaltbar. Ansprechend 
hat CFHermann Griech. Monatskunde 114 den Namen mit dem 
Verbum Ttegi-uvaL in Verbindung gebracht. Als Ableitung von 
dem Partizip-Stamme Ttsq-iTO- besitzt nsQ-lriog ein Seitenstück 
in dem nord- und mittelgriechischen Monatsnamen Bov-ytccTiog: 
das in ihm gefeierte Fest Bov-/,dTia, das in Athen Bov-q)6na 
hiess, war nach der Tötung eines Stieres (-yiavo- Partizip zu 
nalvw „töte") so benannt. Da der UegltLog dem Januar ent- 
sprach, so werden allerdings die IJegizia schwerlich den Amb- 
arvahen, auf die CFHermann verweist, verwandt gewesen sein» 
Ob die Feier überhaupt in der „Umschreitung" eines bestimmten 
Raumes bestand? Ttegiiivai bedeutet gewöhnlich „umherziehen, 
durchziehen", und es ist deshalb sehr wohl möglich, dass die 
negiTia, gleich den delphischen z/a^fJa^o^m (SGDI. no. 2561D4)y 



150) Belege aus dem III. und II. Jahrb.: Dittenberger Syll. Or. I 
no. 51 17 (um 250 v. Chr.) und 314 (161 v. Chr.); Papyri: P. Petr. I 
no. 16, In (230 v. Chr.), P. Leid. I no. J 379, P. Tebtunis no. 27 17 
(113 V. Chr.). 

151) Überliefert ist neQinezeia (ebenso an der zweiten Stelle). Die 
sichere Emendation ergibt sich schon aus der alphabetischen Keihen- 
folge der Glossen: denn jisQiJiheia steht zwischen TieQi rt]v Xe^lv und 
jisQixi'&stai. 



— 108 — 

einen dionysischen Umzug, einen vMfxog durch die Dörfer (vgt. 
ttbqlUvcli ^ara tag yiwfiag Pseudo-Plato Minos 320 C) dar- 
stellten. 

Das Fest "^YTveqßeQeToia^ von dem der letzte Monat des 
makedonischen Jahres, der "^YTtsgßeQeTalog ^^^) seinen Namen 
empfing, galt dem Zeus vTveQßegsTäg (Fick 00. II 720). Dieses 
makedonische Wort vertritt einen im Griechischen häufigen 
Typus der Stammbildung (vecpeX-riyeQS-Ta, vipL-ßgefie-Trigy negi- 
vad-Ttig u. s. w.) und ist etymologisch durchsichtig. Mehrere 
Beinamen des Zeus bringen seine Alles überragende Stellung 
zum Ausdruck: so vnaiog E 756 {vTtaxog ^yjOTWQ G 22 P 339, 
d^ecüv vftaTog y,al dgioxog x 303 T 258 ^ 43, vnaxe ^/.qeiovxcov 
a 45 81 CO 473 31), Zr^va ixeyav^ xov ^eviov vTtegxaxov Aeschyl. 
Suppl. 642, vTVBQiiEvrig B 116 350 403 H 315 481 470 / 23 
^ 727 N 226 H 69 (vgl. vTteg^ieviojv ßaad^wv v 205 v 222). 
Zu ihnen gehört auch vTteqßeQe-xag: es ist, da makedonisches ß 
einem griechischen cp entspricht, das regelrechte Nomen agens 
zu dem Verbum vneqq)iQ(x} „überragen" (z. ß. Tiygdvrjg '/mIXel 
xs Y,al fxeyd&ei V7teqq)tq(x)v üegGicov Hdt. IX 96) und entspricht 
genau einem von Dionysius Hai. Ant. Rom. II 34 zur Erklärung 
des Jupiter feretrius angesetzten gemeingriechischen vTtEQfpegtxrig, 
Das hellenistische vfteQq)eQi^g „hervorragend, ausgezeichnet" ist 
erst eine Analogiebildung nach den Adjektiven auf -fxevTJg, -zXciJg, 
'd^agoijg u. a., wie umgekehrt vipL-ßQ€fX€-xrjg, veq)El-iqyeQexa die 
Vorlage für vTtEq-^evixa AgEg Hom. hymn. 7, 10 abgegeben 
haben ^^s). 

Nur für drei Namen fehlt es vorläufig an einer Deutung 
aus dem Griechischen. Doch ist in ihrem Stamme und in ihren 
Lauten nichts enthalten, was einen ungriechischen Eindruck 
machte. Und da auch eine grosse Zahl griechischer Monats- 
namen heute noch etymologisch dunkel bleibt, so wäre es ganz 



152) Belege aus dem III. und 11. Jahrb.: Dittenberger Syll.^ 
no. 2387 (219 v. Chr.), 253 16 (208 v. Chr.); Syll. Gr. I no. 2682 (240 v. Chr.), 
2535 (167 V. Chr.), 16825.30 (115 v. Chr.); Papyrus Petr. II no. 8, li6 
(kurz nach 249 v. Chr.). ^Aus späterer Zeit sind die Formen 'Yjisgßsg- 
raiog (Heuzet le m. Olymp no. 44 1, AZCO) und 'YjisQßsXszaTog (Pap. BGU. 
I 1742 aus dem Jahre 7 n. Chr., -q-q- zu -q-X- nach der bekannten 
Dissimilation zweier gleichen Liquida) bemerkenswert. 

153) Von dem lakonischen Apollo-Beinamen 'YjisQteksdräg ist 'Yttsq- 
ßsQstäg in Bildung und Bedeutung ganz verschieden. 



I 




- 109 — 

ungerechtfertigt, wenn man hinter dem ^vdvalog^^^), roQTtLoiog 
und Savöi'Äog barbarische Elemente im Kultus der Makedonen 
wittern wollte. 

Die Form ^vövalog ist am frühesten und am besten be- 
zeugt: wir lesen sie in Briefen des Antiochus II (Dittenbergeb 
Syll. Or. I no. 225i7/i8j um 250 v. Chr.), des Ptolemaios Euer- 
getes (ebenda no. 59 le, etwa 229 v. Chr.), des Attalus II (ebenda 
no. 33125, 142 v. Chr.), auf Papyri des III. Jahrh. (z. B. P. Petr. 
I 45 no. 15 10 II 143 no. 443) und auch in jüngeren Urkunden 
(z. B. CIG. 2694a2 3509 3517, P. Oxy. I no. 99i)i55), Die 
Belege für ^vövvaiog — auf dem Pap. Amherst II no. 438 
(173 V. Chr.) als zweifelhafte Lesung gegeben — häufen sich 
erst in der Kaiserzeit, z. B. CIG. no. 4672 (3 n. Chr.), 4451 
(99 n. Chr.), 4510 (227 n. Chr.), 4503 (232 n. Chr.). Die grie- 
chische Abkunft und Bildung des Namens würde so gut wie 
gesichert sein, wenn ihn v. Wilamowitz in einem kretischen 
Asyliedekrete, das für die Bewohner Anaphes von dem v.olvov 
tcov Kgrizauiüv ausgestellt ist (Hiller v. Gärtringen Inscr. Gr. 
XII 3 no. 254, SGDI. no. 5146), richtig ergänzt haben sollte. 
Die Datierung der Urkunde, die Blass mit Recht nicht über das 
II. Jahrh. hinaufrücken will (Schrift: a, O = ^ und o, z, Q), 
lautet: yMQ(.ii[6vTiov] ev FoqTvvL ^lev e\rtl Tai\v Jvfxdvtov tcov ovv 

[ ]/wt Tidt ^^lloödfiw [tTog t]o devTegov fxrivbg .... ti^/w 

TSTQcidi, Kvajoo[l de 8]7vl Tijjv ^Id^aXlwv y.o\^ixL6vv\iov tcov ovv 
Kvipel(x)[L Tuji 'Eva]Qh(x) fM.rivcg AYAOY [. . . . Ivtccjöi. Ist hier 
mit V. Wilamowitz {^)idov[vaia)] zu lesen, so war dieser Name 
zweifellos mit dem makedonischen Avövaiog identisch und gleich- 
zeitig echtkretisch: denn Knosos rechnete im II. Jahrh. noch 
nach seinem eignen alten Kalender, aus dem wir durch eine 
kurz vor 100 v. Chr. fallende Inschrift SGDI. no. 5149 die 
drei Monate ^jceQfxiog, Kagconog und Nezvaiog kennen. 

Den roQTtialog ^^^) wollen CFHermann Griech. Monats- 



154) Kretschmer Einl. 247 stellt AvdvaTog mit paeon. AvöcoXicov 
und illyr. Avddra zusammen. 

155) Avrvacog in der Liste der makedonischen Monate des P. Par. 
no. 4. 

156) Belege aus dem III. und II. Jahrb.: Dittenberger Syll. Or. I 
no. 3159 (197—159 v. Chr.), no. 258 18 (109 v. Chr.); Papyri: Kev. L. col. 
574 593 (259 v. Chr.), P. Amherst no. 3337 (um 157 v. Chr.), P. Petr. II 
no. 35 Col. 22 u. a. ra. 



— 110 — 

künde 92 Ohnefalsch-Richter Athen. Mitteil. IX 137 mit dem 
ersten Tage der Apaturien, der JoQftia hiess (AMommsen Heor- 
tologie 305), zusammenstellen: allein der Übergang von 6- in y- 
war nicht makedonisch. Ebenso wenig darf an xagTrcg gedacht 
werden. Auf einer ganz jungen kyprischen Inschrift des Apollo- 
Heiligtums von XvTQOL steht der Name roQTtiaioi Ohnefalsch- 
Richter Athen. Mitteil. IX 137 no. 8, Schrift: A€CCO)i"): er 
kann uns aber wenig nützen, so lange wir nicht wissen, dass er 
von dem makedonischen Monate unabhängig war. 

Dass in Bavdr/.6g an vierter Stelle von den Makedonen 
ein d gesprochen wurde, verbürgen die Inschriften und Papyri ^^% 
Über die Bedeutung des Monats unterrichten uns zwei sich gegen- 
seitig ergänzende Grammatiker-Notizen: Bar^r/cd- eoQfiri Muae- 
dovwv, Bavd'r/,ov firjvog rj BavdiVMv ayoi^ivri. I'otl de '/.ad^dgaiov 
tiov oTQatevixccTwv Hesych, und evayitovöiv ovv tco Savd-qj Ma/.e- 
Söveg (überl. Ma/^edovi) 7,al nad^aQfxbv 7toiovOL ovv cTtTtoig conJAO- 
l^evoig Suidas s. v. evayiCtov (unter den Fragmenten des Polybius 
XXIII 11, 17 Hultsch). Eingehend schildert Livius XL 6 
die Lustrationsfeier des makedonischen Heeres: es wurden die 
beiden Hälften eines Hundes zur Rechten und zur Linken an 
den Weg gelegt und zwischen ihnen schritt das Heer in Waffen- 
rüstung hindurch, an der Spitze der König, dem die Waffen 
seiner Ahnen vorangetragen wurden. An das Opfer schloss sich 
ein Schlacht-Manöver an, bei dem zwar scharfe Waffen fehlten, 
aber Wunden nicht selten waren. Genau die gleiche Sitte der 
Lustration herrschte nach Plutarch Mor. 290 D bei den Böotem^ßs). 
Wenn das Reinigungsopfer des makedonischen Heeres wirkhch 
nach einem Bavd^og, dem es dargebracht wurde, benannt war^^o). 



157) Die ganze Inschrift lautet : L V rogmaioi -^laoog | rfjg djioaxsvfjg \ 
id'voev ro isqsov . | LA to Isqsov 6 ^ia\oos xcöv 'HövlUcov . \ LE d '&iaoos 
rco[v] I Kiodcov ro isqsov. 

158) Belege aus dem III. und II. Jahrb.: Dittenberger Syll. Gr. I 
no. 38 1 (254 v. Chr.), no. 225 19 (254 v. Chr.), no. 90? (196 v. Chr.); 
Papyri Petr. I no. 16, 23 (230 v. Chr.), P. Par. no. 4. Einmal Savnxos 
P. Tebtunis 332 (112 v. Chr.). In den Urkunden der Kaiserzeit ist 
Savdixog nicht selten, z. B. BCH. VI 440 Z. 1 (137 n. Chr.), Papjr. BGU. 
I 1533 (152 n. Chr.), III 9132.13 (206 n. Chr.), III 9372 (250 n. Chr.). 

159) BoiojToTg ds dtjfxoaiq xdd'aQfXog soti xvvog dixoro/urj&svrog rcov 
fisQcov öis^sld'sTv. 

160) Es kann diese Erklärung lediglich auf einer etymologischen 
Spekulation beruhen. 



— 111 — 

so dürfen wir schwerlich mit Otfr. Müller Dörfer I 304 diesen 
Gott als Apollo deuten. Hunde werden nur der Hekate, der 
ihr verwandten Genetyllis (Hesych s. v.) und dem Ares (Pausan. 
III 14, 9) geopfert, und im Namen Bdvd-og selbst liegt nicht 
der mindeste Hinweis auf eine Sühngottheit: denn das Adjektiv 
^avd^og meint eine spezielle Farbe des Haares und bedeutet 
keineswegs „rein" oder „hell". Die Bildung auf -t^og lässt es 
aber überhaupt zweifelhaft erscheinen, ob SccvöiKog von einem 
Gottesnamen abgeleitet ist, und wir werden deshalb den Namen 
vor der Hand noch zu den ungedeuteten makedonischen Worten 
stellen müssen. 

5. Schlussfolgerungen. 

Wenn wir jetzt, nachdem wir den erhaltenen altmakedonischen 
Wortschatz an uns haben vorbeiziehen lassen, die entscheidende 
Frage stellen: Geben die griechischen oder die barbarischen Ele- 
mente dem Makedonischen sein Gepräge?, so kann die Antwort 
nicht zweifelhaft sein. Von den 39 Glossen, deren Aussehen 
GMeyer „ganz fremdartig" fand, haben sich bei unserer Unter- 
suchung 10 als prächtige griechische Stücke herausgestellt: 
aßagyiva (54), yoTav (44), aqyinovg (45), aOTtilog (39), dcuga^ 
(75), ayxaq^og (88), "/.vvovTtevg (43), hvqvol oder "/.OQLvaioL (63), 
Taywv ayd (11), xdqwv (43). Auch von vier anderen ist es sehr 
wahrscheinhch, dass sie lediglich dialektische Formen gemein- 
griechischer Worte sind: yaßaXdv (50), ccqkov (64), ycHiteg (47), 
yiccQaßog (28). Da ferner ausser dem hoffnungslos verderbten 
QOVTO- TovTO. May,ed6veg Hes. und der ohne Ethnikon über- 
lieferten, sicher nicht makedonischen Glosse TtvlXel' d^qacei, Xi- 
yet, öiaßoa, d^gullei auch die beiden Monatsnamen JvoTQog, 
neglztog und die Ameriasglossen ßaödg (9), ßa&dlrj (13), laMrj 
(11), -^afxaocig (12), 7Ct%ciqi (14), GfÄCoyTi (14) ausscheiden, so bleiben 
von der Sammlung nur 15 Nummern übrig, bei denen der Ver- 
dacht nicht-griechischer Abstimmung begründet oder wenigstens 
erlaubt erscheint. Rechnet man ihnen wirkhch noch einige hinzu, 
die nach ihren Lauten zwar griechisch sein können, aber bis jetzt 
im Griechischen nicht zu belegen sind, so ist die Zahl gegenüber 
der Fülle echtgriechischer Worte des Makedonischen immer noch 
so gering, dass der griechische Gesamtcharakter des make- 
donischen Sprachschatzes dadurch nicht verwischt werden kann. 



— 112 — 

Besonders bedeutsam ist es, dass sich die dem Griechischen 
fremden Benennungen im Makedonischen auf einen ziemHch engen 
Kreis von Gegenständen und Begriffen beschränken. Als Gruppen 
treten hervor die Namen von Pflanzen und Tieren (aßayva 
41, aXi^a 42, ccG/VQig 42, YXa§ 42, ccUtj 43, soTegr/Mi 45, rcagaog 
47, auch a^og? 38), von Speisen und Getränken (ßardqa 72, 
dgccfiig 72, /.lavTva 70, adia-Aog 72, lay,€ÖdfAa 73, ßaßgr^v 73), 
von Geräten (addai 66, yccgyiav? 67, dqcpvg'^ 67). Auch das 
eine oder andere Stück der Rüstung und Tracht hat vielleicht 
einen fremden Namen geführt (Gagioa 87, xavaia 55). Daran 
schliessen sich noch einige ihrer Bedeutung nach allein stehende 
Nomina: i^ela „heil!" (65), yiolog „Zahl" (74) und ccQyeXla „Bade- 
stube für das Schwitzbad" (59). Endlich war der Kult des 
Savadios mit den bacchantischen 2avdöaiy Khoöcoveg und MiixaX- 
kovsg (98) thrakischen Ursprungs: bei den Opfern, die diesem 
Gotte dargebracht sind, werden wohl auch die yoda „Eingeweide" 
(51) der Opfertiere ihre Rolle gespielt haben. 

Kein einziges barbarisches Wort, das sich auf die Verwaltung 
des Staates, auf das Heerwesen, auf das Recht bezöge! Neben 
dem Savadios der Kult altgriechischer Gottheiten, die tief in 
griechischer Anschauung wurzelten und nach deren Festen die 
makedonischen Monate benannt waren! Aber auch im täghchen 
Leben, in der Fauna und Flora überwiegend griechische Namen! 
Verlangen wir da, noch deuthcher zu sehen? In Makedonien 
sind zwei verschiedene Kulturen auf einander getroffen, von denen 
die höher organisierte griechische, vertreten durch die Könige und 
den Adel, Schritt für Schritt das Land eroberte und die Grund- 
lage des makedonischen Staates wurde. 

Ist aber diese griechische Kultur echtmakedonisch gewesen 
oder von aussen her in das Land eingezogen? Sind die 
griechischen Worte des Makedonischen echt-makedonisch oder 
aus dem Griechischen entlehnt? 

Eine Entlehnung des makedonischen Wortschatzes aus dem 
Griechischen müsste schon in alter Zeit erfolgt sein. Ein flüchti- 
ger Blick auf die Glossen lehrt, dass sie nicht attischen oder 
vulgärgriechischen Ursprungs sind und keine Gemeinschaft mit 
der von Philipp und Alexander eingeführten attischen Hof- und 
Staatssprache haben. Sie sind in ihrer Bildung äusserst alter- 
tümhch, zum grossen Teil auf Makedonien beschränkt und stark 
dialektisch gefärbt. Das Letzte ist das wichtigste. Sind wir 



— 113 — 

imstande, die makedonischen Glossen einem bestimmten griechi- 
schen Dialekte zuzuweisen, so gewinnen wir damit festen Grund 
auf einem Boden, den bis jetzt die Irrlichter der Hypothesen 
unsicher und gefährlich gemacht haben. 

Das nicht ganz unberechtigte Misstrauen gegen die alt- 
makedonische „Geschichte" hat zur Folge gehabt, dass in neuerer 
Zeit die Könige Alexander I. und Archelaos stark in den Vorder- 
grund getreten sind; erst sie sollen hellenischer Bildung und 
Sprache ihr Land erschlossen haben. Schon Amyntas I. bietet 
dem verbannten Hippias die Landschaft Anthemus als Zufluchts- 
stätte an (Hdt. V 94): die erste geschichtlich verbürgte An- 
knüpfung, die ein makedonischer König mit Hellas sucht! Drin- 
gender noch wirbt sein Sohn um die Gunst der Hellenen: er 
tritt bei den olympischen Spielen auf, er steht in den Perser- 
kriegen heimlich auf Seite der Griechen, schon im Jahre 480 
hat ihn Athen zum Ehrenbürger, zum Tigo^evog yial eveQyhrig 
gemacht (Hdt. YIII 136). Mit dem Ende der Perserkriege be- 
ginnt Athens Macht an der thrakischen Küste schnell zu steigen : 
476 wird Eion von Kimon erobert, die griechischen Städte der 
Chalkidike und der thrakischen Küste treten dem attischen See- 
bunde bei, auch Perdikkas ist ovi^if^iaxog yial cpilog der Athener 
(Thuk. I 57). Mit Amphipolis fassen diese im Jahre 437 festen 
Fuss an der Mündung des Strymon. Auf Perdikkas, dem man 
eine besondere Vorliebe für das Griechentum nicht nachsagen 
kann, folgt 414 Archelaos, der nicht nur in der Politik freund- 
schaftliche Beziehungen zu Athen unterhält, sondern auch attische 
Dichter an seinen Hof zieht: die Tragiker Euripides und Agathon 
verbringen dort ihre letzten Lebensjahre. Wenn also erst im 
fünften Jahrhundert die hellenische Kultur in Makedonien einzog, 
so hatte zweifellos schon damals das Attische die meiste Aus- 
sicht, am Hofe Makedoniens als offizielle Sprache eingeführt zu 
werden. FreiKch konnten ihm schon vor den Perserkriegen die 
ionischen Städte der Chalkidike den Rang abgelaufen haben. 
Ihr Einfluss erstreckte sich ja unmittelbar bis an die Küste 
Pieriens: dort lag, dicht neben Pydna, das schon im Jahre 473 
ri ''Ale^dvÖQov heisst (Thuk. I 137), die von Eretriern gegründete 
wehrhafte Stadt Methone, die ihre Unabhängigkeit zu behaupten 
wusste. 

Das sind Kombinationen, die so nahe liegen, dass wir uns 
nicht wundern dürfen, sie mit Vorliebe als Lückenbüsser zwischen 

Hoffmann, .Makedonen . 8 



— 114 — 

die dürftigen Tatsachen der makedonischen Geschichte des fünften 
Jahrhunderts eingereiht zu sehn. Aber ihr dämmriger Schein 
muss dem klaren Lichte, das von den Sprachresten selbst aus- 
strahlt, weichen. Die makedonischen Glossen beweisen, dass 
weder Athen noch die ionischen Städte den Makedonen 
die griechische Sprache gebracht haben können. Denn es prägt 
sich in ihnen deutlich der thessalische Dialekt aus. 

Eine der hervortretendsten Eigentümlichkeiten der makedoni- 
schen Sprache ist die Apokope der Präpositionen: auo-OTVilog 
wird über aTt-aniXog zu a-OTtiXog „Giessbach" (39), aTto-ßXve 
über aß-ßXve zu a-ßXoße „spende!" (99), ava x^Q(xav zu ay yag- 
fxav „hoch die Lanzenspitze!" (88), sjtL-d-eaTQog xihQv iTti-deaTQog : 
iTt-öeavQog : ed-öeargog zu e-ölazQog „Aufseher" (79). Diese Er- 
scheinung ist im Attischen und Ionischen äusserst selten, in den 
dorischen Dialekten bei ava, nazd, tcotL sehr verbreitet (Boisacq 
dial. Dor. 122 ff.). Aber kein Dialekt ausser dem Thessalisch- 
Äolischen hat die Präpositionen a/rd, Irti, vtco verkürzt. Und 
auch hier besteht noch ein Unterschied: im Äolischen sind cctc 
und V7t sehr selten und kommen nur vor labialem Anlaute vor 
(«TT 7ia%eQ(x)v Alkaios 104, ajtjtefxxpei o 83, vßßdlXeiv T 80), 
während das Thessalische die einsilbigen Formen auch von den- 
talen Anlauten zulässt und diesen assimihert: dz zag aus cctv Tag, 
h %ol aus Itt Tol (HoFFMANN GD. II 521). Also können aoTti- 
log, iöeazQog und auch aßloe nur thessalische Bildungen sein. 

Nicht minder charakteristisch als diese weitgehende Apokope 
ist für das ThessaUsche der Wandel von ursprünglichem co in ov 
(ü). Er wird zwar erst in den Inschriften ionischen Alphabetes 
bezeichnet, ist aber sicherUch viel älter gewesen {Hoffmann GD. 
II 368 ff.). Auch ihm begegnen wir in zwei makedonischen 
Glossen: yivvovTtevg „Bär" aus y^vwTtsvg (43), dxQovvol „Grenz- 
steine" aus dyiQcovol (74). Wenn daneben in anderen Worten 
auch CO geschrieben wird, so erklärt sich das aus der schon oben 
S. 16 hervorgehobenen Tatsache, dass nicht alle makedonischen 
Glossen getreu phonetisch aufgezeichnet sind. 

Dieser Übereinstimmung zwischen dem Thessalischen und 
Makedonischen in zwei wichtigen Lautgesetzen gesellen sich ver- 
schiedene Berührungen im Wortschatze hinzu: zayog war ein 
bestimmtes Staatsamt bei den Makedonen und Thessalem (77); 
ob die iiaTtva makedonischen oder thessalischen Ursprungs sei, 
darüber gingen schon im Altertume die Ansichten auseinander 



— 115 — 

(70); mit dem thessalischen Brotnamen ödga-Tog teilte das 
makedonische dqd-fxig wenigstens den Stamm (72); endlich wurde 
von Makedonen und Magneten der Waffen tanz % et q 7t et La (90) 
aufgeführt und das Fest ^Exai^idta (93) gefeiert. Bedürfte 
KoEHLEES Vermutung (Sitzungsber. Berl. Akad. 1893, S. 494 ff.), 
dass das Wort haiQoi erst von König Archelaos bei seiner Neu- 
ordnung des Heerwesens aus dem homerischen Epos entlehnt 
worden sei, überhaupt noch einer Widerlegung, so würde sie 
allein schon durch den Namen dieses Festes gegeben sein^^i). 

Wenn also der makedonische Wortschatz entlehnt 
wäre, so könnte er nur den Thessalern entlehnt sein und 
zwar in früher Zeit: denn mit dem Augenblick, wo sich in 
Makedonien der Einfluss Athens und der Chalkidike geltend zu 
machen begann, kam Thessalien als Konkurrent nicht mehr in 
Betracht. 



161) Als Archelaos, so denkt sich Koehler die Sache, aus dem bis 
dahin ungeordneten und schlecht bewaffneten Fussvolk nach griechischem 
Vorbilde die bäuerliche Hopliten-Phalanx schuf, wollte er für sie und 
die adligen Eitter einen neuen gemeinsamen Namen, durch den die 
Gleichberechtigung beider Heereselemente und Stände ausgedrückt werden 
sollte, einführen. Er wählte dazu das homerische itatgoi, das er schlecht- 
hin von der Kitterschaft gebrauchte, während er die zum Hoplitendienst 
berufenen Makedonier mit einem dem iraigoi „nachgebildeten" Namen 
jisC'sraiQoi nannte. Das Letzte ist richtig: jisCstaigoi ist eine Nach- 
bildung. Aber sie wird als solche nur dadurch verständlich, dass mit 
dem einfachen szaigog unzertrennlich und von Alters her für die 
Makedonen die Vorstellung eines berittenen Kriegers verbunden war. 
Wenn der neugeschaffene Titel des ns^-sraigog für den Hopliten die 
rechtliche Gleichstellung mit dem Kitter ausdrücken sollte — und 
darin wird Koehler Kecht haben — , so musste ktaTgog ein bis dahin dem 
Kitter vorbehaltenes Prädikat gewesen sein. Sonst hätte ja der Name 
TisC-iraiQog zum Unterschiede von staTgog gar keinen Sinn. Da nun Homer 
überhaupt keine Kelterei kennt, so kann sraTgog in seiner makedoni- 
schen Bedeutung nicht aus den homerischen Gedichten entlehnt sein. 



116 



Dritter Abschnitt. 

Die makedonischen Personennamen. 

1. Allgemeines. 

Mochte May^ediov für einen aus Makedonien gebürtigen 
Grammatiker wie Amerias noch ein ethnischer Begriff sein : durch 
die geschichtlichen Ereignisse des fünften und vierten Jahrhunderts 
hatte das Wort für die Griechen eine weitere, politische Be- 
deutung gewonnen. MaY^edoveg hiessen die Bewohner aller Städte 
in dem Königreiche, dessen Grenzen Philipp nach Osten zu bis 
über den Strymon vorgeschoben hatte. Zu diesen Städten ge- 
hörten auch griechische Kolonieen an der Küste, von Pydna an, 
das schon im Jahre 473 unter makedonischer Herrschaft stand 
(Thuk. I 137, 1), bis zu dem im Jahre 357 von PhiUpp endgiltig 
besetzten Amphipolis i). Aber nicht nur in diesen Küstenplätzen 
war die „makedonische" Bevölkerung griechisch: auch in dem 
eigentlichen Makedonien hatten sich Griechen als Ansiedler nieder- 
gelassen. Als Mykenä im Jahre 468 von den Argivern ausge- 
hungert war, fand mehr als die Hälfte der Einwohner in Make- 
donien bei Alexander, dem Philhellenen, eine Zuflucht (Pausanias 
VII, 25, 6). Nach Theopomp hatte die Unterwerfung Euboia's 
durch Perikles im Jahr 445 zur Folge, dass die Histiäer »za5-' 
ofxoXoyiag« nach Makedonien auswanderten (Strabo X 445). 
Häufiger noch als in solchen Kolonistenzügen werden sich ein- 
zelne Griechenfamilien in den Hauptstädten angesiedelt haben. 

Tritt also im vierten Jahrhundert irgend ein dvrjQ May^eöcov 
mit einem griechischen Namen auf, so ist es gar nicht festzu- 



1) Unter den tQc^Qagxoi werden von Arrian Ind. 18, 4 als >yMa>esö6vsg«. 
aufgezählt drei Männer aus Ampbipolis {Nsagxog 6 'Avdgotifzov, Aaofiiöcov 
6 Äagixov, 'Avdgoo'&svrjg 6 KaXXioxQaxov) und zwei aus Pydna {MrjZQcav 6 
'JEmxäQfiov, NixaQ/Jörjg 6 Slfxov). 



— 117 — 

stellen, ob das wirklich ein echter Makedone oder ein in den 
makedonischen Staatsverband aufgenommener Grieche war. 

Aber nicht nm:* Griechen, sondern auch illyrische und thra- 
kische Stämme gingen in dem makedonischen Königreiche auf. 
Anschaulich schildert uns Thukydides II 99, wie die makedoni- 
schen Könige von Aigai aus Schritt für Schritt ihre Herrschaft 
nach Osten ausdehnten. An beiden Ufern des Axios sass nach 
B 848 n 287 das illyrische Volk der üaloveg; die westlich vom 
Axios liegende Landschaft ^H/tiad^la hiess einst Tlaiovla (Polybius 
XXIII, 10, 4) und Xerxes marschiert von der Mündung des 
Strymon zu der des Axios »dca rrjg naLovi/,^g« (Hdt. VII 124). 
Die Stämme zwischen Axios und Strymon fasst Thukydides II 99 
mit dem Kollektivnamen ^Hdcoveg, der eigentlich nur dem am 
östlichsten wohnenden Stamme zukam, zusammen. Tomaschek 
Thraker I 33—39 hält sie für Phryger, wie schon F 186 der 
Mvyöcüv, der Heros eponymos des west-edonischen Stammes der 
Mvyöovsg, ein »0qv^« genannt wird. In Sprache und Abkunft 
wären sie dann eng verwandt gewesen den thrakischen BiaalTai, 
die westHch von der Strymonmündung das Griechentum der 
Chalkidike nach Norden zu begrenzten. Schon vor den Perser- 
kriegen waren die Ualoveg am unteren Axioslaufe von den Make- 
donen unterworfen. Über Anthemus hin, das Amyntas im Jahre 
510 dem vertriebenen Hippias zum Wohnsitz anbietet, greift die 
Hand des Alexander I nach den reichen Bergwerken der Bisal- 
ten, die ihm täglich ein Silbertalent einbringen (Hdt. V 17). 
Unabhängig sind zur Zeit des peloponnesischen Krieges noch die 
Edonen (iTtrirazog 6 ^HScovcov ßaoiXevg Thuk. IV 107 aus dem 
Jahre 424, Fha ßaaiXewg ^Hdwvav und Ferag ^HSwvecov ßaOL- 
levg Münzlegenden Coins Brit. Mus. Maced. 144). Aber schon 
die Griechenstädte Amphipolis und Thasos drängen lüstern nach 
den Goldbergwerken des Pangaion; und als dann Philipp nach 
der Eroberung von Amphipolis den Strymon überschreitet und 
die mitten im Edonen-Gebiete gelegene thasische Kolonie Kgrjvi- 
Seg unter dem Namen OiliTtTtoL zur östlichsten Grenzwarte seines 
Reiches erhebt, da gehen auch die Edonen im Makedonen turne 
auf. Ihr Stammesname verschwindet. 

Es können also unter den makedonischen Namen des V. und 
IV. Jahrb. auch illyrische und thrakische vertreten sein, deren 
Träger sich nur als Reichsangehörige, nicht ihrem Volkstume 
nach McLy.ed6vBg zu nennen berechtigt waren. 



— 118 — 

Ein Zweifel an der echtmakedonischen Abstammung ist nur 
bei den Fürsten und ihren adligen Gefolgschaften, den haigoi, 
ausgeschlossen. Sie heben sich am schärfsten in den Kriegen 
Alexanders von den übrigen Makedonen ab : die Hetären-Keiterei, 
ij %7t7tog ij hcaLQiY.iq, ist die vornehme Truppe, in der zu dienen 
ein Vorrecht der Kitterschaft, der eraiQOL war. So bildet Arrian 
eine besonders wertvolle und zuverlässige Quelle für makedonische 
Namen. Freilich lässt auch sie uns mehr als einmal im Stich. 
Das "Wort »kcalQOL«, das ursprüngUch nur eine Standesbezeich- 
nung für die adüge Eitterschaft war, erweiterte im IV. Jahr- 
hundert seine Bedeutung: es wurde auf die persönhche Umgebung 
des Königs, seinen Hofetaat im Frieden, seinen Stab im Kriege 
übertragen. Dazu gehörten aber auch Griechen. Dass bei ihrer 
Aufiiahme unter die Hetären Philipp nicht wählerisch vorging, 
sondern auch zweifelhafte Elemente zuliess, wirft ihm Theopomp 
im 49. Buche der loTogiac vor (bei Athenaeus IV 167 b Poly- 
bius VIII 11, 6) »€7teLTa d^ ol etalgot avcov «z no'kXav totzlüv 
r^aav ovvsQQvriyiOTeg , oc fxev yaq s^ avT'^g xijg x^Q^Sy oC öi sx. 
QeTTaXlag, ol öi ey. zijg aXXtjg '^'ElXaöog, ovk aQiOTlvdtjv e^€i- 
leyfihoL, alX^ sY xig f(v Iv Tolg '^'Eklriotv 7^ zölg ßagßaQOLg 
XdazavQog r] ßöekvQog rj d-Qaovg tov tqouov, ovtol axeöbv arcav- 
reg elg ManeSovlav ad-qoiO&tvTeg szoIqol (DiXiTtTtov nqoariyo' 
qevovTO« % Während des Alexanderfeldzuges war »Twr halgcov^ 

2) Zwei solcher »erar^ot« griechischer AbstammuDg am Hofe Philipps 
waren z. B. 'Egiyviog o Aagixov und Aaofxedcov 6 xovxov ddekq^ög. Sie 
stammten nach Diodor XVII 57 XVIII 3 39 aus Mytilene, und dazu 
passt vortrefflich die Tatsache, dass der Name Adgixog speziell als äolisch 
bekannt ist: ein Bruder der Sappho führte ihn (Athenaeus X 425a), und 
eine Familie in Assos scheint den Erstgeborenen jeder neuen Generation 
abwechselnd AaQixog und Ai'tcXeidag genannt zu haben (Hoffmann GD. 
II 103, Inschriften aus Assos no. 144). Beide Brüder wurden zusammen 
mit Harpalos, Ptolemaios Lagu und Nearchos von Philipp, der ihnen Hof- 
intriguen zu Gunsten Alexanders zum Vorwurf machte, in die Verbannung 
geschickt (Arrian III, 6, 5; Plutarch Alex. 10), aber von Alexander gleich 
nach seiner Thronbesteigung zurückgerufen. Laomedon scheint damals 
seinen Wohnsitz in Amphipolis genommen zu haben: denn unter den 
„makedonischen" Trierarchen aus dieser Stadt wird von Arrian Ind. 18, 4 
auch Aaofxsdcav ö Aagixov aufgeführt {Aa/njisdcov überl.: verbessert von 
Schmieder). Während des Feldzuges wurde Laomedon, »ort diyXcoaoog ^v 
ig xä ßaQßagixä yQcif^fiaxa« (Arrian III, 6, 6), mit der Aufsicht über die 
aix/ndk<oxoi ßdQßagoi und später mit der Führung einer Triere, Erigyios 
dagegen mit verschiedenen militärischen Posten betraut: er ist InndQxv^ 



— 119 — 

ein Titel für die Offiziere des Stabes, die vom Könige mit be- 
sonderen militärischen Aufträgen oder mit der Verwaltung be- 
traut wurden und mit den Hetären-Reitern gar nichts zu tun 
hatten (Dkoysen Unters, z. Alex. d. Gr. Heenv. 30). Von Arrian 
werden unter ihnen verschiedene Griechen genannt : so ^riJuagaTog 
äviiQ KoQLvd-Log twv a^cp avTov hraiQwv Anab. I, 15, 6; ^^rtoX- 
loöiOQog 6 ^^(ÄcpiTto'kLTriq tcov eTalgcov tcov ^Xe^dvögov Anab. 
VII, 18, 1; Mriöiog . . tcov ezaigcov Iv tco tote c Ttid^avcüzaTog 
(Anab. VII 24, 4) 6 "O^v&efXLÖog ^agioalog Ind. 18, 7. Ist also 
von einem haTgog mit griechischem Namen nicht ausdrücklich 
überliefert, dass er zur makedonischen Ritterschaft gehörte, so 
bleibt es immer noch möglich, dass es ein Grieche aus der persön- 
lichen Umgebung, aus dem Stabe des Königs war. 

Selbst wenn aber an der echtmakedonischen Abstammung 
eines exaiQog kein Zweifel aufkommen kann, so ist damit sein 
Name noch nicht als makedonisch erwiesen. Eine grosse Zahl 
von Hetären-Namen kehrt in der griechischen Heldensage wieder. 
Da nun der königliche Hof — wie das von Alexander I an ge- 
schah — geflissentlich griechische Kultur nach Makedonien ver- 
pflanzte, da die Dynastie der Argeaden als Ahnhen-n sich den 
HerakHden Temenos zulegte, so war es begreiflich, wenn auch in 
den makedonischen Geschlechtern das Streben hervortrat, ihren 
Adel durch Namen aus der griechischen Heldensage zu verbrämen 
und so zugleich mit griechischer Bildung zu prunken. Das hat 
vWiLAMOWiTZ Herakles I^ 263 richtig hervorgehoben. Aller- 
dings sind die von ihm als Beispiele der Entlehnung aufgezählten 
„literarisch berühmten Hellenen-Namen" so wenig glücklich ge- 
wählt, dass sie eher gegen ihn als für ihn zeugen. Würde denn 
Amyntas I, wenn er für seinen Sohn den Namen l^Xe^avdgog 
aus der Ilias geborgt hätte, damit wirklich seiner Bewunderung 
für das Griechentum Ausdruck gegeben haben? Der Sohn des 
Priamos war für die Makedon en ebenso wenig wie für die Griechen 
ein „Hellene". Und von seinem Heldentume war wahrhaftig nicht 
viel Rühmens zu machen: alX^ outi I'otl ßlt] cpQEölv ouöi rig 
dXxT] sagt Hektor zu ihm mit bissigem Hohn (F 45), und der 
burlesk endigende Zweikampf des F zeigt uns den weichlichen 

TCOV avfxfxdxcov Arrian Anab. III 6, 6; 11, 10 Diodor XVII 57; führt xovg 
(iiad'OcpÖQovg ijutsag III 20, 1 ; kommt avv toTg axsvoqpoQoig xai raig dfid^aig 
III 23, 6. Als Stabsoffizier (tc5v haigcov) erhält er ein Kommando gegen 
die 'AqsToi Arrian III 28, 2—4; Diodor XVII 81—83. 



120 



Jüngling von der schönsten Seite. Ein makedonischer Königs- 
sohn, den sein Vater mit Anspielung auf den homerischen Weiber- 
helden ^^Xe^avÖQog genannt hätte, würde ihm das schwerlich ge- 
dankt haben. Nicht besser steht es mit dem Namen KaoGavögog. 
So heisst ja überhaupt kein einziger Held der alten Sage 3). 
Homer kennt nur die Kaoadvöqa, die Tochter des Priamos. Und 
nach dieser troischen Unglücksseherin sollten makedonische Grosse 
ihre Söhne benannt haben? Ein Grieche JlTolsf-ialog kommt 
freihch in der Ilias vor. Aber als was? Einmal {J 228) wird 
als Wagenlenker und d^eQccTtwv des Menelaos erwähnt ein »Evqv- 
fAtöcuv viog ÜTolsfiaLOv IleLQdtdao«. Und auf diesen obskuren 
Vater eines ebenso obskuren Sohnes*) soll der berühmte und sehr 
behebte Makedon enname IlToXeiiaiog zurückgehen? Das wäre 
doch im Kreise der wafFenfrohen Junker ein geradezu raffiniertes 
Prunken mit Bildung und Belesenheit gewesen! Ja, wenn noch 
ein Makedone ^Yag oder Jioi^ir^örig hiesse! Aber gerade die 
Namen der grossen Helden Homers sind selten in den makedoni- 
schen Geschlechtern, und das mahnt uns zur Vorsicht. Wenn 
andere entscheidende Gründe dafür sprechen, dass die Makedonen 
Griechen waren, weshalb sollen dann bei ihnen nicht auch Namen, 
die in der griechischen Heldensage vorkommen, echt und boden- 
ständig gewesen sein? 

Etwas anderes ist es ja, ob solche Namen geeignet sind, für 
die hellenische Abstammung der Makedonen ins Feld geführt zu 
werden. Denn mag es auch in dem einzelnen Falle aus be- 
stimmten Gründen unwahrscheinhch sein, dass ein makedonischer 
Name aus der griechischen Sage und Literatur stammt: schon 
die Möglichkeit der Entlehnung genügt, um ihm die unbedingt 
beweisende Kraft für sprachliche Schlüsse zu nehmen. 

Für die Sprachenfrage ruht also der Schwerpunkt der Unter- 
suchung auf denjenigen makedonischen Fürsten- und 
Adelsnamen, bei denen eine Entlehnung aus dem Grie- 
chischen so gut wie sicher ausgeschlossen ist. Von den 
zahlreichen, fast ausnahmslos griechischen Namen, die Makedonen 
unbekannten Kanges in der Literatur und den Inschriften tragen, 
habe ich nur wenige ausgewählt und zum Schlüsse besprochen. 

3) Nur Quintus Smyrnaeus VIII 81 führt unter den Bundesgenossen 
der Troer einen KdooavÖQog auf. 

4) Keetschmer KZ. XXXI 426 macht freilich einen „im homer. 
Epos verherrlichten Helden" aus ihm. 



{ 



— 121 — 

Ihre Sammlung mag einem künftigen makedonischen Namen- 
buche vorbehalten bleiben: hier würde sie dem unparteiischen 
und unbefangenen Urteile nur hinderlich sein. 

2. Das Herrscherhaus der Argeaden. 

Der Stammbaum der makedonischen Königsfamilie, wie er 
von dieser selbst im V. Jahrb. offiziell anerkannt war, gab dem 
Archelaos (f 399) acht Ahnen. Die Gesamtzahl steht bei 
Thukydides II 100, 2 (ol allot ßaailrjg 07,tco tcqo avvov yevo- 
HEvol)^ die einzelnen Namen mit Ausnahme des letzten (Perdik- 
kas II) zählt Herodot VIII 139 auf: ^^uvvzew naig ^v ^^le^av- 
ÖQog, ^AjüvvTrig ds ^^X/jTeco, ^AXyiheco di Ttavi^Q tjv l^egoTcog, 
Tov Ö€ (DiXiTCTCog, (DiXiTtTtov de ^^gyalog^ zov de IleQÖU ATjg o 
y.Tr]Gaj,ievog zrjv agx^iv. 

Mag immerhin Amyntas die „erste geschichtlich noch eben 
bekannte Persönlichkeit" (ESchwaetz Königshsten d. Eratosth., 
Abhandl. GGW. Bd. 40, S. 79) der Eeihe gewesen sein, so 
stehen doch die beiden Tatsachen unerschütterlich fest, dass die 
Liste mit dem Perdikkas an der Spitze in sich geschlossen ist 
und dass ihre Namen echtmakedonische Fürstennamen sind. 
ScETvvARTZ hat sich durch den Namen ^^gyeddai dazu verleiten 
lassen, den ^Agyalog zum Eponymos des Geschlechtes zu stempeln, 
dem im V. Jahrb., als sich die makedonischen Könige dorischen 
Adel beilegen wollten, der „Temenide" Perdikkas vorgesetzt 
worden sei. Aber kann denn ^^gyeddai als Patronymikum von 
^^gyalog abgeleitet sein? In jenem Namen ist das «, in diesem 
das ai sicher verbürgt. ^^gyedÖT^g^ das als Patronymikum schon 
n 417 vorkommt, setzt den Vaternamen ""Aqyeag (Angermann 
Curtius Stud. I 11) voraus, und da Namen auf -eag bei den 
Makedonen sehr beliebt waren, so hat sich das Geschlecht oder 
die Phratrie der Argeaden nach einem nicht weiter bekannten 
Ahnen Namens Idgyeag genannt (Fick KZ. 220), wie sich die 
thessalischen ^AXevddcti auf den ^uälevag (thess. Name Samml. GDI. 
no. 3402) zurückführten, die ''Avd^eddaL in Hahkarnass (Steph. 
Byz. s. v. ^A&rjvai) auf einen ^Av^iag u. s. w.^). Mehr als einer 



5) Die bei Appian Syr. 63 stehende Erklärung des Namens >>'AQyog 
to SV VQsazsiq., o^ev ol 'AgysaSai MaxeSoveg^ ist (trotz Abel Makedonien 
95) unhaltbar. Liesse sich die Bildung auch zur Not rechtfertigen 



— 122 — 

dieser alten Phratrie-Namen setzt einen Ahnen voraus, von dem 
uns sonst weder Geschichte noch Sage etwas zu erzählen wissen. 
Der makedonische Eponymos ^Aqyicto, hat also mit dem ^Aqyalogy 
dem Sohne des Perdikkas gar nichts zu tun; dieser '^gyalog ist 
nicht der Anfang, sondern ein Mittelghed der Argeaden-Reihe. 
Damit fällt natürlich auch die Vermutung, dass der Perdikkas 
„vorgesetzt" sei, um die Argeaden mit den Herakhden von Argos 
in Verbindung zu bringen. Das ist ja schon einfach deshalb aus- 
geschlossen, weil in der argivischen Heraklidenreihe der Name 
Perdikkas gar nicht vorkommt: Perdikkas ist nur in Makedonien, 
nirgends anders heimisch. Wäre der Argaios wirklich der Epo- 
nymos gewesen, so würden die Argeaden durch Vorsetzung eines 
Perdikkas ihrem Ziele, sich als dorische Adhge zu erweisen, um 
keinen Schritt näher gekommen sein: sie hätten ebensogut den 
Argaios für einen Temeniden ausgeben können. 

Dass die Argeaden schon am Anfang des V. Jahrhundert 
ihr Geschlecht aus dem peloponnesischen Argos abzuleiten ver- 
suchten, dass sie Temenos als ihren Ahnherr ausgaben, zeigt die 
von Herodot VIII 137 überHeferte Gründungssage des makedoni- 
schen Reiches: s^ ^Agyeog t(pvyov ig ^IllvQiovg ziov Ttjinevov 
artoyovMv TQEig aöeXcpsol Favarrig te yial ^Aiqojtog y,al neQdLY,y,r]g. 
Da uns Herodot keine Mittelglieder zwischen Temenos und Per- 
dikkas nennt, so vermutet Schwaktz, dass es solche ursprünglich 
überhaupt nicht gegeben habe. In der Tat beruft sich Alexander I, 
der Philhellene, um sein Griechentum zu erweisen, nicht auf eine 
geschlossene Ahnenreihe bis zum Temenos hinauf, sondern ein- 
fach auf die Tatsache, dass er ein Argiver sei: Herodot V 22 
ßov'kopdvov ycLQ ^^Xe^dvögov aed^XeveLv (ev OXv^rtirj) Y.al "^axa- 
ßdvTog Itz avTo tovto, ol dvTid^evoofXEvoL'^EX'ki^vwv i^elgyov (j.iv, 
(pdfievoL ov ßaQßaQCüv dywvLOilwv eivai xov dyixjva, dXXd '^EXXi^- 
vcov. ^AXe^avÖQog ös iTieidij aTtdöe^e wg eYrj i^gyelog, eyigld^r^ xe 
eivat EXXriv y.al aycoviLoi-ievog gtccÖlov awe^iTtime t(^ TtQffho), 

In den letzten Jahren des fünften Jahrhunderts vollzieht sich 
eine bedeutsame Veränderung in der Ahnenreihe des Königs- 
hauses <^): Perdikkas tritt seine Stelle als Stammvater und Reichs- 



ClXidöac ßaodfj€5 Eur. Andr. 1024), so würde doch die Benennung eines 
einzelnen Geschlechtes nach einer Landschaft iinangemessen sein. 

6) Thukydides kennt sie noch nicht, wie die oben angeführte Stelle 
beweist. 



I 



I 



— 123 — 

gründer an einen bis dahin unbekannten König ab, den Kaga- 
vog. Dass dieser am Anfang des IV. Jahrh. offiziell als Ahne 
der Argeaden anerkannt war, hat Gutschmid Kl. Sehr. IV 74 
treffend daraus geschlossen, dass Philipp seinen jüngsten, wenige 
Tage vor seinem Tode geborenen Sohn Kdgavog nannte. Auch 
in den Adelsfamilien bürgerten sich im IV. Jahrhundert die 
Namen Kdgavog und Kolvog — so heisst der Sohn des Karanos 
— ein: beide sind im Heere Alexanders durch zwei bekannte 
halgoL und Truppenführer vertreten 7). Wenn also die Chrono- 
graphen, Theopomp an der Spitze, bei der Aufstellung des Stamm- 
baumes der Argeaden nicht von Perdikkas, sondern von Karanos- 
als dem ersten Könige ausgehen, so haben nicht sie erst den 
Karanos mit dem Geschlechte der Argeaden zusammeiagebracht, 
sondern sie fanden schon eine am makedonischen Hofe bekannte 
Tradition vor. Diese tritt uns zuerst in der von Euripides in 
seinem „Archelaos" dramatisch behandelten Sagenform entgegen. 
Das Drama, dessen Inhalt wir durch Hygin Fab. 219 kennen,, 
schilderte die Gründung des makedonischen Reiches durch Kara- 
nos; den Namen des Helden taufte Euripides seinem königlichen 
Gönner zu Liebe in Archelaos um. Karanos-Archelaos kommt 
als Sohn des Temenos, von seinen Brüdern vertrieben, nach 
Makedonien zum Könige Kissens, der in Feindesnot ihn um Hilfe 
bittet und als Lohn Reich und Tochter verspricht. Der Teme- 
nide besiegt die Feinde, aber den König reut sein Wort: er will 
sich des unbequemen Fremdlings entledigen, indem er ihn in eine 
mit glühenden Kohlen gefüllte Grube zu locken sucht. Durch 
einen Sklaven wird der Plan verraten, Karanos stürzt den König 
in die Grube und flieht, von einer Ziege geführt, nach Make- 
donien, wo er auf Apolls Geheiss die Stadt Aigai gründet«). 

7) Kdgavog, haiQog und ijiTiaQxrjg Ar. Anab. III 28, 2. IV 3, 7; 
5, 7. Der Makedone Hippolochos beschreibt bei Athenaeus IV 128 b 
»xovg Kagdvov rov Manedövog ydfiovg«. — Koivog, einer der von Arrian 
am häufigsten erwähnten Feldherrn, führte eine id^ig der jzeCsratQoc (»/ 
Koivov zd^ig ol jcsChaiQoi xakov^Evoi II, 23, 2) und stand in besonderer 
Gunst beim Könige («V xoTg jiiotordtoig L4ks^dvÖQ(p cov x&v itaigcov VI, 2, 1). 
Der Sohn dieses KoXvog hiess üsQÖUxag, vgl. Dittenberger Syll.'-^ no. 1782^ 
ßaodevg KdaaavÖQog öidcooi IleQÖixxai Koivov. 

8) In dieser euripideischen Bearbeitung der Karanossage stammt 
ein Motiv aus der von Hdt. VIII 137 erzählten Perdikkassage (Gutschmid- 
Kl. Sehr. IV 58): wie Perdikkas, der bei dem Könige der Stadt Lebaia 
im Solde steht, von diesem um seinen Lohn betrogen wird, so auch 



— 124 — 

Diese Gründung von Aigai durch Karanos wird uns ausführ- 
licher, aber ohne das Kisseus-Motiv von Euphorion Fragm. 24 
(Meineke Analect. Alex. 59) und Pompejus Trogus bei Justin 
VII, 1, 7 erzählt: der Peloponnesier Karanos habe vom delphi- 
schen Orakel den Auftrag erhalten, sich in Ematheia da nieder- 
zulassen, wo sich Ziegen lagerten. Einer Ziegenheerde folgend 
sei er mit seinen Begleitern in die Stadt Edessa, deren Ein- 
wohner ihn wegen des Regens und Nebels nicht bemerkten, ein- 
gedrungen und habe diese als Hauptstadt nach den Ziegen ^lyai 
genannt. Das Detail der Sage entsprang der volksetymologischen 
Deutung des Namens ^lyal; ihr Kern ist die geschichtliche 
Tatsache, dass die Stadt Aigai ursprünglich ^'EöeoGa hiess und 
erst von den Makedonen ^lyal genannt wurde. Ohne dichterische 
Ausschmückung, in der schlichten Form, wie sie die Lokal- 
historiker des IV. Jahrh. in ihren »Maxeöovi/,(x<^ erzählten, steht 
die Karanossage bei Syncellus 198 A (Script. Hist. Byz. XII 
373): Karanos, der Bruder des Argiver-Königs Pheidon, kommt 
nach Makedonien, GVf.ijnax}jaag de y,al ro) tcov ^OgeoTcov ßaoikel 
Tiata TCüv 7tXTiöL0%cüQ(i)v ^EoQÖavcov Xeyofxlvwv xijg yiavaATrj&elarig 
XOJQag TO rjiLiiGv TiQOoXaßcov ölcc t^v ov/x/naxiav jtaqiXaße ttjv 
Ma/^sdoviav vmI eKtioe Ttdhv iv avTTJ Karci xgr^oiudvf e^ r^g 
OQixwiiEvog owBOTTjoaTO Ttjv Ma/,eöoviy,riv ßaoiXelav. Den hier 
verschwiegenen Namen des Königs der Eordaeer nennt Pausanias 
IX, 40, 8 leyetai de vtzo MaY.ed6vo)v Kaqavov ßaoiXevovra ev 
Ma%edovL(^ Tcgarijoai iuccxj] KiGoecog, dg eövvdaTevev ev x^^Q^ '^fi 
of-iogo)' /mI (xev xqoTtaiov 6 Kdqavog 7.a.xa vo/xovg rovg 1^^- 
yelcov eovr^Gev eul rf^ vi/,r] vjiX. 

Karanos gehört also nicht der makedonischen Geschichte an, 
sondern der makedonischen Heldensage. Diese führt uns aber 
nach Thessalien hinüber. Bereits Abel 101 ff. hat die treffende 
Bemerkung gemacht, dass die Namen Kagavog und Kolvog in 
etwas anderer Form in der Lapithen-Sage wiederkehren. Dem 
Lapithen-Könige ITeigld^oog stand nach B 745 beim Kampf gegen 
die Kentauren ein »AeovTevg otog ^[Agrjog, riog vtvsq&viliolo 
KoQcorov KaLvstöao« zu Seite. Nach einer anderen Erzählung 
w^ar es Kaivevg, der Vater des Kogcovog, der gegen die Ken- 



Karanos von einem Könige, dem er zu Hilfe eilt. Dieser wird von Euri- 
pides mit dem Eordaeer-Könige Ktoosvg, den Kdgavog nach der land- 
läufigen Sage besiegt, verschmolzen. 



— 125 — 

tauren kämpfte: er wird A 264 zusammen mit dem UeiQi&oog 
genannt, und Apollonius Rhodius I 59, der den Kogwvog aus 
Gyrton am Argonautenzuge teilnehmen lässt, erzählt von seinem 
Vater: Kaivea yag ^coov tibq eftt/,X£iovGiv doidol KevravgoiGLv 
oUö^ai. Eine andere thessalische Sage, die sich an den Kogw- 
vog Kaivewg knüpfte, steht bei Diodor. IV 37. Einstmals wurde 
der in der thessalischen Landschaft Hestiaiotis herrschende Dorer- 
könig Aigimios von dem Lapithen-Fürsten Koronos, dem Sohne 
des Kaineus, hart bedrängt. Er rief deshalb den Herakles zu 
Hilfe. Dieser kam und erschlug den Koronos. 

Die Identität von Kogwvog und Kagavog, Kaivevg und Kol- 
vog folgt mit Sicherheit daraus, dass neben den beiden offiziell 
anerkannten Namensformen Kdgavog und Kolvog im Munde des 
makedonischen Volkes zwei andere lebten, die im Vokalismus 
der Stammsilbe mit den Namen der Lapithen-Sage überein- 
stimmten. Die eine steht bei Hesych: Kogavvog- ßaGilevg 
3Iay,edovLagf die andere in einer durch das Etymol. Magn. 523, 26 
erhaltenen Anekdote des nationalmakedonischen Historikers Mar- 
syas aus Pella: Magovag lorogelj otl KvcoTtig xo yevog KoXxog 
elg Ma'AEÖovLav iXd^cov öiergiße nagd Kagdvq). Yiov de yevo- 
f.ievov Tqf Kagav(^) zal ßovXrj^evTi tov nalda auo tov Ttargög 
6vof.idCeiv Kagagcova (var. lect. Kigdgova) dvd-loTaTO tj jUTJztjg y.al 
avTTJ aTtb TOV Idiov naigog ovonao^r^vai tov iccuöa ßovlof.ievr], 
KvwTCLg ö* ega)T7]d^elg eiTte (.irjöeTtgov ovo^dteod^ai avxov, ÖLoneq 
Kolvog tAlri^iq. Evioi öi dfuagTdvovoi, Kalvov avTov yiaXovvTeg. 
Die Tendenz dieser Erzählung ist klar. Es gab Kreise des 
makedonischen Volkes, die den Sohn des Karanos Kcävog nannten» 
Kolvog aber war die gewöhnliche, vom Hofe anerkannte Form. 
Um diese durch eine „wahrhaftige" Begebenheit als die richtige 
zu erweisen, erzählt Marsyas seine Anekdote, die allerdings sehr 
ungeschickt erfunden ist: denn wenn jemand weder nach dem 
einen noch nach dem anderen Grossvater benannt wird, so ver- 
dient er doch deshalb nicht den Namen Kolvog. 

Die zwischen Kogwvog und Kdgavog in der Mitte stehende 
Form Kogavvog löst das Hätsel, wie die Makedonen dazu kamen, 
den alten Lapithen Kogwvog in einen Kdgavog zu verwandeln. 
In Kogavvog haben MSchmidt in der Hesychausgabe , Fick 
Odyssee 321, KZ. 228 und Solmsen IF. VII 48 mit Recht die 
echtmakedonische Dialektform des griechischen Kdgavog gefun- 
den : wie im thessalischen und äolischen Dialekte ist -vv- aus -ov- 



— 126 — 

hervorgegangen (Grundform *KdQao-vo-g) und a neben ^ zu o 
verdumpft worden (vgl. thess.-boeot. eQOzög, aeol.-boeot. orgozog, 
aeol.-boeot. Ttogvoip, aeol. Ttrogiog, jnogvdinevog u. s. w. Hofe- 
MANN GD. II 356 ff.). Kagavog war aber im Griechischen nicht 
nur Name, sondern auch Appellativum und bedeutete „der Häupt- 
ling, der Anführer'' (ion. yLagrjvov „Haupt"). Die Lakedaimonier 
gebrauchten das Wort am Ausgange des V. Jahrb., wie aus dem 
Briefe hervorgeht, den der König Dareios im Jahre 408 mit dem 
königlichen Siegel nach Sparta schickte: »zaraTT^/f/rw Kvqov 
Kagavov tcüv eig KaoTiolov dd^goiCofAtvojv« (bei Xenophon Hel- 
len. I, 4, 3, der zur Erklärung hinzufügt: tö öe xdgavov ioTi 
xiQiov) ^). Als nun die makedonische Sage den Lapithen Kd- 
^(ovog zum Gründer der makedonischen Stadt Aigai und zum 
ersten Könige erhob, da gab das Volk auch seinem Namen eine 
Deutung, die seiner neuen Stellung entsprach: aus dem Koqw- 
vog machte die Volksetymologie geistreich und nur mit einer 
geringen lautlichen Änderung den Kogawog, den „Herrscher'', 
den „Häupthng". Diese makedonische volkstümliche Form blieb 
unverändert, so lange die Sage von dem alten König lediglich 
für die Makedonen Wert besass. Als aber der Kogavvog nach 
aussen hin zu repräsentieren begann, als er für den Griechen 
^um makedonischen Nationalheros aufstieg, da wurde auch sein 
Name zu Kdgavog gräcisiert, einer Form, die die Makedonen in 
ihrem eignen Lande während des V. Jahrh. oft genug aus dori- 
schem, ja speziell aus spartanischem Munde hören konnten. 

Volksetymologie ist es auch gewesen, die aus dem Kalvog, 
dem Kaivevg der Lapithensage, einen Kolvog gemacht hat. Der 
Name Kalvog war farblos, es konnte sich mit ihm irgend eine 
bestimmte Vorstellung und Deutung nicht verbinden *o); y^Lvog 
dagegen bezeichnet im V. und IV. Jahrhundert zwei Eigenschaften, 
die zur Zierde des Königs gereichen, die Gerechtigkeit (Thuky- 
dides III 53) und Leutsehgkeit. 

Zu den makedonischen Namen dürfen also Kdgavog und 
Kolvog nicht gezählt werden: sie beweisen aber, dass das Make- 



i 



9) Auch als Name ist Kdgavos gerade bei den Dorern belegt: z. B. 
Aaxedaifiovicov fxsv Evai'vsrog 6 Kagi^vov Hdt. VII 173, kret. Kdgavog 
Samml. GDI. no. 50163. 

10) xaivog „neu" wird als griechisches Naraenwort von Fick-Bechtel 
GP.'^ 156 durch Krjvö-fiaxog (boeot.), Kaiviag, Katvig belegt. Kaivoi hiess 
■ein thrakischer Volksstamm nach Steph. Byz. s. v. und Strabo XIII 624. 



— 127 — 

donische ein Appellativum yMgavvog „Herrscher^^ besass und y.oiv6g 
in der Bedeutung „gerecht" oder „leutselig" kannte. 

Nachdem Kdgavog offiziell zu einem Ahnen der herrschenden 
Dynastie gemacht war, musste er natürlich auch seinen Stamm- 
baum bekommen, ja Diodor bei Syncellus 262 B (Script. Hist. 
Byz.XII499) weiss gleich mit zwei Stammbäumen aufzuwarten ^i). 
Der erste, den Theopomp vertritt, macht den Karanos einfach zu 
einem Sohne oder Bruder des argivischen Königs Pheidon und 
daraus ergeben sich dann seine Vorfahren bis zum Temenos hin- 
auf von selbst. Abel 100 vermutet, dass die späteren Genealogen 
den Karanos deshalb gerade mit Pheidon von Argos verknüpft 
hätten, weil in der altmakedonischen Heldensage in der Tat ein 
Pheidon und zwar der von Homer (^ 316 t 287) erwähnte Thes- 
proterkönig eine Rolle gespielt habe. Interessanter ist der zweite 
Stammbaum. Seine Namen sind wunderlich zusammengewürfelt. 
Ein HerakHde ist auch unter ihnen, der Kleodalogy der Sohn 
des Hyllos (Hdt. VI 52 VII 204 VIII 131), der auch im ersten 
Stammbaume als Grossvater des Temenos genannt wird, yta- 
yaqrig war, trotz des nichtattischen ä, im IV. Jahrhundert in 
Athen als Name nicht selten; EvQvßidöag hiess der bekannte 
spartanische Heerführer bei Salamis, Iloiag der Vater des Phi- 
loktet (y 190). Wie Kgoloog unter die Griechen kommt, ist un- 
verständlich: es wird eine Verwechslung mit Kgloog — auch der 
Name des tegeatischen Gesetzgebers Kgloog ist bei Pausan. VIII 
48, 1 in Kqoiöog verderbt — vorliegen ^% Rätselhaft bleibt der Name 
Jaißalog oder z/ißaXXog. Der Anklang an den spartanischen 



I 



11) ysveakoyovai d' avxov {KaQavov) ovxcog , wg (prjaiv o AiodcoQog xal 
Ol TioXkoi rcöv ovyyQafscov , mv sTg Hat Oeonofinog. Kagavog ^sldcovog (vgl. 
261 A Kagavog 6 ^ÄQyeXog dösX<p6g cov 0siöcovog) xov 'Agiotodafiida jov Msqo- 
Jiog xov Geaxiov xov Kiaotov xov TrjfÄSvov xov 'ÄQiaxofiaxov xov KXeaddxovg 
xov "YUov xov 'JlQaxXsovg. evioi ös äXXoyg , (prjoi , ysvsaloyovoi , (pdaxovxsg 
sivai Kdqavov Uoiavxog xov Kqoioov xov KXsoöaiov xov EvgvßidSa xov Aai- 
ßdXov (so Par. B, AsßdXlov Par. A geschrieben 1021) xov Aaxdgovg xov 
Trifisvov, og xal xaxrjl^ev slg JleXojiövvrjaov. ovxog 6 Kdqavog X' exyj ißaai- 
Xsvae' fxsd'' ov KoXvog naig ixr) xrj' . fisxd ds xovxov 6 viog TvQifi/uag sxrj fis' 
. . . sixa 'AgysTog Jiaig TvQififxa sxrj Xd' , fisd'" ov 6 ^IXtnnog viog lAgysiov 

€XT] Xs . 

12) Man könnte auch an den mygdonischen Heroen-Namen Kgovatg 
denken, vgl. Steph. Byz. s. v. Kgovoig' fioTga xrjg Mvyöoviag. Zxqdßcov 
ißöö/nij. rj yevixrj Kgovoidog. aTto Kgovaiog xov Mvydovog vlov. 



— 128 — 

Königsnamen OYßalog (Paus. II 2, 3; 21, 7 u. ö.) kann ebenso 
zufällig sein wie an die von Tomaschek Thraker II 2 S. 11 ff. 
zusammengestellten barbarischen Namen auf -ßalog. Mit einer 
Verschreibung von Jaißalog aus Jätfiiaxog (Jrjii.iayßg im Mythus), 
JalSalog oder einem anderen bekannten Namen darf kaum ge- 
rechnet werden. Bekanntlich hat Gutschmid Kl. Sehr. lY 66 mit 
kühner Phantasie aus den Herrschernamen des zweiten Stamm- 
baumes ein Stück der makedonischen Urgeschichte zu rekonstruieren 
versucht: in ihr treten Kgoloog als Lyder und JsßaXog als Illyrier 
(der Name soll mit dem illyrischen Flussnamen Devol identisch 
sein) auf. Das sind Luftgebilde, die ESchwartz a. a. 0. und 
Kaerst Hellenist. Zeitalter I 109 gebührend zurückgewiesen 
haben. Geschichtlichen Wert hat der zweite Stammbaum eben- 
sowenig wie der erste. AVer hat ihn aber aufgestellt? "Wie kam 
die Phantasie von professionsmässigen Genealogen gerade auf 
diese entlegenen Namen, die ein dorisches Gepräge tragen? Und 
wer hat dem Kdgavog einen Enkel TvQif.if.iag gegeben? Diesen 
Namen trägt in der Sage ein epeirotischer König, dessen Tochter 
dem Odysseus den Euryalos, den Helden des gleichnamigen 
Sophokleischen Dramas (Parthenios Erot. III 1), gebar. Gleich 
Kagavog und Kolvog kommt auch Tvqififiag als Name im make- 
donischen Heere vor: es heisst so der Vater eines ^Ayad^vovj der 
die Odrysischen Eeiter anführte (Arrian Anab. III, 12, 4). 

Fragen wir nun noch zum Schlüsse, was den Archelaos über- 
haupt bewogen hat, den mythischen Karanos als Ahnherrn in 
den Stammbaum der Argeaden aufzunehmen, so finden wir eine 
Erklärung dafür in einem bedeutsamen Regierungsakte des Kö- 
nigs: der Verlegung der Eesidenz von Aigai nach Pella, das den 
natürlichen Mittelpunkt des unteren Makedonien bildete. Dieser 
Schritt war politisch klug und für die makedonische Machtent- 
faltung notwendig. Aber Aigai, die Wiege des makedonischen 
Königtumes, an der die Traditionen des Stammes hingen, durfte 
darum nicht durch die jüngere Rivahn ihres Ruhmes verlustig 
gehen. So erhob denn Archelaos den mythischen Gründer von 
Aigai, den Karanos zum Ahnherrn seines Geschlechtes. Damit 
bestätigte er die altererbten Rechte der Stadt und verknüpfte 
diese aufs engste mit der herrschenden Königsfamihe. In Pella 
residierten fortan die Argeaden, in der ehrwürdigen „Krönungs- 
stadt" Aigai aber ruhten sie von den Taten ihres Lebens aus. 



i 



— 129 — 

Im Gegensatz zum mythischen Karanos sind die Argeaden 
ein historisches Fürstengeschlecht. Sein Ahnherr war ^^QyeaQ, 
und der erste ihm entsprossene König negdU-aag. Von ihm und 
den vier folgenden Königen werden uns nur sagenhafte Anekdoten 
erzählt. Daraus folgt aber keineswegs, dass diese Ahnenreihe 
gefälscht ist. Jedenfalls war sie im Argeadenhause selbst im 
V. Jahrh. offiziell anerkannt: sie könnte also höchstens von den 
Argeaden selbst zurecht gemacht sein, und damit würde ihr 
"Wert in sprachlicher Beziehung nicht geringer werden. 

Das gilt auch für den Namen des einen der beiden Brüder 
des Perdikkas in der Reichsgründungssage bei Herodot VIII 137, 
des FavdvTjg, Ob der Perdikkas wirklich einen Bruder dieses 
Namens gehabt hat, ist ganz gleichgültig. Jedenfalls hat er ihn 
in der makedonischen Überlieferung, und da der Name desselben 
nicht aus der griechischen Sage stammt, so muss er echtmake- 
donisch gewesen sein. Nun lässt sich für ihn aber eine an- 
sprechende Deutung aus dem Griechischen geben. Da die 
Aphaerese eines kurzen Vokales im Anlaute griechischer Per- 
sonennamen, wie Keetschmee KZ. XXXVI 271 treffend be- 
merkt, nicht mehr als Ansichtssache, sondern als Tatsache gelten 
muss 13)^ so lässt sich das erste Glied in Fav-dvTjg unmittelbar 
dem homerischen dyavogj das bereits Fick KZ. 226 zur Erklä- 
rung heranzog, gleichsetzen i*). Den zweiten Teil finden wir in 
vier alten griechischen Zusammensetzungen wieder: TtQoa-äviqg 
„freundhch" Pindar Pyth. III 52 X 64, ther. TtoT-ävrj Samml. 
GDI. no. 4792, ion. rtgoG-rivi^g ; ccTt-rivrig „unfreundHch" (aTZ-avog' 
avMjQog . . dveXerji.aov Hes.); TtQ-ävrjg, ion. 7tQ-rjv^g „mit dem 
Gesicht voran" aus ^go und -ävijg; al-äv7^g „abschreckend, 
abstossend", alrjvig öeltcvov Archilochos 38, '/.oqog alaviqg Pindar 
Pyth. I 83 Isthm. III 2, XifÄdg alavrjg Isthm. I 49, yievvQOv ai- 
aveg Pyth. IV 236, aiavfj ttsjva Aischylos Eumen. 412 von den 



13) Sie findet sich besonders in zw ei stamm igen Namen: mess./wv- 
iTinoc; Paus. IV 27, 1, thess. rovvinnog Samml. GDI. no. 34587 aus "Aydiv- 
iTiTiog; boeot. Uivlxrjg Inscr. Gr. VII no. 2152 aus 'ETiivsixrjg , rajuriörig 
Kretschmer Vaseninschr. 52 aus 'Aya-f^ijdrjg u. a. m. Zu den Beispielen 
der Verkürzung eines einstämmigen Namens füge ich Mwxiaog aus Volo- 
Thessalien Heuzey-Datjmet 423 no. 193 hinzu. 

14) Anderen Ursprungs scheint Fav- in den Namen Fav-doxog (ein 
tcoyßa^og aus Pergamon Samml. GDI. no. 2644 12) und Favaog (aetol. 
i8QOfiv^fi.(ov DiTTENBERGER Syll. I '^ uo. 2372) ZU Sein. 

Hoff mann, Makedonen. 9 



— 130 — 

Erinyen. Aus der Vergleichung dieser Adjektiva ist für den neu- 
tralen €(;-Stamm aveo-, in der Kompositionsfuge -ävso- (wie -ävog-, 
'äyoQO- u. s. w.), mit Sicherheit die Bedeutung „Gesicht, AntUtz" 
(als Adjektiv „schauend, bhckend") zu erschhessen. Fav-avTig 
heisst also „mit edlem, hehrem AntUtz", ein vornehmer Name, der 
an die Bildungen auf -w^rog, -WTcag (Ev-co/tog, JeLv-co/tag, Av/.- 
iaTCTß) erinnert. 

Dem zweiten Bruder, ""AiqoTtog, gab die Sage ein eignes 
Fürstentum, vgl. Tzetzes Chil. YI 936 'H ÜLegloc vöteqov Avy/.og 
usTWvoixdod^'iq ^g rriv agxriv, ibg Mehoaevg ev /lelcpiAÖlg tvov yga- 
g)€L, fCQcoTog Ttdig ^Hfxad^lcovog ^Asgo/tog lax^/^ei. In der Argeaden- 
reihe heisst Aeropos nur noch ein einziger König, der Grossvater 
des Amyntas I. Des Archelaos Nachfolger, der von diesem 
zum Vormünder seines minderjährigen Sohnes Orestes bestellt 
war, das Mündel aber umbrachte, um sich selbst die Königskrone 
aufzusetzen, war nach Dkoysen Hellenismus I^ 81 identisch 
mit dem Lynkesten Aeropos, dessen Söhne Alexandros, Hero- 
menes und Arrabaios die Verschwörung gegen das Leben Philipps 
anzettelten (Arrian Anab. I 25, 1). Aber nicht nur vor- 
nehme Makedonen tragen den Namen i^) : auch in den Sagen des 
Peloponneses begegnen wir ihm. Herodot IX 26 erwähnt einen 
alten König von Tegea Namens 'HegoTiog, einen Sohn des Phe- 
geus und Vater des Echemos, der im Zweikampfe den Hyllos 
tötete. ^HigoTTog ist die ionisierte J^orm von ^AegoTtog : so heisst 
er bei Pausanias (I 41, 2 VIII 5, 1; 45, 3), der ihm einen an- 
deren Vater, den Kriq)evg (VIII 5, 1), gibt. "Aegorcrj war die 
Gemahlin des Atreus und Mutter des Agamemnon, und ein altes 
Geschlecht in Trozan nannte sich ^AeQOjceg nach der Hesych- 
Glosse 'AegoTtsg' ed-vog, Tgoitrjva xaTOiyiovvzeg. /ml ev Ma/,e- 
dovia yivog xi. Da ja nun die Argeaden dem peloponnesischen 
Argos entsprossen sein wollten, so wäre es wohl denkbar, dass 
sie den Namen einer altargi vischen AdelsfamiHe in ihr Geschlecht 
verpflanzten. Doch können ^Aigoitog und ^Aegoueg ebenso gut 



15) ^ysfj,cbv des Philipp auf seinem Zuge gegen Theben war nach 
Polyaen IV, 2, 3 ein 'AsQOJiog; ein 'Aq^skaog AIqojcov (so!) Maxsdcov wird 
durch eine kurz vor 250 v. Chr. abgefasste Inschrift aus Magnesia ed. 
Kern no. 5 12 geehrt; drei abtrünnige Feldherrn des Alexander Zabinas 
hiessen nach Diodor XXXIV 22 Dind. (127 v. Chr.) 'AvtcTiargog , Klovtog 
und AeQOJiog. Auch des Pyrrhos Freund 'AsQortog (Plutarch Pyrrh. 8) 
wird ein Makedone gewesen sein. 



- 131 — 

in Argos und der Heraklidensage, wie in Makedonien zu Hause 
gewesen sein; ja, für die nordische Heimat des Geschlechtsnamens 
''AiqoTteg spricht die Tatsache, dass Ethnica auf -OTteq gerade 
bei den nordgriechischen Stämmen häufig sind (vgl. Eduabd 
Meyee Gesch. d. Altert. II 44 Fick BB. XXVI 238): in Nord- 
Makedonien am Erigon wohnten nach Strabo VII 327 die Jev- 
^loTteg (Steph. Byz. JovqIotvoq' Ttöhg MaKEÖovlag. ^xqdßojv 
kßdofxiß. omojg %al rj x(x)qa) , um Dodona die ""EXlofteg , südlich 
vom Pindos die JqvoTieg und zloloTteg. Auf eine etymologische 
Deutung verzichten wir am besten: Fick a. a. 0. erinnert an 
den Vogelnamen asgoil), doch bringt uns dieser, da er selbst un- 
erklärt ist, nicht weiter. 

Den echtmakedonischen Namen TIeQÖi%y.ag führen drei 
Könige aus dem Geschlechte der Argeaden: ausser dem Ahn- 
herrn des Hauses der Sohn des Philhellenen Alexander I und 
der nach kurzer Begierung im Kampfe gegen die Illyrier fallende 
Bruder und Vorgänger des grossen Philipp. Da UeQÖi^ „Reb- 
huhn" als Personenname schon im Mythus vorkommt (Photius 
s. v. TLeQÖLv.og legov Sophokles Fragm. 301 N^ bei Athenaeus IX 
388 f) und für das V. Jahrhundert durch Inschriften und Lite- 
ratur bezeugt ist ^ö), so liegt es nahe, das makedonische Jlß^- 
dUytag mit ihm zu verbinden (Fick KZ. 232 GP» 317). Frei- 
lich gehört Tlegöi^ zu denjenigen Tiernamen, in denen unzwei- 
deutig der Spott beim Vergleiche hervortritt, und wenn auch 
vergleichende Namen wie Akov, yLv^Aog^ KvcoTtog „Bär" schon 
früh sich einbürgerten, so werden doch allzu grobe Spitz- und 
Spottnamen in den Geschlechtern der Fürsten und adhgen Helden 
in älterer Zeit gemieden (vgl. die Sammlung der als Menschen- 
namen gebrauchten Tiernamen bei Fick GP ^ 314 ff.). Auch 
bleibt in dem Ausgang -Kyiag das doppelte z unerklärt. Sollte 
also der xAnklang an Tttodi^ nur zufällig sein und eine andere 
einwandsfreie Deutung aus dem Griechischen den Vorzug ver- 
dienen? Ein verdoppelter Konsonant in der Endsilbe von grie- 
chischen Personennamen lässt in der Regel auf eine Koseform 
schHessen, mag dieselbe einstämmig (wie z/^zzw Bevvcj) oder 

16j nEI?>IX aus Thespiae Inscr. Gr. VII no. 1888 hio; x6v Kksofi- 
ßgoröv T£ rov Uegdixog viöv Phrynichos in den Tgayc^Soi Fragm. 53, KoCK 
I 384 bei Athenaeus IX 389 a ; TiolkoToiv oqvi^cov ovöjuaz ^v xsifisva • IIeqSi^ 
fiEv sig xänrjXog (hvo(j,dCsTo x^^^g Aristophanes Aves 1292, vgl. Fragm. 53 
KocK I 405. 

9* 



— 132 — 

zweistämmig (wie ^v(5^o-xxag zu L^j^d^o/odrr^g, Kkio-f-if-iig zu 
Kleo(xivrig) sein. Auch in dem Falle, dass nur das Suffix des 
zweiten Gliedes eines zweistämmigen Yollnamens erleichtert oder 
abgeworfen wird, kann der letzte Konsonant Verdoppelung er- 
leiden: so z. B. ^A-(pd^ovvoj Tanagra Samml. GDI. no. 1035 aus 
^^'Cpd^ovriTa zu thess. \ATd-6veiTog ebenda no. 34060. 89 347 = 
gemeingr. 'Acpd^ovriTog. Also kann -(J/xxag die Kurzform zu di- 
Tiaiog sein, und dieses Adjektiv tritt uns in Vollnamen an erster 
und zweiter Stelle entgegen, vgl. EvdUaiog EvnofXTtov aus 
Amorgos (gute Zeit: p t) Eoss Inscr. ined. no. 116. Anlauten- 
des TIeq- aber kommt in Namen wiederholt als Kürzung von 
Tteqi „sehr^^ vor, z. B. RiQ'/.aXov Gemahlin des spartanischen 
Königs Damaratos Hdt. VI 65, Ueq-cpila aus Sparta LeBas- 
FoucAKT no. 163 a II 22 Hesych, und gerade für das Makedonische 
ist diese im thessahschen und äolischen Dialekte gewöhnliche 
Form TVBQ deshalb zu erwarten, weil es mit diesen beiden Dia- 
lekten auch die gekürzten Präpositionen ctrc In und naq teilt. 
Also stellt ein makedonisches TlegdrAyLag die tadellose gesetz- 
mässige Koseform zu Tlegt-dUaiog dar^'). Abgeleitete Adjektiv- 
stämme sind mit allgemeinen Adverbien des Grades auch sonst 
zu Personennamen verbunden, vgl. Ilafx-ßlaiog aus Eretria ^Eq:>. 
agx. 1869 no. 404 ßUs, Eux^ovLog KvöaS^Yivievg CIA. II no. 
102411, [K]l8[ß]€d^oLviog aus Thisbe Inscr. Gr. VII no. 2252. 

Der Sohn und Nachfolger des Reichsgründers Perdikkas war 
l^gyalog. Historische PersönHchkeiten gleichen Namens sind 
der für zwei Jahre den Amyntas III verdrängende König, ferner 
ein Sohn des Ptolemaios Lagu (Pausanias I, 7, 1) und einer 
seiner »(plloi« (Diodor XX 21). Nicht weiter bekannt ist ^Hga- 
xlelSrig 6 ^AQyaiov^ den Alexander mit dem Bau von Schiffen 
in Hyrkanien beauftragt (Arrian Anab. VII, 16, 1)^^). Das Grie- 
chische besass ein altes Nomen agyri „Glanz": erhalten ist es in 
agyä-evT- „glänzend" {zavQOv dgyavTa Pindar Olymp. XIII 69) 
und dem dritten der von Hesiod Theog. 139 genannten Kyklopen- 
namen : yelvaTO ö av Kv7,Xco7tag vTcsgßiov rirog sxovvag, BQOvziqv 
TS ^TegoTtrjv ze yial ^'Agyrjv oßgL(.i6d^v(xov. Zu diesem agyvj ver- 
hält sich maked. 'Agyalog genau so wie Ti(.iawg zu zifAij, ^AX- 

17) Forderte das doppelte x nicht eine Erklärung, so könnte Ueq- 
bixxag ein Vollnarae wie Asivo-öcxrjg , dor. Oagov-dixag, Esvodixrjg u. a.. 
sein. 

18) \^A\QyaXog xwv 'Ava . . . Papyr. Petr. I 40 n. 13, In. 



— 133 — 

'/.aioq zu a^zrj. Wenn das Kurzformen zu Namen wie TLf.iä- 
yevriq, ^^?^/,ä-iLiivfjg sind, so werden wir auch einen Vollnamen 
mit ^Aqyä- voraussetzen müssen. 

Die Namen der übrigen Könige des Argeadenhauses bis auf 
Alexander den Grossen sind ohne Ausnahme durchsichtige grie- 
chische Bildungen. 

Zwei von ihnen spielen in der griechischen Sage eine Rolle : 
^Ale^avÖQOi; — der erste König dieses Namens ist der OtliX- 
Xriv zur Zeit der Perserkriege — und ^OgeoTrjg. Dass Amyn- 
tas I seinen Sohn nach dem weibischen ^AXe^avögog der Ilias 
benannt haben sollte, ist ausgeschlossen, wie ich oben S. 119 
ausführte. Gleich den bedeutungsverwandten Bildungen L^Ax«Vag 
und ^A^vvvag war ^AXe^avÖQog echtmakedonisch. Dagegen kann 
in dem Namen ^OgiaTrjg, den Archelaos seinem nach kurzer 
Regierung von Aeropos umgebrachten Sohne gab (Diod. XIY 37), 
der Ehrgeiz des Vaters zum Ausdruck kommen : wer einen Sohn 
hatte, der ^OQSGTtjg hiess, der trat damit selbst in Parallele zu 
Agamemnon, dem obersten Könige der Achaeer. Allerdings war 
ja 'OgioTäg auch der Name eines Stammes im oberen Make- 
donien (das Nähere unten S. 151 fF.); aber einem makedoni- 
schen Könige aus dem Hause der Argeaden würde es doch 
schwerHch in den Sinn gekommen sein, seinen Sohn den „Oresten" 
zu nennen. Wenigstens müsste dazu eine ganz besondere Ver- 
anlassung vorgelegen haben, und die ist uns aus der Geschichte 
des Archelaos nicht bekannt. 

(DiliTCTtog^ ^AlyL£Tag^^)y ^A(xvvTag^% ^Agx^laog und 
Ilavoavlag^^) gehörten auf griechischem Boden auch vor der 



19) Ausser dem Vater des Amyntas I heissen 'Akyhag der von 
seinem jüngeren Bruder Perdikkas ohne Gewalt bei Seite geschobene 
Sohn des Philhellenen Alexander (s. unten S. 138) und einer der Taxi- 
archen Alexanders, vielleicht ein Prinz des Argeadenhauses (Arrian IV 
22, 1; 27, 1; 27, 5; V 11, 3). 

20) Den besten Beweis dafür, dass 'Afivvras auch in vormakedoni- 
scher Zeit von den Griechen als Name gegeben wurde, erbringt eine in 
die letzten Jahrzehnte des V. Jahrb. fallende Kaufurkunde aus Halikar- 
nass, in der drei Personen namens 'AjLivvtrjg (Gen. 'Afivvxso)) aufgeführt 
werden, Dittenberger Syll.^ no. 1126. 34. ii6. Späterhin breitet sich aller- 
dings die makedonische Form mit ä in Griechenland aus. 

21) Pausanias folgte seinem Vater AsQonog auf dem Throne, re- 
gierte aber nur ein Jahr (Diodor XIV 84). Der Name war besonders 
in der Seitenlinie der Argeaden, die in Elimeia regierte, beliebt. 



- 134 — 

makedonischen Zeit nicht gerade zu den seltenen Namen. Sie 
waren aber in Griechenland gut bürgerlich und lassen sich in 
berühmten Geschlechtem nicht nachweisen. Es ist also unwahr- 
scheinlich, dass die Argeaden sie entlehnt haben sollten. 

Wenn auch kein regierender König vor Alexander ^^^^t (5a i o g 
heisst, so wurzelte der Name doch im Geschlechte der Argeaden: es 
führen ihn ein Sohn des Amyntas I und Bruder des Philhellenen 
Alexander, der Vater des von 389—369 regierenden Amyntas III, 
ein Sohn dieses Amyntas und endlich ein Halbbruder Alexanders 
des Grossen, dem er als König folgt. Von dem ersten dieser vier 
wissen wir nur durch das SchoHon zu Thuk. I 57 : JsQÖag 'Aql- 
öaiov Ttaig, dvexpiog neqdiw/.a xal (DiXiTtTtov, Der zweite wird 
als Vater des Amyntas in zwei griechischen Staatsurkunden er- 
wähnt. Die eine ist in Athen kurz vor 370 abgefasst : ^AiLivvTa]g 
^AQQLÖaiov DiTTENBERGER Syll. I^ no. 78 1, die andere zwischen 
389 und 383 in Olynth: ^A(A.vvrag 6 'Eggiöalov Dittenberger 
Syll. I^ no. 77 1. Beide beweisen, dass bei Diodor XV 60 
''Afivvtag Gaggaleov aus ''A^vwag o t^QQidaiov verderbt ist. 
Den dritten Arridaios, den Enkel des vorigen, erwähnt nur 
Justin: er war ein Sohn der Gygaia (ex Gygaea autem — 
Amyntas sustuHt — Archelaum, Aridaeum, Menelaum VII 4, 5) 
und wurde von seinem Stiefbruder PhiUpp nach der Einnahme 
Olynths umgebracht (VIII 3, 11). Der bekannteste Träger des 
Namens ist der vierte, der Halbbruder und Nachfolger Alexan- 
ders des Grossen, bei seiner Thronbesteigung von dem Heere als 
„Philipp" ausgerufen. In der Diadochenzeit begegnet "^Aggidalog 
wiederholt als makedonischer Name. Ein hohes Amt am Hofe 
des Antiochos II (261 — 246 v. Chr.) bekleidete l^ggiSalog 6 
ol'^ovo^wv TüL Aaodlytrig (Inschrift aus Didymi Dittenberger 
Syll. Or. no. 22520.35)23). Aus der zweiten Hälfte des dritten 
Jahrhunderts stammt eine Liste makedonischer Namen (Pap. 
Petr. II no. 30bi6), unter denen sich ein Nr/^avcog l^QQidaiov 
befindet. Um der Namensform willen sei endlich noch der nicht 
weiter bekannte JiodcoQog ^Aggiöaiov auf einer für Eumenes II 
(197 — 159 V. Chr.) gestifteten Weihinschrift aus der thrakischen 
Küstenstadt Panion erwähnt Dittenberger Syll. Or. no. 3018/9)» 



22) Nach HaussoxilijeIi Eevue de philol. XXV 9 (1901) identisch 
mit dem Arridaios einer ephesischen Inschrift (Greek inscript. Brit. Mus» 
III, 2 no. 451 2) : [sjtaivsaai 'AQ]QidaTov aQsrfjg svexs xal s[vvoiag]. 



— 135 — 

Das doppelte -qq- bezeugen nicht mir die Steine und der 
Papyrus, sondern auch ein grosser Teil der Handschriften. So 
steht '^QQiöalog bei Athenaeus XIII 557c 578a »s), bei Diodor 
XVIII 2, bei Plutarch Alex. 10 und 77, bei Curtius X 7 (Arrhi- 
daeus) ^*). Beide Elemente des Namens sind gut griechisch. 
Da die Makedonen gleich den Athenern -Qa- zu -qq- assimilierten 
(vgl. maked. JaQQiov aus Gdqawv oben S. 95), so ist "^qql- aus 
^Aqgl- hervorgegangen (zu aqöai „fügen", Fick-Bechtel GP. ^ 71) 
und entspricht lautHch genau dem attischen ^Aqql- in ^AqqicpQwv 
(A(^) DiTTENBERGER Syllogc I^ uo. 5, 'AQQiXswg ''Alauvg CIA. 
II 2 no. 870 11. Von griechischen Namen auf -öalog sind be- 
sonders zwei bekannt: K}.soöaiog — so heisst der Sohn de& 
Hyllos bei Hdt. VI 52 VII 204 VIII 131 — und GgacvSalog, 
Dieser zweite Name scheint über das ganze griechische Sprach- 
gebiet verbreitet gewesen zu sein. Zu Ehren eines Thebaners 
Ggaotdalog, der im ozdÖLOv siegte, hat Pindar die elfte pythische 
Ode gedichtet: durch das Metrum (Vs. 13 und 44) ist die Silben- 
messung u w _ u gesichert. Ein Eleer des Namens kommt bei 
Xenophon Hellen. III, 2, 27 ff. vor. In dem attischen Qqaov- 
ödog 6 ^Ahmemvidov ^Acpidvalog CIA. II no. 946 u (l, o = w) 
kann -ddog nur aus -daiog gekürzt sein, wie bei Meisterhans- 
Schwyzers 32 richtig angegeben ist^ß). Der Name eines von 
Herodot IX 58 erwähnten Larisaeers lautet in der Handschriften- 
klasse b GgaGvöalog^ in a dagegen QQaovdr^iog. Bechtel gibt 
der zweiten Form, die im thessalischen Dialekte Qqaovddiog ge- 
lautet haben würde, den Vorzug, indem er auf den ionischen 
Namen (QQ)aovd7jiog in einer Inschrift aus Samos Samml. GDL 
no. 57122 (vorrömisch) verweist. Da die Handschriftenklasse a, 
wie ich gezeigt habe, die von Herodot geschriebenen Dialekt- 
formen im allgemeinen treuer bewahrt hat, als die Klasse b, so 

23) »f^ikivva, s^ rjg 'AggidaTov hixvcoas« HdxvQog iv tü5 ^iXinnov Bico, 
»0thvvav xtjv OQxrjOTQiSa, i^ rjg xal ysvvfjaai 'AQQtdatov«i ntolsixaTog iv raig 
tisqI jov ^iXojtdioQa 'lozoQiaig. 

24) Den ältesten sicheren Beleg für ^AgidaTog liefert das Marmor 
Pariura B 14 (264/63 v. Cbr.) : zum Jahre 319/18 bemerkt der Chronist 
dno rrjg sy KvCixcoi noXiovQxiag , rjv sJioXiovQxrjOEv 'AgiöaTog . . szi] HP. 
Ferner lesen wir diese (durch 'Agi-yvcorog, Agi-drjXog, 'Agi-^pgcov beeinflusste) 
Form n. a. bei Strabo XVII 794 Pausanias I 62.3 lOi 113.4 253.6 V 174 
VIII 77. 

25) Irrtümlich wird der Name von Bechtel zu -drjiog gestellt bei 
Fick-Bechtel GP.-^ 94. 



— 136 — 

mag in der Tat im Archetypus Bgacvöi^iog gestanden haben. 
Daraus folgt aber noch nicht, dass der Mann wirkHch so geheissen 
hat: denn Herodot kann den thessahschen Namen QQaovdalog 
irrtümhch als GgaGvöaiog aufgefasst und dementsprechend zu 
QQUGvÖTJLog ionisiert haben. Ein zweiter Beleg für -öijiog (dor. 
-öaiog) in Namen soll nach Fick-Bechtel ^ 94 spartan. Meve- 
SccLog Thuk. III 100 109 (= homer. (xevedrjLog) sein. Ob Thu- 
kydides aber -öaLog oder -dalog gemeint hat, das lässt sich aus 
den Handschriften nicht bestimmen. Denn die überlieferten Ak- 
zente sind wertlos; sie lassen im günstigsten Falle die Auffassung 
dessen, der den Archetypus schrieb, erkennen (ohne Variante 
MevidaTog III 100, 2 und Meveöalog III 109, 1; Mevedaion 
ABCE, MeveöaiWi FM III 109, 2). Was bedeutet nun -öalog? 
Den Namen Kleo-dalog haben Gutschmid Kl. Sehr. IV 68 und 
FiCK KZ. 221 als zweistämmigen Vollnamen angesehen und mit 
Salcü in Verbindung gebracht. Aber dieses Verbum kommt in 
keiner seiner beiden Bedeutungen („anzünden" und „verteilen") 
in griechischen Namen vor, und die Übersetzungen, die Gut- 
schmid und FiCK von Kleodalog geben ^ 6) ^ zeigen am besten, 
wie wenig es sich zum Stamme eines Namens eignete. Ausser- 
dem gehört das v in dalo) nur zum Präsensstamme (Wurzeln 
öaß- und daa-). Diese Versuche sind also misslungen. Wollen 
wir nicht -öalog zu den ungedeuteten griechischen Wortstämmen 
zählen, so müssen wir Khoöalog aus der Zahl der Vollnamen 
streichen, und dem steht nichts im Wege: denn Kleoöalog 
ist die regelrecht gebildete zweistämmige Koseform zu einem 
Vollnamen, dessen zweites Glied mit Sa- anlautete. Wir kennen 
bereits mehrere alte Namen auf -öa-gj in denen dieser Ausgang 
aus -däf.iog oder -öäi^ag gekürzt ist (Fick-Bechtel GP. ^ 17) : el. 
^Ayk-6ag Samml. GDI. no. 11616 aus ^Ays-Säfiog, korinth. JIo^u- 
(Jag Vaseninschrift Samml. GDI. 3126 aus üolv-ödfiag, aetol. 
TeXs-öag Samml. GDI. no. 1423 aus TeU-öäfiog. Also würde 
auch zu dem häufigen Namen Kleo-öäfxog eine Kurzform Kleö- 
da-g zu erwarten sein. Zu dieser verhält sich Kleo-öalog genau 
so wie maked. üsLoalog zu thess. Tlelaoag aus Pharsalos Samml. 
GDI. no. 326 Ii9 (beide aus IleloavÖQog): -a-g ist die einfachste, 
-a-lo-g eine mit kosendem Suffix gebildete Kurzform eines und 



26) „Einer, der den Euhm leuchten lässt" GuTScnanD, „Euhm- 
spender" Fick. 



— 137 — 

desselben Vollnamens ^ 7). Ebenso bildet QQaavdalog die Kurz- 
form zu OQaovdäjLiog oder QgaGvödfxag — beide Namen sind 
belegt — , Mevedalog zu dem häufigen Mevedafxog und makedon. 
IdQQi-öalog zu ^^QGi-öäfxog. Dieser Name lässt sich zwar noch 
nicht belegen^ er entspricht aber in der Bedeutung genau dem 
oben angeführten attischen "'^QQi-lewg (dor. ^Aqüi-läog), vgl. auch 
rhod. ""AqöL'Ttohg Inscr. Gr. XII 1 no. 2393 iso. 

Einige Glieder des Argeadenhauses kennen wir nur aus dem 
zwischen Athen und Perdikkas im Jahre 423 (nach Kiechhofe 
Abhandl. Berl. Akademie 1861, 595 ff.) geschlossenen Vertrage, 
den eine grosse Anzahl makedonischer Prinzen und Vornehmen 
als Eideshelfer unterzeichnete. Leider sind uns von dieser 
GTOixriSov geschriebenen Urkunde, die sich aus mehreren iprjcpia- 
/Liata zusammensetzte, nur so kleine Trümmer erhalten, dass wir 
von dem Inhalte des Abkommens keine klare Vorstellung ge- 
winnen. Ja, es ist nicht einmal sicher, dass die sechs Fragmente 
(CIA. I no. 42 a— d, no. 43 und Suppl. IV 1 p. 141) wirklich 
einer und derselben Stele angehören. Durch den Inhalt werden 
nur c und b eng mit einander verbunden, da die mit der zweiten 
Zeile von 42 c beginnende Namenliste in der zwölften Zeile von 
42 b ihre Fortsetzung findet. Das Stück 42 d, dessen unterer 
und rechter Rand vollständig sind, ist ebenfalls mit makedonischen 
Namen beschrieben, und Kiechhofe hat es deshalb als Schluss 
des Textes unter b gesetzt. Ein sachlicher Grund spricht dafür, 
ein formeller dagegen, wenn wirklich die Schrift auf 42 d eine 
etwas andere ist als auf 42 c — b (Köhlee im CIA. IV 1 p. 14). 
Da in den wenigen auf 42 a und dem oberen Teile von 42 b er- 
haltenen Worten der Lynkesten-König l^QQaßalog genannt wird 
(a?. 8 b9. 10) und sein Name ziemlich sicher auch CIA. 43 lo er- 
gänzt ist, so werden 42 a — c — b und 43 sehr wahrscheinhch zu- 
sammengehören. Aber auch das sechste Fragment, weimgleich 
sein Platz nicht auf derselben Stele gewesen sein mag, wird 
durch seinen Inhalt mit den fünf übrigen verbunden. Denn es 
enthält den Eid, den Perdikkas und seine Verwandten und 
Freunde schwören mussten: [6iJ.vv€i]v de tov oq-üov IleQÖrÄyiav 
['Äal Tovg naidag xovg TleQdiy\/.ov nal tcov aXlcov Ma/.eö6va)Vj 
[oC av STitz^öeLOL watv] avTcoi' ofxvvvzujv de xt^. 

27) Gerade im Makedonischen waren Kurznamen auf -alog sehr be- 
liebt : 'AQyaTog, KoQQOiog, Msvvatog, Ilsioacog, IlxoXef^acog u. a. m. 



— 138 — 

Die Liste der unterzeichneten Makedonen eröffnen auf c— b 
die nächsten Verwandten des Königs Perdikkas: 

c b 

3 DA.EPI^O^ (PtZ/jT7r[ö] 13 -vQog ^AX'AeTö. 

MeveXaog und L^Zxerag sind zwei Brüder des Königs. 
Den zweiten kennen wir durch Plato Gorgias 471a, den ersten 
hat Justin VII, 4, 3 irrtümlich zu einem Bruder Alexanders I, 
gleichzeitig aber auch zum Vater des Amyntas III (389 — 369) 
gemacht, vgl. Aelian Var. Hist. XII 43 Mevilaog 6 OiXiTtTtov 
TccLTCTtog elg Tovg voS-ovg exiXeL' o de tovvov viog ^A(.ivvTag^^) 
vTtegeTrig ^yisQonov Kai öov'Aog l7ie7CiaTevT0. 

Daran schliesst sich der Sohn und spätere Nachfolger des 
Königs: ''Aqi^lag i7[£^d/zzö]. Diese kontrahierte Form des 
Namens wurde offenbar im täglichen Umgange gebraucht: erst 
als aus dem Prinzen ein König geworden war, Hess er sich offi- 
ziell ^Aqxllaog nennen. 

In der nächsten Zeile folgen zwei Neffen des Perdikkas, 
Söhne seiner Brüder Philippos ^^) und Alketas. Den mit A 
beginnenden '^^) Namen des ersten Neffen können wir mit Sicher- 
heit ergänzen, da er — was man übersehen hat — unter den 
folgenden Adelsnamen noch einmal vorkommt. Freilich ist er 
auch an dieser zweiten Stelle nicht ganz vollständig: ... \EPPOC 
de. Zum Glück sind aber gerade diejenigen beiden Buchstaben, 
auf die es ankommt, erhalten, das y und das zweite q. Es hat 
also AAEPPO^ ='"AyeQQog hier wie dort auf dem Steine ge- 
standen, und diesen Namen kannten wir bereits aus Arrian III 
23, 9; 24, 5: mit der Führung der griechischen Söldner, die nach 
dem Tode des Dareios in das Heer Alexanders übertraten, wurde 
""AvÖQOvrMg b ^Ayeggov beauftragt. Da das doppelte q auf eine 



28) Einer der drei Söhne , die diesem Amyntas sein Kebsweib Gy- 
gaia schenkte, hiess nach Justin VII 4, 5 MsvsXaog. Der bekannteste 
makedonische Träger des Namens ist der Sohn des Lagos, der Bruder 
des Ptolemaios Soter (Diodor XIX 62 XX 21 47 52, Plutarch Deme- 
trius 15 16). 

29) Als Bruder des Perdikkas bekannt durch Thukydides I 57, 3; 
59, 2; 61, 4. II 95, 2; 100, 3. 

30) Das vor dem A stehende ist die Genetivendung -ö des vor- 
hergehenden Namens. "Vielleicht schliesst C3 unmittelbar an bi2 an: 
II\eQdixx\ö. 



I 



— 139 — 

Koseform schliessen lässt, so ^vird "Ayeqqog aus dem einzigen mit 
ayeq- anlautenden griechischen Kompositum, dessen Bedeutung 
für einen Namen treiFHch passt, gekürzt sein: aus ayeQcoxog, 
einem ßeiworte, das in der IHas besonders den Troern gegeben 
wird und, wenn auch seine Etymologie noch nicht gefunden ist,, 
jedenfalls eine lobenswerte und ehrende Eigenschaft ausdrückte. 
Wie der Name des zweiten Neffen zu ergänzen ist, hängt 
von der Grösse der Lücke zwischen c und b ab. Droysen 
wollte b unmittelbar an c anschhessen. Er ergänzte in der Zeile 
C2— bi2 nur die 4 Buchstaben [vöqö], und behielt in Folge dessen 
in der nächsten Zeile es — bs, von der ein Buchstabe mehr auf 
b erhalten ist, nur Platz für das [-ö] des Genetivs (DiXiTCTtov und 
zwei Buchstaben des Neffen-Namens übrig; dieser soll [Ta\vQog 
oder [ra\vQOQ gelautet haben (Hellenismus I^ 72). Hätte Droysen 
die Zeile C4 — bi4 mit berücksichtigt, so würde er erkannt haben, 
dass seine Ergänzung unhaltbar ist. Die Lücke zwischen -tlog 
EvXavS' C4 und -x^avÖQog hu ist nämlich genau so gross wie in 
der vorhergehenden Zeile es — bis, sie fordert aber zu ihrer Aus- 
füllung mindestens fünf Buchstaben : EvldvS[Qö,^^le]xoavÖQog. 
Also fehlt auch in der Zeile C2— bi2 mehr als der Ausgang von 
l4le^a[vÖQö], es muss mithin zwischen den Genetiven ^^lE^d[vdQö], 
Evldvd[Qö] und 0Lll7C7t[ö], mit denen Zeilen C2, es, C4 endigen, 
und den Nominativen WAxiVeg, -vqoq und [l^lejxoavdgog , mit 
denen die Zeilen bi2, bi3, bi4 beginnen, noch je ein Name mit 
dem dazu gehörenden Vaternamen im Genetive ausgefallen sein. 
Zwischen den beiden Brüdern des Perdikkas ist in Zeile C2 — bi2 
sehr wahrscheinlich noch ein dritter Bruder genannt gewesen. 
Da nun (DiliTtTtog^ dessen ^ohw^'AyeQQog in Zeile C3— bis auf- 
geführt wird, im Jahre 423 bereits tot war, so bleibt nur noch 
ein einziger Bruder des Perdikkas übrig: ^A^vwag 'Ale^dvdQOv, 
der Vater des Arridaios und Grossvater des Amyntas III ^0- ^^ 
Zeile C3 — bis wird ebenso zwischen den Namen der beiden Neffen 
der Name eines dritten Neffen ausgefallen sein. Ihn zu ergänzen» 
ist unmöglich, da ausser den aus der Geschichte bekannten Neffen 
des Perdikkas noch andere vorhanden waren, wie gerade unsere 
Inschrift beweist. Und damit bleibt auch -vqog ein Torso. 



31) Syncellus 262 ovxog {'AXi^avdgog 'Ajuvvtov) k'axe Svo viovg, Ueg- 

dixnav xal "Afxvvxav , mv IJsQÖixxag /nev eßaoiXevaev sxr) . , "A^ivvxag Se 

Tidvxa xov ßiov löicoxixcog ^riaag xaxekmev viov 'Agidacov , ov Jiaig yiyovev 
'Afivvxag sxegog ofzcbvvjuog x(p nanTicp. 



— 140 — 

Ich schliesse diesen Abschnitt mit einem Fürsten, dessen 
Beziehungen zum Argeadenhause vorläufig vöUig dunkel sind. Im 
Vorwort zum zweiten Bande der »Beschreibung der antiken Münzen« 
(ßerl. Mus.) hat vSallet eine nach Beendigung des Drucks noch 
erworbene, der Prägung nach makedonische Münze beschrieben. 
Die Yorseite zeigt einen Reiter, mit der navoia auf dem Kopf, 
in der rechten Hand den Zügel, in der Hnken zwei Speere hal- 
tend ; auf der Rückseite befindet sich ein diagonal geteiltes Quadrat. 
Oenau die gleiche Prägung weisen Münzen der Könige Alex- 
ander I und Archelaos auf (s. oben S. 56fi'.), und es ist deshalb 
begreiflich, dass vSallet in der Legende AEPMHNAO, die rings 
um das Bild der Vorderseite läuft, den Namen eines sonst un- 
bekannten »wirklich der makedonischen Königsreihe angehören- 
den Herrschers um 450 v. Chr. oder nur ein wenig später« finden 
will. Von einem solchen Könige zwischen Alexander und seinem 
Sohne Perdikkas weiss unsere Überlieferung nichts. Freilich sind 
ja aus der makedonischen Geschichte vom Tode Alexanders bis 
zum Beginne des peloponnesischen Krieges nur spärliche Tat- 
sachen bekannt. Eines allein ist gut verbürgt: Perdikkas hat, 
um die Herrschaft von ganz Makedonien in seiner Hand zu ver- 
einigen, zwei Brüder durch Gewalt oder Vertrag beiseite gescho- 
ben, den Alketas und Philippos. Jener scheint Königs»), dieser 
nur Teilfürst 33) gewesen zu sein (vgl. auch oben S. 138). Es 
geht daraus hervor, dass nach Alexanders Tode das Reich unter 
seine Söhne in der Art geteilt wurde, dass einer den Thron bestieg 
und die übrigen einzelne Teile Makedoniens als lehnspflichtige 
Fürstentümer erhielten. Wäre also ^^eQf,i7Jvaog oder ^AegfiTJvag 
wirklich ein echt-makedonischer Fürst oder gar König gewesen, 
so müsste er ein Sohn des Alexander sein. Möglich ist das. 
L4eQ- khngt, wie vSallet bemerkt, an maked. ^Alq-orcog an; 
auch für -/xriva- fehlt es an einer Anknüpfung im Griechischen 
nicht. 

Kein einziger Name des Argeadenhauses ist barbarischen 
Ursprungs, die Wortstämme und die Bildung sind bei allen 
griechisch. Eine Entlehnung aber aus der griechischen Sage 
ist nur für ^OQeOTrjg wahrscheinlich, für Mevdlaog möglich. 

32) Plato Gorgias 471a 'AXxhag . . . djiodcoocov rrjv dgxrjv fjv Usq- 
dixxag avrov äfpeiXsxo. 

33) Thukyd. II 100 roQxvvlav xal 'Arakdvxrjv xai äXXa x^Q^^ öfxoXoyia 
Siä xrjv 'A^vvxov (pikiav tiqooxcoqovvxu xov ^iUtitiov vsog. 



141 — 



3. Die Bürgen des Perdikkas-Vertrages. 

Hinter den Brüdern und Neffen des Perdikkas ziehen in 
dem oben S. 137 besprochenen Vertrage (CIA. I 42) zwischen 
ihm und der Stadt Athen in langer Reihe die Eideshelfer, die 
der König stellt, auf. In der über c — b und d sich erstreckenden 
Liste fällt Zweierlei auf. 

Bis zur Zeile C5 ist jedem Namen der Name des Vaters 
hinzugefügt: von bi5 ab fehlt dieser. Ist das lediglich ein Zu- 
fall? Oder sind die mit dem Vaternamen angeführten Makedonen 
im Range von den übrigen verschieden gewesen? Fast will es 
so scheinen. Denn auf dem Fragmente d schliesst die Reihe 
der ohne Patronymikon aufgezählten Männer in Zeile 5 mit 
einem Havoaviag Ma%eTö. Da beide Namen im Fürstenhause 
von EHmeia gegeben wurden, so hat zu seinen Prinzen wahr- 
scheinlich auch der Pausanias dieser Inschrift gehört. Es ist 
also die Vermutung gegründet, dass die Makedonen, deren Väter 
ausdrücklich genannt sind, besonders vornehm waren und dem 
Throne nahe standen, als Verwandte oder als politische Freunde. 

Die Zeile ds ist nicht ganz ausgeschrieben: sie bricht mit 
MaxsTö ab, vier Buchstabenstellen bleiben dahinter frei. Daraus 
folgt wohl mit Sicherheit, dass die Namen der beiden folgenden 
Zeilen de und d?, mit denen die lange Liste der Vertragsbürgen 
schliesst, von den vorhergehenden geschieden werden sollten. Man 
könnte zunächst daran denken, dass an das Ende athenische 
Zeugen gestellt worden seien, und in der Tat sind ja die beiden 
Namen der Zeile d?, ''Aydd^öv und Mioyöv, als attisch bekannt. 
Aber den ersten Namen in Zeile de, \^!A]y€QQog, kennen wir nur 
aus Makedonien. So bleibt die Frage nach der Heimat und der 
Rolle dieser zuletzt aufgeführten Männer vorläufig offen. 

Auf den letzten Neffen des Königs folgt der Bvqylvog 
KgdoTövog bis. Beide Namen sind aus dem Griechischen 
schwer zu erklären. ßvQylvog klingt freilich an die griechischen 
Namen IIvQyog, TlvQyimv, IIvQyiag an. Aber der Wandel von /r- 
in ß- war nicht makedonisch, und ebensowenig darf neben Ttvg- 
yog im Griechischen eine dialektische Nebenform mit cf- == 
makedon. ß- angesetzt werden. Denn das dorische Nomen 
(pvQYMg' leixog Hesych, in lakonischer Lautform qiovQAoq' oyv- 



— 142 — 

^üjfxa, als Name eines elischen Kastells bei Thuk. V 49, 1 (IttI 
0VQKOV TeLxog)i ferner in der Zusammensetzung cpvQ'/,YikiTOL ' 
TeixtJQSLg Hesych hat trotz Pkellwitz GE. 268 mit Ttvgyog 
nichts zu schaffen. 

Wäre Kquotojv griechisch, so könnte der Stamm nur mit 
KQav- in Verbindung stehen. Aber -oz- liesse sich dann nicht 
ohne gewagte Vermutungen erklären: die Beispiele der make- 
■donischen Synkope von Mittelsilbenvokalen (s. oben S. 50 55 63 
•64) berechtigen uns kaum, KQaozo- auf v.qaxGTO- < XQaTLOTO- 
zurückzuführen. Auf der anderen Seite stimmt Kgaozcov völlig 
mit dem thrakischen Ethnikon Kqtjgtüjv überein (Steph. Byz. s. v. 
KgrJGTCüv ' fcoXig QQ(f'/,iqg . . . o jtoXhrig KQrjaTCüvalog 7Taqcc. IIiv- 
öaQO) (?), '^Piavog de KgrjGTcovlovg avxovg (prjGiv, Ey,aTaiog de 
KQrjGzcüvag avrovg sv EvQWTcrj). Zwar steht das iq nicht nur 
bei Herodot, sondern auch bei Thukydides und Strabo. Die 
-echt-attische Form scheint aber KgaGvwv gewesen zu sein: in 
"dem von Athenaeus III 77 d überlieferten Theopomp-Fragmente 
-stellt Kaibel FgaGTCüvlav aus rqatGTwviav her, und KgaGzcovla 
ist in der pseudo-aristotelischen Schrift Ttegl d^atjA. dy,ovGf.i. 122 
überliefert. Ob dieses ä ursprüngUch oder ein in die attische 
Aussprache umgesetztes thrakisches a war, ist für unsere In- 
schrift, in der mehrere Makedonennamen attisiert sind {l^h/ieveg, 
^AhAtTö, Maxezö statt MaxccTä)^ gleichgiltig. 

Es ist also möglich, dass der Bugylvog KgaGvcüvog einem 
vornehmen thrakischen Geschlechte, vielleicht einem Fürstenhause, 
angehörte, das ursprünglich in der Krestonia angesessen war und 
von dort an den makedonischen Hof übersiedelte. 

-ilog Evlavd[Qö] C4. Der zweite Name ist vollständig 
erhalten in einer Inschrift aus Thessalonike, die in die Zeit des 
Augustus fällt (Duchesne-Bayet Arch. miss. no. I17). Das erste 
Glied ist der zusammengesetzte Stamm Ev-Xä- (aus Ev-Xäo- kon- 
trahiert) oder Ev-lo-, eine Koseform zu Ev-läo-. Griechische 
Namen gleicher Bildung sind Ev-'A,X-i7t7tog, Ev-^iv-iTtTtog u. a. 
(Fick-Bechtel GP2 no. 119). 

[AlilXGavÖQog TlavTaTtovö hu. Der Name des Vaters 
ist nicht in navT-ärcovog „in allen Dingen träge" (Fick-Bechtel 
GP^ 64), sondern in navxd-Ttovog zu zerlegen: er gehört seiner 
Bildung nach mit IlavTd-yvwvog Hdt. III 39 und den häufigen 
Namen llavva-Alrjg, UavTa-Mwv zusammen. Hat Tvovog in 



I 



- 143 — 

Eigennamen {GagoiTtovog , KaXlhtovog, ylvOLnovog^ WiloTCOvog) 
die homerische Bedeutung der „Kampfesmühe" gehabt? 

NeoTtTolelf-iog] hu. 

udv%aLog Co wird Kiu^zform zu einem der zweisfämmigen 
Namen Av^A-ayoqag Arrian Anab. I 12, 7, AvA-md^og (Koer 
Samml. GDI. no. 3624 b2 3642i8.26 37185), Avyi-agriTog Hdt. 
III 143 V 27, oder auch zu Amdiov sein. Ein Namen wort 
ylvY,ä- ist zweifelhaft, s. Fick-Bechtel GP^ 193 Anm. 

No C5 kann zu No[e(.iöv\ als Name schon E 678 ß 386 

ö 630 648, oder zu einem Vollnamen mit No/^o-, Nod-o- {No^o- 
v.qaxrig, N6d--LTC7tog, Nod^o-/.Qavrig u.a. Fick-Bechtel GP^ 219) 
ergänzt werden. 

..ir/ileg bi5, an erster Stelle einer der Stämme tvqv-, 
d^qaöv-, Tcolv-. 

"'AOL flog bi5 hat sein weibliches Gegenstück in derTheräerin 
"^Adif^a, deren Name im alten Alphabete linksläufig amsaaB 
geschrieben ist (Inscr. Gr. XII 3, no. 771). Man könnte den 
Namen als zweistämmige Kurzform zu ^Adi-fievtjg , ''Adl-f.iaxog 
auffassen (vgl. ion. "^Aöl-Xewg Samml. GDI. no. 5467 aio), wenn 
nicht gerade in Makedonien und Thessalien "'Aövf.iog daneben 
läge: "Advidog Mav.EÖojv P. Petr. II 129 no. 39 eis, "^Eqixoyevrig 
"^Aövfxov /jT^f-irirQtsvg (Mdyvrjg) und Aöalog ^Adv/xov Jrj^ifiTqievg^ 
beide in einer Inschrift aus Demetrias Athen. Mittheil. XIV 51 
(II. Jahrh. v. Chr.), phthiot. '"Adv^og '^Advfxovj E[v]o7cU[a] Aöt- 
fxov Samml. GDI. no. 1470. Da die Makedonen v noch als ü 
(nicht als ü) sprachen, können adv(.iog und adifxog aus lautlichen 
Gründen nicht identisch sein. Dagegen ist die Bildung beider 
Adjektiva die gleiche: sie sind mit den sekundären Suffixen -i.iog 
und -ifdog von den Nominalstämmen aöv-g „süss" und aöog 
„Freude, Genuss" abgeleitet. In ionischer Lautform steht ccdv-/xog 
im Hymnus auf Hermes: ^dvf.wg v/tvog 241 449, aduf.iOL löyoc 
Epicharm, dövfieGraTog Alkman (beide Citate im Etymol. Magn. 
420, 47). ad-Lj-iog aber verhält sich zu dem «a-Stamme aöogj 
ion. 7]dog genau so wie avd^-i^og zu dvd-og, nivS'-if.iog zu Tvevd-og 
(ausgegangen von -^üdi- : yivdog, Kalli- : yidllog u. ähnl.). 

KXtavÖQog bis. 
-f^axog C6. 

Es ist verlockend, raLT£a[g ce] mit x^^^V ^^^ ^^^ griechi- 
schen Spitznamen Xalzog, XaiTig, Xanidrjgy XaiTWVy die aus 
dem V. Jahrhundert belegt sind, zu verbiden (Solmsen KZ. 



— 144 — 

XXXIV 550 Bechtel Einst. Personennamen 35). Da aber 
auch andere Deutungen möglich sind, wird aus dem y kein 
sicherer Schluss auf die makedonische Aussprache der Aspiraten 
gezogen werden dürfen. 

In ^zaSf-ieag bi6 vertritt 6 nach makedonischem Laut- 
gesetze das gemeingriechische d- (Solmsen KZ. XXXIV 550). 
Homer versteht unter GTaS^j^nq nur die straff gespannte Schnur, 
nach der der Zimmermann den Balken behaut und richtet. Aber 
schon Pindar gebraucht das Wort in der übertragenen Bedeutung 
„Ordnung, Satzung, Regel": ^YlUdoq GTcid^fxag v6f.ioL Pyth. I 62, 
TcazQioav nqog OTccS^fiav tßa Pyth. VI 45, und ebenso Aeschylus: 
TiaQa OTad^fur^v Agamemnon 1045. So fasse ich auch maked. 
^Tad^tieag als Kurzform zu einem Vollnamen, in dem OTaS^fno- 
bedeutungsverwandt war den Stämmen ^eojiio- in QeG(.ioyivrig, 
QeojLWKlrjTog, Qeofxov.QiTog u. a. (Pick-Bechtel GP.^ 145), vofAO- 
in NofLwyiQccTTig, ^^Q^tvo^og, KalXlvofxog u. a, (Fick-Bechtel 
GP. 2 219) 3^). 

Ni%avÖQog bi6. 

KoQQaßcüv^^) C7 und KoQQarag bn bis gehören mit Ä^o^- 
Qaßog^% KoQQayog''^'^) und Koggalog^^) eng zusammen. In 



34) Natürlich könnte auch von ara^fzög „Pfeiler, Gehöft" ein Name 
abgeleitet sein. 

35) ... ^OPPABONAAA kann nur [K)oQQdßöv, Ja^- gelesen werden. 

36) Äsystai 8s xai KoQgaßov viov i$ Evgvdiyijg avtfp {Atj/nTjtgicp) ys- 
vsod'ai Plutarch Demetrius 53: dieser von den Codices Parisini vertre- 
tenen Lesart setzt nur der Palatinus 283 KoQgayov entgegen. Sintenis 
gibt ihm den Vorzug. Da aber jetzt der makedonische Name Koggaßcov 
sicher steht, so gewinnt Koggaßog , gerade weil es die ungewöhnliche 
Form ist, an Wahrscheinlichkeit. 

37) SV roTg sracgoig TtaqaXtjqjd'slg rig Maxsöcov ovo/ua Kögayog ^(OfXfj 
acb/narog diaqpsgcov . . . ngosxaXsoaxo fiovojuax^oai Aico^iJiJiov rov 'Aß^rjvaTov 
Diodor XVII 100 [Koggayog bei Aelian Var. Hist. X 22); Aaxsdaifiövioi 
fisv ro ^svixov S7CSXVX0V fJ.dxf} xal discp'&sigav rovg Jtsgt Koggayov atgaricozag 
Aeschines III 165; »eodem et Athenaeus, Eumenis et Attali frater, cum 
Cretense Leuso et Corrago Macedone venit« Livius XXXVIII 13. Unter 
den xcoXangsxai der Stadt Kyzikos wird in der Inschrift CIG. II 36605 
ein 'Eraigicov Koggayov genannt. Dieser Mann stammte sicher ebenso aus 
einer makedonischen Familie wie der von Aelian Var. Hist. IV 15 er- 
wähnte 2xgdrcov 6 Koggayov. 

38) Hvriyovco roivvv dvstv vicöv sx Stgarovixrjg rfjg Koggaiov ysvofxsvcov 
rov /HSV im dösXcpcp Ar}fA,r}rgiov, xbv 6' snl xco naxgi ^iXinnov wvo/uaosv Plu- 
tarch Demetrius 2. >"IjiJiog (xs qpsgsc xal ßaodsvg jus xgscpsi«- Koggaiov 



I 



— 145 — 

diesen fünf makedonischen Namen, von denen keiner für sich 
ohne ßücksicht auf die anderen erklärt werden darf ^ 9), tritt ein 
gemeinsamer Wortstamm yioQQa- hervor. Ehe wir diesen etymo- 
logisch zu deuten versuchen, müssen wir uns darüber schlüssig 
werden, ob wir die Ausgänge -ßog, -ßcov, -yog und -rag als er- 
weiternde Suffixe oder als verkürzte zweite Glieder von Yoll- 
namen auffassen wollen: denn -ßog und -ßcov können nach den 
Gesetzen griechischer Namenbildung auf -ßovlog^ -yog auf -yevrig 
oder -yovog , -zag (angeschlossen an die Appellativa auf -trjg) 
auf -rii^iog zurückgehen. Entscheiden wir uns für das Zweite, 
so stehen wir vor der Frage, ob das Griechische einen Wort- 
stamm KOQQa- besass, der sich seiner Bedeutung nach zum ersten 
Gliede alter zweistämmiger Vollnamen auf -ßovlog^ -y^'^'f}?, -ziinog 
eignete. Und diese Frage haben wir, wenigstens vor der Hand, 
zu verneinen ^0), ^je im Makedonischen ist auch im Griechi- 
schen KoQQa- bisher nur in einstämmigen Namen belegt. Unter 
den auswärtigen d^eagodoyioi, deren Namen im AsklepiosheiHgtume 
von Epidauros ausgestellt waren, nennt die Inschrift Inscr. Gr. 
IV 1504 l32 die beiden Ambrakioten Koggaöag und Ttfxoyevrig 
(zwischen 353 und 339 v. Chr.), vgl. ^Ad-riva-drig, yevvd-dag neben 
yevvaiog. Also sind die makedonischen Namen mit Kogga- als 
einstämmige anzusehen, und das führt uns auf denselben Weg, 
den schon Fick KZ. XXII 230 und Solmsen KZ. XXXIV 



(paaiv vjio 0iXui7iov axQarevodfievov iJtJiea rfjg fxrjxQog dsof^svrjg ak^aaaß'at 
acpsoiv xfjg orgarsiag siJisiv rovro Diogenianus V 31 Apostolius IX 12 
(Paroeraiogr. Gr. I 257 II 464). Einen l4juvvzag Koggaiov verzeichnet die 
makedonische Namenliste des Papyrus Flinders Petrie II no. 30b20 (zweite 
Hälfte des III. Jahrh. v. Chr.). 

39) So kann z. B. die verlockende Auflösung von KoQQayog in xoqq- 
ixyog „Führer der xovqoi« (maked. xöggog = ep. xovQog) trotz des ver- 
wandten Namens Aäyog aus Xa-ayog nicht bestehen, weil bei ihr wohl 
KoQQOLog (als Kurzform zu KÖQgayog), aber keiner der übrigen drei Namen 
seine Deutung fände. 

40) Man könnte allerdings an den Gottesnamen Kögfä, att. Köqij, 
dessen makedonische Form Kogga gelautet haben muss, denken. Voll- 
und Kurznamen mit Kogga- hätten Seitenstücke in 'A'&rjvo-yhi^g, 'Ad'tjvo- 
xifjLog, 'Hgd-xXeuog mit der zweistämmigen Koseform 'Hgd-xcov, 'Hgo-ßovXog, 
'Hgo-ysvi]g, 'llgo-xifxog, 'EgfA.a-yEvrjg neben 'Eg/no-yevtjg mit der zweistämmi- 
gen Kurzform 'Egf^o-yäg , 'Eg/uö-xcfiog mit der zweistämmigen Kurzform 
EgfjLo-xiojv u. a. m. Aber in Vollnamen haben die Makedonen nur selten 
Gottesnamen verwendet. Und wie sollten sie zu dieser Vorliebe gerade 
für Kogga- gekommen sein ! 

Hoffmann, Makedonen. 10 



— 146 — 

549 gegangen sind: yiOQQa- ist nach bekanntem makedonischen 
Lautgesetze aus -aogoa- „Haupt" hervorgegangen. Koggatog ver- 
hält sich dann in Bedeutung und Bildung zu '/.OQga genau so 
wie y,OQV(palog „der Oberste, der Häupthng, das Parteihaupt" zu 
y,0Qvcprj. KoQQtxyog wird von Solmsen a. a. O. ansprechend auf 
y,6Qaa-xog zurückgeführt: eine treffende Parallele bildet das ionische 
ovQa-xog „die Spitze" von olga. In KoQgaßog und dem davon 
abgeleiteten Koggaßcov können wir das Suffix -qpog suchen, das 
besonders Tiernamen {elaipog, y,LÖdq)r]^ %6gag)og' Ttoiög ogvig), 
aber auch andere Appellativa bildet, vgl. %g6Ta-q)og „Schläfe, 
Berggipfel". Für Koggd-xag endHch haben, gleichwie für die 
griechischen Namen GegGi-zag, Kallev-Tag, (DM-Tag^ ^Agyv-xag 
u. a. (Fick-Bechtel GP. ^ 29), die Appellativa auf -xag die Vor- 
lage abgegeben. Alle diese Deutungen ruhen freilich auf einer 
Voraussetzung: dass -^ogga im Makedonischen „Haupt" bedeutet 
habe. Bei Homer und in der klassischen Literatur ist -Aogcsri 
nur die „Schläfe", erst jüngere Dichter gebrauchen das Wort für 
„Haupt". Doch weisen die von den Grammatikern bezeugten (vgl. 
Hesych s. v. yiogoat, xögori, ^^ogalg) verschiedenartigen Bedeutungen 
des Wortstammes darauf hin, dass er ursprünglich „die Spitze, 
das Hervorragende" bezeichnete; auch die durchsichtige Etymo- 
logie (Peellwitz GE. 159) spricht dafür. 

Jaö- C7 kann zu Jdd[öv] ergänzt werden, vgl. Xdgoxp 
Jddcovog i^XvKijog Inscr. Graec. VII 24185, . . -g Jdöwv . . 
ebenda 2368. Ging z/ä- vor Konsonanz aus vollerem Jäi-^^) 
hervor (vgl. z. B. die Doppelform JäL-cpovvevg : Jä-cpovvevg für 
denselben Phylennamen in Mykene Samml. Gr. Dial.-Inschr. 
33156 3316 ii), so ist Ja-dwv die Kurzform zu homer. Jrj'i- 
Sdjuag *2). 

-LKog bi7 und -Izag bis. 

^u4vögo- d2 und ^Av{ög) ... bi7. 

[Me]X€aygog es war ein häufiger Name im makedonischen 
Adel. Eine der acht Hetären-Ilen, die Arrian Anab. III 11, 8 
aufzählt, wurde von einem Melmygog geführt. Bekannter ist 
der Stratege Meleaygog, Sohn des Neoptolemos (Anab. I, 24, 1), 
Führer einer zd^cg (Anab. II, 8, 4 III 11, 8 u. ö.), als Gegner 



41) Die im alten Alphabete abgefasste theräische Grabinschrift 
Inscr. Gr. XII 3 no. 814 kann zu 0aQQVfx[axog] Adc8ö[vog] ergänzt werden. 

42j Von den kleinasiatischen Namen Adda, Addag, Aadsag u. s. 
(Kretschmer Einl. 337) ist Addcov fern zu halten. 



• 



— 147 — 

<ies Perdikkas getötet. Endlich ist ausser einem Anhänger des 
Peithon (Diodor XIX 47, 1) noch ein Sohn des Ptolemaios I 
und Bruder des Ptolemaios Keraunos, dem er für kurze Zeit auf 
dem Throne Makedoniens folgt (Diodor XXII 4), zu nennen. 

Für J LQße . . . C8 finde ich keine gefällige Anknüpfung im 
Griechischen; Namen wie Jlgcpvg- oqoq Evßolag, cog EvcpoQtwv . . 
yial JiQcpva rj '"Hqa TifiazaL Steph. Byz., oder arg. ^€Qq)ea[g] 
(zweifelhafte Lesung Fraenkel's Inscr. Gr. IV no. 192, altes 
Alph.) sind selbst ungedeutet. 

[^]ifxvatog C9 ist ein auch aus der Literatur bekannter 
Makedonenname. Bei dem Sturme auf die Stadt der Makkol 
opfert sich für Alexander nach Plutarch Alex. 63 (vgl. Mor. 
327 c 334 d) ein ytiitivalog^^). Aus einem vornehmen makedoni- 
schen Geschlechte {»sfCicpaveaTaTog^) stammt ^iixvaXog b TLoXe- 
lAongaTovg, den Perseus dem Könige Genthios als Geisel stellt 
(Polybius XXIX, 4, 6); Jriiiioo^€vr]g , KvKhdöag und udi^valog 
kommen als Gesandte von Philipp III zu Titus Plamininus (Po- 
lybius XVIII 34, 4). Die Bedeutung des auch in Griechenland 
vorkommenden Namens (^Lf,ivala}L Trozan Samml. GDI. no. 
336224) hat Fick GP. ^ 336 richtig bestimmt. Ai(xvai heissen 
verschiedene Orte Griechenlands und Ai^valoi oder At/xvccTav 
ihre Bewohner und Kultgottheiten **). Entweder ist also Alij,' 
vaiog ein Heimatsname — so fasst ihn Fick a. a. O. auf, der 
reiche Belege dafür bringt, dass schon in ältester Zeit Ethnica 
als Personennamen Verwendung fanden (vgl. ^Ogiavag) — oder 
«in Widmungsname auf -wg, der nach dem von Fick GP. ^ 303 
aufgestellten Bildungsgesetze äusserlich mit dem Gottesnamen Aiju- 
vaiog zusammenfallen musste (vgl. die mit Götterbeinamen gleich- 
lautenden Personennamen GeixloTiog, '^Hioiog u. a.). 

Selten nur scheinen die Griechen den Stamm ßov- „Stier, 
Rind" zur Bildung zweistämmiger Vollnamen verwendet zu haben. 



43) Bei Curtius IX 5 ist der Name in TifiaTog verderbt. Arrian Anab. 
VI 10, 1 erzählt die Tat von einem Dimoiriten 'Aßgmg , bemerkt aber 
(VI, 12, 7), dass in Bezug auf die Persönlichkeit keine Einigkeit zwischen 
den Quellen herrsche. 

44) Als ÄifivaTog wurde Dionysos in Sparta und Athen [totioq r^g 
'Axxitcfjg Äifxvai xaXovfA,svog, sv&a 6 Aiovvoog szcfnäto. KaXXi/zaxog »Ai/uvaiq) 
ÖS xoQoozddag ^yov soQtdg« Steph. Byz. s. v. Aifzvai), als Ai/nvaia oder 
Aifxväxig Artemis in mehreren Städten des Peloponneses verehrt. 

10* 



— 148 — 

Alt dagegen ist der Standesname Bovi^oXog (Bov/,oXLdrjg Patron. 
O 338, Bov/LoUwv Z 22 Pausan. VIII 3, 2 u. ö.) und beliebt 
bei den Böotern der nach dem Feste BovaccTia gegebene Ge- 
burtstagsname BovyKXTioQj BovKccTTeig (Samml. GDI. 471 48670 
4873 1071 iV406c2). Zu einem dieser beiden Namen wird auch 
Bov% ... C9 zu ergänzen sein*^). 

In . . , ^vtTeag bi9 kann der von dem ersten Buchstaben 
erhaltene Stiich seiner Eichtun g nach nur zu t, nicht zu K er- 
gänzt werden. Das Suffix -sag ist echt makedonisch-griechisch^ 
aus -TT- darf auf einen Kurznamen geschlossen werden. 

KaT- bi9 scheint einen mit xara- zusammengesetzten Namen 
eingeleitet zu haben, vielleicht Kaz-aQrjg: dieser verhielte sich zu 
dem Appellati vum yiav-agrjgy ytaT-TJgrig „wohl versehen" (tvXoIov 
Hdt. YIII 21) genau so wie die griechischen Namen ^^fÄCp-dgrjgy 
Ev-aQTjg (Fick-Bechtel GP.^ 67) zu den Adjektiven ccficp-T^grig, 
Bv-iqQiqg „wohl versehen, gut ausgerüstet" *6). Griechische Namen 
mit Kaza- sind selten (Kaxavvaag Rhodos Inscr. Gr. XII 1 
no. 1460). 

[Jilqdag ßaoil.... cio gehört als König von Elimeia 
nach dem oberen Makedonien, s. unten S. 159. 

KaXXiii[axog\ b2o. 

BoQalo[g\ di ist der Bildung nach deutlich griechisch und 
reiht sich den zahlreichen makedonischen Namen auf -aiog an. 
SoLMSEN KZ. XXXIV 549 will entweder ßoqiag oder q)OQ- zur 
Deutung heranziehen. Da die neben ßogea- liegende Form 
ßoQQa- doppeltes ßho hat {Boggalac TtvXai Aeschyl. Sept. 510^ 
ßoQQccd^ev att. Inschr. s. Meisteehans ^ 100), so ist es mir wahr- 
scheinlicher, dass BoQoiog gemeingriechischem OoQolog entspricht. 
Dies würde die Kurzform zu einem der vielen mit -cpogo-g zu- 
sammengesetzten Vollnamen sein [Ev-cpoqogj Klso-cpogog, Jldg- 
q)OQog u. a. Fick-Bechtel GP. ^ 276). (poQolo- verhält sich zu 



45) Es käme ausserdem noch boeot. Bovxcov Inscr. Gr. VII 2428 II 8 
— Koseform zu BovxoXog oder Bovxdrcog — und aetol. BovxQig SammL 
GDG. 25202 25221 2523i BCH. XV 352ff.5 3592 — nach Baunack Kose- 
form zu BovxQOLrrjg — in Betracht. 

46) Man könnte auch an den durch Suidas bezeugten Eigennamen 
Karcogrjg denken , vgl. Hesych xaxcoQtjg ' xarco qsjicov, oder das äolische 
Beiwort des Sturmes xardQtjg nach Aristoph. Byz. bei Eustath. 603, 34 
xaragri [ävs/xov) ro avvsoxQafZfievov Jivsvf^a xai xaxaQaoaov Xeyovoiv 6 ^AX- 
xaXog xal Sanqxo. 



— 149 — 

ipoQo- genau so wie die von Bechtel zu Samml. GDI. no. 5295 
zusammengestellten und richtig beurteilten Adjektiva ''iTtTtalog 
zu iTtTtoQj oöaiog zu odoq^ vrjaalog zu vrjaog u. a. 

!ATTaytivog 6.2 wird die makedonische Form von ^Axiaylvog 
sein (SoLMSEN KZ. XXXIV 550): so heisst der Thebaner, der 
seine Vaterstadt an Xerxes verrät (Hdt. IX 16 86 88). Nach 
Fick-Bechtel GP. ^ 314 zu dzTayccg „Haselhuhn". 

Qvvog da, auch als griechischer Name bekannt, gehört zu 
dem durch die Grammatiker bezeugten Namen d-vvog* Ttolefiog, 
oQfXf]^ ÖQOfj-og Hesych (d-vvog Herodian tt. ij.ov. Xs^. 33, 15), da- 
von d-vvsoj „sich schnell bewegen, stürmen" (Aspis Her. 156 210), 
und dem häufigen homerischen Verbum d-vvoj „einherstürmen", 
das vornehmlich von den Kämpen der Schlacht gesagt wird 
{z. B. B 446 £■ 87 ^ 73 u. s.)*^). 

Aus "Hd-agog da ist ein mit dem häufigen Suffix -agog 
gebildetes Adjektivum rjd^-aQog zu erschliessen , für das sich die 
Bedeutung „vertraut, eingelebt, lieb" aus den von demselben 
Stamme abgeleiteten griechischen Adjektiven homer. '^S^slog „lieb, 
traut" (bes. Tjd-elE), ^elvov ejudv rjd^aiov Pindar Isthm. II 48, tcov 
yccQ rjd-ddcov q)ilo)v vsol evTtid-eoTBQOi Eurip. Andr. 818 ergibt. 

^Aqq' ds kann zu *AqQ[LÖaiog] oder l4QQ[aßcuog] ergänzt 
werden. 

KqaTevvag dd kann entweder zweistämmige Kurzform zu 
KQaxl'Viy.og oder einstämmige Kurzform zu einem mit x^arewo- 
„kräftig" (aus *x^air€(T-vo-) zusammengesetzten Vollnamen sein, 
vgl. att. Oaeivog, dor. Oarivog (Belege bei Fick-Bechtel GP. * 
274) und das häufige Namenwort Kleivo- aus * KXsFeo-vo-, 

Bei Qqto- d4 denkt man zunächst an das zur Bildung von 
Vollnamen wohl geeignete Adjektivum d-QriaKog „fromm" ^s)^ von 
dem das alte Verbum d^Qrja7.eva) „heilige Bräuche beobachten" 
(zuerst bei Hdt. II 64 65) mit d^Qi^Gy,i^lr] , d^Q^OY^eia „religiöser 
Brauch, Gottesdienst" (Hdt. II 18 37) abgeleitet ist. 

[navo]aviag Maxerö war ein Prinz des elimiotischen 
Fürstenhauses, s. unten S. 163. 



47) Der thrakische Stamraesnamei &vvoi (Tomaschek Thraker I 65flf.) 
ist fern zu halten. 

48) Literarisch belegt durch den Jakobusbrief 1, 26 {■^Qrjoxog) und 
die Hesych-Glossen d'Qtiaxcp vocß , ■&Qriaxr}v töv^^qw (überl. d'Qlaxsiv tov 
■&Qovv), dazu ■&Qsa?<6g' daiaidaificov, d'Qsaxri' ayvq. Übrigens könnte 0Qsa- 
auch eine durch Gsqo- beeinflusste Nebenform von Ogao- sein. 



— 150 — 

^!A]ysQQog de heisst auch ein Neffe des Perdikkas in diesem 
Vertrage C3: das Nähere oben S. 138. 

Borgeg de (vgl. BoTgrjg Eviat^Iov aus Theben Antoninus 
Lib. 18) gehört mit dem gar nicht seltenen griechischen Personen- 
namen BoTQvg zusammen, vgl. auch BcTQi%og Evcpavov '^Hgay^Xecü^ 
TYjg CIA. III 2 no. 2433, argiv. [B]iT;qag altes Alph. Inscr. Gr. 
IV no. 614 1. Es liegt natürhch am nächsten, den Namen als 
ßoTQvg „Traube" zu fassen (Fick-Bechtel GP.^ 325). 

ylv%e ... de kann zu AvAtctg (Argiver Paus. I 139 II 195 
222 238, Aetoler Samml. GDI. no. 25065 u. ö.), Av^^tv (Avy,i^v 
Münze aus Dyrrachion Coins Brit. Mus. Thess. 71 no. 93) oder 
Auyiig (AvKtjTc IleQi^olörii Dittenberger Syll. II ^ no. 587 30i) 
ergänzt werden. 

^Aydd^öv dl. 

Miaywv d?, auch attisch (CIA. II no. 1280 1), mit Khota- 
cismus Miqywv auf zwei styräischen Bleitäfelchen (Samml. GDI. 
no. 5345 no. 8) ist Koseform zu Miayokäg (Kollvrevgy IV. Jahrb., 
Athenaeus VIII 339 b c), lak. MiayoXaidag Xenophon Hell. 
II, 3, 10. 

Im ganzen sind also etwa 40 Namen der liste ganz oder 
doch so weit erhalten, dass sich ihr Stamm oder ihre Bildung 
sicher bestimmen lässt. Ein abschhessender Überblick über sie 
ergibt folgendes Eesultat: die MögHchkeit thrakischer Abstammung 
besteht für den Bvgylvog KgccoTcovog; unerklärt bleibt vor der 
Hand Jigße . .; alle übrigen Namen sind schöne, durch- 
sichtige griechische Bildungen, und nur zwei von ihnen, 
NsoTtTolefiog und MeXiaygog, könnten aus der griechischen 
Heldensage entlehnt sein. 



4. Fürsten und Adel im „oberen" Makedonien. 

In den Gebirgsländem, die sich westiich von der makedoni- 
schen Tiefebene ausdehnen, wohnten verschiedene Stämme, die 
im weiteren Sinne auch zu den Makedonen gerechnet wurden: 
man fasste ihr Gebiet mit dem Namen des „oberen Makedonien" 
zusammen. Herodot erwähnt sie nicht, dagegen erzählt Thuky- 
dides II 99, 2 von ihnen: twv yag Mayieöövwv elot y(,al Avy- 
KtiOTal %al ^ElLfiiwTai xat alla ed^vri eTtdvcüd-eVj a ^vfxixaxa fxiv 
iazi Towoig Y.al VTtriKoa, ßaotXeiag d k'xsi /.ad^ avrd. Zwei 



— 151 — 

der aXkcL ed^vri waren die ^OgeGzai und neXayovsg nach Strabo 
VII 326 'Aal drj yial ra tvbqI ^v/atjotiv yial IlekayovicLv aclI 
^OgeoTiada ytal ^EXifxeiav Tr^v avco Mayiedoviav exdlovvj ol 6* 
vGTBQOv y.al elevd^eqav. Auch die Tymphaeer gehörten zum 
„oberen Makedonien": denn eine der sechs Ta^eig des makedoni- 
schen Fussvolkes stellten in der Schlacht bei Arbela die Tv^- 
cpaloi unter Polyperchon (Diodor XYII, 57, 2), und Pyrrhos 
verlangt von Alexander als Lohn für seinen Beistand gegen Anti- 
pater »tt^v ts Tviicpaiav -aal Tr^v üagavalav rrjg Mayieöovlag« 
(Plutarch Pyrrhus 6). 

Sind nun diese Stämme wirklich zu den Makedonen zu 
rechnen? Darauf gibt Strabo IX 434 eine klare und bündige 
Antwort, in der die herrschende Auffassung der Alten zum Aus- 
druck kommt: Sid ydg .tt^v eTtifpaveLav re /ml rijv e/vrAgdTeLav 
TCuv QeTzaXwv aolI tcov MaKSÖoviov ol jtliqOLd^ovTeg avTolg [xd- 
hoTa Twv ^HTteiQcoTcov ol fxev l/oVrsg, ol 6* ayiovreg ixsQiq '/.a&l- 
GTavTO QeTzalwv tj Ma'/iedovcüv, 'Aad^dneg ^Ad-a/.iccveg ytal ^Xd-r/^eg 
'Aal TdXageg OeTzalcov, 'OgeovaL de 'Aal TleXayoveg Aal ^EXl(älo)- 
Tai MaKeöovcov, Der Abstammung nach galt also die ober- 
makedonische Bevölkerung für epirotisch: zu Makedonen machte 
sie ihre politische Abhängigkeit von den Königen zu Aegae, die 
dann im IV. Jahrhundert das obere Makedonien ganz in ihr 
Reich einverleibten. Mit Epirus verknüpft die ^OgeoTai schon 
Hekataios von Milet Fragm. 77, der sie einen molossischen 
Stamm nennt, und Thukydides II, 80, 6 setzt sie ebenfalls in 
enge Beziehung zu den Epiroten: denn eine besondere Gruppe 
des aussergriechischen Kontingents im Heere des Lakedämoniers 
Knemos bilden die MoIoogol mit den Ragavaloi und 1000 
OgeoTai, die von ihrem Könige Antiochos unter den Befehl des 
Parauaeer-Königs Oroidos gestellt waren. Auch die Tv/^cpaloL 
und ^Xd^L'Aeg werden von Tzetzes zu Lykophron 802 Epiroten 
genannt. 

Dass die antiken Geschichtsschreiber durch gründhche Beob- 
achtungen der Sprache und Sitte dazu bewogen wurden, die 
Stämme des oberen Makedoniens zu den Epiroten und nicht zu 
den Makedonen zu zählen, ist wenig wahrscheinlich. Allerdings 
fügt Strabo VII 326, nachdem er die Lynkestis, Pelagonia, Ores- 
tis und Elimeia unter dem Namen des „oberen" Makedoniens 
zusammengefasst hat, die Bemerkung hinzu: I'vcol öi 'Aal gv^i- 
TtaGav T7JV f.dxqL KeQXVQag MaKsdovlav nQOGayoQEvovGiv alzLO" 



— 152 — 

Xoyovvzeg a/naj otl ytal ytovga %al ÖLaXE^ict) %al y^Xafxvdi xal dXXoiq 
TOLOVTOLg xQCüvvai TtaQaTtXtjalwg. Aber aus diesem alles um- 
spannenden Begriffe Ma/^eöovla sollten sicherlich die Maxedoveg 
im engeren Sinne nicht ausgeschlossen werden ; macht doch 
Strabo VII Fragm. 2 gerade auf Berührungen zwischen dem 
thesprotischen , molossischen und makedonischen Dialekte auf- 
merksam *9). Ein anderer Grund muss es also gewesen sein, der 
dazu führte, das obere Makedonien zu Epirus zu rechnen, und 
das war einfach die geographische Gliederung des Landes. Wäh- 
rend die makedonische Tiefebene durch die hohen Gebirgszüge 
des Olymp und Sermion scharf von der Elimeia und Orestis ab- 
geschnitten wurde, gab es keine natürliche Grenzen zwischen 
diesen Berglandschaften und dem eigentlichen Epirus. Eine 
Folge davon war, dass die Oresten, Elimioten und Tymphaeer, 
ehe sie um die Mitte des V. Jahrb. in politische Abhängigkeit 
von den Makedonen kamen, sich zu den benachbarten epirotischen 
Stämmen hielten und als Epiroten fühlten. Ihre Hinneigung zu 
Epirus mag im V. Jahrb. noch dadurch verstärkt sein, dass sie 
in dem jungen aufstrebenden Staate der Könige von Aegae mit 
gutem Grunde eine Gefahr für ihre Selbständigkeit witterten. 

Irgend welche Schlüsse dürfen also aus diesem Epiroten- 
tume der Oresten und EUmioten auf ihre Sprache und ihr 
Volkstum nicht gezogen werden. Aber ebensowenig beweist 
die Tatsache, dass jene Stämme zur Zeit des Phihpp und Alex- 
ander zum „makedonischen Gesamtvolke" gehörten, das Aller- 
mindeste für ihre echtmakedonische Art. Wenn von den sechs 
makedonischen Ta^etg in der Schlacht von Arbela je eine aus 
den Tymphaeern, Elimioten und Oresten mit Lynkesten besteht, 
so folgt doch daraus nur, dass das obere Makedonien damals 
nicht mehr selbständig war, sondern zum makedonischen König- 
reiche gehörte und dass die Aushebung des makedonischen Fuss- 
volkes nach Kantonen erfolgte (Degysen Heerwesen 11). 

Ein sicheres Eesultat ist nur zu gewinnen, wenn wir — wie 
bei den Makedonen im engeren Sinne — nicht nach den breiten 
Schichten des Volkes, sondern nach Fürsten und Adel fragen. 
Für deren echtes Makedonen tum besitzen wir zwei untrüg- 
liche Zeugen; das sind: 



49) xara OeojiQcorovg xal MoXorzovg rag ygaiag nsXiäg xal rovg ysQOVxag 
nekiovg, xad-djtsQ xai na^b. Maxsdoai („die Grauea"). 



— 153 — 

die Namen, unter denen sich mehrere gerade den Make- 
donen eigne finden, und 

die Stellung des obermakedonischen Adels am Hofe und im 
Heere der makedonischen Könige. 

a. Oresten und Eordaeer. 

Von den Königen der Oresten kennen wir nur einen einzi- 
gen: den ^AvT ioxog, der eine Schar von 1000 Oresten zu dem 
gegen die Athener verbündeten Heere des Knemos stossen Hess 
(Thuk. II 80, 6). Sein Name war echt makedonisch; im Seleuki- 
denhause lösten sich von Generation zu Generation die Namen 
^elevyiog und ^AvTioxog ab. 

Es ist für die Stellung des Adels der Eordaia und Orestis 
von grösster Bedeutung, dass aus diesen beiden Landschaften 
nicht weniger als drei der ocofÄarocpvXaxeg Alexanders (s. unten 
S. 167 ff.) stammten. 

Königlichen Geblütes war nach CußTius X 7, 8 der ocDfxaTO- 
(pvla^ neQÖrA'/.ag aus der Orestis (Arrian Anab. VI, 28, 4; 
Ind. 18, 5), Führer einer tcc^iq und LTtTtagxog, nach des Königs 
Tode Reichsverweser. Seinen Vater nennt Arrian ^OQovTTjg 
(Anab. I 14, 2; III 11, 9 Succ. Alex. 2, 'OgcovTrjg Ind. 18, 5). 
Mit dem gleichlautenden und beliebten persischen Namen, der 
auch bei Arrian vorkommt, hat dieser makedonische Name selbst- 
redend nichts zu tun, vorausgesetzt, dass er überhaupt richtig 
überhefert ist. Gerade in den Eigennamen ist ja der Text des 
Arrian, wie viele sichere Beispiele zeigen, von kleinen Versehen 
und Ungenauigkeiten nicht frei. Gebildet wäre maked. 'Oqov-Täg 
wie die beiden Argeaden-Namen "Aj.ivv-zag und ^^lyie-Tag. Was 
darüber hinaus Hegt, bleibt Vermutung so). 

Das Geschlecht des ocoi^aTocpvla^ IlToleiiiatog, des Sohnes 
des Aäyog, stammte nach Arrian aus der Eordaia ^i), nach 



50) Da in den Namen des Argeadenhauses mit Vorliebe die Wahr- 
haftigkeit des Mannes zum Ausdruck kommt, mag 'Oqov- mit dem Stamme 
6q-, öqo- „erregen", intr. „sich erheben, losstürmen" {oqo-vco, Sqo-'&vvco) 
zusammenhängen. Auch an den Königsnamen "OgoiSog bei den Parauaeern 
(Thuk. II 80, 6) wird man erinnert. 

51) Ind. 18, 5 'EoQÖaToi 8s IlroXsfxaTog 6 Adyov xal 'Agiotovoog 6 Uei' 
aaiov , Anab. VI 28, 4 UroXs/xaTov de rov Adyov xal Uscd'cova Kgatsva 
'EoQÖaiovg. 



— 154 — 

Steph. Byz. 62) dagegen aus der Orestis. Der Unterschied zwi- 
schen den beiden Angaben ist aber nicht erhebUch: denn wenn 
Arrian auch die "Eogöala (Anab. I, 7, 5) als besonderes Gebiet 
von der 'OgeoTig (Anab. VI, 28, 4) trennt, so stiessen doch die 
beiden Landschaften unmittelbar an einander und gehörten, da 
auch die Eordaia jenseits des Bermiongebirges lag, beide zum 
oberen Makedonien. SelbstverständHch ist ^EoQÖalog für Arrian 
ledighch ein geographischer, nicht etwa ein ethnischer Begriff. 
Das thrakische Volk^s)^ das der Landschaft den Namen gegeben 
hatte und das bereits in der Karanossage gegen die Makedonen 
kämpft, war von diesen nach Thukydides II 99, 5 ganz ausgerottet 
worden: aveairioav de /.al sk Tr^g vvv ^Eogöiag yLaXov^eviqg ^Eoq- 
Sovg' wv Ol fiiv TTollol Icpd^aqiqoav , ßQCcxv öi n avzcjv neql 
0vGAav /.aTf^KYizaL. 

TlTolefÄalog gehört zu den beliebtesten makedonischen Namen, 
yLäyog dagegen kommt nur in dieser einen Familie vor und 
stirbt auch in ihr bald aus : Ptolemaios I nennt noch einen seiner 
Söhne Aäyog (Athenaeus XIII 576 c), dann kehrt der Name 
nicht wieder. Seine Bildung und Bedeutung ist durchsichtig: 
Aäyog aus Aa{F)-ayog »Führer der Aäo/«, vgl. rhod. udaayog 
Inscr. Gr. XII 1, no. 144 (Epigramm). 

Wenn Arrian Anab. VI 28, 4 auch den owi^aTocfvla^ 
nEid^cov, den Sohn des Kgarevag einen Eordaeer nennt, sa 
trifft das streng genommen nicht zu: denn die Stadt Alxofxevai^ 
aus der Peithon stammte (Arrian Ind. 18, 5), lag nach Strabo 
VII 326 am Erigon in der Deuriopos. Die genaue Lage dieser 
Landschaft, die zu Paeonien gerechnet wurde ^% ist schwierig zu 
bestimmen. Den besten Anhalt bieten die Bewegungen der 
Heere in dem Feldzuge des Sulpicius gegen Phihpp im Jahre 
199 V. Chr. (Livius XXXI 33 ff.). Darnach scheint es, dass die 
Deuriopos nördlich von der Eordaia, östlich von der Lynkestis 
und südlich von der Pelagonia lag, am mittleren Laufe des 
Erigon. Dahin hat sie schon Otfe. Müller Makedonen 18 
gesetzt. Es ist also sehr wohl möglich, dass die Stadt L^/lxo- 



52) 'Ogsoxia, nöXig iv 'Ogioxaig, iv ogsi vjisgxsifievq) x^g Maxsdovixtjg 
y^g, i^ rjg UxoXsjuacog o Adyov jcQcöxog ßaodevoag Aiyvjtxov. 

53) Herodot VII 185 nennt die 'Eogdoi zusammen mit den Thra- 
kern und Paeoniern. 

54) Livius XXXIX 52 »Paeoniae ea regio est«, Steph. Byz. s. v. 'Alxo- 
fjLEvai .... soxi xai xrjg 'IkXvQiag TiöXig. 



— 155 — 

^evaij von deren Lage wir nichts wissen, in der Deuriopos dicht 
an der Grenze der Eordaia lag und dass sich so der scheinbare 
Widerspruch zwischen Strabo und Arrian erklärt. 

Tleid^tov war ein verbreiteter und auch bei den Makedonen 
beliebter ^^) griechischer Name. Eigenartig dagegen ist die so- 
wohl in der Anabasis wie in der Indike (beide Male Kgazeva 
im cod. Par. A) überlieferte und von Kqaxeag ^^) verschiedene 
Form Kgazevag. Sie setzt ein makedonisches Verbum Kga- 
TEvoi voraus (Fick KZ. XXII 230), das gleich zahlreichen an- 
deren Verben auf -fii; w (Leo Meyer Yergl. Gramm. II ^ 44) eine 
Analogiebildung nach ßaGLlevco, legevo) u. s. w. war. Ein 
zweiter Kgaveiag, Kassanders Stratege im Jahre 316 v. Chr. 
(Diodor XIX 50), kann der Sohn des Peithon und Enkel des 
ersten Krateuas gewesen sein. 

Nach Alexanders Tode erhielt Peithon die Satrapie Medien. 
Während der Kämpfe zwischen Eumenes und Antigonos vertrieb 
er den Satrapen von Parthien, Philippos, und setzte seinen eignen 
Bruder Evdafxog an dessen Stelle (Diodor XIX 14). 

Dass der bekannte Kgategog b i^ls^dvÖQOVy der Freund 
Alexanders, von ihm zum Nachfolger des Antipater bestimmt 
(Arrian Anab. VII 12, 3 — 4), ein Oreste von Geburt war, er- 
fahren wir durch Arrian Ind. 18, 5, der ihn zusammen mit dem 
Perdikkas als Trierarchen »£x t^q ^OgeGTidog« aufführt. Im 
Herbste 322 vermählte er sich mit Phila, der Tochter des Anti- 
pater (Diodor XVIII, 18, 7), im Mai des folgenden Jahres fiel 
er bereits in der Schlacht gegen Eumenes (Diodor XVIII 30 if. 
Plutarch Eumen. 6). Erst nach seinem Tode wurde ihm von 
Phila ein Sohn geboren, den diese zur Erinnerung an den edlen 
Gatten Kgazegog nannte. Es ist der Stiefbruder und treue 
Freund des Antigonos Gonatas, den Phila in zweiter Ehe dem 

55) '^oav ds SV ToTg ZaQidajioig . . zcov haiQcov Innsrnv ov noXXol xal 
^vv tovtoig Tlsid'cov 6 ZoiOixXeovg im xfjg ßaaiXix'^g d^sQajisiag xfjg iv Zagido- 
noig rsxayfisvog Anab. IV 16, 6; ÜEi^cov 6 'Ayi^vogog, Satrap von Indien 
Anab. VI 15, 4 17, 1 u. sonst. 

56) Auch KQaxsag war makedonisch. Ein Mann dieses Namens 
mordete den König Archelaos, weil er sich von ihm zurückgesetzt glaubte. 
Die bei Plutarch Mor. 768 F überlieferte Nominativform KQaxsag wird 
bestätigt durch den Genetiv Kgaxaiov, geschrieben für Kgaxsov bei Aristo- 
teles Politica H {E) 10, 1311b 8. Auch Diodors Kquxsqov XIV 37 ist 
wahrscheinlich aus Kgaxsov und nicht aus Kgaxsvov Aelian Var. Hist. 
VIII 9 verderbt. 



— 156 — 

Demetrios gebar. Sonst kommt der Name Kgarsgog im make- 
donischen Adel nicht vor. 

b. Tymphaeer. 

Kunde von einem tymphaeischen Fürstengeschlechte hat sich 
nicht erhalten. Doch scheinen ihm einige Männer, die in der 
Umgebung Alexanders eine Rolle spielen, entsprungen zu sein 
(vgl. JGDeoysen Kl. Sehr. I 69). 

Der bekannteste von ihnen ist UolvTttQxcov, der Sohn 
eines 2ifx^iag (Arrian Anab. II 12, 2; III 11, 9). Er führt 
in der Schlacht bei Arbela die id^ig der Tv(.i(paloL (Diodor 
XVII 56, 2 Tevay/^evcüv vtv avrbv töjv 6vofiaConivo)v TvjLKpaiwv), 
und heisst bei Lykophron 802 »ögaytcov Tvf4g)aiog ev d-oivoiOLv 
^l&lyaov TtQOfxog« (vgl. dazu die Paraphrase P und das Tzetzes- 
Scholion) ^7). Über die Form des Namens handelt eingehend 
DiTTENBEEGEB Syll. Or. I S. 12 Note 14: die griechischen Hand- 
schriften überliefern, von wenigen Stellen abgesehen, UolvaTVSQxwv^ 
während nicht nur in den griechischen Inschriften (Dittenbeegeb 
Syll. Orient. I no. 423 039 und CIA. II 723?) und Papyri, son- 
dern auch bei den lateinischen Autoren ausnahmslos das g fehlt. 
Das dem Tci^yjbi entsprechende griechische otieqxco ist bis jetzt 
nur in Kurznamen ^s) belegt: boeot. ^ittQxtov Inscr. Gr. VII 
24294, smyrn. ^Tiegxvlog CIG no. 314044. 

Vier Brüder, Söhne eines ^Avöqofxevrig, kamen in den 
Verdacht, an der Verschwörung des Philotas gegen Alexander 
teilgenommen zu haben, doch vermochten sie ihre Unschuld nach- 
zuweisen (Arrian Anab. III, 27, 1 — 3). Die Familie stammte 
aus der Tvfxcpaia (Arrian Ind. 18, 6) und stand bei Alexander 
in hohem Ansehn. Von den vier Brüdern befehligte ^A^vvxag 
eine Tajig, mit deren Kommando, als er zeitweilig abwesend war, 
sein Bruder ^i^^lag^^) betraut wurde (Arrian III 11, 9; 14,4). 

57) Von den AX'&iHsg entwirft der Nationalmakedone Marsyas keine 
sehr schmeichelhafte Schilderung (bei Steph. Byz. s. v. Al&ixia): sv 0st- 
xaXiq 5' (pxovv {Ai'&ixsg) sv tw IltvScp oqsi. Magovag 8s [xsoov xfjg Tvfx- 
(paiag xai 'Ad-afiaviag xsTo'&ai (prjoi rrjv x^QotV x6 8s s^vog jiaQaßolov rs xai 
ßdgßagov xai XrjoTsiaig sjtisixcog tiqooxsi/^svov. 

58) Der Ätoler IIoXvojieqxcov um 250 v. Chr. (Paus. V, 6, 1) ist wahr- 
scheinlich nach dem Makedonen benannt worden. 

59) Der den Familien des Polyperchon und Andromenes gemeinsame 
Name 2 ififiiag lässt auf Verwandtschaft schliessen; vielleicht ist An- 
dromenes gar der Onkel des Polyperchon gewesen. 



- 157 - 

Den Hochverratsprozess hat Amyntas nicht lange überlebt: er 
fiel bei einer Belagerung (Arrian Anab. III, 27, 3). Eine grössere 
Rolle haben die beiden Brüder ^L^ttuIoq und IloXl^mv ge- 
spielt. Jener war unter Alexander zunächst Taxiarch (Arrian 
Anab. IV 22, 1; 24, 1 u. ö.), dann Trierarch (Arrian Ind. 18,6); 
als Schwager des Reichsverwesers Perdikkas (Diod. XVIII 37) 
hat er dessen Politik, zusammen mit seinem Bruder Polemon, 
eifrigst unterstützt (Arrian Succ. Alex. 25 mit Reitzenstein's 
Fragm. p. 23, Diodor XVIII 37ff.), vgl. Deoysen Hellenismus 
II 1, S. 127 Note. 

Den Namen ^'AxTalog, der die regelrechte Kurzform zu 
^AtaXocpqcov ^^) ist (AcaXoqiqcov JeiqadiojTrig CIA. II no. 943 IIIö, 
vgl. axa'kdcpQOva Ttalöa Z 400), trug auch der Oheim der Kleo- 
Ttduga, die Philipp als rechtmässige Gattin neben der Olympias 
heimführte. Dass dieser Attalos zum echtmakedonischen Adel 
gehörte, beweist sein selbstbewusstes Auftreten bei der Hochzeit 
seiner Nichte — nach Satyros bei Athenaeus XIII 557 d soll er 
dem Alexander als dem Sohne einer lUyrierin die Worte ent- 
gegen geschleudert haben: »vvv iilvioi yvTJaioi yial ov vo^Oi 
ßaoilelg yevvrid^rjaovTat« — und seine angesehene Stellung bei 
Hofe (etg wv e^ avlr^g y,al nolv dvvafxevcov Ttagd tlI) ßaoilel); 
er heiratete die Tochter des Parmenion und wurde mit diesem 
zusammen von Philipp als Führer eines makedonischen Heeres 
über den Hellespont vorausgeschickt. Sein Verrat an Alexander 
kostete ihm schon 336 das Leben (Diodor XVII 2—5). Ein 
^'Axtol'Koq, befehligte in Alexanders Heer die Agrianen (Anab. II 
9, 2; III 12, 2; 21, 8), ein anderer war yyOTQazriydg Mayisöopcov 
ovK ado^og« unter Antigonos (Polyaen IV, 6, 7). 

e. Elimioten. 

Als im Jahre 432 die Athener den Krieg mit Perdikkas 
begannen, schlössen sie mit Philippos, dem Bruder des Perdikkas, 



60) Das Adjektiv dtaXog „zart, jugendlich" suche ich auch in dem 
griechischen und makedonischen Frauennamen 'Azak-dvTtj (Schwester des 
Perdikkas II bei Diodor XVIII 37), den Fick KZ. 223 kaum richtig mit 
horaer. d-rdkavrog „gleich, vergleichbar" verbindet. Ein Substantiv ävtr] 
,, Antlitz" ist in den Adverbien dvtä und ävzrjv {ävTrjv lösiv, ävrrjv veiheTv) 
erhalten und bildet auch das zweite Glied der Nomina Ev-dvra, Hqi- 
avxog, Os-avxog, die mit ävzofzac „begegne" (Fick-Bechtel GP.^ 63) un- 
mittelbar nichts zu tun haben. 



— 158 — 

und mit Jegöag ein Waifenbündnis (Thuk. I 57): vof.uGavTsg öe 
cl GTQazrjyol advvaza elvac Ttgog xe Uegdlx/iav Ttolei^elv zfj 
Ttaqovoiß dvva/xec Yxxl za ^vvaq)eGTa)Ta xwQia XQeTtovzai stvi ttjv 
MaAEÖoviav . . . "Aal y^aTaGTCcweg hrcoXeixovv /.leza OcXlfCTtov y,al 
Twv Jtqdov adeXcpüJV avto&ev GZQazia iGßeßli]yi6T0)v Thuk. I 59. 
Das Fürstentum dieses Derdas lag also im „oberen" Makedonien, 
und Abel Makedonien 155 hat bereits treffend bemerkt, dass es 
nur die Elimeia gewesen sein kann. Denn erstens standen die 
beiden anderen bedeutenden Reiche Obermakedoniens im Anfang 
des peloponnesischen Krieges unter anderen bekannten Herrschern, 
die Orestis unter Antiochos (Thuk. II 80), die Lynkestis unter 
Arrabaios, dem Sohne des ßromeros (Thuk. IV 83). Und zwei- 
tens tritt später als Bundesgenosse der Spartaner in den Kämpfen 
gegen Olynth (381 — 379) ein Fürst Elimeias mit dem Namen 
Derdas auf (Xenophon Hellen. V, 2, 38 bis Y, 3, 9): ob es der- 
selbe war, der nach Aristoteles Politica 1311 bs l^fxvvxag den 
„Kleinen" umbrachte, wissen wir nicht. Bei Xenophon wird dieser 
jüngere Derdas o ^Ehixelag aqx^'^ genannt. Aber nach dem 
Zeugnisse des Thukydides II, 99, 2 gebührte dem älteren Der- 
das ohne Zweifel noch der Titel ßaGilevg, Und dafür besitzen 
wir sogar ein inschriftliches Zeugnis. In der Inschrift CIA. 1 42 
wird unter den Makedonen, die das zwischen Perdikkas und Athen 
im Jahre 423 geschlossene Bündnis beschwören, ein {zle\Qdag 
BA*^"... aufgeführt. Es ist eine nahe liegende Vermutung, dass 
dieser mit dem älteren Fürsten Elimeias identisch gewesen sei 
(Droysen Hellenismus I^ 86 Kaerst bei Pauly-Wissowa s. v. 
Jeqdag). Nun hat Kirchhoff dahinter den Namen BaGLl[ddrig'\ 
ergänzt und, wenn dieser auch nicht gerade sehr häufig vor- 
kommt, so hat er doch vor den übrigen von ßaGilevg abgeleiteten 
Namen den Vorzug, schon im V. und IV. Jahrh. belegt zu sein 
(Ross Archaeol. Aufsätze II 606): '"HqoöoTog 6 BaGiXrjideo) aus 
lonien Hdt. VIII 132, BaGLleidr^g 'Aöaiov naXlrjvevg CIA. 2430 
(A P t) u. a. m. Es wäre doch aber ein wunderlicher Zufall, wenn 
auf den Namen JsQÖag, dessen Träger ein König war, gerade 
der einzige in alter Zeit von ßaGilsvg abgeleitete Personenname 
BaGLXeiörjg folgte, ganz abgesehen davon, dass dieser Name aus 
inneren Gründen in dem Königreiche Makedonien unmöghch 
war. Und deshalb trifft Koehler's Ergänzung [Je]Qdag ßaGi- 
X[evg] (Sitzungsber. Berl. Akad. 1893, 502) sicherhch das Rich- 
tige, um so mehr, als der gleiche Titel auch in Zeile b2i ge- 



1 



— 159 — 

standen hat (Koehler [ßaG]dev[g\). Dass der „König" Derdas, 
den wir uns im Jahre 423 mit Perdikkas verbündet denken 
müssen, erst in der Mitte der Liste genannt wird, darf nicht 
Wunder nehmen. Denn voran gehen selbstverständHch die 
nächsten Verwandten des Königs und der makedonische Adel. 
Schwerer könnte ein sprachHcher Einwand erscheinen: der Titel 
ßaöLlsvg pflegt allein oder mit abhängigem Genetiv dem Namen 
voranzugehen. Doch findet sich, allerdings selten, auch die um- 
gekehrte Wortstellung (z. B. ßaGLlevorrog IlTolefxalov xov JlToXe- 
fiialov ßaoilicüg DiTTENBBEaER Syll. ^ no. 4884, ^tqcctcüv 6 2l- 
ÖMvog ßaoiXevg ebenda no. 118 12). 

Der Vater des ersten Derdas stammte aus dem Argeaden- 
hause nach dem Scholion zu Thuk. I 57: Jeqdag IdqLÖaiov 
TtaLg, avExpibg UeQÖlyiyia -/.al OiliTtTtov. Es hatte also der Phil- 
hellene Alexander seinen Bruder Arridaios mit der EHmeia, 
deren Thron aus unbekannten Gründen damals verwaist war, 
belehnt (Abel Makedonien S. 155). Daraus ist a priori zu 
schliessen, dass die Namen dieser Elimioten, gleich denen der 
Argeaden, nach griechischer Art gebildet waren. 

Nicht nur der eigenartigste, sondern auch der häufigste Name 
der Dynastie Elimeias ist z/egdag. Zu den beiden eben schon 
erwähnten Fürsten, die so heissen, kommt in der zweiten Hälfte 
des IV. Jahrhunderts ein dritter, dessen Schwester Phila Philipp 
heiratete, hinzu (Theopomp bei Athenaeus X 463 c, Satyros bei 
Athenaeus XIII 557 c) ^ i). Auf griechischem Boden ist der Name 
bis jetzt erst ein einziges Mal belegt, aus der mittelthessalischen 
Stadt Pelinna: nsTQaiovr/^a Jegöala dved^rjyiev Samml. GDI. no. 
336. Diese Frau stammte aus einer echtthessahschen Familie: 
denn der im übrigen Griechenland seltene Personenname UeTQolog 
war gerade bei den Thessalern beliebt (vgl. Samml. GDI. 345 7. 11. 70. 
Polybius IV 24, 8 V 17, 6 Plutarch Mor. 674 D, ferner mrqovv 
Samml. GDI. no. 326 III 5). Durch ihn hat sich WSchulze 
Quaest. Ep. 23 96 bestimmen lassen, in JsQÖ-ag eine kürzere 



61) Ein vierter Aegdag, »Epirotarum praetor« (Livius XXIX 12), war 
mit seinen Kollegen ^AegoTiog und ^iXmnog als Zeuge bei dem Friedens- 
schlüsse zwischen Philipp und den Eömern in Phoenike (205 v. Chr.) zu- 
gegen. Endlich gab es noch einen Ort Derdion oder Derdia in Make- 
donien oder Nordgriechenland. Dort wurde Pyrrhos von Demetrios, dem 
Sohne des Antigenes, besiegt (Porphyrius bei Eusebius Chron. I 243, 
Fragm. Hist. Graec. III 703. Wahrscheinlich im Jahre 274 v. Chr.). 



— 160 — 

Form des Stammes deiQaö- „Fels, Berghöhe" (TtolvöeigdSog 
OvlviATtoLO E 754 3), der im Attischen auch als Demen-Name 
gebraucht wurde <5''), zu suchen: Grundform "^degodd- nach ssk. 
drsäd- „Felsen, grosser Stein". Eine ganz verwandte Deutung, 
ebenfalls gestützt durch den attischen Demennamen, hatte schon 
vorher Fick KZ. 227 vorgeschlagen, indem er Jsgdag auf Jegd- 
Sag zurückführte und mit dsga, dsigri „Hals, Nacken" in Ver- 
bindung brachte. Die Laute des Namens lassen beide Erklärun- 
gen zu, da im Makedonischen -qg- in -qq- überging und ein 
kurzer Mittelsilben vokal synkopiert werden konnte. Aber die eine 
wie die andere übersieht einen alt-äolischen Namen, dessen 
Stamm so auffällig an thess.-maked. Jegdag ankHngt, dass ich 
ihn nicht davon zu trennen wage: Tigjtavdgog o Jegöiveog b 
Aeößiog heisst es auf dem Marmor Parium 34. Dass der Vater 
des Erfinders der kitharodischen vo^ol, dessen Geschlecht in 
Antissa auf Lesbos ansässig war, einen gut griechischen Namen 
trug, werden wir so lange annehmen müssen, bis nicht das Gegen- 
teil bewiesen ist ^% Auch der böotische Frauenname Jdgöa aus 
Tanagra Inscr. Gr. VII 906 kann gleichen Stammes sein: er 
deckt sich mit ddgöa' fiehaaa bei Hesych. 

Nach einer Etymologie für degd- zu suchen verspricht vor- 
läufig keinen Erfolg. 

Als Sohn des älteren und Vater des jüngeren Jegdag wird von 
Abel Makedonien 195 Anm. 3 Deoysen Hellenismus I ^ 86 Anm. 2 
KoEHLEE Berl. Akad. Sitzungsber. 1893, 502 Kaeest s. v. Jegdag 
bei Pauly-Wissowa in das Herrscherhaus Elimeias ein König 
2lggag eingefügt. Nur zweimal kommt sein Name vor. Der 
König Archelaos hatte, so erzählt Aristoteles Politica 1311b 8, 
eine seiner Töchter dem Makedonen Kgareag versprochen: dlld 
TTJv fj.sv Ttgoxegav, -^^aTexo^evog vtco noXsfxov Ttgog ^iggav yial 
lt4ggaßalov, edwyis zf^. ßaGilel zqi Ttjg ^Ehfilagy xr^v de vetotigav 
T(>7 {Aggiöalov} ^^) vh^ l^invvTa ol6f.ievog ovzwg av €y.sIvov tJaigtu 

62) Steph.. Byz. Asigdösg' öijf^og rfjg Asovrcöog cpvXfjg , ano Asigdbov 
xivog. 6 drjfioxrig Asigaöicortjg (häufig in attischen Inschriften z. B. CIA. 
II 307 c 807 col. b63 u. s.). 

63) Asgds-vig oder Asgds-vrjg zweistämmige Kurzform zu Asgös-vinog, 
AsQÖs-voog (vgl. KXso-vvig, KaXo-vvd) u. a.) ? 

64) Ergänzt von Sauppe Inscr. Mac. quattuor 1847 V 17, Auch 
Abel Makedonien 196 hatte schon erkannt, dass mit diesem Amyntas 
nur der spätere König gemeint sein könne. 



- 161 — 

dtacpeqeod^ai 'Aal top £z Ttjg KlsoTtargag. Auch an der zweiten 
Stelle, bei Strabo VII 326, ist Sirras zusammen mit dem Lyn- 
kestenfürsten Arrabaios erwähnt und zwar als Schwiegersohn 
desselben: ol da ^vy^rjOTal vtt l^^ggaßmov eyevovvo tov Ba/,- 
Xiceöcov yevovg ovtl. tovtov 6^ rjv d^vyaTQidri ^ (DiXiftTtov fXTJrr^Q 
TOV '^jiivvTOv EvqvöUt}, 2iQQa ÖS d^vyaTfjQ 65). Dass Sirras König 
der Elimioten war — keine der beiden Stellen nennt ihn aus- 
drückhch so — , hat man aus den Worten des Aristoteles ge- 
schlossen: Archelaos soll den Frieden mit Sirras und Arrabaios 
dadurch erkauft haben, dass er einem dieser beiden Gegner und 
zwar dem Könige von Elimeia — damit könnte ja dann nur 
Sirras gemeint sein — seine Tochter zur Frau gab. Dieser hätte 
also zwei Frauen gehabt, die eine aus dem lynkestischen , die 
andere aus dem makedonischen Königshause. Folgt denn aber 
aus den Worten des Aristoteles notwendig, dass der König Eli- 
meias, an den Archelaos seine Tochter verheiratete, einer seiner 
beiden Gegner war? Kann ihn nicht vielmehr Archelaos gegen 
diese zu Hilfe gerufen und für seinen Beistand mit der Hand 
der makedonischen Königstochter belohnt haben? Allerdings 
vermissen wir dann seinen Namen; vielleicht hat ihn Aristoteles 
nicht gekannt oder an dieser Stelle für gleichgültig gehalten, 
wenn er nicht gar — wie gleich darauf der Name lAggiöalov — 
im Texte ausgefallen ist. Für diese Auffassung der Stelle, die 
nach dem Wortlaute unzweifelhaft möglich ist^ß), treten ver- 
schiedene gewichtige Gründe ein. Dass im vierten Jahrhundert 
ein Waffenbündnis zwischen Lynkesten und Ehmioten geschlossen 
wurde und in der Verschwägerung der beiderseitigen Königs- 
häuser seinen Ausdruck fand, ist ganz unwahrscheinlich. Zwischen 
die im Süden gelegene EUmeia und die hoch im Norden liegende 
Lynkestis schoben sich breit die Eordaia und Orestis hinein: 
wie konnten Lynkesten und Elimioten einen gemeinsamen Feld- 



65) fA.rjxriQ 'Af^vvzov rov EvQvdixrjg "Igga 8s 'd'vydzrjQ ist überliefert: 
fxrjxrjQ TOV 'A[jlvvxov Koraes, EvQvdixrj Uigga Abel Makedonien 195. 

66) Mir will sie sogar die nächstliegende erscheinen. Denn es 
würde ein Mangel an Präzision darin liegen, wenn sich Aristoteles, 
nachdem er zuerst den Sirras und Arrabaios ohne jeden Titel genannt 
hätte, auf einen der beiden mit dem nackten Titel »d ßaadsvg 6 zfjg 'EXi- 
f.isiag« (statt mit einem Pronomen) zurückbezöge. Das wäre ja doch nur 
solchen Lesern verständlich gewesen, die schon mit der makedonischen 
Geschichte genau vertraut waren. 

Hoff mann, Maliedonen. 11 



— 162 — 

ziig gegen Makedonien planen und unternehmen, wenn nicht 
Oresten und Eordäer daran Teil nahmen? Dazu kommt, dass 
das aus der Argeadenfamilie abgezweigte Herrscherhaus Elimeias 
(s. oben S. 159) durch seine natürlichen Interessen mit Make- 
donien, nicht mit der Lynkestis verknüpft war, und die Geschichte 
bestätigt das: der ältere Derdas unterstützt zunächst (432 v. Chr.) 
seinen Vetter Philippos gegen Perdikkas und unterzeichnet später 
(423 V. Chr.) als naher Verwandter und Bundesgenosse des Per- 
dikkas dessen Vertrag mit Athen, der jüngere Derdas zieht zu- 
sammen mit dem Könige Amyntas im Heere Spartas gegen 
Olynth zu Felde (381—379 v. Chr.). Die Lynkesten dagegen 
finden wir, wie schon Abel wiederholt (142 206 ff.) durchaus 
richtig hervorgehoben hat, als hartnäckige Gegner der Argeaden 
stets im Bunde mit den benachbarten Illyriern : so oft diese einen 
Krieg gegen die Makedonen unternehmen, kämpfen die Lynkesten 
an ihrer Seite. Es ist also das Natürliche, dass Sirras, der 
vereint mit dem Lynkestenfürsten Arrabaios den Archelaos be- 
drängte, ein illyrischer Fürst war und dass sich Archelaos mit 
der Bitte um Hilfe an den König Elimeias, einen Vetter zweiten 
Grades, wandte. Zu demselben Ziele, wie diese allgemeinen 
Erwägungen, führen uns zwei Zeugnisse, die man bisher ganz 
beiseite gelassen hat. Eurydike, die Tochter des Sirras (nach 
Strabo VII 326 s. oben), Gattin des Amyntas und Mutter des 
Phihppos, wird von Libanius im Leben des Demosthenes (ßio- 
graphi ed. Westermann 296) und von Suidas s. v. Kagavog eine 
Illyrierin genannt: diese Nachricht geht unzweifelhaft im letzten 
Ghede auf eine alte und gute Quelle zurück ß^). Hätte aber eine 
Tochter aus dem den Argeaden verwandten Königshause EHmeias 
eine »Illyrierin« genannt werden können, selbst wenn sie eine 
Enkelin des Lynkesten Arrabaios war? Nein, dazu musste ihr 
Vater Sirras eben ein illyrischer Fürst ß«) sein, und das deutet 

67) Die Fassung des Suidas (^Afxvvzag ds o ^dcjzjiov 7iatr]Q EvQvöixtjv 
'RXvQiöa yrifA,ag k'axs naidag 'AXe^avÖQov UeQÖixxav ^ihnnov) stimmt mit 
der des Libanius ziemlich überein (AfAvvra yaQ rcp Maxeöoviag ßaodet 
XQStg eysvovTO naidsg i^ EvQVÖixrjg xfjg 'IXXvQidog "Als^avdgog UeQÖixy.ag 
^ilmuiog). Vgl. auch Justin VII 4 (Amyntas) ex Eurydice tres filios 
sustulit, Alexandrum Perdiccam et Philippum. 

68) Dass sie den griechischen Namen Evgvöixa trägt, beweist nichts 
gegen einen illyrischen Vater. Denn sie kann den griechischen Namen 
entweder von ihrer Mutter, der Tochter des Lynkestenfürsten Arrabaios, 
empfangen oder gegen ihren illyrischen Mädchennamen eingetauscht 



— 163 — 

zweitens auch sein Name an. ^Iggag ist aus dem Griechischen 
kaum zu erklären, was doch bei einem Argeaden-Namen der Fall 
sein müsste, klingt dagegen an mehrere illyrische Stamm- und 
Ortsnamen an. Schon Fick KZ. 234 hat ihn mit dem päoni- 
schen Stadtnamen ^Igig (Hdt. VIII 115, ^LQLOTvaloveg ein päoni- 
scher Stamm Hdt. V 15) oder ^Igga (nach Steph. Byz. nöXig 
QgayiT^g, OeoTtOfXTtog iv (DiXiTtTtmcov elnoarq), t6 eS'vr/.ov 2lq- 
Qoiog), dem heutigen Seres, am linken Ufer des Strymon im 
Gebiete der Odomanten, zusammengestellt. Die Päoner sind aller 
Wahrscheinlichkeit nach Illyrier gewesen (Tomasohek Thraker 
I 18 ff. Keetschmer Einleit. 246). 

Amyntas muss des Sirras Tochter Eurydike bald nach dem 
Antritt seiner Regierung geheiratet haben. Denn der jüngste 
der drei Söhne, die ihm Eurydike gebar, Philippos, war im 
Jahre 360, als er den Thron bestieg, 23 Jahr alt, also im Jahre 
383 geboren. Nun wissen wir, dass Amyntas gerade in den 
ersten Jahren schwere Kämpfe gegen die Illyrier zu führen hatte 
(Diodor XIV 92). Was ist da begreiflicher, als dass er die 
Tochter des illyrischen Königs Sirras heimführte, um sich so den 
Frieden an der Nordgrenze zu sichern und freie Hand gegenüber 
den dynastischen Umtrieben und Unruhen im eignen Lande zu 
gewinnen ? 

Einen Sirras hat es also in dem elimiotischen Fürsten- 
geschlechte nicht gegeben. Wenden wir uns nun zu den übrigen 
noch bekannten GKedern desselben. 

Wenn Thukydides I 59 den Philipp, den Bruder des Per- 
dikkas, und die Brüder des Derdas als Verbündete der Athener 
erwähnt und kurz darauf (I 61) erzählt, dass den athenischen 
Feldherrn Kallias auf seinem Zuge gegen Potidaia -»Ijtjcijg e^a- 
^OGLOi Maytedovcüv ol (.leza (DillrcTtov yial Ilavoavlov« be- 
gleitet hätten, so liegt doch nichts näher, als diesen Pausanias 
für einen der Brüder des Derdas zu halten. Allerdings kann er 
dann als Sohn des Arridaios nicht identisch sein mit dem IJav- 
aavlag Ma/ßrö, der im Jahre 423 den Vertrag zwischen Athen 
und Perdikkas mitunterzeichnete und der sehr wahrscheinlich ein 



haben, als sie makedonische Königin wurde. Auch die Enkelin Philipps, 
die Tochter der Kynnana, die ihm seine illyrische Gattin Audata geboren 
hatte, legte als Königin und Gattin des Philipp Arridaios ihren Mädchen- 
namen Adea ab und Hess sich Eurydika nennen. 

11* 



— 164 — 

Prinz des elimiotischen Fürstenhauses war, weil in diesem auch 
der Name seines Vaters Ma^ccTag vorkommt. Wer also den 
Bürgen des Vertrages und den Eeiterobersten des Thukydides 
für ein und dieselbe Person hält, der wird sich unter ihr am 
besten einen Neffen des Derdas vorstellen, wie das Deoysen tut. 
Ein Bruder des dritten Derdas, dessen Schwester Phila den 
Philipp heiratete, hiess Maxcc^ag (nach Satyros bei Athenaeus 
XIII 557 c). Er war nach Arrian Anab. III, 6, 4 der Vater 
des berüchtigten Harpalos, des Schatzmeisters Alexanders, und 
kann identisch sein sowohl mit dem Vater des von Alexander 
eingesetzten indischen Satrapen OiltTtTtog (Anab. V 8, 3 arto- 
öel^ag oaTQartriv xcov xavTiß 'Ivdcov (DiXiTtJtov xov Ma^ccxa) als 
auch mit einem Maxarag, den König Philipp nach Plutarch 
Moralia 178 F ungerechterweise verurteilte. Einem jüngeren 
Makedonen Ma^cccag aus der Stadt Evgcoftog verliehen die Delpher 
die Proxenie: Samml. Griech. Dial.-Inschr. 2745 JeXcpol eöwKav 
Maxavai ^aßaTxaQcc EigiOTtalcoL^^) May,eö6vi avTcot nal syiyovoig 
TtQO^eviav ktL Ob er auch zum elimiotischen Hause gehörte 
(DiTTENBEKGEß ZU Sjll. ^ no. 917), ist sehr zweifelhaft. Der 
Name seines Vaters ist nicht griechisch, aber trotzdem als echt- 
makedonischer Name verständlich : denn ^aßarTogäg hängt offen- 
bar zusammen mit dem Namen des thrakischen Gottes ^aßdöiog, 
^avdÖLog, dessen Kult für Makedonien die bacchantischen 2av- 
ddac verbürgen, s. oben S. 94 und 97 ff. 

Als '^'^QTialog, der Sohn des Machatas und Jugendfreund 
Alexanders, den könighchen Schatz in Babylon und Tarsos ver- 
prasste, da wird der Volkswitz seinen Namen sicherlich mit 
aQTtaMo-g „gierig" zusammengebracht haben. Dass aber dieses 
Adjektiv wirklich ein altes Namen wort war (Fick-Bechtel GP.^ 
71), ist nicht sehr wahrscheinhch. Vielmehr scheint '"^Q/taXog 
die Kurzform zu dem aus dem griechischen Mythus bekannten 
Namen '^^QTcdXvy.og zu sein (so auch Fick-Bechtel GP.^ 382). 
Dieser ist nicht sicher zu deuten, weil das zweite Glied entweder 
Imog „Wolf" oder Ivkt^ „Licht" (zu lau/,- „bUnken, schauen") 
sein kann. 

Eine interessante Kurzform zu dem makedonischen '"AquaXog 
ist uns durch Athenaeus XIII 595 e erhalten. Er führt hier 
mehrere Verse aus einem oaxvQiAov dquixaTLOv >i'^yiqv« an, dessen 



69) EvQCOJtög' jiohg Maxsdoviag . . . ro sd-vixov EvQcojiaTog Steph. Byz. 



— 165 — 

Verfasser nach ihm ȟvS-cov b Kavavaiog i^ Bv^dviLog rj y,at 
avTog 6 ßaaiXevg« war. Darin wird der ^'Agrcalog auch 11 a l- 
"kidrig genannt: ov^ ccQLOTSQag d^ oöe \ Ttogvrjg 6 yiletvog vaog, 
ov dri TlaXl^idrig \ rev^ag yMTsyvco diä to Ttgäy^ avTOv cpvyrjv. 
Diese Form ist aus ""Aqualog nach Analogie echter Kurznamen 
(boeot. Mevvidag zu ^ErtLfxevrig) gebildet. 

Ein Vetter dieses Harpalos war Kalag o '^^QTtalov, Be- 
fehlshaber der thessalischen Reiterei (Arrian Anab. I, 14, 3 Dio- 
dor XVII, 17, 4), wenn sein Vater als Bruder des Derdas und 
Machatas angesehen werden darf (Droysen Hellenism. I^ 87 183). 

d. Lynkesten. 

Während des peloponnesischen Krieges liegt Perdikkas in 
Fehde mit dem Lynkestenfürsten ^u^gQaßalog, dem Sohne eines 
Bgof^egog. Er wird mehrfach in dem Vertrage zwischen Athen 
und Perdikkas CIA I 42 erwähnt, so dass damit die — übrigens 
auch bei Aristoteles PoHtik 1311b, 12 und bei Strabo VII 326 
stehende — Namensform gesichert ist (Aggcßolog irrtümlich bei 
Thukydides IV 79, 83, 124 ff. in allen Handschriften). Für einen 
Sohn dieses ^^ggaßatog hält Droysen Hellenismus I^ 81 den 
Lynkesten ^AegoTtog, der sich bald nach Archelaos auf kurze 
Zeit des makedonischen Thrones bemächtigte und dessen Söhne 
^Aqqaßalog (nach dem Grossvater genannt), ^^Xe^avdqoq'^^) 
und 'HQO[X£vr]g^^) die Verschwörung gegen Philipp anzettelten. 
Der erste der drei war vielleicht der Vater des ^AinvvTag'^^) (6 
'AQQaßaiov Anab. I, 12, 7; 14, 1; 14, 6; 28, 4) und Nbotttö- 
le^iog (o "Aggaßatov, xov ^Afxvvvov adelcpög Anab. I 20, 10), von 
denen jener am Granikos ein aus der leichten Reiterei und einer 
Ile zusammengesetztes Geschwader führte, dieser zum Dareios 
überging und bei einem Ausfall aus Halikarnass fiel. Ein MeveXccog 
""Aggaßatov IlelaycoVy dem gegen die Mitte des IV. Jahrh. die Athe- 
ner das Bürgerrecht und die Bewohner von IHon die Ttgo^evia und 



70) Dieser lAXi^avdgog (d Ävyxtjar^g Diodor XVII 32, 1 ff., »Lyncestes« 
Curtius VII, 1, 5; VIII, 7, 4 u. ö., Schwiegersohn des Antipater Curtiua 
a. a. 0. Justin XII, 14, 1) zettelte später auch eine Verschwörung gegen 
Alexander d. Gr. an, die ihm das Leben kostete (Arrian Anab. I, 25, 1 
Diodor XVII 80 Curtius VII, 1, 9). 

71) In den Namen mit 'Hqo- steckt zum grossen Teile nicht "Ifga, 
ßondern ^gco-g, vgl. Äi]r6-dcoQog zu Arjrcb, Aldo-xQixog zu alScog u. a. m. 

72) Ein »Amyntas Lyncestes« wird von Curtius V, 2, 5 erwähnt. 



— 166 — 

evegyeola verliehen (Dittenberger Syll.^ no. 102 103) , stammte nach 
DiTTENBEBGER Sat. phil. Sauppio obl. 49 ff. aus der lynkestischen 
Königsfamüie. Den makedonischen Beamten [L^^]^a/i?a[tog], der 
ums Jahr 318, als Polyperchon für die »ßaoil'^eg« die Regentschaft 
führte, durch die Fürsprache eines gewissen Thersippos aus 
Hekatonnesos den Bewohnern dieser äolischen Stadt günstig ge- 
stimmt wurde (Thersippos-Inschrift Samml. GDI. I no. 30426), 
hielt Droysen Hellenism. II 1 p. 206, Anm. 1 für identisch mit 
dem Satrapen Nord-Phrygiens, den die Historiker der Diadochen- 
zeit lAQLÖalog nennen. 

Von den drei Deutungen, die ^^Qgaßalog erfahren hat, will 
die eine den Namen aus dem Illyrischen ableiten (Kretschmer 
Einl. 246): er soll erinnern an den dardanischen Ort ^Aggißccv- 
Tiov, benannt nach einem l^QQißavT-, und die pannonischen 
Namen Ärabu (CIL. III 4367) und Arrahona (Fluss). Fick da- 
gegen und SoLMSEN suchen in ^Aq^aßctlog einen griechischen 
Wortstamm. Sie gehen dabei ganz verschiedene Wege und 
stimmen nur darin überein, dass sie zwischen '^QQaßalog und 
Bgof^iegög eine innere Beziehmig und Bedeutungsverwandtschaft 
voraussetzen. Wie Bqo^eQog das mit dem Suffixe -bqo- abgeleitete 
Adjektiv zu ßgöixog „Getöse" sein kann {ögöoog : ögoaegögy 
a-Kotog : oyiOTegog, XQOfxog : rgof^iegdg), so soll ^^ggaßaiog nach 
Fick KZ. 222 zu agaßog „Klirren, Krachen", dgaßew gehören '3). 
Ungleich kühner und blendender ist Solmsen's Erklärung (IF. 
VII 47 ff.). Nach Strabo VII 326 wollte der König 'Aggaßaiog 
aus dem Geschlechte der ßaytxt^aöai stammen, BgofXLog ist ein 
bekannter Beiname des Dionysos (auch als Mannsname nicht 
selten z. B. Inscript. Gr. IV 89464 XIV 2393, 182, dazu 
Bgoiiiag Fem. Inscr. Gr. VII 869, Bgoialdag VII 537): wie ichs 
an ihn Bgof-iegog anschliesst, so ist 'Aggaßalog gleichen Stammes, 
mit dem aus Alkaios 90 bekannten Dionysosnamen ^EggacpeojTag. 
Es würde kleinlich erscheinen, die Freude an dieser geistreichen 
und lautHch einwandsfreien Verbindung — aus der natürlich kein 
wirklich geschichtlicher Zusammenhang zwischen den korinthi- 
schen Bacchiaden und dem lynkestischen Fürstenhause gefolgert 
werden darf — durch den Einwurf, dass noch andere Deutun- 
gen '*) aus dem Griechischen möghch sind, zu trüben. 



73) Das 'QQ- des Namens würde sich aus der Konsonantengemina- 
tion in Kiirznamen erklären. 



— 167 . — 

Nicht wenige Adelsnamen des oberen Makedoniens kehren 
am Hofe von Pella wieder (Aigojcog, ^^ixvvxaq, ^^viloxog, l^le^- 
avÖQog, ^.AzTalog, IJavoavlag, IIeQdly.y,ag, IlToXe^alog) , andere 
(wie ^Hgo/uevrjg, ^ayog, KQazevag, IIoXvTCeQXcov-, Jeqöag) tragen 
gleich den in den beiden vorigen Abschnitten besprochenen ma- 
kedonischen Namen deutHch griechisches Gepräge, und keiner 
verrät barbarischen Ursprung. 



5. Die Somatophylakes des Alexander und ihre 
Angehörigen. 

Die vornehmste Stellung im makedonischen Heere nahmen 
die o(jOfxaToq)vXa'/.eg ein. Ihre Zahl scheint nicht fest bestimmt, 
aber jedenfalls klein gewesen zu sein: Arrian VI 28, 4 zählt 
sieben auf, denen im Jahre 324 ein achter hinzutritt. Wie das 
Wort sagt, waren sie ursprünglich berufen, die Person und das 
Leben des Königs zu schützen, besonders im Kampfe. Das klingt 



74) Ich greife nur eine heraus, ohne mich etwa für dieselbe stark 
einsetzen zu wollen. Wie raaked. -öaTog in 'A-Öaiog, ^AQQi-daXog aus -8d/Lcag 
oder -däfiog gekürzt ist, so kann maked. -ßaXog die Kurzform zu einem 
im Griechischen mit 9?- oder ß- anlautenden Wortstamme sein. Da nun 
das Griechische mehrere Namen auf -cpäg besitzt, die Koseformen zu 
Vollnamen auf -(pdvrjg oder -cpavrog sind (z. B. Os6-(päg , KXe6-(päg Fick- 
Bechtel GP.^ 274), so darf maked. -ßalog auf -cpaTog und dies auf -(pavxog 
oder -qpdvtjg zurückgeführt werden. Es können aber auch die Namen 
Ev-ßaiog Inscr. Gr. XII fasc. V no. 1363 aus Faros und Ev-ßaicov CIA. 
II no. 83640, in denen schwerlich ein besonderer Stamm »von nicht be- 
stimmbarer Bedeutung (Fick-Bechtel GP.'-^ 77)« steckt, herangezogen 
werden: ich fasse sie als Erweiterungen von Ev-ßäg, einer Kurzform zu 
Ev-ßovkog. Das nach Abtrennung von -ßaiog übrig bleibende ^Agga- ent- 
spricht — wie das übrigens auch Solmsen bei seiner Deutung annimmt — 
Tier zu erwartenden normalen Schwachform des griechischen Stammes 
oLQQEv- ,, männlich, stark" (vgl. <pQa-ai zu cpgev-), der in denjenigen Dia- 
lekten, die ein anlautendes J^ spurlos einbüssten, einem der beiden gleich- 
bedeutenden und auf einander reimenden Adjektiva ssk. rsan-, ria- (nur 
in rsa-hhds ,, Stier") und vrsan-, vrsa- „zeugungskräftig, männlich", vrsa-bhäs 
„Stier" entsprechen kann. Im Griechischen ist Hggev- in Personennamen 
allerdings selten {'AgQsvsidtjg IIai[avi€vg\ CIA. II 2 no. 834bi96, 'ÄQQsvrji- 
dtjg XaQixUovg Uaiavisvg CIA. II 804 178); aber die zum Teil als Eigen- 
namen gebrauchten zahlreichen indischen Zusammensetzungen mit vrsan- 
vrsa- {vfsa-kratu-, vfsa-vrata-, vfm-manas- u. a.) beweisen, dass dieser 
Wortstamra, gleich dem farbloseren ssk. Nr- — 'AvSqo-, zur Namenbildung 
wohl geeignet war. 



— 168 — 

auch (trotz HDeoysen Heerwesen 31) noch in der Zeit Alex- 
anders durch: der OMfiavocpvXa^ ^eowazog ist es, der beim 
Sturme auf die Stadt der MaXXol den schwer verwundeten 
König mit seinem Schilde deckt (Arrian Anab. VI, 10, 2), 
und der Hetäre IlevyieGTag, der ihm dabei zur Seite steht, wird 
für diese Tat von Alexander zum Ga)(xaToq)vXa^ ernannt (Anab. 
VI 28, 4). Das sollte für ihn nur eine Auszeichnung, eine 
»TLfiij y.al Ttlavig« sein, wie Arrian sagt: denn er war bereits 
zum Satrapen der Persis ausersehen und trat dieses Amt kurz 
darauf an (Anab. VI 30, 2). Einen bestimmten Kreis von 
Pflichten gab es überhaupt für die owiiiaToq)vlay,eg nicht. Sie 
bildeten die nächste Umgebung des Königs, standen ihm als 
Adjutanten zur Verfügung und scheinen abwechselnd persönlich 
bei ihm Dienst getan zu haben (Anab. IV 13, 7). Zugleich 
zeichneten sie sich durch strategische Fähigkeiten und Organi- 
sationstalent aus: in der Schlacht wurden sie oft mit dem Kom- 
mando grösserer Heeresabteilungen betraut (so besonders Leon- 
natos, Hephaistion und Perdikkas). Ernannte sie Alexander zu 
Satrapen, so mussten sie aus ihrer Stellung, die sich nur in der 
unmittelbaren Umgebung des Königs ausfüllen liess, scheiden 
(Arrian Anab. II 12, 2). 

Dass ein ow/narocpvXa'^ dem alten makedonischen Adel 
angehören musste, versteht sich von selbst. 

Von den 14 o(Of^aToq)vla/.eg Alexanders, die Arrian erwähnt, 
stammen TlToXefxalog 6 Aayov und Ilel&iov 6 Kgazeva 
aus der Eordaia, TIeQdr/.v.ag 6 ^Oqövtov aus der Orestis; sie 
sind deshalb bereits oben S. 153 ff. unter dem obermakedonischen 
Adel aufgeführt worden. Pella ist die Heimatstadt des Leon- 
natos, Hephaistion, Aristonoos, Menes und Lysimachos. 

Da ursprüngliches ä im Makedonischen unverändert bHeb 
(^äyog aus ^af-ayog), so kann der Name ^eowazog'^^) nicht 

75) Ausser dem a(O[A,at0(pvXa^, der mit der Argeadenfamilie entfernt 
verwandt war («ard yevog TtQoorjxmv ^diuTiov (xrjXQi Suidas s. v, Asövvatog, 
»stirpe regia genitus« Curtius X 7, 8), wird von Arrian ein Äsovvarog 6 
"AvxmdxQov AcyaTog Ind. 18, 6 aufgeführt. Zwei Makedonen gleichen Na- 
mens aus jüngerer Zeit sind ein Begleiter des Pyrrhos, der diesen warnt 
und ihm beispringt (Plutarch Pyrrhus 16), und ein Stratege des Perseus, 
Führer der makedonischen Phalanx in der Schlacht bei Larisa (171 v. Chr., 
Livius XLII 58). Die Form des Namens, besonders das doppelte v, ist 
handschriftlich und inschriftlich (Ascov lAlsovvdrov ['A]lco7zsxi]i^ev CIA. 



— 169 — 

aus einer von Fick KZ. 231 angesetzten Grundform *AäF-6vä- 
Tog entstanden sein: denn diese hätte im Makedonischen nur zu 
*^aväTog, aber nie zu Aeovvavog werden können. Nur der 
ionisch-attische Dialekt verwandelte läog über Iriog in 'keojg. 
Fick hat denn auch diese Deutung jetzt zugunsten einer besseren 
zurückgezogen (BB. XIX 268 ff.). Das Griechische besass einen 
Adjektivstamm Iblo-, leo- in der Bedeutung „vollständig, ganz". 
Er kommt zuerst in dem Adverbium Isiiog bei Archilochos 112 
Tor {lelwg yccQ ovdsv tcpQoveov). Die Grammatiker belegen ihn 
als erstes Glied verschiedener Zusammensetzungen, von denen 
eine (letolrig' zelsicog s^ajliqg Hes.) von Wackernagel in einer 
alten rhodischen Inschrift nachgewiesen ist (Samml. GDI. 4140 
Zev{d) Ö€ viv oüTig Tcrifxaivoi Isicolr] d-elrj). In Eigennamen ist 
er viel häufiger gewesen, als es unsere Überlieferung erkennen 
lässt: denn die ursprünglich mit ^elo- oder Aeo- beginnenden 
Namen sind, als das Adjektiv selten wurde und ausstarb, in der 
Regel volksetymologisch an die vielen Zusammensetzungen mit 
Asio- „Volk" angeschlossen worden. Einen sicheren Beleg für 
Abo- liefert der spartanische Königsname Aeo-iv%iöag (das ist 
die richtige Form und nicht Aecozvxlörjg, wie bei Thuk. I 89, 2 
Xenophon Hellen. III 3, 1 und 3 steht): denn Herodots Asu- 
rvxiÖTig (30 mal in den Büchern VI VIII IX ohne Variante) 
kann nur die ionische Form für dor. Aeo-Tvxlöäg sein, da dori- 
sches Aäo- von Herodot im ionischen Dialekte durch das zu er- 
wartende Aeiü- wiedergegeben wird (z. B. lakon. AewßcoTiqg I 65 
VII 204, AewTCQtTzrig VI 85, argiv. AecoAT^drig VI 127). Als 
weitere Belege für Abo- dürfen ausser AB6-dr/,og Amorgos (Athen. 
Mitteil. XI 104 no. 7i), ABO-d-dgGrjg Samothrake (Conze Reise 
auf d. Inseln d. thrak. M. 66,) ABoßgif^og Styra (Samml. GDI. 
no. 5345, 13) auch die epischen Namen AstWiiQiTog ^ß) P 344 
ß 242 X 294 und ABuodrig ^7) cp 144 168 % 310 angeführt wer- 

III no. 1556 AOFß; Aeowarog ArjfxoxQdxov Inschrift aus Selos Heuzey 
le mont Olyrape no. 78 AEI) verbürgt; nur dürfen aus der überlieferten 
Betonung Asovvaxo? keine Schlüsse auf die Quantität des a gezogen 
werden. 

76) AsiO'XQirog (so würde dann die richtige Form lauten) hätte 
Bedeutungsverwandte in üdy-xQixog, Uaai-xQirog. Das attische AscoxQixog 
CIA. II 3012 kann mit Aeco- aus Aäo- zusammengesetzt oder — wenn 
der erste Stamm Aso- aus Aeio- war — an die mit Asco- anlautenden 
Namen angeschlossen sein. 

77) Aus Asio-[F)dörjg . Die thasische Form Aecbötjg Samml. GDI. 



— 170 — 

den: denn yieiw- ist als „ionisierte" Form von ^äo- dem Homer 
fremd und sprachlich unmöglich. Suchen wir dieses ^eio-, Aeo- 
auch in ^eowazog, so gewinnen wir eine ansprechende Erklärung 
des Namens aus dem Griechischen: ^e-owäzog „einer, der in 
Allem nützt" ist der Gegensatz zu dem av-ovriTog^ dem „Nichts- 
nutz". Den Belegen, die bei Fick-Bechtel GP.^ 224 für die 
Namensworte -oväxog (-oVi^rog) und -ovaxäg angeführt sind, füge 
ich noch den thessalischen Namen JizaL-ovctTov Gen. aus La- 
risa (Düchesne-Bayet Mission au mont Athos no, 162 21) hinzu. 
Die Verdoppelung des v im zweiten Gliede eines Vollnamens 
belegt der Name Ilavo-avvlag in zwei thessalischen Inschriften 
(HoFFMANN GD. II no. 2O12 72a7, vgl. S. 477): ob hier die 
Kosenamen (wie Mewldrigy Mekdvviog) das Vorbild abgegeben 
haben oder eine gerade in Nordgriechenland häufige Verschiebung 
der Silbengrenze vorliegt (Solmsen Unters, z. griech. Laut- u. 
Versl. 165), ist nicht zu entscheiden. Zu yie-ovriTog oder ^e- 
ojv7]Tog kann der ionische Name yle-ovrjg oder Ae-tovrig aus Keos 
Samml. GDI. no. 5400 a 6 die regelrechte zweistämmige Kurz- 
form sein. 

Wie der Vater des Leonnatos hiess, steht nicht fest. Denn 
an jeder der Aman-Stellen lautet sein Name in den Hand- 
schriften anders: ^eovvaxov xov "Ovdoov Anab. III 5, 5; yteovva- 
Tov ^^vxeov Anab. IV, 28, 4, ^leöwavog 6 *'^vTOvg Succ. Alex. 2; 
^eowazog 6 Evvov Ind. 18, 3. Alle drei Namen sind griechisch. 
Man pflegt 'Avx^ag zu bevorzugen: dann müsste aber in der 
Indike Evvov aus der ionischen Dialektform ]Avt^o) oder ^^vtseo) 
verderbt sein, und das ist nicht gerade wahrscheinhch. 

Da im Makedonischen langes ä unverändert blieb, so war 
zAqjaLOTiojv die echtmakedonische Form des Namens, den der 
vertrauteste Jugendfreund Alexanders trug : denn der Gott heisst 
bei den Aeolern und Dorern, wde Inschriften und Handschriften 
reichlich bezeugen, ^'^(paiorog. Dass gerade die Namen 'Acpai- 
(jTicov und Ja/LiccTQLog am Hofe Alexanders nach attischer Weise 
geschrieben und wohl auch gesprochen sind, während sich in an- 
deren das dialektische ä gehalten hat, erklärt sich leicht: Alex- 
ander opferte dem '"Hq)aiOTog und der Jrj^t^Tr]Q, mochte immerhin 



no. 5474e, kontrahiert aus Aeo-ädrjg, verhält sich zu ewhö. Ae-aörjg Ssimmh 
GDI. no. 5288 5345.31, worin o elidiert ist, genau so wie drj/LiiovQyög aus- 
öaf^io-SQyog, da/nio-OQyög zu öafzc-SQyög, da^i-ogyög. 



1^ 



171 — 



der gewöhnliche makedonische Krieger diese Götter Aq)aiOTog 
und Ja/LiarriQ nennen. In der attischen Form der beiden Namen 
prägte sich die attische Bildung des Königs und seiner Um- 
gebung aus. 

Hephaistions Vater hiess lAf.ivvTcoQ Arrian Anab. VI 28, 4 
Ind. 18, 3. Das ist dem Stamme (vgl. ^^/nvv-Tag) wie dem Suf- 
fixe nach (vgl. die Bemerkung zu oavToqia S. 11) eine echt-ma- 
kedonische Bildung. 

^Aqloxovovc, 6 Ileioaiov war IlelXalog nach Arrian 
Anab. VI 28, 4, dagegen ^EoQÖalog nach Aman Ind. 18, 5^^). 
ÜELoalog ist Koseform zu Tlelo-avÖQog. 

Miviqg (Gen. Mevr^rog), Sohn des J Lovvoiog (Anab. II 
12, 2), aus Pella (Diodor XVII 64, 5), trat als öoj^avocpvla^ an 
die Stelle des zum Satrapen Kilikiens ernannten BdXaxgog. 

Avoi^axog, der spätere König, Sohn eines ""^yad^oKl^g 
(Arrian Anab. VI 28, 4 Succ. 2 Ind. 18 Strabo XIII 623), war 
nellaiog nach Arrian Ind. 18, yevog Ma%eöi6v nach Pausanias 
I 9, 5, »illustri quidem Macedoniae loco natus« nach Justin XV 
3, 1. Diesen Zeugnissen, die mit der Stellung und Laufbahn, 
des Lysimachos in bestem Einklang stehen, widei-spricht allein 
Porphyrius Tyr. Fragm. 4, 4 (FHG. III 698): Avoii.iayog 6 
''Ayctd^oAliovg Qeizalog wv ix Kqavtovog (vgl. Syncellus 266 A 
= Script, ßyz. XII 5063 Avoi(xaxog 6 QezTalog ^^ya-d-oyiXeovg 
7calg). Wäre das eine gute Überlieferung, so müsste der thessa- 
Hsche „Penest" Lysimachos von Krannon nach Pella übergesie- 
delt und dort unter die makedonischen Adligen aufgenommen 
sein (Niese I 192 Wilcken bei Pauly-Wissowa s. v. '^yad-oxXrjg), 
Daran zu glauben fällt schwer, und bei genauerem Zusehn ent- 
puppt sich denn auch die Nachricht des Porphyrius als ein Irr- 
tum, der einem gewöhnlichen Klatsche entsprungen ist. Theo- 
pomp, das Lästermaul, hängte dem Philipp folgende Geschichte an 
(bei Athenaeus VI 260a): "'Ayad^oY.lla dovlov yevofxevov xal zav 
IvL Gezra^lag jteveOTwv OiXucTiog ^iya naq avxi^ dvvd^evov 
öid Ttjv yiolaxelav xal otl sv Tolg ov^TtooLoig ouvojv avztii iuq- 
XeIto Aal ytk(ji}ia JcageoAevaCev aTtioxeiXe öcaqjd^eQOvvTa rieQQac- 
(iovg xal Ttuv sxel TtQayfxccTwv E7Zi(.ielrio6ixevov, coiovvovg d eixev 
dal 7CEql avTOv dvd^QcoTCovg 6 Mayiedwv a,tL Nichts in den 
Worten Theopomps deutet an, dass dieser thessahsche Penest 



78) Der Name des Vaters ist hier in vsioaiov verderbt. 



172 



1 



mit dem Vater des Lysimachos identisch gewesen sei, wie 
Deoysen Hell. II 1, S. 147 Anm. vermutet. Ja, diese Kom- 
bination ist geradezu unwahrscheinlich. Die Familie des Lysi- 
machos hat schon beim Regierungsantritte Alexanders unter dem 
makedonischen Adel in höchstem Ansehn gestanden: denn zwei 
Brüder des Lysimachos, Alkimachos und Autodikos machen eben- 
falls den Feldzug in der Umgebung des Königs mit, der letzt- 
genannte wird von Antipater zum Gcof-iaroq^vla^ des Philipp 
AiTidaios ernannt. Es wäre also von Theopomp geschmacklos 
gewesen, wenn er das Oberhaupt dieser bekannten, tüchtigen und 
vornehmen Makedonenfamilie seiner Zeit als Tj^us für den 
schlechten Umgang des Königs Philipp gewählt hätte. Sein 
Agathokles ist offenbar eine wenig bekannte PersönHchkeit , die 
er als »thessalischen Penesten« einzuführen für nötig hält. Am 
Hofe von Pella kann sie höchstens vorübergehend gelebt haben, 
da Philipp ihr die Ordnung und Verwaltung der Perrhaebia 
überträgt. Erst von späteren Chronographen ist dieser Thessaler 
Agathokles, von dem man noch mehr gewusst zu haben scheint, 
als in dem Theopomp-Fragmente steht (ex Koavcovog Porph.), 
mit dem gleichnamigen Vater des Lysimachos, der zum altmake- 
donischen Adel von Pella gehörte, zusammengeworfen worden. 

Wie eben erwähnt, hatte Lysimachos zwei Brüder mit Na- 
men ^u4lnifÄaxog und ^vxo'ßixog. Jener wurde von Alex- 
ander zuerst in die äolischen Städte geschickt, um mit Waffen- 
gewalt die oligarchischen Verfassungen zu stürzen und demokra- 
tische an ihre Stelle zu setzen (Arrian Anab. I, 18, 1) und 
erhielt sodann den Auftrag, in Athen Schiffe gegen die heran- 
nahende Perserflotte zu verlangen (Anaximenes Fragm. 20 
Droysen Hellen. I 1, S. 243 Anm.). Er war athenischer tvqö- 
^evog (Hypereides bei Harpokration s. v. L</Az/^a%og) ; von der 
Urkunde, die ihn dazu ernannte, ist uns nach Droysens Ver- 
mutung ein Fragment in der Inschrift CIA. II 123 (L^Xx£jtm[/ 

in grosser Schrift, darunter einige Praeskriptworte) erhalten. Den 
zweiten Bruder, den oo)(.iazo(pvXa^ des Arridaios, nennt Arrian 
Succ. 38 ^vTolvKog: die richtige Form des Namens kennen wir 
jetzt aus der Inschrift Inscr. Gr. VII 279: Baailevg yivoifAaxog 
^uideiav TTJv ^vtoöUov tov aöeXcpov yvvaiKa ktI. 

Von dem j7j(.irJTQLog wissen wir nur, dass er in den Ver- 
dacht kam, ein Mitverschworener des Philotas zu sein, und des- 
halb seinen Rang einbüsste : Ptolemaios Lagü trat an seine Stelle 



— 173 — 

Anab. III 21, 5). Über den Vokalismus vgl. die Bemerkung 
auf S. 170. 

Wie beliebt der Name nToXe(j.alog im makedonischen 
Adel war, zeigt sich am besten darin, dass ausser mehreren an- 
deren Vornehmen ^^) nicht weniger als drei ow(xaTO(pvXa/.sg Alex- 
anders so heissen. Ein nToXe/nalog o Gwinarocfvla^ 6 ßaGilr/^og 
schlägt mit zwei Tcl^eig und einer Schar Leichtbewaffneter einen 
Ausfall der HaHkarnassier zurück, fällt aber dabei im Kampfe 
(Arrian Anab. I 22, 4 — 7). Auch IlTolej^alog 6 ^eXev'AOVj eig 
Ttov öiOfxaToq)vla.Y,cov tüv ßaoLlruov, wird von einem frühen Tode 
in der Schlacht bei Issos ereilt (Anab. II 10, 7), nachdem er 
Reserven aus Makedonien und Griechenland herbeigeführt hat 
(Anab. I 24, 1; 29, 4). Um so grösseren Ruhm gewann der 
dritte, der Sohn des Lagos aus der Eordaia oder Orestis (s. oben 
S. 153 ff.). Er wurde der Stammvater des Hauses der Lagiden. 

nTo?.€(.ialog ^^) ist als makedonischer Name so echt wie 
möglich: an eine Entlehnung aus J 228 kann nicht im allerent- 
ferntesten gedacht werden (vgl. oben S. 120). Auf griechischem 
Boden scheint die Form TlTolei-ialog besonders bei den äolischen 
Stämmen heimisch gewesen zu sein: Ptolemaios heisst ein mythi- 
scher König Thebens, ein Sohn des Damasichthon (Paus. IX 
5, 16), und im thessalischen Namen Tolefxalog (Athen. Mitteil.- 
XV 316 no. 46) ist der Anlaut T- aus Ilr- entstanden, vgl. 
HoFFMANN GD. II 507. Da es KEETSCHMEß KZ. XXXI 425jff. 
sehr wahrscheinlich gemacht hat, dass die Lautform jtzole^og 
(mit 7CV-) in Namen ursprünglich nur an zweiter Stelle stand 
[Kleo-JtToleiA.og^ lAQXe-7ZT6lei.iog), so wird IlToXeiAaiog die Kurz- 
form zu solchen auf -Tzrolefxog ausgehenden Vollnamen gewesen 
sein. Belege dafür, dass an einen o-Stamm Adjektiva auf -acog 
(die eigentlich einen ä-Stamm voraussetzen) angeschlossen werden, 
hat Bechtel zu Samml. GDI. no. 5295 beigebracht: odalog, 



79) Ein IltoXsfzaTog S ^lUnnov führt die Ile des Sokrates in der 
Schlacht am Granikos Anab. I 14, 6; ri IlxoXsfiaiov rd^tg Anab. II 8, 4; 
nxolsfjLOiog 6 rcöv ©gqncöv argan^yög Anab. IV 7, 2 ; TlxoXefxaiog Befehls- 
haber der Besatzung Kariens Anab. I 23, 6 II 5, 7; IlroXs/Liacog 6 Ilrols- 
ßaiov wird mit drei anderen Edlen zum ocofzatoqjvka^ des Philipp Arri- 
daios bestellt Arrian Succ. 38. 

80) Von der Häufigkeit des Namens in Aegypten unter den Ptole- 
niaeern gibt die Namenliste des Papyrus Petr. II no. 30 b 12 — 23 ein 
hübsches Beispiel :• unter 24 Makedonen heissen 5 IlTokejLiaTog. 



— 174 — 

^fjOalog, ion. vo/naiog — voLiiung^ 'j^Xialog, ^iTcrcaiog, ^Egyaiogy 
"^uiyad^alog u. a., dazu auch maked. EvQOJTtalog zu Edgcoitog Stadt- 
name, "Aßaqvog : ^AßaQvalog, ^'^Ttqog : ^ATtgalog^ Kdf.iiQog : Ka- 
fXLQoiog u. a. m. 

Von 2elevyiog, dem Vater des zweiten GO)uaToq>vla^ Ftole- 
maios (Anab. I 24, 1; 29, 4; II 10, 7), wissen wir nichts weiter. 
Er war mit dem gleichnamigen Gründer des Seleukidenhauses, 
der unter Alexander die königlichen Hypaspisten führte und 
später Ni^aTwq hiess (Arrian V 13, 4), verwandt. Dessen Gross- 
vater kann er allerdings nicht gut gewesen sein. Denn der 
ütüfxatorpvla^ Ptolemaios war im Jahre 334 jungverheiratet und 
also keinesfalls viel älter als der Seleukos Nikator, der nach Justin 
XVII, 1, 10 im Jahre 358 geboren wurde. Mithin werden wir 
''AvTioxog, den Vater dieses Seleukos (Arrian Succ. 2 u. oft), und 
^elev^og, den Vater des Ptolemaios, als Brüder ansehen müssen, 
wie ja auch in den folgenden Generationen der Seleukiden 
zwei Söhne jedes Königs Seleukos und Antiochos genannt 
wurden. 

In ^eXev'Mg ist das Adjektivum Acrxog „hell, glänzend" 
nicht zu verkennen. Wir haben also einen echtgriechischen 
Vollnamen vor uns. Was bedeutet aber ^€-? Fick KZ. 234 
GP.2 249 will 2e-lBV'/,og auf '^Gela-lev'/.og „glanz-hell" zurück- 
führen, und das ist nach dem für die Komposita geltenden Ge- 
setze der syllabischen Dissimilation (ElXd-vLyLog aus '^Ellavo-vi'/.og, 
T^'fxlöifxvov aus 7ii.a-ixtöifxvov) gewiss möglich. Doch lassen sich 
Bedenken gegen die Bildung und Bedeutung der Zusammen- 
setzung nicht unterdrücken. Das Griechische kennt nur ein 
altes Kompositum mit aelag, nämlich oeXaG-cfOQog. Die Ver- 
bindung zweier synonymen Stämme ist in Eigennamen zwar nicht 
ausgeschlossen, aber gerade in älterer Zeit ungewöhnlich. Sollte 
also nicht in ^e- ein anderes Wort, das sich mit -levKog natür- 
licher verbindet, zu suchen sein? Der einzige mit -Xevxog im 
zweiten Gliede zusammengesetzte griechische Name, den wir ken- 
nen, ist Zd-Xevy,og: in ihm hat das Adjektiv noch seine ursprüng- 
liche Bedeutung „schimmernd, glänzend" (%Qiqdeiivov lev^/iöv i^lXiog 
cog B 185, aiylri lev/.iq t 45) bewahrt, vgl. La-cpleyhg 465, 
Ca-(psyyelg' Xa^iTigol aol S7ti(paveig Jtdvv Hesych, 'Cd-Ttvgog 
Aeschylus Prom. 1084, aeol. Z-ai&cov aus Za + aid^wv Hoff- 
MANN GD. II 514. Der Anklang von ^e-levy.og an Zd-Xsv/.og 
legt uns die Frage nahe, ob nicht ae- eine dialektische Form des 



— 175 — 

gemeingriechisclien Ca- sein kann. Lässt sich das zeigen, so ist 
damit für 2elevy.og die wahrscheinlichste Erklärung gegeben. 
Das griechische C, mochte es alt und gemeingriechisch wie in 
Cvyov oder aus öi wie in aeol. Cd aus did entstanden sein, wurde 
von den Griechen bis zum Ende des IV. Jahrh. als weiches 
s -\- d (also zd) gesprochen, ja in den Dialekten hielt sich diese 
Aussprache noch erheblich länger (vgl. Blass Aussprache ^ 122). 
Erst im Beginn der hellenistischen Zeit finden wir sichere An- 
zeichen dafür, dass C aus 2d in ein einfaches weiches stimm- 
haftes s (z) überging. Denn während bis dahin die Griechen 
ein weiches stimmhaftes s (z) z. B. in oßevvvfxi, uLGyco, ngeoßvg 
in der Schrift von dem harten stimmlosen s z. B. in egtl, OTtovöiq 
nicht schieden, beginnt in der zweiten Hälfte des IV. Jahrh. für 
weiches s (z) vereinzelt t geschrieben zu werden: "Aoti^og, dva- 
ßatf^iog^ ipriq)LtfÄa si). AVenn nun dieser Wandel von t in ein- 
faches weiches s (z) sich in Makedonien schon früher vollzog 
als in dem übrigen Griechenland, ja wenn er vielleicht geradezu 
eine Besonderheit des Makedonischen war, was schon Blass 
Aussprache ^ 122 vermutet hat, so konnte der makedonische 
Lautwert des C ums Jahr 350 und früher in der griechischen 
Schrift, deren sich der Hof und die Umgebung der makedoni- 
schen Könige bediente, nicht gut anders als durch den Buch- 
staben (7, mit dem die Griechen damals noch ihr eignes weiches 
s ausdrückten, wiedergegeben werden. So würde denn das make- 
donische C7£- von dem gemeingriechischen ta- aus öia- nur im 
Vokale wirklich verschieden sein. Aber auch dieser Unterschied 
fällt. Denn auf dem griechischen Boden selbst hat neben ÖLci 
die Nebenform dU bestanden, ja, diese ist gerade aus demjenigen 
griechischen Dialekte, der dem makedonischen am nächsten ver- 
wandt war (vgl. oben S. 114 if.), aus dem thessalischen, belegt: 
auf Steinen aus Larisa und Phalanna lesen wir öd rbg jcoMfAog, 
Öls Ta (fLXdvd-qovTta^ öiixi, diSTelel, öieoacpeLfxeva Hoffmann 
GD. II 321. Dieses thessalische öd fällt zugunsten der Gleichung 
maked. ^e-lev/^og = Zd-levyLog schwer in die Wagschale. 

Schon durch den Anlaut verrät sich Bdla/.Qog — so hiess 
ein owfxazoq^vXa^^ der diese Stellung, als ihn Alexander zum 
Satrapen Kilikiens ernannte, aufgeben musste (Anab. II 12, 2) 



81) In attischen Inschriften seit dem Jahre 329 v. Chr., vgl. Mei- 
sterhans "^ 88, in den Dialekten vereinzelt schon früher. 



176 — 



1 



und später bei einem Aufstande getötet wurde (Diodor XVIII 
22, 1)82) — als Spitz- oder Ersatzname: ßalaytqog „kahlköpfig" 
gehörte der lebendigen makedonischen Umgangssprache an und 
wurde deshalb auch als Name genau so geschrieben, wie man 
es aussprach — also mit ß statt mit q) — , während sich in dem 
altererbten Namen (DiliTtTtog die traditionelle Orthographie hielt» 
Auch im Griechischen sind OaXayigog und OalanqUov häufige 
und alte Namen, vgl. Bechtel Einstämm. Personennam. 37 ff. 

Der Vater dieses ßalakros, Nty^dvcog, führte einen beim 
makedonischen Adel sehr beliebten Namen: ol vnaoTtiGTal tcuv 
fTaiQwv, cüv r^yeixo Nl/mvwq 6 naQixBviwvog Anab. I 14, 2 u. ö. ; 
Nr/MvcüQ, elg tcov halgcDv Anab. IV 22, 5; 28, 6; Bruder des 
Kassandros, von der Olympias umgebracht Diodor XIX 11, 8, 
u. a. m. Aus den Papyri führe ich an TleQiTag IVIay.eöojv xlXl- 
aqyog tcuv NixdvoQog P. Petr. I 45 no. lös; Ni%dv(x)Q ^Aqqi- 
daiov und Mevelaog NiTidvogog maked. Namenhste P. Petr. II 
no. 30b3. 5, ferner P. Petr. I 33 no. 11 17 I 57 no. 20, Is. 

An Stelle des verstorbenen ''Aqvßßag wurde ^eowaTog 
zum GwiiiaToq)vla§ ernannt (Anab. III 5, 5). In den Hand- 
schriften steht der Name mit qq und einem ß: er ist also ebenso 
verschrieben wie der Name des bekannten Molosser-Königs bei 
Pausanias I 11, 3 (qq und ßß), Plutarch Pyrrhus 1 (in ADC) 
und Justin VII 6, 10 VIII 6, 7. Zwei Inschriften stellen die 
bei Paus. I 11, 1 Plutarch Pyrrhus 1 (in P) überlieferte Form 
^Aqvßßag sicherst); ein attisches Ehrendekret für den Molosser- 
könig, abgefasst um 342 (CIA. II 1156.26. 29.33. 35. 37), und eine 
epidaurische Tempelurkunde, die von der Heilung einer Epirotin 
^^vdQO{xd%a, Tochter eines Arybbas, erzählt (Inscr. Gr. IV no. 95263). 
Mit einfachem ß steht der Name 426: hier bezeichnet sich 



82) Noch drei andere Makedonen mit Namen BdXaxQog werden von 
Arrian erwähnt: ein Sohn des 'Afi-uvrag , Stratege der ov/Li/naxoi (Anab. 
I 29, 3), Befehlshaber der in Aegypten zurückbleibenden Besatzungstruppen 
(Anab. III 5, 5); ein Kommandeur der dxovriorai (Anab. III 12, 3; 13, 5) 
und yjdoi (Anab. IV 4, 6); ein Taxiarch (IV, 24, 10). Die rd^ig des Amyntas, 
die in der Schlacht bei Arbela nach Arrian III 12, 9 Simmias befehligte, 
wird von Diodor XVII 57, 3 und Curtius IV 13, 28 einem ^iXinnog Ba- 
XäxQov gegeben, vgl. Fränkel Quellen 214. Ein BäXaxQog NixdvÖQov 
war Freund des Pyrrhus nach Dionys. Halik. XIX 11. 'AvziJtazQog Ba- 
Xdygov in dem delischen Tempelinventar BCH. VI 157 XV 145. 

83) Zu der handschriftlichen Form Hgv/ußag Demosth. I 3 Diodor 
XVI 72, 1 Plutarch Alex. 2 (in P) vgl. WSchulze KZ. XXXIII 377. 



— 177 — 

(DolvLOoaj die Frau des Ktesios, als Tochter eines „Sidoniers" 
^^Qvßag (Gen. -avTog). Da sie aber von Taphiern geraubt sein 
will, war dieser Ktesios zweifellos in Epirus ansässig. Unter den 
Thessalern aus Krannon, die in Larisa das Bürgerrecht erhalten, 
wird ein ^Ayad^ovv ^AQvß\yaiog^^) aufgeführt (Samml. GDI. no. 
34577/78). Leider ist in dem Vatemamen ^^Qvßyag der vierte 
Buchstabe nicht sicher: Lolling las zuerst P, hielt aber später 
(Hermes XVIII 318) B für wahrscheinHcher. 

'Aqvßßag ist nicht, wie FiCK KZ. XXII 223 vermutet, ein 
echter zweistämmiger Personenname s^), sondern von Haus aus 
Ethnikon. Bei Stephanus Byz. heisst es: ^^.qvßßa- lo id^viytov 
^Aqvßßctg (so in den massgebenden codd. RV). ovxo) yäq ^Ahi- 
jiidv. Die Stadt oder Landschaft muss in Epirus gelegen haben: 
denn dort war der Personenname heimisch. 

Da die Stammesnamen auf -Guag und -eoTag besonders in 
Nordgriechenland verbreitet waren und von der antiken Gram- 
matik geradezu als makedonische Bildungen angesehen wurden s^), 
so sucht FiCK GP.2 337 BB. XXVI 242 auch in nevxsoTag»-^) 
ein Ethnikon, das an die aus Epirus stammenden apulischen 
nevy,8TL0L erinnere. Diese Deutung hat eine willkommene Stütze 
dadurch erhalten, dass das von Fick nur vorausgesetzte Ethnikon 
jetzt in einer Inschrift aufgefunden worden ist Im III. Jahrh. 
V. Chr. ernannte die akarnanische Stadt der QvqqeIol zu Proxenen 
KXeocpd[vrj ^Aya]uriTOv Xdova nevyieoTov 2coti[ij^ov S]eviag KaoGw- 



84) Anklingend an den molossisehen Namen HQVTiraTog bei Diodor 
XVIII 11, 1, wenn dieser richtig überliefert ist. 

85) „oLQQVfzßag kann heissen »ohne Wanken«" Fick a. a. 0. Aber 
weder qq noch f^ sind überliefert, und QVfxßdvco, QVfj.ßc6v lassen sich von 
gefißw, QOjußog ebenso wenig trennen wie Qvcpsoi von Qoq)sco. 

86) Steph. Byz. s. v. ATov . . . z6 sd'vixov Aisvg. Uavaaviag de Aid- 
ixag qpi^ai' Maxsöovcov yäg 6 rvjiog, 'ÖQeaxai, Avyxriarai (andere Belege von 

tEiNEKE ZU 'EoQdaToi steph. Byz. p. 272 Fick BB. XXVI 242 ff. ge- 
lammelt). 

87) Drei Makedonen dieses Namens erwähnt Arrian. Ilsvxsarag o 
)v isgäv dajiiSa (pigcov , rjv stc rov vscb tfjg yid'tjväg rfjg ^IXiddog laßcov äfj,a 

elxsv 'AXe^avÖQog (Anab. VI, 9, 3), rettet dem Könige beim Sturme 
luf die Stadt der indischen MaXXoi das Leben und wird dafür zum 
mixaxocpvXa^ ernannt (Anab. VI, 28, 3). Nur je einmal treten der 
Stratege Ilsvxsorag 6 MaxaQxdxov (Anab. III 5, 5) und der Trierarch 
levxsaxag 6 'Ms^dvdgov Mis^evg (Ind. 18, 6) auf. Dazu kommt noch ein 
^reund des Demetrios Poliorketes (Athenaeus XIV 614 f). 

Hoffmann, Makedonen. 12 



— 178 — 

ncäov (Inscr. Gr. IX 1 no. 4843). Die Grösse der Lücke ver- 
bietet, Uev^eGTOv 2(jotl[(xov, B]eviaq zu lesen : also 

handelt es sich nur um zwei Männer, den KXeocpavtjg und 2c6- 
Ti^iog, und IlevyieaTog ist, wie Dittenbergek erkannt hat, kein 
Nomen proprium, sondern nur ein den allgemeineren Begriff 
Xacov enger begrenzender Volksname. TlsvAearoq verhält sich zu 
IlevyieoTag genau so wie das allerdings erst aus der Zeit Ha- 
drians belegte Ethnikon "OgeoToi (Arch. Zeit. XXXVIII 159) 
zu ^OgeaTai. 

Dass es aber im Makedonischen auch einen als Namenwort 
gebrauchten Stamm Uev/,- gegeben hat (wie das früher auch Fick 
KZ. 233 annahm), schHesse ich aus dem makedonischen Vollnamen 
JlevKolaog. Wir kennen ihn nur aus Curtius: im Jahre 329 
V. Chr. wird von Alexander ein Peukolaos mit 3000 Fusssoldaten 
in der Sogdiana zurückgelassen (VII 10, 10). Dass die Hand- 
schriften in Bezug auf die Form des Namens zuverlässig sind, 
geht aus einer zweiten Stelle (VI 7, 15) hervor: hier zählt Dym- 
nos dem Nikomachos seine Mitverschworenen auf und nennt 
unter ihnen auch einen Peukolaos ^^). Wie ^^yo-laog (neben 
^Aye-Xaog), IlELd^o-laog, (Dsiöo-lecDg wird Iltv/,0- als Namenwort 
verbale Bedeutung besessen haben, die entweder aus €xe-7cevy^7jg, 
TteQV-TCEvv.iqg ^ 7tevy.edav6g {TTToXsfxog K 8) oder aus 7vevy,dliiLiog, 
7tv/.v6gf Ttv/M abzuleiten ist. Es kann also üev/JaTag auch ein 
sogenannter „angeschlossener^' Kurzname sein, der Seitenstücke 
in el. TelsoTag und thess. MeveGzag Samml. GDI. no. 13283 hat. 
Das sind entweder einstämmige Kürzungen von Vollnamen, die 
mit TeXeoL', Meveoi- beginnen, oder zweistämmige Kurzformen 
zu TeXe-GTQaTogj Meve-OTgazog. Allerdings deckt sich Mevtazag 
auch mit dem Standesnamen MeveoTai in Thessalien (Arche- 
machus bei Athenaeus VI 264b) und kann deshalb, wie nevüe- 
otag, in zweifacher Weise aufgefasst werden. 

Die besprochenen 18 Namen sind, soweit sie nicht als Ethnika 
überhaupt aus den echten Personennamen ausscheiden, deutlich 



88) Diesen macht die Vogel' sehe Ausgabe des Curtius durch ein 
grobes Missverständnis zu einem ocofiaxocpvXa^ des Alexander, indem sie 
in den Worten »gratulatur, quod fortissimis juvenwn non duhitasset se ad- 
jungere Demetrio corporis custodi Peucolao Nicanori« den Dativ »corporis 
custodi« mit Peucolao verbindet, während er zu Demetrio gehört, wie aus 
Arrian Anab. III 27, 5 unzweideutig hervorgeht: Arj/u^rgiov (xev eva rcöv 
ao}fxaro(pvXä>ccov vnonrsvaag f^BxaoxsTv ^iXcoxq xfjg smßovXfjg ^vvslaße. 



— 179 — 

griechischer Bildung, und keiner von ihnen stammt aus der 
Heldensage. 



6. Die Pagren Alexanders. 

Schon von Philipp war ein Pagenkorps zur persönlichen 
Bedienung des Königs eingerichtet worden (Arrian Anab. IV, 
13, 1). In dieses wurden die Söhne vornehmer Makedonen, die 
«ich in höheren Stellungen befanden {tcov ev reise Maneöovcov 
Arrian a. a. 0., twv sv Ma-aeSovia do^ifxcoTaTtov Aelian Var. 
Hist. XIV 48) aufgenommen. Wie streng ihre militärische Er- 
ziehung war, belegt Aelian a. a. 0. mit zwei Geschichten: einen 
''^cpS-ovriTog, der die Tcc^ig veriiess, um seinen Durst in einer 
Kneipe zu löschen, Hess König Philipp peitschen und einen 
i^Q/JöafÄog gar töten, weil er trotz des Verbotes die Waffen 
abgelegt hatte. 

Zu den Pagenpflichten gehörte es unter anderem, dem Kö- 
nige beim Besteigen des Rosses zu helfen, vgl. Arrian a. a. 0.: 
OTCOTB s^E?MvvoL ßaGileug, Tovg CTtTtovg Ttaga rcov Itctcoko/awv 
öexofLisvoL iyielvoL TtQOG^yov %al dveßaXlov owol ßaoiXea, Als 
solcher »avaßolevg toiv ßaGiXiy,cov (sei. ftaldcov)« wird in der 
Schlacht am Granikos ^Agezig Anab. I, 15, 6 genannt. Das 
ist eine regelrechte Kurzform auf -ig (wie A\%ixig^ AccfLug) zu 
einem Vollnamen mit ^^gev- oder -agexog. Zu der an sich ja 
leichten Änderung von ^'^gszig in ^Agexrig liegt kein Grund vor, 
selbst wenn der Name ^Agexrig, den ein Führer der TtgoSgojnoi 
(oagiGGOcpogoi) iTCTtetg nach Arrian III, 12, 3 (oY re Ttgoögofxoi 
iTCTielg xal ol naloveg, tov 'Aghrjg ytal "^giGTcov rjyovvto, vgl. 
III 14, 1; 14, 3) und Curtius IV, 15, 13; 15, 18 führt, richtig 
überliefert sein sollte. 

Zu den Pagen, den ßaGilr/^ol Ttalöeg, gehörte auch ein ge- 
wisser '^Egfxolaog 6 ^ojTtolidog, der, von Alexander gekränkt, 
im Jahre 327 eine Verschwörung gegen das Leben des Königs 
anzettelte (Anab. IV 13, 1—14, 4 Curtius VIII 6—8 Plutarch 
Alex. 55). Sein Vater ist wahrscheinHch der Ilarch Sopolis 
(Anab. I 2, 5 III 11, 8) gewesen. Die von Hermolaos ins Ver- 
trauen gezogenen Pagen waren nach Aman und Curtius (bei 
diesem ohne die Namen der Väter): 

^toGTgaxog 6 lAfxvvTov. 

uävTiTtavgog 6 *AGy,Xi^7ttod cogov tov ^vglag GavgaTtev^ 

12* 



— 180 — 

oavTog (Arrian). Curtius macht daraus einen Antipater und 
Asclepiodorus. Der Name ""AvtiTtatQog („dem Vater gleich") ist 
in einer makedonischen Familie durch di-ei bedeutende Männer 
vertreten. Der älteste von ihnen ist der bekannte Reichsverweser 
unter Alexander, zuvor Feldherr Philipps, ein Sohn des lolaos 
(Suidas s. v., s. unten S. 207). Zwei seiner Enkel, die beide 
den makedonischen Thron bestiegen, waren nach ihm benannt: 
ein Sohn des Kassandros (König von 296 — 287) und ein Sohn 
des Philippos (45 Tage König 280, Kronprätendent in den Jahren 
278—276). Von anderen Makedonen desselben Namens sei noch 
ein Freund des Perdikkas im Jahre 318 (Diodor XIX 16) und 
ein ^AvTLTcazqog Balaygov, der Stifter eines delischen Weih- 
geschenkes (s. oben S. 176), erwähnt. 

'ETtij^ievrig b^'AQOtov. D er Yatername l^Qaeag, Kurzform 
zu einem der oben S. 137 angeführten Vollnamen mit ^Aqol- 
(vgl. ^'Aqqiüv aus "Agacov Dittenberger Sylloge I^ no. 86129. 131), 
zeigt den beliebten makedonischen Kurznamentypus auf -tag. 

'AvTcyiXijg Qeoy.QiTov. 

Oiltozag 6 KccQGidog tov Ggaytog. Philotas ist ein echt- 
makedonischer, KaQGig ein echtthrakischer Name, vgl. Tomaschek 
Thraker II 2, S. 46 und 84. Ein vornehmer Thraker namens 
Karsis hatte also eine Makedonierin aus adligem Geschlechte 
geheiratet, und diese nannte den Sohn, den sie ihm gebar, nach 
ihrem Vater Philotas. 

Von Epimenes wird auch XaQL/^lijg 6 Mevdvögov (Ar- 
rian IV 13, 7) eingeweiht. Ein Mevavögog »tcov evaigcov« be- 
fehligt anfangs die ^evot und wird daim zum Satrapen Lydiens 
ernannt (III, 6, 8), von wo er frische Truppen herbeiführt (VII 
23, 1; 24, 1). 

Nur einer der Pagen trägt einen Namen, der dem Epos 
entlehnt sein könnte: des Epimenes Bruder EvQvloxog^^)^ der 
die Verschwörung dem Ptolemaios Lagu verrät (IV, 13, 7). 

Bei Curtius werden noch Nicostratus und Elaptonius 
hinzugefügt. Der zweite Name ist sicher verderbt. Dieses Los 
teilt er mit einem anderen Pagen namen, den Curtius VII, 9, 19 
erwähnt: »Benigne igitur exceptis Sacarum legatis comitem Ex- 
cipinum (dafür Elpinicum Foss) dedit, adhuc admodum iuve- 



89) So heisst auch ein Truppenführer Philipps (Demosthenes IX 69), 
mit Uvoi nach Porthmos geschickt. 



- 181 — 

nem, aetatis flore conciliatum sibi, qui cum specie corporis 
aequaret Hephaestionem, ei lepore haud sane virili par non erat«. 



7. Die makedonischen Tpuppenführer und Verwaltungfs- 
beamten Alexanders. 

Die Nationalität der Offiziere Alexanders war zum Teil 
durch die Truppengattung, die sie führten, bestimmt. 

Da sich die Hetären-Ilen nur aus der makedonischen Ritter- 
schaft zusammensetzten, so versteht es sich von selbst, dass ihre 
Führer den vornehmsten alten Geschlechtern angehörten. 

Von dem Fussvolke waren sehr wahrscheinlich, trotz 
JGDeoysen Hermes XII 244ff., nicht nur die vTtaaTtiGTaij 
sondern auch die TteChaigot „freie" Makedonen. Für ihre 
Sprache und ihr Volkstum folgt daraus freilich nicht das min- 
deste. Denn die zahlreichen in den makedonischen Städten an- 
gesiedelten Griechenfamilien zählten natürlich auch zu den freien 
Makedonen, und dasselbe gilt sicherHch für den grössten Teil 
der Bevölkerung in denjenigen Gebieten, die von Philipp und 
den früheren Königen in das Reich einverleibt wurden. Dass 
die kriegerischen Krestonaeer, Edonen u. s. w. ausgerottet oder 
zu Unfreien herabgedrückt seien, wird nirgends überliefert. Mö- 
gen sie auch im Range den echten Makedonen nicht gleich- 
gestanden haben, so wurden sie doch, daran kann kein Zweifel 
bestehen, zum Heeresdienste in der q)dlay§ herangezogen. Das 
Fussvolk trug also nicht einen so rein makedonischen Charakter 
wie die Hetärenreiterei. Aber seine Führung war in den 
Zeiten Philipps und Alexanders den adligen evaiQOi 
vorbehalten, vgl. Koehler Sitzungsber. Berl. Akad. 1893, S. 495. 
Diese privilegierte Stellung der Ritterschaft will Koehler sogar 
auf »alle höheren Militär- und Zivilchargen« ausdehnen. Damit 
schiesst er aber über das Ziel hinaus: denn, wie schon oben 
S. 118 erwähnt wurde, bestand der Stab des Königs, die halgoi 
im weiteren Sinne, keineswegs nur aus Makedonen. So lässt 
z. B. Alexander in Susa den Perser ^^ßovXlTrig als Satrapen, 
den MaQagoQ »tcov haiQwv«, der seinem Namen nach gleichfalls 
Perser war, als Phrurarchen der Burg zurück (Anab. III 16, 9)^% 



90) Von JusTi Iran. Namenbuch 311 269 werden auch die Satrapen. 



182 — 



i 



Der Führer der Thraker ^LTcclytiqg (Anab. I 28, 4 II 5, 1 u. ö.)^ 
den Alexander zusammen mit zwei Makedonen als „Strategen^^ 
in Medien zurücklässt (Anab. III 26, 3), stammte aus dem alten 
Königsgeschlechte der thrakischen Odrysen, sein Ahn war der 
von Hdt. IV 80 Thuk. II 29 u. s. erwähnte berühmte Fürst 
2itdX/.rig (ToMASCHEK Thraker II 2, 43). Weit häufiger noch 
waren Griechen unter den Stabsoffizieren vertreten, s. oben 
S. 119. Es darf deshalb nicht jeder griechische Name, den ein 
Führer nichtmakedonischer Truppen oder ein Yerwaltungsbeamter 
führt, ohne weiteres als makedonisch angesehen werden. Einige 
dieser Namen, die ein sprachliches Interesse besitzen oder deren 
Träger ziemlich sicher echte Makedonen waren, habe ich ausge- 
wählt und unter »e« zusammengestellt. 

a. Der oberste Stratege. 

Über den Offizieren der einzelnen Truppengattungen stand, 
gewissermassen als der Chef des Stabes (vgl. Anab. I 13), Tlaqixe- 
vivDv, der Sohn des OiUiTag (Anab. III 11, 10). Er führt in 
den drei ersten Schlachten den ganzen linken Flügel, während 
sich der König selbst auf den rechten Flügel begibt. Philötas 
ist ein behebter Makedonenname : ausser dem eben (S. 180) er- 
wähnten Pagen tragen ihn der Sohn des Parmenion (unten S. 186), 
ein Taxiarch (unten S. 188) und mehrere Offiziere Alexanders, 
die sich nicht scharf aus einander halten lassen. 

b. Die Führer der Hetaeren-Reiterei. 

Die Reiterregimenter wurden ursprünglich nach geographi- 
schen Bezirken ausgehoben und hiessen IXai. Ihre Zahl betrug 
in der Schlacht bei Arbela acht (Anab. III, 11, 8). Als llaQxac 
werden von Arrian folgende Männer erwähnt: 

^AqLötiov, Schlacht bei Arbela (Anab. III 11, 8). 

riavyilagy Schlacht bei Arbela (Anab. III 11, 8). 



SxafA,svt}g von Babylon (Arrian Anab. IV 18, 3; bei Curtius VIII, 3, 17 
Ditamenes) und üaßixrag von Kappadokien (Arrian Anab. 114,2; bei 
Curtius III 4, 1 Abistamenes) für Perser gehalten. In der Tat scheint 
Stamenes nur gräcisiert zu sein, und Sabiktas klingt zu sehr an den 
häufigen persischen Namen Sabakes an, als dass eine Deutung aus dem 
Griechischen {Saßo- maked. Gottesname, -i?cxag aus -ixixag , vgl. 'A^av- 
iHexag, Ztjv-ixhtjg, MaxQ-iHexag) auf grossen Glauben rechnen dürfte. 



— 183 — 

z/tji^iiJTQ iog 6 ^^Xd^aLfxivovg (Anab. III 11, 8), später 
i^TcaQxrig (Anab. IV 27, 5; V, 16, 3; 21, 5; VI, 8, 2). 

'^Hyeloxog b '^iTtTtoöXQaxov (Anab. III, 11, 8)^1). 

^^Hgayilelörjg 6 ^^vtloxov (Anab. III, 11, 8), vgl. I 2, 5 
'^HQayiXelÖTjv ös yial ^cotvoXiv Tovg ek BoTTcaiag ze Kai ^^f.i(pi7t6- 
lecog hcTteag yiaua xo eviovvpwv negag hitayeLv sra^e. 

KXetxog b z/gcoTtidov, mit dem Beinamen der „schwarze*' ^ 2), 
Führer der „könighchen Ile" (l'lri ^ ßaoiXr/.7^ Anab. III, 11, 8). 
Der Stamm ögcoTc- ist in griechischen Namen nicht selten. Jqw- 
Ttidrig heisst auch der Bruder des Solon und der Vater des Kri- 
tias (andere Athener CIA. II no. 85960 IV 2 no. 1078 bi Cur- 
tius III, 13, 15), vgl. jQcoTtiöag Samml. GDI. no. 2311 10. Mit 
anderen Suffixen sind gebildet /tgcoTt-lvag Amphissa Samml. GDI. 
no. 18288 205711 2116 10, Kallipolis no. 2116 13. 17, aetol. z/ocoTt- 
a-^/Log ebenda no, 25202 2522 1, thess. z/QOV7z-aKelog Patronym. 
ebenda no. 3265 (angeschlossen an ögcoTta^), thess. jQovTC-vXog 
ebenda no. 326 II 38, boeot. JqojTtov'kog Inscr. Gr. VII 2274 
3179, arg. JqcoTtvlog Inscr. Gr. IV 414 730 III3, att. Jqco- 
TtvUwv CIA. I 432, boeot. JqcoTt-ovöag Inscr. Gr. VII 2812, 
orop. jQCüTi-og ebenda VII 299, u. a. m. 

MeleayQog, bei Arbela (Anab. III 11, 8). 

JJavTOQÖavog 6 Kledvögov, von dem bei Issos tj YXr} ^ 
ylevyalcx ytalovi^ivrj geführt wurde (Anab. II, 9, 3). Den durch 
7cavT- als griechisch gezeichneten Namen Flavv-OQdcxvog, in dem 
schon FiCK KZ. 232 das Adjektiv oqd^og (aus ßoQd-og, vgl. kret. 
Bogd-iog Samml. GDI. no. 5173 13, lakon. Btügd-ildda] 44515, 
BcoQ&ia 4498 4499, BwQ^ia' "Ogd-ia Hesych, vielleicht auch trotz 
JScHMiDT KZ. XXXIII 456 arg. BogS-ayogag Inscr. Gr. IV 
6148) gesucht hatte, verghch Tomaschek Thraker II 2, 31 
speziell mit den zahlreichen indischen Zusammensetzungen auf 
-vardhanas „fördernd, stärkend; Wachstum, Gedeihen", z. B. ved. 
nrmna-värdhanas „Mut mehrend", Deva-vardhanas Name, und 



91) Wohl identisch mit dem Führer der oagiaaocpÖQoi beim Aufklä- 
nmgsdienste (Anab. I, 13, 1), vielleicht auch mit dem Leiter der Flotten- 
expedition (Anab. II, 2, 3; III, 2, 3 ff. Curtius 111*1, 19 IV 5, 14). Ein 
im Kampfe gefallener Hegelochos, Freund des Parmenion, wird von Phi- 
lotas erwähnt (Curtius VI 11, 22ff.). Der Vokalismus ist geraeingriechisch 
(echtraakedon. ^Ayüoxog). 

92) Ein Hetäre KXsTzog 6 Isvxog xaXovfxevog gehörte ebenfalls dem 
Freundeskreise Alexanders an, (Athenaeus XII 539 c). 



— 184 — 

diese Gleichsetzung besticht in der Tat. Ist auch ein griechisches 
oqS^avog aus '^ßoQd^avog = maked. oQÖavog bis jetzt nicht belegt^*), 
so fehlt es doch für die Bildung nicht an treffenden Parallelen 
im Griechischen: ogd-avog verhält sich zu dgd^og und dem nach 
ssk. värdhati „stärkt", Med. „gedeiht, wächst" vorauszusetzenden 
Verbum *6'^^w (aus *ß6Q^a)) genau so wie o%avov zu o^og (vr^iov 
oxoL e 404), 'Oxog und t/w, xoöavov „Steiss" zu ;cC^j ftloKavov 
zu 7tloy,7J und Tc'kt/.to, oq-üccvti „Umzäunung" zu ogyiog und eg/^og 
u. a. m. Während in ogS^og die verbale Bedeutung des Stammes 
ganz verblasste, würde sie in JJavT-OQd-avog noch erhalten sein ^^). 
Von nsQoldag, dem Sohne des MeveoS-evg, wird bei 
Issos Tj l%Yi 7j l^vd-e^ovaia geführt (Anab. II 9, 3). Aus diesem 
makedonischen Namen neqoiöag und aus kor. Quloidag Samml. 
GDI. no. 3129 d47, thess. ÜLToldag Pharsalos ebenda no. 326 II 38, 
Öidag ^ndgeiog Krannon ebenda no. 34572 ist bei Fick-Bechtel 
GP.2 223 ein zur Bildung zweistämmiger Vollnamen verwendeter 
Stamm -oiSag „schwellend" (zu olödw) erschlossen. Von den Be- 
legen scheidet ohne weiteres Qvl-olöag aus: als alter Vollname 
ist diese Zusammensetzung ganz undenkbar! Sie kann nur so 
entstanden sein, dass der weit verbreitete einstämmige Name 
Kvhov mit scherzhafter Anspielung auf %v%-OLÖLttii) zu einem 
Pseudo- Vollnamen Kvk-oldag erweitert wurde: auf ähnliche Bil- 
dungen {raGTQOÖcoQtjj XaiTLTtTzog) habe ich in BB. XXII 138 ff. 
hingewiesen. Von üiToidag bleibt nach Abtrennung des -oidag 
ein Stamm IIlt- „unbekannter Bedeutung" (Fick-Bechtel GP.^ 
235) übrig, der sich angebhch in den thessahschen Namen TIitol- 



93) FiCK KZ, 232 will es aus dem attischen Namen eines mit Priapos 
verwandten Vegetationsdämon, des 'Ogd'dvvrjg (Komiker Piaton bei Athe- 
naeus X 441 f, Strabo XIII 588) ersehliessen. Dieser war jedenfalls nach 
dem Phallos so genannt. 

94) Schwerlich dürfen wir den Namen mit „ganz gerade" (Fick 232) 
übersetzen. Zwar könnte formell ögd'avog auch als Ableitung von dqd'og 
gefasst werden, vgl. xoigavog von *xoXQog, ßordvt] von ßorog, Mjixavog Hes. 
von "deTtrog und die mit og^og gleichbedeutenden Denominativa oQd^s- 
aiov (= oQT^iov, f^axQÖv, o^v, fxiya Hes.), ÖQ&rjQÖg und ogd'rjXog. Aber die 
Bedeutung von oQd'og eignete sich nicht dazu, den HauptbegrifF eines 
Yollnamens abzugeben : wir sehen das am besten daraus, dass 'Oq'&o- in 
alten Personennamen nur an erster Stelle vorkommt ('O^^o'-j^ovAo?, 'Ogß^o- 
xlfjg, "OQd^o-f^Bvrjg u. s. w., Fick-Bechtel GP."^ 131). Die Heroine Xgvo- 
ÖQ'&i] (Paus. II, 5, 8) macht keine Ausnahme: ihr Vater hiess 'ÖQ'&o-jtokig, 
'OQ'd'^ ist also „überhängendes" Element. 



— 185 — 

vag Samml. GDI. no. 34553 und UiToivog ebenda no. 326 I23 
wiederfinden soll. Ob das aber wirklich zwei alte Vollnamen 
sind, bezweifeln wir mit gutem Grunde: denn olvog steht als 
Namenwort in der Zusammensetzung immer an erster Stelle ^^). 
Die von Fick als Koseformen gefassten Namen TIltIojv, üiTulog, 
nlzüjv beweisen nichts für Vollnamen mit IIlt-: sie sind samt 
UiTT-alog, JJiTvaAog (vgl. nvQQay.og) , niTT-dX-ciAog und dem 
spartanischen ÜLTvag (Xenoph. Hell. II, 3, 10) auf Ttlzvg „Fichte" 
zu beziehen (GP.^ 326). Und diesen Wortstamm werden wir 
auch in thess. üiToivog, ITiTolvag und TIiToidag zu suchen haben. 
Da die Thessaler v als ü sprachen, so kann Ulio-ivog aus Ultv- 
ivog {= pitüinos, angeschlossen an das Adjektiv TCLTv'ivog), IIito- 
iöag aus TlLTv-löag (= pitu-idas, patronymische Bildung zu Uiivg) 
entstanden sein. Was endhch den auch durch das Etymol. Magn. 
465, 12; 779, 23 und Eustathius 445, 25 bekannten Namen OYdccg, 
Gen. OYdavTog betrifft, so setzt der natürlich Vollnamen auf 
-oidag nicht voraus, sondern lässt mehr als eine andere Deutung 
zu. Er kann sich z. B. zu dem bekannten Sagennamen "idag^ 
Gen. ""löavrog (Etym. Magn. 465, 11) ebenso verhalten wie 'Ol'levg 
zu ^IXevg. 

So verhert ein Vollname UeQ-olöag, der an sich wohl ver- 
ständhch wäre (vgl. olöaivto, oldeco „stolz, übermütig sein''), eine 
Stütze nach der anderen, und wir fragen uns, ob nicht Fick 
KZ. 233 auf dem richtigen Wege war, als er in dem Namen 
das patronymische Suffix -öag, nöag suchte. Er hat später diese 
Deutung wohl deshalb aufgegeben, weil den Namen neiQcog 
J 520 525, neiQoog B 844, Gen. nelgeco Y 484, von dem 
er Jlsgo-löag ableitete, ein thrakischer Held führt: ßole de Qqj]' 
y,(x)p ayog avögcov, IleiQCog ^ißQaGidrjg, og ccq Alvod-ev eilriXov- 
d^Si J 520, cii.iv\iov(x Ilelgeco vlov, '^ Plyf,iov, og er/, Qg/jÄrig sgißco- 
laKog ellyilovd-ei Y 484. Doch besitzt auch das Griechische 
nicht wenige Namen, die mit rieg- {UeiQ') anlauten, mag das nun 
in dem einzelnen Falle die Präposition Ttegi- oder ein verbales 
nsQ- sein. So könnte z. B. Tlsgolöag zu dem homerischen Pa- 
tronymikon neiQatörjg J 228 {zu nelgaiog 539 fr. ^ 55fr. i; 372) 
gestellt werden, dessen et. ein unechter Diphthong ist (vgl. thess. 
TIeggaiog Samml. GDI. no. 326 III 42. 43. 44, IIsggagAb). 

95) Als einzige Ausnahme ist bei Fick-Bechtel GP.=^ 131 Pögy-oivog 
Olvidov '[xagievg CIA. I 273 f 9 angeführt. Hier stammt aber oTvog als 
„überhängendes" Element aus dem Namen des Vaters. 



— 186 — 

^wyLQaTtig 6 ^ad-iovoq^ führt auf dem Marsche zum Gra- 
nikos »T^v XXriv triv f.^ ^^TtoXXcovlag« Anab. I 12, 7. Der Name 
2(xd^o}v ist aus verschiedenen dorischen Dialekten inschriftlich 
belegt und von Bechtel Einstämm. Personenn. AGGW. 1898 
S. 32 besprochen worden. Der Name ist abgeleitet von oad^ri 
»penis« Aristophanes Lysistr. 1119 (vgl. avögoGad^wv /.leyala 
e'xtov alddla Suidas, avdgoac d-i^g' avögog aiöotov rj f^sydla aldöla 
t'xMv Hesych, dazu Athenaeus V 220 d ^^vTiod^iviqg . . . niazcova 
l.iBTOvo(A.(xaag ^ad-cova dovQcog y,al cpOQtrMog); als Appellati vum 
wurde ad&wv vom Komiker Telekleides in der Bedeutung „Knäb- 
lein" gebraucht (Fragm. Comic, ed. Kock I 224 no. 65). 

^lOTtoXtg 6 '^Eq/.ioöcoqov (Anab. III 11, 8), vgl. oben 
'Flga/^XelSrig. 

Eine Ile bildeten wohl »ol sz Tijg dvayS^ev MaviEÖovlag Itv- 
TTsig« unter OiXcotag, dem Sohne des TlaQinevuxJv (Anab. I 
2, 5), der später bei Arbela den Oberbefehl über die gesamte 
Hetären-Beiterei führte (Anab. III 11, 8). 

Der YXri übergeordnet war die iTtTtagxia, deren jede aus 
mehreren Ilen bestand (vgl. Anab. VI 21, 3 dvaXaßwv . . . l'Xvjv 
dcp f-ytdoTTjg iTtTtaQyJag). Arrian gebraucht den Ausdruck zuerst 
Anab. I 24, 3: nag^ieviwva 7ti\xTiu . . öovg avru) tcov ts ezaigcov 
iTtTtagxLav /,al tovg QexxaXovg iTtJitag a,tX. Später, als nach 
des Philotas Verrat der König den Posten eines Obersten der 
Beiterei nicht wieder besetzt, sondern an seiner Stelle zwei 
iTtTcdgxai ernennt, den "^HcpaiGTimv und den KXelzog (Anab. III 
27, 4), tritt die Ile als Formation hinter der IrtTzagxia zurück. 

Unter den von Arrian genannten Hipparchen ist nur ein 
einziger, der uns lediglich aus dieser Stellung 9«) bekannt ist: 
KaXXlvrjg^ »yiad^ r^XrMav xe yial utTcagxiav z-rjg ltvtvov vijg 
fTaigiÄfjg ovyi dcpavr^g«, beklagt sich als Wortführer der Make- 



96) Von den übrigen Hipparchen befehligten die einen früher eine 
Ile (so Arj/LirjTQiog 6 'AX^aifxevovg Hipparch IV 27, 5; V 12, 2; 16, 3; 21, 5; 
VI 8, 2. KXeTrog 6 AgcoTiidov Hipparch III 27, 4), die anderen eine rd^ig 
der TcsCiraiQot (so Kgarsgog o 'AXs^dvdgov Hipparch V 11, 3; vielleicht 
auch KXsXxog Hipparch V 22, 6; VI 6, 4 und Uegdixuag Hipparch V 12, 2^ 
22, 6; VI 6, 4); zu den a<x>fiaxoq)vXaxsg gehörte 'Hcpaioxicov ixiXiagxog im 
xfi iTiTicp xfj ExaiQixfj VII, 14, 10). Dass auch der Taxiarch KoTvog 6 IloXs- 
fioHQaxovg vorübergehend einmal Hipparch war (Anab. V 16, 3), ist un- 
wahrscheinlich, da gleich darauf wieder von seiner xä^ig die Kede ist 
(V, 21, 1). 



— 187 — 

donen bei Alexander über die Bevorzugung der Perser (Anab. 
VII 11, 6). Der Name ist Kurzform zu KaXll-viAog. 

e. Die Führer der Pezetaeren. 

Das makedonische Fussvolk der uelhaigoi, von Archelaos so 
genannt (s. oben S. 115), zerfiel in zd^eig. Ob dieser von Arrian 
gebrauchte Ausdruck für „Regiment" echtmakedonisch war, wissen 
wir nicht (HDeoysen Heerwesen 11), haben aber keinen aus- 
reichenden Grund, es zu bezweifeln. Gleich den Hetären-Ilen 
wurden die zd^eig nach Kantonen ausgehoben. Ihre Zahl betrug 
ursprünglich sechs, wie aus der Schlachtordnung bei Gaugamela 
(Anab. III, 11, 9) hervorgeht. Wenn am Granikos (I, 14, 2) 
sieben, bei Issos (II, 8, 3) nur fünf genannt werden, so beruht 
das auf einem Versehen: die rd^Lg des Krateros ist dort irrtüm- 
lich zweimal aufgeführt, hier dagegen ganz vergessen worden. 

Von den Führern dieser alten sechs Tcc^ecg in den drei 
ersten grossen Schlachten sind uns fünf schon unter dem ober- 
makedonischen Adel und den Somatophylakes begegnet ^ 7). Zu 
ihnen kommen: 

Kolvog 6 rLolei.iOAQ<xxovg (V, 27,1), vgl. Diodor XVII 
57 iq EkifÄLCüTig yialovi-ievrj acgand, ^g Kolvog Tjyelxo. Sein 
Sohn war der von Kassandros in Potidäa als Kleruch angesiedelte 
üegöU/Mg Dittenberger Syll. I^ 1782. Über den Namen ÄoZ- 
vog vgl. oben S. 123 ff. 

Meleayqog 6 NeoTtuolefiov (I 24, 1; 29, 4). 

0ilL7t7tog (I 14, 3)98). 



97) Der Tymphaeer Polyperchon, Sohn des Simmias, der die xd^ig 
des bei Issos gefallenen <7cO|aaro99vAa^ Ptolemaios, des Sohnes des Seleukos, 
übernimmt (vgl. Anab. II 10, 7; 12, 2); der Tymphaeer Amyntas, Sohn 
des Andromenes (s. oben S. 156), in der Schlacht bei Gaugamela von 
seinem Bruder Simmias vertreten; endlich die beiden Oresten Krateros, 
der Sohn des Alexandros, und Perdikkas, der Sohn des Orontes, der spä- 
tere ocofiaTO(pv?,a^ (s. oben S. 153 155). 

98) Seine Taxis wird nur in der Schlacht am Granikos genannt. 
Da nun die Namen der übrigen fünf Taxiarchen, die in dieser Schlacht 
befehligen, bei Issos und Gaugamela wiederkehren, so kann des Philippos 
Toi^ig nur diejenige gewesen sein, die bei Issos von Ptolemaios, dem Sohne 
des Seleukos, geführt wurde. Dazu stimmt es auch, dass dieser Ptole- 
maios, als er im Herbst 334 auf Winterurlaub nach Makedonien abreist, 
ausdrücklich als ocof^ato<pvXa^ ohne Kommando von den „Strategen" 
Krateros und Meleagros unterschieden wird, vgl. Anab. I, 24, 1. 



188 



Späterhin wurde die Zahl der zd^etg vermehrt. Da ausser- 
dem mehrere der alten Ta^eig ihre Befehlshaber wechselten, so 
treten nach 329 folgende neue Namen unter den Taxiarchen auf: 

'Alyikxag (IV 22, 1; 27, 1; V 11, 3). 

UvTiyevrig (VI, 17, 3)99). 

"Axraloq (IV 22, 1; 24, 1; 24, 10 VI 17, 3). Sein Vater 
wird nicht genannt, war aber wohl der Tymphaeer Andromenes, 
s. oben S. 157. 

Bdla/LQog (IN 2^, 10). Zu dem Namen s. oben S. 176. 

roqylag (IV 16, 1; 22, 7; V, 12, 1). 

KXeUog (IV 22, 7; V 12, 2). 

neid-iov [r] TlEid^covog Tcc^ig xcov Tte^evalgcov 7.alovfievcDv 
VI 6, 1; 7, 2). 

(DiliTtTtog (IV, 24, 10). 

(DLlc6T(xg (III 29, 7; IV 24, 10). 

d. Die Führer der Hypaspisten. 

Beweglicher und leichter bewaffnet als die in rd^eig geglie- 
derte ffctlay^ war eine zweite aus Makedonen {tcov haiQcov I, 
14, 2) bestehende Fusstruppe, die den Namen vTtaoTtiaTal 
führte. Sie focht in den drei ersten grossen Schlachten unter 
dem Befehle eines Sohnes des Parmenion, des Ni7.dva)Qf der 
aber schon 331/30 an einer Krankheit starb (Anab. III, 25, 4). 

Die Hypaspisten zerfielen in mehrere yjhaQxiai. Bei Ar- 



n 



Philippos wird also bald nach der Schlacht am Granikos gestorben 
sein. 

99) Die zd^ig des Antigenes war die angesehenste des ganzen Heeres, 
sie bestand aus den dQyvQdamöeg (Arrian Succ. 35 Diodor XVIII 59, 3 u. ö. 
Plutarch Eum. 13). Das waren die Veteranen des Heeres, vgl. Plutarch 
Eum. 16 xal ydg rjoav ot nQsoßvxaroi tc5v ttsqI ^iXititiov xal 'AXs^avdgov, 
SoTzeg dd'Xrjxai noXs[xcov drjTxrjxoi xal äiixcöxeg sig ixsTvo ^qovov, tcoXXoI jusv 
eßdoiiYjxovxa hrj ysyovoxsg , vscoxsQog 8s ovdslg s^rjxovxasxovg. Von Arrian 
wird die Taxis der Argyraspiden nur einmal (VII, 11, 3) erwähnt, und 
dazu stimmt die Angabe von Curtius VIII 5, 4 und Justin XII 7, 5, dass 
sie von Alexander erst während des indischen Feldzuges gebildet wurde: 
die bei Gaugamela von Nikanor befehligten vnaomoxai sind irrtümlich 
von Diodor XVII 57, 2 und Curtius IV, 13, 27 zu aQyvQ&omdsg gemacht 
worden. Über die Waffengattung der Argyraspiden bemerkt Arrian nichts: 
dass er Anab. VII, 11, 3 dem Zusammenhange nach nur Hypaspisten ge- 
meint haben könne (HDeoysen Heerw. 42) , will mir eine allzu sichere 
Behauptung erscheinen. 



— 189 — 

rian wird eine xiXiaoy^ia zum ersten Male erwähnt, als Ptole- 
maios Lagu im Frühjahr 329 von Alexander zur Ergreifung des 
Bessos in Eilmärschen vorausgeschickt wurde (Anab. III, 29, 7). 
Dass aber die Teilung in Chiliarchieen von jeher bei den Hyp- 
aspisten bestand i^o)^ folgt aus Anab. I, 22, 4. Hier wirft sich 
bei der Belagerung von Halikarnass den aus dem Westtore Aus- 
fallenden entgegen »nTolefialog 6 acof-iaiocfvla^ 6 ßaaihvidg tttv 
xe ^Adöatov Kai Ti/navdQOv af^a oi za^iv aywv Kai eoviv ovg 
Tcov ipilcov«. In diesen Worten hat Schmieder eine Korrupte! 
erkannt und verbessert: zwei Kommandanten einer rd^ig sind 
unerhört, zu lesen ist also 'Addaiov zov Ti(,idvÖQOv. Dass Arrian 
hier keine rd^ig der TtethaigoL gemeint hat, geht aus der Ver- 
lustliste hervor; mit der er wenige Sätze später (I, 22, 7) die 
Schilderung des zurückgeschlagenen Ausfalles schliesst : dntd^avov 
. . . ÜToleiialog %e 6 Oü)iiaT0cpvla^ Aal Kleagxog 6 To'^dgx^g y^al 
^Aööalog xiliaQxog ovxog. Dieser ""Aööaiog kann selbstredend 
nur mit dem Führer der td^ig identisch seinioi)^ also hat er 
nicht eine xd^ig der 7i€^eTaiQ0i, bei denen es keine Chiliarchen 
gab und unter deren Taxiarchen ein Addaios weder vorher noch 



100) Curtius V '2, 1 ff. lässt den Alexander erst auf dem Marsche von 
Babylon nach Susa (Ende 331) die Chiliarchie an Stelle der »quingenaria 
cohors« einführen und Chiliarchen ernennen. Aber die ganze Erzählung 
ist anekdotenhaft. Alexander habe, so heisst es, durch ein Collegium 
von Preisrichtern die acht tapfersten Makedonen feststellen lassen und 
diese zu Chiliarchen erhoben. Unter ihnen ist nur ein einziger, von dem 
Curtius auch sonst spricht: der Veteran Atharrias, der vor Halikarnass 
sich auszeichnet. Die übrigen tragen zwar gut makedonische Namen, 
sind aber nur zum Teil bekannte Grössen: Antigenes (vielleicht der 
gleichnamige Taxiarch?), Philotas Augaeus, Amyntas, Antigonus, Lynce- 
stes Amyntas (s. oben S. 165), Theodotus, Hellanicus (vgl. unten S. 195). 
Acht Chiliarchen der Hypaspisten sind ganz unmöglich: denn das aus 
den gesamten vnaaTttarai , den to^otai, den 'AyQiävsg und den äxoviioxal 
bestehende Fussheer, mit dem Alexander 326 den Hydaspes überschreitet, 
ist nach Arrian V, 14, 1 gegen 6000 Mann stark! Die höchste Zahl 
von y^üaaQxiai, die Arrian nennt, ist vier (IV 30, 6 V 23, 7). Offenbar hat 
also Curtius irgend eine ehrenvolle Auszeichnung von acht makedonischen 
Soldaten mit einer Ernennung neuer Chiliarchen zusammengeworfen. 
Vielleicht wurde bei der grossen Neuordnung des Heeres, die in Susa im 
Jahre 331 begann, die ursprünglich bei den Hypaspisten übliche Gliede- 
rung in Tausendschaften auch auf andere Truppenkörper übertragen. 

101) Wie HDboysen Heerwesen 16 Anm. auch nur einen leisen 
Zweifel daran äussern kann, ist mir unbegreiflich. 



— 190 — 

nachher genannt wird, sondern eine zaBig der viraöTtiorai be- 
fehligt (vgl. JGDeoysen Hellen. I 215 Hermes XII 248). Der 
Ausdruck iiXioLqxia mochte vielleicht zu Anfang des Feldzuges 
noch nicht fest im Gebrauche sein. 

Arrian ist der einzige, der uns den bei den Makedonen sehr 
beliebten und vereinzelt auch in Griechenland vorkommenden 
Namen Aöcilo(i^^^) irrtümhch mit dö überliefert: die sichersten 

102) Der erste dieses Namens, den wir kennen, ist ein Feldherr des 
Königs Philipp, 6 'AlBxxQva>v smxalovfxsvog Theopomp bei Athenaeiis XII 
532 6, nach Niese Hermes XXXV 69 nicht identisch mit demjenigen 
'AöaTos, von dem der renommierende Soldat in der Komödie y>Avr6v nevd^cöv^ 
des Damoxenos in der thrakischen Stadt KvxpsXa einen grossen Becher 
als Geschenk erhalten haben will (Athenaeus XI 469 a Comic. Fragm. 
III 348 Kock). Es heissen ferner 'Adaiog ein Abgesandter des Königs 
Persans an Genthius {BsgoiaTog Polybius XXVIII 8), ein makedonischer 
Dynast ums Jahr 200, bekannt nur durch Münzen mit der Legende 
'Aöacov (Antike Münzen Berl. Mus. II 90), ein Präfekt von Bubastos (Po- 
lybius XV 27, 6), ein jtQsoßsvrtjg x&v ßovksvrcov in einer Inschrift der 
makedonischen Stadt Lete aus dem .lahre 118 v. Chr. (Sohn eines AdaTog, 
DiTTENBERGER Syll. I"^ no. 318 5o) , ein Epigrammatiker der Anthologia 
Palatina. Von den unter seinem Namen {'Aöacov Maxeöovog VI 228, sonst 
ohne Ethnikon) überlieferten 10 Epigrammen führen nach Stadtmüller 
I 348 in dem grundlegenden Texte A sechs die Überschrift 'Aöacov und 
nur eines 'Aööaiov. Der aus Demetrias gebürtige Magnet 'AöaTog, ein 
Priester des Zeus 'Axgacog (Insch. aus Demetrias Athen. Mitteil. XIV 51, 
Mitte des IL Jahrh.) hatte einen "Aöv/uog zum Vater. Diesen Namen, den 
noch ein zweiter Magnete derselben Inschrift führt (Z. 29), kennen wir 
auch als makedonisch: denn in einem Papyrus, der sich mit Abgaben 
beschäftigt (P. Petr. II 129 no. 39 eis), wird ein'Aövfiog MaHsö[c6v] mit 
der Eandbemerkung ovx saxcv ogcpavög , dXXa vcog Aaccpävxov aufgeführt, 
und 'Aöcfxog zählt zu den alten makedonischen Hetären-Namen der In- 
schrift CIA. I 42 b 15. 'Aöatog heisst ferner der Vater eines xapiiag Evörj- 
fAog in einer jungen Inschrift bei Heuzey le mont Olympe 472 no. llai? 
(aus Douklista, ^^ Meilen von Selos, am Olymp). Aber auch fern von 
der makedonischen Grenze kommt der Name auf griechischem Boden vor: 
'AöaTog heissen ein Kunstschriftsteller aus Mytilene, den Athenaeus zwei- 
mal (XI 471 f XIII 606 a) zitiert, ein svyvog xäg jtgo^svcag in einem Proxe- 
niedekrete der phokischen Stadt Elatea für einen Oetaeer 'AXs^mv (Ins er. 
Gr. IX 1, no. 1028, Mitte des III. Jahrb.), endlich der Vater eines Baac- 
Xsiörjg aus dem attischen Demos UaXXijvr] (CIA. no. 2430). 

Vielleicht war auch Zwöacog ein makedonischer Name : 'AXs^avögog 
Svvöacov 'Ogoavvsvg (Pisidien, Dittenberger Syll. Or. I 866, 209—205 
V. Chr.). Der Vollname dazu wird üvvöäfiog gewesen sein. Belegen kann 
ich ihn augenblicklich nicht: doch sind AfxcpiörjfAog, 'Avxcör}(.iog, TlQoöafiog 
verwandte Bildungen. 



— 191 — 

Bürgen für einfaches d sind die Inschriften. Seltsame Deutungen 
hat man für l4dalog aufgestellt: Fick KZ. 216 brachte den 
Namen mit der Hesych-Glosse aöala- elg 'aoqov ayovva naga 
To adriv und Kretschmer Einleit. 338 gar mit dem karischen 
Frauennamen ^'^öa zusammen. Nachdem wir oben S. 136 in 

i ItäQQidcuoi;, Kleodalog Kurzformen zu l^ggldäiiiog, Kle6däf.iog ge- 
funden haben, brauchen wir nur denselben Weg weiter zu ver- 
folgen, um auch ^^öalog zu verstehen : es ist die regelrechte Kurz- 

: form zu dem homerischen Heldennamen ^A-öaf.iag M 140 N 560 
759 771. 

Ausser ^Adalog w^erden von Arrian als xtXiaQyoi tcov vTtao- 
ftiOTiüv angeführt Neagxog, der schwerlich mit dem Satrapen 
identisch war, und l4vTloxog^^^) (Anab. lY, 30, 5). Eine klei- 
nere Abteilung der Hypaspisten führt bei einem besonderen An- 
lasse ^' Ad fj,t]Tog (Anab. II, 23, 2). 

Die Elite der Hypaspisten bildete das ayrifxa, eine besondere 
Kompagnie, vgl. t6 ayrj(.ia tcov v7cao7tiOTCüv y,at enl tovtci) ol 
aXloi v7cao7tLOTai III, 11, 9 (ebenso VII, 7, 1; II, 8, 3). An 
einer Stelle (I, 8, 4) wird dieses ayi^fxa neben den „königlichen" 

; Hypaspisten genannt, und an einer zweiten (V, 13, 4) finden wir 
die Dreiteilung: ol vriaoTtLOTal oi ßaaikvAo'i^ wv iqyeiüo ^eXev- 
zog, TO ayr^fÄa to ßaoiliyiov, oi aXXoi vTtaoTCiöcai. Nach 
JGDroysen Hellen. I 2, S. 132 Hermes XII 249 und HDroy- 
SEN Heerw. Alex. 17 sollen unter den „königlichen" Hypaspisten 
die Pagen, o\ rcaideg o\ ßaoLXiyiol, zu verstehen sein. Zu dem 
Namen ^eXevxog vgl. oben S. 174. 

e. Andere Offiziere, Tpierarehen, Verwaltungsbeamte. 

L^y dd-iov 6 TvQL/^fÄa, Führer der odrysischen Reiter Anab. 
III 12, 4. Obwohl die Odrysen zu den thrakischen Stämmen 
zählten (vgl. Tomaschek Thraker I 80 ff.), scheint dieser Aga- 
then lo 4) ein Makedone gewesen zu sein: denn der Name seines 
Vaters ist der makedonischen Heldensage, nach der Tyrimmas 



103) Zu den schon erwähnten Makedonen dieses Namens (s. oben 
S. 153 174 183) kommen noch hinzu der Vater eines "Afxvvxag, og scpvysv 
BK Maxsdoviag Anab. I 17, 9; II 6, 3; ein ägxcov rcov ro^oxcbv Anab. II 9, 2; 
III, 5, 6. 

104) Ein Agathon wird Kommandant der Burg in Babylon, Curtius 
V 1, 43. 



— 192 - 

ein Sohn des Koinos und Enkel des Karanos war, entnommen, 
vgl. oben S. 127 und 128. 

^^ßvvTag, zur makedonischen Besatzung Thebens gehörend, 
getötet, Arrian Anab. I 7, 1. 

'^jiivvtag b ^^ggaßatovy Reiteroberst, s. oben S. 165. 

l^i^ivwag 6 Niyto^dov, Satrap von Baktrien Arrian 
Anab. IV 17, 3; 22, 3. 

Den auch von den Griechen io5) gegebenen Namen ^^(.Kpoze- 
Qog (Bruder des Taxiarchen Krateros Anab. I 25, 9, Admiral, 
besetzt mit 60 Schiffen Kos Anab. III, 2, 6 und segelt von dort 
zum Peloponnese Anab. III, 6, 3) soll nach Fick-Bechtel GP.'* 
296 ein Kind, das beim Monatswechsel geboren wurde und also 
„seiner Geburtszeit nach zu beiden Monaten gehörte", erhalten 
haben. Andere Deutungen liegen aber näher. Auf die einfachste 
führen uns die Verse, die Helena zum Priamos spricht: oviög y 
^Azgetörjg evgv xgeicov ^^ya^eiivojv^ ä(xq)6TeQ0v ßaaiXeug x dya&ög 
yiQaTCQog t alxi-irjTTJg F 178. Darnach konnte derjenige, der 
zwei verschiedenartige oder entgegengesetzte Eigenschaften in sich 
vereinigte oder dem man ihren Besitz wünschte, ein ^^/LKforegög 
genannt werden. Das älteste auch von Helena zusammengestellte 
Paar edler Eigenschaften war „klug im Bat" und „tapfer bei der 
Tat" : w TtdzeQ, titol oelo f.dya -^Xeog cilev ayiovov ^«Z^ac; z ai^- 
l^irjzTJv ef-ievat %ai e7ti(pQova ßovlrjv jt 241. Vielleicht lagen aber 
dem ''AiA.cpozeqog bisweilen auch nüchternere Vorstellungen zu 
Grunde. Stammte z. B. der Vater aus einer makedonischen, die 
Mutter aus einer griechischen Familie, so war das Kind »dfucpo- 
ZSQOV, Ma^edcüv ze /.al "ED.tjv« ^^^). 

"^vÖQoyiXog ist der Vater eines Archelaos yyzaiv ezalgcov«, 
den Alexander mit einer Besatzung ev zfj äyiga zrjg ^^oqvov 



105) 'AfirporsQÖg heisst einer der 11 Troer, die Patroklos summarisch 
umbringt 77 415, und ein Sohn des 'AXxfxaitov Paus. YIII, 24, 9. Im 
böotischen Dialekte wurden zu 'Jl/zqpozsgog (Af^q^orsgog Arfkiog Dittenberger 
Syll. IP no. 58851. 126. i5i, 'Poöiog no. 6578) und A[x(poxsQa wie zu Vollnamen 
die Koseformen 'A[xcp6{xxEi\ , 'A/xqpözng , l4fi,(p6xt(o (Inscr. Gr. VII 2858 1 
3155 768 4248) gebildet. 

106) Auf die Namen zweier Brüder, des 'ExaxsQÖg und Afi<poxs- 
Qog, von denen jener »8juq?Qcov xai nqaxxixog« , dieser dagegen »sv^'&rjg 
xai dßüxsQog« war, soll König Philipp das Wortspiel gemacht haben: 
xov [xhv 'ExaxsQov afxcpoxsQov slvai, xov de 'AfxcpoxsQov ovdhsgov (Plutarch 
Mor. 178 A). 



— 193 — 

zurücklässt Aman Anab. III 29, 1. Der Name Archelaos lässt 
wohl auf einen Makedon en schliessen. 

"'^vÖQoviyiog, Sohn des'!AyeQQog, übernimmt das Kom- 
mando über griechische Söldner, die von Dareios zu Alexander 
übergingen, Anab. III 23, 9; 24, 5. Der Name seines Vaters 
(s. oben S. 138) verbürgt seine makedonische Abkunft. Andro- 
nikos hiess auch der Vater eines HgcüTaag (s. unten S. 200). 

Der sicherste Beweis für die vornehme Geburt des ^AvtL- 
yovog (xovocf^al^og , dessen Vater (DiliTtTiog (Anab. I, 29, 3) 
nicht weiter bekannt ist, besteht darin, dass Alexander ihn gleich 
im Anfange des Krieges des Kommandos über die GVfxfiaxoi ent- 
hob und zum Satrapen Phrygiens ernannte (vgl. Arrian a. a. 0.). 
Die von ihm begründete Familie der Antigoniden, in der der 
Name Antigonos noch durch zwei Könige mit den Beinamen 
rovazag (Ethnikon zu Fowoi) und Jwgcov vertreten ist, scheint 
sich als den Argeaden verwandt betrachtet zu haben (Polybius 
V 10, 10) 1^'). 

^AvTiTtaT Qog, der bekannte Reichsverweser, Sohn eines 
lolaos. Der Name war bei den Griechen ebenso beliebt wie bei 
den Makedonen (z. B. Vater des Trierarchen Leonnatos aus Aigai 
Arrian Ind. 18, 6; Mitvei'schworener des Hermolaos Anab. IV 
13, 4 s. oben S. 179). 

l^QLf^iiiag, Satrap Syriens (Anab. III, 6, 8). Der Name 
ist Kurzform zu '^Qt-f-iaxog, vgl. rhod. ^AQS-f.ia%OQ (Fick-Bechtel 
GP.2 67), wie KeQdiii{.iag zu Keqöi-^iEvr^g s. unten S. 197. 

^Agxelaog 6 QeodcoQOv, bleibt als Stratege in Susa 
(Anab. III 16, 9 Curtius V 2, 16). 

^Aqxiag o ^^va^idoTOv, tcov iv aXvi] cov Ma'/,eö6va)v, 
Trierarch, Arrian Ind. 18, 3; 27, 8, ohne Vaternamen und Ab- 
stammung auch Anab. VII 20, 7 genannt. 

"Agxtüv 6 Klei via aus Pella, Trierarch, Arrian Ind. 18,3 
Diodor XVIII 3. 

^'AoavÖQog hiessen zwei Makedonen: der eine ist ein Sohn 
des Philotas und Bruder des Parmenion, besiegt als Satrap von 
Lydien (Anab. I 17, 7) den persischen Satrapen Kariens Oronto- 
bates (Anab. II 5, 7) und führt griechische Söldner zum Heere 
(Anab. IV 7, 2 Curtius VII 10, 12); den anderen, einen Sohn 



107) Ein 'Avtiyovog 'AaxXamddao Maxeöwv ist jiQÖ^svog von Ta- 
nagra, Inscr. Gr. VII uo. 50G4 (AP^, III. .Tahrh.). 

Hoffmann, Makedouon. J3 



— 194 — 

des Agathon, kennen wir aus einer attischen Inschrift des Jahres 
314/13 (CIA. II 234), die ihn wegen seiner Unterstützung Athens 
belobigt: ^'^oavÖQOv '^yd&wvog MaxeöSva e/taiveaai, oti 
eotIv avrjQ cyad-og löiq te Tteql ^^d-rivaiovg roug acprAvovfxivovg 
elg TTjv y^ixqav T-qv kavrov yial yiOLvet Tcegl rov dijf,iov tbv ^d^r^- 
valcov. Welcher von den beiden der in den Diadochenkämpfen 
hervortretende karische Satrap Asandros ist, lässt sich mit Be- 
stimmtheit nicht sagen ^^^). Der Stamm L4a- geht auf ßaoL- (zu 
faö- „gefallen") zurück, vgl. griech. ßda-avdgog aus Orchomenos 
Samml. GDI. no. 47638, ßaai-da^og aus Phalanna no. 3712, 
Faoiag aus Lebadeia no. 418? u. a. m. 

^^oyiXri7ti6öo)Qog 6 Evvlyiov befehligt gegen 500 thra- 
kische Reiter (Anab. III 5, 1), Satrap Syriens (Anab. III 6, 8 
IV 7, 2 Curtius VII 10, 12). Ein echter Makedone: denn seip 
Sohn ^AvTiTvazQog zählte zu den Pagen Alexanders, s. oben 
S. 179. Zu dem rj statt ä vgl. S. 170. 

l^G'/.lriTCLÖöajQog 6 TiixctvÖQOv^ Trierarch, aus Pella. 
Arrian Ind. 18, 3. Ein dritter Asklepiodoros, Sohn des Philon. 
bleibt als oberster Finanzbeamter in Babylon (Anab. III 16, 4). 

Ein in Baktrien von massagetischen Reitern überfallen er 
Phrurarch, dessen Namen Arrian Anab. IV 16, 5 verschweigt, 
heisst bei Curtius VIII 1, 3 ^Atrivag. Die Richtigkeit dieser 
Namensform hat der in Pergamon gefundene Vertrag zwischen 
Eumenes I und seinen in Philetaireia und Attaleia meuternden 
Truppen bestätigt (Dittenberger Syll. Or. I no. 266, zwischen 
263 und 241 v. Chr.): denn einer der vier Führer des Aufstan- 
des ^^ 9) und zwar ein iTtTtdQxrjg war '^TTivag (Z. 22). Man 



108) Ist — wie zuerst Boeckh vermutet hat — der von Diodor 
XIX, 75, 2 als Bruder des karischen Satrapen erwähnte Agathen mit 
dem Vater des Asandros der attischen Inschrift identisch , so rauss der 
Sohn des Philotas der Satrap und der Sohn des Agathon sein Neffe ge- 
wesen sein. Dieser herrschenden Auffassung entgegen hält Dittenberger 
zu Syll. Inscr. I'^ no. 166 den Asandros der attischen Inschrift für den 
Satrapen, dessen Vater und Bruder dann also den gleichen Namen Aga- 
thon geführt hätten. 

109) Über die Nationalität der drei übrigen, die mit dem Attinas 
den Vertrag beschwören müssen, lässt sich nichts Sicheres aussagen: 
UaQ&fJLOvog itai ot -^ysfxovsg xal ol vcp avtovg aTQariootai . . . xat IIoXv- 
Xaog xai ot v(p avxöv tjysixovsg xal argarimrai, . . . xal 'OXmi'xog xal ol 
vqp avrov TQaXsTg. Die Trailer sind thrakisch-illyrische Reiter, s. die 

Note DiTTENBERGERS. 



— 195 — 

vergleiche thess. "^ATtvlag, ^Axxvla Sammlung GDI. no. 332, 340. 
Kurzformen zu ^'A-xaqßoq^ ^A-TeLoiöag u.a. ? 

Bgiatov , . . ol Ma7.€d6v€g To^orai, cov Bglacov riqxev Arrian 
Anab. III 12, 2. Der Stamm ist ßQtd-^^% Aor. ßqla' „Wucht 
haben, mit Wucht bedrängen" (im Kampfe), vgl. M 346 dde yccQ 
eßQioav AvMcov ayoi, P 233 ol ö^ i^vg Javacov ßgioavteg eßri- 
aav. Zu diesem Aoriste ßgioai wird BqIgcov direkt und ohne 
Vermittelung eines Vollnamens nach dem Muster der Kurznamen 
Avoiov (AvGL-, Ivoat), TeiocDv {TeiGi-, Tetöai) u. s. w. gebildet 
sein. Zu irgend welcher Änderung des Namens, z. B. in BQiqGiov 
(vgl. aeol. BQYiGt-y2^g, BQrJGogy böot. BgeiGcc^ag) oder in Bqvgiov 
(FiCK KZ. 226), liegt kein ausreichender Grund vor. 

'^Exazalog >:>twv cpilcov« wurde von Alexander im Jahre 
336 mit Truppen nach Kleinasien geschickt, um dort den Attalos 
^u beseitigen (Diodor XVII 2, 5; 5, 2). Später tritt er als 
Tyrann von Kardia auf (Diodor XVIII 14, 4 Plutarch Eume- 
nes 3). Verschieden von ihm ist der bei Curtius VII 1, 38 er- 
wähnte vornehme Makedone Hekataios, s. S. 205 unter Pogyaeag, 

'Elldvi/iog und Oilcuzag befehhgen vor Halikarnass die 
mit dem Schutze der Belagerungswerke betrauten Truppen, Anab. 
I 21, 511^). Als Makedonen-Name interessant. 

^E7t6xLllog 6 UolvBLÖovg wird von Alexander beauf- 
tragt, mit einer Reiterabteilung die in die Heimat zurückkehren- 
den bundesgenössischen Truppen bis ans Meer zu geleiten (Anab. 
III 19, 6). Im Frühjahr 327 reist er mit zwei anderen Offizieren 
nach Makedonien, um ein Ersatzheer von dort herbeizuführen 
(IV, 18, 3). Weiter hören wir nichts von ihm. Den Namen 
^EnoMllog möchte man am liebsten als zweistämmigen Vollnamen 
fassen 112) Freilich ist der Anklang an ox^'^Aw, sTt-oxilho wohl 
ebenso zufäUig wie an die Namen Killog {Mdyvr]g d/vo Maidv- 
dgov DiTTENBERGER Syll. 11^ 9293), Killag Wagenlenker des Pe- 
lops Paus. V, 10, 7, KllXrig Uzolefialov Gigairiyog Ma/.e6ojv 
Diodor XIX 93, 1 Plut. Demetr. 6 u. a.: denn das sind ein- 
stämmige Personennamen, denen der Adjektivstamm /.iXlog „grau" 
(vom Haare) zugrunde liegt. Der Vater des Epokillos müsste 
nach Arrian IloXvelörjg geheissen haben. Nun lassen sich zwar 



HO) Vgl. BQi-^-ayoQag, Bgi^aTog, Bqi^m Fick-Bechtel Personenn/^ 82. 

111) Denselben Hellanikos wird Curtius V, 2, 5 meinen. 

112) Kurznamen auf -tlkog sind Ev<pQ-iV.og, Miy-iXXog, Z6(p-tXkog. 

13* 



— 196 — 

Namen wie Eveidrig und XaQielSrjg gut verstehen. Aber IToXv- 
€törig ist als Benennung eines Kindes sinnlos, und kann auch 
nicht als eine ohne Rücksicht auf die Bedeutung geschlossene 
Verbindung zweier Namenworte aufgefasst werden: denn dieser 
wäre das lebendige Adjektiv TzoXveiöi^g entgegengetreten. Das 
Richtige herzustellen ist nicht schwierig. Arrian hatte Ilolvldov 
geschrieben, den Genetiv zu dem von Homer an (E 148 N 663 
666) belegten Namen Ilolviöog. An Stelle des i wurde zu- 
nächst ungenau ei gesetzt — wie auch bei Pausanias I 43, 5 in 
allen Handschriften Ilolveiöog stehi — und aus TloXveidov machte 
dann der nächste Abschreiber, durch u verleitet, noXveiöovg. 
Auch die Ihashandschrift S zeigt genau den gleichen Fehler: ihr 
Uolveidrjg N 666 ist erst nach Tlolveidov gebildet. 

ZioTcvQicüv war unter Alexander makedonischer Befehls- 
haber in Thrakien und am Pontus; er kam bei einem Feldzuge 
gegen die Skythen oder Geten , wahrscheinlich im Jahre 326/25 
um (Justin XII 2, 16; II 3, 4 XXXVII 3, 2 Curtius X, 1, 43). 
Vgl. ZiOTtvQuov 6 Mooxiiovog Mav^eöiov Papyr. Petr. I 75 no. 27, 
24 und 36. 

'HgdAOJVj mit Kllavdqog und -5tr«A/.i^g als Stratege in 
Medien zurückgelassen, Anab. VI 27, 3 Curtius X 1, 1. Zwei- 
stämmige Kurzform zu ^HgaKleizog (Fick-Bechtel GP.^ 136). 

Als EUmiot ist uns bereits Kdlag 6 ^^qttclIov (Dat. Kala,. 
Akk. KdXav) entgegengetreten. Er befehhgte, bevor ihn Alex- 
ander zum Sati'apen Phrygiens ernannte (Anab. I 17, 1; II 4, 2)^ 
die thessalische Reiterei. Mit einfachem X steht sein Name auch 
bei Curtius III 1, 24 IV 5, 13, während Diodor XVII 7, 10; 
17, 4 ihn Kdllag schreibt ^^^^^ Verschieden von ihm, aber viel- 
leicht identisch mit dem Strategen Kdllag (Akk. Kdllav), den 
Kassander im Jahre 317 gegen Polyperchon schickt (Diodor 
XIX 35 36), ist derjenige Kdlag, den Alexander an Stelle des 
Balakros zum Führer der bundesgenössischen Ttetol macht (Arrian 
Anab. III 5, 6): das überlieferte Kdlavov^^^) (/iazeGTi^aev r^ye- 

av 

ji/oVa) ist hier zweifellos aus Kdlov verderbt. Kdlag {Kdllag) 



113) Bei Polyaen V 44, 5 ist der Name in XdX>cog verderbt, vgl. 
Droysen Hellen. I 1, 183. 

114) Kälavog ist der Name des bekannten indischen Sophisten (Anab. 
VII 2, 4flP. Diodor XVII, 107, Iff.). 



197 — 



ist Kurzform zu einem der Vollnamen mit Kalo- oder -'/.alog 
(Fick-Bechtel GP.2 158 ff.). 

Kccgavog, iTtTtaQxrjg, s. oben S. 123. 

KeQdlf-ifÄag (Gen. -f^f^ä), Vater des zum Satrapen Syriens 
ernannten Menon, Anab. II 13, 7. Kurzform zu KeQÖi-fAevrigy 
KeQdL-(.itlrig, KegSi-^TJörig, vgl. Fick-Bechtel GP.^ 160. 

KlsavÖQog heissen zwei Truppenführer. Der erste, ein 
Sohn des Polemokrates (Anab. I 24, 2 II 20, 5) und Bruder des 
Taxiarchen Koinos, wirbt und befehligt Söldnertruppen (Anab. I 
24, 2 II 20, 5 III 12, 2 Curtius III 1, 1 IV 3, 11); als Unter- 
feldherr des Parmenion bringt er diesen auf Befehl Alexanders 
um (Anab. III 26, 3 Curtius VII 2, 20). Der zweite fällt schon 
in Pisidien als »OTgair^yog t(Zv to^otwv^ (Anab. I 28, 8). Der 
Ilarch JlavTOQÖavog hat einen Kleandros zum Vater (s. oben S. 183). 

Kliaqxog 6 To^dqyj^g wird Anab. I 22, 7 zusammen mit 
Ptolemaios und Adaios unter den vor Halikamass gefallenen 
^Ma-^/Lsdoveg ol/. iqfxe'Kiqf.dvoL« erwähnt. Ein anderer wird zum 
Führer der ^Ivot ernannt Anab. III 6, 8. 

Koiqavog BeQOiaiog, in Phoenikien mit der ovlloyri xvJv 
<p6qiov beauftragt Anab. III 6, 4; ein Anführer der ^viifxaxoi 
l-rtTtEig Anab. III 12, 4. 

Av'/.ayoqag oder Av'/,dyoQog, Vater des UavrjyoQog 
»TCüv haiQwvi, den Alexander mit der Besetzung der Stadt 
Priapos beauftragt, Arrian Anab. I 12, 7. Vollname zu maked. 
Av'/MLog s. oben S. 143. 

Ma'ACcQtaTog . . . ovQazrjyovg de tjj öTqaxia v^ailoirioev 
nevyteouav tb tov Ma/iagTccrov y.al BaXaKgov tov *Af4vvT0v Anab. 
III 5, 5. Als Vater eines IJevAeoTag sicher ein Makedone. 

Als Alexander in Zariaspa überwintert (Anab. IV 7, 2), 
kehren zu ihm diejenigen Offiziere zurück, die er in Ekbatana 
damit beauftragt hatte, die griechischen Söldner an die Küste zu 
führen (III 19, 5): 'EnoyiMogj MElaf.ivldag und IlTokefialüg. 
Die beiden letzten erwähnt auch Curtius VII 10, 11: »isdem 
fere diebus Ptolemaeus et Melamnidas peäitutn III milia et 
equites mille adduxerunt mercede müitaturos«. Der Name IMe- 
Xafiviöag hat also ohne Zweifel in der von Arrian und Curtius 
gemeinsam benutzten Quelle gestanden. Die von Vogel im 
Index seiner Curtius- Ausgabe angedeutete Vermutung, dass Me- 
lamnidas aus Menidas verderbt sei, findet in der Anabasis IV 
18, 3 (2iij7cohv de ymI ^E7t6y,illov Y,al Meviöav ig MaKsdoviav 



- 198 — 

\%niii7tu Ti)v OTQaviav zr^v cz Ma^edovlag avT(fj ava^oviag) nur 
eine schwache Stütze: denn wenn hier mit dem Begleiter des 
Epokillos wirkhch dieselbe Person wie Anab. IV 7, 2 und nicht 
etwa der sonst bekannte Reiteroberst Menidas gemeint ist, so 
liegt es doch auf der Hand, dass der Irrtum nur an der zweiten 
Arrianstelle in einer Vertauschung des ungewöhnlichen Namens 
Melamnidas mit dem geläufigen Menidas bestanden haben kann. 
Freilich khngt nun MeXaiAviöag als Name sehr verdächtig: die 
Auflösung in Msl-afivog „schwarzes Lamm" (Fick-Bechtel GR* 
55) setzt erstens einen nicht erwiesenen Lautwandel von Melav- 
a/j-vog in MeX-a^vog und zweitens ein bis jetzt unbelegtes Namen- 
wort d^vog voraus. Vielleicht dürfen wir deshalb der Quelle 
Arrians ein ganz unbedeutendes Versehen zuschreiben, indem wir 
Melavvidag in den Text setzen: das ist die regelrechte Kurz- 
form zu einem der Vollnamen mit Melav-, sie hat ihre Parallelen 
in Melavlcov, ion. MsXavT^g und besonders in boeot. MeXdvvet 
Samml. GDI. no. 4946 mit dem verdoppelten v. EntschUessen 
wir uns nicht zu dieser Änderung, so wird MeX- als MeXe- oder 
MeXi- (MeXedriinog, MeXr/.Xijg) gefasst und -af.ivog zu den vor- 
läufig unbekannten Namenworten gerechnet werden müssen. 

Msj^ivcov c y,a&eaTaiu€vog avQaTrjyög rrjg QQ(^y,r]g . . . dvi- 
oeioe Toig ßaqßaqovg dTCoaidir^g yev6f.ievog xov ^Xb^ovöqov 
Diodor XVII 62, 5 (331 v. Chr.). Sechs Jahre später führt der- 
selbe Memnon dem Alexander ein bedeutendes Ersatzheer aus 
Thrakien zu (Curtius IX 3, 21). 

Bei Arbela werden von den »STticpavsTg ijye/itöveg« Hephai- 
stion, Koinos und Mevidag verwundet (Anab. III 15, 2 Diodor 
XVII 61, 3 Curtius IV 16, 32). Dieser führt in der Schlacht die 
Söldnerreiterei (Anab. III 12, 3; 13, 3 Curtius IV 15, 12); später 
treffen wir ihn als Strategen in Medien (Anab. III 26, 3) und 
als Eeiterobersten in Babylon (VII 73, 1). In dem Namen seines 
Vaters "^HyiqoavdQog (Anab. III 5, 1) ist das erste r} vulgär- 
griechischer Ersatz für das richtige ä. 

Mevwv heissen zwei Satrapen: 6 KeQÖLf.ii.i(x in Koelesyrien 
(Anab. II 13, 7 Curtius IV 8, 11), ein anderer in Arachosien 
(Anab. III 28, 1 Curtius VII 3, 5 IX 10, 20). Einen Truppen- 
führer Menon, den Alexander nach armenischen Bergwerken 
schickt, erwähnt Strabo XI 529. 

MvXXeag 6 ZtotXov Begoialog, Trierarch nach Arrian 
Ind. 18, 6, vielleicht der Vater des ""AXl^avöqog MvXX[iov Ma- 



199 — 



A^dwv] VA BEQOiag CIA. IV, 2, no. 2966 (Ende des IV. .lahrh.). 
Bei Curtius VIII 11, 5 wird Mullinus, »leviter armatis dux 
datns, scriba regis«, nicht aus Mulleas (Koehler), sondern aus 
MulHnas verderbt sein. Zu vergleichen sind thess. [Mv]llivag 
BiQoovveiog, BIqqovv MvDuvawg Samml. GDI. no. 326 Iio, ^v- 
Tovoog Mvllsiog ebenda no. 326 IIu, thas. Mvllog Samml. 
GDI. no. 5474 di3, krot. MvlUag u. a. Zu fnvXla „Lippen" 
nach Bechtel Einstämm. Pers. 30. 

Der Trierarch 'Oq)€XXag 6 ^eLlrjvov Ilellalog (Arrian 
Ind. 18, 3) wird identisch sein mit dem Truppenführer, den 
Ptolemaios gegen Kjrene schickt und zum Verwalter der eroberten 
Stadt macht. Dieser heisst bei Arrian Succ. 17 'OcpiXlag {avrjQ 
MaY.8dc6v), ebenso bei Diodor XVIII 21, 7—9 XX 40, 1 bis 
43, 5; 70, 3 Theophrast Hist. plant. lY 3, 2 Justin XXII 7, 4 
(Afellas überl.); auch bei Plutarch Demetr. 14 ist ^OcpeXxag aus 
^Ocpellag verderbt. Dagegen steht ^OcpeXag mit einem X nur 
auf dem Marmor Parium B 11 23 und bei Polyaen V, 3, 41^^). 
Es ist deshalb unrichtig, mit Niese I 216 die Form ^Ocpelag als 
die „korrekte" zu bezeichnen. Dass sie auf dem Marmor P. 
steht, beweist nichts: denn die literarischen Quellen, die der 
Chronist benutzte, sind doch nicht etwa besser gewesen als die 
des Arrian und Diodor. 'Ocpellag ist Kurzform zu ^Ocpel-avdqog. 

Mit avyji „Stolz" zusammengesetzt ist TlavT-avxog. Die 
Träger dieses Namens gehörten ziemlich sicher dem makedoni- 
schen Adel an: o Nivioldov '^XwQiTTjg, Trieraixh, Arrian Ind. 
18, 6; ndvTavxog avögeia vial x^^Q^ '^-^^^ Q^'^l^^J] GWfiavog aqiotog 
LUV Of.io'koyovfxeviog rcov jceqI z/tjilitJtqiov OTgarr^ycov, von König 
Pyrrhos in Ätolien besiegt und verwundet, Plutarch Pyrrh. 7 
Demetr. 41; lldvTavxog Bald'/,Qov eig tlov 7Cqc6tcüv q)LXiov^ von 
Perseus wiederholt zu diplomatischen Sendungen benutzt, Poly- 
bius XXVII 8, 5if. XXIX 3, 3 ff. Vgl. eine Freilassungs- 
urkunde aus Larisa (BCH. XIII 396, a): ^wTTJgixog OillecDg 
aTceXevd^EQtod'elg artb AyaGr/iQccTovg tov [n]avTavxov^^^), 

115) Ihnen würde sich als dritter Gewährsmann Ps.-Aristoteles Gek. 
1353a anschliessen, wenn der von ihm erwähnte Olynthier 'OqpsXag mit 
dem Pelläer identisch wäre. Niese I 216 hält das für wahrscheinlich 
und macht den Mann infolge dessen aus einem „geborenen" zu einem 
„naturalisierten" Makedonen. Doch weist der Name SsiXrjvog, den der 
Vater des Ophelias führt, auf die von Herodot VIII 138 erwähnte make- 
donische Lokalsage. 

116) Den bei Polybius XXIX 4, 6 überlieferten Namen Bdkavxog 



- 200 — 

IIolifAcov heissen mehrere Truppenführer: Sohn eines M^- 
yay.l'^g aus Pella, y^q)QOVQaQxog tcov etaigcüv« in Pelusion. An^b. 
in 5, 3 Curtius lY 8, 4; Sohn eines Qr]QafX€vrig, Nauarci in 
Ägypten, Anab. III 5, 5 ; Sohn des Andromenes und Bruda' des 
Amyntas, Attalos und Simmias Anab. III 27, 1 (s. oben S. 157). 

üolvddfxag, »elg twv ezalgcov« (Anab. III, 26, 3), »occep- 
tissimus Parmenioni, proximus lateri in acie stare solitus« (Cur- 
tius VII 2, 11, vgl. TV 15, 6), überbringt den medischen Satrapen 
schriftlich den Befehl Alexanders, den Parmenion zu töten. 
Nach Justin XII 12, 8 mit anderen y>amici« des Königs im 
Jahre 324 als Veteran in die Heimat entlassen. 

Jlgcozeag 6 l^vÖQOvr/,ov bringt auf Befehl Antipaters 
eine Kriegsflotte von Euboia und dem Peloponnese zusammen 
(Anab. II 2, 4 ff.) und fährt auf einer Pentekontere von Make- 
donien zum Alexander (Anab. II 20, 2). Ein Altersgenosse und 
Jugendgespiele Alexanders war TlgcoTeag ^aviy,7jg viog TJtig eye- 
yovsL TQOcpög ^^le^dvögov tov ßaatleiog Athenaeus IV 129a 
Aehan Var. Hist. XII 26 (erwähnt auch von Plutarch Alex. 39 
Mor. 760 C), und einen gleichnamigen Enkel dieses Proteas 
führt Hippolochos bei der Hochzeit des Karanos als grossen 
Trinker ein (Athenaeus a. a. 0.). Die Bildung auf -iag ist echt- 
makedonisch. 

UgcoTOf^axog führt am Granikos »twi^ l7Z7cewv Tovg tcqo- 
dQOjuovg« (Anab. II 9, 2). Ob das makedonische Eeiterei war, 
wissen wir nicht; die einzige Stelle, die man dafür anführen 
kann (vgl. JGDrotsen Hermes XII 239), ist Anab. II 8, 9: 
Ttagrjyaye xovg 'irtiteag rovg re Itaiqovg YMlovfAevovg /mI rovg 
Qeooalovg yial rovg MazsSövag. 

2ißvQTiog, der Satrap der Karmania und später der Ara- 
chosia und Gadrosia (Anab. V 6, 2 VI 27, 1 Diodor XVIII 3 
Curtius IX 10, 20 Polyaen IV 6, 15 u. ö.), trägt einen auch 
aus Griechenland bekannten Namen: KleiGS^evYjg 6 ^ißvQziov 
Aristophanes Acharn. 118, [2iß]vortog Prytan der Akamantis 
im Jahre 429/28 CIA. IV, 1, 2 p. 65, ^LßvgTLadtjg ygauf-iareig 
im Jahre 410/09 CIA. IV 1, 1, p. 15 fi"., ^Lßvgriov TtaXalarga 
Plutarch Alkib. 3; dazu dor. Iißigrag Theokr. V 5, 72, 74, 2i- 
ßvgzag o Tlevgaiov aus Epirus Polybius XXI 26, 7. Seinem 



o üavtavxov hat Dindorf richtig in BdlaxQog geändert: der Enkel ist 
nach dem Grossvater (Polybius XXVII 8, 5) benannt worden. 



— 201 — 

Ursprünge nach ist der Name allerdings schwerlich echt- 
griechisch. 

^TaGccvwo, elg tojv etalgiov, von Alexander zum aaTgccTTrig 
Tcov ^Aqeicov an Stelle des abtrünnigen Arsames ernannt, Anab. 
III 29, 5; IV 7, 1; 18, 1. 

^cDKgarrig 6 Otlcjta, Statthalter von Syrien, Curtius IV 5, 9. 

TavQwv, To^aQXiqg (Anab. V 14, 1), befehHgt 1500 Söldner 
und Agrianen (Curtius V 3, 6), erhält von Alexander den Befehl, 
zusammen mit Seleukos (Leonnatos) und Antigenes die Phalanx 
der TCsM zu führen (Anab. V 16, 3 Curtius VIII 14, 15). Er 
ist also wohl ein vornehmer Makedone gewesen. Die von xavQog 
abgeleiteten Namen sind bei den Griechen alt und verbreitet. 

TkiqTtolsjLiog Uvd-ocpavovg tcov ezmQwv (Anab. III 22, 1), 
6 May.ed(jüv (Diodor XIX 14, 6), zum Satrapen von Karmanien 
ernannt (Anab. VI 27, 1 Ind. 36, 8 Succ. 35 Diodor XVIII 3,3; 
39, 6 XIX 14, 6; 48, 1). 

(DiXiTtTtog 6 ^A^vvxov kommandiert am Granikos eine 
von Arrian Anab. I 14, 2 nicht näher bezeichnete Abteilung des 
rechten Flügels. 

0ilL7C7tog 6 Mevelaov^^^) befehligt am Granikos die 
bundesgenössischen Reiter (Anab. I 14, 3), bei Arbela die th essa- 
iischen Reiter (Anab. III 11, 10), vgl. auch Anab. III 25, 4. 

Als wertvolles Resultat dieses Abschnittes ergibt sich, dass 
auch von den makedonischen Truppenführern Alexanders kein 
einziger einen Namen trägt, der auf barbarischen Ui'sprung 
schliessen Hesse. Wenn auch ein Teil der Namen in der grie- 
chischen Heldensage wiederkehrt und bei dem einen oder anderen 
— wie z. B. bei ^AXd^aifxivrig^^^), Neo/cTolefAog^^^) — eine An- 



117) Einen Makedonen MsveXaog d.u& der Umgebung Alexanders er- 
wähnen Aelian Var. Hist. IX 3 Athenaeus XII 539 d. Der Name war 
besonders im Königshause beliebt, s. oben S. 138. 

118) Da die Argeaden ihr Geschlecht auf den Herakliden Temenos 
zurückführten, so kann nicht nur mit dem Patronymikum ^HQaxXsidtjg, 
sondern auch mit 'Akdai(A,evr]g eine Anspielung auf die argivische Sage 
beabsichtigt sein. Denn 'Al^aifxevrjg war ein alter König von Argos, 
Sohn des Kissos und Enkel des Temenos, bekannt durch die Kolonie, 
die er nach Kreta gesendet haben soll (Strabo X 479 481). Auch die 
Griechen, die 'Ald'aifievrjg hiessen, sollen nach Fick-Bechtel GP.'-^ 52 ihren 
Paten aus der griechischen Sage empfangen haben; doch macht das die 
thasische Nebenform * 4.X^-fAevrjg Samml. GDI. no. 5471 bs zweifelhaft. 



— 202 — 

spielung auf griechische Helden wirklich beabsichtigt sein mag, 
so treten diese doch an Zahl hinter den übrigen weit zurück. 



8. Andere vornehme Makedonen des V. und 
IV. Jahrhunderts. 

Im folgenden stelle ich bemerkensw^erte makedonische Namen, 
die — mit wenigen Ausnahmen — bisher noch nicht erwähnt 
oder besprochen wurden und deren Träger sicher oder doch 
wahrscheinlich aus vornehmem Geschlechte stammten, zusammen. 

'^'^yvwv, vornehmer Makedone (eralgog) aus der Umgebung 
Alexanders (Athenaeus XII 539 c nach Phylarchos und Agath- 
archides). 

^Yovf.ivog ^O^vjiiivsogj MaKSÖcop, jcqo^evog, von Oropos, 
also jedenfalls aus vornehmer makedonischer FamiHe (Inscr. Gr. 
VII 4256, Ende des IV. Jahrb.). Ein sonst unbekannter grie- 
chischer Heerführer namens ^lovf.iv6g wird nebst acht anderen 
Helden von Hektor ^ 303 erschlagen. 

"AXe^agxog, Sohn des Antipatros (Strabo VII 331 Frgm. 
35) und Bruder des Königs Kassandros (Herakleides Lembos bei 
Athenaeus III 98 e). 

IAIkcivwq l4Q/ieoLldov May,eöojVj Proxenos von Oropos, 
Ende des IV. Jahrb. (Inscr. Gr. VII no. 425^79). 

^Af^LvvTug 6 ^Awioyiov^ vornehmer Makedone, der zu 
Dareios überläuft und nach der Schlacht bei Issos umkommt 



119) In dem Namen NsonxoXsfiog wurde zur Zeit Alexanders deutlich 
eine Anspielung auf den Sohn des Achill empfunden. Als Sohn der 
Olympias, der Tochter des Epeirotenkönigs Neoptolemos, fühlte sich 
Alexander selbst als Aiakiden : -^voai de avxov {^AXe^avdQov) xal JJgid/Liq) 
im xov ßcojuov rov Aiog rov 'Eqxscov Xöyog xars^si fifjviv ÜQidfxov Jtagai- 
Tovfxevov TM NsojiToksfiov yevEi , o ötj ig avxov xa&ijxsv Anab. I 11, 8; 
Kallisthenes nennt ihn deshalb zugleich einen Herakliden und Aiakiden, 
Anab. IV, 11, 6. Wie das Beispiel des Königs wirkte, zeigt sich darin, 
dass auch der Hetäre NeojixöXs/uog, der beim Sturm auf Tyros zuerst die 
Mauer erklimmt (Anab. II 27, 6), später dgxivjiaomox^g (Plutarch Eum. 1, 
durch die Hand des Eumenes fallend Diodor XVIII 29—31), von Arrian 
a. a. 0. als einer -»xcöv ixatgcov xov Aiaxidcöv ysvovg« eingeführt wird. 
Zum ersten Male begegnet NsojixoXsfxog als makedonischer Name in dem 
Perdikkas-Vertrage (oben S. 143). 



203 



(Anab. I 17, 9; 25, 3 Diodor XVII 48); er war Ttgo^evog der 
Stadt Oropos (Inscr. Gr. no. 5338, zwischen 366—338). 

^AvTiTtaTQidrig, vornehmer Makedone in Alexanders Um- 
gebung {tcov haiQcov, Plutarch Mor. 180 F 760 C). Auf Streitig- 
keiten zwischen einem Antipatrides, der Kommandant von Tel- 
messos war, und dem Admiral Nearchos bezieht sich die Anekdote 
bei Polyaen V 35. 

^VT LTiaTQog 2cüoiog, Mazedcov, 7tQo^evog von Oropos 
am Ende des IV. Jahrh. (Inscr. Gr. VII no. 4256). 2ojGi-g 
Kurzform zu VoHnamen mit 2o)ai-. 

Der Vatername des ^^7toll(üvog)dv7^g ^vaavlov Ma^e- 
^cüv €A yliqTijg, nQo^evog von Magnesia (Inschr. v. Magn. ed. 
Kekn 2 11, Ende des IV. Jahrb.), ist entweder aus Ilavoaviov 
oder aus ^voaviov verschrieben. 

An jedem der Makedonen, die zur nächsten Umgebung 
Alexanders gehörten, fand dieser nach Aelian Var. Hist. XII 16 
irgend eine misshebige Eigenschaft: so an den ooj/Äazocpvla/isg 
Perdikkas, Lysimachos, Seleukos, Ptolemaios, Peithon, ferner an 
Antipatros, Antigonos und einem ^^QQiag: 'Aqqlov dt Idediei 
zö ataATov heisst es. Der Name an sich bietet keinen Grund, 
die Richtigkeit der Überlieferung anzuzweifeln: denn ""^QQiag aus 
^AgoL-ag würde regelrechte Kurzform zu einem Vollnamen mit 
^Aqol- sein. Verdächtig ist aber der Anklang an einen anderen 
makedonischen Namen, der uns in drei verschiedenen Formen 
überliefert wird. Als Alexander im Jahre 324 in Susa die 
Schulden des Heeres bezahlte, versuchte Antigenes sich wider- 
rechthch zu bereichern : der König entdeckte den Betrug, verzieh 
aber dem Schuldigen, da dieser unter König Philipp beim Sturme 
auf Perinth sich hervorgethan und ein Auge eingebüsst hatte 
(Plutarch Alex. 70). Bei Ps.-Plutarch Mor. 339 wird dieselbe 
Geschichte nicht von Antigenes, sondern von Taggiag^ dem 
Sohne eines Jeivo/xtvtjg erzählt. Wie Deoysen Hellen. I^ 2, 
246 gesehen hat, ist dieser Tarrias sehr wahrscheinlich identisch 
mit einem Veteranen Atharrias, den Curtius wiederholt erwähnt 
(V 2, 5 VI 8, 19-22 VII 1, 5 VIII 1, 36) und dessen Ruhm 
sich an die Erstürmung von Halikarnass knüpft. Die dritte Form 
steht bei Diodor XIX 36, 2: im Jahre 316 schickte Kassandros 
seinen Strategen ^Araggiag dem Epeirotenkönige Aiakides ent- 
gegen, um ihm die Pässe zu sperren. Da je zwei Quellen gegen- 
über der dritten für den Anlaut L^- und für -r- eintreten, so ist 



— 204 - 



1 



die Form ^^raggiag gegenüber den beiden anderen im Vorteil 
und gewinnt noch dadurch, dass sie sich als griechischer Name 
gut deuten lässt ^^o). X)er Stamm des Yerbum Tgeat „zittern" 
war TQEO- (vgl. ccTQea-Tog), die schwache Form dazu musste rgaa- 
oder raQG' lauten, vgl. /.gh-og, zgeaocov neben /.gai-egog und 
yidgt-a, 7,agT-sg6g, kret. xagr-coVy Tgscp-co neben xagcp-vg u. s. w. 
In Bildung und Bedeutung entspricht also ein Adjektiv a-xagor^g 
^johne Zittern, ohne Furcht", das nach dem bekannten makedoni- 
schen Lautgesetze zu aiaggtjg wurde, genau dem homerischen 
cc'Tagßr^g. Der Name ^^-ragglag, gleichbedeutend mit ^'^-deiGvog, 
^'A-Tagßogy"A-TgEOTogy"A-cpoßog u. a. (Fick-Bechtel GP.^ 38), kann 
aus ^A-xaggrig ebenso erweitert sein wie "^A-cpsllazog Samml. GDI. 
no. 429? aus '^-cpe^g CIA. III 1245 Is, 'A-öcpaXUov CIA. II 
40360 aus "A-ocpälrig CIA. II 2651, "A-Tagßuov CIA. II 868 
IIIio aus "U'xagßog CIA. II 1286, 'E^ci-xaglvog CIA. II 256bB 
aus ^ETTi-xccgrig u. a m. ^^i). Solche erweiternden Suffixe treten 
besonders an diejenigen Vollnamen, deren erstes Glied kein 
selbständiger Wortstamm, sondern eine Partikel oder Präposition 
ist und die deshalb am ehesten als einstämmige Kurznamen 
empfunden werden konnten. 

^Agyjfiolig, Mitverschworener des Philotas nach Curtius 
VI 7, 15. 

^AgxioTgaxog Nr/iiovog Ma/,edi6vj ol/Mog cov tov ßaoi- 
Miog J[7jf.irjvglov] . . sy KlauofAevaig ovgavtjyog, zum Ehrenbürger 
von Ephesos ernannt bald nach 302 01 (Dittenberger Syll. Or. 
I no. 9i), sonst nicht weiter bekannt. 

^Agxiag^ Sohn des Antipatros, und sein Bruder lollas ge- 
leiten ihre Schwester Nikaia zum Perdikkas, Arrian Succ. 21. 

^AcpoßrjTog, Mitverschworener des Dimnos und Philotas 
nach Curtius VI 7, 15. Zur Bedeutung vgl. Ji/Mg atpoßTjzog 
„nicht fürchtend" Soph. CT. 885. 

Ȁd eos Sci/thas, qui Europam incolunt, Berdam quendam 
misit (Alexander) ex amicü, qui denvntiaret hisetc.« Curtius VII 



120) Übrigens würde auch des Curtius Form 'Ad^aQQiag, bei der 
man natürlich nicht an ä-^aQarjg oder dd-dgr). äd^rjg denken darf, nach 
den Glossen Hesychs dd'ag^g • ... im ös aiS^gov orsQsög, ad^siQrjg • rjxoi 
drsiQ^g, dd'€gi]g' 6 aiörjQog dzsigrjg wohl zu verstehen sein. 

121) Die thessalischen Namen auf -nUag gehören nach Fick-Bechtel 
■GP.^ 29 nicht hierher. Über Erweiterung von Vollnamen durch „demi- 
nutivische" Suffixe vgl. jetzt Solmsen Ehein. Mus. LX 636 ff. 



— 205 — 

6, 12. Derselbe Mann wird noch einmal YIII, 1, 7 genannt. 
Ist das anläutende B- richtig überliefertj so steht Ber- für Bere-, 
wie in der neben BsQevUa überlieferten kürzeren Form BeQviyiay 
und BsQ'dag bildet die Kurzform zn BeQ^-dafiog, griech. Oege- 
da/iioQ. Der Anklang von Berdas an den elimiotischen Fürsten- 
namen Derdas (s. oben S. 159) lässt allerdings Zweifel an der 
: Richtigkeit des B- aufkommen. 

AVer BliTCüQ^^^) als eine speziell makedonische aus Meli- 
icoQ, MUtcoq (zu f-isli oder fiele-) entstandene Form ansieht 
(FiCK KZ. 225), kann sich dafür auf den Namen der Favoritin 
des Ptolemaios Philadelphos, der schönen Hetäre BelLGTix^] 
(Pausan. V, 8, 11) oder, wie sie auch genannt wird, Beleozlxri 
(Plutarch Mor. 753 E), BlXiotix^ (Athenaeus XIII 576 f 596 e), 
BXiGzixtS (Clemens Alex. Protr. 48) berufen. Diese Dame stammte 
allerdings nicht aus einem vornehmen makedonischen Geschlechte, 
wenn Makedonien überhaupt ihre Heimat war. Denn dem Zeug^ 
nisse des Pausanias, der erzählt, dass BeltGvixiq »Ik MaAedoviag 
ilig Inl d^aldoorj yvvrj« in der 128. Olympiade einen Sieg mit 
dem Zweigespann errungen habe, tritt Plutarch entgegen: im 
Eifer gegen den mit ihr getriebenen Kult nennt er sie »ßdgßaQov 
e^ ayoQag yvvaiov«. Wenn es im Gegensatz dazu bei Athenaeus 
596 e lieisst: »BiliOTLxrj ö' tj 'Aqyeia tzalga vmI aixii ^^^o^og x6 
yivog ano xmv ^^tqeiöCov oioCovoaj wg oi Ta ^^qyoXvm ygaipaweg 
lOTOQOvoLv«, so ist das unverkennbar ein vom Ptolemaeer-Hofe 
zur Legitimation der Dame zurecht gemachter Stammbaum. 
Mag aber auch die Belistiche nicht aus Makedonien gebürtig 
sein, in ihrem Namen kann darum doch die makedonische Aus- 
sprache des gemeingriechischen Frauennamens MeXioiix^ (Aristo- 
phanes Ekkles. 46) ausgeprägt sein. Aus MeXi- wäre über Mh- 
zunächst Bh- geworden, und zwischen ß und l hätte sich dann 
nach makedonischer Art ein nach e oder l zu neigender Vokal- 
klang entwickelt. 

Der des Verrates angeklagte Amyntas weist in seiner Ver- 
teidigungsrede (Curtius VII 1, 38) darauf hin, dass er den rog- 
yd Tag samt zwei anderen vornehmen makedonischen Jünglingen, 
dem Pogylag und dem 'JEza^aTog, die sich dem Kriegsdienste 
zu entziehen gewusst hätten, dem Heere zugeführt habe. 



122) BXitoga MsooTioxafÄiag rjyovfisvov Tiagilvae CAvtiyovog) rf/g olqxV?^ 
^ Oll üiksvxov (jLsd^fjxsv amövta Appian Syr. 53. 



— 206 — 

J af,iaai7C7tog und ^eqoTtog waren '^yefj.oveg im Feldzuge 
Philipps gegen Theben {338 v. Chr.) nach Polyaen IV 2, 3. Ein 
^af.iaGi7t7Cog o Ma^Aeöwr, og -/Mvaacpcc^ag ev reo 0axf;> Tovg avv- 
eÖQOvg £(pvye, wurde von Ptolemaios Physkon in seine Umgebung 
aufgenommen, Polybius XXXI 26, 2 u. 8. 

Jendf-iVLXog . . . yial r% ^Aqxeldov 6* ETtid^iaecog Jey,df.iVL- 
Xog Tjysf.icov eyevevo, Ttago^vvcov xovg eTtii)ef.dvovg Ttgcozog' clItlov 
de ZYig OQyrjg otl avrov t§eöwy.e {.laaziywoai EvQiTtiör] rct) ttoi- 
7iT^' 6 ö^ EvQLTtiörig IiolMtcclivev UTtovTOg Ti avTov elg dvGwöiav 
Tov aiof-iatog Aristoteles Politica H (E) 10, 1311 bso. Eine 
kühne Deutung des Namens versucht Fick GP.^ 298: öezd- 
ixvixog soll aus öey,a-firjvixog verkürzt sein und das „Zehnmonat- 
kind" im Gegensatze zu dem schwächlichen Siebenmonatkinde 
bezeichnen. Wollen wir überhaupt im ersten Gliede öe/M „zehn" 
suchen, so ist es den Lauten nach jedenfalls einfacher öe7,d'f.ivovg 
„zehn Minen schwer" {tjXol dey.d(,ivooi Moschion bei Athenaeus Y 
207b) heranzuziehen: da die Mine als Handelsgewicht etwa 600 
Gramm wog, so würde Je/.df.ivLxog der Scherzname für ein be- 
sonders kräftiges Kind gewesen sein (vgl. z. B. Namen wie ^Tti- 
^ajLialog „eine Spanne lang", Udvar^og „Däumling"). Ist aber 
nicht vielleicht dieser Sinn erst durch Volks witz in einen Namen, der 
ursprünghch etwas ganz anderes bedeutete, hineingelegt worden? 
Gleich den von Fick-Bechtel GP.^ 19 zusammengestellten Na- 
men boeot. ^^L-f.ivc6 und n6lv-f.ivLg, megar. "Egi-juvog , chiisch 
QeC'f-ivLg u. a. kann Je'/.d'(xvLXog die zweistämmige Kurzform zu 
einem Vollnamen auf -f.iväOTog, -(.ivriovog sein (^^ei-f-irrjovog, 
nolv-f.ivaöTogj Qec-fAvr^OTog sind belegt). Dann ist z/«/«- volks- 
etymologische Umbildung oder makedonische Aussprache von 
Jt'/,ä-, vgl. ör/.'Tj-fpoQog und den thasischen Vollnamen Jr/,r^-KQd- 
TTig Samml. GDI. no. 5476 a 9. 

Die Verschwörung des Philotas kam ans TagesHcht durch 
einen Makedon en, dessen Name in jeder der drei Quellen ver- 
schieden lautet: Dymnus bei Curtius VI 7 — 11, Jl f,ivo g hei 
Diodor XVII 79, ^l^vog bei Plutarch Alex. 99. Von diesen 
drei iFormen scheidet Dymnus von vornherein aus, die beiden 
anderen aber treten in ernsthafte Konkurrenz, ^ifxvog stellt sich 
zu thess. yU(,dv-aQ%og, ^E?.-Xi(,iavLog und besonders zu dem oben 
S. 147 besprochenen makedonischen Namen ^luvalog; Jif,ivog 
dagegen ist eine tadellose zweistämmige Kurzform zu dem 
Namen /iL-(.ivaoTog, der sich zu dem bekannten Jic-f-ivrioiog 



— 207 — 

ebenso verhält wie Ji-cpilog, Ji-cpavrig zu JiS-cfilog, Jio- 
q^aviqg. 

J lo^evogy Mitverschworener des Philotas nach Curtius 
VI 7, 15. 

JoYuuog, von Perdikkas im Jahre 321 nach Babylon ge- 
sendet, um hier den Satrapen Archon zu ersetzen (ArrianFragm. 
Eeitzenstein ßresl. Phil. Abh. I 3, 24), spielte als Truppen- 
führer in den folgenden 20 Jahren wiederholt eine Rolle, zuerst 
unter Eumenes, dann unter Antigonos, bis er schhesslich im 
Jahre 302 zu Lysimachos übertrat (Diodor XX, 107, 4). Er 
gründete die Stadt Dokimeia in Phrygien. 

'^'Et.tcoq »Parmenionis filiiis, in paucis Älexandro carus« 
iCurtius IV 8, 7 VI 9, 27. 

OeQGtTtTtog überbringt als Gesandter einen Brief Alexan- 
lers an Dareios, Arrian Anab. II 14, 4 Curtius IV 1, 14. Sehr 
[wahrscheinlich ein vornehmer Makedone. 

Zu den Offizieren des Dareios in der Schlacht bei Issos ge- 

»hören vier Überläufer aus dem Heere Alexanders: L4i.ivvTag 6 

\Avvl6%ov Aal Qvf.icüvdag 6 MevroQog /mI ^^QiOT0(,irjdrjg o Oe- 

)alog %al BidvioQ 6 ^A/Mqvav Anab. II 13, 2. Da die beiden 

'letzten durch die beigefügten Ethnika ausdrücklich als Griechen 

gekennzeichnet sind, so werden die beiden ersten, die nur der 

Vatername näher bestimmt, Makedonen gewesen sein. Dafür 

sprechen auch die echtmakedonischen Namen ^A^ivvxag und 

""AvTioyßg. Bei Curtius heisst der zweite Thymodes (III 3, 1; 

8, 1; 9, 2), und dieser Form gibt Niese II 771 den Vorzug, 

weil in einem der delischen Tempelinventare ein Q>vi.iwidyig als 

Stifter einer [.läyaiqa \n7ti%ri aufgezählt wird (BCH. XIV 410). 

Doch bleibt es nur eine Vermutung, dass das ein Makedone, 

vielleicht gar der von Arrian und Curtius genannte war. 

Von drei Makedonen namens 'loXaog wissen wir nichts 
Näheres: der eine vertrat vorübergehend den König Perdikkas 
als »ccQxtüv« (Thuk. I 62, 2), der zweite war der Vater des Anti- 
patros (nach Suidas s. v. '"AvTiTzaTQog) und der dritte ein acofxaTO' 
cpvXa^ ums Jahr 300 (CIA. II 2676). Der vierte, ein Sohn des 
Antipatros und Mundschenk Alexanders, erlangte dadurch eine 
traurige Berühmtheit, dass die politischen Gegner seines Vaters 
das Gerücht aussprengten, er habe in Gemeinschaft mit seinen 
Brüdern den König vergiftet. Man nannte ihn nicht 



- 208 — 

7o;.aoc;i23)^ sondern "löllag (Arrian Anab. VII 27,2 Succ. 
21 Diodor XIX 11, 8 Curtius X 10, 14; 10, 17 Justin XII 14). 
Dass diese Form wegen des verdoppelten l eine echte Kurzform 
sei (Fick-Bechtel GP.^ 129: ^lo-kla-g), glaube ich nicht. Wie 
wir oben S. 138 ^A^iiXäg neben ^AqitXaog fanden, so wird auch 
^Lolaog zunächst zu ^loläq kontrahiert sein, und auf diese Form 
ging dann erst das -11- aus den häutigen Kurznamen auf -XXog 
(Fick-Bechtel GP.^ 185 1F.) über, vgl. Aeowazog oben S. 170. 

Kdlig, ein Mitverschworener des Philotas, Curtius VI 11,36. 

Der erste uns bekannte Träger des Namens KäGoavdqog'^^^) 
war, wenn JGDroysen Hellen. III, 1, 266 das Schohon zu Theo- 
krit XVII 61 richtig interpretiert hat, ein Sohn des lolaos und 
Bruder des Antipatros, der berühmteste aber der Sohn des Anti- 
patros, König der Makedonen von 306 — 297 v. Chr. Nach dem 
Zeugnisse der Inschriften schrieb er sich mit ao, vgl. z. B. ßaai- 
levg May,eö6vwv Kccöoavdqog öidwoL ätI. Dittenberger Syll. I^ 
no. 1782, ol aTcooTaXevzeg jcqov tov ßcLOÜJa Kdoaavdgov no. 
188u (ebenso no. 1849 213i3, Syll. Or. I no. 09. 13. 27, Marmor Ba- 
rium B 13 17 30 31), und an dieser Form des Namens halten 
die Steine auch in der späteren Zeit im allgemeinen fest, z. B. 
KdaoavÖQog Nlvmqxw May,e6tov iog ^Edeaoag, Ttgo^evog von Ha- 
liartos Inscr. Gr. VII 24484 (AMP^), rivTicov Kaaudvögov CIA. 
III no. 1098 11 (CQ). Ebenso heisst in den Inschriften die vom 
Könige gegründete Stadt Kaoocadgeia (z. B. Marmor Parium 
B 17) und ihr Bewohner KaGoavögeug, vgl. z. B. Dittenberger 
Syll. 2 no. 69220 (284 v. Chr.) und no. 1965 (286—281 v. Chr.), 
aus Delphi Samml. Gr. Dial.-Inschr. no. 256332 (272 v. Chr.), 
256548.55 (270 V. Chr.), 2581 ist (186 v. Chr.), aus Kephallenia 
^TQaTOvlyia KaooavÖQig Inscr. Gr. IX 1 no. 626 (nach Broend- 
sted). Die Handschriften schwanken zwischen oa und a^^^), 



123) 'löXaog steht nur bei Plutarch Alex. 74, 'loXag bei Plutarch 
Alex. 77 und Ps.-Plutarch Mor. 849 F. 

124) Nach Diodor XVII 17, 4 standen zu Beginn des Feldzuges bei 
der Musterung des Heeres die »0Qaxeg 7iq68qo(xoi xai Tlaioveg ivaxooioi« 
unter einem Obersten KdaoavÖQog. Da die Quelle Diodors an dieser Stelle 
unklar und ungenau gewesen ist, so nimmt Droysen Hermes XII 232 
auch in Bezug auf Kassandros einen Irrtum an. 

125) So steht Kdooavdgog bei Pausanias, Polyaen, Curtius; Kdoavdgog 
bei Arrian Anab. VII, 27, 1, Plutarch (zweimal -00- in P) und fünfmal 
bei Athenaeus {-00- nur III 98 d). Es ist vielleicht kein Zufall, dass in 



— 209 — 

woraus man wohl den Schluss ziehen darf, dass die ursprüngliche 
Form KccGoavÖQog später nur der offiziellen Schriftsprache ange- 
hörte, während im täglichen Verkehr KdoavÖQog gesprochen wurde. 
Schon oben S. 120 wurde die (auch von Fick GP^ 160 geäusserte) 
Vermutung, dass Kdöoavdqog erst nach dem mythischen Frauen- \ 
namen Kaoadvöga gebildet sei, als unbegründet zurückgewiesen. 
KaooL- verhält sich zum Stamme /mö- „sich auszeichnen, hervor- 
ragen" (dor. '/.ivMÖixai j homer. yJyiaGfÄai) wie Faat-, ^Agl- in 
Fdo-avÖQog, FaGt~daf.wg zu ßaöelv, ßdGf,i€vog und Oqugi' zu 
(pQad-, (pQccCio, 

KeßaXlvog, der Bruder eines Nikomachos, verrät die von 
Philotas und Dimnos angezettelte Verschwörung dem Könige. 
Der Name KeßaUvog Diodor XVII 79 Curtius VI 7, 16 ff. (bei 
Plutarch Alex. 49 in BaXlvog verderbt) trägt schon äusserlich 
makedonisches Gepräge: ihm entspricht im Griechischen epir.- 
thess. Kecpallvog Samml. GDI. no. 329 B 13394 (die übrigen 
zahlreichen griechischen Namen von -Äecpalo- bei Bechtel Einst. 
Pers. 20ff.). 

Zu den Anhängern des Eumenes, die mit ihm von Antigonos 
im Jahre 316 getötet wurden, zählte ein Ksßa log Diodor XIX 
44, 1. Den Vorschlag Valckenaees, den Namen in KeßaXTvog 
zu ändern, hätte Dindoef nicht billigen sollen: denn KecpaXog 
ist im Griechischen als Name weit häufiger als K€(fallvog = 
maked. Keßallvog, 

Killrig May.edwv^ Stratege des Ptolemaios im Jahre 311, 
s. oben S. 195. Vgl. auch Killrig Mldov, cpQOVQaQxog einer 
griechischen Söldner-Abteilung »tiov Neo7CToXii.iou« im Jahre 
254 V. Chr., Dittenbergeh Syll. Or. I no. 384 (mit der Note dazu). 

^deiüvldag, » Parmenioni quondam intima familiaritate con- 
iunctus«, wird von Alexander zum Führer einer „Straf kompagnie'', 
in die der König die Anhänger Parmenions steckte, gemacht, 
Curtius VII, 2, 35. Er ist wohl verschieden von dem gleich- 
namigen Epiroten, in dessen Händen die Erziehung Alexanders 
lag^^*^). yleioviöag heissen ferner ein Strateg des Antigonos im 



den fünf ersten Büchern des Polybius zweimal Kdooavdgog als Name des 
Königs — II 41, 10 in der besten Handschrift Vat. A und V 67, 8 in 
allen Handschriften — , dagegen KdoavSgog als Name eines Korinthers 
V, 95, 3 überliefert ist. 

126) :näai [jQocpevai xal TcaidaycoyoTg xal öi8aoxa.Xoig) efpEiarrixei AscD'- 
vidag, dvrjQ . . . avyysvrjg 'OXvfimddog Plutarch Alex. 5. 

Hoffmann, Malcedonen. 3^4 



— 210 ~ 

Jahre 320 (Polyaen IV, 6, 6) und ein von Ptolemaios I gegen 
Antigonos nach dem rauhen Kilikien entsendeter Admiral (Diodor 
XX 19, 4). 

Mdlayiog Mav^edojv, Sieger bei den Amphiaraeen in Oro- 
pos (Ttaiöag otccöiov «^ aTtavTcuv) zwischen 366 — 338 v. Chr., 
Inscr. Gr. VII no. 414 lo. Auch als griechischer Name bekannt. 

MaQGvag ReQtdvÖQOv lleXXalog, laTogr/.og. ovzog de y^v 
jCQOTEQOv yQa^fxaTOÖiddoAaXog ^al döeXq)dg ^AvvLyovov rov neva 
xavxa ßaOLXevoavxog, ovvTQOCpog de ^AXe^dvdQOv tov ßaaLlewg 
Suidas. Dass Marsyas als Jugendgespiele Alexanders einer vor- 
nehmen makedonischen Familie angehörte, ist wahrscheinlich. 
Sein Name ist freiHch, im Gegensatze zu dem Namen seines 
Vaters, nicht griechisch, aber doch in Makedonien heimisch: 
denn er stammt aus einer Lokalsage, die am Bermion-Gebirge 
zu Hause war. Herodot VII 26 berichtet uns, dass man in der 
südphrygischen Stadt Kelaival die Haut des „Silenen Marsyas" 
gezeigt habe, die diesem nach der „phrygischen Sage" von Apollo 
abgezogen worden sei. Wie nun der Silen überhaupt (vgl. 
KjtETSCHMEE Einleitung S. 199), so ist auch die Sage von dem 
Silenen Marsyas von den Phrygem aus Europa mit nach Asien 
hinübergenommen worden; sie haben auch dem von Süden in 
den Maeander mündenden Flusse den Namen Marsyas (Hdt. V 
118) 'gegeben. Die Heimat der 0Qvyeg im engeren Sinne ist 
Makedonien, und hier, am Bermion, ist auch, wie Kretschmer 
a. a. 0. treffend hervorhebt, die makedonisch-phrygische Sage 
von Midas und dem Silen zu Hause, vgl. Hdt. VIII 138: ev 
TOvtOKJi %al o ^LXiqvög toIgi {Mldew) %7J7toiGi rjXw, cog "kiysTai 
v7to Maxeöovojv. vrteq de tcjv xi^tvcov ogog /.eiTaL BeQfiLOv ovofxa. 
DiQ Makedonen haben also von den Phrygern, die einst vor der 
makedonischen Zeit am Bermion sassen, die Sage von dem Si- 
lenen Marsyas übernommen, und so kam dieser Name, dessen 
Ursprung verblasste, gleich dem Namen ^tXrivog in die echt- 
makedonischen Geschlechter hinein i^t)^ ^Je er sich ja auch in 
Griechenland, zum Teil mit einer Änderung des Auslautes (z. ß. 
delph. MccQGvog Samml. GDI. no. 225620, sam. MaQGiag Dit- 
TENBERGER Syll. II ^ uo. 6662), einbürgerte. 



127) Ein zweiter „jüngerer" Magavag , ebenfalls makedonischer 
Geschichtsschreiber, war Sohn des KQix6q}r}(i,og aus Philipp! (Suidas 
s. V.), vgl. oben S. 63 ff. 



— 211 — 

Msvoltag und Meleaygog, die im Jahre 316 nach der 
Hinrichtung ihres Freundes Peithon mit Hülfe von 800 Reitern 
einen Aufstand gegen den von Antigonos eingesetzten medischen 
Satrapen Orontobates versuchten (Diodor XIX 47), scheinen beides 
vornehme Makedonen gewesen zu sein. 

Mevvllog, von Antipatros im Jahre 322 nach der Unter- 
werfung Athens als cpQOVQagxog in die Munychia gelegt, wahr- 
scheinHch Makedone von Geburt (Diodor XVIII, 18, 5 Plutarch 
Phok. 28 ff.). 

MlxIcüVj verwüstet »Gv^völg Maycedooc /.al ^uöd^ocpOQOig« 
im Jahre 322 die attische Paralia, wird aber von Phokion ge- 
schlagen (Plutarch Phokion 25). 

Mlyivlog, makedonischer Stratege in dem von Lykiskos 
befeWigten Heere Kassandei^, fällt 312 (Diodor XIX 88, 5). 

M6lv'/,og wird als Stratege von Kassander im Jahre 316 
auf dem Isthmus zurückgelassen (Diodor XIX 54, 4). Ein Mo- 
Xv7,y,og ^A^ievea GeaGalög ly Aaqioag wird von den Delphern im 
Jahre 246 oder 242 v. Chr. zum Ttqo^evog ernannt (Samml. GDI. 
no. 25852); MolvxQeiov heisst eine von Korinth gegründete Stadt 
in Lokris (Thuk. III 102, 2). Den in jungen pisidischen In- 
schriften vorkommenden Namen Molv^ führt Kbetschmer 
Einl. 360 auf den nichtgriechischen in Kleinasien häufigen Stamm 
Mol- zurück, und Fick Vorgriech. Ortsn. 110 folgt ihm, indem 
er Molv/.- als lelegischen Wortstamm ansieht. 

M6vL(.iog, der Kommandant von Pella im Jahre 317 v. Chr., 
übergab die Stadt dem Kassandros (Diodor XIX 50, 3 ff.). 

Neo[rioQ], Vater eines zum Ttqo'^evog von Hahartos ge- 
wählten \^'AdQ\aoTog Mav^eöcov i[ag\ 'Eöioaag Inscr. Gr. VII 
28483. 

NiTiolaog heisst der Vater des Trierarchen Rdvxavxog 
(s. S. 199) aus Aloros und des baktrischen Satrapen ^A^yviag 
(Anab. IV 17, 3). 

Ni/.6iA,(x%og, Bruder des Kebalinos, nimmt an der Ver- 
schwörung des Philotas teil (Curtius VI 7, 2 ff.). 

'OX/Jag, Führer von 3000 makedonischen Hopliten unter 
Antigonos im Jahre 320/19, Polyaen IV 6, 6. Der Name des 
von Athenaeus oft erwähnten Kynikers KvvovXy.og war ledighch 
ein Spitzname — der Mann hiess eigentlich QeodwQog Athen. 
XV 669 e — und berechtigt deshalb nicht dazu, mit Fick- 
Bechtel GP.2 224 ein Namenwort -ohAog „schleppend" anzu- 



— 212 — 

setzen. Damit fällt auch 'Ohdag als Kurzform zu Kvvovl'AOi;. 
Wollen wir den Namen mit bh/.iq, oXv^og in Verbindung bringen, 
so kann er nur einstämmig sein und bezeichnet dann den schlep- 
penden Gang oder die Schwerfälligkeit, wie theban. "EgTtvg Hdt. 
IX 38 (vgl. homer. fqtcvCo) „einherschleichen" von gebrechlichen 
Menschen). 

Jlavoavlag war ein häufiger makedonischer Name, der 
nicht auf das Fürstengeschlecht von Elimeia (s. oben S. 133 163) 
beschränkt war: den traurigsten Ruhm gewann Ilavoaviag ro 
fiiv yivog Ma/.zdCov e/. Trjg 'Ogeazlöog yialovfiievrigj tov di ßaoL- 
)Jwg owf.iaTO(pvXa^ (Diodor XVI 93, 3), der Mörder des Königs 
Philipp. Andere des Namens sind: ein Makedone, der sich für 
Philipp im Kampfe opferte (Diodor XVI 93, 4iF.); T^g aAgag t'^q 
^ccQÖewv t7tif.i€lrf[rjg twv fzalgcov (Arrian Anab. I 17, 7); ein 
dvYiQ Mayieötüv, dem man nach Paus. II 33, 4 die Ermordung 
des Harpalos zuschrieb; Strategen des Antigonos und Seleukos 
(Diodor XIX 73, 6 ff. Plutarch Demetr. 50). 

negllaogj Bruder des Königs Kassandros (Plutarch Mor. 
486 A) ; ein Truppenführer des Antigonos im Jahre 315 (Diodor 
XIX 64, 5). Einer dieser beiden wird der von Curtius X 8, 15 
erwähnte Perilaus sein. 

nsQillog, einer der »(pikoL'^ Alexanders (Plutarch Mor. 
179 F). Kurzform zu negilaog. 

nieloTagxog, Bruder und Truppenführer des Königs 
Kassandros (Diodor XIX 77, 6 XX 112 Pausan. 1 15, 1 Plutarch 
Demetr. 31 32). 

IIokv'Alrig 6 l4vci7taTQ0v GfQaziqyog, fällt 320 im Kampfe 
gegen die Ätoler (Diodor XVIII 38, 2); elg tiov EvQvSUrjg otin' 
ßovlwv, im Jahre 317 von Olympias gemordet (Diodor XIX 
11, 3ff.). 

Ein Makedone, der das Grab des Kyros geöffiiet hatte, 
wurde zur Strafe dafür von Alexander hingerichtet, »'Aalzoi IJel' 
Xcuog riv ov raiv doT^f-iOTccTcov« Plutarch Alex. 69. Sein Name 
lautet Ilolvfiaxog in der einen der beiden Handschriftenklassen 
(vertreten durch Paris. 1671 1674 Laur. 206) und in zwei Ästen 
der anderen (Ven. 385 Vatic. 1007; Paris. 1672 1673). Diese 
Übereinstimmung scheint den Namen sicher zu stellen, und doch 
ist sie nur zufälHg. Denn die Lesarten üovXa^dxog Palat. 169 

V V 

und noXa(.iaxog Paris. 1678 (beide v von erster Hand), die zur 



— 213 — 

zweiten Klasse gehören ^^s)^ können nicht aus TLolv^iaxog verderbt 
sein, da für eine Entstellung des häufigen Namenwortes noXv- 
in Uola- jede Erklärung fehlen würde. Vielmehr hat im Arche- 

V V 

typus UoXa- oder üola- gestanden: das v trug der Schreiber 
nach, weil er entweder ein ihm vorliegendes IToXa- nicht verstand 
und deshalb zu emendieren versuchte oder ein ihm vorliegendes 
IIovlcc- (Tlvla-) in Ilola- verechrieb und später verbesserte. Jeden- 
falls gehörte a schon der Vorlage des Archetypus an. Nun steht 
unter den Zusammensetzungen mit -(.lOLXog bei Athenaeus IV 
154f 7zvlaf.iaxog j belegt aus Stesichoros: y>avT6v oe Ttvla/Licexs 
TtQiOTOv«, Zu diesem Verse muss es die alte Variante itvlai- 
f,iaye gegeben haben: denn im Scholion des Ven. A zu £ 31 
(TetxeGiTzl^Ta) eoziv STtl^sTOv avaXoyov zf) Ttaqa ^tyiglxoqo) 
Tcvlefxaxct) hat Cobet TtvlaLi.idyji) richtig hergestellt. Mit av 
steht das Adjektiv nicht nur bei Aristophanes Equites 1172 
^ Ilallag rj 7cvlaif.idxog, sondern auch in einem Fragmente 
des Kallimachos »Ylad^l fioL (palagni 7tvlacf.idxe« (Schol. zu 
y 380 nach M, 7tvkef.tdxs HR, 7vvXr^f.idxs Q). Als Personenname 
hat nv?M'i.iaxog oder TlvXai-^axog i^^) Parallelen in homer. 
nvlai^ievrig, TIuXcüQog, ^Aotvpiaxog^ Nav(.iaxog u. a. Durch die 
Schreibung Flola- oder Ilovla- bei Plutarch kann die makedo- 
nische Aussprache des v als ü (wie in den Glossen) wieder- 
gegeben sein. Ein Gegenstück dazu ist vorhanden. Nach Por- 
phyrius Tyr. führte Antigonos Doson den Beinamen (Dovö%og 
(FHG. III 701), zu dem Müller bemerkt: »probabiliter Macedonica 
vox, quae quid significet nescio«. Das ov bezeichnet ledigHch die 
makedonische Aussprache des gemeingriechischen v als ü, (Dova- 
zog ist also identisch mit dem griechischen Spitznamen Ovo/.og 
(Aetoler Dittenbergee Syll. I no. 250, myth. Gründer der lokri- 
schen Stadt (t>voy.og Steph. Byz. s. v.), dazu Ovöäcov Bechtel 
Einstämm. Personenn. 31 (Beiname des Ptolemaios VII nach 
Polybius XXXIV 14, 6). q>voAog bedeutet „Darm, Magen". 



128) Das Sterama der Plutarchhandscliriften und die noch nicht ver- 
öffentlichten Lesarten an dieser Stelle verdanke ich der freundlichen Mit- 
teilung des Herrn Dr. Conrad Ziegler. Nach ihm ist die Lesart TIoU- 
ftttQxog im Monac. 85, einem Zwillingsbruder des Paris. 1672, wertlos, 
was ich in Bezug auf das Folgende ausdrücklich bemerke. 

129) Die Hesychglosse üvXaifjiaQxog' TcoXs(.mQxog xal ovofia xvqiov 
lasse ich absichtlich bei Seite. 



— 214 — 

TLqeTteXaog wird von Kassandros, der ihn 315 v. Chr. als 
Gesandten benutzt, im folgenden Jahre mit einem Heere nach 
Karien dem Asandros zu Hilfe geschickt (Diodor XIX 68, 5). 
Als bevollmächtigter Gesandter führt er 311 die Friedensverhand- 
lungen zwischen Kassandros, Ptolemaios, Lysimachos und Anti- 
gonos (DiTTENBERGER SjU. Or. I no. 5). Im Jahre 303 ist er 
Kommandant von Korinth und kehrt nach der Eroberung dieser 
Stadt durch Demetrios zu Kassandros zurück (Diodor XX 103). 
Dieser stellt ihn im Frühjahr 302 mit einem Heere dem Lysi- 
machos für den Feldzug in Kleinasien zur Verfügung (Diodor 
XX 107 111 DiTTENBERGER Syll. I^ no. 186). Dass der Mann 
Makedone war, machen die hohen Stellungen, die er inne hatte, 
sehr wahrscheinlich. In griechischen Yollnamen ist bis jetzt nur 
-7tQe7tiqg, -TcqiTtmv an zweiter Stelle belegt (vgl. Fick-Bechtel 
GP.2 242) 130). 

Als Antipatros im Jahre 323 in Griechenland einrückte, 
liess er nach Diodor XVIII 12, 2 in Makedonien als Strategen 
den 2l7t7iag zurück. Da dieser Name einer Deutung hart- 
näckig widersteht, so werden wir mit einer Textverderbnis rechnen 
müssen. Und da bieten sich zwei MÖgHchkeiten : entweder lesen 
wir den tymphäischen Adelsnamen 2LfXf.uag, den auch ein Offizier 
Alexanders führt (s. oben S. 156), oder, was paläographisch noch 
näher liegt, ^iggag. Das war allerdings, wie wir oben S. 160 ff. 
gesehen haben, wahrscheinlich kein ehmiotisch-makedonischer, 
sondern ein illyrischer Name. Er konnte aber durch die Königin 
Eurydike, die Frau des Amyntas und Tochter des illyrischen 
Königs Sirras, die nach dem Tode ihres Gatten mit Erfolg die 
illyrisch -lynkestischen Interessen vertrat und eine bedeutende 
Rolle neben Ptolemaios spielte, in Makedonien Eingang finden. 

^TQOfxßtxog vTCo nolvTtsQxovtog '/Md-EGTa/Lievog q)QOVQaQxog 
h> ^ÖQXOfisvcit, nach der Übergabe der Stadt 303 v. Chr. von De- 
metrios ans Kreuz geschlagen (Diodor XX 103, 5). Ein ^zQOf-i- 
ßiXog und ^Ttlvd^agog gehörten zu den Führern der von Deme- 
trios in das Museion zu Athen gelegten makedonischen Besatzung 
(Pausanias I 26, 1 Inscr. Graec. II 317?); sie traten fi:ei willig zu 
den Athenern über. 



130) Die Feldzüge und die diplomatische Tätigkeit des Prepelaos 
in Vorderasien machten seinen Namen dort populär: nach ihm heisst 
JlQSTieXaog 'OgrowSiov Äv?ciog Inscr. Gr. XII 3 (Thera) no. 833 aus dem 
IL Jahrh. v. Chr. 



— 215 — 

Symmachiis et Nicanor, nohiles iuveneSj in Macedonum 
exercitu temeritate atque audacia insignes Curtius ^nil 13, 13. 
Hoav de ev Tolg ZaQidoTtoig vogoj VTtolekELjuiaevoL tcov Ircf/- 

QO)V iTVTteWV OV TtoXkol Aol §iV TOVTOLg üel^COV 6 ^WOL- 

xl^ovg Anab. IV 16, 6. 

TevTajiiog und ^^vviysv^jg befehligten in den Kämpfen 
zwischen Eumenes und Antigonos (319 — 317) ein in KiHkien 
stehendes Veteranenkorps von 3000 yydQyvQccGTtideg« (Diodor 
XVIII 59, 3 u. ö. Plutarch Eumen. 13 Polyaen IV, 8, 2), eine 
Truppe, die ganz besonders stolz auf ihr Makedonentum war. 
Der Name TevTaf^iog führt uns nach Thessalien, nach dem Ile- 
laoyiv.bv "Aqyog. Ein alter König von Larisa in Thessalien hiess 
nach Apollodor Bibl. II, 4, 4, 2 Tevxa^iag, und die beiden Führer 
der Pelasger aus Larisa, Hippolochos und Pylaios, sind »vle dvia 
^ri^OLO UeXaoyov TevTaiLudao« B 843. Aus diesem Verse 
stammt sehr wahrscheinlich der Name TevTccf^ddrig, den nach 
Hellanikos (bei Dionysius Halikarn. I 28) einer der Nachfolger 
des Königs Ue'kaoyog führte: JJeXaoyov zov ßaoilicog avTcov ymI 
MeviTTTtKig TTJg Tliqvuov syevezo OqdoTCOQ, rov ös ^A^vvtwq, tov 
dt TevTafj^löiqg, tov d^ Navag. In Thessalien war der Name also 
jedenfalls bodenständig und von Alters her eingebürgert. Wenn 
auch der Vater des Bias aus Prione Tevvdinr^g^^^) oder Tevzaf^og 
heisst (vgl. Crusius bei Pauly-Wissowa s. v. Blag III 385), 
so ist das nur ein Beweis dafür, dass „der Name durch das 
Epos bei den Griechen in Km-s gesetzt wurde" (Cbusius a. a. 0.) 
— natürlich nicht durch den einen Homervers, dessen Patrony- 
mikum TevTaf,ud7jg schwerlich zur Bildung und Verbreitung eines 
Namens Tevcaf.iog geführt hätte, sondern durch die Sage von 
dem thessalisch-pelasgischen Könige TevTai.iog in Larisa. Bei 
den Makedonen aber braucht eine thessahsche Sage nicht auf 
Umwegen ins Land gekommen zu sein. 

Tifj.dv&rig 6 IlavTidda^ Trierarch aus Pella, Arrian 
Ind. 18, 3. 

^Yxpiörig, Freund des Strategen Meveöifjixog, folgt diesem bei 
dem unglückHchen Kampfe gegen Spitamenes treiwilHg in den 
Tod, Curtius VII 7, 36. Volhiamen mit ^FV^t- (YipL-v^qacrig, 
'Yipi-'/,lrig u. a.) bei Fick-Bechtel GP.2 271. 

Einen Xdoog bestimmt Alexander zum Führer von 30 »m- 



131) Gen. TevrdfXEco bei Heraklit (Diog. Laert. I 88). 



— 216 — 

venes promptissimk, die er »ex sua cohorte« auswählt (Curtius 
Vni, 11, 10); er war also zweifellos ein vornehmer Makedone. 
Der Name bildet die regelrechte Kurzform zu Vollnamen mit 
Xago- (X«^o-xA^g, Xago-TL/xog u. a. Fick-Bechtel GP.=* 287). 



9. Vornehme makedonische Frauen im V. und 
IV. Jahrhundert. 

"^yidia war der Mädchenname der Gemahlin des PhiHpp 
Arridaios, die als Königin sich Eurydike nannte (Arrian Succ. 23). 
Ihr Vater war Amyntas, der Sohn des Perdikkas II, ihre Mutter 
Kynnana, die Tochter PhiHpps und der lUyrierin Audata (s. 
unten S. 219). Vor der ganz unbegründeten Änderung in ^Ad- 
daia (Niese I 213) wird die überlieferte Form ^Aöta geschützt 
durch den inschriftlich erhaltenen Namen lAdela, den die Frau 
des Makedonen Autodikos, eines Bruders des Königs Lysiraachos, 
führt (Inscr. Gr. VII 279, s. oben S. 172). Dieser entspricht 
genau dem häufigen attischen Frauennamen '^HÖEia, '^Höaa (in 
diöh ä-Dialekten 'Adela, ZAdm), vgl. CIA. II Index zu Teil 1—4 
p. 23, zu Teil 5 p. 316. 

^AvTtyovTi ist die Mutter der ersten Königin Berenike i^^) 
vgl. Theokrit XVII 61 ^yivviyovctg ^vyartjQ ßeßaqri^iva coöiveaatv, 
dazu das Scholion: ^ ydg Begavi/.rj d^vyaxriQ ^Avtiyovrjg tov 
KaoodvÖQOv tov ^Avtltccltqov aöeXcpov tov ea7iovdaY.6zog Tijv h 
TW Tqlo7cio) Triv JwQucjv Gvvoöov (vgl. Deoysen Hell. 2 III 266) 
Vor ihrer Ehe mit Ptolemaios war Berenike dem Makedonen 
(DiliTCTzog vermählt gewesen; ihm hatte sie eine nach der Gross- 
mutter genannte Tochter ^Avnyoviq geboren, die an Pyrrhos ver- 
heiratet wurde (Plutarch PyiThus 4). 

Den im Ptolemäer -Hause wiederholt gegebenen Namen 
^^Qöivori führte die Ahnfrau des Geschlechtes, die Frau des 
Oresten Lagos (oben S. 154) und Mutter des Ptolemaios Soter 
(Satyrus FHG. HI 165 Voi^hjr, Tyr. FHG. III 719). Nach ihr 
benannten Ptolemaios und Berenike eine Tochter ^33)^ (jje etwa 



132) Vater der Berenike war Magas nach dem Scholion zu Theokrit 
XVII 34, s. unten S. 222. 

133) DiTTENBERGEB Sylloge Or. Ino. 14: Baolhoaav 'ÄQöivorjv ßaadeoyg 
ütolsfiaiov xai ßaodioarjg BsQsvlxrig STQaTOVtarj ßaaikecog AijftrjtQcov , vgl. 
Paus. I 7, 1. 



— 217 — 

im Jahre 299 den Lysimachos heiratete (Paus. I 10, 3 Plutarch 
Bemetr. 31) und später die Grattin ihres Bruders Ptolemaios Phila- 
delphos wurde. Arsinoe hiess aber auch eine Tochter des Lysi- 
machos, die ihm des Antipatros Tochter Mkaia geboren hatte 
(Schol. zu Theokrit XVII 128) und die von 285/84 an Gattin 
des Ptolemaios Philadelphos war, bis sie schon vor 274 diesen 
Platz ihrer Stiefmutter Arsinoe einräumen musste. Trotz des 
-ga-, für das wir -qq- im Makedonischen erwarten sollten (^qqi- 
6atog)j wird der Name schwerlich aus dem griechischen Mythus 
entlehnt sein. 

^^xaXavTiq^ Schwester des Perdikkas II, Gemahlin des 
Attalos, kommt 321 mit ihrem Bruder um (Diodor XVIII 37). 
Zur Bedeutung des Namens vgl. oben S. 157. 

Der Name BegevrArj ist aus der Familie des Magas in das 
Ptolemäerhaus hineingekommen. Die erste uns bekannte Bere- 
nike, die Tochter eines Makedonen Magas (s. unten S. 222), in 
erster Ehe mit dem Makedonen Philippos verheiratet, muss schon 
um 317 des Ptolemaios Lagü Gattin gewesen sein. Nach ihr, 
der Grossmutter, hat sowohl die Tochter des Ptolemaios Phila- 
delphos als auch die Tochter des Magas von Kyrene den Namen 
Berenike erhalten. Auch ausserhalb der Herrscherfamilien wurde 
der Name schnell beliebt. In Kyrene, der Residenz des Bere- 
nikesohnes Magas, heissen in einer dem III. Jahrh. angehörenden 
Inschrift zwei Priesterinnen der tiera BEgeviKa und BegvUa 
(Samml. GDI. no. 4847 u). Diese zweite im täglichen Umgang 
gebrauchte synkopierte Form kommt namentlich in jüngerer Zeit 
häufig vor i^i) und ist vielleicht die Veranlassung dazu gewesen, 
dass in dem giiechischen Namen (VegevUr], der dem makedoni- 
schen Begevl/M entspricht, ebenfalls bisweilen das zweite e unter- 
drückt wurde {0egvUrj Thera Inscr. Gr. XII 3, no. 903). 

Die erste Frau des Argeadenhauses, von der wir etwas wissen, 
ist rvyaicLy die Tochter des Amyntas I: sie wurde von ihrem 
Bruder Alexander an den Perser Bovßagvjg verheiratet (Hdt 
V 21 VIII 136). Da zwischen dem Lyderkönige rvyrig ^"^^ 
dem Argeadenhause keine Beziehungen nachzuweisen sind, so 
klingt der makedonische Frauenname nur zufäüig an die kifxvrj 



134) BsQv[iy.a] Thespiae Inscr. Gr. VII no. 1984, BsqvUy) aus Milet 
Inscr. Gr. III no. 2618, BeQvsixrj CIG. II Add. no. 234712.14, III Add. 
no. 4300t, dazu Bsgvixidrjg Inscr. Gr. III no. 104028 105822 u. a. m. 



— 218 — 

ruyalrj Y 391 an ^^ö). Wir verknüpfen ihn am besten mit dem 
Namen der ^^d-rjvä Fv/aia bei Lykophron 1152, die auch nicht 
nach dem gygäischen See benannt ist, sondern, wie Holzingee 
richtig bemerkt hat, eine heimische griechische Gottheit war, vgl. 
rvyä' ^Ad^rivä ^,y%i6Qiog bei Hesych. Die Bedeutung des Wort- 
stammes bleibt dunkel: vielleicht enthalten ihn die Hesych- 
Glossen yvyal' TtctTtTCoi (vgl. ix)-yvyio(i) und yvyaiiq vv§' ij azo- 
Teivrj, die an ordnungsmässiger Stelle überliefert sind und keinen 
Grund zur Beanstandung bieten. 

Halb makedonisches, halb illyrisches Blut floss in den Adern 
der EvQvöi'ATq^ der Gattin des Amyntas und Mutter des Königs 
Philippos. Ihren Vater Sirras haben wir als ill}Tischen Fürsten 
kennen gelernt (S. 160ff.): sie hat also ihren makedonischen 
Namen entweder von ihrer Mutter, einer Makedonierin, erhalten, 
oder gegen einen illyrischen Namen eingetauscht (S. 162, Anm. 68), 
wie auch die Illyrierin Audata als Gattin Philipps (Satyrus bei 
Athenaeus XIII 557 c) und des Amyntas Tochter Adea (s. oben 
S. 216) als Gattin des Philipp Arridaios sich Eurydike nennen 
Hessen. Sonst sind als vornehme Trägerinnen des Namens be- 
kannt eine Tochter des Antipatros, die den Ptolemaios Soter 
heiratete (Pausanias I 6, 8), und eine an Antipatros, den 
Sohn Kassanders, vennählte Tochter des Lysimachos (Justin 
XVI 2, 4). 

Nach Justin VII, 4, 4 gingen aus der Ehe des Amyntas 
und der Eurydike drei Söhne und eine Tochter Euryone her- 
vor. So lautet der Name in den Handschriften (Rühl Praef. 
XXVI). Graevius änderte ihn in Eurynoe, und diese auch 
von Rühl aufgenommene Vermutung trifi't wahrscheinlich das 
Richtige, vgl. EvQwori Inscr. Gr. II no. 4262. 

EvQioTVTf^, nach Satyrus bei Athenaeus XIII 557 e eine 
Tochter Philipps und der Kleopatra, führt einen im giiechischen 
Mythus häufigen Namen. 

Ȁgathocles (Syracttsanus) . . . desperatis rebus uxorem suam 
Theoxenam'^^^) genitosqiie ex ea duos jparvulos . . . Aegyptum 



135) Diese wird allerdings B 865 persönlich als Nymphe gedacht 
{Mrjooiv av Mso^Xrjg rs xal "AvzKpog tjyrjoäod'i^v , vis UvXaifisvsog tco Fv-yalr} 
TExe )Jf,ivr]): aber aus diesem Verse haben sich die Makedonen sicherlich 
keinen Frauennaraen geholt. 

136) Nach den von Rüitl Praef. XXXVIII gegebenen Varianten der 



— 219 — 

tmde uxorem acceperat^ remittit (um 289 v. Chr.)« Justin XXIII 
2, 6. Die Qeo^eva war also jedenfalls eine ägyptische Prin- 
zessin, nach Droysen Hellen. II 2, 243 Niese I 473 eine Stief- 
tochter des Ptolemaios I. 

Philipps Tochter Qeoaalovr/.a, die Gattin Kassanders 
(Diodor XIX 52, 1 u. o.), empfing ihren Namen nach der Heimat 
ihrer Mutter Nikasipolis: denn das war eine Thessalierin aus 
Pherai (Satyrus bei Athenaeus XIII 557 c). 

KleoTtccTQa hiess die Gemahlin des Perdikkas II und 
Mutter des von Archelaos umgebrachten rechtmässigen Thron- 
erben (Plato Gorgias 471 c), ferner die Gemahlin König Philipps, 
eine Nichte des Attalos, aus altmakedonischem Geschlechte (Dio- 
dor XVII 2, 3 Plutarch Alex. 9 Athenaeus XIII 557 d u. ö., s, 
oben S. 157) und eine Tochter Philipps und der Olympias, an: 
Alexander von Epirus verheiratet (Diod. XVI 91, 4 Satyrus bei 
Athenaeus XIII 557 c u. Ö.). Durch die im Jahre 193 mit 
Ptolemaios V vermählte Tochter des Antiochos kam der Name 
in das Lagidenhaus, in dem er nun häufig wiederkehrt. 

Fast scheint es, als habe die Schwiegertochter Polyperchons^ 
ihren Namen KQaTi]al7toXLg erst dadurch erhalten, dass sie 
nach dem Tode ihres Gatten Alexandres (314 v. Chr.) sich tat- 
kräftig und glücklich bis zum Jahre 309 als Herrscherin in den 
Städten Sikyon und Korinth zu behaupten wusste (Diodor XIX 
67, Iff.). Ihr Geburtsname wäre dann hinter diesem Beinamen 
ganz zurückgetreten. 

Von seiner illyrischen Gattin Audata, die den Namen Eury- 
dike annahm, wurde dem König Philipp eine Tochter geboren 
(Sat}Tus bei Athenaeus XIII 557 c), die in unseren Quellen bald 
Kvvvdvij, bald Kvvva genannt wird. Sie heiratete ihren Vetter 
Amyntas, den Sohn des Perdikkas (Polyaen VIII 60). Nach 
dessen Tode wollte Alexander sie dem Könige der Agrianen 
I^angaros vermählen, doch starb dieser, ehe der Plan verwirklicht, 
wurde (Arrian Anab. I 5, 4). Nach Alexanders Tode führte sie 
ihre Tochter '^öf.a, die sie dem Amyntas geboren hatte (Polyaen 
a. a. 0., Duris bei Athenaeus XIII 560 f) und die sich später 
als Königin nach ihrer Grossmutter Eurydike nennen Hess, dem 



Handschriften kann es keinem Zweifel unterliegen, dass im Arohetypua 
theoxenam (nicht thexenam) stand. 



— 220 — 

Philipp Arridaios als künftige Gattin entgegen, wurde aber unter- 
wegs von Alketas, dem Bruder des Perdikkas, umgebracht (Ar- 
rian Succ. 22—24 Polyaen a. a. 0.). Kassandros Hess sie im 
Jahre 316 ehrenvoll in den Königsgräbern zu Aegae beisetzen 
(Diodor XIX 52,, 5 Diyllus bei Athenaeus IV 155 a). Die län- 
gere Namensform Kvvvavri steht bei Polyaen, Duris und Arrian 
Succ. (hier Kwccvr^); die kürzere bei Arrian Anab., Satyrus, 
Diyllus und Diodor. Allgemein hat man der kürzeren Form 
Kvvva den Vorzug gegeben; Kaibel (zu Athenaeus XIII 560 f) 
führt Kvvvdvr^L auf ein aus Kvvvai geändertes Kivvr^i zurück. 
Dass diese Vermutung unrichtig und umgekehrt Kvvva aus ur- 
sprünglichem Kvvvdva verstümmelt ist, beweist eine Inschrift, die 
man nicht hätte übersehen dürfen: auf einem nordthessalischen 
Stein aus Dhamasi (Mylai) im Tale des Titaresios steht Kvv- 
vdva TCüL dvÖQL ifced^7jy.e Ussing Inscr. Gr. ined. no. 47 Heüzet 
Mont Olympe no. 55 (Schrift: EOn). Wenngleich die Kynnana 
als Tochter ihrer illyrischen Mutter von Duris eine \lXXvQig ge- 
nannt wird, so kann ihr Name darum doch makedonisch sein 
und zu den griechischen Voll- und Kurznamen Ktv-aid^og, Kvv- 
iTtTtoQ,^ Kvv-OQxag, Kvveag^ Kvvrig u. a. m. gehören, deren Stamm 
-^vv- mit Avwv, Avvog „Hund" nichts zu tun hat, sondern „leuch- 
ten, glänzen" 1^') zu bedeuten scheint (üsener Götternamen 207 ff. 
Prellwitz Etymol. Wörterb. ^ 251). 

AäviAa Tochter des Dropidas und Schwester des Klei- 
tos . . . avxov te zov KXeiiov ovouaati ava/MXovvca ymI ti^v 
KXeicov (.lev dÖ€Xq)7Jv, avvdv de dvad-QSijJafxevrjv ytaviy.riv tt(v 
^QWTiiöov TtalSa, tog /.aXa aga avTJj TQOcpeia djioTEVL'AUjg et'i^ 
avÖQOj&eig Arrian Anab. IV 9, 3; sie hatte einen Sohn namens 
UqtoTtag (Athenaeus IV 129 a Aelian Var. Hist 12, 26). 

Die Stadt Laodikeia in Syrien ist von Seleukos I Nikator 
nach seiner Mutter Aaodly,ri benannt worden (Strabo XVI 750 
Steph. Byz. s. v.). Dieser dem Seleukidenhause eigentümhche 
Name kehrt sehr häufig wieder: im dritten Jahrhundert führen 
ihn eine Tochter des Antiochos I und Gemahlin ihres Bruders 
Antiochos II (Dittenberger SO. I no. 224 is Polyaen VIII 50), 
die Gemahlin des Seleukos II KalHnikos (Polybius IV 51, 4 
VIII 22, 11), eine Tochter des Antiochos III und Gattin seines 
a-ltesten Sohnes x\ntiochos (Appian Syr. 4), u. a. m. 



137) Kvvv-avä „rait leuchtendem Antlitz"? 



— 221 — 

Eine ^vodvÖQa, Tochter des Ptolemaios Soter, wird so- 
wohl von Alexander, dem Sohne Kassanders (Porphyrius 3, 3 4, 3 
FHG. III 695 698), als auch von Agathokles, dem Sohne des 
Lysiraachos, geheiratet (Pausan. I 9, 6; 10, 3—5). Trotz der 
chronologischen Schwierigkeiten werden wir schwerlich mit Niese 
I 354 an Stelle einer Lysandra zwei gleichnamige Töchter des 
Ptolemaios ansetzen dürfen ^^^). » 

Ntyiaia, Tochter des Antipater, heiratet 323 den Perdikkas 
(Diodor XVIII 23, 3), wird aber schon nach einem .fahre von 
ihm Verstössen (Arrian Succ. 26), später mit Lysimachos vermählt. 
Eine echtmakedonische Kurzform auf -aia. 

Seine Schwester 2^TQaToviy.rj , die Tochter des Philhellenen 
Alexandros, verheiratete Perdikkas an den Odrystenfürsten 2eud^rig 
(Thuk. II 101, 6). Eines KoQQalog (s. oben S. 144, Anm. 38) 
Tochter Stratonike wurde die Gattin des Antigonos Monophthalmos 
(Plutarch Demetr. 2 Diodor XIX 16, 4 XXI 1, 4). Da die 
nach ihr benannte Enkelin, die Tochter des Demetrios Poliork. 
und der Phila, zuerst den Seleukos (Plutarch Demetr. 31) und 
später den Antiochos heiratete (Plutarch Demetr. 38 Diodor XXI 
20), so kam der Name damit in das Seleukidenhaus hinein und 
durch Ariarathes, den Schwiegersohn des Antiochos III (Diodor 
XXXI 19, 6) und Schwiegervater des Eumenes II (Strabo XIII 
624), auch zu den Attaliden. 

Aus dem elimiotischen Fürstenhause führte König Philipp 
eine Schwester des Derdas und Machatas mit Namen 0ila 
heim (Satyrus bei Athenaeus XIII 557 c). Ebenso hiess eine 
Tochter des Antipatros, Gemahlin des Krateros (s. oben S. 155), 
und eine zwischen 301 und 293 geborene Tochter des Seleukos I, 
die den Antigonos heiratete (Dittenberger SO. I no. 216) ^'^% 

(DilcüTtQa, die Schwester des Ptolemaios Philadelphos 
(Strabo XVI 769; im Scholion Gen. zu Theokrit XVII 123 
(fioztjQa), gab der Stadt Philotera den Namen (Strabo a. a. 0.). 
Auch ein Demos von Alexandreia war nach ihr benannt: das 



138) Einer makedonisclien Familie wird auch Avodvdga ITQcoTOjudxov 
ysvo/jievt] xfjg lid^rjväg isQsia in Pergamon (Dittenberger Syll. Or. I no. 337, 
Ende d. II. Jahrh. v. Chr.) angehört haben. Ugcorofiaxog hiess ein Reiter- 
oberst Alexanders, s. oben S. 200. 

139) Vgl. 0i7a Uaoicovog Maxha Grabinschrift in Athen Inscr. Gr. 
II 3168 i>\t). 



— 222 - 

Demotikon Oü^cozegeiog kommt in einer Inschrift BCH. XXI 
189 no. III 5 vor. ^Llwzega gehört, wie auch Oü^otag, zu den 
„angeschlossenen Namen", vgl. Fick-Bechtel GP.^ 279. 



10. Einzelne Makedonen einfacher Abkunft im 
IV. Jahrhundert. 

'^Aßgeag war ein gemeiner Soldat im Heere Alexanders, 
freilich ein di/j^oiQiTTjg; beim Sturme auf die Stadt der indischen 
Malloi zeichnete er sich aus und fiel, Arrian Anab. VI 9, 3; 
10, 1; 11, 7. Belege für aßgo- in Voll- und Kosenamen bei 
Fick-Bechtel GP.^ 39. 

»Erat inter duces ... Bolon quidam ... vetus miles, ab 
humili ordine ad eum gradum, in quo tunc erat, promotus-^ Cur- 
tius VI, 11, 1. Kurzform zu einem der häufigen Vollnamen auf 
'ßolog, ^^vÖQO'ßolog, ^^vTi-ßolog, Ei-ßolog u. a. (Fick-Bechtel 
GP.2 80). 

Foqyog, ein oTvlorfvla'^ des Alexander nach Ephippos bei 
Athenaeus XII 538 b. 

Jdfxojv ymI TL(,i6d'eog Mazedoveg tcov vtzö naQ(.ieviwvi 
üTQavsvofxevojv yuvaia diecpd-aQÄOieg ixiöO-ocpoQiov tivcov Plutarch 
Alex. 22. 

Berenike, die Gattin des Ptolemaios I, war in erster Ehe 
mit einem nicht-adhgen Makedonen (DiXiiCTtog^^^) vermählt, 
dem sie einen Sohn Mdyag gebar, vgl. Pausanias I, 7, 1 Md- 
yag . . . eyeyovsL Ss ey, (DiXiiCTtov rfj BegevrÄj^ Ma/.edövog ^uiV, 
aXXwg de dyvcoOTOv /mI evog zov öijfxov (vgl. Plutarch Pyrrh. 4). 
Dieser Magas verheiratete seine Tochter Berenike mit dem Sohne 
seines Stiefbruders Ptolemaios II, dem Ptolemaios III Euergetes, 
und von den beiden Söhnen, die dieser Ehe entsprossten, hiess 
der zweite nach dem Grossvater mütterlicherseits wieder Mdyag 
(Justin XXVI 3, 2 Polybius XV 25, 2 u. a.). Die vier Gene- 
rationen umfassende Reihe Berenike-Magas-Berenike-Magas hilft 
uns, den Namen des Vaters der ersten Berenike wiederherzu- 
stellen. Er ist nur in dem alten Scholion zu Theokrit XVII 34 
überliefert und lautet hier (im Genetive) ßdya im cod. Ambros. 222 



140) Nach den Worten des Pausanias ist es nicht wahrscheinlich, 
dass dieser Philipp, wie Droysen Hellen. II 2, 94 Anm. vermutete, mit 
dem Taxiarchen Alexanders identisch war. 



— 223 — 

nach Ziegler, ya^a im Vatic. 42, yafxaov im Paris. M. Die 
schlechte Konjektm^ Adyov, durch die Berenike zu einer Schwe- 
ster des Ptolemaios I gemacht wird, verdiente nicht, noch immer 
wiederholt zu werden. In der Quelle des SchoHasten hat Maya 
gestanden. Jeder Magas der Familie nannte eine Tochter Bere- 
nike und jede Berenike einen 'Sohn Magas; so lösten sich die 
beiden Namen von Generation zu Generation ab. Der Name 
Mdyag zeigt die bekannte makedonische Aussprache der Mediae 
aspiratae: ins Griechische umgesetzt lautet er Mdxag und ist, 
wie Mdxrig, Maxiöag^ Mdxiog, Md^wv, Maxlvog u. a. m, , die 
Kurzform zu einem Yollnamen auf -fxaxog ^'^^). 

ILolvöXQaxog, ein makedonischer Soldat, der dem sterben- 
den Dareios einen Trunk Wasser reicht (Plutarch Alex. 43 Cur- 
tius y 13, 24). 

Ugo^evog o ItvI t(Zv GZQa)fA,aToq)v?My,a)v Tevayf^evog avrJQ 
Ma-Aedcov Plutarch Alex. 57. 

Oilo^evog . . . . elg tcuv dcpavcuv Maxedovcov Arrian Fragm. 
Keitzenstein Bresl. Phil. Abhandl. I 3, p. 24. 



11. Makedonen späterer Jahrhunderte. 

Je tiefer in der Diadochenzeit die hellenische Kultur das 
Alexanderreich durchdrang, desto mehr vermischten sich auch in 
den Namen die Grenzen zwischen „makedonisch" und „griechisch". 
Es ist daher selbst für solche Namen des III. und II. Jahrhun- 
derts, die aus Griechenland bis jetzt nicht zu belegen sind, der 
makedonische Ursprung schwer zu erweisen. So beschränke ich 



141) Ist etwa auch der Frauenname BovXof^dya, der bei Fick- 
Bechtel GP.'^ 194 kaum richtig mit fxdyog „Zauberer" verknüpft wird, 
makedonischen Ursprungs und aus BovXofjidxa, dem Femininum zu Bovko- 
(xaxog , entstanden? Es würde dann kein Zufall sein, dass in einem 
delischen Tempelinventar des II. Jahrh. (Dittenberger Syll. 11'^ no. 58830) 
gerade hinter zwei goldenen Schalen, die die Königin Stratonike, die 
Gattin des Seleukos Nikator, gestiftet hat, ein »d'Vf^carrJQiov dgyvQovv Bov- 
Xofxdyag dvd^s[A,a<s. aufgeführt wird. Ein zweites Weihgeschenk dieser 
selben Bovlofidya war eine iaxagig dgyvQä nach dein delischen Tempel- 
inventar des Jahres 279 (BGH. XIV 411), Der Name kommt sonst noch 
zweimal auf Inschriften aus dem äolischen Kyme vor {Movo. xal BißL 
nsQiodog II p. 20, BCH. XII 365: BovXofxd[ya] li'&r}vay[6Qa]). 



— 224 -- 

mich denn auf eine kleine Auswahl, die sprachhches Interesse 
besitzt. 

Wenn hier und da auch barbarische Namen, z. ß. per- 
sische 1^2) iji^d thrakische i*^), in Makedonenfamihen auftreten, so 
ist das ein Beweis dafür, dass sich die Grenzen des makedoni- 
schen Adels nicht mehr streng behaupten Hessen. Die vornehmen 
Thraker und Perser, die schon Alexander in hohe Stellungen 
einrücken liess, galten den Makedonen im Range ebenbürtig und 
heirateten in makedonische Familien hinein. 

^Ayad^tov Bovra [JElvgorciog May,edwVy Proxenos von Oro- 
pos, Inscr. Gr. VII no. 3562 (III. Jahrb.). Boutag, Standesname 
wie Botr/Mlog^ auch in Griechenland. 

AloxQitov ^yifxvvTa, Ma/^eöcov l^ ^lyeiov , Proxenos von 
Magnesia (Inschr. v. Magn. ed. Kern 10 ii). 

^Af.iay,Tvtov, Y/sf.iwv zijg ßaoilr/.iig XXiqg unter Seleukos II 
nach Polyaen IV 9, 6 ^^^). Der Name ist deutHch zweiteihg. 
'TiTviov kann als voller Wortstamm wie in a^KfL-ATviov oder als 
Kürzung der in Namen häufigen Stämme -yiT tjf.icov, -/.zi^Tog 
(Fick-Bechtel GP.2 179) gefasst werden i^^). '^^i/a- oder 'x^^a- 
wird von Fick GP.^ 55 auf Grund der Namen ^^fud-yiXrjzog aus 
Tenos (AIBrit. Mus. 377 12) und myth. '^(^la-vilsiöag als griechi- 
sches Namen wort angesetzt. 

0ilL7C7tog ^^'k'Ai}.id%ov May.eöcov, Ende des III. Jahrb., 
Inscr. Gr. VII no. 316 2. 

riToXefxaiov dt rov ÜToleftalov tol ^dyov ^QLOzokaog 
avf^d^rfAE Ma-ÄEÖcüv dvriQ Paus. VI, 17, 3. 



142) TeQQiöäzrjg lAXe^ävögov in der im übrigen aus lauter echtmake- 
donisehen Namen bestehenden Liste Pap. Petr. II 30b. 

143) Ein SsXsvxog Bi'&vog aus Alexandreia, schon unter Ptolemaios 
Philometor in angesehener Stellung (Dittenbergfr SO. I no. 150), wurde 
von Ptolemaios Euergetes II zum Statthalter Kyperns ernannt: seine 
Kinder hiessen Gsödcogog und 'Agts/^co, seine Enkelin 'OAy^M^rms- (Ditten- 
BERGER so. I no. 152 — 162). BT'&vg ist der häufigste thrakische Männer- 
name, vgl. ToMASCHEK Thraker II 2, S. 13. — TriQtjg Ilxolsfiaiov Maxs- 
8(ov Pap. Tebtun. 10552, ein odrysischer Fürstenname, vgl. Tomaschek 
II 2, S. 37. 

144) Im Florentinus, dem Archetypus aller Handschriften, ist 
afxaxTvövog überliefert. 

145) Ein denominatives Suffix -vmv zeigt älexxQ-voiv von aUxtcog. 
Auch l4(X(pL-rQ-vcov ? 



— 225 — 

Unter den aus Krannon gebürtigen Männern, denen ums 
Jahr 214 v. Chr. das Bürgerrecht in Larisa verliehen wurde, 
nennt die grosse Inschrift aus dieser Stadt (Samml. GDI. no. 345) 
einen BeQtv.Aag ^Idveiogn und einen BeQ87i'/.ag UezaXi' 
aiogoo. Das anlautende ß- aus q)- erweist Makedonien als Hei- 
mat des Namens: BsQs-yiKag ist regelrechte Kurzform zu BeQe- 
ÄQaTijg oder Bege-yivÖTjg = gemeingr. OeQsyiQCCTrjg, (DsQeyivörjg; 
vgl. dodon. ^^vdQo-KYMg aus ^^vÖQO-yiQckrjg , dyrrhach. Meve-Tixag 
aus Meve-yiQavrjg (Fick (tP.2 58 174). 

BvTTa/iog 6 MaAsdcov befehligt in der Schlacht bei Rapheia 
(217 V. Chr.) 5000 Daer, Karmanier und Kiliker, Polybius V 
79, 3; 82, 10. Sein Sohn ist wahi-scheinUch der babylonische 
Satrap und Stratege des Antiochos Epiphanes JTn^io/iQccTr^g Bm- 
Taviov (DiTTENBEKGEß Syll. Or. I 254). Die Bildung des Namens 
ist gut griechisch: zu vergleichen sind nlzTaAog, ^'hcjtaviog, üvq- 
Qa/Mg, ferner JeLvaKcav, SevaKcuv u. ähnl. Wenn der Attiker 
BvTTayiog IIvqqov AafXTtxQBvg (att. Demos), den die attischen 
Inschriften CIA. II 4519 (zweite Hälfte des II. Jahrb.), II 985 Eii 
(100 V. Chr.) und II 1048 lo (Anfang des I. Jahrb.) als Agonotheten 
aufführen, einen griechischen Namen trägt und nicht makedoni- 
scher Herkunft ist , so müssen wir — wenn wir nicht zu aben- 
teuerlichen Vermutungen greifen wollen — auf eine Etymologie 
des Stammes verzichten und uns mit dem Hinweise auf anklin- 
gende Namen, wie: Bvciog (Thearodokos von Epidauros im ita- 
lischen Lokroi, Inscr. Gr. IV 1504 l4i), Bovrayildrig {KQOTiovnqzrig 
avr^q Hdt. V 47) begnügen. Ist dagegen BvTTaAog ein speziell make- 
donischer Name, so kaim Bvt- auf (Hvc- zurückgehen, und dieser 
Wortstamm findet sich in griechischen Voll- und Kurznamen 
(Fick-Bechtel GP.2 284): ^Hqo-cpvTog, Kle6-q)VTog, (Dviwv Ver- 
teidiger von Rhegion Diodor XIV 112, UQO(.Lvi]f.njüv von Histiaia 
Samml. GDI. 25638, Ovtalog att. Heros ((DvTaUdai) Paus. 1, 37, 2. 

Ev'/iTog und Evlaiog, ol etcI tov vof,doinazog in Pella 
(Plutarch Aemil. Paul. 23), fTalQOL lleqakog (Plutarch Mor. 70 A), 
wurden von König Perseus, als sie ihm im Jahre 168 nach seiner 
Niederlage bei Pydna freimütig ihre Meiimng sagten, nieder- 
gestossen. Evkaiog^^^) heisst auch ein Palastbeamter am Hofe 

146) Die bei Plutarch Aemil. Paul. 23 stehende Form Evdaiog ist 
also, trotz Suidas {EvÖaiog' ovofia xvqiov), unrichtig, wenn auch ein Name 
Evdaiog an sich j^'ut makedonisch wäre , vgl. ^AQQi-daiog, 'ASaTog, KXeo- 
öaTog u. s. w. 

Ho ff mann, Makedoiieii. 15 



— 226 — 

des Ptoleraaios Philometor (Polybius XXVIII 20, 5; 21, 1 Dio- 
dor XXX 15). 

Der Name Ev/.Tog ist wohl nicht das Participium «tzrog, 
sondern eine an dieses angeschlossene Kurzform zu dem häufigen 
VoUnamen Ev-y.T7Jfia)v , aus dem auch J?/;-zrac;, Ev-ktoIos, Ev- 
yLceldr^g (Fick-Bechtel GP.^ 117) hervorgegangen sind. 

Ev-Xaiog ist eine echtmakedonische Km^zform auf -aiog zu 
dem bisher nur für Makedonien bezeugten Vollnamen EvXavöqog^ 
der oben S. 142 besprochen wurde. 

Zev^ig Kvvdyov May,€dojv (Dittenberger Syll. Or. I 
no. 235), Stratege des Antiochos III gegen Molon im Jahre 220 
(Polybius V 45, 4 ff.), später Satrap Lydiens (Polybius XXI 16, 4 
Livius XXXVII 45, 5). 

Mayiedwv laJv "^iTtTCOXQazovg T'^g devregag iTtTcagx^ccQ Pa- 
pyr. Petr. I 57 no. 20, Is und lu. 

TlToXefxalog 6 Qqaaiov teilt mit dem Andromachos aus 
Aspendos den Befehl über die Phalanx des ägyptischen Heeres 
im Jahre 219/18 (Polybius V 65, 3). Wir kennen ihn auch aus 
einer in Soloi gefundenen Weihinschrift (Dittenberger Syll. Or. 
I no. 230): ÜToXefÄalog Ggaaea OTgarayog ymI aqxieQevg ^vgiag 
KolXag ymI (Dotvi/Mg EgfA-äc 'Aal '^Hgay.Xel ytal ßaaikel fieyaXoji 
^AvTioiwi. Dass er ein Makedone von Geburt war (Niese II 376) 
und nicht ein dorischer Grieche, wie Dittenberger aus dem ä 
der Inschrift folgern will, machen die Worte des Polybius wahr- 
scheinlich: denn zwischen 6 ^A%aiog Qo^ldag und ^Avöqofxaxog 
^AoTtevÖLog ist IlTolsf^aiog ohne Ethnikon, nur mit dem Vater- 
namen angeführt. 

'"ijtTca'kog und Kofiwv (Km'zform zu Vollnamen auf -zO|Uag, 
-yLO^iog) sind häufige Namen am Hofe der Ptolemaeer, vgl. Ditten- 
BERGER Syll. Or. I no. 103 Anm. 2 und no. 89 Anm. 3. 

'^l7t7c6'ko%og 6 May.eöwv, ein von Athenaeus mehrfach (III 
126de 127e IV 128a— 130 d IX 402a XIV 614 d) zitierter 
Schriftsteller. 

IdXe^avÖQog 6 Zaßcväg hcLvJkiqi^üg (129/28 — 123/22) d^ioXo- 
ywv riyefxovwv dTcoGzavruv AvTiTtcctQOv 'aoI KXoviov ymI Asqo- 
7C0V TOvTOvg yiaTaXaßofiivovg Aaodr/,€Lav t^BTtoXioq^'iqaev Diodor 
XXXIV 22. Der Name KXoviog, zwischen zwei echtmakedoni- 
schen Namen stehend, wird auch makedonisch gewesen sein. Er 
ist regelrechte Kurzform zu KleoviYog, Die griechischen Belege 
für die Verkürzung von Qeo-, Kleo-, ^Eieo- zu Qo-, Klo-, ^Eno- 



I 



— 227 — 

iii Namen hat zuletzt JSchmidt KZ. XXXVIII 40 zusammen- 
gestellt: sie sind besonders zahlreich im ionischen und megari- 
schen Dialekte (z. B. ion. ^EtovMrig, QoölcoVy Boxlogy KXoyevl- 
driq, KkoÖEivog Samml. GDI. 5345 no. 5, 17, 21, 25, 26, megar. 
QoyvsiTog, 0ozAfi/dag, QoKQlvrig Samml. GDI. no. 302554.55.63. 
64.78 u. a. m.). Die volle Kurzform Klto-wig (mit verdoppeltem 
v) ist als messenischer Name bekannt (Diodor VIII 12 Pausan. 

IV 7, 4-13, 6). 
^dixog 0tli{7tn;)ov MaKediov CIA. III no. 2562, Koseform 

zu einem Vollnamen mit ^cco-, -läog. 

Drei »TCQeoßevral tojv ßovlevvcov« der makedonischen Stadt 
Lete heissen im Jahre 118 v. Chr. ^^öalog l^dalovj ^vawv (DlIcotov, 
^AfiiVTag ^ibovg (Dittenbebgee Syll. I^ no. 3185o). Ihre Na- 
men lassen keinen Zweifel daran, dass es echte Makedonen aus 
vornehmen Familien waren. Wilhelms Vorschlag, Jieovg zu 
lesen (Arch.-epigr. Mitth. aus Österr. XV 8), ist natürhch sehr 
verlockend, da Jirg als griechischer Name nicht selten in den 
Inschriften vorkommt. Wenn nur nicht unsere Inschrift im übri- 
gen ganz sorgfältig geschrieben wäre i*'), und deshalb eine Nach- 
»lässigkeit in dem Namen eines Beamten doppelt auftälhg er- 
schiene! Sollte nicht Al- auf llg „Löwe" oder den Verbal- 
stamm II- „begehren" [Uav, U) zu beziehen sein? 
Meyalsag, Vorsteher der Kanzlei des Königs Philipp V 
(Polybius IV 87, 8), stiftet zusammen mit yteovvcog und JlToXe- 
jxalog die Peltasten und das Agema zum Aufi-uhr an (Polybius 

V 25 ff.), also zweifellos ein echter Makedone. 
Als nqeößevxai werden von Perseus an Licinius Ildvxavxog 

BaXdyiQov yial Mt^öcov BeqoLsvg gesendet (Polybius XXVII 8, 5). 
Dass bei Livius XLII 58, 7; XLIV 32, 9 Midon überliefert ist, 
durfte DiNDOEP nicht dazu bestimmen, diese Form in den Text 
des Polybius zu setzen: denn Majöcov ist, ebenso wie Mi^deLog, 
die Kurzform zu einem der zahlreichen Vollnamen auf -f^T^ÖT^g 
und als altargivischer Königsname durch Pausanias II, 19, 2 
bezeugt. 

Moigayivrjg, eig tcov ow^azofpvXdyLCJV des Königs Ptole- 
maios Epiphanes, führt 203 den Sturz des Agathokles herbei, 
Polybius XV 27, 6 ff. Der Name ist auch in Griechenland nicht 



147) Das o in otyoviotg 25 und iTutovso ist nicht für a verschrieben, 
sondern ein Beweis für das Schwinden der Quantitätsunterschiede. 

15* 



— 228 — 

selten (z. B. Iiiscr. Gr. II no. 481v 758 A Ilse 1001 is 1266 Xn 
1, no. 46353 84418 8462 u. ö. XII 2, no. 511 C7 649 XII, 3 
no. 1703. 18 u. ö.). 

MoXiovj ^^Xs^avÖQog und Neolaog, drei Brüder, von 
denen der erste in Medien, der zweite in der Persis Satrap war, 
erhoben sich im Jahre 221 v. Chr. gegen Antiochos III und 
endeten nach verlorener Schlacht durch Selbstmord (Polybius Y 
40—54). Zu Molwv vgl. Molvv^og oben S. 211. 

MvtoAog, Tiov ßaoiXrMüv rig Ttalöwv (s. oben S. 179) des 
Königs Antiochos in der Schlacht bei Rapheia 217 v. Chr. (Po- 
lybius V 82, 13). Mvg „Maus", davon Mviaviog, ist in Griechen- 
land alt und verbreitet als Menschenname. 

Tlaliov IlaTQoyilov in der MakedonenUste P. Petr. II no. 
30bi7 ist Kurzform zu dem aus Thasos belegten Vollnamen nal- 
OTQaTog Bechtel Thas. Inschr. no. 19 11?, vgl. lakon. Ilaiaöi^g 
CIA. II no. 3126. 

ndTQOVilog nccTQiovog Ma^ediuv a7C0OTal8tg v7tb ßaoi- 
liog nrolefxalov öxqaiayog ig Kqiqtav Inschr. von Itanos DiT- 
TENBERGER Sjll. Or. I 110. 455, Vgl. ebenda no. 442 (Thera). 
Bekannt auch durch Athenaeus VIII 334 a XIV 621a Paus. I 
1, 1 III 6, 4. Vgl. MaY.edtov rtov TldTQiovog ovvxayixa tov 
ayr^^azog Papyr. Petr. I 33 no. 11 16. Eine zweite makedonische 
Kurzform zu UaTQOAXijg ist IlaTgag: so heisst der Vater eines 
üoli^cüv in der Makedonenhste Papyr. Petr. II no. 30 b. 

nsQLTag May,eöcov xih'agxog tüv Nr/,avoQog Papyr. Petr. 
I 45 no. 155. Kurzform zu einem Vollnamen mit IleQL-, viel- 
leicht zweistämmig aus ]Ieqi-Ti(.iog oder üeqL-Tl'kTig und an die 
Nomina auf -rag angeschlossen i*^). 

Für nolvvdivJog ist durch den doppelten Beleg [JIoXvvöi- 
yiog MaTiedcdv F. Petr. I 57 no. 20, 1 ii aus dem Jahr 225 v. Chr., 
nToleiialog no[l]vvöi\'Aov\ in der Makedonenliste P. Petr. II 
no. 30 b 23) die Annahme eines Schreibfehlers ausgeschlossen. 
Über die Entwicklung eines n vor Explosivlaut in hellenistischer 
Zeit hat zuletzt Thumb Griech. Spr. im Zeitalter d. Hell. 135 ff. 
gehandelt und in die Mannigfaltigkeit der Belege Ordnung zu 
bringen versucht. 

JIvQQixog gehörte zu den Makedonen, die König Philipp III 



148) Auch ein Hund Alexanders soll nach Plutarch Alex. 61 üsQitag 
geheissen haben. Nach Fick KZ. XXII 233 : „im Monat üeginog geworfen". 



— 229 — 

um 204 V. Chr. auf Anstiften des Tarentiners Herakleidas hin- 
richten Hess (Diodor XXVIII 2 Polybius XXIII 10, 9), s. auch 
XQvaoyovog. 

EvTcoXsfxog ütaTaXov Ma/^dcov dvi^Q, geehrt durch ein De- 
kret der Stadt lasos, also jedenfalls aus angesehenem Stande, 
CIG. no. 2675b 10 (EPIß). Uiotal' ist ein aus Thessalien und 
Böotien belegter Namenstamm, vgl. thess. IlouzaXog Samml. GDI. 
no. 34089, IIovTaleia 348, Uovxdla 348 1300 (thess. ov aus w), 
boeot. vorion. Alphab. IlwvaXlg Inscr. Gr. VII no. 3501, ilw- 
'paXXsig no. 3176. 

Als nach dem Tode des Ptolemaios Keraunos (280 v. Chr.) 
seine beiden Nachfolger Meleagros und Antipatros sich nur für 
wenige Wochen auf dem Throne Makedoniens behauptet hatten, 
trat 2ü)ad-€vtjg an die Spitze und schützte die Grenzen gegen 
den Brennus. Er stammte nicht aus der königlichen, ja nicht 
einmal aus einer angesehenen adligen Familie: bei Justin XXIV 
5, 12 heisst er zwar »unus de Macedonum principibus«, wird aber 
gleich darauf als »ignobilis« den »multis nobilibus regnum Mace- 
doniae afFectantibus« gegenübergestellt, und nach Porphyr. Tyr. 
4, 6 ist er »rtuv drji.ioTrMov zig« (FHG. III 699). Er nahm in- 
folge dessen auch nicht den Titel »König« an (Justin a. a. 0.). 

XQvooyovog, Truppenführer des Königs Philipp im Jahre 
218 (Polyb. V 17, 6), scheint Nationalmakedone gewesen zu sein: 
er bringt ein Heer im „oberen" Makedonien zusammen (Polyb. 
V 97, 3), sein Sohn 2ä(xog ist »avvTqocpog^^^) zov ßaaLl€(og<a 
(Polyb. V 9, 4) und fällt mit anderen vornehmen Makedonen 
{tcüv hv d§LCü(xaTi ^eifxivMv cpUwv Diodor XXVIII 2) den Rän- 
ken des Tarantiners Herakleidas zum Opfer (Polyb. XXIII 10, 9). 
Der an beiden Stellen bei Polybius überlieferten Form ^a/^og 
steht bei Plutarch Mor. 53 E ^dfiiog gegenüber. 2afiog (nicht 
^d/nog, wie die Handschriften bieten) ist Kurzform zu einem der 
zahlreichen Vollnamen mit ^tjiho- oder -or^fiog und auch im 
Griechischen als 2rii.iog und 2ä^og belegt, vgl. FiCK-BECHTEii 
GP.2 249. 

Zum Schluss noch ein Frauenname. 

Einer der Generäle und Freunde des Mithridates Euergetes 
war Dorylaos. Er übernahm während eines Aufenthaltes in Kreta, 
so erzählt uns Strabo X 477, den Oberbefehl über die Knossier 



149) Über die Bedeutung dieses Wortes vgl. Dittenberger zu Sylt. 
Cr. I 404 no. 247 Anra. 2. 



— 230 — 

in einem Kriege gegen Gortyn, gewann dui'ch seine Erfolge 
grosses Ansehen und zog es nach dem Tode des Mithridates vor, 
in Knossos zu bleiben: TsyivoTroielTaL d^ Iz Maxeridog ywatviog, 
^TeQOtrtrig rowofia, ovo fniv vleTg ylayhav /.al ^tQaxciQxctv, 
lov Tov ^TQaTccQxccv F.oyaTO'yrjQiov yial i^ftielg tJStj el'öof.iev, d-iyaregcc 
di ^iav , . . tov Ss Aaykxa ^vyatiqQ J^v tj fxi^TrjQ xijg sjurjg 
firiTQog. Woher die Familie des Dorylaos stammte — er hatte 
noch einen Bruder 0ilhaiQog, dessen Sohn JogvXaog zusammen 
mit dem Mithridates Eupator aufwuchs (üittenberger Syll. Or. 
I no. 372) — , erfahren wir durch Strabo nicht. Makedonisch 
wird sie nicht gewesen sein: denn sonst würde Strabo nicht 
ausdrückhch bemerken, dass des Dorylaos Frau Sterope eine 
Mayihig war. Sie wird aus einer der zahlreichen vornehmen 
makedonischen FamiHen, die sich über die Städte Kleinasiens 
verbreitet hatten, stammen. Der Name ihres Sohnes Aäyhag 
khngt an den makedonischen Namen Aayog an. 



12. Schlusswort. 

Das klare Ergebnis unserer Untersuchung der makedonischen 
Personennamen lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen: 

Die Namen der echten vollbürtigen Makedonen, 
vor allem die Namen der Fürsten und Adligen, sind 
ihrer Bildung und ihren Lauten nach rein griechisch. 
Sie zeigen dialektische Färbung und erscheinen den thessali- 
schen Namen am nächsten verwandt. Der griechische Gesamt- 
charakter des makedonischen Namenschatzes wird dadurch nicht 
im mindesten zweifelhaft, dass manche Namen aus der griechi- 
schen Heldensage entlehnt sein mögen und dass ein ganz ge- 
ringer Bruchteil sogar aus den Sagen nichtgriechischer, genauer 
vorgriechischer Völker stammt (z. B. Tevra/xog, Magovag, ^et- 
Xrjvog u. a.). Denn diese beiden Quellen haben nicht bloss in 
Makedonien, sondern ebenso auch in Griechenland selbst dem 
Namenschatze reiches Material zugeführt. 

Der griechische Name ist in seinen Lauten und den Gesetzen 
seiner Bildung so grundverschieden von dem thrakischen und 
illyrischen, dass der griechisch - makedonische Name als ein 
„Mittelglied" zwischen dem griechischen und thrakischen ganz 
undenkbar ist. Wer also die Makedonen nicht zu den Griechen 



231 — 






zählt, der muss konsequenter Weise folgern, dass sie ihre natio- 
nale ursprüngliche Namengebung schon im VI. und V. Jahrhun- 
dert vollständig aufgegeben und dafür zum Zeichen ihrer 
Bewunderung der griechischen Kultur die griechischen Personen- 
namen eingeführt hatten. Diese Auffassung zu bekämpfen halte 
ich für müssig. Denn sprachgeschichtliche Hypothesen, die ohne 
Rücksicht auf das reale Leben der Völker in die Welt gesetzt 
werden, richten sich selbst. 

Beweisen aber die Namen unzweideutig, dass die vollbürtigen 
Makedonen echte Griechen waren, so ist auch ihr griechi- 
scher Wortschatz nicht den Thessalern entlehnt (vgl. 
oben 11 5 ff.), sondern ein Erbstück ihres Volkstumes. Die grie- 
chische Kultur und Sprache ist nicht von Thessalien aus ledig- 
hch als geistiges Gut zu fremden Völkern in Makedonien ge- 
wandert, sondern ein griechischer Volksstamm, waffenfroh und 
kräftig von klugen Fürsten geführt, hat Makedonien erobert und 
zu einem griechischen Lande gemacht. Das Makedonische war 
also ein griechischer Dialekt, und wir müssen jetzt ver- 
suchen, seine in den Glossen und Namen hervortretenden Eigen- 
tümlichkeiten zu einem Gesamtbilde zu vereinigen. 



232 — 



Vierter Abschnitt, 
Der makedonische Dialekt 

1. Die Mediae an Stelle der Aspiratae. 

An Stelle der gewöhnlichen Aspiratae S- q> % wurden von 
den Makedonen die Mediae d ß y gesprochen, im Anlaut wie 
im Inlaut der Wortstämme. Diese am meisten hervoi-tretende 
Eigentümlichkeit ihres Dialektes ist durch Glossen und Namen 
reichlich belegt. 

d- für ^-: davog für ^dvog (S. 75), dcoga^ für ^w^a^ (S. 75), 
Jdqqwv für Qdgowv (S. 95), sdeaTQog für eTvi-d^eargog (S. 78), 
Evdalaylveg für EvS^aXylveg (S. 96), Jvarqog Monatsname für 
GvoTQog (S. 106); dazu dwd für &coid (S. 82) und de(a)fi6g für 
^safÄog (S. 82). 

-d- für -d^-: ädrj für al^Q (S.37), döqaia für aid^qia (S.37), 
2tad(xeag zu Gtdd^fxr] (S. 144), nawogöavog für UavzoQd^avog 
(S. 183); dazu /mvclöol für yvdd-oi. (S. 52), dcdaXa für (J^^Aa 
(S. 67), zt'(5a^ für v^vd^aq (S. 76), aldiooöa für aY^ovoa (S. 59), 
adaAog für «i^aAog (S. 58). 

/?- für qp-: BdXaÄQog für cpala/^dg (S. 175), BeqevUa für 
0eQevl%a (S. 217), Beqex/Mg Kurzform zu 0€QBy,Qdvrjg (S. 225), 
Bigoia Stadtname zu thess. Oagai, '^YTteQßsQsrdlog Monatsname 
zu Z€i)g vTTEQCpSQeTag (S. 108), BoQcuog wahrscheinhch für Ooqalog 
(S. 148), auch ßdöv^ioi für 9)a(Tztot (S. 67). Zweifelhaft Biqdag (S.204). 

-/^- für -q)-\ dßqovßeg für ocpqieg (S. 51), '/.eßald für x€- 
yaXa (S. 50), KeßaXog, KsßaXivog (S. 209); dazu W/9a für W^a 
(S. 37), qovßoTog zu qvcpko (S. 73), vJfißovg für yofxcpovg (S. 52), 
y,dqaßog wahrscheinlich für G^dqcpog (S. 28). 

/- für /-: Fatreag zu x«^'^^ nach Solmsen (S. 143). Von 
der Vermutung, dass yoöa (S. 50) aus yola verderbt sei und zu 
XoldSeg gehöre (Solmsen KZ. XXXIV 550), sehen wir besser ab. 



— 233 — 

-y- für -X-: Koggayog vielleicht für Kogoaxog (S. 146), Ma- 
yag für Maytag (S. 223). 

Dass in den Personennamen häufiger die Aspirata als die 
Media inschriftHch und handschriftlich überliefert ist^), beweist 
nichts für die Aussprache. Ehe zu Anfang des lY. Jahrhunderts 
von den Makedonen, wie von den übrigen griechischen Stämmen, 
das ionisch-attische Alj)habet angenommen wurde, wird man in 
Pella sich des altgriechischen Alphabetes bedient und in diesem 
ohne Eücksicht auf die sich wandelnde Aussprache der Aspiratae 
an den Schriftzeichen ©, © und ^ festgehalten haben. Verein- 
zelt nur und in etymologisch isolierten Namen, wie ^Tadfueag, 
machte man der Aussprache Konzessionen. Als dann aber das 
neue Alphabet kam, schritt man zu einer phonetisch getreueren 
Wiedergabe der wirklich gesprochenen Laute und schrieb nun d, 
ß und y. Nur in den Eigennamen erhielt sich die alte Ortho- 
graphie und zwar besonders in solchen, die als Fürsten- und 
Adelsnamen berühmt geworden waren und durch frühzeitiges 
häufiges Niederschreiben ein festes Schriftbild gewonnen hatten. 
Ein treffendes Beispiel dafür sind einerseits (DiliTtTcog und Mor- 
Xazag, andererseits BbqbvIvm und Mdyag. Die ersten beiden 
Namen gehören dem Fürstengeschlechte der Argeaden und seiner 
Seitenlinie in der EHmeia an. Daher sind in beiden die Aspi- 
ratae in der Schrift erhalten. Berenika dagegen war in erster 
Ehe mit einem Makedonen niederen Standes verheiratet und 
stammte also selbst sicher ebenfalls aus einer einfachen, nicht 
zum Ritterstande zählenden Familie. In ihrem Namen wie in 
dem Namen ihres Vaters und ihres Sohnes erster Ehe ist ß für q> 
und y für x geschrieben. 

Natürlich haben auch allgemein verbreitete Griechennamen 
wie ^^ydS^coVf Ileld^ioVj '"^vÖQO^ayog u. a. ihr Teil dazu beigetragen, 
dass die Makedonen ihre dialektische Aussprache in der Schrei- 
bung ihrer Eigennamen nicht zum Ausdruck brachten. 

Auffallender ist es, dass auch in den Glossen, die doch des 
Dialektes halber aufgezeichnet sind, bisweilen eine Aspirata über- 
liefert wird. Bei ^2) handelt es sich allerdings um zwei Götter- 

1) In dem Perdikkas-Vertrage stehen den Namen BogaTog, Exadfxsag, 
Faitsag, KoQQayog gegenüber (ausser ^ilinnog und *AQxslag) Bvvog, ß^rja', 
^H'&aQog, !dya.'&(ov, Maxdrag, -(/.axog. 

2) Der makedonische Ursprung der Glosse ^sqs^qov (S. 38) ist 
zweifelhaft. 



— 234 — 

namen (s. oben Qavlog S. 94, Qovqtöeg S. 97 Anm.) und bei cp 
um das Wort aqcpvg „Riemen" (S. 67), dessen cp gar nicht einmal 
griechisch ist, wenn der gleiche Stamm in agTre-ötüv vorliegt. 
Als einwandsfreie Belege bleiben also nur zwei Fälle mit % übrig : 
Xaqwv „Löwe" (S. 43) und ayxaqfxog „die Lanze senkrecht hal- 
tend", aus dem Kommando »aVa xaqi^iav« entstanden (S. 88). 
Sie haben Hatzidakis Makedonen 36 zu der Vermutung geführt, 
dass im Makedonischen nur d- und 9 zu (5 und ß geworden seien, 
X aber sich unverändert erhalten habe. Das ist a priori wenig 
wahrscheinHch und wird durch Mayag, nach Solmsen auch durch 
Tmxiag widerlegt. Für '^fäqoiv ist ein Tzetzes-Scholion zu Lyko- 
phron die Quelle: ob in ihm das Wort »Mazc^oVeg« nicht viel- 
leicht in demselben Sinne gebraucht ist wie von den Atticisten, 
wenn sie vMQaGLOv, QVf^r^, 7taqEf.ißoXiq als „makedonische" Worte 
ausgaben (oben S. 23 ff.)? Dieser Ausweg fehlt für ayxctqtiogi 
denn das ist, wie wir sicher wissen, ein Ausdruck des makedoni- 
schen Exerzierreglements gewesen; selbst wenn dieser von den 
Makedonen aus der dorischen Heeressprache entlehnt wäre — 
was ganz unwahrscheinlich ist — , so würde doch in ihm ebenso 
wenig wie in irgend einem anderen Worte die der makedonischen 
Artikulation fremde Aspirata gesprochen worden sein. Das % 
kann also nur, ebenso wie in den Eigennamen, auf einer von der 
Aussprache abweichenden Orthographie beruhen, und diese ist 
für ayxciQf^og leicht begreiflich. Wie ich schon oben andeutete, 
stammen die Hesych-Glossen ay/f^Q^^ov und v.ayyaQixov nicht aus 
einer grammatischen Sammlung makedonischer Glossen, sondern 
aus einer literarischen Quelle, wahrscheinHch aus einem der 
Alexander-Historiker. Diese schrieben aber nicht makedonisch, 
sondern attisch, und wenn sie — was wiederholt vorkam — ein- 
zelne makedonische Worte anführten, so war es nur natürlich, 
dass sie diese, wenn ein deutlicher Zusammenhang mit gemein- 
griechischen Worten bestand und hervortrat, in der gemein- 
griechischen Schriftform ohne Rücksicht auf die für den Histo- 
riker gleichgültige dialektische Aussprache einzelner Laute wie- 
dergaben, vgl. die Bemerkung zu vlqvog S. 63. 

Die makedonischen Mediae an Stelle der Aspiratae sind für 
die Makedonenfrage dadurch wichtig geworden, dass Kretschmer 
Einleitung 288 in ihnen einen gewichtigen Zeugen — und zwar 
den einzigen! — gegen den griechischen Charakter der make- 



— 235 — 

douischen Sprache zu finden glaubte. Seine Beweisführung be- 
sticht auf den ersten Blick. Die griechischen Aspiratae, so lehrt 
die griechische Grammatik, wurden schon in ältester gemein- 
griechischer Zeit als Tenues aspiratae {ph, ih, kh) gesprochen; 
hervorgegangen waren sie aber aus den im Sanskrit noch erhal- 
tenen indogermanischen Mediae aspiratae bh^ dh, gh {q)€Qio: ssk. 
bhdrämi, ^^- : ssk. dhä- „legen, stellen") ; wenn nun das Make- 
donische statt der Aspiratae reine Mediae aufweist, so können 
diese nur aus den ursprünglichen Mediae Aspiratae, nicht aber 
aus den griechischen Tenues aspiratae hervorgegangen sein; da& 
Makedonische stand also zur Zeit, als seine Mediae aus den 
Aspiratae entstanden, in Bezug auf die Aussprache der Aspiratae 
noch auf einer vorgriechischen Lautstufe. 

Dem hat Hatzidakis mit vollem Rechte ein prinzipielles 
Bedenken entgegengehalten : erweist das ganze übrige sprachliche 
Material das Makedonische als einen griechischen Dialekt, so ist 
es ein methodischer Fehler, eine einzelne Erscheinung des make- 
donischen Lautsystems herauszugreifen und sie als Bürgen für 
die nichtgriechische Art der Sprache zu verwenden. Und würde 
denn wirklich der Übergang einer Tenuis aspirata in die Media 
in einem griechischen Dialekte unmöglich sein, widerspricht er 
etwa einem bestimmten Grundgesetze des Griechischen? leb 
wüsste nicht. Es liegt also kein Grund vor, ihn dem Makedoni- 
schen als einem griechischen Dialekte abzusprechen, wenn sieb 
nicht etwa noch eine einfachere Erklärung der makedonischen 
Mediae geben lässt. Das ist aber in der Tat der Fall. 

Dass die Aspiratae des Griechischen als Tenues aspiratae 
gesprochen wurden, dass ihre Entstehung aus den indogermani- 
schen Mediae aspiratae in die griechische „Urzeit" fiel und des- 
halb zu den unterscheidenden Merkmalen des Griechischen 
gehört, ist eine in der griechischen Grammatik zum Dogma 
gewordene Lehre. Sie stützt sich im wesentlichen auf zwei 
Beobachtungen : 

1. Nach einem gemeingriechischen Lautgesetze geht eine 
Aspirata vor einer Aspirata der nächsten Silbe in die Tenuis 
über: Tidir^fÄi für ^d^ld^rifu, ^cetpivM für '^(pe(pvy.a. Also wurde 
die erste Aspirata zu der Zeit, als sie ihren Hauchlaut verlor^ 
schon als Tenuis aspirata gesprochen, der Übergang von idg, 
dhidhemi in griech. thithemi war damals bereits vollzogen. 

2. In dem alten Alphabete von Thera wird (f durch PBr 



— 236 — 

X durch KB ausgedrückt. Das altkretische Alphabet (z. B. der 
Tafeln von Gortyn) verwendet p als gemeinsames Zeichen für tv 
und cp, und ebenso K für z und x (ther. rB;5'R0, kret. PEPO 
für cp^Qco, ther. KQOI?/?N, kret. KOPEN für x^Q^^^)- Diese Schrei- 
bung war nur möglich, wenn q) und x ^Is aspirierte Tenues ge- 
sprochen wurden. 

Nun hat aber das zuerst genannte gemeingriechische Gesetz 
von der Dissimilation zweier Aspiratae bekanntlich im Griechi- 
schen Ausnahmen, deren Erklärung unserer Grammatik bis jetzt 
noch nicht gelungen ist. Sie zerfallen in zwei Gruppen. 

Aus allen griechischen Dialektgebieten besitzen wir In- 
schriften alten Alphabetes (also VI. und V. Jahrb.), in denen 
statt eines nach dem Aspiratengesetze zu erwartenden r ein ^, 
statt eines tt ein cp geschrieben ist (zahlreiche Belege bei GMeyer 
GG.3 S. 282). Zum Teil kann in diesen Fällen ein einheithches 
Schriftbild des Stammes beabsichtigt und deshalb die Aspirata 
ledighch fürs Auge berechnet sein, z. B. i^t^rjv (statt md^rjv) 
nach eyHi.ti]v, -d^ezog, x^^Q^ (statt yiv^glg) nach x«'w, ztTo'c;, x^^^'s 
u. a. m. Wo diese Erklärung aber versagt, wie z. B. bei d^vcpXogy 
<DBi^iov, cpag^evog, muss der Anlaut ^ (p von dem gewöhnhchen 
T Tc verschieden gesprochen worden sein. Früher meinte man nun, 
dass hier wirklich alte Ausnahmen von dem Aspiratengesetze 
Torlägen, dass wir es also bei ^- (p- mit ursprünglichen Aspiraten 
zu tun hätten. Diese Ansicht lässt sich nicht aufrecht erhalten, 
weil die Aspirata vielfach nicht nur diejenige gemeingriechische 
Tennis vertritt, die nach dem Aspiratengesetze aus Aspirata vor 
Aspirata entstanden ist, sondern auch eine ursprünghche Tenuis, 
der in der nächsten Silbe eine Aspirata folgt, z. B. Nixdgxcov 
für Ni/.-dgywVy (Dd(,icpaiog für Ildjucpaiog u. a. (Keetschmer 
Vaseninschr. 149 ff.). So pflegt man denn jetzt die Aspirata aus 
einer regressiven Assimilation der Tenuis an die folgende Aspi- 
rata zu erklären. Das Griechische müsste also seine ursprüng- 
liche Abneigung gegen die Aufeinanderfolge zweier Aspiraten 
schon recht zeitig so vollkommen überwunden haben, dass es 
diese Lautfolge dann geradezu begünstigte und neu schuf. Un- 
möglich ist das. ja nicht — man wird natürlich an das spora- 
dische Vorspringen einer Liquida in OTQaTTjg, Ttqaxgigy /liyyllg 
u. a. erinnern (GMeyer GG.^ 392) — , aber doch wenig wahr- 
scheinlich, und noch schwerer wird es uns zu glauben, dass 
50gar in QcoQo&sog (Keetschmer Vaseninschr. 153) aus der 



— 237 — 

Media 6- durch den Einöuss des -d- die Tenuis aspirata ge- 
worden sei. 

AVährend wir hier wenigstens noch einen schwachen Versuch 
zui' Deutung gemacht finden, hat die Grammatik bei der zweiten 
Gruppe von Formen auf eine Erklärung ganz verzichten müssen. 
AVenn im Griechischen ein labialer oder gutturaler Sprenglaut 
mit der Aspirata ^ zusammentrifft, so entstehen die Lautgruppen 
9^^ und x^' TeTQa(p^aL, Tivgaqjße, zErvx^ccif sxq)tQeiv, Diese 
kommen femer in zahlreichen Wortstämmen im Anlaute vor 
{(pd^iviOy x^cJr u. a.). Was ist ihr Lautwert? „Wenn man bei- 
den Elementen die Geltung als aspirierte Tenues gibt, waren x^ 
cfd^ unsprechbar^' (GMeyee GG.^ 286): in dieser negativen Ant- 
wort stimmen alle Grammatiker überein. Nehmen wir aber an, 
dass pth kth gesprochen wurde , so verstehen wir nicht, weshalb 
die Griechen dann nicht 7t d- %^ geschrieben haben. Die Gründe, 
die man für eine solche angeblich „dem Auge zu Liebe" gewählte 
Orthographie angeführt hat, bedürfen der Widerlegung nicht. 

Die Schwierigkeiten, die durch diese scheinbar gesetzwidrigen 
Aspiraten sich auftürmen, fallen zusammen, wenn die griechischen 
Aspiratae in ältester Zeit nicht Tenues aspiratae, sondern stimm- 
lose Mediae aspiratae, also nicht stimmlose harte, sondern 
stimmlose weiche Explosivlaute mit nachkUngendem Hauch- 
laute waren. Das ist zuerst von Meillet erkannt und ausge- 
sprochen worden (La Parole 1901, no. 8, Sur la prononciation 
des aspirees grecques). Ich muss mich in diesem Zusammen- 
hange darauf beschränken, ganz knapp zu zeigen, wie nicht nur 
die eben angeführten scheinbar ungesetzlichen Aspiratae, sondern 
auch die beiden angeblich für die Aussprache der Aspiratae als 
Tenues aspiratae zeugenden Argumente und andere Tatsachen 
der Aspiraten-Geschichte ihre Erklärung finden, wenn wir für 
das Griechische von stimmlosen Mediae aspiratae ausgehen s). 

Büsste in einem Praesens (Thicrhenü die erste der beiden weich 
und stimmlos gesprochenen Aspiratae nach dem gern ein griechi- 
schen Dissimilationsgesetze den Hauchlaut ein, so wurde sie zur 
stimmlosen Media d\ Für diesen Laut besass das Griechische 
kein besonderes Schriftzeichen. Entweder musste also der Verlust 
des Hauchlautes ganz unbezeichnet bleiben (ei©)^MI) oder aus- 



3) Als Umschrift für die stimmlosen Mediae wähle ich d" h" g°, für 
die stimmlosen Mediae aspiratae d°h, b°h, yh. 



— 238 — 

hülfsweise die stimmlose Tenuis als nächstverwandter Laut für 
die stimmlose Media geschrieben werden (Tie;^MI), wie auch wir 
heute die stimmlose sächsische Media h durch p auszudrücken 
pflegen. Das Zweite wurde im Griechischen die Regel. 

Ebenso blieb denjenigen griechischen Alphabeten, die keine 
besonderen Schriftzeichen für die Aspiratae })h und gh führten, 
nichts anderes übrig, als cp {l)h) mit PB und x (/'O ^^^ KB zu 
umschreiben. Wenn die Kreter sogar das Zeichen des Spiritus 
noch fortliessen (rtvXd = cpvlr^, y^Qovog = XQOvog), so dürfen wir 
daraus schliessen, dass der Hauch in den Aspiraten b°h gh bei 
ihnen nur schwach klang. 

Diejenigen beiden Tatsachen also, aus denen man Tenues 
aspiratae für das Griechische erschlossen hat, vertragen sich 
ebensogut mit dem Ansätze von stimmlosen Mediae aspiratae. 

Dass T in rid^riuL eigentlich eine unzulängliche Wiedergabe von 
d"- war, wurde natürlich besonders von solchen Individuen und Dia- 
lekten empfunden, die die echte tenuis t (wie in TeXog) recht hart 
sprachen. Wollten diese nun in der Schrift die weiche Aus- 
sprache des d°- zum Ausdrucke bringen, so konnten sie das nicht 
anders als dadurch, dass sie e für cT schrieben. Natürlich war 
ja das auch nur ein Notbehelf. Aber die Verwendung des Zei- 
chens der aspirierten stimmlosen Media für die nicht-aspirierte 
liess sich in diesem Falle leicht damit begründen, dass ja eine 
irrtümliche aspirierte Aussprache wegen der folgenden Aspirata 
nicht zu befürchten war. So entstanden die Schriftbilder ev® 
AO^, (Dy5"ieON = d°ub°hlos, b°eid°hön (rvcpXog, Tleid^tDv). In ihnen 
spricht sich nicht die geringste Änderung des alten gemein- 
griechischen Lautstandes aus, von einer sekundären Aspiration 
ist gar nicht die Rede. 

Wie die gemeingriechischen Lautfolgen d^-Vh-, b°-d°h- u. s. w. 
(aus d°h-b°h, b°h-d°h), so sind, wie wir oben sahen, gelegentlich auch 
die ursprünglichen Lautfolgen t-Fh-, p-d°h-, p-Wh- u. s. w. durch 
zwei Aspiraten wiedergegeben {(Daixcpaiog). Es kann sein, dass 
in diesem Falle die stimmlose Tenuis (t p) durch Assimilation 
an die stimmlose aspirierte Media (d°h b°h) in die stimmlose — 
natürhch nichtaspirierte! — Media übergegangen ist. Doch ha- 
ben vielleicht nur häufigere Schreibungen wie d^v(pl6g, d^gocpog 
{d°ub\ d°rob°h) die Veranlassung dazu geboten, auch tiiFh u. ähnl. 
mit zwei Aspiraten zu schreiben. 

Wenn im Inlaute die Verschlusslaute -k^ -g, -gh, -p, -b, -Uh 



~ 239 — 

mit d°h' zusammentrafen, so entstanden durch Assimilation die 
Konsonantengruppen -g°d°h-, -h^cTh-. Dass in ihnen die stimmlosen 
Mediae g und }) mit ganz wenigen Ausnahmen (a^c^ivog^ xara- 
^d-iiiavog GMeyee, GG.^ 286) immer durch / und q) wieder- 
gegeben wm'den (/v^, cpd), während das, wie wir eben sahen, im 
Anlaut vor Vokalen nur sporadisch geschah, wird darauf beruhen, 
dass die unmittelbar vor Vokalen stehende stimmlose Media der 
sie in der Schrift vertretenden Tennis wirklich ziemlich nahe 
stand, weil diese dui'chschnitthch nicht sehr hart gesprochen zu 
sein scheint (Lindsay-Nohl Lat. Gramm. 83), während in den 
zusammengesetzten Gruppen -xt- und -yß- {-g°d°h') der Unter- 
schied zwischen harter und weicher Lautbildung deutlich empfun- 
den und gehört wurde. 

Wird einfache stimmlose Media aspirata unter besonderen 
Verhältnissen geminiert, so bildet die Schreibung g)cp, d^d-, xx 
= b°bli, d°d°h, g'g°h [^acpcpw, ^^yaS-^aiy Bdxxog) die Ausnahme : 
das Gewöhnliche ist Tzcp, t^, /,%. Es war also mit der Gemi- 
nation gewöhnhch eine Verschärfung der Artikulation verbunden, 
die aus der stimmlosen Media eine Tennis {jpph, tth, kkh) machte. 

Das altattische und böotische Alphabet gibt die Doppel- 
konsonanten ^ und ih durch x^ ^i^^ <P^ wieder. Eine Erklärung 
dafür fehlt, solange uns / und (f als Tenues aspiratae gelten. 
Geben wir ihnen aber denselben Lautweit g° b° wie in -x^' ^^^ 
-9^-, so hat das Attische die stimmlosen Doppelkonsonanten ^ 
und 1// nicht hart i-ks-, -ps-), sondern weich {-gz-, 'b°z°'), gesprochen. 
Diese Aussprache war gemeingriechisch in einem einzelnen Falle, 
dessen Erklämng auch manches Kopfzerbrechen verursacht hat. 
Die Lautgruppen -W-, -ksn-, -ksm- werden zu -xv-j -x/^-i rnuk-s- 
lös zu fÄVxlog, lük-s-nos zu Ivx^og (Stamm Xevyc-), plok-s-mös zu 
Ttloxi^og (Stamm Ttley,-). Woher die Aspirata? Nach Brüg- 
MANN GG.* 97 soll das n und l hinter s stimmlos geworden sein 
und dann auf den vorhergehenden Verschlusslaut „ebenso wie das 
stimmlose r^^ gewirkt haben. Dieser ad hoc konstruierte Laut- 
wandel wird durch den Ansatz einer Grundform mugzlös, lüg'znos, 
plogzmos überflüssig: vor Z, n und m wurde die Lautgruppe -ks- 
weich, d. h. als Verbindung eines weichen stimmlosen g mit 
einem weichen stimmlosen z (oder stimmhaften z^) gesprochen, 
und nach Ausfall des z zwischen Konsonanten bheb deshalb -//-, 
-gn-, -gm- = -x^-, -xv-, -xf-i- übrig. 



— 240 — 

Wie sich durch den Ansatz von gemeingriechischen stimm- 
losen Mediae aspiratae die mehr in der Schrift als in der Aus- 
sprache beruhenden Rätsel der griechischen Aspiratengeschichte 
lösen, so wird damit auch der Einwand gegen die Zugehörigkeit 
des Makedonischen zum Griechischen hinfälUg. Während andere 
griechische Dialekte schon frühzeitig cU'h in th und weiter in die 
Spirans / verwandelten, haben die Makedonen aus den stimm- 
losen Mediae aspiratae stimmhafte Mediae aspiratae*) oder 
Mediae gemacht. Das ist ein Lautwandel, der für das Griechische 
als ein einzeldialektischer Vorgang um so weniger Befremden 
erregt, als er unter bestimmten Bedingungen im ganzen griechi- 
schen Sprachgebiete eingetreten ist. Von Cuetiüs Griech. Ety- 
mol.^ 527 ff. sind diejenigen Fälle zusammengestellt, in denen 
eine Aspirata hinter Nasal in die Media übergegangen ist. Ver- 
geblich suchen wir diesen Lautwandel bei Brugmann, und 
GMeyer GG.^ 277 lehnt ihn, ohne auf die Belege einzugehen, 
mit der Bemerkung ab, dass er »unerweislich sei und auf un- 
sicheren oder nachweislich unrichtigen Etymologien« beruhe. 
Nun, wenn der etymologische Zusammenhang von ^ccjußog „Stau- 
nen" mit tacpog (Stamm d°hab°h-\ von ^gofxßog „geronnene Masse" 
(z. B. ai/LiaTog) mit yala TQtq)ezai „die Milch gerinnt", rgocpakig 
„Käse", von 7,6QVf.ißog mit yiOQvq)?^, von ßQ£/.ißog' tfxßqvov Hes. mit 
ßQBcpog, ssk. gdrbhas „Leibesfrucht", von y,vfißog mit ssk. kmnbhds 
»unsicher oder unrichtig« sein soll, dann sind Etymologien über- 
haupt wertlos für die Aufstellung von Lautgesetzen. Freilich 
könnte man sagen, dhamb- in ^a^iß- sei bereits eine „indoger- 
manische" Nebenform von dhabh- mid nicht erst im Griechischen 
selbst vor dem Eintritt des Dissimilationsgesetzes der Aspiratae 
entstanden. Dieser von Osthoff IF. IV 290 V 327 Brug- 
MANN Grundriss I^ 633 ff. Thumb KZ. XXXVI 183 gewählte 
Ausweg versagt aber bei denjenigen griechischen Wortstämmen, 
die zuletzt JSchmidt Sonantentheorie 65 zusammengestellt hat 
und in denen der Übergang der Aspirata in die Media erst 
nach dem Aspiratengesetze eingetreten sein kann {zvcpog „Dünkel", 
tv(poytQtov Aristoph. Nub. 908 neben TviißoytQuv EüxatoyijQwg 
Hesych, yiqovxa Tvfißov Eur. Med. 1209 u. a., a-xi^ßco „täusche, 



4) Dass die Mediae ß y 8 nicht unbedingt reine Mediae bezeichnen 
müssen, sondern auch für stimmhafte aspirierte Mediae stehen können, 
beweist die Umschreibung der indischen stimmhaften aspirierten Mediae 
durch ß y d, z. B. '^ßiaaQtjg (Arrian) == Ssk. AbJmäras. 



I 



— 241 — 

betrüge" zu ssk. dahh-y dambh- „benachteiligen, täuschen", 7zvvö-a^ 
„Boden" zu 7Tv^-f.ir/v). Da nicht jede Aspirata hinter Nasal zur 
Media geworden ist, so sind die näheren Bedingungen des Laut- 
wandels noch festzustellen: nach Meillet Mem. Soc. Ling. VII 
165 soll die Lage des Akzentes den Ausschlag gegeben haben, 
doch kommen Avir damit nicht glatt durch &). 



2. Die übrigen Laute. 

Vokale. 

1. Kurze Vokale. 

Den aus den äolischen Dialekten bekannten Übergang von 
a in neben Nasalen und Liquiden bezeugen fürs Makedonische: 

KoQavvog, makedonische Dialektform für Kdgävog aus 
*yiaQao-vog (S. 125). 

yiO(.i^i(XQai oder ÄOf^idgat „Krebse" für dor. /.afifxaQOt 
(S. 48). 

Ist der Name ^e-ltvMg richtig als Zd-levMg gedeutet 
worden (S. 174 ff.), so lautete die Präposition öid im Makedoni- 
schen wie im Thessalischen dit-: {öie-: ae-). 

Tonloses e hat sich folgendem a assimiliert in yaßaXd 
neben AsßaXa. (S. 50). Über y.a'kaQQvßd neben 'AEhxQvCw vgl. 
Anhang I, S. 262. 

Ein L vor a ist zu e geworden in Ivöta „Mittag^^ aus tvdla 

(S. 64). 

Von V ist £ zu t geworden in der Präposition Iv, die in 
dieser Form regelmässig im Arkadischen und Kyprischen, ver- 
einzelt auch im Kretischen und in anderen Dialekten auftritt: 

Ivdta „Mittag^^ für gemeingriech. tvöia (S. 64). 

Itela wahrscheinhch für Iv Uhx „zum Heil" (S. 65 269). 



5) Auch in 'd'vydxi]Q : ssk. duhita^ aya^og : germ. göda-, slav. yodo- 
„passend", ayoarog : ssk. hffstas (Saussure Systeme prim. 53), vrj-ydrsog 
„neu" : ssk. d-hata (WSchulze KZ. XXVII 605) scheint unter einer be- 
stimmten Bedingung y nach griechischem Lautgesetze aus ^rÄ entstan- 
den zu sein. 

Hoff mann, Makedonen. 16 



— 242 — 

Vor -OQ' {-Q-) und -II- scheint die Aussprache kurzer Vokale 
geschwankt zu haben. So ist überliefert 

€ für a in "^EqQidaloq (einmal inschrifthch zwischen 389 
und 383 aus Olynth belegt, S. 134) neben dem gewöhnlichen 
^AQQiöalog, 

e für i in ze^^dg (oder /J/.€QQog) „blass", gemeingriechisch 
%tQQ6g (S. 53) und in agyella „Badestube" aus aqyilXa (S. 59). 

Umgekehrt liegt i neben e in ßiqqo^ (S. 52) zu ßeggog^ 
ßeigög „dicht behaart", ^YgoTtog (S. 130) neben ^^egorcog. 

Gemeingriechisches o ist durch a vertreten in dem Stamme 
aßqv- (geschrieben aßqov-, aßgo-) für 6q)Qv- (S. 51). 

Das V wurde von den Makedonen wie von den meisten 
griechischen Stämmen als u, nicht als ü ausgesprochen. Die 
Grammatiker haben diesen Lautwert — wie in lakonischen und 
kyprischen Glossen — entweder ohne Rücksicht auf die Quan- 
tität durch ov oder durch o zum Ausdrucke gebracht: 

aßQOvieg neben aßgoTeg aus aßgoßeg^ gemeingriechisch 
oipQveg (S. 51). 

QOvßoTog' Q6q)rjfxa, nach dem ß für q) zu schliessen, eine 
makedonische Glosse, govß- für gemeingr. gvcp-, t'ggvcpov (S. 73). 

yoöa „Eingeweide" für yvda (S. 49). 

yorav aus hoFa-v für va, Nebenform zu vv (S. 44). 

aßlori und d(ß)Xoyel, verderbt aus einer gemeinsamen Form 
a-ßloße, gemeingr. afca-ßlve „spende'' (S. 99). 

üokä-i^axog oder üovXa-fxaxog für üvld-^axog (S. 212). 

(Dovayiog für ^vonog (S. 213). 

Umgekehrt ist auch in zwei Worten v für o überliefert. 
Diese können natürlich nicht von einem alexandrinischen Gram- 
matiker, für den v den vulgärgriechischen Laut ü bezeichnete, 
niedergeschrieben sein, sondern nur von einem älteren national- 
makedonischen Schriftsteller, der v als u sprach und deshalb auch 
die geschlossene Aussprache des o-Lautes passend durch v wieder- 
gab. In der Tat wird denn auch die eine der beiden Glossen, 
lexrig = osTtjg, ausdriickUch auf den Historiker Marsyas zurück- 
geführt (s. oben S. 66), und die andere, v.vgvog „unehelicher 
Sohn", wird auch einer makedonischen Lokalgeschichte entstam- 
men: denn sie deckt sich der Bedeutung wie dem Stamme nach 
mit der durchsichtigen Bildung y,ogivalog, für die ebenfalls 
Marsyas als Quelle angegeben wird (S. 63 if.). 



-- 243 — 

2. Lange Vokale. 

1. Vom Attisch-Ionischen unterscheidet sich das Makedo- 
nische durch die Erhaltung des ursprünglichen ä-Lautes. Stämme 
und Flexionsformen, in denen dem attisch-ionischen t} ein make- 
donisches ö gegenübersteht, sind: 

ay-, att. riy- „führen" in ayrjf^a (B. 85), Kvv-äyog (S. 226). 

ad- „sich freuen", aöog, aövg in den Eigennamen ^'^dt^og 
und "^övf^og (S. 143), '^öea (S. 216). 

asQ- unbekannter Bedeutung inzAego/cog (S. 130). 

-avrig in rav-avtjg (S. 129). 

-avcoQ in l^ly.dva)Q (S. 202), Ni/mvwq (S. 176 188), Iiaa- 
avwQ (S. 201). / 

öäL- vielleicht in Jaötov (S. 146). Der aus einem delischen 
Choregen-Kataloge (BCH. VII 111, rt) bekannte Name Jaog^ 
der sicher makedonisch war (ey (.isTor/^cov Jaog ßaAd[zßoi']), ent- 
spricht dem thessahschen Jaiog Samml. GDI. 1329 Ia23 und 
kann, wie dieser, auf driiog aus öaiog bezogen werden (Fick- 
Bechtel GP. 2 94). Möghch bleibt freilich auch die Anknüpfung 
an homer. öai (Fick-Bechtel GP. ^ 88). 

dä^iog „Volk" in Eigennamen: Evöai^iog (S. 155), ^Aq%i- 
Safxog (S. 179), Jd^uov (S. 222). 

läog „Volk" in vielen Eigennamen: AäoöiyLa (S. 220), 
AävUa aus AäovUa (S. 220), Adyog aus Aa{F)-(xyog (S. 154), 
liQXÜaog (S. 133), "Eq^iolaog (S. 179), "lolaog (S. 207), Neolaog 
(S. 228), Nr/LoUog (S. 192 199 211), nevyLolaog (S. 178), UeQilaog 
(S. 212), ngeTtelaog (S. 214), "Agcovolaog (S. 224), Adixog (S. 227). 

ovä- „nützen" in ytsovvatog (S. 168). 

Qäy- „Beere" in qd^aca aus qdy-fxaxa (S. 40). 

öaixa in ^a^og (S. 229). 

Tay 6g, ein Amt, (S. 77). 

Stämme auf -ö: vLAa-xtaq (S. 86), Maxci-xag (S. 164), 
rndyä-g (S. 223), yaßala-v (S. 50), imä (S. 65), kayieöctfxä (S. 73), 
cyd (S. 77), öwä-i (S. 82), yiOQQä- „Haupt" in KoQga-ßojv, Köggä- 
yog, KoQQa-Tag, Koqqä-ßog (S. 144), IToXa-fiaxog (S. 212). 

Namen auf -äg: YlegdU^ag (S. 131), ^Axxivag (S. 194), 
Jlqöag (S. 159), Kgarevag (S. 154), 'OcptUag (S. 199), Ä€^(JfV. 
itmg (S. 197). 

Namen auf -öäg: Qvf.u6vöag (S. 207), Aeu)viöag (S. 209), 
Mevidag (S. 198), Melafiviöag (S. 197), negoiöag (S. 184). 

16* 



~ 244 — 

Namen auf -läg: ^^fxvv-xag (S. 133), 'Al'Ae-Tag (S. 133 
138 188), KoQQdTag (S. 144), nevKiovag (S. 177), mdiotag (S. 180), 
negl'Tag (S. 228) u. ö. 

Diejenigen makedonischen Namen, in denen r^ statt ä über- 
liefert ist, verdanken ihre gemeingriechische Vokalisation entweder 
ledigHch einer dem Schreiber zur Last fallenden Vernachlässigung 
der dialektischen Form — so 'Hysloxog (S. 183), '^Hyrjaavdgog 
(S. 198), Ilavr^yoQog (S. 197) — oder einer am Hofe der make- 
donischen Könige absichtlich gewählten gemeingriechischen Schrift 
und Aussprache. Zu dieser zweiten Klasse gehören der Monats- 
name ndvrifiog (S. 103), die von Götternamen abgeleiteten Per- 
sonennamen 'Hq)aiOTl(x)v y Jt]fj.7JTQiog (S. 170), ^u^avtkrjTciodcoQog 
(S. 194), sowie die beiden Namen '!Adf^rjTog (S. 191) und Tlfj- 
Tiole^og (S. 201), die, wenn sie nicht direkt aus dem Epos stam- 
men, doch in ihrer Lautgestalt durch das Epos beeinflusst wor- 
den sind. 

Wie im Thessalischen ist w durch ov vertreten in: 

a'KQOvvol aus cl'aqiovoL (S. 74). 

'^vvovTtevg aus 'AviOTtevg (S. 43). 

GovQLÖeg aus Qewqiöeg (S. 97), trotz des ^ vielleicht echt- 
makedonisch, vgl. oben S. 233 ff. 

Die Eigennamen zeigen ohne Ausnahme w und ebenso die 
Glossen yioTtag (S. 47), vi.i6qv/.og (S. 49), 6o)a (S. 82). Vielleicht 
wurde nur in einigen an Thessalien grenzenden Gebieten ü für 
^ gesprochen. 

3. Diphthonge. 

Ursprüngliches ai im Anlaute vor ö ist durch a vertreten in : 

aöri im ai^ijq (S. 37). 

aÖQala für aiS^gia (S. 37). 

Also ist auch adalog für ai'&aXog (S. 58) makedonisch. 

Dagegen aiöcoGoa für aXd^ovoa (S. 59). 

Bei dem Übergange von Kalvog in Kolvog handelt es sich 
wohl nicht um einen Lautwandel, sondern um volksetymologische 
TJmdeutung des Namens (S. 126). 

Ursprüngliches -et- ist vor a und o zu -«- verkürzt in ^^/^«a 
= att. 'Höeia (S. 216) und Aeo- aus kuo- m Aeovvarog (S. 168). 



— 245 — 

4. Langvokalige Diphthonge. 

-ät-: in Jdd[cov] (S. 146) kann -ä- aus äi, ai entstanden 
sein, vgl. zfr^i- in Namen aus Jä'i-. 

-rii- zu -61-: Ttlelarog aus *7tlrjiaTog in IIXslaTaQxog (S. 212). 

-0)1' aus -m-: Monatsname Au' log (S. 105), öojäi neben 
öoiai von gemeingr. ^wta (S. 82). 

5. Vokaldehnung. 
In aiöcüOGa für at&ovaa (8.59) scheint das co auf „Ersatz- 
dehnung" zu beruhen: Gründfonn *ai&ova(ja aus ^aYd-ovr-ia. 

6. Vokalentwicklung und Vokalschwund. 

Zwischen Muta und Liquida pflegte sich im Makedonischen 
ein Gleitvokal, dessen Klangfarbe durch den Vokal der vorher- 
gehenden oder nachfolgenden Silbe bestimmt wurde, zu ent- 
wickeln : 

aßaqv aus aßQv „Majoran" zu aßgororov, ctßQOjnov (S. 40). 

aßaQ/.vä aus aßago-xo^a, ccßQOY.Of.ia „trägt langes Haar^^ 
(S. 54). 

xdvaöoi für yvd&oi (S. 52). 

öeddla aus di-akä „Fessel" (S. 67). 

EvdaXaylveg aus EvS-alylveg „Chariten" von d-eXy- : d-aXy- 
„bezaubern" (S. 96). 

xvvovTrevg „Bär^' aus "AvwTvevg (S. 43). 

/.dgaßog wahrscheinlich für (o)y,dQcpog (S. 28). 

Zweifelhafte Fälle sind dyy,aXig (S. 66), dagvllog (S. 41) 
BeliGTtxrj oder BiXiarixi] aus BXiaTi'xri (S. 205). 

Andererseits ist ein ursprünghcher kurzer Vokal zwischen 
Liquida und Konsonant bisweilen unterdrückt: 

%eßXd (S. 50) neben yießaXd, yaßaXd, 

dßagyivä (S. 54) aus aßagoY-o^a. 

d/^gala (S. 62) zu zo^a „Mädchen". 

BsQvl/,a (S. 217) aus BeQevr/.a; auch Bigdccg? (S. 204). 

Auch Kugvog (S. 63) scheint auf /.ogivog {yiOQivalog} zurück- 
zugehen. 

Dem gemeingriechischen Übergange von o^evo- in ayteo- 
folgte die Kürzung von ax^o- zu oko- in a'/.oldog aus *jx€fO- 
fidog (S. 83 ff.). 

Ein zweites Beispiel für die sogenannte „syllabische Hy- 



- 246 — 

phäresis" von -eo- zu -o- liefert der Name KIcvloq (S. 226) 
aus KXeo-vloq. 

Mit dem Äolisch-Thessalischen teilt das Makedonische eine 
weitgehende Apokope der Präpositionen: 

avd zu av in ccy-xaQ^og aus dvd-xccQ^og (S. 88). 

OTto zu «TT in a-OTtiloi aus a7c-aftiloL : ctTtO'GTtiXoi (S. 39), 
cc'ßXoße aus ccTt-ßXoße : aTto-ßlvße (S. 99). 

£7ir/ zu «/r in i-SeaTQog aus iTt-öeargog : kö-öiaTQog, einem 
gemeingriechischen enL-d^eaTqog entsprechend (S. 78). 

Tre^t zu TT«^ in dem Namen n£Q-6ly,yiag (S. 131). 

TTa^a zu TTö^ in dem Namen nag-fieviiov (S. 182). 

7. Kontraktion. 

ö + « zu ä; Aayog aus Aaß-ayog (S. 154). 

a + € zu ö: aQy,dv aus a-€^yoV (S. 64). 

ö + € zu ä: ^AqävT' wohl aus a^ä-fijr- (S. 96). 

a -f w zu «i; in Gavcoqia aus aawvoqla (S. 11). 

ä 4- p zu ä in den zahlreichen Genetiven auf -ä, s. unten 
S. 249, ferner ^uiqxelägy ''lolläg aus ""Aqxkhxog^ ^loXaog (S. 138 
208), Aäviyia aus AäovUa (S. 220). 

€ + € zu €t (g) in ÄAßtirog (S. 183). Auch in Kleiviag 
(S. 193) kann et aus se kontrahiert sein: denn, nach Koqavvog 
(aus K6()aa-vog) zu schliessen, entstand aus yiXeßea-vog im Make- 
donischen zunächst *yileevv6g. 

Konsonanten. 
1. Nasale. 
Ein sekundäres v ist in noXtvöiKog (S. 228) entwickelt 

2. Velare und labiovelare Verschlusslaute. 

In Glossen und Namen ist vereinzelt z für y und umge- 
kehrt auch y für x geschrieben. Daraus scheint zu folgen, dass 
die Media g unter bestimmten — bei dem knappen Materiale 
nicht sicher erkennbaren Bedingungen — stimmlos gesprochen 
wurde. 

/ statt x: ywTtag für OTtioTtag (S. 47), yaßaXd für yießahx, 
iieg)aXd (S. 50), BdXaygog neben BdlayLQog (S. 176). 

X statt y: -/.dvadoL für yvdd^oi, y.6f.ißovg für yofKpovg 
(S. 52), a^xoi' für a^yoj' (S. 64), ^Att ayiTvog für ^ATrayXvog 
(S. 149). 



— 247 — 

Ist ^€Q€d^Qov (S. 38) wirklich die makedonische Form für 
öeged-gov (Grundfonn guere-), so haben die Makedonen — gleich 
den Arkadern und Kypriern — in bestimmten Fällen den aus 
dem Labiovelar git vor hellen Vokalen hervorgegangenen c^w-Laut 
in weiches s (z oder z) verwandelt, vgl. gemeingr. o- aus tu-. 

Der Stadtname Kvöva für Ilvöva (Stephanus Byz. Kvdva' 
jcoXig MaAedoviag. Qeayivrjg ev MayiEdovrAoig' ^ zara Ttagacfd-o- 
gäv Uvdva Myezai) ist weder makedonisch noch überhaupt 
griechisch. Er hängt mit den Kvöioveg, dem kilikischen Fluss- 
namen Kvdvog zusammen. Das Verhältnis des tt zu x ist hier 
ebensowenig klar wie in yivaf.wv : Ttvavov (die übliche Annahme, 
dass Ttvavo- aus y,vavo- und 7cavo- kontaminiert sei, ist verfehlt, 
vgl. Ttvnyiovg' . . . cpayiovg, Tivvvovg' yivdf.iovg kcpS-ovg Hesych). 

3. Spiritus asper. 

H ist zu r entstellt in yorav für hoßav aus hväv, einer Neben- 
form von vv (S. 44). 

4. Vau. 

Die alte Spirans ß ist für das Makedonische des IV. Jahr- 
hunderts weder im Anlaute noch im Inlaute nachzuweisen. Nur 
in dem Silenen-Namen ^avadai, den die Makedonen mit dem 
orgiastischen Kulte des thrakisch-phrygischen Gottes Savos, Sa- 
vadios von den Thrakern übernahmen (S. 6, 98), ist ein ursprüng- 
liches V zwischen Vokalen als u gesprochen worden. 

Den Ausfall eines inlautenden / zwischen Vokalen bezeugen 
besonders diejenigen Wortstämme, in denen Kontraktion zweier 
ursprünglich durch ß getrennten Vokale eingetreten ist: Aayog 
aus Aciß-ayog (S. 154), aqAOv aus a-ßEgyov (S. 64), OA^oldog 
aus oxeö-ßLÖog (S. 83). 

Gleich verschiedenen griechischen Dialekten hat das Make- 
donische zwischen dem als ii gesprochenen v und einem folgenden 
Vokale den Übergangs- oder Gleitlaut v (u) entwickelt. Wollten 
die Verfasser von Steinurkunden oder die Grammatiker diesen 
Laut in der Schrift besonders zum Ausdruck bringen, so wählten 
sie dazu natürhch denselben Buchstaben F, der nicht nur in den 
Inschriften, sondern auch in den Texten der Dialektdichter den 
alten ursprünglichen Vau-Laut des Griechischen wiedergab (fOI 



— 248 ~ 

Sappho 111 bei Apollonius de pronom. 106 A)«). Wie nun das 
von den alexandrinischen Grammatikern in zahlreichen dorischen 
und äolischen Wortstämmen richtig geschriebene F in den Hand- 
schriften der späteren Zeit gewÖhnhch zu r, seltener zu T und E 
entstellt worden ist (vgl. z. B. Hopfmann GD. II 455), so wird 
auch für den makedonischen Gleitlaut in zwei Glossen T, in 
einer r überliefert: 

aßgooTeg und aßgoTeg = aßqvßeg für 6(pQV€g (S. 51). 

yoßav = vßäv aus va, einer Nebenform von vv (S. 44). 

aßkoyel = aßlvße aus mc6-ßlvB (S. 100). 

5. Zeta. 

Der aus öi hervorgegangene Doppellaut, für den die Griechen 
t schrieben, scheint zuerst bei den Makedonen in einfaches 
weiches s übergegangen zu sein: ^i'Xev/.og aus Jii-XBw.og für 
gemeingriechisches Za-l^vy^og aus Jm-Xeir/Mg (S. 174fF.). 

Steckt in der Formel Iti^la' dya^fj tvxi] (S. 65) das thra- 
kische Wort CelSg „Wein" (s. Nachträge S. 269), so stellt das 
C denjenigen osteuropäischen palatalen Zischlaut dar, dem im 
Griechischen ein Guttural entspricht (vgl. maked. agyiTCoig S. 45, 
yiavadoL und /.ofißoi S. 52). 

Auch der Baumname alt Ca (S. 42) und der Gottesnarae 
ZeLQrivri (S. 93) sind vielleicht thrakischen Ursprungs. 

Über Uqei^QOv (S. 38) vgl. oben S. 247. 

6. Gemination. 

Mehrere Belege bietet das Makedonische für die auf ver- 
schärfter Artikulation beruhende Verdoppelung von Konsonanten 
in Namen, besonders in Kurznamen, aber auch in einstämmigen 
und zweistämmigen Vollnamen: 

-ZX-: n.eq-ÖLAY.ag (S. 131), Begs-KKag (S. 225). 

'XI-: 'OcpeXlag (S. 199), nigi-Xlog (S. 212). 

-(Ä/Ä-: 2if.i^iag (S. 156), '^Qi-fxfxag (S. 193), KsQÖl-fÄii^ag 
(S. 197), TvQi-iufAag (S. 191). 

-vv-: yle-ovvaiog Vollname (S. 170); zweifelhaft bleiben 
Kqativvag (S. 149) und Melawidag (S. 198, überl. Mela^viöag). 

6) Es kann nicht der leiseste Zweifel daran bestehen, dass den 
Alexandrinern der Lautwert des /"-Zeichens bekannt war. 



l 



— 249 — 

-QQ-: ^AyeQQOg (S. 138). 

-TI-: ^'^TTalog (S. 157); vielleicht auch ^Aviivag (S. 194). 

7. Konsonantenverbinduugen. 

-av- nach thessalisch-äoUscher Art zu -w- assimiliert in 
Kogavvog (S. 125 ff.) aus ^Kdqcco-vog, dor. yMQävog. Vielleicht 
ist auch in dem Namen Kgaulwag (S. 149) ein Adjektiv x^a- 
TBwog aus *%Qa^ea-v6g, ion. "^QaiELvog enthalten. 

-Qu' ZU -QQ' in JccQQVJv aus QoiQGCüv (S. 95), KoQQa- in 
den Namen KoQQayog, KoQgaßog, KoQodßwv, KoQQolog, KoggcxTag 
aus Kogaa- „Haupt^^ {SAA4:)y ^^qql dal og suis ^Agai-öalogy Kurz- 
form zu 'AQGi-öaf.iog (S. 134). Vielleicht auch ßiggo^ (8. 52), 
Idqgaßalog (S. 166). Ausnahmen: ^Agalag (S. 180), Magavag 
(S. 210). Der Frauenname '^goLvori (S. 216) ist entweder dem 
griechischen Mythus entlehnt oder wenigstens durch diesen in den 
Lauten beeinflusst worden. 

-yf.1- zu 'f^f.1' : -//- in gdfiaza aus gayf-iaxa (S. 40). 

-TtarC' zu -(Ttt- in aOTtiXoi aus ctTt-GTcikoi (S. 39). 

-/TT- statt -TT- in -7CT6}^€f.iogy UroXsixalog (S. 173). 

-(jflT- aus -yri« hinter langem Vokale in alöioaoa (S. 59). 

ff/r- zu 7t' in Tteg^cj^ IloXv-Titgxiov (S. 156). 

3. Deklination. 

ä-Stämme. 

Nach Apollonius de syntaxi III 7 (p. 214 Bk) sollen Makedonen 
und Thessaler einen Nominativ Sg. der Maskulina auf -a ge- 
bildet haben: ^ zAi^rtxi) aj^z:' evd-eudv Tcagalaf^ßccvezai Kavcc 
May.sdovi%ov €^og ^ GeooaXixov, dfg ol Ttgb r^fj^cjv to toiovtov 
iTtiatcooavTO' »aurdg o aiTs Qvsot *^ya(.iif.ivovL<s^ {B 107, 0v- 
€ffr« Nominativ). Überliefert sind uns solche makedonischen No- 
minative nicht. 

Der Genetiv Sg. der ä-Stämme endigte im Makedonischen 
ums Jahr 400 auf -ä : das beweisen die Münzlegenden Tlavoavla 
(391—390 V. Chr.), Uf.ivvca (390—369 v. Chr.), riegöUyia (364-359 
V. Chr.), vgl. Greek Coins of Brit. Mus., Macedonia S. 168—176, 
Beschreib, d. ant. Münzen Kgl. Mus. Berlin II 190—196. 

Femer hat sich auch bei den Historikern der Genetiv auf 
-ä in zahlreichen Vatemamen (z. B. Kgaveva Aman Anab. VI 



— 250 — 

28, 4, KeQdi^fia Anab. II 13, 7, Maxdra Anab. V 8, 3, Ol- 
Xtota Anab. I 17, 7 Curtius IV 5, 9, Mdya Schol. z, Theokr. 
XVn 34 u. a. m.) und vereinzelt auch sonst erhalten (z. B. ^^qqvßa 
Anab. III 5, 5). 

Die im thessalischen Dialekte neben -ä überlieferte ältere 
Endung -äo (Solmsen Rhein. Mus. N. F. LVIII 601) findet für 
das Makedonische in der Münzlegende ^^eqi-ir^vao (S. 140) 
keinen sicheren Bürgen, da die Quantität des nicht feststeht. 

o-Stämme. 

Die o-Stämme bilden auf den Münzen von ältester Zeit an 
ghne .Ausnahme den Genetiv Sg. auf 0: l^le^dvögo (Beginn 
der Perserkriege bis etwa 450 v. Chr.), l^Qxeldö (413 — 399) 
'AeQOTtö (397—392), vgl. Greek Coins a. a. 0. 156 163—167, 
Beschr. ant. Münzen a. a. 0. 181 — 190. Doch hat daneben noch 
eine zweite Form bestanden. 

Die am linken Ufer des Strymon gelegene Stadt KQrjvlöeg 
wurde von Philipp II, der sie während eines Krieges mit den 
Thrakern besetzte, in (DlltTtTtoi umgetauft: SKh^d-tjoav (DlliTCTtoL 
'/.al Ol QrjßoL QeooaXiag y,al röfAcpoi QeaTtQcoilag fügt Stepha- 
nus Byz. hinzu. Unter allen griechischen Städtenamen steht 
OlktTtTtoi einsam und unerklärt da, wenn wir den Plural von 
OiliTtTtog darin sehen. Einen Vergleich mit "u^d^rjvai hätte 
Keetschmer Einl. 418 besser nicht gezogen. Gewiss ist dieser 
Name nichts Anderes als der Plural des Götternamens ^^d^^vrj. 
Aber hier liegt die Veranlassung zu der Benennung ja klar zu 
Tage: auf der athenischen Akropohs befanden sich drei Tempel 
der Göttin, in denen sie als Parthenos, Pohas und Nike ver- 
ehrt wurde, und an den Strassen und Häusern Athens lagen 
verstreut kleine Kapellen, in denen Doppelbilder der Pallas zur 
Anbetung ausgestellt waren (Usener Phein. Mus. N. F. LVIII 
206). Nach diesen Kultbildern und Tempelstatuen hat man den 
Ort schlechthin „die Athenen" genannt, vgl. auch Fick BB. 
XXIII 242. Was Kretschmer, den Spuren AWilhelms Mitt. 
aus Ost. XV 116 folgend, sonst noch an Parallelen zu einem 
Plural OiliTtTioL vorbringt, besteht die Probe nicht. Kleojval 
soll der Plural zu Klewv sein, »weil Ortsbenennungen auf -eg 
nicht gewöhnhch sind«. Doch finden wir in Böotien die Stadt 
KvQTwvegy in Phokis Necoveg (Paus. X, 3, 2 Demosth. 387), in 
Argolis ^Hwveg B 561, in Aetolien ^^yqefxoveg (Hesych) u. a. m. 



— 251 — 

Formell kann KXewval nichts anderes sein als der Nominativ 
Plur. zu KkewvTJ, und reiht sich also den zahlreichen Ortsnamen 
auf -aij wie MvKrjvai, 2vQW/.ovoai^ EqvS^Qai u. s. w., an. Wenn 
endlich Wilhelm aus den Ethnika 2rif.uovörig und Klecovdriq 
wirklich richtig die Ortsnamen 2rii^uovöaL und KXecovöai er- 
schlossen haben sollte — was mir noch zweifelhaft ist — , so sind 
diese keineswegs, wie Keetschmer a. a. O. glaubt, die Plurale 
der Personennamen ^iqfxcovdiqq und Klecovör^g, Vielmehr bedeu- 
tete ^rif.aovöai und Kkeujvöai „Kinder, Nachkommen des ^rji^coVf 
des Klecov^^ : die Ortschaften bestanden also ursprünglich aus den 
Höfen des ^tJi^icov und KXewv, deren Söhne sich neben dem 
Vater anbauten, so dass die Nachbarn den wachsenden Ort dann 
nach den Familien benannten. Keiner dieser Namen ist also im 
stände, OilLTtTtot als einen Nominativ des Plurals zu stützen. 

Es ist eine altgriechische schon aus Homer bekannte Sitte, 
TtoXig mit dem Genetive des Gründers als Namen der Stadt zu ge- 
brauchen: IlQLafioio Ttolig für Tgolri, ^okig ^Hsvlcovog 1 188 11153 
neben Qrjßiq, legij noXig ^Hevkovog ^ 366, ""^Qx^vögov nokig Hdt. 
II 97 u. s. w. Diese Art, Ortsnamen zu bilden, wurde besonders 
in Ägypten unter den Ptolemäern behebt (Fick BB. XXIII 10 ff.). 
Für den täglichen Verkehr war ein solcher Name zu lang und 
zu schwerfällig; man gewöhnte sich deshalb daran, Ttokig fortzu- 
lassen und nur den Genetiv des Personennamens zu gebrauchen. 
Beispiele dafür haben uns Stephanus Byz. und Ptolemaeus er- 
halten (Meineke zu Steph. Byz. s. v. MEvtkaov\ z. B. Xaigeov 
Ttohg ^lyvTtTia ymt tJJkeixpiv lov TvoXig, Mevelaov 7c6Xig 
u4l'yv7tTiaj Nimov xcJ/e^ ^iyvTiTOVy ^u^gyiov vrjöog fXLXQcc Ttqog 
Ttf) Kavcoßo) ^lyvTtTia^ arco ^^qyioD tov MaKsdovog^ acp ov 
^^Qyecidai Steph. Byz. So würde als Stadtname der Genetiv 
von (DiliTtTvog zu erwarten und zu verstehen sein. Dieser endigt 
nun gerade in demjenigen griechischen Dialekte, den wir schon 
in mehreren Eigenheiten mit dem makedonischen zusammengehen 
sahen, im Thessalischen auf -oi (vgl. Hoffmann GD. II 532): 
also ist OiXbcTtOL Kürzung von QlXIti^col noXig „Philipps Stadt" ,^ 
wie bereits Fick BB. XXIII 244 angedeutet hat. Eine eng 
verwandte Bildung zeigen die Namen der von Alexander und 
den Diadochen gegründeten Städte ^udle^avdqua^ ^^vrwxeia, 2e- 
ket/ieia^ ytaodiy.eia u. s. w.: den Genetiv {WiliTiTtOL) vertritt hier 
das „patronymische" Adjektiv auf -eiog, Ttolig ist auch zu ihnen 
hinzuzuergänzen. Die Flexion OiliTiTtoL : iDtliTCTtwv zog den 



— 252 — 

isoliert stehenden Namen in die Klasse der häufigen echten Plu- 
rale auf -oi wie r6^q)0i^ ^rad^inoi, IIvQyot, Fowotj Kdovyoi, 
KrJTtoi u. s. w. hinüber. 

Dass (DiUnnoL der echt makedonische Name der Neu- 
gründung Philipps war, wird, so lange nicht das Gegenteil be- 
wiesen ist, als selbstverständlich gelten müssen, um so mehr als 
jeder Grund daför fehlen würde, weshalb gerade Thessaler ihn 
gegeben haben sollten. Bei unserem geringen Materiale lässt sich 
über das gegenseitige Verhältnis der beiden makedonischen Ge- 
netivformen auf -ov (-w) und -oi nichts aussagen. Die eine 
schliesst die andere nicht aus ^), und, wo sie in demselben Dia- 
lekte neben einander vorkommen (wie z. B. im Thessalischen), 
ist es sehr zweifelhaft, ob daraus eine Dialektmischung gefolgert 
werden darf, vgl. Solmsen Rhein. Mus. N. F. LVIII 608. 

Die konsonantisehen Stämme. 

In den baltisch-slavischen Sprachen, zu denen auch das 
Illyrische und Thrakische gehören, bilden die beiden indogerma- 
nischen Namen der „Mutter^ und „Tochter" ihren Nominativ 
des Singular auf -U (griech. -rriQ): lit. dukte, slav. düstl^ 
griech. d^vydzTjQ,, lit. möte, slav. mätJ, griech. f^r^vriQ. Das sind 
nur Reste einer im Sanskrit noch reicher vertretenen alten Bil- 
dung des Nominativs der Stämme auf -r: ihr folgten nicht nur 
alle Verwandtschaftsnamen auf -terj -tör und -er, -ör (ssk. pitd: 
TtatTJQy bhrätä : (pQorrjQ, deva : dairJQ, lit. sesu : lat. soror u. a.), 
sondern auch die Nomina agentis auf -ter, -tör (ssk. dä-tä : öo-ttjq, 
Scü'Tojq) und sogar Wurzelnomina mit stammhaftem -r (ssk. nä : 
d'vriQ). Da im Griechischen bis jetzt nur Nominative mit -^ 
überliefert sind und die lautgesetzliche Abstossung von -q für 
-einen griechischen Dialekt sehr unwahrscheinlich sein würde, so 
müssen wir damit rechnen, dass in der makedonischen Glosse 
aöij für aldriq (S. 37) eine illyrisch-thrakische Flexionsform vor- 
liegt. Damit braucht aber das Wort selbst noch nicht barbari- 
schen Ursprungs zu sein: vielmehr kann das unterworfene illy- 
rische oder thrakische Landvolk Makedoniens das Nomen alS^r^Q 
von den makedonischen Herren übernommen und seiner eignen 
Aussprache (a für m) und Flexion (-i^ für -r^q) angepasst haben. 

7) M)t ist aus 'Oio entstanden, -ov oder -o) aus -oo. Dieses -oo ging 
wahrscheinlich aus unbetontem -oio hervor (z. B. itctioo aus itctioio), wäh- 
rend betontes -nTo (z. B. ödoXo) den Diphthong bewahrte. 



— 253 — 

Vielleicht ist auch aliiq „Eber' (S. 43) ein Nominativ 
ohne -^. 

Im Akkusati ve Sg. liegen vißa aus viifa (S. 37) und 
hoFav = voLV (S. 44) neben einander. 

Das ov in dem Nominative Plur. aßqovßeg (S. 51) 
neben aßqoßeg drückt nur die makedonische Klangfarbe des v, 
nicht etwa die Quantität des Vokales aus. 

Zweifelhaft bleibt der Akkusativ yioTtag für OAioTcag (S. 47). 

4. Konjugation. 

In den beiden Glossen aßlori und a{ß)loyei steckt ein Im- 
perativ, dessen Endung verderbt ist: wahrscheinlich lautete er 
a-ßloße = ccTto-ßkve (S. 100). 

Auf die Ausgänge von aßagvivco und aßagviva (S. 54) 
ist nicht viel zu geben. 

5. Stammbildung. 

Appellativa. 

-o^ in dem Neutrum vivö-aQ „Grab" (S. 76) zu yievif-, yiv^-, 

-ta- in ödvog „Tod", wenn das ein Neutrum und nicht 
etwa ein männlicher o-Stamm ist. 

'OTog entsprechend dem häufigen gemeingriechischen -eiog 
in ^ovßoTog (S. 73). 

'Iva in 710 Q Iva „Jungfei-^^ (S. 64). 

'Iveg Plurale weiblicher Personen bildend in Ev-öala- 
ylveg „Chariten" (S. 96), vom Stamme dakay- — gemeingriech. 
^aly-, der Schwachform zu ^ely-, 

'ddXa aus -d^lä nach makedonischem Lautgesetze in J«- 
ddla „Fessel" aus dt-^lä (S. 67). 

'i(x)Q Nomina agentis bildend: oavzwQ aus aaio-TioQ (S. 11), 
vLÄaTCüQ (S. 86). 

-jua sekundär in qd^ava aus Qdy-f.iata (S. 40). 

-llog sekundär in Sd^v-Xkog (S. 41). 

Nicht griechisch kUngt der Ausgang des neutralen Nomi- 
nativ Sing. ßiQQO^' daovj wenngleich der Wortstamm selbst 
griechisch zu sein scheint. 



— 254 — 

Eigennamen. 

In den Namen aller vollbürtigen Makedonen prägen sich 
klar die charakteristischen Züge der griechischen Namenbil- 
dung aus. 

Nicht mit Unrecht hat Fick den zweistämmigen Kose- 
namen als die Krone des griechischen Namensystems bezeichnet. 
Er war auch bei den Makedonen nicht selten: 

-6U/iag aus -ör/iaiqg in neQ-diy,y.ag (S. 131). 

-öaiog aus -ödfiag, -öäjuog in "A-öalog (S. 190), 'AQqi-dalog 
<S. 134). 

-zx«g aus -/.gazTig in Bege-Ä/Mg (S. 225). 

-y,log aus -Klrjg in ^'AvÖQO-7.}.og (S. 192). 

-xrog aus -zrrj^wv in Ev-%Tog (S. 226). 

"Xaiog aus -lavdqog in Ev-X(XLog (S. 226). 

-log aus -IvY.og in "lAqua-Xog (S. 164). 

-AAoc; aus -laog in Tlegi-XXog (S. 212). 

-^^<ag aus 'i-dvrig in ^AgL-fXfjag (S. 193), KeQÖl-fifAag (S. 197). 

-j^tjg, -vtog aus -iT/wOg in KakXi-vrjg (S. 186), KAo-vfOg (S. 226). 

-o-d^evg aus -a^evtjg in Meve-od-eug (S. 184). 

-TOfg aus -Tifxog in TleqL-rag (S. 228). 

Aus der Zahl der zur Bildung der Kosenamen ver- 
wendeten Suffixe treten besonders zwei durch ihre Häufigkeit 
hervor, 

-«Tog, worin -a- meist stammhaftes Element war: ^Adalog 
aus Add-f-tag (S. 190), ^Aggida-log aus '' Aggidä-^og (S. 134), 
Evla-Log aus M'Aa-j'tJ^og (S. 226), ^i;xa-Iog aus ^t'xa-;/d(>ag 
(S. 143), Ileioa-log aus TlBioa-vÖQog (S. 171), ^Aqya-log zu a^ya 
(S. 132), KoQQa-log zu xo^aä (S. 145), NUa-ia zu vtxä (S. 221), 
ferner 'Aggaßatog (S. 166), Bogcuog (S. 148), ÜToXei^aiog (S. 173), 
rt;ya/a (S. 217) und das Ethnikon Aif.ivaiog (S. 147). 

-€«(,- L^(»yfas (S. 121), -S^racJ^^^ag (S. 144), FaiTeag (S. 143), 
-tTTfttg (S. 148), Kgazeag (S. 155), '^^ai'ag (S. 180), Ma;i6ag 
(S. 198), nga)Ttag (S. 200), '^/i^f'ag (S. 222), Ggaamg (S. 226), 
iUeyrrAfttc; (S. 227). 

Gemeingriechischem Brauche entsprechend ist in zahlreichen 
makedonischen Kurznamen einer der stammhaften Konsonanten, 
in der Regel der letzte, verdoppelt worden, Belege oben S. 248. 
Vereinzelt kommt diese Gemination auch in Vollnamen (Aedv- 
vaTog) vor. 



— 255 — 

PatPonymika. 

Zu den Eigentümlichkeiten des thessalisch-äolischen und 
böotischen Dialektes gehört es, dem Personennamen als nähere 
Bestimmung statt des Genetives des Vaternamens das patrony- 
mische Adjektiv auf -Log (-etog, -acog) hinzuzufügen (Hoff- 
mann GD. II 588), z. B. thess. Mevavdqog ^AvTif^iayßiog, Kqlto- 
Xaog ^AQLOTdvÖQBiog, Uagfxevlovv ^OgsaraLog. Dass dieser Brauch 
auch bei den Makedonen noch zur Zeit Alexanders lebendig war, 
dürfen wir aus den Namen der Städte ^^ke^dvÖQSia, ^AvTiyoveia, 
^^vTiox^icc, ylaodlyieia, 2elevyi€ta u. a., die von makedonischen 
Königen und Edlen gegründet und nach ihnen benannt sind, 
schliessen. Das sind Adjektiva, zu denen Ttohg hinzuzuergänzen 
ist: wer Tvohg i^vTioxeia bildete, von dem ist anzunehmen, dass 
ihm auch 2elsvy,og l^wioxsiog geläufig gewesen sein wird. 

Verbum. 

Aus dem Namen KgaTsvag (S. 155) ist ein nach ßaaclevwj 
legevco gebildetes makedonisches Verbum /.gaTevo) (statt x^ar^w) 
zu erschliessen. 

Bleibt diese Skizze des Makedonischen auch naturgemäss 
unvollkommen, so zeigt sie doch, dass sich unter den Eigenheiten 
dieses Dialektes mehrere finden, die ihm unzweideutig seine ver- 
wandtschafthche Stellung zu den übrigen griechischen Mundarten 
anweisen: das Makedonische ist, wie schon oben (S. 114) 
ausgesprochen wurde, der Schwesterdialekt des Thes- 
salischen. 



256 



Fünfter Abschnitt 
Die Gründung des makedonischen Reiches. 

Herodot und Thukydides vertreten eine bestimmte, einseitige 
Überlieferung von der Gründung und frühesten Entwicklung des 
makedonischen Reiches. 

Gemeinsam ist ihnen die Vorstellung, dass ei-st durch die 
Argeaden das Königtum in Makedonien enichtet wurde, gemein- 
sam femer der Stammbaum von Archelaos bis zum Reichsgründer 
Perdikkas hinauf (s. oben S. 121), gemeinsam endlich auch der 
Ursprung des Geschlechtes in Argos und der Ahn Temenos, der 
Heraklide. Damit verrät sich deutHch die Quelle, aus der sie 
oder ihre Gewährsmänner schöpften: es war die offizielle Über- 
lieferung des Argeadenhauses, wie sie schon zur Zeit des Phil- 
hellenen Alexander bestand (Hdt. V 22). In ihr war Dichtung 
mit Wahrheit gemischt. 

Die Argeaden waren ein einfaches Adelsgeschlecht (s. oben 
S. 121), das nicht auf berühmte Ahnen hinweisen konnte. Was 
war da natürlicher, als dass es seinen Geschlechtsnamen ^^gyeadat 
dazu benutzte, um seinen Ursprung auf das „argivische" Königs- 
geschlecht, die Nachkommen des Herakles, zurückzuführen? 

Ganz unverdächtig dagegen sind die Namen der 8 Könige 
vor Archelaos. Es ist keiner unter ihnen, den zu erdichten den 
mindesten Wert für ein ahnenstolzes Geschlecht besessen hätte, 
keiner spielt im Mythus oder in der Heldensage eine Rolle. Die 
Argeaden müssten also in dem Wunsche, mit einer Ahnenreihe 
prunken zu können, die fünf Namen vor Amyntas einfach er- 
funden haben. Davon kann doch aber nicht im Ernste die Rede 
sein. Selbstverständlich dürfen die Anekdoten, die von diesen 
ersten Königen erzählt wurden (Polyaen IV 1 Justin VII 2), 
nicht als bare Münze genommen werden. 



— 257 — 

In einem zweiten noch weit wichtigeren Punkte stimmt die 
Erzählung des Herodot und Thukydides aufs beste zu den ge- 
schichtlichen Ereignissen der Folgezeit. Nach Herodot VIII 138 
wohnte der Reichsgründer Perdikkas mit seinen beiden Brüdern, 
nachdem er aus dem oberen Makedonien geflohen war, in der 
Nähe der Gärten des Midas: vTtSQ ds rwj' ■ütJticov ogog xeltai, 
BtQfALOv ovoi-iay aßazov vtto %ei^iovog. svd-emev öe bQi.i(o(.ievoi, 
wg TavTTiv to%0Vy y,aT€OTQ£q)0VT0 yial Tt^v aX^riv MaAedovLriv. Das- 
selbe sagt nüchterner und ausführlicher Thukydides II 99: tv^v 
6f. Tcaga d^aXaooav vvv May,edovlav AXe^avdqog o IIeQdiA./.ov 
TiaxiiQ '/ML Ol nQoyovoi avTOv TrjfievidaL to aqxalov ovxeg i^ 
^'AQyovg tzqiotol ey,Tr^oavTO y,al sßaailevoav v.iX. Es folgt darauf 
die knappe Schilderung von der Ausdehnung der makedonischen 
Königsmacht nach Süden (Pieria), nach Osten, wo der ßeihe 
nach die Bottiäer, Paeonen längs des Axios, Mygdonen, Edonen, 
Bisalten unterworfen wurden, und endlich auch nach Norden und 
Westen (Eordaia, Almopia). Selbst wenn Thukydides in der 
Reihenfolge der unterworfenen Völker wesentlich der Topographie 
und nicht der Geschichte nachgegangen wäre, so würde doch immer 
der Ausgangspunkt der Argeadenherrschaft derselbe bleiben: die 
kleine Ebene zwischen Bermion-Gebirge und Axios. 

Dass die Makedonen diese Ebene als eindringende Eroberer 
illyrisch-thrakischen Stämmen abgerungen haben, das beweisen 
sichtlich die Namen der zwei Hauptstädte Alyai und Uilla. 
Jene hiess ursprünghch "Edfdö-a; schon Abel Makedonien 112 ff. 
hat erkaimt, dass dieses Wort sich auf den Wasserreichtum des 
Ortes bezog (vgl. Stephanus Byz. ^'EösGoa- nohg ^vglag. öid u^v 
Tiüv vöccTwv qvfiriv ovto) yiXrjd^eiGa), und Tomaschek Thraker II 
2, 5 Kretschmer Einl. 286 stellen es treffend mit phiyg. ßeöv 
(d. i. ßeöv) „Wasser^' bei Clemens Strom. V, 8, 46 zusammen. Die 
Makedonen haben also, als sie Aigai in Besitz nahmen, den 
illyrischen Namen durch einen griechischen, der wahrscheinlich 
jenem gleichbedeutend war^), ersetzt. Das Gleiche gilt von 
Hella. Der alte Name dieser Stadt war nach Stephanus Byz. 
BovvoiLiog (s. V. IJelXa' . . . t^ 6s May-sdoviag Bovrofiog zo Ttgo- 
jEQOv ^'/MleiTo); er gehört zu Bovvvog' nolig ^Ilhgiag und Bov- 
veif.ia' 7c6Xig 'HtzeIqov Steph. Byz. und ist ebenfalls illyrischen 



1) Schon Abel a. a. 0. hat den häufigen griechischen Stadtnamen 
Alyai mit aiyiaXög, aiysg' xä >cvf.iara. AcogieTs Hes. verbunden. 
Hoff mann, Makedon«n. 17 



— 258 — 

Ursprungs, vgl. Kbetschmeb Einl. 275 286 Fick Vorgriech. Orts- 
namen 85. Wahrscheinlich wird auch er von den Makedonen 
durch nilXa übersetzt worden sein, vgl. KKETSCHMEß a. a. 0. 

Woher kamen die makedonischen Eroberer? Nach ihrer 
eignen volkstümhchen Überheferung aus dem Süden, aus Thes- 
salien. Die erste Waffentat der Makedonen war die Erobening 
von Edessa, oder, was dasselbe sagt, die Gründung von Aigai. 
Diese Begebenheit reichte weit in vorgeschichtliche Zeit hinauf, 
als ein Geschlecht der Argeaden noch unbekannt war, und die 
Sage der Makedonen verknüpfte sie mit einem alten Könige, 
der zur Waffenhilfe nach Makedonien gerufen sein sollte, dem 
Koqawog (KccQavog). Ihm und seinem Sohn Kalvog {Kolvog) be- 
gegnen wir wieder in der thessalischen Sage unter den Namen 
KoQwvog und Kaivevg, die als Stammesfürsten des nördhchen 
ThessaHens gegen die Kentauren kämpfen, vgl. oben S. 124 ff. 
Diese Sagenhelden können als Nationalheroen der Makedonen 
nicht entlehnt, sondern nur mit dem Volksstamme selbst nord- 
wärts gewandert sein. 

Dazu stimmt nun auf das beste eine Nachricht Herodots, 
die ganz unabhängig von seinen makedonischen Quellen und von 
der makedonischen Sage ist. Er erzählt (I 56), dass das td^vog 
zto)QLY.bv ursprüngHch in Thessalien wohnte und zwar zuerst in 
der Phthiotis, dann in der Hestiaeotis und endlich am Pindos 
»Mav.Edvov y,aXe6ix€vov<^. Dieselbe Vorstellmig kehrt VIII 43 
wieder: Kontingente zu der Flotte bei Artemision stellen die 
Lakedämonier, Korinthier, Sikyonier, Epidaurier, Troizenier, Her- 
mioneer »eovreg ovtol TtXriv '^EqixLovevov JwQr/.6v te aoI Ma-JLE- 
övöv edyog l^ ^Eqiveov tb /mI Hivöov y,al zijg jQvoTcidog vGTaza 
ogfirid-evTeg«. Nach Herodot gehört das ed-vog May,edv6v zu den 
thessaHschen „Dorern"; eine schon durch den Namen nahe ge- 
legte Verwandtschaft mit den MaKeöoveg deutet er nicht einmal 
an. Es ist also klar, dass in der makedonischen Überlieferung 
ein s^vog May^dvov in der Hestiaeotis gar nicht vorkam, und das 
begreift sich leicht. Selbst wenn zu den Zeiten des ersten Amyn- 
tas die Makedonen von dem thessalischen ed^vog May.edv6v etwas 
hätten wissen können, würde es aus der makedonischen Stammes- 
sage stillschweigend ausgeschaltet sein: denn in ihr spielten schon 
im VI. Jahrhundert die Argeaden die erste Rolle, und diese 
leiteten ihr Geschlecht nicht aus irgend einem thessalischen Volks- 
stamme am Pindos, sondern aus dem Argos der Herakhden ab. 



— 259 — 

Ebensowenig aber kann das eSyog Ma/.edv6v eine freie Erfindung 
sein; der Name muss in alter Zeit noch an den Abhängen des 
Pindos gehaftet haben, so dass er in die — wahrhaftige oder 
zusammengereimte — Geschichte von der Wanderung der „Dorer^' 
hineinverwoben werden konnte. Nun ist der Stamm Maxedv- in 
dem Adjektivum MaKeöv-ög, das als Appellativum in der Be- 
deutung „hoch, schlank" in der Odyssee vorkommt {(pvlla ^a- 
yieövrjg aiyeiQOio ri 106), nur eine kürzere Ablautsform zu Ma- 
iiedov-\ die Männer, die das c'^og MaY.eöv6v der thessalischen 
Hestiaeotis bildeten, hiessen Ma/.eö6veg, 

Zu dieser makedonischen und griechischen Überlieferung 
tritt als dritter, ausschlaggebender Zeuge für die thessalische 
Heimat der Makedonen die Sprache hinzu: der Wortschatz, die 
Laute und Formen, die Namen des makedonischen Dialektes 
lassen seine nahe Beziehung zu dem thessalischen Dialekte deut- 
lich hervortreten. Da die Annahme einer Entlehnung unbedingt 
ausgeschlossen ist (s. S. 231), so kann es sich nur um eine auf 
Wanderungen beruhende Abzweigung des Makedonischen aus dem 
Thessalischen handeln. 

Es ergibt sich also folgendes Bild von der Gründung des 
makedonischen Reiches. 

Die Makedonen gehörten zu einer Gruppe griechischer 
Stämme, die an den Abhängen des Pindos im nordwestlichen 
Thessalien wohnten und sich entlang dem oberen Laufe des 
Hahakmon bis gegen das illyrische Gebiet hinaufschoben: die 
sogenannten „obermakedonischen" Tymphaeer, Oresten und EH- 
mioten zählten mit zu ihnen. Die innere Zusammengehörigkeit 
dieser Stämme blieb auch in ihren Wirkungen noch bestehen, 
nachdem sich die Makedonen, die am südlichsten wohnten, 
aus dem Verbände gelöst hatten und zwischen Bermion und 
Olymp hindurch, dem unteren Laufe des Haliakmon folgend, in 
die Ebene zwischen Aigai und Pella hinausgetreten waren. Wann 
das geschah, wissen wir nicht; ebenso wenig kennen wir die 
Gründe dieser makedonischen Wanderung, wenn es auch ein 
nahe liegender Gedanke ist, dass sie ein Glied in der grossen 
von Westen nach Osten mckenden Bewegung der griechischen 
Volksstämme war, derselben Bewegung, die andere thessalische 
Stämme teils durch das Tempe-Tal nach Lesbos hinüber, teils 
durch die Thennopylen und die Pässe des Oeta nach Mittel- 

17* 



— 260 — 

griechenland führte. In der Ebene unter dem Bennion stiessen 
die Makedonen auf eine illyrisch-thrakische Bevölkerung, die zwar 
in Aigai und Pella unterworfen wurde, aber im Norden Jahr- 
hunderte lang eine drohende Gefahr für das junge Staatswesen 
bedeutete. Je weiter sich dieses allmählich ausdehnte, um so 
notwendiger wurde es, die mit den Waifen bezwungenen barbari- 
schen Volksstämme dem Reiche fest anzughedem. Denn des 
Thukydides naive Auffassung, dass die Bottiaeer, Paeonen, Kre- 
stonaeer u. s. w. einfach „vertrieben" worden seien, traf höchstens 
für den einen oder anderen befestigten Punkt zu: die Masse des 
Landvolkes blieb unbewegt auf der -Scholle sitzen. Wie es 
scheint, hat erst Archelaos eine auf dem Heerwesen beruhende 
„Verfassung^^ geschaffen: er stellte dem reingriechischen Ritter- 
adel, den tToiqoi, die aus den bäuerlichen Hopliten bestehende 
(pdlay^ der neC-haiQOi, in der auch die nichtgriechische Be- 
völkerung Makedoniens vertreten war (s. S. 181), gegenüber. So 
kam es denn natürhch, dass aus dem Munde der eingesessenen 
Blyrier und Thraker einzelne Worte, besondere Namen von ein- 
heimischen Pflanzen, Tieren, Speisen u. a. durch den täglichen 
Verkehr als Lehnworte ins Makedonische aufgenommen wurden 
(s. S. 112). Gross war ihre Zahl nicht, sicherlich nicht grösser, 
als die Zahl solcher Lehnworte oder Eremdworte in manchen 
anderen griechischen Dialekten. 

Es ist auch möghch, ja wahrscheinlich, dass im Munde der 
eingesessenen illyrischen Bevölkerung viele griechische Worte ihre 
Laute veränderten und entweder in doppelter Aussprache vor- 
kamen — z. B. ließala, y.eßla neben yaßala — oder gar die 
griechische Aussprache über der fremden einbüssten. Das sind 
Erscheinungen, die in gleicher Weise überall auftraten, wo Hel- 
leneu mit fremden Völkern gemischt wohnten, und die nur des- 
halb so schwer zu erkennen und herauszuarbeiten sind, weil wir 
von den Denkmälern der eigentlichen Volkssprache, der Sprache 
des gemeinen Mannes, so wenig besitzen. Denn in der Sprache 
der Verwaltung, der Literatur, überhaupt in der Sprache der ge- 
bildeten griechischen Oberschicht lässt sich fremder Einfluss nur 
vereinzelt nachweisen. 

In dem Streite um das Volkstum der Makedonen ist also 
bisher das Problem falsch gestellt, weil man die geschichtliche 
Entwicklung des makedonischen Königsstaates ausser Acht Hess. 
Die Makedonen als Volksstamm waren Griechen, aber das von 



r» 



261 



ihnen gegründete makedonische Reich bestand schon vor König 
Archelaos aus einer Vereinigung verschiedener Völker unter der 
Führung und Vorherrschaft der griechischen Ma/,e66veg und ihres 
Adels. Diese haben sich stets als Griechen gefühlt, griechisch 
gesprochen und nie den Zusammenhang mit der griechischen 
Kultur verloren; ihre im steten Kampfe ungeschwächt erhaltene 
kühne kriegerische Art Hess sie, als Griechenland politisch zu- 
sammenbrach, zu Rettern der hellenischen Einheit werden. Was 
den normannischen Warägern, als sie ihre Herrschaft über 
slavische Stämme gründeten, nicht gelang, weil das Band zwi- 
schen ihnen und den germanischen Stämmen zerriss, das haben 
die weitschauenden makedonischen Könige dadurch erreicht, dass 
sie als hellenische Fürsten auftraten und ihre Politik mit der 
Griechenlands unauflöslich verknüpften. Ja, sie erhoben sogar 
nicht ihren eignen Dialekt, sondern die Sprache Athens 2), die- 
selbe Sprache, in der Demosthenes gegen Philipp zu Felde zog, 
zur makedonischen Staatssprache, in dem richtigen Empfinden, 
dass es trotz der zerfahrenen und kleinlichen Politik der Griechen 
im IV. Jahrhundert einen Alles überragenden geistigen Mittel- 
punkt des Hellenen tum es gab, die Stadt Athen. 



2) Die Sprache der makedonischen Kanzlei war, wie uns die er- 
haltenen Urkunden zeigen, ein Attisch, das natürlich an die Sprache der 
attischen Urkunden erinnert, aber in Einzelheiten deutlich den Einfluss 
des gesprochenen attischen Dialektes zeigt. Von Dialektbeimischun- 
gen findet sich in diesem makedonischen Attisch nichts, wir können es 
also kaum zur xotvij rechnen. Diese ist ja überhaupt nicht von der 
makedonischen Kanzlei ausgegangen. 



-~ 262 



Anhänge, 
i. 

-/.alaggvßa „Graben". 

Die Grlosse ytaXagQvyar laq^qoi. ^AfiBQiag (s. oben S. 8) hat 
FiCK KZ. XXir 209 zu vLelciQvtw „rieseln" gestellt. In der Be- 
deutung passt sie vortreiFlich dazu. Auch Y.Ehx- und /.ala- ver- 
tragen sich gut mit einander: es können entweder verschiedene 
Ablautsformen desselben Stammes sein, wie teXa- „tragen" neben 
lala-, oder -^ala- entstand aus zcAa-, indem tonloses b vor X dem 
folgenden a assimiliert wurde (Beispiele bei JSchmidt KZ. 
XXXII 355 ff.). Bedenklich aber klingt Ficks Bemerkung 
über das Suffix. Er setzt für nakaQQvyal und ycelaQv^w einen 
Verbalstamm xsXaQvy- voraus. Solche abgeleiteten Verbalstämme 
auf 'vy- (oder -vx-) mit dem Präsens auf -vC(o (oder -vaoco) sind 
nicht selten : als Parallelen zu neXagvl^o) bieten sich besonders die 
vielen schallnachahmenden Verba auf -rCw (LeoMeyer VG. II 
55 ff.) z.B. okvXv^eiv : okokvyri^ ßoQßogvleLv „kullern": ßoQßoQvyq^ 
auch fxaqixaqvtuv : ^agixagvyi^. Aber in einem Punkte unter- 
scheiden sich alle diese Verba von yiEXagvCMi das Suffix -vy- ist 
in ihnen an einen einsilbigen (ßa-vto)^ ava-ataX-vtco) oder redu- 
plizierten einfachen Stamm getreten, während Y,EX(XQ-vy- schon 
einen zusammengesetzten, also abgeleiteten Stamm voraussetzen 
würde. Ausserdem — und das fällt noch schwerer ins Ge- 
wicht — lässt FiCK das überlieferte -gq- ganz unberücksichtigt: 
er spricht von AaXaQvya-^ während im Hesych TiaXaQQv/al steht 

Eine Glosse, die erst durch die Genfer Iliasscholien zu 259 
(ed. Nicole I 201) bekannt wurde, hat Kretschmee Einl. 287 
zu einer ganz anderen Deutung geführt. Nach dem Zeugnisse 
des Parmenion von Byzanz nannten die Ambrakioten einen Gra- 
ben xaXaQta. Da nun im Hesych y nicht selten für ß ge- 



— 263 — 

schrieben ist, so setzt Kbetschmer das ambrakiotische AaXaqva 
dem '/.alaQQvyd — /MkagQvßa direkt gleich. Er fasst das Wort 
als ein Kompositum und zieht das zweite Glied desselben {-Qg^vfc 
aus -sruuä) zu qsm „fliessen" aus srmd : ssk. srdvat% qot], -QQOog, 
-QQVTog u. s. w. Soweit kann man ihm unbedenklich folgen. 
Wenn er aber weiter in dem ersten Gliede eine Form von y.al6g 
„schön" sucht und Aala-Qgvßd mit „schön fliessend" übersetzt, so 
ist das ein wenig glücklicher Gedanke. %ala- als erstes Glied 
einer Zusammensetzung in der Bedeutung „schön" gibt es sonst 
nicht; man müsste also schon annehmen, dass das Kompositum 
aus den beiden Worten yiald qvd „schöner Fluss" zusammen- 
geschweisst worden sei. Dass dies eine besonders passende Be- 
nennung für den einfachen Graben gewesen wäre, will mir nicht 
scheinen. Ein Quellname wie KaXXtQQori darf nicht als Gegen- 
stück zu einem Appellativum herangezogen werden. 

Wenn wir Keetschmees Analyse von y^ala-QQvd auf xeXa- 
Qvtijj übertragen und auch in diesem Verbum eine Zusammen- 
setzung mit ^t- „fliessen" erkennen, so sind die Schwierigkeiten, 
auf die Ficks Etymologie stiess, aus dem Wege geräumt. Vor 
allem macht das -qq- gegenüber dem -q- keine Not: denn -^^- 
aus -sr- ist hinter unbetontem Vokale wie in homer. /.a'khQh- 
d^Qogy 'ÄaXXiQOog u. a. vereinfacht. Das morphologische Verhältnis 
von 'Asla'Qvd zu y^eXa-Qv^co kann man sich verschieden denken. 
Am wahrscheinhchsten ist es mir, dass von dem nominalen 
Stamme 'jisla-Qv-o-, y.eXa-gv'ä- das denominative Verbum yiela- 
QV'itb) [v6(Äog : pafAiLcü, homer. vMvaxä- : YMvaxlCo)) abgeleitet 
wurde: dieses ging lautgesetzlich in KelagtLo) über (BRUGMAim 
GG. ^ § 29) und bildete nun nach Analogie der übrigen schall- 
nachahmenden Verba auf -vLio seine Formen teils mit -qvö-, teils 
mit 'Qvy-. Eine sichere Etymologie für x^Aa- : yiala- wird sich 
schwerlich geben lassen: nicht uneben erinnert Prellwitz GE. 
143 an nila-dog, Stamm kela „rauschen, brausen"^). 



1) Oder ist i<aXa- identisch mit dxaXa- in homer. axalaQQslxrjg 
M 422 r 434, einem Beiworte des Okeanos, dessen zweites Glied -gQsitrjs 
aus 'QQs/'irrjg (vgl. ysvi'trjg, mpt-ßgefzezi]?, vetpel-rjyeQExa) ebenfalls den 
Stamm gsJ^- „fliessen'' enthält? Man stellt axa7.a~ zu axaXov rjovxov, 
jtQoiov, (xaXaxov, axakd * . . . tjavxa, tjxakeov ysXocooa ' Tigäcog, ovx eoxvi 
TiaxvTa Hesych u. a. m. 



— 264 — 

II. 
Apidaios oder Arrabaios? 

Über den Namen des makedonischen Satrapen, der von 321 
bis 319 die Provinz Phrygien verwaltete, sind die Akten noch 
nicht geschlossen. Der Tatbestand ist folgender. Nach dem 
Tode Alexanders, so erzählt Diodor, wurde ein Makedone namens 
^AQidaiog damit beauftragt, den Leichnam des Königs nach 
Memphis zu führen; er war dann mit Peithon vorübergehend 
Reichsverweser (Diodor XVIII 36) und erhielt endlich im Jahre 
321 bei der Teilung von Priparadeisos Nord-Phrygien als Sa- 
trapie zugewiesen (Diodor XVIII 39). Nach Antipaters Tode 
versuchte er, um seine Stellung zu stärken, sich der griechischen 
Stadt Kyzikos durch einen Überfäll zu bemächtigen. Das Unter- 
nehmen misslang (Diodor XVIII 51 52). Von Antigonos ge- 
drängt musste er sich schliesslich nach der Stadt Kios zurückziehen 
und auf Befehl des Polyperchon seine Streitmacht an Kleitos 
abgeben (Diodor XVIII 72). Was nach der Niederlage des 
Kleitos aus ihm geworden ist, wissen wir nicht: er wird nicht 
weiter genannt. Seine bekannteste Tat, die Belagerung von Ky- 
zikos, legt das neue Bruchstück des Marmor Parium B 14 in 
das Jahr 319: dito Tr^g ey Kv'Ciy.(oi Tioliovgy^iag, rjv htoXiovQ- 
-ntjoev ^Aqidaiog. Diese Namensform mit einfachem q steht auch 
bei Athenaeus XI 509 a (Zitat aus Demochares), während bei 
Diodor mit Ausnahme einer Stelle i^Agiöaiov XVIII 72 in F) 
und bei Arrian Succ. 25 l^ggidalog überliefert ist 2). Es gab 
also, so viel ist sicher, in der ersten Hälfte des III. Jahrhunderts 
eine oder mehrere auch vom parischen Chronisten benutzte Dar- 
stellungen der Diadochenzeit, in denen der Name des phrygischen 
Satrapen ^Agiöalog lautete. Dass er wirklich so hiess, stände 
ausser Zweifel, wenn er mit dem yAi\qidaiog oder ^AQ\Qiöaiog 
identisch wäre, dem die Epheser ein Ehrendekret setzten (Greek 
Inscr. Brit. Mus. III 2, no. 451 2). Die Buchstabenformen dieser 
Inschrift, wenngleich in geschw^eiften Linien gehalten, könnten 
noch dem IV. Jahrhundert angehören. Aber der Herausgeber 
hat selbst darauf hingewiesen, dass Ephesos treu dem Antigonos, 
dem Feinde des Satrapen Aridaios, ergeben war. Erst 302 fällt 



2) Justin XIII, 4, 6 wirft diesen Aridaios mit dem Könige Philipp 
Arridaios, den er stets Aridaeus schreibt, zusammen. 




— 265 — 

die Stadt in die Hände des Lysimachos: hätte damals noch jener 
Aridaios eine poUtische Rolle gespielt, so wäre es doch wunderbar, 
dass wir in der Zmschenzeit, während 17 Jahre, gar nichts von 
ihm hören. Also wird Aridaios, der Freund der Epheser, schwer- 
lich der Satrap, sondern eher der '^ggidalog 6 olnorof^cüv tcc 
^aoSUrig am Hofe des Antiochos II gewesen sein, s. oben S. 134. 
B So ist der Name ^^gidalog für den Satrapen nur durch 

^ literarische Quellen verbürgt. Ihnen widerspricht eine äolische 
Inschrift. In den schweren Zeiten der Jahre 321 — 319 erwarb 
sich ein wohlhabender und einflussreicher Bürger aus den äoli- 
schen ^E/MTovvrjOOL namens Thersippos besondere Verdienste um 
seine Heimat und wurde dafür mit grossen Ehren bedacht, die 
der dafiog 6 Naoiojrav ihm durch ein langes Dekret (Samml. 
Griech. Dial.-Inschr. no. 304) zuerkannte. Er hatte bei Antipater 
eine Ermässigung der Kriegssteuer erwirkt und ebenso beim 
Kleitos, als dieser zur Expedition gegen Cypern rüstete, er hatte 
ferner den Polyperchon, als dieser nach Asien kam, den Arra- 
baios (überliefert [^^Q]Qaßa[lov] A25) und die übrigen Kom- 
missare der beiden Könige (rolg aXlotg rolg uii tivmv zeralyinf' 
yo]ig vTtb twv ßaailijcov) für seine Heimatstadt günstig zu stim- 
men gewusst. Zu Polyperchon und Kleitos, dem Satrapen von 
Lydien, gehört als dritte für die äolischen Städte wichtige Per- 
sönhchkeit Vorderasiens der Satrap Nord-Phrygiens und deshalb 
kann nach Droysen II 1 S. 13 Anm. und II 2 S. 376, dem 
Niese I 198 und Kaerst bei Pauly-Wissowa s. v. ''^QQidaiog 
folgen, „kein Zweifel" daran bestehen, dass i^ggaßolog sein rich- 
tiger Name war. Dafür spricht noch ein zweites. Polyaen VII 30 
erzählt, dass bei der Belagerung einer Stadt der feindhche Feld- 
herr ^AQLßalog (der Name wird zweimal genannt, zuerst mit ßß, 
dann mit ß) durch einen verzweifelten Schritt der Einwohner be- 
wogen sei, abzuziehen. Diese Begebenheit bezieht man allgemein 
mit Droysen a. a. O. auf Kyzikos und das Jahr 319. Dann 
kann aber, trotz Wilhelm Athen. Mitteil. XXII 19 und Jacoby 
Marmor Par. 126, ^Agißatog nur aus '^ggaßolog entstellt sein, 
wie ja auch der Name des alten '^ggaßolog bei Thukydides in 
^Aggißaiog verändert worden ist, s. oben S. 165. Eine „leichte 
Verschreibung" von ^Agidalog zu ^^gißalog ist an und für sich 
unwahrscheinlich, weil ""Agidalog ein geläufiger Name war und 
''AgLßalog in dieser Form gar nicht vorkommt. Ein wunderbarer 
Zufall aber wäre es, wenn durch eine Verschreibung der Name 



— 266 — 

^^QiSaiog in seinem zweiten Teile gerade dem Namen eines 
Mannes, der nach dem Zeugnisse der Thersippos-Inschrift ums 
Jahr 319 als hoher Beamter im Norden Kleinasiens tätig gewesen 
sein muss, gleich geworden wäre. 

Den Zwiespalt der ÜberHeferung können wir nur durch die 
Vermutung überbrücken, dass es zwei angesehene und einfluss- 
reiche Makedonen namens Aridaios und Arrabaios gab, die beide 
in den Ereignissen Kleinasiens am Ende des IV. Jahrh. eine 
Rolle spielten. Der Satrap Nord-Phrygiens war Arrabaios; er 
wurde aber, da seine politische Rolle nur kurz war, schon von 
den Historiogi'aphen des III. Jahrh. mit jenem ^^giöalog, der 
den Leichenzug Alexanders führte und vielleicht auch Reichs- 
verweser war, verwechselt und zusammengeworfen. 

in. 

Alexarchos. 

Ein wunderhcher Heiliger muss des Königs Kassandros 
Bruder Alexarchos gewesen sein. Zu dem seltsamen Namen der 
von ihm gegründeten makedonischen Stadt OßgavoTcokig (Strabo 
VII 331, Fragm. 35) passt ganz der Kultus, den er mit seiner 
Person nach Clemens Proti*ept. 54 treiben liess: tI fxe Sei YJXTa- 
Xf!y€iv ^^Is^agxov; ygaf-if-taTtyiög ovzog trjv ETtiGTrj^rjv ysyovwgy 
(og lazoQel ^'^giaxog 6 ^a^^aniviog^ avtbv '/.areoxrif.idTitEv elg 
'Hliov. Die Art, wie er seine grammatischen und dialektischen 
Kenntnisse ins reale Leben umsetzte, schildert uns Herakleides 
Lembos bei Athenaeus III 98 d : loiovxog yv /,al ^^ll^aqxog 6 
KaoGavÖQOv tov Ma^edoviag ßaoilevGavTog adeXg)dg 6 Tr^v OvQa- 
voTzoXiv yialovf.tevi^v yitioag. IotoqsI df Tteql avTOV HgaTiXEidrig o 
uilf-ißog iv xfi TQiayiooTf] kßSof^r] tiov iGtoguov Xeywv ovTcog' 
:^L4k£^aQxog o T^v OvQttvoTzoXiv 'ÄTiGag Siale'A,Tovg Idlag elG'^vey- 
%ev, OQd-Qoßoav insv tov aXeyiTQVOva 'AoXioiv vml ßQOTo:^SQT7]v 
TOV AOvqea 'Aal rrjv dgaxf^iijv aQyvgiöa^ tt^v 6s xoivr^a tj^bqo- 
TQoq)ida yial tov v.riQv/,a ctTtvtriv. vmI Tolg KaGGavögecov öi ag- 
XOVGi ToiavTci Tcoz eTttGTeiXe' »'Alt^agxog o fxdgjutov Tzgo- 
lÄOig yad^elv Tovg r^kiOÄgelg oliov otöa Ac7covGad^ecoTCüv 
i'gytov AgaTiTOgag f.iogGLfxip tvx^ 7,eyivgcofj.evag d^eovTVO- 
yvLig xfTZwaavTTfig avTOvg TLal q)vla'A,ag (-eg C) ogiyevelg^. 

Diese wenigen Proben genügen völlig, um zu zeigen, dass 
die Sprache, deren sich Alexarchos in seinen Schriftstücken be- 



— 267 — 

diente, künstlich zurecht gemacht und durch lächerliches Pathos 
in die Höhe geschraubt war. Von den einzelnen Worten, die 
Herakleides anführt, sind die drei zusammengesetzten deuthch 
der dichterischen Sprache nachgebildet: 

OQ&QO'ßoag „der des Morgens früh ruft" (auch Anthol. XII 
243 137 1), gebildet nach AqS^QO-yorj xbXlöwv Hesiod Op. 568. 

ß^0T0'yi€QTr]g „Menschen-scherer", gebildet nach homer. ßgoro- 
Xoiyog, ßgoTO-a'MTtog Aeschyl. Eum. 499 u. a. 

ri(,ieQO'TQO(fig, der xoivi^ als Mass für die Tageskost eines 
Menschen, also dasselbe wie r^fAegriala Tgog)^ I^iog. Laert. VIII 
18, t) xa^' TifÄigav a.va.yAcdog rgocpiq Thukyd. I 2. 

agyvgig „Silberling". 

CLTtvTrig „Herold", vgl. r^Tivta v.rjgv^ H 384. 

Das lange ä (statt ri) gibt dem ersten und dem letzten Worte 
eine dialektische Färbung. Diese tritt noch stärker hervor in 
dem Briefe an die Stadt Kassandreia. In dem Präskripte ver- 
missen wir zu TtgofÄOig einen Genetiv, den vWilamowitz elegant 
aus 6 fx(igf.aov hergestellt hat: ^O/naiinscov. Kassandreia war 
von dem Bruder {ofiai/xog) des Alexarchos gegründet worden. 

Ttgo^og ist in der Bedeutung „Vorsteher, Leiter, Führer^^ 
zuerst bei Aischylos belegt: Ttolewg ayol Ttgoftiot Suppl. 904^ 
vgl. ferner iw nag kecog^ Icd yäg Ttgo/iOL Sophokles Oid. Kol. 884. 

yä&elv «= yiq&elv^ dem gewöhnlichen x^cig^t^v in Fmsknißten 
entsprechend. Ein zweites Beispiel für ä ist tvx^- 

In dem folgenden Satze ist von dem regierenden Verbum 
olSa der Akkusativ Tovg ^^XioyLgeig abhängig, zu dem wir als 
Prädikat ein Partizipium erwarten. Das kann nur xtrAwVavrßg 
sein. Es wäre voreilig, diesen Nominativ in den Akkusativ zu 
ändern. Längst bevor mit der tloivi^ der akkusativische Gebrauch 
der Nominativform auf -eg häufiger wurde, konnte ein prädikati- 
ves Partizipium, das nach der Konstruktion des Satzes im Akku- 
sative stehen musste, frei in den Nominativ treten (Wackernagei* 
IF. XIV 369), z.B. Tovade a itoXig TtoXltag iTcoiriOaTO avfxrcoXe- 
f.irjGavTeg t6(.i TtöXeinov Inschrift aus Dyme Samml. GGD. 16128. 

Da es nach dem Zeugnisse des Clemens der "Hliog war, 
dessen Kult Alexarchos in seiner Himmelsstadt zum höchsten 
erhob, und da die Worte S^sov Tioyaig beweisen, dass die Hand- 
lung des x^'f^^ov^ ii^it irgend etwas, das zum Kulte eines Gottes 
gehörte, vollzogen worden war, so ist damit die Emendation von 
TjXio'Kgelg gegeben: 'HXlov igel[g. 



— 268 — 

In einem Briefe würde eine mit olda „ich weiss" eingeleitete 
Mitteilung ungewöhnlich sein. Wir erwarten vielmehr den gei'ade 
in Erlassen sehr häufigen Eingang „ich vernehme, dass dies oder 
jenes geschehen ist, und bestimme daher Folgendes". Die Be- 
deutung des „Hörens, Erfahrens" gewinnt olöa durch Verbindung 
mit dem Partizipium cuovcov oder axoJcra^, z. B. y,al oqcov ymI 
ccKOvoJv olda Xenoph. Kyrop. TV 1, 14, olSa dyiovaag Hdt. I 20 
III 40 u. s. w. Ein solches Partizipium wird also auch in dem 
oicüv vor olda zu suchen sein. Nun ist uns in einer allerdings 
nicht ganz einwandsfreien Dialektquelle für das homerische ato) 
„ich höre" die äolische Dialektform o'uo überliefert: Balbilla (CIG. 
III 4729 lo) schreibt otoLoa „hörend", während bei Sappho Ig 
aCoioa überliefert ist. Da es unverständlich bhebe, wie Balbilla 
auf diese Form gekommen sein sollte, wenn sie dieselbe nicht in 
ihrem Exemplare der Sappho gelesen hätte, und da sie uns meh- 
rere im Sappho- und Alkaios-Texte entstellte gutäolische Formen 
erhalten hat (z. B. doufitoi.iL, xvlde, XqriBg), so dürfen wir mit 
einer altäolischen Form ouo „ich höre" rechnen und einen zweiten 
Beleg für sie in des Alexarchos Wendung otcov olda finden. 

Zu sQywv gehört das Adjektiv aS-eojTiov, das aus ad-ef^i- 
t(ji)v oder dd^efxloviov verderbt sein wird, sgyov -/.gavelv „eines 
Werkes walten", davon sgyov AQatrjTCüQ (mit falscher Ortho- 
graphie y.qaTiTVt)q) ist zwar eine ungewöhnliche, aber nach eqyov 
aqxEiv, TL(.irig avccGaeiv u. ä. verständliche Verbindung. In Xiftovg 
steckt ein Attribut zu -AQaTi^TOQag: dem Sinne nach liegt ligoug 
„dreist, unverschämt" am nächsten. 

Die Frage, ob sich -/.QavilJTOQag Siui '^Hllov iQslg bezieht — 
die Priester scheinen ja in der Tat ein Vergehen begangen zu 
haben — oder Objekt zu xirAcJaaj^rec; ist, bleibt ebenso unent- 
schieden wie die Erklärung der noch übrigen Worte und die Be- 
stimmung des Dialektes. Es ist, nach dem Wortschatze zu ur- 
teilen, durchaus möglich, dass Alexarchos, um mit seinen Kennt- 
nissen zu prahlen, den Dialekt seiner Kanzlei aus der griechischen 
Dialektliteratur borgte. Andererseits muss damit gerechnet wer- 
den, dass er sich in Lauten und Formen an seine Muttersprache 
anlehnte. In der Tat ist y,QaT7JtcoQ als Nomen agens auf -tcoq 
eine echtmakedonische Bildung (s. oben S. 86), und vielleicht 
stecken in ogiyerstg (für OQyelg = ogystovag?) und jcoyaig eben- 
falls makedonische Dialektformen. 



— 269 — 



Nachträge und Berichtigungen. 

S. 22. Für verschiedene Glossen Hesychs, die eine Media an Stelle 
einer Aspirata aufweisen, erheben sich gegen den makedonischen Ursprung 
Bedenken. Dahin gehören z.B.: äddss- sTislyov für ad ^is „lauf herbei" 
(in BB. XXV 180 von mir den Phrygern zugewiesen); ßixag- oipiyyag 
(makedonisch nach Pearson, vgl. ^l^ = o(piy^ Hesiod Theog. 326, ^lya' 
cpTxa, ö99t;^j'a Hesych, <?r;<«<oj' Berg bei Theben, auf dem die Sphinx hauste); 
daXdyxcLV d^dkaaoav ; sgzöqoSoi' zoQßoi (von MSchmidt mit axögd'oi ' zoqvoi 
gleichgesetzt); Idlaßig' XaTlaip; ofioödkiov taosxsg (für 6(io^T^hov mit 
auffallendem ä). Nach dem, was auf S. 235 fiF. über die Aussprache der 
griechischen Mediae aspiratae ausgeführt ist, bleibt es vor der Hand 
noch eine offene Frage, ob nicht auch in der griechischen Volkssprache 
hier und da die Media für die Aspirata gesprochen wurde. Erst die 
Verbindung der Media pro Aspirata mit einer anderen speziell makedoni- 
schen Lautneigung erweist Makedonien als Heimat einer Glosse (wie z. B. 
bei ddalog = al'd^aXog, EvSaXayTvsg = Evd'akyTvsg, 8s8d)M = dsMä u. a.). 

S. 23. Streiche die Fussnote 20. 

S. 31. dvdßa und xaxdßa werden richtiger als Imperative aufgefasst, 
vgl. Dieterich Byz. Archiv I 248. 

S. 38, Z. 1 streiche »zu Frj- wehen«. 

ö. 44. An Stelle seiner ersten Erklärung von yoxdv trägt Fick jetzt 
eine zweite vor (BB. XXIX, 1905, 200), der ich ebensowenig zustimmen 
kann, yoxd soll für yoxxd : yoxxd stehen, „Grunzer" bedeuten und auf 
einem Lautverbum *yo-Ca> (von dem Naturlaute yo) beruhen. Eine Pa- 
rallele dazu will Fick in der Hesych-Glosse yoTxa- olg finden, deren 
Glossem er in vg ändert: yoX-xa „der Grunzer", yoT Nachahmung des 
grunzenden Schweinelautes. 

S. 44. Gegen die Auffassung eines P als h = A bei Hesych erklärt 
sich Sommer Griechische Lautstudien 94 ff., aber ohne einen wirklich 
stichhaltigen Grund vorzubringen. 

S. 46. Für äusserst gewagt halte ich die von Bruc4MAnn IF. XVII 
(1905) 361 ff. gegebene Deutung von ssk. rjipyds. Das zweite Glied soll 
ein selbständiges aus der Präposition pi == epi und dem Stamme i- 
„gehen" zusammengesetztes Nomen sein : ^''{e)pi-iö-s „herbei, drauf los sich 
bewegend". 

S. 65. Wie es für l^eXa = dya{^f/ zvxfi nicht an griechischen Stäm- 
men, die verwandt sein könnten, fehlt, so lässt sich auch ein thrakisches 
Wort zur Erklärung heranziehen. Bei den Thrakern hiess der Wein 
CsXäg; den Dativ f«Ad belegt Choeroboscus Gramm. Gr. IV 1, p. 145, 34 
mit einem Verse des Eupolis (Kock I 353 Fragm. 355), in dem die Lesart 
C«Aa NC den Vorzug vor C^?.a V verdient, obwohl die erste Silbe in der 



— 270 — 

Hebung steht. Nun ist ja aus der Literatur und aus den Schalen-In- 
schriften reich belegt der an den Weintrinker gerichtete Gruss x«*"^« *Jat 
Tiisi (Kketschmer Vaseninschr. 195), yalgs xal jrcS x\lkaios 54 A, und es 
wäre wohl denkbar, dass in dem orgiastischen Dionysos-Kulte der Thraker 
ein auf den Weintrunk bezüglicher Zuruf l-'QsXa die allgemeine Bedeutung 
von ayadij rvxij „zum Heil" annahm. Dann würde iCs^a von den Make- 
donen aus der Sprache der eingesessenen thrakischen Stämme entnommen 
sein; wie tief solche fremden Grussforraen Wurzel fassen können, zeigt 
unser „ade". 

S. 78. Der Titel idsargog ist auch inschriftlich belegt: dgxs- 
Ssargog, ein Amt am Ptolemäer-Hofe im ausgehenden zweiten Jahrhun- 
dert DiTTENBERGEB Svlloge Or. I no. 1694 1814. 

S. 79, Z. 10 V. u. lies als Zitat S. 114. 

S. 86. Nifidrovo thessal. Eigenname BCH. XIII 381 ff. no. 324. 

S. 121. Die richtige Erklärung für 'Agysadai schon bei Steph. Byz. 
8. V. 'Agysov ' vfjaog /luxqol ngog roi Kavcoßo) Aiyviixia, dno Agysov xov Maxs- 
Sövog, ddp ov 'Agyeddai. 

S. 148. Um den in der Bürgenliste des Perdikkas-Vertrages (422 
V. Chr.) stehenden Namen Bovx . . . . zu ergänzen, wurden Bovxokog, 
Bovxdziog, Bovxcov, Bovxgtg zur Wahl gestellt. Wahrscheinlich müssen 
aber alle vier Namen zurücktreten hinter einem Konkurrenten, den ich 
nachträglich in dem Satyrn s-Fragmente 21 (Theophilus ad Autol. II 94 
FHG. III 165) finde. Satyrus führt aus, dass die Ptolemaeer durch ihre 
Ahnmutter Arsinoe mit den Argeaden verwandt waren : der König Amyn- 
tas I (herrschend bis in den Anfang des V. Jahrh.) habe einen Sohn 
Boy.Qog gehabt; dessen Sohn MsXeaygog sei der Vater der 'Agoivorj ge- 
wesen, die dem Oresten Aäyog (im Jahre 367) den Ptolemaios I gebar. 
Müller wollte Boxgog in Bdkaxgog ändern: doch führt Bovx- im Per- 
dikkasvertrage eher auf Bovxgog, zumal da unter den Bürgen dieser 
Urkunde auch ein MsXsaygog (s. oben S. 146) genannt wird. Bovxgog ist 
ebenso wie aetol. Bovxgig (vgl. Anm. 45 auf S. 148) als Kurzform zu 
Bov'xgdtrjg aufzufassen. In dem Stammbaum des Satyrus sollen nach 
Müller zwischen Amyntas I und Arsinoe mindestens zwei Namen 
ausgefallen sein ; notwendig ist das aber nicht. Fällt die Geburt des 
BovxQog in die letzten Jahre des VI. Jahrb., so kann sein Sohn Ms?.e- 
aygog um 450 und seine Enkelin Agoivorj gegen 400 geboren sein. Aller- 
dings ist dann Bovx\Qog^ im Perdikkasvertrage weder der Vater noch 
der Sohn des MsXeaygog derselben Inschrift, sondern höchstens sein Neffe, 
als Sohn eines älteren Bruders. 

S. 160. Der aus Aigdag und Aigdsvig von mir erschlossene, zur 
Namenbildung verwendete griechische Stamm dsgö- ist jetzt durch den 
in lasos gefundenen Namen Asßd-(07iiÖT]g BCH. XXVIII 312 (2. Hälfte 
des IV. Jahrb., agxovxsg ol tisqI AsQÖcomdrjv) völlig gesichert. Asgöag ist 
also ein regelrechter einstämmiger Kurzname , Aegös-vig wahrscheinlich 
ein zweistämmiger [Asgöe-voog^ Aegöe-vixog u. a.). 

S. 190. 'AdaXog als thessalisch bezeugt Samml. GDI. 1329 lais. 




Register. 
I. Sachregister. 



Agatliokles, des Lysimachos Va- ! 
ter, sein Stand und seine Abkunft | 
171 ff. ! 

Aigai, Gründungssage 124. 

Amerias der Makedone 2. 

Archelaos, Drama des Euripides 
123. 

Argeaden: ihre Stammessage 121 ff., 
ihre Ahnenreihe 121 ff. 129, Argos 
als ihre Heimat 122. 

Aristophanes von Byzanz 24. 

Athen und die makedonischen Kö- 
nige 113. 

Bad: Schwitzbad 59, Badestube 
{aQys}.Xa) 60. 

Barbarische Namen in makedo- 
nischen Familien 224. 

Bisalten 117. 

Briefe Alexanders {öiaygaqjai) 17 ff., 
ihre Sprache 18. 

Derdas, als Königsname der Eli- 
meia 158. 

Deuriopos, geographische Lage 
der Landschaft 154. 

Edonen 117. 

Elimioten 150, verbündet mit den 
Makedonen 162. 

Eordaioi 154. 

E p i r u s , ein geographischer Begriff 
I % 152. 

Euripides, KQfjrsg (Frgm. 472) 81. 

Eurydike, eine Illyrierin 162. 

Gerichtsbarkeit, makedonische 
20 ff., dixaarrJQia 21. 

Heerwesen, makedonisches: äyy/^a 
85 191, aQYVQOiomdeg 188, iTinaQxta 
186, JieCezaiQoi 181, zd^ig 187, 



■\ 



vTtaamarai 188, ;|jd<aß;fta 188 ff., 
der Titel vixdrcoQ 86, Exerzieren, 
Lanzengriffe 88, Stab des Königs 
{sToiQoi) 118, die Nationalität der 
Offiziere und der Truppengattun- 
gen 181, Lustrationsfeier des 
Heeres 110. 

Hetairoi: ursprüngliche und er- 
weiterte Bedeutung des Wortes 
118 ff. 

Hofämter: dvaßoXevg 179, sösazQog 
77 ff., dahag 79 ff., TiaXösg ßaaili- 
xoC 179. 

Kaineu s, Vater des Korönos 124 ff. 

Kainos, Sohn des Karanos 125. 

Kalender, makedonischer 100 101. 

Kanzleisprache der maked. Kö- 
nige 261. 

Karanos als Stammvater der Ar- 
geaden 123 ff. 128, sein Stamm- 
baum 127. 

Kimmerier 60, zusammengeworfen 
mit den Thrakern 61. 

Koinos, Sohn des Karanos 123 ff. 

Korannos, makedonischer König, 
identisch mit KaQavog 125. 

Korönos, thessalischer Sagenheld 
124 ff. 

Lynkesten 150, Feinde der Make- 
donen 162. 

Magas, Vater der ersten Berenike 
222. 

Makedonen: als Begriff der Gram- 
matiker 34, als politischer Begriff 
116 152, Max6Ö(ov u. Maxsdvög 258. 

Marsyas, der ältere und der jün- 
gere 63 ff. 6Q 72. 



272 



"^'Mattye, ihre Heimat 70. 
' Menestai 178. 
Münzprägung, makedonische und 

bisaltische 57. 
Namen, makedonische, aus der grie- 
chischen Heldensage entlehnt 119. 
\ Ober- Makedonien und seine 

Volksstämme 150 fif. 
vKOrestai 150, Orestoi 178. 
^\ Paiones 117. 
Pelagones 150. 
Perdikkas, sein Vertrag mit Athen 

137 139 141 158. 
Peukestoi 178. 
Peuketioi 177. 
Phryges 210. 
Plutarch-Handschriften 212. 



! Sirras, illyrischer König 160 ff. 
ISomatophylakes 167 ff. 
'Tracht: xavoia und ihre Verbrei- 
i tung 56, xavoia unterschieden vom 

Tihaaog 56, mXot 56. 
Turimmas im Stammbaum des Ka- 

ranos 128. 
Tymphaioi 150. 
Umzüge, dionysische 107. 
Volkssprache, gemeingriechische 

26. 
Waffentänze 90ff., ßorjXaoia als 

Tanz 91. 
Wortschatz, makedonischer, seine 

Zusammensetzung 111 ff. 
Wundverbände: oTiki^v und ^coga^ 
Ib. 



II. Grammatisches Register. 



Ablaut: ■&aky- zu i^sXy- 97, raga- 
zu rgsa- 204, {)^sgo- zu '&gao- 241. 

Aphaerese s. Personennamen. 

Apokope der Präpositionen 79 100 
114 132 246. 

Aspiratae: Aussprache der grie- 
chischen Aspiratae 235 ff. ; Aus- 
sprache von 99^, x^i X^i XH- 239; 
Übergang der griechischen Aspi- 
ratae in Mediae 240; Ausnahmen 
vom griechischen Aspiratengesetze 
236 ff.; Aspirata geschrieben, aber 
Media gesprochen 233; makedo- 
nische Mediae aus Aspiratae 22 
97 106 144 223 232 ff. 

Deklination: Nominativ Sg. Mask. 
auf -a 249, auf -r) statt -rfg 252; 
Genetiv Sg. auf -ä 249, auf -äo? 
250, auf 'Ol 251 ff., auf -ov 250, 
Verhältnis von -01, -010 zu -ov 252 ; 



Akkusativ Sg. der III. Dekl. auf 
-UV neben -et 44 253. 
Doppelkonsonanten: 
C im Altgriechischen als sd, im 
Makedonischen und in der xoivi^ 
als weiches s (s) gesprochen 175 
248; aus gu- {du-) vor s 247. 
^ Aussprache 23, mit yj wech- 
selnd 30. 
yj Aussprache 23, s. auch ^. 
Ethnika auf -ojisg 131, auf -ozag, 

-sorag 177. 
Gleitvokale, im Makedonischen 
zwischen Muta und Liquida ent- 
wickelt : 

ä 40 41 55 66 67 97 245. 
V 43 245. 
Konsonantengruppen: 
yfi zu jn/j, 40 249. 

TtOJl zu 07l 249. 



273 



-jTT' statt -jr- 173 249. ! 

-Qo- zu -QQ- 53 95 135 204 249. | 

-öv- zu -vv- 125 249. 

ag- 40. 

(p^ 239. 

X^, Xfi, IV 239. 

Kürzung von Doppelkonsonanten: 
ß aus ^/? 100, 6 aus 56 79. 

Liquidae: l aus ß durch Dissimi- 
lation 108, Q neben q ausgestossen40. 

Media e: mit Tenues wechselnd 246, 
aus Aspiratae s. Aspiratae. 

Nasale: sekundäres v vor b ent- 
Avickelt 228, -w- aus -ov- 125 249. 

Nominalstämme: auf -aq Neutra 
76 253, -aiog von o-Stäramen 149 
173 ff., -Uri 67 253, -ib 96, -ivn 64 
253, 'Xv-EQ 97 253, -,ua Neutra se- 
kundär 40 253, -oTOff 73 253, -o^ 
53 253, -x(oq 11 86 253, -VWV224; 
reduplizierte Nominalstämme 54; 
Appellativa nach Art zweistärami- 
ger Kurznamen 38 46, nach Art ein- 
stämmiger Personennamen 43 46. 

Ortsnamen: im Plural 250 ft'., auf 
-ovE?, -cov€5 250, bestehend aus 
dem Genetiv eines Personennamens 
mit oder ohne Tiohg 251. 

Patronymika auf -to? 254. 

Personennamen: Vollnamen durch 
Suffixe erweitert 204, Pseudo-VoU- 
namen 184, zweistämmige Kurz- 
namen 136 254; Verdoppelung von 
Konsonanten in zwei stämmigen 
Kurznamen 131 248, in Vollnamen 
170 208 248; Aphaerese kurzer Vo- 
kale im Anlaute von Voll- und 
Kurznaraen 129 ; syllabische Dissi- 
milation in Vollnamen 174; -öaTos 
als Ausgang von Namen 136; 
Kurznamen auf -alog und -sag 254 ; 
Tiernamen als Personennamen 131. 

Sigma: weiches s (z) von den Grie- 
chen durch a wiedergegeben 175. 
Silbenverlust: Abstossung erster 
Silben im Neumakedonischen 32; 
syllabische Dissimilation 174; Hy- 
phaeresis 85 97 227 245. 

H. o f f m a n 11 , Makedonen. 



Spiritus asper: als P (verderbt 

aus h) überliefert 44 247. 
Stellung des Titels ßaadsvg 159. 
Synkope 50 55 63 245. 
Tenues: h für y 52 64 ff., s. auch 

Mediae. 
Vau, sekundär hinter v im Make- 
donischen entwickelt 51 247, als 
r überliefert 8 9 16 100 248, als 
T überliefert 44 51 248. 
Verbalstämme: -svco statt -ico 

155 255. 
Verdoppelung von Konsonanten 

s. Personennamen. 
Vokale (s. auch Ablaut, Gleitvo- 
kale): 

ä neumakedonisch vorgeschlagen 
31, neben o als prothetischer 
Vokal 52 242. 
« ursprüngliches 243, aus äc 23 
58 244, aus äc 146 245, aus äa 
154 246, aus äo 246, aus as 64 
240. 
s neben a in öie 174 271, an a zu 
a assimiliert 50 241, für a vor q 
134 242, aus i vor Vokalen 64 
241, für i vor qq Xk 242, aus si 
vor Vokalen 244, aus unbetontem 
SV vor o 84. 
r) statt « überliefert 244. 
i aus s in iv 64 65 241, neben e 
vor QQ 242. 

aus a vor Nasalen 49 241, oq 
aus aQ 126 241, als v {U) ge- 
schrieben 66 242. 

V Lautwert u in der Umschrift 
teils durch e 15 16 44 49 51 
KX) 185 213 242, teils durch ov 
16 51 73 213 242 ausgedrückt; 
Vertreter von o 66 242. 

(o aus o gedehnt 245. 

av aus am 11 246. 

si aus se 246, aus rji 245. 

01 für ai 126 244, für vi 185. 
ov aus o) 43 74 97 114 244. 
loi 245. 

Volksetymologie in Namen 126. 



IS 



— 274 — 



III. Wortregister. 



1. Makedonisehe Worte. 

(Die aus den Personennamen sich ergebenden Wortstämme sind hier nicht 

mit aufgeführt. Fett gesetzt sind die Zahlen der Hauptstellen. Bei den 

in eckige Klammern geschlossenen "Worten ist die Überlieferung falsch 

oder der makedonische Ursprung zweifelhaft, n = neumakedonisch.) 



äßayva 41 

aßaQKvq 54 

dßaQv 40 

d{ß)loYSc 9 100 

äßkörj 16 99 114 

aßgotsg 51 

äßQOVxeg 9 16 51 

äya 11 

ayri/xa 85 

ayxaUg 66 

äyxaqfJiog 88 114 234 

ad- Praep. 67 

aöalog 58 

äööai 66 

[äööriXog 52] 

ädfj 37 

ädiaxog 72 

dÖQaia 37 

[aiyijiotp 47] 

aiöcöoöa 59 

n. djdof^ovg 30 

dxovxiov 88 

dxQala 62 

dxQovvoi 74 114 

n. aAfOff 30 

aXiCa. 42 

dAt'»? 43 

\dXoysi 100] 

dfiaXog 52 

n. ava/Ja 31 269 

n. dvriyaxog 31 

a^off 38 

doßT>;(ff) 90 

OLTiTia 62 

agygAAa 59 



dgytTtovg 45 
dgxöv 64 
dQq)vg 67 
damAo? 39 114 
äoTiQig 42 

ßaßQTQV 73 

ßaoxsvrai 67 

ßdoxillog 43 

ßdöxioi 67 

ßataga {ßa-^aQa) 73 

/Jfi^v 38 98 

/ffte^ol^ 52 

n. ßQovaidXa 30 

ya/?aAd 50 >-^ 

n. yaWd 31 ' 

ydß^av 67 

n. ydaxQa 31 

yo^a 16 49 

yd/av (ydrav) 9 16 44 

n. yUnov 30 

n. yXstpaQov 30 

yvdAa 71 

yc5;ra? 47 

5atra? 79 ff. 
^dvoff 75 
5av<Sv 76 
5dßvAAo? 41 
deödla 67 
öer}(j,og ? 82 
ösoiusvog? 82 
difxdxoLt 83 
n. 6i;tdAt 29 



6otat 82 
^d^ara 89 
5ßd|U«? 72 115 
ÖQYjyeg {dQtjeg) 4^1 
öcoai 82 
dcoQa^ 75 

i^iar^o? 77 ff. 114 270 
STtideuiviösg 70 
ioxegixat 45 
Irar^o? 77 115 118 

CSQS^QOV 38 

"^(isQoÖQOfjiag 83 

t'C«Aa 65 269 
fAat 182 
t7«^s («la^) 42 
Ivdia 64 

xalaQQvFd7 9 262 
xdvadoi 52 
xdgaßog 28 58 
xaQTtaia [xaQJiea) 90 ff. 

115 
n. xdra/Ja 31 269 
[«aTa:7rdATat 89] 
xavaia 55 
xsßa?.d 50 
«£/?A?; 50 
xsßXr]yovog 50 
xeßXrjuvQig 50 

XSQQÖg 53 
[xixsQQoi 53] 



— 275 



n. xXafiovQa 80 
xoXog 74 

HOfXOLQai 48 

xojLißoi 52 
xofi/naQai 48 
xoQivaTog 63 
n. xovTia 32 
n. xovrga 32 
xt;»'oi>;r£Vff 43 114 
xvSag 76 
xvQvog 63 
xcoQvxog 49 

Aa//ffa 27 

Xaxsddfxa {-ddXfia ?) 73 

n. Aavo? 29 

Aevyam 87 

n. fxdxovg 29 
n. fjLaQxeipvfii 29 
fAaxxva 70 114 
n. jJiUva 31 



n. vea/Lia 31 
rt'i^a 37 
vixaxoQiog 86 

VtÄCtTCÜß 11 86 

n. ^»yeoV 30 
n. iVctAt 30 

hojrav (yoTov) 44 

n. naiolfxov 30 
:TaQa6g 47 
uiags/xßoXrj 24 
ns^sxaiQog 77 115 
TisXid, neXiog 152 

n. ^ayctva 31 
odfiaxa 40 
Qovßoxög 16 73 
n. Qovfivida 25 

ßOVTO 111 

ßVjU»; 24 



n. aaxokaißa 26 
odgiaa 87 
aaväSai 6 98 
aavxogia 11 
aiyvvrj 68 
öt'yvvrog 68 
joÄor^o? 19 20 83 ff. 
n. axakaxiöa 32 

raydff 77 114 
n. xakixovfidxi 30 
TsAfiorta? 91 ff. 

v«r»J? 66 242 

n. ;ija»'a) 32 
Xc^Qf^ci 88 
;taeo)v 43 234 
n. ;tovAat'j5t 32 

n. v;<99t 30 
n. v;ae/ 30 



2. Glossen des Amerias. 



^a^o? 9 
jffai^dA»? 13 
ßavxdXag 13 
YQdßiov 10 
diaxoviov 7 
ikdvrj 10 
sTirjßoXog 4 
Ißtvdff 13 
egxTxai 13 
svxovog 10 
^axeATt'^f? 8 
toi?A»J 11 
xaAoßßvyat 8 262 



xdXid'og 13 
xafiaoxig 12 
xkioiov 4 
Xavxavir) 4 
A«7raöT>y 10 
XsxfAog ? 15 
Xtoaöv 4 
Avyoff 5 
Ai^;C>'«V 5 
fivxrjQog 7 
^rjQonvQixrig 12 
7r«;i^aߣ 14 
myyav 14 



^jrai'Aat 14 
aavädai 6 
öavTOßta 11 
oiiKoyi] 14 
GTiidrjg 5 
axsQÖv 14 
ravßot 6 
xed^okiag 12 
xevxovog? 10 

TtTVßtVO? 9 

v9?a(Ta()? 15 
;farov 7 



3. Grieehisehe Worte aus versehiedenen Dialekten, 



äßQoxaqjiov 40 
dßqoxofiag 55 
äßgofiov 40 
dßßöxovov 40 
dya^d? 241 
dy£ßa);)jo? 139 
dyoöTo'ff 241 



ädata 197 
ädi/iiog 143 
ädvfjiog 143 
dsQoyf 131 
d^a߻Jff 204 
dd^eiQ^g 204 
di?eß»?ff 204 



aiavTjg 129 
aX^ovoa 59 
dxaXüQQScxrjg 263 
dxTt'ff 97 
dX<pivia 42 

dvhqood'&rig , -■&o)v 186 
-«r»Jff 129 130 



276 — 



dvövrjtog 170 
ävrt] „Antlitz" 157 
dogri^g 90 
cbifjv^g 129 
oJioßXvCeo 99 
a7iq>vg 62 
oQytj 132 
OLQyävr- 132 
o^yt- 45 
OLQyinovg 45 
a^yo? 45 
döXQa 42 
ar«/tt/?ö> 240 
dq^oßrjzog 204 

ßaßvag tarent. 74 
/Jat/?v^ 13 14 
ßdXe dor. 65 
ßdxaXog 9 
/^araff tar. 9 
ßtivßvxävsg 14 
ßeiQÖv 52 

ßsQQÖV 52 

/j;.vCö> 99 

ßoQQa- „Norden" 148 

ßotdvr] 184 

ßgiaai 195 

ydatQ-q homer. 31 
ysQQov 68 
yleniog neugr. 30. 
y?Jjico dor. 30 
y}.E<paQov dor. 30 
yQttßcov 10 
yvya* 218 
yvyairi 218 

öägarog thess. 72 
^fifßa<5- 160 
^«nft> ark. 65 
^eAroV kret. 65 
örjkofjtai dor. 65 
Siaxoviov att. 7 
^t« thess. 175 
öißtjyeg el. 48 
^e<»;r- 183 



eÖQttfia arg. 40 
«a»? 10 
iXdvT] 10 
llfiv»; 10 
a»; 10 
enrjßoXog 65 
smßXai 67 
Jßtmg 13 
sQivog 13 
eQKpitjfxata lak. 40 

taj'xAov 66 
Ci^A« 65 O 

CsQs^Qov ark. 29 

"^dvjuog 143 
^^aro? 149 
^^aff 149 
jy^sto? 149 

^(i^/Jo? 240 
^«'Ayfitv 97 
i^QSOxog 149 
'&Qr}axev<o 149 
-^Qt^axog 149 
^ÖOjU/?o? 240 
dvydxrjQ 241 
^ro? 149 
T?t5ai?;.a 106 107 
■^vöiddeg 107 
-^toga^ Binde 75 

l^^rv „mustern" 84 

f^aA^ 12 

taaAjy 12 

ta;<Aat 12 

iaasXa 12 

tTi?«Aa 12 

hxsXrj 12 

xaßaivcov dor. 100 
xdßßaXs aeol. 100 
;ea/S;.s5t 100 
xaAa^rvffff lak. 8 
xaXaQva ambrak. 8 
xafxdga 49 
xd(A(j,aQoi dor. 48 



xa(ji(jj.)dQxpai aeol. 12 
xdfx(jj,)aQyjig 12 
xapi{(j)daxt}v 12 

Xdfi-JLIOQOC 48 

xdgaßog neugr. 28 
xdgavog dor. „Häupt- 
ling" 126 
xaQvrifxaxa lak. 40 
xaxandXxtjg syrak. 89 
xaxaQijg 148 
xaxcoQi]g 148 
x«/?A>/ 50 
xeßXriyovog 50 
xsßXrjvtj 50 
xsßXi^TivQig 50 
xsßXog 50 
xsXaov'Cco 8 262 ff. 

XlVCOJtSXOV 43 

j xiQQog 53 
xoiqavog 184 
xogctötor Koine 23 
xoovfxßog 240 
xQscoöaixag lak. 81 
xv/ißog 240 
xvv- „glänzen" 219 

Aata Schild 27 

;ia//5a 27 

Aarra 27 

Aa«97?7 27 

Aar^jo? 26 27 

A«to-, Aeo- „ganz" 169 

A^ro? 4 

Isicoff 169 

XsTiaaxri 10 11 

XscoXrjg 169 

;ii'| 5 

A<;fdff 5 

Xixfjvsg 5 

AtV, Atffa?J 4 

Atoaaff 4 

Xiaaog 5 

;.vya»; 42 



262 /M05r- hesiod. 12 
^sQioxYjg Koine 80 
(ivxfjQog lak. 7 



— 277 



ytjydzsog 30 241 
vinaz^Q kret. 86 

^av^og 111 

6(A,oxXrj 67 
*oQ^avog 184 
oQ^iaiov 184 
OQ^Ug 184 
OQ^rjQog 184 
OQxdvrj 184 
o;i;avor 184 

7iaidaQiYi(A,ata lak. 40 
jisQusvaL 107 
myyakog 14 
TrAoxarov 184 
-novog 143 
novfxixa lak. ? 40 
TtQävrjg 129 
TtQoßar^juara lak. 40 
jiQomÖBg aeol. 54 
TiQoaavT^g 129 

TlQOO'&r} 66 

'nxölsfxog 173 
nvXa/udxog 213 
TTvy^a^ 240 



I JTVQyog 141 

^ay^ato^ 32 
£>a| 40 
QanavXoi 14 
^OJrtV 14 
gdooco 31 
^at/; 14 

QOjUO^ 53 

QVfj,ßdvco 177 
QVfzßcov 177 
^VjM»; Koine 24 25 

ö«i?>/ 186 

od^cov 186 

oaxoXaißa neugr. 26 

aaxolaiqprj mittelgr. 27 

a</?vj^ Koine 69 

oiyvvvog kypr, 68 

axaQcpäad^ai 28 

oxaQ<piov 28 

ax£o- aus axsvo- 84 

axcöTisg 47 

ojiiyyov 14 

0;r/Ca 14 

anilog 39 

ö:;rA»Jv Verband 75 



ardd'fit] 144 
oraXayfiog aeol. 32 
o/jQog 15 

Täj'oV thess. 77 
xs^oXmg aeol.? 12 13 
ritvQtvog dor. 9 
Tv^j^oi' 240 

vn€Q(.iBveta 108 
vnsQqjsqrjg 108 

<pavUa 42 

(pOVQXOQ 141 
qjvQxrjXuai 142 
(pvQxog 141 

;faro«' lak. 7 
;faA/ neugr. 29 
Xct^A*« „Spitze" 87 
xdöavov 184 
Xoiotrjf^a 40 

yjdq?ififi,a kret. 40 
tjjrjQOTivQitfjg 12 
rptjQog 12 

cwdtV 97 



4. Worte anderer Spraehen. 



albauesisch. 
r»« „Eiche" 4 

altbulgarisch. 
c&^ 75 
cjä/o 75 
^/at;a 51 
Z^s» 4 
jp^^a 14 
Hribhina 28 
vföss 54 
ze/o 8 
z/äÄs 8 

altindiach. 
upadhi- 67 
rjvpyda 45 269 



r/Va« 45 
r«a- 167 
guddm 49 
drmd- 160 
-rfÄ«, -rfÄi 66 
pmgas 14 
pmgalas 14 
pradhi' 67 
-vardhanas 183 
v?-«a- 167 
snihyati 37 

armenisch. 
arc»v „Adler" 45 
t?a?'s 54 

dakisch. 
<rt'/*a- 56 



tarabosti 56 

germanisch. 

ampra- „sauer" 41 
a«A;a- Esche 42 
^eV alts. 8 
^ewr altn. 8 
^iWa got. 51 
Äa< ags. 58 
Äö«? ags. 58 
Ä{?«r altn. 58 
humara- altn. 48 
Amo^ ahd. 58 
A;t^< ndd. 49 
ÄM^e/ mhd. 49 
rüma- 25 
»A'^ro ahd. 12 



278 



schermüs mhd. 62 


^m^o 14 


neuslovenisch 


sleUa- 5 


praeda 66 


«Är6a 28 


illyrisch. 


lettisch. 


persisch. 


ves' „gut" 96 


/a r« 68 


ayo-xaocta zd. 58 


mßvvtj 68 


schkirha 28 


äg^Kpog 45 


AEvddai 94 




erezifya- zd. 45 




litauisch. 


yijtixd? 18 


keltisch. 


^raZra 51 


ftr^fa^ zd. 51 


daru- „Eiche" 42 


priedai ^Q 


t?arc«a- zd. 54 


gaisos 8 


shaityti 75 




snigim 37 


skalüius 75 


phrygisch. 




wdrpa 14 


/?«at; 257 


kimmerisch. 


warpau 14 


CeAxta 8 


Ä^ytAAa 60 


geZm 8 


thrakisch. 


lateinisch. 


lydisch. 


aöötiXos? 52 


cassis 58 


/?«/?eof 53 


apytAoff „Maus" 62 


frägum 40 


Ca>cvv^i8sg 53 


rt'^a? 37 



IV. Namenregister. 



1. Makedonische Personennamen. 

(Vgl, die Vorbemerkungen zu den „makedonischen Worten" S. 274.) 



'Aßeeag 222 
'Aya'&oxX^g 171 
'Ayd^oiv 128 150 191 194 

224 
''AysQQog 138 150 192 
"Ayvoiv 202 
^<5aro? 190 227 
l'Aödaiog 189] 
'^^«'a 216 
M^aa 216 
"A^ifxog 143 190 
Z4öfifjTog 191 
"^^v^o? 143 190 
'AeQfiijvag ? 140 
'^«'ßo^off 130 165 206 

226 
"A'&aQQiag 203 204 

AlQOTlOg 130 



AtavfAvog 202 
AioxQicov 224 
MA^^av^ßo? 119 133 142 

155 165 228 
'^Af'^aßxo? 202 266 
'AX^aifihvjg 183 201 
'AkHavcoQ 202 
!4Ax«Taff 133 138 188 
'Akxifiaxog 172 224 
!(4|ua;cTi;<ü»' 224 
'^.avvTtt? 133 156 165 

176 179 192 201 202 

224 227 
'AfivvtcoQ 171 
'AfKpoxeQog 192 
'Ava^iSorog 193 
'AvÖQo- 146 
'AvÖQOfisvtjg 156 



j'^v<5eo'vixoff 138 193 200 

f^vdßoxAoff 192 

\ jivzsag? 170 

! 'AvTiyevrjg 188 215 

'AvTiyovr) 216 
j '^rr/j'ovoff 193 
j 'Avxixkfjg 180 
|'4vno;to?153 183 191202 
: 'AvTi7iarQiör]g 202 

'AvrinaxQog 130 176 179 
j 180 193 203 226 
I 'AnoXXcovoq)dvrig 203 
it^gyaro? 132 
! 'Agysag 121 
l'^ßfTjy? 179 
h^e^Tf? 179 
! 'AgiSaTog 135 
I 'Agifi/nag 193 



279 — 



'Agiorokaog 224 
'igiatovovg 171 
'Agiarcov 182 
'ÄQHsaiXaog 202 
"ÄQjraXog 164 
'ÄQQaßaTog 165 192 265 
'ÄQQiag 203 
'^ßßt^aro? 134 ff. 159 
'Agasag 180 
!4^öfvo»; 216 
'ÄQvßßag 176 
'ÄQXBdafAog 179 
'^e;Cf7ao? 130 133 193 
'^ejj^s^a? 138 
'AQXs:i:olig 204 
'AQxsoTQatog 204 
!4e;f/o? 193 204 
'14^;ffov 193 
"^aav^ßo? 193 194 
'AoxXaTiiddag 193 
'AoxXtjmödcpQog 179 194 
'^raAavr»; 157 217 
'AzaQQiag 203 
'^TTfVaff 194 
'AztaHivog 149 
"^rraAoff 157 188 
Avxoöixog 172 
'Aq)-&6vrjxog 179 
A(p6ßrjxog 204 

BdXaygog 176 
JSaAaxßo? 175 188 199 

227 
[5a;.ai;;fo? 199] 
[BshöTixtj 205] 
Bsgdag? 204 
BsQsxxag 225 
BsQEvixa 217 
BsQvixa 217 
BUtcoq ? 205 
5o7«»' 222 
BoQoiog 148 
BoxQtjg 150 
5ovx[ßo?] 148 270 
Bovlo/udya? 223 
Bovxag 224 
Bgiacov 195 



BgofisQog 165 
[ßv^j^rvo? 141] 
Bvxxaxog 225 



Faixsag 143 
Favdvi^g 129 
r).avxiag 182 
Fogydxag 205 
Toßj'm? 188 205 
To^yog 221 
Fvyaia 217 

/dd5[a>»'] 146 
Aaicpavxog 190 
AafidoiTiTiog 206 
Ja^acü»' 222 
Jao? 243 
Asivofxivt]g 203 
Asxdfxvixog 206 
Jiß^a? 148 158 ff. 270 
^»;;M»?Tefo? 170 172 183 
/Jf^?? 227 
zl^Vvo?? 206 
zffovvfffoff 171 
Aio^svog 207 
zJtß/?«[a?] 147 
zlo;<«(ao? 207 
Jßft)yr/^aj 183 

'ExaxaTog 195 205 
'ExaxsQog 192 
'E'xTCöß 207 
*E?.a7ixöviog? 180 
'EXUvixog 195 
EXnivixog'^ 180 
'Enii.iivr]g 180 
'Enomllog 195 
'EQf/,6Xaog 179 
'Eggiöatog 134 
[E'v^aro? 225] 
£'v;«To? 225 
EvXaiog 225 
EvXavÖQog 142 
Evvixog 194 
Evvovg? 170 
Evji6Xs(iog 229 
EvQvöixa 218 



EvQvXoxog 180 
EvQvvöa 218 
EvQcojta 218 

Z«i;^f? 226 
Za>?Ao? 198 

ZcOJtVQlCOV 196 

'Hyüoxog 183 
"i/i^a^o? 149 
'HQaxXeidrig 183 
'Ä^aptfcoi' 196 
'Hgofiivrjg 165 
'Hqpataxicov 170 

©ßo^cößo? 193 
GsoHQixog 180 
Gso^sva 219 
SsQamjtog 207 
&saaaXovixa 219 
&t]Qafisvr]g 200 
Ogaasag 226 
0ö»7a[;tf-] 149 
evfxcovöag 207 
©vvo? 149 

7o7aoff 207 
7o7;a? 208 
"/Tr^aAo? 226 
'IjtJioxQdxrjg 226 
7:?r7ro7o;t:o? 226 
'IjiTToaxQaxog 183 

^ctAa? 165 196 
ÄaAe? 208 
^aAAa.; 196 
KaXXifxaxog 148 
KaXXiv7]g 186 
Äa^avo? 123 ff. 
^aaav^ßo? 209 
KdoaavÖQog 120 208 
Äixr- 148 
KsßaXTvog 50 209 
Ä^^aAo? 50 209 
KEQdlfXfxag 197 
^t'AA»;? 195 209 
KXsavdpog 143 183 197 



280 



KXeiviag 193 
KhXxog 183 188 
KXsoTKXTga 219 
möviog 130 226 
KoTvog 123 ff. 187 
Koigavog 197 
Köfiwv 226. 
KoQQaßog 144 ff. 
KoQQÜßcov 144 ff. 
KoQQayog 144 ff. 
KoggaZog 144 ff. 
Koggärag 144 ff. 
[Kgaorcov 142] 
K gar sag 155 
Kgaxsvvag 149 
Kgäregog 155 
Kgaxevag 154 155 168 
KgarrjoinoXig 219 
iTvvaj'Off 226 
Ävvm»'a 219 

yla^o? 154 168 
Ädixog 227 
ylavtVa 220 
-(dao^tjca 220 
Asövvatog 168 ff. 
Äeövttog 227 
ylstoi't^a? 209 
^«^ff? 227 
ÄifjLvaXog 147 
ylt^voff? 205 
Avxayogag? 197 
ylvptato? 143 
ylvpfe[a?] 150 
.Ivactv^ßa 221 
Avoaviag? 203 
Avoif.iaxog 171 
Avocov 227 

J^f^y«? 222 
Maxdgrarog 197 
ilfdAaPio? 210 
Magovag 210 
il/a;taTaff 149 164 
MsyaxUag 227 
MsyaxXfig 200 
üfcAa/tvtöaff 197 ff. 



3/£;.awf'5a^ ? 198 
ilMmyßo? 146 183 187 

211 
Msftvcov 198 
MevavSgog 180 
il/«m.aoff 138 165 176 

201 
Meveo&svg 184 
i¥fV»/ff 171 
MsviSag 198 
Msvohag 211 
ilfevt'AAo? 211 
JWj^^wv 227 
MiHiwv 211 
Mt?it;Ao? 211 
Mioycov 150 
MoigaysvYjg 227 
3/o7?;pro? 211 
ilfdAco»' 228 
Movifiog 211 
Mvtocog 228 
Mt^AAf'aff 198 
iV/t;A;.tVa?? 199 

Neagxog 191 
JV«o7ao? 228 
NsoTixoXsfiog 143 165 187 

202 
Niazcog 211 
Nixaia 221 
Nixavögog 144 176 
Nixdvcog 134 176 188 

215 
JVf;tfo7ao? 192 199 211 
Nixö/iiaxog 211 
Nixoazgazog 180 
JV/p«tov 204 
iVo- 143 

'OApitW 211 
"OvacTOff? 170 
Viv/^dvrjg 202 
'Ogsazrjg 133 
'Ogövzrjg 153 168 
'0<^e7aff 199 
VfpeUag 199 



TZa/cov 228 
nalUörig 165 
Uav^yogog 197 
Jlavzdjzovog 142 
Udvzavxog 199 227 
Uavziddag 215 
IJavzögSavog 183 
Ilagfievuov 182 
Tlaaioiv 221 
/ZaTß«? 228 
JldzgoxXog 228 
Udzgcov 228 
navoavcag 149 163 212 
/7«'i?a>v 154 ff. 168 188 

215 
neioaVog 136 171 
üegdiHxag 131 153 168 

187 
Thgiavdgog 210 
Jlegilaog 212 
JligdXog 212 
Jlsgizag 176 228 
Usgoidag 184 
ÜEvxeozag 177 178 
Jlsvxökaog 178 
nXsiozagxog 212 
Ilokdfiaxog 212 
UoXefioxgdzTjg 187 
noXificov 157 200 
noXvSdfiag 200 
IJoXvi'dog 195 
nolvxXfjg 212 
[77oAii;ua;to? 212j 
UoXvvdixog 228 
IloXvjiegxcov 156 
UoXvazgazog 223 
IlovXdixaxog 212 
ügsjieXaog 214 
IJgö^svog 223 
TIgcoxsag 200 
ngcozöixaxog 200 221 
nzoXefiaiog 120 153 168 

173 
mggtxog 228 
ncbzaXog 229 

Zaßazzagag 164 



281 



Id'&cov 186 
Zäßog 229 
ledrivog 199 
IsXevxos 174 ff. 191 
IißvQxiog 200 
ZifXfxiag 156 
[2'f':;r7ra? 214] 
[liegag 160] 
ÜTiivd^agog 214 
Zradfieag 144 
2xaodv(OQ 201 
^TSQona 230 
SxQarovixa 221 
^rQÖjLißixog 214 
Svfifxaxog 215 
SvvSaZog? 190 
^(OXQdzTjg 186 201 
2'w;roA(? 179 



Swomvrjg 229 
ZcooixXfjg 215 
^•wöf? 203 
2(OöXQaxog 179 

'YV't'^^? 215 

Taeem? 203 
TavQcov 201 
Tevxa/xog 215 
TifxavÖQog 189 194 
Tifxdv^rjg 215 
Ttfxo^sog 222 
TXrjTiöXEfiog 201 
TvQififiag 128 191 

0/Aa 221 



<P/Af^7ro? 133 176 187 
188 193 201 222 224 

«PJd^eyo? 223 

^döSra? 180 182 186 188 
195 201 227 

0dcoxsQa 221 

^ovaxog 213 

XaQixlfjg 180 
Xdgog 215 
^^vaoj'OJ'o? 229 

-««Off 146 
-«Aoff 142 
-fTOff 146 
-juaxog 143 
-vxXfjg 143 
-VTT«a? 148 



2. 

'AQavxidsg 96 

'^gCOTOff C^^I^TOff?) 93 

5f6ü 98 
AdQQOiv 95 
'Exaigetog {Zevg) 93 
£'v5aAayrj'€? 96 



Hakedonisehe Oötternamen. 

ZeiQrjvrj 93 
0at;Ao? 94 
eovQidsg 97 244 
KkwScovsg 98 
MifiaXXövsg 98 
2'a^a^off 6 97 



Savadios 6 97 
2avädai 98 

'YjiSQßeQsxag (Zevg) 108 
?P«v5dv<oß? 94 



3. Makedonische Monats- und Festnamen. 



^;ir£AAaroff 101 
'AQxsjuiaiog 102 
^v<5varo? 109 
-4vTvaro? 109 
7oß:7rfarog' 109 
Jatato? 104 105 



zJro? 109 
JvaTßOff 106 
Jvar^a Fest? 107 
'ExaiQidsia Fest 93 115 
^(ütoff 105 
Savdixög 110 



Eavöixd Fest 110 
ndvrji^og 103 
ITsQixiog 107 
IIsQixca Fest 107 
'YnsgßsQsxaTog 108 
'YnsQßsXexaXog 108 



4. Gpieehisehe Personennamen. 



'^ye'^as 136 
'^^aro? 190 270 
!(4^d^aff 191 
•^^/Afco? 143 
14^/^a 143 
"AdvfAog 143 
'AsQojieg 130 

'ASQOTIIJ 130 

t^ixAc/^Off 118 

Ho ff mann, Makedonen, 



'^Aevd^at 121 
'^AfiiJag 121 
'AXdrjfisvrjg 201 
'Afiaxkeidag 224 
'Afxdxkrjxog 224 
'AjLivvxrjg 133 
A(iq)oxeQ6g 192 
!4v»?€a5a< 121 
^vi^e'a? 121 



':4^y»yff 132 
'Agdfiaxog 193 
14ßmvTOff 157 
!^ß:;rdAvÄro? 164 
'AQQEveiörjg 167 
'^ßß/Afiö)? 135 137 
'Aqqi(pqcov 135 
'AgaiTiokig 137 
Agvßyaiog 177 
19 



— 282 — 



'ÄQVTiraTog 177 
*AxaX6<pQ(ov 157 
'Atraycvog 149 
*Atrvlag 195 

BlQQOVV 53 

BoQ^ayoQag 183 
BoQ^iog 183 
BoTQag 150 
BoTQTjg 150 
Borgi^og 150 
Bovxdxiog 148 
BovHoXog 148 
BovxQig 148 
Bovxcov 148 
Bovlofjidya 223 
Bovraxidtjg 225 
BQOfiiog 166 
^VTto? 225 
Bvzraxog 225 
BcoQ^iddag 183 

raf/,i^8i]g 129 
FavöoTog 129 
/avöoff 129 
/o^yoti^o? 185 
rcovcjijiog 129 

Addoiv 146 
^^ Jo^^a 160 

Ja9?ovrevff 146 
. J«e(5aff 159 270 
^ dg'e^evf? 160 270 
AsQÖcdmötjg 270 
AsQfpeag 147 
JtxatoVaroff 170 
Jo^v^ao? 230 
J^o);^- 183 

'Egiyviog 118 

"ffß^ri;? 212 
Evdvxa 157 
£'v/?a«o? 167 
Evßaicov 167 
Evöixaiog 132 
EvXavÖQog 142 
Evx^dviog 132 



FdaavÖQog 194 
Jctö/a? 194 
Faoiöafxog 194 

ZaiT^CDv 174 
ZdlevKog 174 

'jyd^a 216 
'HsQOJtog 130 

ßsavxog 157 
Ö^aöü^arog 135 137 
ßgaavödog 135 
ßQaavöriiog 135 

7A«t;ff 185 

KXsfs^oiviog 132 
KXsodaTog 135 
Ä^^fiovviff 227 
Kvcontag 43 
Kvfbnog 43 
Ä^oß^a^a? 145 
Jfvv- „Glanz" 220 
KvvovXxog 211 
KvQvog 63 
QvXoidag 184 

JaysTo? 230 
[ Aaofiiöcov 118 
^aß<;fog 118 
Jed<5>7? 170 
Asia>8r)g 169 
AsKoxQixog 169 
AsoßQifAog 169 
J«o^<Äros^ 169 
Aso^dQorjg 169 
Asoxvxidag 169 
Jgwxßtro^ 169 
^«cöv»;«^ 170 
AifzvaTog 147 
^vxat^oj 143 
AvxdQrjxog 143 
Jv;«aa>v 143 
Avxeag 150 
Avxrtv 150 
Avxijg 150 



Magaiag 210 
Mdqavog 210 
Meve^aro^ 136 137 
Meveaxag 178 
M»?aa>v 227 
MiQycov 150 
Miayolag 150 
Miaycov 150 
MoiQaysvtjg 227 
Molvxog 211 
MvUivag 199 
Mvvxiaog 129 

Or^aff 184 185 
'Ot>l«vff 185 
OtVo- 185 
•Oßi^o- 184 
Vg^önoXig 184 

na/xßiaiog 132 
ITavxdyvcoxog 142 
IlavxaxXfjg 142 
IIavxa?J<oy 142 
Ilavoaviag 170 
UeiQatdrjg 185 
ITsigaiog 185 
ITsiöaag 136 
//ißd«! 131 
TIsQxaXov 132 
TTeggag 185 
UsQipiXa 132 
ÜsxQaTog 159 
Uivixfjg 129 
HiToidag 184 185 
ITixoivag 185 
nixoivog 185 
ÜixxdXaxog 185 
ITixxaxög 185 
nixxaXog 185 
/7«Tva^ 185 
noXvöag 136 
IIcDxaXo' 229 

^-ct^wv 186 
SißvQxag 200 
SißvQxiog 200 
SnsQxoyv 156 



— 283 — 



üvvdaTog? 190 

TsXeSag 136 
TsXsoxag 178 
Tsvxdfi.tis 215 



TsvTafxiag 215 
TevrafLiidag 215 

^SQvixr] 217 
^axog 213 
^axoiv 213 



(WraAo? 225 

Xam?, -Off 143 
Xaitcov 143 
Xqvoöq^ij 184 



5. Orieehisehe Oötternamen. 



!4;eearoff (Zevf) 190 
Bgofiiog [dtovvaog) 166 
rvj'a C^i^jyva) 218 
rvyaia 218 
Jaaaff 80 



'EgQaqpscorag 166 
SscoQidsg 97 
'laodaiTfjg 80 
Ai(A,vaXog 147 
Aifxväxig 147 



'OfyioXwiog (Zevg) 105 
'OQ^dwrjg 184 
UvXaifzaxoi 213 
' F7r«^TeA«ari7? 108 



V 



6. Orieehisehe Monats- und Festnamen. 



'^?r«AAa< Fest 101 
!47reAAaro? 101 
'Agra/nixia Fest 101 
'ÄQxafxixiog 101 

'ÄQXSf^lOlCOV 101 

'AQxsfÄixiog 102 
^v5ov[varoff] 109 
Jof^o^oßm Fest 107 
Ja/moff? 104 



Jra Fest 102 
Jmöfa Fest 102 
Jro? 102 

JtOÖ^VOff 105 

doQjtia Festtag 110 
öav;i«a Fest 95 
&soöaiaia Fest 104 
Osodaiaiog 104 
Oso^evia Fest 105 



övra Fest 106 
Övro? 105 
SvoUov Fest 106 
'OiA,oX(o'Ca Fest 105 
'OfA.oX(o'Cog 105 
ndvafxog 103 
ndvafxfiog 103 
/7dv<5«a Fest 102 



7. Personennamen anderer Sprachen. 



Illyrisch, 
^vaara 218 219 
ZiQQag 160 ff. 
Vescleves 96 

Indisch. 
'Aßiadgijg 240 

Kleinasiatisch, 
"^da 191 
/do^a, Addag 146 



Persisch. 
'AßovXlxfig 181 
MdCa^o? 181 
Zaßdxrig 182 
Saßixxag 182 
Zxaf*svTjg 182 ^VvA 
TsQQiddxtjg 224: 

Phrygisch. 
Maqavag 210 



Pisidisch. 
i»fo7v^ 211 

Thrakisch. 
^ri?vff 224 

^v^yrvoff 141 ff. 

Ä^d^ats: 180 
KQdaxcov 142 v\^ 
ITsigcog 185 
SttdXxtjg 182 \>' 
7V/^»y? 224 



'.4t^vat 250 
^tVat 124 257 
!:^|o? 38 
"^^ydoff 62 



8. Ortsnamen. 

'AQQlßdvXlOV 166 

Bovvojuog 257 
dsQÖiov 159 
"^^aeaöa 124 257 



EvQQ)7t6g 164 
ZsiQijvia 93 
KXsoivai 250 
jr^Äwr^Oi 251 



-- 284 



KQdax<üv 142 
Kqi^ox(ov 142 
:i((jLvai 147 
Äina^og 38 
MoXvxQSiov 211 



Nißas 37 
"Oa^o? 38 
naXa 257 
2t]f^(ov8ai 251 
2'refff 163 



2'/eeo 163 
2xdQ(prj 28 
^iXiTcnoi 251 



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